Fünf Fragen an Claude Longchamp

Folgende Email habe ich heute Herrn Longchamp zugestellt:

Guten Tag Herr Longchamp

Ich habe Ihren Blog (zoon politicon) vor einiger Zeit entdeckt und lese ab und zu darin. Seit neustem habe ich Sie auch auf meiner Blog-Seite verlinkt, da ich auf Ihrem Blog immer wieder Neues und Interessantes entdecke.
Gerade dieses Jahr, wo im Herbst National- und Ständeratswahlen sind, interessiert mich unsere Parteienlandschaft noch mehr.

Mein Blog „feldwaldwiesenblog“ ist vom Namen her eigentlich Pogramm. Ich bin im Gegensatz zu Ihnen kein Wissenschaftler und blogge daher eher „hemdsärmlig“. Dennoch versuche ich nicht nur „Stammtischgerede“ in meinem Blog widerzugeben, sondern versuche dem „Stammtisch“ eine vernünftige Stimme zu geben. Zugegeben, ich zwinkere öfters beim Schreiben mit beiden Augen und sehe die Politik nicht so „bierernst“ wie gewisse Leute. Dennoch ist es nicht mein Ziel, die Politik durch den Kakao zu ziehen.

Ich habe mir erlaubt, fünf Fragen zu den eidgenössischen Wahlen vom Herbst vorzubereiten und Ihnen zuzustellen. Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Sehr schnell kam eine Email von Claude Longchamp:
guten abend, spannend, ich habe direkt geantwortet, cl.

Auf meine fünf Fragen gab er ausführliche Antworten:

Frage 1: Wird die CVP im Herbst massiv verlieren?
Antwort Claude Longchamp (cl): Sie hat keine guten Aussichten, weder aufgrund der kantonalen Wahlen, noch der Umfragen. Der Leuthard-Effekte, der Gegensteuer gab, ist vorerst vorpufft. Für die Nationalratswahlen verheisst das nichts Gutes, ist aber
nicht alleine entscheidend. Wir stark man auf die CVP zugehen muss, hängt von ihrem Gewicht im Ständerat ab, wo sie weiterhin die grösste Delegation stellen dürfte, und nach rechts und linke Mehrheitsbeschafferin sein könnten-.

Frage 2: Werden v.a. die Grünliberalen (glp) und die BDP die Verluste der CVP erben?
Antwort cl: Ihre Annahme greift zu kurz. Im Hinterkopf steckt bei Ihnen der Wechselwähler. Nun ist das bei tiefer und konstanter Beteiligung schon wichtig. Bei Nationalratswahlen ist die Beteiligung seit 3 Wahlen steigend, und könnte diesmal die 50 Prozent-Marke erreichen. Da kommt es vor allem darauf an, wer gut mobilisiert. In dieser Hinsicht ist beispiels die SVP nicht zu unterschätzen. Es könnte also sein, dass glp und BDP CVP beerben, andere aber gewinnen, weil sie besser mobilisieren.

Frage 3: Finden Sie, dass die glp und die Grünen zusammenspannen sollten, damit ev. der CVP-Bundesratssitz ins Visier genommen werden könnte?
Antwort cl: Nein, die CVP hat einen Sitz im Bundesrat mit ihrer Verankerung in beiden Kammern auf sicher. Wackelig sind die Sitze von Frau Widmer-Schlumpf, einer der FDP, allenfalls auch einer der SP. Wenn es trifft hängt zuerst vom Wahlergebnis im Herbst ab, dann von den Allianzen bei der Wahl. Ich gehe davon aus, dass die glp im voraus mit niemanden koaliert, das sie sachpolitisch ausgerichtet ist, und die Stimmen dorthin gehen, wo es das grösste Gegengenschaft in der Kernenergiefrage gibt.

Frage 4: Wird der Fukushima-Effekt bis zu den Wahlen im Herbst anhalten, und ein weiteres SVP-Glanzresultat verhindern?
Antwort cl: Ich bin kein Fan vom Fukushima-Effekt. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz profitierten die Grünen massiv, und die Wahlbeteiligung stieg. Man kann von Protestwahlen sprechen, die gar einen Regierungswechsel zur Folge haben könnte. In der Schweiz ist die Beteiligung in keinem Kanton gestiegen, profitiert haben nicht einfach die Anti-AkW-Parteien der ersten Stunden, sondern die glp. Ausgerechnet in der Kernenergiefrage ist sie moderat, weshalb ich hier eher lokale und nationale Gründe vermute, als globale.

Frage 5: Was meinen Sie, gibt’s im neuen Parlament eher eine Verschiebung nach links oder nach rechts?
Antwort cl: Das weiss niemand – auch ich nicht. Ich verfolge für den Wahlherbst drei Perspektiven: Erstens, die Umgruppierung der Mitte, zweitens die Polarisierung zwischen Rechts und Links, und drittens, die Supermobilisierung durch die SVP. Die Ergebnisse sind je nachdem anders. Die Ursachen auch: Denn alles hängt von den Themen, den grossen Kommunikatoren und dem Meinungsklima ab, das im Herbst entsteht. Der Konflikt im Wahlkampf bleibt gering. Die Wahlbeteiligung sinkt.

Vielen Dank an Herrn Longchamp auf seine prompten und sehr interessanten Antworten!

feldwaldwiesenblogger