Was ist bloss mit der Ortsplanung in Muotathal los?

Also, ganz ehrlich, nichts ist mit ihr los, mit der Ortsplanung. Voller Bestürzung las man vorgestern Samstagmorgen nämlich:


(Quelle: http://www.bote.ch)

Ja, hört das denn die auf? Die Ortsplanung liegt, trotz klarer Genehmigung des Stimmbürgers vor einem Jahr, weiterhin auf Eis! „Sehr viele möchten in Muotathal und in der Filiale Ried bauen, kaum jemand kann“ schreibt Bote-Chefredaktor Josias Clavadetscher.

„Filiale Ried“? Meint cj, wie er im Boten abgekürzt wird, wohl eine Denner-, Migros- oder Coop-Filiale?

Mein Freund und Helfer Wikipedia stand mir wieder mal mit Rat und Tat zur Seite. Clavadetscher liegt nicht ganz falsch, irrt sich aber doch.

Wikipedia erklärt:
Eine Filiale (vom lateinischen filia für die „Tochter“) ist eine örtliche Niederlassung eines Unternehmens, in der Regel eines Handelsunternehmens oder einer Bank. Rechtlich wird die Filiale als Betriebsstätte betrachtet.

Laut der Wissensdatenbank gibt es sie aber auch, die Gemeindefilialen:
In den Kantonen Graubünden und Tessin werden die Gemeindeteile Fraktionen (in Davos Fraktionsgemeinden), im Kanton Bern Viertelsgemeinde bzw. im Berner Oberland Bäuert, im Kanton Zürich Aussenwacht (so in der Region Winterthur und im Zürcher Oberland) und, soweit bis 2010 administrativ eigenständig, Zivilgemeinde und in der Gemeinde Schwyz Filiale genannt. In Städten entsprechen den Ortsteilen die Quartiere, die teilweise auf frühere Dörfer zurückgehen.

„Unser“ Ried gehört aber nicht zur Gemeinde Schwyz, und darf demzufolge nicht als Filiale bezeichnet werden!

Das zu der angesprochenen Filiale Ried, was bei mir und wahrscheinlich auch vielen anderen Lesern aus dem Muotathal übers Wochende Bauchweh bereitet haben könnte.

Weiter aber im Text. Die Ortsplanung in meiner Heimat steckt also wieder einmal fest. Wieso eigentlich?

Bevor ich diese Frage zu ergründen versuche, muss ich vorausschicken, dass ich absolut kein Kenner dieser Materie bin. Eigentlich müsste ich dazu meinen Mund halten oder die Schreibfeder zur Seite legen. Frech wie ich manchmal bin, tue ich das aber nicht und gebe trotzdem meinen „Senf“ dazu ab.

Was ich mitbekommen habe, war dereinst die in letzter Minute eingereichte Einsprache eines sehr schlauen Muotathaler Bürgers im Jahre 2011. Das ganze schöne Sachgeschäft musste von der Gemeinde zurückgezogen und überarbeitet werden.
Vor einem Jahr wurde dann das „Multipaket“ mit 77 (!) Zonenplanänderungen deutlich vom Stimmbürger angenommen. Man dachte, alles würde nun in ruhigere Bahnen und zu neuen Häuschen gelenkt.

Absolut Fehlanzeige. Der „Blick von Schwyz“ hat die bisher vier Runden dieses Ortsplanungs-Possenspiels (oder soll man sagen Ortsplanungs-Horrors?) für seine Leser schonungslos aufgerollt:


(Quelle: http://www.bote.ch)

Die „böse“ Regierung in Schwyz will nicht so, wie der Gemeinderat und die Bürger vom Thal, unerhört! Schon die alten Muotathaler haben die in Schwyz vorne als „Aristokraten“ und „arigi Grawätlig“ (salopp übersetzt: arrogante Anzugträger) geschimpft.

Die alten sozialen Gräben zwischen Schwyz und Muotathal tun sich also wieder auf. Einmal mehr wird das Muotathal wieder von der herrschenden Gewalt „gepiesackt“.

Laut Zeitungsbericht liegt das (einmal mehr) überarbeitete Dossier wieder in Schwyz. „Mit der Hoffnung verbunden, dass bald ein positiver Entscheid fallen wird“.
Denn: Die Reserven an „baureifem“ Land gehen in Muotathal langsam zur Neige.
Vielleicht aber zeigt sich der Kanton diesmal gnädig und lässt Vernunft vor Paragraphen walten. Denn diese zunehmend grössere Idiotie mit dem Paragraphen- und Gesetzes-Dschungel wird zu einem Schreck, wie beispielsweise jetzt im Ortsplanungsfall.

Oder sollte das Muotathal in Zukunft andere Wege beschreiten?


