Bruno Gisler’s Dopingfall bringt die „heile“ Schwingerwelt ins Wanken

Am 10. Dezember schrieb ich: Bruno Gislers Dopingfall ist vor allem ein Glaubwürdigkeits-Problemfall.

Das sehe ich immer noch so. Mehr noch: Ich prangere die Dopingkontroll-Praxis des ESV, des Eidgenössischen Schwingerverbandes, an. Und da mir das Schwingen sehr am Herzen liegt, und bisher einen ordentlich glaubwürdigen Charakter aufwies, möchte ich diesem zunehmend dunkleren Kapitel ein bisschen nachgehen.

Denn: Jedermann (-und frau) ist doch sonnenklar, wo der Sport und seine Athleten an Glaubwürdigkeit verlieren. Immer dann, wenn erstens Unmengen an Geld ins Spiel kommen und zweitens gedopt wird wie die Sau.

Beim Schwingsport blieb das grosse Geld bisher ausserhalb der Arena. Mit einem ausgeklügelten Reglement und einem gescheiten Verband konnte man die unverzichtbaren Sponsoren und Geldgeber glücklicherweise draussen halten.
Diese Praxis könnte sich dann ändern, wenn die Schwinger zu „Profis“ würden. Die Geldgeber würden sich wie bisher mit ein paar Ständen hinter den Tribünen, angeschriebener Athletenkleidung und gesponserten fahrbaren Untersätzen nicht mehr zufrieden geben. Diese Geldgeber möchten drinnen, im Allerheiligsten, mitreden können. Soweit sind wir glücklicherweise (noch) nicht, und werden es hoffentlich nie sein!

Heute beschäftigt mich aber nicht das Geld im und rund um den Schwingsport, sondern die unprofessionellen Dopingkontrollen.


(Quelle: http://www.schlussgang.ch)

Als ich obige Mitteilung von der beliebten Schwingerzeitung „Schlussgang“ las, musste ich erst mal den Kopf schütteln. Dies in zweierlei Hinsicht: Der ESV macht ihre Dopingkontrollen selber und „bestraft“ ihre erwischten Athleten nach Gutdünken auch gleich selber. Zudem liess sie weiter Willkür walten, und verteilt nun den im Klassement nachrückenden Athleten den Eidgenössichen Kranz, weil Gisler aus dem Klassement gestrichen wurde.
Das finde ich nicht nur geschmacklos, sondern auch bodenlos und kopflos. Ich mag Ivo Laimbacher und seinen drei Kollegen den Kranz von Herzen gönnen. Mir geht es lediglich darum, dass solcherlei Tun mit fairem Sport nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hat.

Welcher Grundlage entnehmen die ESV-Oberen diesmal bloss ihre Handlungen ? Ich bin kein Experte, kann mich deshalb natürlich irren. Aber: Ich vermute, der angesprochene Handlungsspielraum basiert auf keiner (grossen) Grundlage.
Denn der ESV ist Richter und Henker zugleich, und fährt bei dieser „Gisler-Sache“ einfach komplett auf der falschen Schiene. Die neutrale Kontrollstelle fehlt ganz eindeutig, welche der ganzen Sache einen professionellen und fairen Touch verleihen würde.

Wie im Titel eingangs erwähnt: „Bruno Gisler’s Dopingfall bringt die „heile“ Schwingerwelt ins Wanken“, wankt der saubere Schwingsport ganz gewaltig. Die ganze Geschichte wirkt von keiner Seite ehrlich. Weder von der Athleten-, noch von der Kontroll- oder der Verbandsseite. Das Ganze wirkt zusammengeschustert und komplett improvisiert.

Deshalb gelange ich mit einer offenen Email an den ESV, den Dachverband der Schwinger. Ich bin zwar ein kleiner Blogger, möchte mich aber trotzdem auf meine Weise für eine gerechte Dopingkontroll-Praxis im Schwingsport einsetzen.

Lieber ESV und Chef-Funktionäre

Mit Bedauern und Sorge verfolgte ich in letzter Zeit die Praxis in Ihrem Verband rund um die Dopinggeschichte von Bruno Gisler. Ich bin ein grosser und begeisterter Schwingfan. Ich bin aber auch ein Fanatiker für gerechten, fairen und sauberen Schwingsport.

Der saubere Schwingsport ist mit Ihren eigenen (!) Dopingkontrollen aber in meinen Augen nicht (mehr) gegeben. Deshalb frage ich Sie: Wieso schliessen Sie sich als einer der grössten Schweizer Sportverbände diesbezüglich nicht an Swiss Olympic an, und lassen die Schwinger von dessen Dopingskontrollstelle Antidoping Schweiz kontrollieren?

Sie reiten mit dem Schwingsport schon länger auf einer Erfolgswelle sondergleichen. Ich reite dabei auch mit, mit viel Freude und Enthusiasmus. Dieser Enthusiasmus könnte aber jäh enden, wenn weitere Fälle wie jener von Bruno Gisler ans Tageslicht kommen.

