New Orleans meets Zofingen – Ein Rückblick

Vorgestern Montag ging ich relativ spontan nach Zofingen, ans Musikfestival New Orleans meets Zofingen.

Wie ich finde, ist das ein kluger Entscheid, ein solches musikalisches Ereignis an einem Montag abzuhalten. Denn im Juni und im Juli sind an den Wochenenden derart viele Konzerte, Anlässe und „Hundsverlocheten“ angesagt, dass man oft mehr die Qual statt die Wahl hat.

Das Wetter war wunderbar, und so ging‘s frohgemut nach der Arbeit direkt ins Städtchen Zofingen. Erst checkte ich in der Jugendherberge ein, bevor ich mich in die nahe gelegene, wunderschöne Altstadt aufmachte.

Punkt 18 Uhr startete auf zwei prima hergerichteten Bühnen die Konzertsause mit sieben Bands. Beim Thutplatz wurde dem Jazz gefrönt, beim unter der Kirche gelegenen Kirchenplatz dem Blues. Ich machte für mich eine kleine Vorauswahl, und befand mich erst bei der Bluesbühne, beim Konzert der Bluesaholics.

Die Bluesaholics, eine 11-köpfige Bluesband aus der Zofinger Region, begannen mit einem Dudelsack-Intermezzo. Ein Trio der „Swiss Midland Pipe Band“, wie Kollege R anhand eines Fotos zu berichten wusste, eröffneten fast feierlich zusammen mit der Band das Konzert.
Hernach wurden diverse Bluesklassiker, aber auch zum Teil eigener Mundartblues kredenzt. Mir gefiel es ausgezeichnet, zeigte die Band doch eine wahre und echte Spielfreude.
Ich hätte mich auf zwei bekannte Gesichter von der Rock- & Bluescruise gefreut. Der eine, Levi Bo Bozdogan (Keyboard, Gitarre, Gesang) war anwesend. Das andere Gesichte, Sandra Rippstein („die Hammerstimme aus dem Aargau“) war scheint‘s leider verhindert. Das schadete zwar dem Auftritt keineswegs. Dennoch fand ich, dass die Gastsängerin nicht das Format von Sandra Rippstein hatte.

Ein erster magischer Moment des Konzertabends war das „Solo-Gefecht“ zwischen dem Bluesharper Benno Riss und dem Gitarristen Hämu Plüss. Die beiden harpften und fetzten was die Altstadt hergab, herrlich!
Besagter Hämu Plüss bedankte sich beim Publikum, wurde er doch erst vor kurzem in den Zofinger Stadtrat gewählt.

Nach dem Konzert der Bluesaholics begab ich mich zur Jazz-Bühne. Auf dem Weg dorthin begegnete ich meinem erst vor kurzem pensionierten Alt Chef, auch so ein magischer Moment.
Was mich sehr erstaunte, war der riesige Publikumsaufmarsch. Es waren schon am frühen Abend praktisch alle Sitzplätze vergeben. Die Musikliebhaber erschienen zahlreich, und dies wohlverstanden an einem Montag.
Trotz den sehr vielen Leuten in der Altstadt gab es nie ein Gedränge, keine Warteschlangen vor den Essens- und Getränkeständen sowie vor den Toiletten. Es herrschte eine ausgelassene, fröhliche und beschwingte Stimmung. Kein Wunder, hatten wir doch endlich wieder mal einen lauen Sommerabend.
Zudem war in meinen Augen der Konzertabend picobello organisiert, ein Riesenkompliment an die Organisatoren.

Währenddessen waren Tori and the Vintage Jazzmen bereits am Swingen. Und wie! Der Schreibende begab sich gleich links vor die Bühne, und genoss den traditionellen New Orleans-Sound. Diesem wurde mit der tollen Stimme von Tori Robinson energiegeladener Gospel zugegeben. Was für eine rhythmische Musik: Meine Wenigkeit liebt diese Kombination und versucht schon seit einiger Zeit den New Orleans-Groove meinem Schlagzeugspiel einzuverleiben.
Meine Beine und Füsse wollten einfach nicht mehr still halten…

Der Auftritt war dann auch viel zu früh vorbei, und es gab die obligatorischen Blumen für die Dame.
Der symphatische Ansager machte seinen Job mit viel Elan und informierte immer gleich über weitere musikalische Grosstaten. Er meinte so auch, dass bei der Bluesbühne Walt’s Bluesbox am Spielen sei.
Ich bahnte mir wieder einen Weg durch die Menge, und war bald wieder vor der Bluesbühne anzutreffen.
Überhaupt: Mit Ausnahme des Gigs von Tori and the Vintage Jazzmen, war ich immer bei der Bühne am Kirchenplatz anzutreffen.

Walt’s Bluesbox, eine junge Formation rund um den Ostschweizer Bluesharper und Sänger Walter Baumgartner, begeisterte mich und das Publikum mit swingendem, jazzigen und funkigem Blues. Man könnte dem auch „Bluespanorama“ sagen, wie es im sehr schön gestalteten Programmheft zum „New Orleans meets Zofingen“-Anlass zu finden ist.
Ich muss ehrlich gestehen, ich habe von dieser 2006 gegründeten Formation vorher noch nie Notiz genommen. Das muss ich schleunigst ändern, trafen sie mit ihrer Interpretation des Blues doch voll meinen Nerv.
Was auffällig ist, ist das Fehlen einer Gitarre. Die Songauswahl, bestehend aus Covers und Eigenkompositionen, sind aber so arrangiert und instrumentiert, dass es schlicht und einfach keine Gitarre braucht.

