Sind die Fan-Randale an Fussballspielen in letzter Zeit schlimmer geworden?

Sind die Fan-Randale an Fussballspielen in letzter Zeit schlimmer geworden? Man weiss es nicht so genau. Denn die Statistiker und die Umfrageprofis widmen sich dieser abscheulichen Zeiterscheinung mitnichten so genau wie wenn es um irgendwelche Volksabstimmungen geht.
Die SBB erheben meines Wissens aber eine Art Statistik, welche die Art und die Höhe von Schäden an ihrem Rollmaterial beziffern soll. Diese Zahlen sind aber wohl nur für SBB-internen Gebrauch gedacht.

Ich habe aber trotzdem, subjektiv gesehen, das Gefühl, dass es in letzter Zeit schlimmer geworden ist.

Zu meiner eingangs gestellten Frage fand ich heute folgendes im 20 Minuten:

Dies wäre ein weiterer Indiz dafür, dass sich die Lage in letzter Zeit zuspitzte. Zumal es an Ostermontag beim Cup-Final in Bern massive Ausschreitungen gab und letzten Sonntag in Basel ein Extrazug von GC-Fans durch mehrmaliges Betätigen der Notbremse beschädigt wurde.

Zwei Zwischenfälle innert Wochenfrist. Die Volksseele kocht und die Politiker sind wütend. Auch ich bin wütend:

Randalierer mit Süügüllä abspritzen. Wieso eigentlich nicht? Diesen halbstarken Idioten ist mit legalen Mitteln nicht mehr beizukommen. Die scherren sich nämlich einen Deut um Stadion- oder Rayonverbote. Um Fussball geht es diesen Subjekten schon längst nicht mehr. Vielmehr wird unkontrollierte Aggression rund um Fussballspiele abgebaut. Zudem ziehen Fussballspiele auch „Gewalt-Touristen“ an, wie in Bern.
Die immer „ausgeklügelteren“ Massnahmen der Politik und Sicherheitskräfte, wie etwa das neu ausgedachte Hooligan-Konkordat, scheinen einfach nicht zu fruchten.

Trotzdem gibt es gemässigte Stimmen, die besagen, dass die Medien die ganze Sache total aufblasen und sich gezielt auf die Fussballfans einschiessen.

Letzte Woche entdeckte ich nach den Ausschreitungen in Bern einen Tweet von @NZZ: „Canepa hat den Verdacht, dass «Krawall-Touristen» den Fan-Marsch des FCZ als Plattform missbraucht haben.“ Diesen Tweet kommentierte ich mit: „Da wäre ich mir nicht sicher!“

Darauf hat mir ein Twitterer erwidert: „Wer sich wohl besser damit auskennt? Ein FWW Blogger oder der FCZ Präsident?“

Klar, ich bin sicher kein Kenner der Szene, liess mich dann auf eine kurze Diskussion ein, und erhielt obendrein noch zwei wertvolle Links zur Diskussion über die sogenannte Fankultur.

Der vollständige WOZ-Artikel vom 5.1.2012 ist unter diesem Link nachzulesen: WOZ-Artikel

Zudem ein interessanter Film, „Oltre la Curva“, zu welchem folgendes steht: „Hooligans, Chaoten und Randalierer? Faló, eine Dok-Sendung des TSI, wollte diesem Phänomen auf den Grund gehen. Bei den Recherchen kam Erstaunliches zutage.
Entstanden ist ein 40-minütiger Film, welcher die Fanthematik für einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.“

„Der Schaden ist angedichtet“ und „die Fanthematik für einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet“ zeigen, dass es, wie immer im Leben, zwei Seiten von allen Dingen gibt.

Ich twitterte auch: „Habe nichts gegen gut gelebte Fankultur. Bin ja auch in einem Fanclub. Du meinst, unsere linken Medien berichteten nicht objektiv?“

Darauf die Antwort: „Ob die Medien nun Links oder Rechts sind ist mir eigentlich egal. Ihr Lieblingsopfer sind die Fussballfans. Dafür gibt es Beispiele.“

Diese erwähnten Beispiele habe ich nun aufgeführt, auch als Diskussionsbasis.

Wie die ganze Sache weitergehen wird, weiss niemand. Was aber jeder weiss: Irgendjemand zahlt die Schäden und der immer grösser werdende Sicherheitsaufwand. Letztendlich geht es, wie (fast) immer im Leben, um das liebe Geld.

Ich selber habe, wie oben erwähnt, absolut nichts gegen gut gelebte Fankultur mit ihren teilweise wunderschönen Choreographien, den entsprechenden Gesängen und den lautstarken Anfeuerungsrufen. Man könnte mit mir auch über kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerk diskutieren.

Wo es aber sofort aufhört, ist wenn Menschen und öffentliche Einrichtungen zu Schaden kommen. Dann ist einfach Schluss. Übergriffe in Stadien, das Stürmen von Gästeblocks, das Werfen von Feuerwerk auf den Rasen oder auf Menschen… Nein, irgendwo gibt es Grenzen!
Und diese Grenzen loten derweil unsere Randalierer und Chaoten aus, eigentlich wie kleine Kinder…

Was ich letzte Woche bei der kurzen Diskussion gelernt habe: Ich rede oder schreibe bei Ausschreitungen nicht mehr von „Fans“, sondern von Randalierern. Man muss da wirklich unterscheiden. Denn die überwiegende Mehrzahl der Fans sind friedlich.

Damit die wahren Fans auch von den Randalierern unterschieden werden können, müssen wir uns unbedingt ein paar Definitionen zu Gemüte führen. Was sind Ultras und was sind Hooligans. Bei Wikipedia steht geschrieben:

„Bei Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein „immer und überall bestmöglich zu unterstützen“.
Neben der akustischen Unterstützung, die sehr häufig von einem sogenannten Capo (von italienisch il capo für Haupt oder Anführer) mittels Megaphon koordiniert und durch Trommeln begleitet wird, legen Ultras auch viel Wert auf optische Hilfsmittel wie z. B. Konfettiregen, bengalische Feuer und Fahnenmeere. Außerdem kreieren, finanzieren und organisieren die Ultras farbige Choreographien. Bei diesen Choreographien bereiten die Ultras Materialien vor, die zu Spielbeginn an alle Zuschauer (auch Nicht-Ultras) eines Stadionbereiches ausgegeben werden und die durch gleichzeitiges Hochhalten z. B. ein großflächiges Vereinswappen ergeben. Oft werden auch Überrollfahnen oder Wurfrollen verwendet. Unterstützung durch Sponsoren oder Vereine wird strikt abgelehnt. Ultras finanzieren sich meist durch eigene Mitgliedsbeiträge und durch den Verkauf von selbstkreierten Fanartikeln.“

Und:

„Abgrenzung zu Hooligans
Während bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund steht und Fußballspiele nur einen Anlass dazu bieten, steht bei Ultras der Sport im Vordergrund; allerdings sind bei manchen Ultra-Gruppierungen Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen und der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fan-Gruppen. Aus diesem Grund werden die Ultras in Medien und öffentlicher Wahrnehmung oft mit ‚Hooligans‘ bzw. mit Gewaltbereitschaft assoziiert. Ein großer Teil der deutschen Ultraszene betont jedoch, dass man sich nicht als ‚Gewalt suchend‘ definiere. Allerdings setze man sich bei körperlichen Übergriffen auf die eigene Gruppe entsprechend zur Wehr. Viele Ultragruppierungen in Deutschland beklagen auch, dass die Polizei zunehmend versuche ihnen ein Stigma der Gewaltbereitschaft anzuheften, da diese nach dem Zerfall der klassischen Hooliganszene nun ein neues Betätigungsfeld im Rahmen von Fußballspielen brauche.“

Mir ist auch klar, dass die Fanverantwortlichen und Fanarbeiter ganz sicher einen schweren Stand haben. Denn zu den Ultras und den wahren Fans mischen sich zunehmend die besagten Randalierer und Chaoten.