Ich frage mich, ob da nicht noch mehr solcher „Dopingleichen“ im ESV-Keller schlummern, und womöglich irgendwann aufgedeckt werden. Denn wenn man Richter und Henker zugleich ist, öffnen Sie bei uns Fans Tür und Tor für die abstrusesten Verschwörungs-Theorien. Das riecht nach Vetternwirtschaft, und erinnert an „Deckel drauf halten“, dass ja nichts ans Tageslicht kommt. Eine gehörige „Mauschelei“!

Bruno Gislers Dopinggeschichte wirkt so dermassen zusammenkonstruiert, dass sie eigentlich niemand recht glauben mag. Ich habe mir dazu auch meine eigenen Gedanken gemacht: http://feldwaldwiesenblog.blueblog.ch/20131210
Sie vom ESV haben dabei ein so dermassen gutes Drehbuch im Hintergrund geführt, dass man Ihnen eigentlich einen „Film-Oskar“ erteilen dürfte. Der einzige Haken daran: Ihre Tragik-Komödie ist leider wahr.
Dass Bruno Gisler wahrscheinlich „versehentlich“ gedopt hat, ist vermutliche eine Tatsache. Aber nicht so, wie es in Ihrem „Drehbuch“ steht.

Der ESV kann diesbezüglich seine Glaubwürdigkeit nur noch mit der Flucht nach vorne, sprich dem Anschluss an Swiss Olympic und deren Dopingkontrollstelle retten. Wieso Sie das nicht schon längst getan haben, weiss ich natürlich nicht. Es lässt aber irgendwie den Schluss zu, dass Sie alles in den eigenen Händen halten möchten und womöglich etwas zu verbergen haben.

Auch Sie können nicht mehr so hinter dem Mond leben, dass Sie noch nicht mitbekommen haben, wie im heutigen Spitzensport gedopt wird. Diese Doperei macht garantiert nicht Halt vor dem Schwingen.

Geben Sie sich also einen Ruck, und lassen ab anfangs des neuen Jahres die Dopingkontrollen durch Antidoping Schweiz durchführen! Ich bin überzeugt, dass es Ihnen die Fans und die ehrlichen Athleten danken werden. Zudem würde Ihr Ansehen und ihre Glaubwürdigkeit in der Sportschweiz um einen weiteren Zacken zulegen.

Denn: Der moderne Schwingsport wird doch längst schon professionell betrieben, sei’s in athletischer oder marketingtechnischer Hinsicht. Lassen Sie diesen Teil des Schwingens doch auch in einem professionellen Gewand erscheinen.

Bezüglich der nachträglichen Kranzverteilung habe ich noch eine kleine Kritik anzufügen: Musste das unbedingt sein? Gibt’s da einen Passus in Ihren Reglementen, oder liessen Sie vom Verband aus einfach ihre Willkür walten?
Denn auch das wirkt zusammengeschustert. Mit Gisler haben Sie Ihren Dopingfall, der womöglich gar keiner ist (siehe dazu in meinem Blogbeitrag vom 10. Dezember). Wäre es nicht gescheiter gewesen, nur Gisler aus der Rangliste zu streichen und nur seinen Kranz einzuziehen, mehr nicht?

Ich muss ehrlich gestehen: Ich bin wegen Ihrem „Gebahren“ enttäuscht. Eine ordentlich durchgeführte Dopingkontrolle mit anschliessender ehrlicher Information wäre ersten glaubwürdiger und zweitens sauberer gewesen. Und auf Grund dieses „unprofessionellen Befundes“ vier nachträgliche Eidgenössische Kränze zu verteilen, ist abstrus und riecht nach Willkür.

Ich wünsche Ihnen vom ESV alles Gute und einen guten Start ins Neue Jahr. Hoffentlich ein Start mit professionellen Dopingkontrollen und keinen „Mauscheleien“ mehr!

Mit kräftigem Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Ein Gedanke zu “Bruno Gisler’s Dopingfall bringt die „heile“ Schwingerwelt ins Wanken

  1. ivan schreibt:

    ich kann dir nur teilweise zustimmen, lieber feldwaldwiesenblogger.

    es ist doch gerade diese eigenständigkeit die den schwingsport auch ausmacht.

    schade wenn ein paar schlagzeilengeile journalisten, welche zum grossen teil noch nie ein schwingfest besucht haben, es dazu bringen genügend druck auf den esv auszuüben, damit dieser schlussendlich den forderungen dieser zeitungskritzler nachkommt und sich swiss olympic anschliesst.

    DENN: man muss sich fragen was die herren schreiberlinge als nächstes für ein haar im sägemehl finden. kommt dann etwa die ach so unfaire einteilung unter die räder und muss reformiert werden?
    oder müssen neu an jedem kilbischwinget kameras an jedem rund montiert werden um strittige kampfrichter-entscheide zu vermeiden?

    wo kommen wir denn da hin… der esv ist gut beraten nicht zu sehr nach links und nach rechts, sondern auf sich zu hören.

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