Zu Pfingsten: Gottloses Europa?

Zu einem Artikel der aktuellen Weltwoche-Ausgabe machte ich mir einige Gedanken:

Im besagten Artikel geht’s auch um absolute Zahlen. Die Zunahme der „Gottlosen“ oder „Ungläubigen„ ist stetig steigend.

Aber wieso ist das so? Wieso nimmt die Zahl der Ungläubigen so markant zu? Ist es wirklich nur die verstaubte Kirche, die junge Leute mit solchen Plakaten auf die Strasse treibt?

Da bin ich mir nicht (mehr) so sicher. Die heutige Zeit bietet allen Alterskategorien, aber vor allem den Jüngeren, so viel Ablenkung. Ein Gott oder die Sinnfrage nach ihm braucht‘s da gar nicht mehr. In sogenannt „guten Zeiten“ hat man ja was man braucht, nämlich die Zerstreuung und die Abwechslung.

Aber was ist in Krisenzeiten? Wonach richten sich da die „Ungläubigen“? Was gibt ihnen da Halt?

Auch „unser“ Kardinal Kurt Koch weiss da keinen wirklichen Rat. Im Interview mit der Weltwoche spricht er in meinen Augen vor allem die Gläubigen an. Das ist sein gutes Recht, denn er ist ein Vertreter der römisch katholischen Kirche, und bräuchte sich um die „Ungläubigen“ gar nicht zu kümmern.

Dennoch versucht er es.

Da hat er natürlich vollkommen Recht: Die christlichen Wurzeln gehen verloren. Dass er dabei nicht auf dem Islam rumhackt ehrt ihn. Denn der ist ja bei uns sicher nicht der Grund für den „Untergang“ des Christentums. Das sieht andernorts, Afrika und Asien, natürlich ganz anders aus. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.
Auch bei seinem „Gegenrezept“ hat er natürlich Recht. Nur: Wie soll das funktionieren, wenn die Eltern selber ungläubig sind, oder die Kinder nicht in einer intakten Familie aufwachsen?
Wie soll das funktionieren wenn die „Gspändli“ der Kinder auch keinen Bezug zu Gott haben? Die Fragen könnte man so noch beliebig weiterspinnen. Man kommt an kein Ende.

Ist das Christentum in Europa wirklich bald ausgestorben? Oder gibt es noch Hoffnung und Rettung?
Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät uns, dass in der mehr als 2000-jährigen Geschichte des Christentums schon viele Krisenzeiten überstanden wurden. Ich meine mich sogar zu entsinnen, dass das Kloster Einsiedeln irgendwann vor Urzeiten nur noch ein einziges Mitglied hatte. Heute aber herrscht dort ein reges Treiben, sowohl als Wallfahrtsort wie auch als Stätte für die Brüder und Geistlichen. Die Hoffnung lebt also immer noch weiter…

Zu der „gottlosen Story“ in der Weltwoche kann ich höchstens noch bemerken, dass der Glaube an Gott wahrscheinlich in Zukunft viel flexibler gehandhabt wird (oder werden muss). Die sogenannt scharfen Grenzen zwischen den Landeskirchen und Freikirchen werden wahrscheinlich fliessender werden. Denn ich vermute trotz allem, dass viele Menschen, auch junge, an Gott glauben. Sie glauben an Gott, aber nicht an die Institution Kirche.

Ich für meinen Teil bin auch gläubig. Ich glaube an Jesus Christus, bin Mitglied in der röm. kath. Kirche, und trage meinen Beitrag bei mit meinem Schlagzeugspiel und dem Lektorendienst. Aber sonst? Die Institution Kirche ist für mich mehr Mittel zum Zweck. Aber ich glaube nicht an die Kirche, denn die ist aus Menschen Hand geschaffen, und so fehlerhaft und weltlich wie wir Anderen. Kirche ist für mich: Die Mitarbeiter, die ein Bistum beschäftigt, und die Gebäude, worin der gemeinsame Glaube gelebt werden kann. Wenn man das mal erkannt hat, dann hat man mit dem Glauben keine Schwierigkeiten mehr. Für mich jedenfalls gilt das so.
Zudem: Was gibt es besseres, als einen festen Glauben an Gott in Krisenzeiten? Kirche hin oder her…

feldwaldwiesenblogger

Ein Gedanke zu “Zu Pfingsten: Gottloses Europa?

  1. Ja, die Sache mit den Glauben ist immer sehr delikat. Ich finde es ist gut in etwas zu glauben (oder nicht) solange man nicht Fanatisch wird.

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