Mein Interesse an Skiffle-Music und das 117. Berchtold-Schwinget

Ich bin schon länger interessiert an Skiffle-Music. Skiffle-Music?

Wikipedia erklärt:
Skiffle ist Musik, die auch auf unkonventionellen, improvisierten Instrumenten intoniert wird. Neben der Gitarre und dem Banjo findet man häufig Waschbrett und Waschwannen- oder Teekistenbass, selbst Geräte wie Eimer, Tonne und Gießkanne finden Verwendung.

Skiffle basiert sowohl auf der anglo- als auch afro-amerikanischen Folk-, Country-, Blues- und Jazzmusik. Der Begriff tauchte zum ersten Mal 1925 auf Schallplatten von Jimmy O’Briant and His Chicago Skifflers auf. 1934 spielten Dan Burley and His Skiffle Boys unter der Leitung des Barrelhouse-Pianisten und Journalisten Dan Burley, der Bassist Pops Foster und die Brüder Sticks und Brownie McGhee an der Gitarre den Dan Burley Hometown Skiffle.

Ab 1953 wurde Skiffle von britischen Traditional-Jazz-Musikern, wie Ken Colyer und Chris Barber, aber auch von Alexis Korner und Lonnie Donegan in Großbritannien bekannt gemacht. Die ersten Mitschnitte entstanden wohl 1953 während einer Paris-Tour von Ken Colyer’s Jazzmen, als sie im französischen Rundfunk Midnight Special und John Henry in der Besetzung Ken Colyer (Gitarre und Gesang), Lonnie Donegan (Gitarre und Gesang), Chris Barber (Kontrabass) und Bill Colyer (Waschbrett) präsentierten.

Klingt interessant, nicht wahr? Durch Zufall stiess ich vor einiger Zeit auf diesen Musikstil und eine sehr interessante und wunderschöne Aufnahme aus dem Jahre 1998:


(Bildquelle: http://www.music-bazaar.com)

Lonnie Donegan und Chris Barber, oben von Wikidpedia erwähnt, machen bei diesen Sessions mit. Dazu ist auch einer meiner absoluten Lieblingssänger, Van Morrison, mit von der Partie.
Der Sound dieser Combo ist so herrlich frisch, spontan, lebendig und voller Leben! Ich habe diese Aufnahme schon mehrmals gehört und wurde am Neujahrstag plötzlich von einer spontanen Idee befallen. Ich schrieb eine Email an einer der grössten Skiffle-Kenner in der Schweiz, Robert Weideli.

Guten Tag Herr Weideli

Ich bin sehr neugierig und interessiert an Skiffle-Music und würde gerne bei einer entsprechenden Formation schnuppern oder ev. mitmachen.
Deshalb habe ich ein wenig im Internet nach Skiffle in der Schweiz gesucht, und fand u.a. Ihre Email-Adresse.

Ich bin ein Amateurschlagzeuger, und drumme gerne zu versch. Stilrichtungen. Zu Gospel, Blues, bis zu altem Jazz und Rockmusik habe ich schon getrommelt. Per Zufall kam mir eine Aufnahme von „The Skiffle Sessions: Life in Belfast 1998“ (Chris Barber,Lonnie Donegan,Van Morrison) in die Hände. Hammersound! Zu solcher Musik möchte ich auch gerne mal spielen.

Haben Sie mir einen Tipp, bei wem oder wo man in einer Skiffle-Formation mitmachen oder sich melden könnte?

Musikalische Grüsse
feldwaldwiesenblogger

Schon tags darauf, am Berchtoldstag, folgte eine sehr ausführliche und informative Antwort von Herr Weideli.

Guten Tag feldwaldwiesenblogger

Danke für Ihre Anfrage und Ihre Interesse an der Skiffle-Music. Leider kann ich Ihnen bei der Suche nach einer Schweizer Skiffle Band nicht weiterhelfen. Es gibt sie meines Wissens heutzutage in unserem Land leider nicht mehr. Während damals in England in den 50er Jahren die Skiffle-Epidemie grassierte (mit über 800 Gruppen) gab es bei uns hier etwa 4–5 Bands. Die britische Skiffle-Bewegung wurde in der Schweiz ignoriert und die wenigen Skiffler mussten praktisch ohne Publikum für sich selber spielen. Es gab keine Auftrittsmöglichkeiten. Ab 1961 war dann der Spuk vorbei. Als die Beatles und die Rolling Stones auf der Bildfläche erschienen, tauschten viele Skiffler ihre Instrumente gegen Elektrogitarren und Elektrobässe ein und machten gängige Beatmusik. Dadurch verschwand der Skiffle-Sound für immer und die englischen Hausfrauen bekamen ihre vorher konfiszierten Waschbretter und Teekisten zurück. Lonnie Donegan ist 2002 verstorben und die Belfaster Sessions mit Morrison waren eines seiner letzten grossen Live-Konzert mit Skiffle Music pur. Donegan hat ja in den 50er Jahren als Banjospieler bei Ken Colyer’s Jazzmen und Chris Barber’s Jazzband angefangen und die Skiffle Group wurde als Teil des Repertoirs eingeführt. Später wurde dann der Erfolg der Skiffle Groups innerhalb einer Jazzband immer grösser, sodass sie sich als unabhängige Formationen selbständig machen konnten.

