Meine Schwingerwoche: Eine Bilanz der anderen Art vom Schwyzer Kantonalen im Muotathal

Heute ziehe ich eine Bilanz der anderen Art vom Schwyzer Kantonalen Schwingfest im Muotathal. Auf Initiative von René Schelbert (Präsident des Schwingklub Muotathal) mache ich eine Nachbetrachtung zu diesem wirklich wunderbaren und von bestem Wetter getragenen Schwinganlass.

Aus diesem Grund wird diese Woche das Schwingprojekt 2014 vernachlässigt. Nächste Woche wird in meiner Schwingkolumne mit dieser interessanten Sache aber wieder wie gewohnt weitergefahren.

Als Einstieg in die „Bilanz“ nehme ich Jakob Niederbergers Schlussgangfilm vom Schwyzer Kantonalen:

Andreas Ulrich besiegte in der achten Minute Bruno Nötzli mit Fussstich und Nachdrücken am Boden. In absolut eindrücklicher Manier mit sechs gewonnenen Gängen und einem Punktetotal von 59.75 gewann Ulrich zum ersten Mal überhaupt das Schwyzer Kantonale Schwingfest.
Dabei bodigte der Gersauer mit Bruno Müller, Beat Wampfler und Bruno Nötzli nicht weniger als drei Eidgenossen mit der Note zehn.
Dank diesem Erfolg im Muotathal übernahm Andreas Ulrich mit drei Kränzen und 11 Punkten die momentane Führung in der Jahrespunkteliste von schlussgang.ch, vor Matthias Siegenthaler mit drei Kränzen und 10 Punkten.

In meiner Vorschau von letzter Woche drehte sich mein Beitrag vor allem um unseren Top-Gast aus dem Berner Oberland, Kilian Wenger. Dieser klassierte sich im Muotathal auf dem guten Rang 3b und musste nach seinem fulminanten Start mit Siegen gegen Christian Schuler und Markus Koller in der Folge zwei gestellte Gänge hinnehmen. Geschenkt wurde dem König von Frauenfeld, wie letzte Woche verschiedentlich angesprochen, wahrlich nichts.
Der Schlussgangfilmer hat im Muotathal auch die sechs Gänge von Kilian Wenger gefilmt:

Meine Nachbetrachtungen zu „unserem“ Schwyzer Kantonalen im Thal wollte ich nicht alleine vor meinem Computer ausbrüten. Deshalb besuchte ich am letzten Dienstag die in meinen Augen wichtigsten Organisatoren dieses mit etwa 5500 Zuschauern besuchten Grossanlasses: Den OK-Präsidenten (Roland Gwerder) und den Festwirt (Pius Suter), um mit ihnen zusammen rückblickend über das Fest zu sprechen. Im Gepäck hatte ich je 12 Fragen und mein iPhone als Diktiergerät. In der Folge entwickelte sich mit beiden Herren, übrigens beides ehemalige erfolgreiche Kranzschwinger aus dem Muotathal, ein angeregtes und interessantes Gespräch.

Roland Gwerder (OK-Präsident):

Frage 1: Wie sieht deine Bilanz nach dem Schwyzer Kantonalen aus?
„Meine Bilanz ist ganz gefreut. Wir hatten sehr viel Publikum, und was wir vorbereitet hatten, konnten wir an dem Tag auch umsetzen. Wir hatten natürlich dank Petrus auch viel Wetterglück, welches das Tüpfelchen auf dem „i“ war. Viele zufriedene Leute, viele Emails und schon während dem Schwingfest bekamen wir viele Komplimente. Das Fest war also sehr geglückt. Beste Werbung fürs Schwingen und die Gemeinde Muotathal.“

Ich wies Roland darauf hin, dass ich in meiner Vorschau folgendes schrieb: „Via Martin Horat, dem Wettermissionar aus Rothenthurm, wurde zudem bei Petrus auch prächtiges Wetter bestellt.“ Roland meinte lachend: „So eine Bestellung machen wir wieder mal.“

