Die Schwingsaison 2014 steht vor der Tür

Am nächsten Sonntag wird mit dem Frühjahrsschwinget Oberarth (Kanton Schwyz) die Freiluftsaison und damit die diesjährige Schwingsaison eingeläutet. Das Königsjahr eins beginnt für Mathias Sempach nach seinem fulminanten Sieg am ESAF 2013 in Burgdorf.

Voller Spannung und Freude blicken viele Schwingsportfreunde in die Zukunft. Denn auch dieses Jahr steht mit dem nur alle sechs Jahre stattfindenden Kilchberger Schwinget anfangs September ein würdiger Saisonhöhepunkt auf dem Programm.

Nach einer längeren Pause mit nur einigen Hallenschwingfesten brennen die Athleten darauf, ihre im Winter antrainierte Kondition, Schnellkraft und neu erlernten Schwünge an Ernstkämpfen in die Tat umzusetzen. Ich freue mich mit zig-tausend anderen Schwingsportfreunden auf spannende Zweikämpfe.

Was die neue Saison wohl bringen wird? Wieder eine Berner Dominanz am Saisonhöhepunkt? Wieder stärkere Innerschwyzer nach dem Rücktritt des Technischen Leiter Eugen Haslers und der Wahl des neuen TK-Chef, dem Beckenrieder Thedy Waser sowie der Ernennung des Innerschweizers Paul Vogel zum neuen Obmann im ESV?

Haben sich die Wogen im Innerschweizerischen Schwingerverband nach den Misstönen am Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf wieder harmonisiert, nach dem ein frustrierter Martin Koch Geni Hasler Vorwürfe machte und Ende Saison zurücktrat?

Und: Wie startet Bruno Gisler nach dem Ablauf seiner reichlich dubiosen Dopinggeschichte und der verhängten Sperre in die neue Saison? Wird der Eidgenössische Schwingerverband ESV sich Swiss Olympic anschliessen und deren Dopingpraxis samt Kontrollen übernehmen?

Ich bin wohl kaum der Einzige, der sich solche oder ähnliche Fragen stellt. Denn: Viel Wasser ist seit dem Saisonende 2013 durch die Schweizer Flüsse und Bäche runter geflossen. Der nicht existente Winter tat wohl sein Übriges dazu und liess Frust, Wunden und Blessuren der vergangenen Saison heilen.

Zudem sind neue Leute am Werk, welche neuen Wind und Schwung in den „Laden“ bringen (können). Nicht nur der neue ISV-TK-Chef Waser will sich beweisen. Auch die Neueidgenossen stehen vor einer Bewährungsprobe. Gehören sie jetzt doch auch zu den „Gejagten“ und werden somit härter „geladen“ als noch vor einem Jahr.

Es gibt einige Rücktritte zu verzeichnen, allen voran der Frust-Rücktritt vom Luzerner Martin Koch. Ebenso bleibt hier zu erwähnen, wie der zurückgetretene Ivo Laimbacher nach dem Gisler-Dopingfall mit zwei anderen Schwingern nachträglich zu einem eidgenössischen Kranz kam.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Der Schwingsport und sein Drumherum bieten genügend Stoff zum Diskutieren, Schreiben, Nachdenken aber auch zum Freude und Spass dran haben.

Was eher zum Nachdenken anregt ist die Tatsache, dass die Mitgliederzahlen der Jungschwinger rückläufig sind. Trotz eines noch nie dagewesenen Schwing-Booms. Woran das liegen mag?
Wohl am neuen Gesellschaftsproblem „Spassgesellschaft“: Die Spassgesellschaft will sich an möglichst vielen populären Anlässen amüsieren, dabei aber nicht wirklich selber aktiv sein. Man will Schwingfeste besuchen und einfach nur konsumieren. Nicht nur vom Sport, sondern auch vom Rahmenprogramm.

Dass dabei auch die Erwartungshaltung steigt, liegt auf der Hand. Und zwar in allen Belangen. Sowohl an die Athleten als auch an die Organisatoren werden je länger je mehr die grösseren Anforderungen gestellt. Diese Situation ist ungesund, sowohl für den Schwingsport wie auch für unsere Gesellschaft. Man erinnere sich nur an die gewaltigen Dimensionen am ESAF in Burgdorf…

Dass dabei die jungen Leute nicht mehr motiviert sind, an ihre Leistungsgrenzen und darüber hinaus zu gehen, ist verständlich. Der Druck wird bei diesem Rummel riesengross. Wenn man vorne mitmischen will, braucht es knallhartes Training, Verzicht und Geduld. Die heutige Spassgesellschaft bringt mit all den vielen Zerstreuungsmöglichkeiten, angefangen von der Unterhaltungselektronik bis hin zu Adventure-Anlässen so viel an Angeboten, dass viele die Schinderei fürs Training schon gar nicht mehr aufnehmen mögen.