Um uns die Warte- und Umbaupause bis zum Candy Kane-Konzert zu verkürzen, spielte vor der Bluesbühne die Marching Band Inosp. Ob es die auch wirklich war, bin ich mir nicht mehr sicher. Als ich nämlich den Snare-Drummer fragte, wie sie heissen, musste er erst einen anderen Bandkollegen fragen…
Inosp ist laut Programmheft die Abkürzung für Interstate New Orleans Style Parade Band. Vielleicht ist dem guten Snare-Trommler einfach die Abkürzung Inosp nicht mehr eingefallen…
Böse Zungen behaupten ja gerne und oft, dass die Drummer erstens die besten Kollegen der Musiker seien und zweitens zudem leicht beschränkt. Meine Wenigkeit sieht das etwas anders. Aber dieses Thema diskutieren wir ein anderes Mal, gell liebe Musiker!

Dann war sie an der Reihe: Candy Kane, der Star und Headliner des Abends. Die kalifornische Blues-Diva gab von Anfang an den Tarif durch, und sang sich mit einer lauten und klaren Bluesstimme durch ihre Hits. Begleitet wurde sie dabei von einem bärenstarken Musikertrio, welches ihr den perfekten Soundteppich webte. Candy ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sie ist auch visuell ein Blickfang mit ihrer schrillen Frisur und dem schwarz-schrägen Kleid.
Ich war bei ihrem Konzert meist zuvorderst an der Bühne anzutreffen, und liess meine Beine und Füsse zum geilen Jumpblues im Takt wippen.

Frauen-Power total bei Candy Kane und Band. Neben der sehr auffälligen Sängerin ist eine weitere Frau in der Band: Die begnadete Gitarristin Laura Chavez aus Texas. Wie die in die Saiten haute und die Riffs aus der Gitarre zauberte, war schon ein Hochgenuss. Die eher scheue Gitarristin versteckte denn auch meist ihr Gesicht unter einer dunklen Schirmmütze und die Augen mit einer Brille.
Was mich ausserdem beeindruckte, ist die „Stimmsicherheit“ der Gitarre von Laura. Die Frau wechselte während des ganzen Konzertes nie die Gitarre oder musste sie stimmen. Gewisse Rocker wechseln sie praktisch nach jedem Song…
Ausserdem ist das Stimmen einer Gitarre „feig“, wie unser Sänger und Akkustik-Gitarrist bei Schlatt-Lee zu sagen pflegt. Wie Recht er doch bei Candy-Gitarristin Chavez hat…

Irgendwann gegen Ende des Konzertes war dann noch mehr Girl-Power angesagt. Vier bezaubernde junge Damen hüpften zu Candy Kane auf die Bühne und machten mit ihr zusammen Werbung für einen „Route 66“-Anlass im September.
Die vier „Route 66-Girls“ machten mit Kane zusammen eine gute Figur auf der Bühne, und durften auch noch bei einem Song mittun.

Am Ende des Konzertes gab es natürlich, einem Sponsor sei Dank, wieder Blumen. Ab dem Konzert von Walt’s Bluesbox kriegten auch die Männer Grünzeug. Candy nahm ihre Rose in den Mund und schäkerte mit dem Publikum.
Überhaupt: Die Frau hat wirklich etwas zu sagen! Sie erzählte während dem Konzert von ihrem Leben, ihrer alles andere als glücklichen Kindheit. Ihr war es bei ihren Statements wichtig, die Hoffnung und den Optimismus beizubehalten und das Positive zu sehen. Zudem setzt sie sich für die Schwächeren der Gesellschaft ein und vermittelt ihnen Mut, zu kämpfen. Eine tolle Frau!

Diese junge Lady war jetzt schon Feuer und Flamme für Candy Kane und fotografierte den Star direkt vor der Bühne. Natürlich bestens geschützt, wie dass die Suva natürlich gerne sieht.

Witzige und gelungene Typen gibt’s überall und waren auch ganz vorne an der Bühne beim Candy Kane-Konzert anzutreffen. Dieser Herr schien mir ein Original par excellance zu sein. Er hatte einen grossen Älplerrucksack dabei, und entnahm ihm allerlei Köstlichkeiten. Mal packte er einen dicken Stumpen aus, mal einen Joint. Dabei tanzte er, als ob er den künftigen Regen vertreiben wollte, und stiess dabei grosse Rauchzeichen aus.

Magische Momente gab es deren viele in Zofingen. Stellvertretend für all diese Momente habe ich dieses Foto ausgewählt. Ich will mich ja alles andere als selber beweihräuchern. Aber bei diesem Bild behaupte ich voll Stolz, dass es mir gelungen ist. Ein Schnappschuss der musikalischen Leidenschaft von der Blueslady Candy Kane. Diese Fotografie drückt in meinen Augen genau die Stimmung und die Magie aus, welche uns Candy während des ganzen Konzertes vermittelte.

Müde, aber sehr zufrieden mit all den musikalischen Eindrücken schlenderte ich durch das nachttrunkene Zofingen. Ich steuerte gemütlich die Jugendherberge, oder Youthostel wie man heutzutage sagt, an. Im Haus war es bereits schon still, also verhielt ich mich auch so, und schlief mit einem Bluessong auf den Lippen ein.

feldwaldwiesenblogger

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