Frage 2: Was hat dich besonders gefreut am Schwingfest?
„Dass die Leute am Morgen früh schon pünktlich gekommen sind und den ersten Gang sehen wollten. Weiter freute mich auch die friedliche Stimmung den ganzen Tag über. Es waren doch mit allen Helfern zusammen gut 5500 Personen auf dem Platz, und es brauchte keinen Sicherheitsdienst. Auf die älteren Menschen und die Kinder wurde Rücksicht genommen und geschaut. Das war wirklich ganz eindrücklich, in so einer Arena drin. Wenn man hört, was in anderen Sportarten abgeht, bei gleichen Zuschauerzahlen. Das ist leider einfach wahnsinnig.“

Frage 3: Wie viele Personen haben total mitgeholfen?
„Ich denke, es waren total etwa 250 Personen, die im Einsatz waren.“

Frage 4: Was war am schwierigsten zu organisieren?
„Zuerst einmal, ein Organisations-Komitee (OK) zusammen zu stellen, und mit den Leuten zu arbeiten. Aber wenn man mal die Leute zusammen hat, geht das meist relativ gut. Ich hatte sehr initiative Mitarbeiter, welche ich schaffen lassen konnte.
Das Schwierigste – es ist alles machbar an einem Schwingfest. Unser grosses Glück ist sicher auch unsere schöne Anlage bei den Schulhäusern, das vereinfacht vieles. Es mussten so auch nicht zusätzliche Zelte aufgebaut werden. Unsere Anlage ist übrigens mit der Kirche und den Bergen im Hintergrund auch optisch ein Hingucker. Dies wird und wurde uns von Besuchern schon öfters gesagt.“

Frage 5: Würdest du das Amt des OK-Präsidenten wieder machen?
„Nein, es ist ein ungeschriebenes Gesetz beim Schwingklub Muotathal, dass man das eigentlich nur einmal macht. Ich glaube, das hat noch kein OK-Präsident zweimal gemacht. Ich war zudem schon OK-Präsident vom Jubliläumsschwingfest anno 2012, und habe das somit nun zweimal gemacht. Da gibt es wieder einen Nachfolger, welche bei unserem Schwingklub scheints Kolonne stehen.“ Roland lacht.
Er erklärte weiter: „Kleine Anekdote am Rand: Karl Heinzer sagte einmal, es sei sogar eine Frechheit, wenn man den OKP noch ein zweites Mal machen würde.“

Frage 6: Konntest du auch einige Gänge mitverfolgen?
Ich war in der glücklicheren Lage als unser Festwirt und konnte doch einige Gänge „live“ mitverfolgen, wahrscheinlich rund die Hälfte. Ich hatte aber auch ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, vor allem beim Speaker und mit den Medien. Am Nachmittag war ich deshalb meist beim Speaker-Wagen, wo sich auch die Medienschaffenden befanden, und ich ihre Fragen gleich beantworten konnte.“

Frage 7: Wie viele Mannstunden hast du ehrenamtlich als OK-Präsident geleistet?
„Es waren schon sehr viele Stunden. Aber ich konnte doch einiges während meiner Arbeitszeit oder am Abend erledigen. Total würde ich sagen, dass es zirka 50 Mannstunden waren.“

Frage 8: Was meinst du, wie viele Mannstunden wurden total für dieses Schwingfest geleistet?
„Ich vermute, dass es gut 3500 Stunden waren, mit allen OK-Sitzungen und allem drum und dran.“

Frage 9: Was für eine Funktion hattest du damals beim ISV 2006 (100. Innerschweizerisches Schwingfest) inne?
„Ich war Festwirt, ging damals aber fast k.o. Ich war froh, hatte ich damals einen guten Vize-Festwirt (Pius Suter). Das war sehr anstrengend, da das Fest von Freitag bis Sonntag ging. Mit einem Tag hatten wir dieses Mal mehr als genug, da am Samstag auch noch der Jungschwingertag war. Wenn wir am Samstag noch einen Unterhaltungsabend durchgeführt hätten – wir hätten wahrscheinlich nicht gewusst, woher die Helfer nehmen.“