Ich meine aber, dass die „guten“ Fans auch in die Pflicht zu nehmen sind. In dem sie nämlich diese Idioten nicht (mehr) decken. Deshalb fordere ich die Fans auch auf: „Gebt die Namen, selber gemachte Handy-Fotos und -Filme der Polizei. Sorgt selber für Ordnung, denn ihr habt es in der Hand. Wenn ihr nicht immer von der Öffentlichkeit angeschwärzt werden möchtet, müsst ihr unbedingt selber aktiv werden. Bitte!“

Damit die Fans und die Ultras auch mal gelobt werden, möchte ich eine wunderschöne Choreographie des FC Luzerns, mein Lieblingsfussballklub in der Schweiz, zeigen:

Natürlich darf man auch nicht naiv sein, und ein Schwingfest mit einem Fussballspiel vergleichen. Die „Ultras“ beim Schwingsport rauchen eine Brissago, tragen eine Militär-Pelerine und kommen mit einem Militärrucksack an den Anlass. Sie können stundenlang mit stoischer Ruhe das Geschehen auf den Sägemehlringen verfolgen.

Die Fussball-Ultras hingegen kommen mit Fahnen und Trommeln zu einem Fussballspiel, und unterstützen ihre Mannschaften lauthals mit orchestrierten Fangesängen.

Eines ist aber beiden „Ultragruppen“ gemeinsam. Sie haben gerne Bier…

Mit diesem versöhnlichen Abschluss möchte ich meine eingangs eingebrachte Wut gegen Fan-Randale nun ausklingen lassen. Es ist nur ein kleiner Bruchteil der Anhänger, die eine ganze Fangemeinde in den Dreck zieht. In dem Sinn: Wehret euch, ihr wahren Fans, und verstosst die schwarzen Schafe endlich aus euren Reihen!

feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Frühjahrsschwinget Ibach und der vierte im Bunde ist Matthias Glarner

Am Ostermontag besuchte ich das Frühjahrsschwinget in Ibach. Da den organisierenden Mythen-Verbändlern Petrus einigermassen gut gesinnt war, konnte das Schwingfest bewölkt, aber glücklicherweise trocken, unter freiem Himmel beim Christophorus Schulhaus durchgeführt werden. Als aller erstes möchte ich eine kleine Kritik loswerden, bevor ich dann nur noch Gutes über diesen Anlass berichte.
Da 163 Schwinger teilnahmen, zog sich der Anlass in die Länge. Der Schlussgang zwischen Andreas Ulrich und Adrian Laimbacher begann leider erst um 18 Uhr. Ich verstehe die Organisatoren, möglichst viele Schwinger antreten zu lassen. Trotzdem wäre es in meinen Augen sinnvoller gewesen, eine Anmeldefrist samt Limite zu setzen. Auch wegen den Zuschauern. Wie wäre zum Beispiel in Zukunft eine Limite mit 120 Schwingern?

Um etwa 18.15 Uhr stand dann mit Andreas Ulrich der verdiente Sieger fest. Nach fünf Maximalnoten musste Ulrich denn auch nichts riskieren im mässig interessanten Schlussgang.
Im vierten Gang bodigte der Gersauer den Bürer Lutz Scheuber, trotz stiebendem Sägemehl und Rettungsversuch von Ulrich.

Apropos Schlussgangfilm und Fotos: Jakob Niederberger und ich vereinbarten unter der Woche eine kleine Zusammenarbeit miteinander. Er verlinkt meine Beiträge künftig bei sich auf der Homepage (www.schlussgangfilmer.com) und im Gegenzug bekomme ich von ihm Fotos und den Schlussgangfilm für meine Schwingberichte.
Übrigens: Beim Schwinget in Ibach reichte Schlussgangfilmer Jakob Niederberger krankheitsbedingt die Kamera und den Fotoapparat Laura Schelbert weiter. Seine gelehrige „Lehrtochter“ verrichtete ihren Job bravourös. Schlussgangfilm und Fotos vom Ibächler Schwingfest sind heute also von Laura.

In Ibach wurden auch Schwinger aus dem Tessin gesichtet. Viele meinen jetzt vielleicht, dass das Schwingen im Tessin gar keine Tradition hat. Da irren sie sich. Auf der Homepage des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) findet sich dazu folgendes: „Der Tessiner Kantonal-Schwingerverband (kurz: TKSV) ist ein Verein im Sinne von Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB).“ Interessanterweise gehört der Tessiner Verband nicht etwa dem Südwestschweizer Verband an, sondern dem Innerschweizer.

Soviel ich weiss, führten die Tessiner Schwinger längere Zeit ein Mauerblümchen-Dasein. Das soll sich aber nun wieder ändern. Auf der TKSV-Homepage erkennt man, dass sie einige Nachwuchsschwinger haben, welche in letzter Zeit auch regelmässig an Schwingfesten in der Innerschweiz anzutreffen waren.
Auf dem Bild befinden sich die drei angetretenen Tessiner mit ihrem Betreuer.

In Ibach wurde ebenfalls Neueidgenosse Torsten Betschart gesichtet. Ich meine kürzlich gelesen zu haben, dass er dieses Jahr keine Schwingfeste bestreitet, kann meine Behauptung aber nach kurzem Suchen im Internet nicht belegen. Ich vermute, dass der Eidg. Dipl. Maschinening. ETH dieses Jahr nun seinen Doktor machen will.

Schwingprojekt 2014:


Philipp Laimbacher:

Der von Philipp angekündigte Start am Frühjahrsschwinget in Ibach fiel leider ins Wasser. Ich fragte gestern bei ihm telefonisch nach, wie es ihm geht.
Laimbacher sagte mir: „Im Februar dieses Jahres bekam ich Adduktoren-Probleme, und habe diese in der Folge unter anderem beim Training in Magglingen wohl zu stark ausgereizt. Ich habe vier Wochen auf das Schwingtraining verzichtet und ging erst letzte Woche wieder in den Schwingkeller. Ich hätte zwar in Ibach antreten können, habe mich aber geschont und wollt bewusst nichts riskieren vor den Kranzfesten, damit ich dort „Vollgas“ geben kann. Beim Mittelländischen Schwingfest an der BEA in Bern (Samstag, 3. Mai) werde ich antreten. Tags darauf bestreite ich auch das Zuger Kantonale in Unterägeri.“


Matthias Glarner:

Ich habe mir in der vergangenen Woche zudem allgemeine Gedanken zu meinem Schwingprojekt 2014 gemacht. Da sich von den acht angeschriebenen Schwingern nicht alle gemeldet haben, und ich festgestellt habe, dass ich an ehemalige und aktive Schwingerkönige nicht ohne weiteres rankomme, ging ich über die Bücher. Ich sagte mir: Weniger ist mehr, und beschränke mich deshalb nun auf vier Schwinger. Aus jedem Teilverband begleite ich nun je einen, ausser dem Südwestschweizer Verband.

Bei den Bernern hat mir zwar Matthias Sempach meine vier „Startfragen“ beantwortet. Da ich aber gedenke, mich mit diesen Schwingern regelmässig auszutauschen, suchte ich mir einen Berner Schwinger, der nicht mit ganz so viel Rummel eingedeckt ist wie Sempach und Kilian Wenger.
Ich entschied mich deshalb für Matthias Glarner aus dem Berner Lager, und rief ihn am Dienstagabend an. Er war sofort bereit, bei meinem Projekt mitzumachen, und fand es auf Anhieb interessant.