(Quelle: http://www.20min.ch)

Der SVP-Mann Christoph Neuhaus schlägt vor, Wald zu roden um neuen Lebensraum zu schaffen. Die im Muotathal sehr beliebte SVP könnte also für viele bauwillige Muotathaler Bürger der Rettungsanker sein, oder?

Statt sich mit den Behörden in Schwyz um Zonenplanänderungen zu streiten, könnten sich mutige Bürger ein Stück Land im Mittelland der Schweiz ergattern. Dort wo die SVP vorschlägt, Wald für Bauland zu roden, sollten nicht nur Einwanderer bauen dürfen. Auch Schweizer, und dazu gehören ja auch wir Muotathaler, sollten dort sich ein Häuschen mit Garten errichten dürfen.

Die Frage ist einfach: Wer handelt schneller? Das zuständige Amt im Kanton Schwyz oder die rodenden SVP-Mannen um Christoph Neuhaus?

Nun: Wahrscheinlich bezeichnen mich jetzt viele Mitbürger als nicht ganz gescheit. „Das Muotathal verlassen, und sich im Mittelland eine Behausung zu errichten, kommt mir nicht in die Tüte!“
Recht haben diese besorgten Mit-Muotathaler. Denn schon bald würde die das Heimweh packen, so fern ab der Heimat.

Deshalb: Diese Idee schlage ich mir, trotz SVP-Ursprunges, wieder aus dem Kopf. Denn ich möchte ja noch in Muotathal’s Beizen aufkreuzen können, ohne deswegen „blöd angemacht“ zu werden.

Andere Ideen müssen her. Wie wäre es beispielsweise wieder mal mit einer Demo in Schwyz, wie dannzumal im Jahre 2009, am 21. März (Meine erste Demo: Am Tunnelumzug und Kundgebung in Schwyz).

Vom Finanzdepartement zum Regierungsgebäude verlief vor mehr als vier Jahren die friedliche Kundgebung mit etwa 750 Muotithalern. Wir demonstrierten für eine sichere Tunnelverbindung beim „Horärank“. Es half alles nichts, der Tunnel wird trotzdem nicht gebaut.

Was mich damals schockierte: Kein einziger Gemeinderat von Muotathal war bei der Demo dabei. Ich bezeichne dies als „schämisch“, ebenso das Fernbleiben des Schwyzer Regierungsrates. Peter Föhn, SVP-Parteimitglied, Muotathaler und damals Nationalrat (heute Ständerat) war sich nicht zu schade und war dabei. Das spricht doch Bände…

Und darum denke ich, dass es (wieder) angebracht wäre, eine ordentliche Demo in Schwyz vor dem Regierungsgebäude abzuhalten. Diesmal bitte aber mit dem gesamten Muotathaler Gemeinderat, welcher leider ohne „Gemeinderats-Uniform“ aufzutreten hätte. Man erkennt sie deshalb leider nicht so leicht…

Es müsste so lange vor dem Regierungsgebäude ausgeharrt und demonstriert werden, bis die Ortsplanung für Muotathal in trockenen Tüchern wäre.
Einen anderen Plan habe ich derzeit nicht. Bin aber gerne bereit, weitere aufzunehmen und via meinen Blog an unsere Gemeindevertreter weiterzuleiten.

Einstweilen darf also nicht gebaut werden. Sogar wir Kirchengänger müssen immer noch schlotternd und frierend in das alte WC-Häuschen neben der Pfarrkirche Muotathal, genannt „Bogen“, gehen, um dort unsere geheimsten aller geheimen Geschäfte zu verrichten. Denn auch ein neu zu errichtender „Bogen“ blieb von dem Ortsplanungs-Ungeheuer nicht verschont.

Das Ende dieses Planungsstreites, der sogenannte Government Shutdown, ist wie nun bekannt worden ist, noch nicht erreicht und überwunden. Laut Clavadetscher’s Schreckensbericht von vergangenem Samstag soll zudem (wieder mal) eine Beschwerde das Ganze blockieren. Von welcher Art und aus welchem Ecken diese Blockade stammen soll, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Wem dies bekannt ist, darf es mir gerne berichten. Bei mir bleibt es unter Verschluss wie das wohl gehütete Bankgeheimnis.

Am Schluss meines heutigen Blogeintrages bleibt mir nur noch ein Appell an die zuständigen Stellen in Schwyz, Vernunft und Weitsicht zu zeigen. Denn sonst könnte ein Horrorszenario das andere zu jagen beginnen. Wie beispielsweise das Errichten eines Zeltdorfes eingangs Muotathal, beim Militärspital, welches im Jahr 2009 schon praktiziert werden musste. Damals für einen grossen OL-Anlass, dem Swiss-O-Week. Diesmal könnte so ein Zeltdorf aber zu bitterem Ernst werden, wenn nicht endlich wieder gebaut werden darf.

feldwaldwiesenblogger

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