Frage 10: War das ISV 2006 vom Aufwand und der Organisation her etwa doppelt so gross wie das Schwyzer Kantonale?
„Ja, dieses Mal hatten wir halt vergleichsweise ein einfaches Fest organisiert, ohne gedeckte Tribünen, und konnten viele Leute auch auf Rasensitzplätzen platzieren. Es war schon vieles einfacher, auch weil man die Helfer nur für einen Tag brauchte.
Damals hatten wir gut 8000 Zuschauer, diesmal etwa 5500 Zuschauer, welche wir relativ einfach „unterbringen“ konnten. Wir hatten am Sonntag Tribünensitzplätze, Rasensitzplätze und vor den Rasensitzplätzen noch Holzbretter hingelegt. So hatten wir insgesamt etwa 3800 Sitzplätze.“

Frage 11: Welchem Schwinger hattest du am Sonntag besonders die Daumen gedrückt?
„Einerseits natürlich meinem Sohn Dario, welcher am Samstag den Jungschwingeranlass gewonnen hat. Am Sonntag hat er gar nicht mal so eine schlechte Figur gemacht. Dabei wurde er einteilungsmässig hart angepackt, was ihm aber ganz sicher nicht geschadet hat. Er ist erst 17 Jahre alt und wird seinen Weg sicher machen.
Andererseits habe ich auch sehr Freude an Kilian Wenger und seiner Schwingweise. Er wurde bei uns sicher fair behandelt. Kilian hat es gefallen, ihm Thal bei uns zu schwingen. Ich denke und hoffe, dass er wieder kommen wird.“

Frage 12: Musstest du für die Gästeschwinger irgendetwas Spezielles organisieren?
„Nein, überhaupt nicht. Wir hatten ihnen einfach eine separate Garderobe zur Verfügung gestellt. Wir hätten ihnen sogar eine Übernachtungsmöglichkeit bei uns organisiert. Diese Möglichkeit wurde aber nicht genutzt.
Die Berner Schwinger waren mit Ausnahme von Kilian Wenger am Sonntagmorgen angereist. Kilian war am Samstag angereist und war in Martin Annen’s Lokal (Restaurant Schöntal, Arth), zum Nachtessen. Annen war selber ein ehemaliger erfolgreicher Kranzschwinger und Bobfahrer. Wenger übernachtete dann am Samstag privat bei einem Schwingerfreund in unserer Gegend, da es von Aeschi, seinem Wohnort im Berneroberland, schon ein wenig weit für die frühe Anfahrt gewesen wäre.“

Pius Suter (Festwirt):

Frage 1: Wie sieht deine Bilanz nach dem Schwyzer Kantonalen aus?
„Ich dachte mir vorher, dass ich das nochmals machen möchte. Die Vorbereitungen sind bereits gut gelaufen und ich hatte ein gutes OK im Rücken, und konnte auch alles gut aufteilen. Wir hatten auch super Wetter, welches uns in die Hände spielte. Wir rechneten demzufolge mit fast 5000 Zuschauern. Weiter hatten wir gute Lieferanten: Mit den Getränke-, Brot- bis zu den Fleischlieferanten war es schön zusammen zu arbeiten. Aus diesem Grund ist dieses Fest auch so gut über die Bühne gegangen und ich erhielt auch sehr viele Komplimente.“