Tags darauf schickte ich Matthias eine Email mit meinen vier Startfragen. Wörtlich schrieb ich ihm: „Wie du vielleicht gesehen hast, habe ich u.a. die Berner Matthias Sempach und Kilian Wenger angeschrieben. Aber an die beiden kommt man als „kleiner Blogger“ nicht wirklich heran.
Du musst aber wissen, dass du für mich überhaupt kein „Notnagel“ bist. Sondern eher ein Rettungsanker. Denn ich möchte mich jetzt auf vier Schwinger konzentrieren, mit welchen ich auch kommunizieren kann und die mir spontan zusagten.
Ich plane so eine Art wöchentliche Kolumne, wo ich über dies und das rund um den Schwingsport schreibe. Mit dem Fokus auf euch vier: Du, Philipp Laimbacher, Christoph Bieri und Stefan Burkhalter, welche ich vom Frühling bis zum Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, mit meinem Blog begleiten möchte. Wie man erkennen kann: Von jedem Teilverband einer, ausser der Südwestschweiz. Aber da hätte ich ein sprachliches Problem…“

Noch am selben Abend stellte mir Matthias seine Antworten zu:

Frage 1: Wie verlief deine Vorbereitung auf die Saison 2014?
Mit dem Verlauf meiner Vorbereitung bin ich sehr zufrieden, war die ganze Zeit verletzungsfrei und konnte das Programm wie gewünscht durchziehen. Optimal waren sicher auch die beiden WKs im Januar/Februar in Magglingen. Für diese Möglichkeit bin ich dem BASPO und der Schweizer Armee sehr dankbar.

Frage 2: Auf was hast du im Wintertraining ein spezielles Augenmerk gelegt?
Das Wintertraining war etwa ähnlich wie in den Jahren zuvor. Ich selber habe das Gefühl, dass ich im physischen Bereich einen Schritt vorwärts machen konnte, und auch schwingerisch bin ich sicher weiter als in den Jahren zuvor. Hauptaugenmerk lag dabei auf der Bodenarbeit sowie ein paar weiteren Kombinationen aus dem Stand.

Frage 3: Wie sehen deine Ziele für die neue Saison aus?
Die Ziele sind ebenfalls ähnlich wie in den Jahren zuvor. Höhepunkte bilden sicher die drei Bergfeste auf dem Stoos, auf dem Weissenstein und auf dem Brünig sowie das Nordwestschweizerische Schwingfest in Zuchwil, wo ich das erste Mal die Berner Farben vertreten darf. Das Sahnehäubchen wird dann das Kilchbergschwinget, an welchem ich hoffentlich auch dabei sein kann.

Frage 4: Wie schätzt du deinen momentanen Formstand ein?
Ich schätze meinen Formstand als sehr gut ein, konnte wie gesagt verletzungsfrei trainieren und die Resultate an den Vorbereitungsfesten stimmen ebenfalls. Ich freue mich sehr auf den Start in die Kranzfestsaison und hoffe auf weitere positive Resultate.


Christoph Bieri:

Christoph war letztes Wochenende an keinem Schwingfest im Einsatz. Laut Agenda auf seiner Homepage wird sein nächster Einsatz am 18. Mai in Muttenz sein, und zwar beim 99. Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest.


Stefan Burkhalter:

Stefan triumphierte am Ostermontag am Schaffhauser Frühjahrsschwinget.
Auf schlussgang.ch war dazu folgendes zu lesen: „Der Schaffhauser Frühjahrsschwinget dauerte bis knapp 19 Uhr, ehe Stefan Burkhalter als Festsieger feststand. Der Thurgauer Routinier stellte im Schlussgang im Eidgenossen-Duell gegen Daniel Bösch. Weil Burkhalter mit mehr Punkten in den Schlussgang stieg, reichte ihm der Gestellte zum Tagessieg.“ Herzliche Gratulation!

Somit ist Matthias Glarner also der vierte im Bunde meines Schwingprojektes 2014. Herzlichen Dank für dein Mitmachen, Matthias!
Dieses Projekt nimmt nun mehr und mehr Konturen annimmt. Trotzdem nehme ich mein „Ding“ Woche für Woche, und mache mir jeweils schon am Montag meine Gedanken dazu. Wie man feststellen konnte, bringe ich nach Möglichkeit meine Schwingkolumne samt Inhalten des Schwingprojektes gegen Ende der Woche (Freitag oder Samstag).

Zum Schluss meiner Schwingerwoche habe ich noch eine kleine Vorschau: Am Zürcher Kantonalen Schwingfest (11. Mai, in Wila) geben Les Sauterelles im Rahmen des Unterhaltungsprogrammes am Freitagabend ein Konzert.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Die Affäre Mörgeli ist längst eine Medien- und Parteienzugehörigkeits-Geschichte geworden

„Leichen im Keller des Professors“ – Mit diesen scheintoten Vorwürfen wurde im September 2012 eine massive Kampagne gegen Christoph Mörgeli geritten, welche schlussendlich anfangs 2013 in der Entlassung Mörgelis an der Uni gipfelte. Es führte zu einem Mediensturm sondergleichen. Irgendwann kehrte dann (glücklicherweise) wieder eine Phase der Ruhe ein.

Nun hat sie uns wieder, die Affäre Mörgeli. Sie dauert weiter an, und nervt zunehmend. Nach der erwähnten kurzen Pause ist sie auf fast allen Medienkanälen (wieder) omnipräsent. Ich habe seit dem Beginn der Affäre bis heute einiges darüber gelesen. In der Folge verzichte ich aber darauf, nochmals alles aufzulisten. Dies hat zum Beispiel die Weltwoche in einer mehrteiligen Serie schon längst getan.

Ich habe diesbezüglich aber nicht nur die Weltwoche konsultiert. Um mir eine eigene Meinung machen zu können, habe ich mich möglichst über viele Medienkanäle informieren lassen.

Nun zeichnet sich für mich je länger je mehr ein Bild mit Konturen ab. Ein Bild der Parteienzugehörigkeit, sowohl im politischen Sinne, als auch in Bezug zu Christoph Mörgeli.

Grob gesagt gibt es drei Lager. Da sind zuerst die Ankläger. Dazu gehören der Tagesanzeiger, Iris Ritzmann und das Medizinhistorische Museum (samt Gefolgschaft), die Rundschau des Schweizer Fernsehens, die Zeitung „Sonntag“ sowie Regine Aeppli (Zürcher Bildungsdirektorin).

Der Tagesanzeiger und dessen Schreiberling Ivan Städler brachten mit einer reisserischen Story den Ball ins Rollen. Dabei wurde Städler kräftig mit Informationen von Iris Ritzmann, der damaligen Chefin von Mörgeli, bedient.
Ritzmann wurde inzwischen wegen Amtsgeheimnisverletzung von der Uni freigestellt. Zu Ritzmann’s Gefolgsleuten gehörte ihr Ehemann Eberhard Wolff und der Institutsleiter des Medizinhistorischen Museums, Flurin Condrau. Wolff war bis zum Zeitpunkt seiner Entlassung auch im Medizinhistorischen Museum angestellt.
Das Ehepaar Ritzmann-Wolff wurde in der Folge sogar verhaftet, verhört und nach einer Nacht Haft wieder auf freien Fuss gesetzt. Institutsleiter Condrau gab während einer gewissen Zeit auch sein Amt ab, und Uni-Rektor Andreas Fischer trat später völlig entnervt zurück.

