Konzertrückblick: Jazzfest „Tiengener Sommer“, Blues- and Boogie-Night


Gestern abend fuhr ich nach der Arbeit nach Tiengen (Deutschland), gleich ennet der Grenze nach Waldshut. Dies war eine relativ kurzfristige Idee. Anfangs Woche machte ich mich im Jazztime (Schweizer Jazz & Blues Magazin) schlau, wo am Donnerstag Abend Blues- oder Jazzkonzerte stattfinden. Meine Wahl fiel bald auf das Jazzfest in Tiengen. Und da Tiengen unweit von Koblenz AG und Waldshut (D) liegt, war der Fall klar.
In der Altstadt von Tiengen, welches dieses Jahr sein 1150-jähriges Bestehen feiert, wird dieses Wochenende auf vier Bühnen Jazz und Blues geboten. Der gestrige Abend war die „Blues- und Boogie-Night“. Kurz vor 19 Uhr befand ich mich schon in der schmucken Altstadt und ich liess mich von den Bluesklängen leiten.
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Den Anfang erlebte ich vor der Bühne 2, mit der Dirty Curtain Bluesband. Nach ein paar Takten Blues-Musik vom feinsten startete ich eine Erkundung, wo sich alle vier Bühnen befinden.
Die Veranstalter haben ganze Arbeit geleistet und beschrifteten die Bühnen mit je einer Tafel (Bühnen-Nr. und welche Band zu welcher Spielzeit). Kompliment!

Zum Nachtessen begab ich mich zur Bühne 3, und ass zu Klängen der Hot Shot Blues Band eine Pizza. Diese Band (ein Trio) war für mich einer der Drei Höhepunkte des Abends. Der kreative, druckvolle Blues im Electric Chicago-Stil war einfach genial. Kraftvolle Grooves und die ausgezeichnete Gitarrenarbeit überzeugten micht restlos. Zudem sind die Musiker aus dem Raum München und ich ein grosser FC Bayern München-Fan. Die Bayern würden sagen: Dös passt scho!
Nach dem Konzert ging ich zu den Jungs und kaufte ihre aktuelle CD: „Show me that you like it“.

Danach studierte ich kurz den Spielplan. Ich entschied mich für 20.45 Uhr für Lousiana Red + Al Jones Trio und für 22.15 Uhr für B.B. & The Blues Shacks.
Zur Überbrückung der kurzen Wartezeit bis 20.45 Uhr begab ich mich zur Bühne 4. Dort wurde wunderbarer Piano-Boogie zelebriert. Das Boogie Duo Stefan Ulbricht + Moritz Schlömer begeisterte das Publikum mit schnellen und melodiösen Boogies, Jazz- und Bluesstücken.

Kurz vor 20.45 Uhr wechselte ich den Standort zur Bühne 2. Bald schon startete das Al Jones Trio das Set. Nach zwei fetzigen Rhythm & Blues-Nummern begab sich Louisiana Red auf die Bühne. Dort stand für ihn ein Holzstuhl mit Sitzkissen parat. Der ältere Herr mit Jahrgang 1932 nahm Platz und griff so beherzt in die Saiten, dass den vielen Fans warm ums Blues-Herz wurde. Aus der Programmbeschreibung habe ich entnommen, dass Louisiana Red zu den Blues-Legenden gezählt wird. Er hat im Verlaufe seiner bereits schon langen Musikerkarriere mit vielen namhaften Blues-Musikern zusammengespielt, darunter mit keinen geringeren als Muddy Waters, John Lee Hooker oder B.B. King.
Louisian Red + Al Jones Trio waren für mich der zweite Höhepunkt des Abends. Der traditionelle Blues, den der „Meister“ Louisiana Red zelebrierte, wurde vom Al Jones Trio hervorragend mitgetragen. Man fühlte sich um Jahre zurückversetzt, ins Mississippi-Delta.
Nach dem ersten Set kaufte ich mir ebenfalls eine CD, „Lousiana Red: Millennium Blues“. Er signierte sie mir sogar. Blueser-Herz, was willst du mehr.

Nach diesem grandiosen Set gings weiter zur Bühne 1. Dort stand um 22.15 Uhr bereits das dritte Set der B.B. & The Blues Shacks auf dem Program. Die fünf Musiker legten los, und liessen das Publikum (mich eingeschlossen) den Sound der 40er und 50er-Jahre spüren. Wahnsinn! Der Groove, die geile Gitarre, der Super-Gesang, die unter die hautgehende Mundharmonika und das coole Piano liessen meine Beine nicht mehr ruhig stehen. Die bewegten sich einfach zum Takt der Musik mit, ich liess sie gewähren. Die B.B. & The Blues Shacks waren für mich der dritte Höhepunkt des Abends. Mit Recht gelten sie als beste Bluesband Europas.
Michael Arlt begab sich während eines Mundharmonika-Solos sogar ins Publikum. Hammer!
Das Konzert war dann leider viel zu früh fertig. Sofort begab ich mich zum Bassisten und kaufte ihm ihre neuste CD ab („B.B. & The Blues Shacks: Unique Taste“).

Anschliessend begab ich mich nochmals zur Bühne 3. Dort waren Louisiana Red und das Al Jones Trio noch „voll im Dampf“. Nach zwei Stücken war dann leider auch Feierabend.
Um den Abend ausklingen zu lassen, schlenderte ich noch etwas durch die Altstadt und stellte fest, dass nur noch bei der Bühne 2 musiziert wurde.
The Boogie Radio Orchestra war noch am Spielen. Und wie! Das Orchester um den Sänger Peter Behne begeisterte mit Swing-, Jazz- und Blues-Nummern. Die Band (oder Orchester?) besteht neben dem Sänger aus einem Pianisten, Gitarristen, Basser, Drummer und vier (!) Saxophonspielern, aussergewöhnlich.

Petrus meinte es denn auch gut mit den Veranstaltern, Musikern und dem Publikum. Es fing erst bei den letzten Musiknummern des Boogie Radio Orchestra an zu regnen.

Mit vielen Eindrücken ging ich von dannen.
Jrgendwann möchte ich auch mal in einer Bluesband spielen, am liebsten in einer Formation wie sie B.B. & The Blues Shacks sind.

Ihr feldwaldwiesenblogger