Ist ein Kopftuchverbot wirklich angebracht?

In unserem Land wird ab und zu über ein Kopftuchverbot nachgedacht, vor allem an Schulen. Ich frage mich dann jeweils: Ist so ein Kopftuchverbot wirklich angebracht?

Besonders die SVP versucht sich rege in diese Diskussion einzubringen. Gerade gestern Dienstag war im 20 Minuten zu lesen: „Die SVP Oberwallis hat einer Initiative zugestimmt, die das Kopftuch an öffentlichen Schulen des Kantons verbietet.“
Weil eine Motion im Grossen Rat des Kanton Wallis gescheitert war, will die SVP jetzt eine Initiative lancieren, welche das „islamische Kopftuch an öffentlichen Schulen“ verbieten soll.

„Wieso?“ will ich wissen, und fragte gestern bei der SVP-Sektion Oberwallis nach. Ich bat zudem nach einer Begründung.
Eine Antwort habe ich leider (noch) nicht erhalten.

Ohne jetzt gross das Internet betreffs dieses Themas abzuklappern, schreibe ich frisch-fröhlich von meiner Leber weg, und versuche mein Unverständnis für ein Kopftuchverbot zu begründen.

Als Erstes muss ich festhalten: Eine Vollverschleierung entweder mit Burka (Ganzkörperverschleierung, inklusive Gesicht) oder mit Niqab (Gesichtsschleier) finde ich in einem nicht islamischen Land wie der Schweiz problematisch. Verbieten ist immer so eine Sache: Darf man das? Wann tritt man bei einem Menschen zu weit in die Intimsphäre ein? Zudem: Wie viele vollverschleierte Frauen laufen bei uns wirklich durch die Gegend?

Trotzdem: Ein Gesichtsverschleierungs-Verbot an Schulen, an Arbeitsplätzen und allgemein im Umgang mit Behörden und Ämtern finde ich angebracht. Wie diese Frauen das untereinander handhaben (zuhause, in der Familie oder in Moscheen), geht uns hingegen schlicht nichts an. Deshalb bin ich nicht für ein Totalverbot des Gesichtsschleiers, sondern nur für ein sogenanntes Zonen- oder Rayon-Verbot. Ganz einfach aus dem Grund: Wie soll man solchen Menschen an nicht religiösen Orten und Gemeinschaften begegnen? Man möchte doch dem Gegenüber beim Gespräch in die Augen sehen können. Und: Wie ich meine, geziemt das auch der Anstand.

Das Kopftuch ist hingegen nur eine „Verschleierung“ der Haare. Wie das aber einen Mitmenschen stören kann, begreife ich beim besten Willen nicht.
Möchten denn die weniger toleranten Mitmenschen die islamischen Frauen nur anhand ihrer Haarfrisur beurteilen, oder sie gar auf dem Kopf berühren?

Ich meinerseits finde diese Diskussionen reichlich überflüssig. Ich erinnere nur daran, dass unsere Grossmütter und teilweise noch unsere Mütter jeweils auch Kopftücher trugen. Störte das damals jemanden? Eben…

Deshalb wittere ich hier von Seiten der SVP und der Anhänger von Kopftuchverboten nur rassistische oder religiöse Ambitionen. Dieser Fakt ist einfach schade, gerade in einem freien und liberalen Land der Schweiz.

Was stört diese Leute an einem so harmlosen Kleidungsteil wie dem Kopftuch? Man könnte fast meinen, dass die einen dies als Waffe oder gar als Aufforderung zu Gewalt betrachten.

Meiner Überzeugung nach dürfen sich die Menschen kleiden wie sie wollen, solange sie mir beim persönlichen Gespräch ihr Gesicht zeigen. In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit, ein Grund- und Menschenrecht. Diese „Freiheit“ interpretiert halt jeder ein bisschen anders. Ich trage zum Beispiel als Zeichen meines christlichen Glaubens ein kleines Kreuz um den Hals. Ein Kapuziner läuft wegen seines Glaubens und Zugehörigkeit zu einem Orden mit einer Kutte rum. Einige Musliminnen tragen auch als Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit eine Burka oder ein Kopftuch. Wo ist da der Unterschied?

Ich bin aber auch dafür, dass sich unsere Schweiz einen Deut um irgendwelche Gerichtsbeschlüsse der EU kümmert und Kruzifixe in unseren Schulzimmern nicht abhängen lässt. Ich bin da einfach konsequent, und meine, dass man nur mit gegenseitiger Toleranz weiter kommt.

Die Schweiz ist von der Geschichte her ein christliches Land, also lassen wir unsere Kirchen im Dorf und die Kruzifixe an den Wänden.
Ich erwarte daher von unseren islamistischen Immigranten, dass sie unsere Kruzifixe akzeptieren. Wir hingegen lassen ihnen im Gegenzug ihre Kopftücher an öffentlichen Orten (Schulen, Behörden etc.) und in ihrer Privatsphäre ihre Vollverschleierung.

Wenn schon dann schon denke ich die Sache zu Ende und möchte als stolzer Schweizer meine Mitmenschen an die Rechte und Pflichten im Umgang mit den anderen hinweisen. Dazu gehört auch das Recht auf Religionszugehörigkeit und der gegenseitige Respekt Andersgläubiger.

Ich war zwar auch für die Masseneinwanderungsinitiative. Aber: Ich verwechsle nicht Äpfel mit Birnen, wie das die SVP ab und zu macht. Die „Masseneinwanderer“ bestehen ja nicht nur aus Musliminnen mit Burka und Niqab, ganz im Gegenteil. Dieses Plakat wurde komplett daneben gestaltet, und hat mit der Realität der jährlichen Einwanderung nicht viel zu tun. Tatsache ist, dass der grösste Teil der Zuwanderer aus dem EU-Raum sind, vor allem Deutsche. Diese sind meines Wissens mehrheitlich Christen und keine Muslime.

Die SVP nimmt gerne ein „paar Fehler“ in Kauf und „verwechselte“ zu ihrem Vorteil mit obigem Plakat die Masseneinwanderung mit den Asylströmen. Das finde ich ehrlich gesagt schäbig und höchst unfair. Die Asylproblematik mit der Masseneinwanderungs-Thematik zu verwechseln ist mehr als nur Augenwischerei. Das ist schlicht Fehlinformation!

Deshalb bleibe ich lieber pragmatisch, und entscheide für mich, wie’s die jeweilige Situation erfordert. Blind einer Partei nachrennen ist einfach nicht mein Ding. Denn da werden von links bis rechts die Dinge so hingerückt, wie es grad zum Vorteil gereicht. Das entspricht einfach nicht meinen ethischen und moralischen Vorstellungen, wie eben auch ein Kopftuchverbot für Musliminnen an Schulen.

feldwaldwiesenblogger

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