Die Rundschau des Schweizer Fernsehens und dessen Moderator Sandro Brotz machen und machten ebenfalls kräftig Stimmung gegen Mörgeli. Man erinnere sich an die Worte von Mörgeli im September 2012 in der Rundschau: „Sind Sie eigentlich vom Aff bisse?“ Mit dieser Aussage verschaffte sich Mörgeli verärgert Luft gegenüber dem Wadenbeisser Brotz.

Die Zeitung „Sonntag“ verblüffte irgendwann im medialen Gewitter mit der Sensationsschlagzeile: „Universität entlässt Professor Mörgeli“. Dabei wurden dem Journalisten des „Sonntags“, Christof Moser, laut Weltwoche-Artikel von letzter Woche scheinbar „von ganz oben“ Informationen zugesteckt. Mit „von ganz oben“ ist Hochschulamtschef Sebastian Brändli gemeint, der direkt der Bildungsdirektorin Regine Aeppli unterstellt ist. Besagter Brändli soll Moser mitgeteilt haben, dass die Entlassung Mörgelis die Woche darauf Tatsache werden soll.

Was bei diesem Ankläger-Lager auffällt: Einige davon sind im Besitz des SP-Parteibüchleins: Sebastian Brändli und Regine Aeppli. Zudem ist die Rundschau mittlerweile dank Sandro Brotz ein absolut linkes Sendegefäss geworden, und auch der Tagesanzeiger bewegt sich seit längerem am linken politischen Rand.

Hier kommt nun das zweite Lager, die Verteidiger und Fürsprecher von Mörgeli, ins Spiel. Zu dieser Truppe gehören einerseits die Weltwoche, andererseits der Zürcher Staatsanwalt Andrej Gnehm.

Die Weltwoche und dessen Schreiberling Philipp Gut sind schon seit Wochen erpicht darauf, die Fakten aus ihrem Blickwinkel auf den Tisch zu bringen. In einer mehrteiligen Reihe berichtete Gut in der Weltwoche über Mobbing, Intrigen, Verstrickungen und Hinterhältigkeiten gegenüber Professor Mörgeli. Der erwähnte Weltwoche-Artikel über Recherchen, welcher in der Zeitung „Sonntag“ zu der Sensationsschlagzeile führte, lässt aus meiner Sicht den Schluss zu, dass die Weltwoche offensichtlich Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft haben musste. Kein Wunder, Staatsanwalt Gnehm ist nämlich SVP-Parteimitglied…

Staatsanwalt Gnehm liess denn auch relativ „brutal“ die Verhaftung von Ritzmann und Wolff inszenieren. Wie Schwerverbrecher wurden sie vor den Kadi geführt. Als Rache für SVP-Kollege Mörgeli? Sehr wahrscheinlich.

Auch Philipp Gut geht mit den oben erwähnten Anklägern hart ins Gericht. Schonungslos zieht er über sie her („Kriminalfall Mörgeli“), wie wenn sie einen heimtückischen Mord durchgeführt hätten.

Dieses Lager ist also eindeutig dem rechtsbürgerlichen Ecken der SVP zuzuordnen.

Das dritte Lager, dasjenige der Neutralen, wird unter anderem von der NZZ beackert. Sie berichteten bisher ziemlich objektiv und als wirklich Aussenstehende darüber. Gerade vorgestern Sonntag erschien in der NZZ am Sonntag ein Artikel mit dem Titel „Affäre Mörgeli: Mysteriöser Besuch im Büro“. Darin wird erklärt, dass zwei Unbekannte „auf dem Höhepunkt der Affäre“ (25. September 2012) in Frau Ritzmanns Büro eingedrungen sein sollen.

Die NZZ lieferte bisher neutrale Beiträge ab, welche weder reisserisch noch irgendein Lager bevorzugt hätten. Nüchtern wurde über Fakten, Tatsachen und bisher Geschehenes geschrieben.

Wer jetzt nun Recht hat in dieser Affäre spielt eigentlich gar keine Rolle. Denn ein bisschen Recht haben wohl beide Seiten, oder wie ich es nenne, Lager.
Die Ankläger waren es wohl leid, dauernd von Mörgeli mit süffisanten Aussagen gepiesackt zu werden. Vermutlich wie zu „seinen besten Zeiten“ in Radio und Presse hat er seine Arbeitskollegen zur Weissglut getrieben. Diese „dankten“ es ihm nach einer längeren Leidenszeit mit einem Masterplan, der den Rauswurf des unliebsamen Professors als Ziel hatte.

Das Problem von Mörgeli war nur, dass an der Uni und in dessen Leitung (und deren „Oberleitung“ Bildungsdirektion) vor allem SP-Leute und Sympathisanten sitzen. Der SVP-Mann war den linken Tiraden und der dazugehörigen Aktionen hoffnungslos ausgesetzt.

Nun wird von Seiten der Weltwoche (dem „SVP-Hofblatt“) und dem SVP-Staatsanwalt kräftig Rache genommen und gnadenlos weggeräumt, was irgendwie im Zusammenhang mit Mörgelis Entlassung stand.
Dazu gehören in meinen Augen auch die „zwei Unbekannten“, welche in Ritzmanns Büro eindrangen. Ich vermute, dass das Handlanger des „Verteidiger und Fürsprecher“-Lagers sind. Entweder handelten die beiden im Auftrag der Weltwoche oder aber von der Staatsanwaltschaft.

Wie man nach dem Sichten vieler Medienbeiträge nun erkennen kann: Es wurde und wird mit harten Bandagen gekämpft. Teilweise unfair und absolut kriminell. Dazu gingen die Politik und die Medien eine unheimliche Allianz ein.

Die Medien sind längst nicht mehr neutral, ausser die NZZ. Alle anderen Erzeugnisse samt TV und Radio kann man in irgendein politisches Lager einreihen.
Das Gutmensch-Lager der SP, die Ankläger, holten sich den Tagesanzeiger, den „Sonntag“ und die Rundschau an Bord. Die Mörgeli-Fangruppe rekrutierte für sich einmal mehr die Weltwoche.

SP gegen SVP: Die beiden Pole der Schweizer Politik, führen wegen einem der umstrittensten Politiker der Schweiz einen erbitterten Kampf. Zu welchem Zweck?
Dabei geht’s wahrscheinlich nur „um’s Recht haben und bekommen“, Prestige und Machtgebaren.

Immer wenn die „Pol-Politik“ irgendwo ins Spiel kommt, wird’s schmutzig. Auch in der Affäre Mörgeli, welche überdies noch lange nicht ausgestanden ist. Die ganze Sache kommt irgendwann vor den Richter. Dieser sollte neutral entscheiden (können). Nur: Kann er das, wenn Herr und Frau Richter auch von der SP oder der SVP sind?

Und dann: Soll Christoph Mörgeli wieder als Konservator im Medizinhistorischen Museum installiert werden? Sollen Frau Ritzmann, Aeppli und Co. hart bestraft werden für ihre Indiskretionen und mobberische Haltung?
Oder: Sollen Mörgeli, Ritzmann, Aeppli und Co. gar gemeinsam Sozialstunden in einem Altersheim ableisten, wie Silvio Berlusconi in einem italienischen Altenheim? Zur Strafe und als erzieherische Massnahme der Konfliktbewältigung?

