Sind die Fan-Randale an Fussballspielen in letzter Zeit schlimmer geworden?

Sind die Fan-Randale an Fussballspielen in letzter Zeit schlimmer geworden? Man weiss es nicht so genau. Denn die Statistiker und die Umfrageprofis widmen sich dieser abscheulichen Zeiterscheinung mitnichten so genau wie wenn es um irgendwelche Volksabstimmungen geht.
Die SBB erheben meines Wissens aber eine Art Statistik, welche die Art und die Höhe von Schäden an ihrem Rollmaterial beziffern soll. Diese Zahlen sind aber wohl nur für SBB-internen Gebrauch gedacht.

Ich habe aber trotzdem, subjektiv gesehen, das Gefühl, dass es in letzter Zeit schlimmer geworden ist.

Zu meiner eingangs gestellten Frage fand ich heute folgendes im 20 Minuten:

Dies wäre ein weiterer Indiz dafür, dass sich die Lage in letzter Zeit zuspitzte. Zumal es an Ostermontag beim Cup-Final in Bern massive Ausschreitungen gab und letzten Sonntag in Basel ein Extrazug von GC-Fans durch mehrmaliges Betätigen der Notbremse beschädigt wurde.

Zwei Zwischenfälle innert Wochenfrist. Die Volksseele kocht und die Politiker sind wütend. Auch ich bin wütend:

Randalierer mit Süügüllä abspritzen. Wieso eigentlich nicht? Diesen halbstarken Idioten ist mit legalen Mitteln nicht mehr beizukommen. Die scherren sich nämlich einen Deut um Stadion- oder Rayonverbote. Um Fussball geht es diesen Subjekten schon längst nicht mehr. Vielmehr wird unkontrollierte Aggression rund um Fussballspiele abgebaut. Zudem ziehen Fussballspiele auch „Gewalt-Touristen“ an, wie in Bern.
Die immer „ausgeklügelteren“ Massnahmen der Politik und Sicherheitskräfte, wie etwa das neu ausgedachte Hooligan-Konkordat, scheinen einfach nicht zu fruchten.

Trotzdem gibt es gemässigte Stimmen, die besagen, dass die Medien die ganze Sache total aufblasen und sich gezielt auf die Fussballfans einschiessen.

Letzte Woche entdeckte ich nach den Ausschreitungen in Bern einen Tweet von @NZZ: „Canepa hat den Verdacht, dass «Krawall-Touristen» den Fan-Marsch des FCZ als Plattform missbraucht haben.“ Diesen Tweet kommentierte ich mit: „Da wäre ich mir nicht sicher!“

Darauf hat mir ein Twitterer erwidert: „Wer sich wohl besser damit auskennt? Ein FWW Blogger oder der FCZ Präsident?“

Klar, ich bin sicher kein Kenner der Szene, liess mich dann auf eine kurze Diskussion ein, und erhielt obendrein noch zwei wertvolle Links zur Diskussion über die sogenannte Fankultur.

Der vollständige WOZ-Artikel vom 5.1.2012 ist unter diesem Link nachzulesen: WOZ-Artikel

Zudem ein interessanter Film, „Oltre la Curva“, zu welchem folgendes steht: „Hooligans, Chaoten und Randalierer? Faló, eine Dok-Sendung des TSI, wollte diesem Phänomen auf den Grund gehen. Bei den Recherchen kam Erstaunliches zutage.
Entstanden ist ein 40-minütiger Film, welcher die Fanthematik für einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.“

„Der Schaden ist angedichtet“ und „die Fanthematik für einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet“ zeigen, dass es, wie immer im Leben, zwei Seiten von allen Dingen gibt.

Ich twitterte auch: „Habe nichts gegen gut gelebte Fankultur. Bin ja auch in einem Fanclub. Du meinst, unsere linken Medien berichteten nicht objektiv?“

Darauf die Antwort: „Ob die Medien nun Links oder Rechts sind ist mir eigentlich egal. Ihr Lieblingsopfer sind die Fussballfans. Dafür gibt es Beispiele.“

Diese erwähnten Beispiele habe ich nun aufgeführt, auch als Diskussionsbasis.

Wie die ganze Sache weitergehen wird, weiss niemand. Was aber jeder weiss: Irgendjemand zahlt die Schäden und der immer grösser werdende Sicherheitsaufwand. Letztendlich geht es, wie (fast) immer im Leben, um das liebe Geld.

Ich selber habe, wie oben erwähnt, absolut nichts gegen gut gelebte Fankultur mit ihren teilweise wunderschönen Choreographien, den entsprechenden Gesängen und den lautstarken Anfeuerungsrufen. Man könnte mit mir auch über kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerk diskutieren.