Ich sehe für Sie auch nur diesen einen Weg. Gründen Sie mit Gleichgesinnten eine eigene Skiffle Group oder schliessen Sie sich einer Traditional Jazz Band an. Von diesen gibt genügend in der Schweiz. Alte Jazz Nummern sind vom Rhythmus her mit Skiffle identisch. Auch die Instrumente sind fast schon alle vorhanden: Banjo/Gitarre, Kontrabass oder Teekiste, Washboard oder Schlagzeug, Kazoos usw. Zudem beschäftigen heute viele Old Time Bands eine Sängerin oder einen Sänger. So macht es keinen Unterschied ob man eine traditionelle Nummer wie z. B. «Bill Bailey Won’t You Please Come Home» mit der Jazzband oder der Skiffle Group spielt. Nun ist es leider aber auch so, dass die meisten Jazzmusiker schon im Rentenalter sind und der Nachwuchs aus jüngeren Musik-Generationen für diesen Sound einfach nicht vorhanden ist. Die Musiker des traditionellen Jazz – der viele Jahre lang als zeitlos galt – und seine Anhänger, werden deshalb in einigen Jahren gänzlich von der Bildfläche verschwunden sein.

Noch etwas zur Skifflemusik allgemein:
Heute gibt es viele Informationen und Dokumentationen dazu online auf Home Pages in Deutschland und Grossbritannien. Diesbezüglich zu empfehlen sind die Webseiten von Chris Barber, Lonnie Donegan, Ken Colyer usw. Anders als in der Schweiz gibt es in Norddeutschland (Bremem, Hamburg, Hannover) heute noch eine Skiffle-Szene.

Schallplatten/CDs/78s
Von allen Skifflern, die im UK und in Deutschland Aufnahmen gemacht haben gibt es Schallplatten. In den 50ern z.T noch als 78er. Dann vieles auf Vinyl (LPs, EPs, Singles und schlussendlich alles auf CDs. CDs sind bei den Händlern erhältlich, 78er und Vinyl werden hauptsächlich auf dem britischen Ebay angeboten.

Literatur/Bücher über die Skiffle-Musik:

Goin‘ Home (The uncompromising live and music of Ken Colyer)
by Mike Pointon and Ray Smith. The Ken Colyer Trust, 2010.

Lonnie Donegan (and the birth of Britisch Rock & Roll)
by Patrick Humphries. The Robson Press, 2012.
Skiffle (The definitive Inside Story)
by Chas McDevitt. Robson Books, 1997.

The Skiffle Craze
by Mike Dewe. Planet Books 1998.

Puttin‘ On The Style (The Lonnie Donegan Story)
by Spencer Leigh. Finbar International, 2003.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Angaben etwas nützen. Ich bedanke mich für Ihr Interesse. Mit freundlichen Grüssen von einem uralten Skiffler.

Robert Weideli

Vielen herzlichen Dank an Herrn Weideli für seine Angaben, Erklärungen und Ausführungen. Wer weiss, vielleicht ergibt sich mal spontan etwas mit Gleichgesinnten. Sonst hange ich einfach weiter meinen Skiffle-Träumen nach und trommle für mich zu den „Skiffle Sessions – Live in Belfast 1998“.


Usum Chäs-Chessi:

Gestern besuchte ich das erste Schwingfest der Saison 2014, das traditionelle Berchtold-Schwinget in der Zürcher Saalsporthalle. Das Hallenschwingfest fand heuer bereits zum 117. Mal statt, und erlebte mit Mario Thürig einen souveränen und würdigen Sieger.
Schlussgangfilmer Jakob Niederberger versah gestern einmal mehr tadellos seinen Dienst, und so hatte ich heute Morgen schon früh elektronische Post vom Meisterfilmer in meinem Briefkasten:

Zu erwähnen gilt noch, dass gestern 127 Schwinger in Zürich antraten, davon sechs Eidgenössische Kranzschwinger. Zudem waren laut Bote der Urschweiz 1400 Zuschauer anwesend, wovon Zwei schon um 07.01 Uhr ihre Parkplatzkarte einstempelten. Der Wettkampf begann übrigens mit ein wenig Verspätung nach 9 Uhr.

feldwaldwiesenblogger

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