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass ganz am Schluss für beide Parteien nicht allzu viel rausschauen wird, ausser ein paar blauen Augen sowie Spott und Hohn.

felwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Ballenberg Schwinget und Gespräch mit Christoph Bieri

Liebe Schwingerfreunde, schon ist wieder eine Woche vergangen. Ostern steht nun vor der Tür, und bereits wurden schon etliche schwingerische Wettkämpfe im Freien durchgeführt.

Rückblickend auf die vergangene Woche beginne ich mit dem Surentaler Frühjahrsschwinget in Sursee von letztem Samstag. Es gewann dort Thürig Mario, welcher im Schlussgang Scheuber Lutz mit einem Wyberhaken und Nachdrücken am Boden besiegte. Somit hat Thürig Mario im Kalenderjahr 2014 schon drei Schwingfeste gewonnen.

Bereits am frühen Sonntagmorgen hatte Schlussgangfilmer Jakob Niederberger seinen Film zum erwähnten Schwingfest parat:

Am Samstag gab Bösch Daniel beim Rapperswiler Verbandsschwingertag in Amden ein starkes Comeback und gewann das Schwingfest. Im Schlussgang besiegte er den Lokalmatador Martin Glaus, der ebenfalls sein Comeback gab.

Tags darauf am Sonntag, standen weitere Feste an. An einem Schwinget, dem Ballenberger Schwinget (Gemeinde Brienz), war ich selber vor Ort. Ich besuchte diesen Anlass zum ersten Mal, und war ob der wunderbaren Kulisse richtig gehend entzückt.
Um die Mittagszeit parkierte ich mein Auto auf der Ostseite des Freilichtmuseums Ballenberg. Da das Schwingfest auf der Westseite stattfand, musste ich erst einen halbstündigen Fussmarsch quer durch das Museumsgelände absolvieren. Dieser führte mich an verschiedenen Schweizer Häusern aus der Vergangenheit vorbei. Ich fühlte mich regelrecht in ein anderes Zeitalter zurück versetzt.
Dann, plötzlich, kam ich aus dem Wald, zu weiteren antiken Gebäudekomplexen und einem Restaurant. Unten in einer Senke erblickte ich den Schwingplatz, das Fest war schon in vollem Gang.

Viele Berner „Cracks“ waren zum Fest angetreten, allen voran die Berner Oberländer Eidgenossen Wenger Kilian, Glarner Matthias, Anderegg Simon und Zenger Niklaus. Herausgefordert wurden sie von zwei weiteren Berner Eidgenossen (Siegenthaler Matthias und Kämpf Bernhard) sowie von den starken Berner Kranzschwingern Luginbühl Hanspeter, Schmid Reto, Roschi Ruedi, Kämpf Alexander, Lengacher Jonas und Wüthrich Niklaus.

Nach der Absage des Obwaldner Eidgenossen Imfeld Peter (Lungern) war kein eigentlicher Topschwinger aus dem Obwaldnerland am Start.
Mit Spichtig Markus von Sachseln (Rang 8f) vermochte denn auch nur ein Schwinger von ennet dem Brünig einigermassen mitzuhalten.

Es war keine sonderliche Überraschung, dass sich das „Dreigestirn“ Wenger-Glarner-Anderegg am Schluss des Tages auch an der Tabellenspitze präsentierte. Nach gestelltem Schlussgang zwischen Wenger Kilian und Anderegg Simon, gewann Glarner Matthias das Ballenberg Schwinget. Die beiden Finalisten trafen übrigens schon im dritten Gang aufeinander, und verliessen ebenfalls mit einem unentschiedenen Resultat den Sägemehlring.
Hinter dem Heimberger Glarner kam Anderegg mit dem Punktetotal 57.75 auf Rang zwei und Wenger mit 57.50 auf Platz drei.

Siegenthaler Matthias, welcher relativ schwach in den Wettkampf gestartet war (gestellt, gewonnen und verloren), beendete seine Gänge vier bis sechs siegreich und belegte am Schluss den guten Rang 4b.
Beim Vorbeigehen schnappte ich auf, dass dies der erste Ernstkampf von Siegenthaler in dieser Saison war.

Ich legte ein Augenmerk auf den Wettkampf von Wenger Kilian und fotografierte und twitterte ab dem zweiten Gang seine Schwingerarbeit. Stellvertretend ist hier der Schnappschuss von Kilian‘s Siegwurf im 5. Gang gegen Wüthrich Niklaus. Beim ersten Zug bodigte Wenger mit einem wuchtigen Kurz seinen Kontrahenten.

Am Sonntag gewannen zudem meine beiden „Schützlinge“ Sempach Matthias und Bieri Christoph (siehe mehr dazu unten bei „Schwingprojekt 2014“) je ein Schwingfest.

In „meinem“ Verbandsgebiet, der Innerschweiz, siegte Kempf Elias (Seedorf) beim Urner Kantonalen Rang- und Jungschwinget in Seedorf. Im Schlussgang bezwang Kempf den Altdorfer Gisler Stefan.

Und weil wir gerade so schön im Schuss sind, nehmen wir noch ein letztes Resultat von letztem Sonntag mit auf den Weg. Am Bündner Frühlingsschwingfest in Landquart gewann der Eidgenosse Clopath Beat mit Kurz/Fussstich gegen Kohler Fredi. Bemerkenswert ist der Akteur auf Rang 2: Der „Comebacker“ Bösch Daniel schwang auch an diesem Fest an der Spitze mit, und zierte sein Notenblatt mit vier Siegen und zwei Gestellten.

Schwingprojekt 2014:

Erfreulich für mich ist, dass schon vier von acht angeschriebenen Schwingern bei meinem Projekt mitmachen. Diese Woche kam mit Christoph Bieri ein weiterer Spitzenschwinger hinzu.

Am Montagabend dieser Woche klingelte mein iPhone. An der Leitung war der Nordwestschweizer Spitzenschwinger Christoph Bieri. Freudig begann ich das Gespräch, und bedankte mich bei ihm für sein Mitmachen.

Als Erstes gab er die Antworten zu meinen vier Fragen:

Frage 1: Wie verlief deine Vorbereitung auf die Saison 2014?
„Meine Vorbereitung lief gut und unfallfrei. Ich war im Januar und im März je drei Wochen an einem Sport-WK in Magglingen, unter anderem mit Philipp Laimbacher, mit welchem ich auch das Zimmer teilte.
Wir konnten uns dort von Morgen bis Abend dem Sport widmen, und haben gut gearbeitet.
Für uns Schwinger ist der Sport-WK im Winter optimal. Von Frühling bis Herbst, wenn die Wettkämpfe stattfinden, würde das nicht gehen.“

Frage 2: Auf was hast du im Wintertraining ein spezielles Augenmerk gelegt?
„Aufs Schwingen habe ich ein grösseres Augenmerk gelegt, als auch schon. Im Jahr 2011 hatte ich einen Unfall, und verletzte mich am Knie. Seit damals mache ich mehr Schwingtraining, als vor dem Unfall.
Von November bis jetzt ging ich fünfmal pro Woche in den Schwingkeller. Zudem habe ich an der Technik und dem Zweikampfverhalten gearbeitet.
Daneben habe ich Kondition trainiert und versuchte mir die nötige Wettkampfhärte zu holen. Die beiden Sport-WK’s in Magglingen waren dafür ideal.“