Die Bevölkerungsentwicklung mit der Zunahme der „Secondos“ und dem immer grösser werdenden Ausländeranteil tut sicher auch sein Übriges dazu. Dabei soll an dieser Stelle nicht auf die politische Schiene sondern auf die gesellschaftliche Seite hingewiesen werden. Bekanntermassen lieben diese jungen Leute den Fussball mehr als den Schwingsport. Kein Wunder, er liegt ihnen näher am Herzen und lässt sie von viel Ruhm und Geld träumen…

Wir sind nun mit diesen Überlegungen mitten ins Philosophieren rund um den Nationalsport Nummer eins, das Schwingen geraten. Weil’s so schön ist, machen wir gleich weiter.
Eines darf nie vergessen werden: Nebst dem Fussball, Eishockey, Skifahren und den vielen anderen Sportarten hat der Schwingsport schon längst einen Platz an der Schweizer Sportspitze gefunden. Die Popularität wird mit den Zuschauerzahlen und den TV-Einschaltquoten eindrücklich unterstrichen, denn kaum ein Sportanlass zieht in der Schweiz so viele Zuschauer an wie ein Eidgenössisches Schwingfest.

Wir sind jetzt zwar erst am Anfang des mit Frühsommerwetter gesegneten Frühlings. Der zu Beginn des Herbstes angesetzte Saisonhöhepunkt, das Kilchberger Schwinget, wird aber wohl wieder ein Renner sondergleichen sein. Dabei braucht man über keine prophetischen Fähigkeiten zu verfügen. Das ist einfach momentan eine felsenfeste Tatsache.

Im Sommer wird für einen Monat die Fussball-Weltmeisterschaft das Schwingen zweifellos ein wenig in den Hintergrund drängen. Aber sonst wird der Boom ungebrochen seinen Weg durch die Schweizer Sägemehlringe ziehen.

Dabei tun das auch im Schwingsport angekommene Internet, die „Social Medias“ (Facebook und Twitter) und die Werbemöglichkeiten der Schwinger ihr Bestes. Man wird zudem schnell, einfach und rund um die Uhr informiert. Zum Beispiel die Schwinger-App vom „Schlussgang“, der Schwingplattform und Schwing-Zeitschrift Nummer eins. Ähnlich wie beispielsweise beim Fussball kann man sich jederzeit schnell und bequem über ein gerade stattfindendes Fest informieren.

Die „neuen Möglichkeiten“ sind also nicht ganz unschuldig am erwähnten Schwing-Boom. Nicht vergessen darf man aber auch Radio, Fernsehen und die Zeitungen. Sind doch gerade der Bote der Urschweiz mit den tadellosen Berichten von Simon Gerber und Radio Central mit dem fachkundigen Kommentatoren-Duo Alfons Spirig/Dani von Euw schon eine Zeit lang erfolgreich aktiv. Selbst das Schweizer Fernsehen ist nun schon seit einigen Jahren mit einem Grossaufgebot an den schwingerischen Grossanlässen anzutreffen.

Der einst von den grossen Medien und Fernsehstationen belächelte Schwingsport ist bei diesen mittlerweile angekommen und bestens akzeptiert. Es wird mit ehemaligen Schwingern und Schwingerkönigen als Experten zusammen gearbeitet.

Dies alles sind gute Voraussetzungen zum Gelingen eines wieder erneut spannenden Schwingjahres. Jetzt muss nur noch das tolle Frühlingswetter konserviert und auch für diese Freiluftanlässe wieder vorherrschen.

Über die Stärke von einzelnen Schwinger zu spekulieren, ist müssig. Es ist aber davon auszugehen, dass die üblichen „Verdächtigen“ wie der amtierende Schwingerkönig Matthias Sempach, der abgelöste König Kilian Wenger und Christian Stucki das Mass der Dinge sein werden.

Zu diesem starken Trio dürfte sich dieses Jahr aus Innerschweizer Sicht wieder Philipp Laimbacher gesellen. Aus Nordwestschweizer Sicht werden wohl die Herren Bruno Gisler und Christoph Bieri wieder die Nase vorn haben. Ob der Oldie Arnold Forrer wieder vorne wird mitmischen können, bleibt abzuwarten. Bei den Nordostschweizern rechnet man aber wohl wieder mit dem Unspunnen-Sieger Daniel Bösch und Michael Bless. Bei den Südwestschweizern fehlt nach dem Rücktritt von Hanspeter Pellet weiterhin ein Topcrack.

Einem erfolgreichen Saisonstart steht also nichts mehr im Weg!

feldwaldwiesenblogger

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