Wo es aber sofort aufhört, ist wenn Menschen und öffentliche Einrichtungen zu Schaden kommen. Dann ist einfach Schluss. Übergriffe in Stadien, das Stürmen von Gästeblocks, das Werfen von Feuerwerk auf den Rasen oder auf Menschen… Nein, irgendwo gibt es Grenzen!
Und diese Grenzen loten derweil unsere Randalierer und Chaoten aus, eigentlich wie kleine Kinder…

Was ich letzte Woche bei der kurzen Diskussion gelernt habe: Ich rede oder schreibe bei Ausschreitungen nicht mehr von „Fans“, sondern von Randalierern. Man muss da wirklich unterscheiden. Denn die überwiegende Mehrzahl der Fans sind friedlich.

Damit die wahren Fans auch von den Randalierern unterschieden werden können, müssen wir uns unbedingt ein paar Definitionen zu Gemüte führen. Was sind Ultras und was sind Hooligans. Bei Wikipedia steht geschrieben:

„Bei Ultras handelt es sich um fanatische Anhänger, deren Ziel es ist, ihren Verein „immer und überall bestmöglich zu unterstützen“.
Neben der akustischen Unterstützung, die sehr häufig von einem sogenannten Capo (von italienisch il capo für Haupt oder Anführer) mittels Megaphon koordiniert und durch Trommeln begleitet wird, legen Ultras auch viel Wert auf optische Hilfsmittel wie z. B. Konfettiregen, bengalische Feuer und Fahnenmeere. Außerdem kreieren, finanzieren und organisieren die Ultras farbige Choreographien. Bei diesen Choreographien bereiten die Ultras Materialien vor, die zu Spielbeginn an alle Zuschauer (auch Nicht-Ultras) eines Stadionbereiches ausgegeben werden und die durch gleichzeitiges Hochhalten z. B. ein großflächiges Vereinswappen ergeben. Oft werden auch Überrollfahnen oder Wurfrollen verwendet. Unterstützung durch Sponsoren oder Vereine wird strikt abgelehnt. Ultras finanzieren sich meist durch eigene Mitgliedsbeiträge und durch den Verkauf von selbstkreierten Fanartikeln.“

Und:

„Abgrenzung zu Hooligans
Während bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund steht und Fußballspiele nur einen Anlass dazu bieten, steht bei Ultras der Sport im Vordergrund; allerdings sind bei manchen Ultra-Gruppierungen Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen und der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fan-Gruppen. Aus diesem Grund werden die Ultras in Medien und öffentlicher Wahrnehmung oft mit ‚Hooligans‘ bzw. mit Gewaltbereitschaft assoziiert. Ein großer Teil der deutschen Ultraszene betont jedoch, dass man sich nicht als ‚Gewalt suchend‘ definiere. Allerdings setze man sich bei körperlichen Übergriffen auf die eigene Gruppe entsprechend zur Wehr. Viele Ultragruppierungen in Deutschland beklagen auch, dass die Polizei zunehmend versuche ihnen ein Stigma der Gewaltbereitschaft anzuheften, da diese nach dem Zerfall der klassischen Hooliganszene nun ein neues Betätigungsfeld im Rahmen von Fußballspielen brauche.“

Mir ist auch klar, dass die Fanverantwortlichen und Fanarbeiter ganz sicher einen schweren Stand haben. Denn zu den Ultras und den wahren Fans mischen sich zunehmend die besagten Randalierer und Chaoten.

Ich meine aber, dass die „guten“ Fans auch in die Pflicht zu nehmen sind. In dem sie nämlich diese Idioten nicht (mehr) decken. Deshalb fordere ich die Fans auch auf: „Gebt die Namen, selber gemachte Handy-Fotos und -Filme der Polizei. Sorgt selber für Ordnung, denn ihr habt es in der Hand. Wenn ihr nicht immer von der Öffentlichkeit angeschwärzt werden möchtet, müsst ihr unbedingt selber aktiv werden. Bitte!“

Damit die Fans und die Ultras auch mal gelobt werden, möchte ich eine wunderschöne Choreographie des FC Luzerns, mein Lieblingsfussballklub in der Schweiz, zeigen:

Natürlich darf man auch nicht naiv sein, und ein Schwingfest mit einem Fussballspiel vergleichen. Die „Ultras“ beim Schwingsport rauchen eine Brissago, tragen eine Militär-Pelerine und kommen mit einem Militärrucksack an den Anlass. Sie können stundenlang mit stoischer Ruhe das Geschehen auf den Sägemehlringen verfolgen.

Die Fussball-Ultras hingegen kommen mit Fahnen und Trommeln zu einem Fussballspiel, und unterstützen ihre Mannschaften lauthals mit orchestrierten Fangesängen.

Eines ist aber beiden „Ultragruppen“ gemeinsam. Sie haben gerne Bier…

Mit diesem versöhnlichen Abschluss möchte ich meine eingangs eingebrachte Wut gegen Fan-Randale nun ausklingen lassen. Es ist nur ein kleiner Bruchteil der Anhänger, die eine ganze Fangemeinde in den Dreck zieht. In dem Sinn: Wehret euch, ihr wahren Fans, und verstosst die schwarzen Schafe endlich aus euren Reihen!

feldwaldwiesenblogger

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