Frage 3: Wie sehen deine Ziele für die neue Saison aus?
„Ziel und Wunsch ist es, gesund zu bleiben, um meine Ziele verfolgen zu können.
Ein Ziel ist auch, ein Kranzfest zu gewinnen. Seit meinem ersten Kranzfestsieg habe ich anschliessend in jeder Saison mindestens an einem Kranzfest gewonnen.
Weiter möchte ich an den Bergfesten und am Innerschweizerischen Teilverbandsfest in Cham, wo ich als Gast antreten kann, gute Leistungen zeigen.
Beim Kilchberger Schwinget möchte ich meine Haut so teuer wie möglich verkaufen. Ein Kranz ist so oder so mehr wert, als ein vorderer Rang am Kilchberger, wo eigentlich nur der Sieg zählt. Dies ist beim Unspunnen Fest auch so und lässt sich mit der Teilnahme an Olympischen Spielen vergleichen.“

Frage 4: Wie schätzt du deinen momentanen Formstand ein?
„Schwingerisch bin ich gut drauf, will jedoch noch an der Kondition feilen. In den Zweikämpfen bin ich vielseitiger als auch schon. Dies deshalb, weil ich mehr Schwingtraining gemacht, und dabei auch einige Experimente ausprobiert habe.“

Nach dem Durcharbeiten der vier Fragen sprachen wir noch über dies und das. So kam auch der Schlussgang beim Ballenberg Schwinget zur Sprache. Bieri und ich meinten, dass ein Schlussgang zwischen zwei Akteuren wie Wenger und Anderegg, die sich sehr gut kennen und viel zusammen schwingen, langweilig sein kann. Dies aber sicher nicht in jedem Fall sein muss.

So trainierte Christoph Bieri in Magglingen auch viel mit Mario Thürig, seinem Verbandskollegen. Auf meine Frage, ob man im Training ab und zu einen verlorenen Gang in Kauf nimmt, weil man etwas probieren möchte, verneinte das Bieri. Er meinte, dass er und Thürig auch im Training nicht verlieren wollen und diese Zweikämpfe jeweils hart umkämpft sind. Er beisse und fighte im Training so viel wie möglich.

Bieri sagte mir zudem, dass er im Wettkampf jeweils ein paar Prozent mehr wert sei als im Training. „Ich bin ein richtiger Wettkampfschwinger“, gestand mir Christoph.

Weiter meinte Christoph Bieri, dass ein bisschen Nervosität vor einem Wettkampf gut sei. „Kribbelig sein, das braucht‘s, wenn’s um etwas geht. So kann man seine Leistung optimal abrufen. Dann freue ich mich auf das Fest“, gab mir der Aargauer weiter zu Protokoll.

Ich sprach Christoph darauf an, dass er und Mario Thürig schon eine sehr gute Frühform aufweisen. Thürig hat bereits drei Feste gewonnen, Bieri deren zwei. Zuletzt gewann Christoph Bieri das 55. Guggibad Schwinget in Buttwil (AG) mit fünf Siegen und einem Gestellten.
Deshalb erklärte ich ihm: „Ich habe das Gefühl, mit dir und Mario Thürig ist diese Saison zu rechnen.“

Chrtistoph Bieri hat übrigens vor dem ESAF 2013 in meinem Blog gelesen, dass ich ihn zum Topfavoriten erklärt habe. Dies habe ihn gefreut, meinte er schmunzelnd am Telefon.

Zum Schluss unseres Gespräches sagte ich zu Christoph, dass ich grosse Freude an gutem Schwingsport habe, und zwar aus allen Teilverbänden. Innerschweizer Abstammung hin oder her.
Ich wünschte Bieri für den weiteren Saisonverlauf alles Gute.
Bieri verabschiedete sich mit den Worten, dass ich mich jederzeit bei ihm melden kann, wenn mir Fragen unter den Nägeln brennen.
Dies werde ich garantiert tun!

Christoph, Herzlichen Dank für deinen Anruf und das interessante Gespräch!

Über Philipp Laimbacher habe ich heute nur zu vermelden, dass er am Ostermontag beim Frühjahrsschwinget in Ibach an den Start gehen wird.

Stefan Burkhalter bestritt letztes Wochenende zwei Wettkämpfe. Er ging, wie Daniel Bösch, in Amden und in Landquart an den Start.
In Amden und in Landquart realisierte Stefan jeweils drei Siege und je drei gestellte Gänge, was ihm die Ränge 6a respektive 5b einbrachte.

Notenblatt Amden:

Notenblatt Landquart:

Beim 46. Hallenschwingen in Thörigen schwang am letzten Sonntag Schwingerkönig Matthias Sempach souverän oben auf. Im Schlussgang bezwang Matthias seinen Klubkollegen Remo Käser. Vor dem Finale liess er sich vier Siegkreuze und ein Unentschieden notieren.

So, das war’s für heute! Zum Schluss wünsche ich euch schöne und besinnliche Ostertage. Auch wenn man die Osterneste nicht sofort findet: Mit Humor klappt’s immer!

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Ein JA zur Mindestlohn-Initiative können wir uns leisten!

JA, wir können es uns wirklich leisten, am 18. Mai die Mindestlohn-Initiative anzunehmen! Dabei geht es (eigentlich nur) um mindestens 4000 Franken monatlich und 48’000 Franken jährlich.

Wie ich meine, keine wirklich überrissenen Zahlen, welche unsere Wirtschaft gleich in den Ruin stürzen würden. Dennoch vernehme ich vor allem kritische bis ablehnende Stimmen zur Vorlage. Mit der Begründung, dass wir uns das nicht leisten können, und der Wirtschaft die Hände gebunden sind (oder werden). Ich kontere dann jeweils: Aber Spitzensaläre von 10 Millionen und mehr im Jahr für gewisse CEO’s können wir uns immer noch leisten?

Dagegen erscheinen die 48’000 Franken geradezu lächerlich! Und: Mir scheint, dass gewisse Menschen in unserer Gesellschaft einfach mehr wert sind, als andere. Gewisse Berufsstände und nicht wenige Leute müssen heute mit deutlich weniger als dem erwähnten Mindestlohn auskommen. Diese Menschen nennt man „Woorking Poor“ (arme Arbeitenden). Viele von ihnen arbeiten bis zum Umfallen, kommen aber trotzdem nie auf einen grünen Zweig.

Wieder andere meinen, dass Deutschland einen um einiges tieferen Mindestlohn kennt, als die 4000 Franken im Monat. Mein lieber Scholli, aber klar doch. Deren Lebenshaltungskosten im Allgemeinen sind ja auch um einiges tiefer als bei uns in der „teuren“ Schweiz. Also absolut kein Argument.

Die Gegner der Initiative sind vor allem die Unternehmen rund um die Economiesuisse. Wörtlich schreiben diese: „Sie befürchten vordergründig starke Gewinneinbussen aufgrund steigender zu zahlender Löhne. Ebenso wird eine Minderung der Wettbewerbsfähigkeit mit konkurrierenden ausländischen Unternehmen befürchtet, da den Unternehmen das Geld für Expansionen und für den allgemeinen Ausbau des Unternehmens fehlen würde.“

Da lachen ja die Hühner: Meinen die mit „aufgrund steigender zu zahlender Löhne“ die Summe von 48’000 Franken als Mindestlohn oder ein Jahressalär von 10 Millionen oder mehr?

Ich rate unseren Wirtschaftskapitänen und deren Vertretern, allen voran die SVP und die FDP, den Bogen nicht zu überspannen! Noch herrscht bei uns sozialer Frieden. Sollten sich die Lebensumstände in nächster Zeit innerhalb und ausserhalb der EU verschlechtern, dürfte es mit Friede-Freude-Eierkuchen schnell vorbei sein.

Der Lohndruck von aussen ist riesig, das ist sonnenklar. Deshalb ist es enorm wichtig, dass sich die Schweiz einen Rest Selbständigkeit bewahrt, und sich nicht in die Schulden- und Krisenfalle der EU ziehen lässt.

Was bringt es uns, so viele wie möglich rein zulassen und zugleich mit Dumpinglöhnen zu versorgen? Diese Menschen hängen irgendwann am Tropf des Staates und beziehen Sozialgelder. Ihr Auskommen für den Lebensunterhalt reicht in unserer „Hochpreis-Insel“ vorne und hinten nicht aus.

Deshalb rate ich nach der ersten gewonnenen Schlacht, der Zustimmung zur Masseneinwanderungs-Initiative (MEI), auch dieser Initiative zuzustimmen. Das eine gehört in meinen Augen mit dem anderen zusammen.

Wir verschaffen uns nach dem MEI-JA ein wenig Luft, und versorgen diejenigen Arbeitskräfte, die die Schweiz hat und auch braucht, mit anständigen Löhnen. Alles andere ist Mumpitz.

Die Gegner, auch die SVP, meinen, dass es auch anders geht: Mit einem Nein zur Initiative machen diese das MEI-JA zu Makulatur. Es scheint ihnen egal zu sein, wie es vielen Schweizern geht. Wirklich unglaublich!
Es scheint ihnen auch egal zu sein, dass die Schweiz „diese paar Working Poor“ durchfüttern respektive mit Ergänzungsleistungen versorgen muss, da sie sich wegen den Tieflöhnen ihren Lebensunterhalt nicht mehr selber finanzieren können.
Der SVP scheint dieses Szenario scheinbar nichts auszumachen. Gerade ihnen, wo der Staat nicht schlank genug sein kann…
Für mich ist das einfach eine nicht zu Ende gedachte Politik. Aber, wen wundert’s, wenn die meisten von diesen Herren reiche Geldsäcke sind (Blocher & Co.), und ihre Mitarbeiter für Hungerlöhne schuften lassen (Brunner & Co.).

Mir geht diese Scheinheiligkeit einfach auf den Wecker, und bin anderer Ansicht und Meinung. Ich fordere deshalb Mindestlöhne. Mit einem Mindestlohn von 4000 Franken geben wir auch den ärmeren unter uns ein Stück Freiheit und Stolz (zurück). Sie müssen nicht beim Staat anklopfen und betteln.
Zudem ist kein Mensch 10 Millionen Franken im Jahr wert, das x-fache eines normalen „Büezers“, welche sich im Vergleich mit Abzockern als Untermenschen fühlen müssten…

Eigentlich müsste man den jungen Mitmenschen dringend davon abraten, Coiffeur, Verkäufer, Chauffeur etc. zu erlernen. Bei diesen Berufen besteht die grosse Gefahr, dass man auf kein Jahressalär von 48’000 Franken kommt.

Aber: Können wir darauf verzichten, dass uns niemand mehr die Haare schneidet? Dass uns niemand mehr an der Einkaufskasse bedient? Oder können wir es uns leisten, dass die Waren und Güter nicht mehr transportiert werden?

Die Argumente der Befürworter haben mich sofort überzeugt:
„Ein Ja zur Mindestlohn-Initiative bringt faire Löhne von denen man anständig leben kann.“

„Die Schweiz ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Diesen Reichtum haben die Arbeitnehmenden geschaffen. Trotzdem verdient fast ein Zehntel weniger als 22 Franken pro Stunde, also bei voller Arbeit weniger als 4000 Franken pro Monat (x12).“

„Dass 330‘000 hart arbeitende Menschen so wenig verdienen, ist unwürdig und eine Schande für die reiche Schweiz. Betroffen sind viele Berufe, von der Schuh-Verkäuferin über die Flugbegleiterin bis zum Gartenbauer.“

„Ein Ja zur Mindestlohn-Initiative schützt die Schweizer Löhne vor Lohndumping. Und ein Ja schützt faire Unternehmen vor der Billigkonkurrenz.“

feldwaldwiesenblogger

Liebe Schwinger, Schwingerfreunde und die, die es noch werden wollen!

Mein zweiter Schwingfestbesuch ging letzten Sonntag reibungslos über die Bühne. Ich besuchte das Frühjahrsschwinget in Cham und beobachtete dabei viele spannende und packende Zweikämpfe. Zudem sah ich viele technische Finessen und topmotivierte Schwinger. Vor allem der Nachwuchs hatte es mir angetan. Einige der angetretenen Jungschwinger, allen voran der Sieger mit sechs gewonnenen Gängen, Pirmin Reichmuth (Cham), zeigten eine hervorragende Leistung. Von Pirmin Reichmuth werden wir in dieser Saison noch viel hören und vor allem sehen, da bin ich felsenfest überzeugt.

Leider gab es einen rabenschwarzen Tag für den Zuger Eidgenossen mit Muotathaler Wurzeln, Bruno Müller. Beim zweiten Gang, den Bruno gewann, verletzte er sich am Kopf und musste blutend und benommen vom Schwingplatz geführt werden. Der Wettkampf war für ihn dann leider zu Ende.

Die beiden anderen Eidgenossen (insgesamt deren drei gingen an den Start), Edi Kündig (Ibach) und Reto Nötzli (Pfäffikon), kamen nie auf Touren und belegten am Schluss die Ränge 7e respektive 9k.

Wie es an einem Schwingfest Brauch ist, führt man an den Sägemehlringen Smalltalk. So sprach ich auch kurz mit dem Schlussgangfilmer, Jakob Niederberger. Ich dankte ihm unter anderem dafür, dass ich Montag für Montag (Frühling bis Herbst) einen Schlussgang eines Festsiegers in meinem elektronischen Briefkasten vorfinde. Am Montagmorgen war es dann wieder soweit:

Ich setzte während des Festes in Cham auch einige Tweets ab, und knipste neben dem schwingerischen Geschehen zudem auch Köstlichkeiten:

Werner Schelbert, Fotograf der Zuger Zeitung, fotografierte den Schlussgangfilmer und Fotografen Jakob Niederberger…

Was mich letzten Sonntag auch sehr freute, war der Sieg von Ralf Schelbert (Bisisthal) am Nichtkranzer Schwinget in Flüeli-Ranft. Der junge Zimmermannlehrling schwang so überzeugend, dass er das Punktemaximum nur um einen Viertelpunkt verpasste. Da braucht man kein Prophet zu sein, wenn man behauptet, dass Ralf seinen ersten Kranz in den nächsten Wochen holt.

Desweiterten gewann Christoph Bieri am letzten Sonntag bereits zum vierten Mal nach 2009, 2011 und 2013 den Bad-Schwinget in Wolhusen. Der Aargauer Gast gewann in eindrücklicher Manier und bodigte im Schlussgang den Neueidgenossen Hansjörg Gloggner.
Bieri ist auch einer meiner acht angeschriebenen Schwinger. Von ihm habe ich bisher noch nichts gehört oder gelesen…
Bieri ist aber auch der Schwinger, auf welchen ich letztes Jahr fürs Eidgenössische gesetzt und als Schwingerkönig getippt habe. Es kam dann ein bisschen anders…

Schwingprojekt 2014:
Frau Knecht von der bksm–sportmanagement-Agentur von Kilian Wenger gab mir letzten Sonntag folgende Antwort auf meine Anfrage betreffs meines Schwingprojektes 2014:
„Grundsätzlich ist er bereit, Ihnen Antwort auf Ihre Fragen zu geben. Jedoch möchte er sich nicht dazu verpflichtet fühlen. Könnten Sie uns Genaueres sagen zu der Häufigkeit Ihrer Anfragen?“

Tags darauf schrieb ich Frau Knecht:
„Natürlich möchte ich Kilian Wenger zu nichts verpflichten. Ich sehe das Ganze locker, und würde dann so alle 3 Monate um die vier Fragen schicken: Das wäre dann bis zum Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, noch zweimal. Das wäre also nicht so eine grosse Sache. Nach dem Kilchberger Schwinget ist mein „Schwingprojekt 2014“ wieder beendet.“

Von den anderen drei Schwingern (Philipp Laimbacher, Stefan Burkhalter und Matthias Sempach), von welchen ich in der letzten Schwingkolumne ihre Einstiegs-Antworten veröffentlichte, habe ich keine weiteren News, Beobachtungen oder Storys zu vermelden. Als einziges gäbe es höchstens anzumerken, dass Matthias Sempach gestern Donnerstag Geburtstag hatte:

So, das wär’s für den Moment. Man sieht sich an einem der nächsten Schwingfeste!

Mit kräftigem Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Ist ein Kopftuchverbot wirklich angebracht?

In unserem Land wird ab und zu über ein Kopftuchverbot nachgedacht, vor allem an Schulen. Ich frage mich dann jeweils: Ist so ein Kopftuchverbot wirklich angebracht?

Besonders die SVP versucht sich rege in diese Diskussion einzubringen. Gerade gestern Dienstag war im 20 Minuten zu lesen: „Die SVP Oberwallis hat einer Initiative zugestimmt, die das Kopftuch an öffentlichen Schulen des Kantons verbietet.“
Weil eine Motion im Grossen Rat des Kanton Wallis gescheitert war, will die SVP jetzt eine Initiative lancieren, welche das „islamische Kopftuch an öffentlichen Schulen“ verbieten soll.

„Wieso?“ will ich wissen, und fragte gestern bei der SVP-Sektion Oberwallis nach. Ich bat zudem nach einer Begründung.
Eine Antwort habe ich leider (noch) nicht erhalten.

Ohne jetzt gross das Internet betreffs dieses Themas abzuklappern, schreibe ich frisch-fröhlich von meiner Leber weg, und versuche mein Unverständnis für ein Kopftuchverbot zu begründen.

Als Erstes muss ich festhalten: Eine Vollverschleierung entweder mit Burka (Ganzkörperverschleierung, inklusive Gesicht) oder mit Niqab (Gesichtsschleier) finde ich in einem nicht islamischen Land wie der Schweiz problematisch. Verbieten ist immer so eine Sache: Darf man das? Wann tritt man bei einem Menschen zu weit in die Intimsphäre ein? Zudem: Wie viele vollverschleierte Frauen laufen bei uns wirklich durch die Gegend?

Trotzdem: Ein Gesichtsverschleierungs-Verbot an Schulen, an Arbeitsplätzen und allgemein im Umgang mit Behörden und Ämtern finde ich angebracht. Wie diese Frauen das untereinander handhaben (zuhause, in der Familie oder in Moscheen), geht uns hingegen schlicht nichts an. Deshalb bin ich nicht für ein Totalverbot des Gesichtsschleiers, sondern nur für ein sogenanntes Zonen- oder Rayon-Verbot. Ganz einfach aus dem Grund: Wie soll man solchen Menschen an nicht religiösen Orten und Gemeinschaften begegnen? Man möchte doch dem Gegenüber beim Gespräch in die Augen sehen können. Und: Wie ich meine, geziemt das auch der Anstand.

Das Kopftuch ist hingegen nur eine „Verschleierung“ der Haare. Wie das aber einen Mitmenschen stören kann, begreife ich beim besten Willen nicht.
Möchten denn die weniger toleranten Mitmenschen die islamischen Frauen nur anhand ihrer Haarfrisur beurteilen, oder sie gar auf dem Kopf berühren?

Ich meinerseits finde diese Diskussionen reichlich überflüssig. Ich erinnere nur daran, dass unsere Grossmütter und teilweise noch unsere Mütter jeweils auch Kopftücher trugen. Störte das damals jemanden? Eben…

Deshalb wittere ich hier von Seiten der SVP und der Anhänger von Kopftuchverboten nur rassistische oder religiöse Ambitionen. Dieser Fakt ist einfach schade, gerade in einem freien und liberalen Land der Schweiz.

Was stört diese Leute an einem so harmlosen Kleidungsteil wie dem Kopftuch? Man könnte fast meinen, dass die einen dies als Waffe oder gar als Aufforderung zu Gewalt betrachten.

Meiner Überzeugung nach dürfen sich die Menschen kleiden wie sie wollen, solange sie mir beim persönlichen Gespräch ihr Gesicht zeigen. In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit, ein Grund- und Menschenrecht. Diese „Freiheit“ interpretiert halt jeder ein bisschen anders. Ich trage zum Beispiel als Zeichen meines christlichen Glaubens ein kleines Kreuz um den Hals. Ein Kapuziner läuft wegen seines Glaubens und Zugehörigkeit zu einem Orden mit einer Kutte rum. Einige Musliminnen tragen auch als Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit eine Burka oder ein Kopftuch. Wo ist da der Unterschied?

Ich bin aber auch dafür, dass sich unsere Schweiz einen Deut um irgendwelche Gerichtsbeschlüsse der EU kümmert und Kruzifixe in unseren Schulzimmern nicht abhängen lässt. Ich bin da einfach konsequent, und meine, dass man nur mit gegenseitiger Toleranz weiter kommt.

Die Schweiz ist von der Geschichte her ein christliches Land, also lassen wir unsere Kirchen im Dorf und die Kruzifixe an den Wänden.
Ich erwarte daher von unseren islamistischen Immigranten, dass sie unsere Kruzifixe akzeptieren. Wir hingegen lassen ihnen im Gegenzug ihre Kopftücher an öffentlichen Orten (Schulen, Behörden etc.) und in ihrer Privatsphäre ihre Vollverschleierung.

Wenn schon dann schon denke ich die Sache zu Ende und möchte als stolzer Schweizer meine Mitmenschen an die Rechte und Pflichten im Umgang mit den anderen hinweisen. Dazu gehört auch das Recht auf Religionszugehörigkeit und der gegenseitige Respekt Andersgläubiger.

Ich war zwar auch für die Masseneinwanderungsinitiative. Aber: Ich verwechsle nicht Äpfel mit Birnen, wie das die SVP ab und zu macht. Die „Masseneinwanderer“ bestehen ja nicht nur aus Musliminnen mit Burka und Niqab, ganz im Gegenteil. Dieses Plakat wurde komplett daneben gestaltet, und hat mit der Realität der jährlichen Einwanderung nicht viel zu tun. Tatsache ist, dass der grösste Teil der Zuwanderer aus dem EU-Raum sind, vor allem Deutsche. Diese sind meines Wissens mehrheitlich Christen und keine Muslime.

Die SVP nimmt gerne ein „paar Fehler“ in Kauf und „verwechselte“ zu ihrem Vorteil mit obigem Plakat die Masseneinwanderung mit den Asylströmen. Das finde ich ehrlich gesagt schäbig und höchst unfair. Die Asylproblematik mit der Masseneinwanderungs-Thematik zu verwechseln ist mehr als nur Augenwischerei. Das ist schlicht Fehlinformation!

Deshalb bleibe ich lieber pragmatisch, und entscheide für mich, wie’s die jeweilige Situation erfordert. Blind einer Partei nachrennen ist einfach nicht mein Ding. Denn da werden von links bis rechts die Dinge so hingerückt, wie es grad zum Vorteil gereicht. Das entspricht einfach nicht meinen ethischen und moralischen Vorstellungen, wie eben auch ein Kopftuchverbot für Musliminnen an Schulen.

feldwaldwiesenblogger