Frage 2: Was hat dich besonders gefreut am Schwingfest?
„Besonders gefreut hat mich die Kameradschaft, auch zusammen mit den Lieferanten. Keiner wurde nervös, und wir haben alle gut kommuniziert. Es verlief alles ohne Probleme und reibungslos.
Das allerschönste ist eigentlich am Sonntagabend und am Montag „passiert“: Wir sind nach dem Schwingfest nicht sofort heim und hatten ein Riesenfest. Wir gingen noch ins Restaurant Alpenrösli und blieben bis morgens um 03.30 Uhr. Aber am Montagmorgen um 07.30 Uhr waren wieder alle auf dem Platz. Mit 35 Helfern und 48 Schülern, welche uns etwa zwei Stunden zu Hilfe kamen, hatten wir am Nachmittag um 14.30 Uhr alles aufgeräumt. Das war für mich eigentlich der positivste Aspekt.“

Frage 3: Was wurde während dem Fest am meisten getrunken?
„Bier und Kaffee. Wir verkauften 4000 Flaschen Bier und 5000 Portionen Kaffee. Am Morgen lief das Kaffee natürlich sehr gut. Man erhielt an drei stationären Orten und an zwei mobilen Wagen Kaffee.“

Frage 4: Was wurde am meisten gegessen?
„Am meisten wurden Würste gegessen. Nämlich 4100 Bratwürste und 1500 Cervelats.“

Frage 5: Wie viele Personen haben in der Festwirtschaft gearbeitet?
„Es waren total 160 Helfer bei mir eingeteilt. Wir hatten für gut 2500 Personen Platz in der Festwirtschaft.“

Frage 6: Konntest du auch einige Gänge mitverfolgen?
„Wenig“, sagte Pius lachend. Er meinte weiter:“Man hätte sie an einer Hand abzählen können.“

Frage 7: Wie viele Mannstunden hast du ehrenamtlich als Festwirt geleistet?
„Nur schon in der Vorbereitung waren es schon schätzungsweise 30 Stunden. Letzte Woche war ich jeden Abend mindesten drei bis vier Stunden fürs Schwingfest beschäftigt. Am Samstag vor dem Fest war ich den ganzen Tag auf dem Platz, von 8 bis 23 Uhr. Anschliessend konnte ich nicht gleich einschlafen und war am Sonntagmorgen um 4 Uhr als Erster wieder auf dem Festplatz. Ich musste noch ein paar Sachen parat machen, wie Tische aufstellen, ein Buffet und die Kaffeemaschinen vorbereiten. Das Ganze war um 05.30 Uhr bereit, als bereits die ersten Zuschauer eintrafen.
Am frühen Montagmorgen kam ich wie erwähnt um 4 Uhr ins Bett und um 07.30 Uhr ging‘s wieder ans Aufräumen. Ein wahres Monsterprogramm die letzten paar Tage.“

Frage 8: Was für eine Funktion hattest du damals beim ISV 2006 (100. Innerschweizerisches Schwingfest) inne?
„Ich war damals der Stellvertreter von Roland Gwerder, dem Festwirt, und führte die Grillstände.“

Frage 9: Wann hat die Festwirtschaft am Sonntag geöffnet, wann geschlossen?
„Die Festwirtschaft war von 05.30 bis 23.00 Uhr in Betrieb.“

Frage 10: Welchem Schwinger hattest du am Sonntag besonders die Daumen gedrückt?
„Adi Laimbacher drückte ich besonders die Daumen, weil ich ihn sehr gut kenne und er ein guter Kollege von mir ist. Mein Wunsch war es auch, dass sie einen so prominenten Gast wie Kilian Wenger fair einteilen. So wie ich nach dem Schwingfest gehört habe, wurde sehr gute Schwingerarbeit geleistet und auch fair eingeteilt. Und: Ich mag den Sieg Andreas Ulrich sehr gönnen, welcher wirklich ein sehr sympathischer Schwinger ist. Er war der beste am Sonntag.“

Frage 11: Gab es auch Spezialwünsche, welche ihr für die Zuschauer oder Schwinger erfüllen musstet?
„Ja, einer kommt mir grad in den Sinn. Beim Festbankett hatte es Vegetarier, welche kein Fleisch wollten, nur Sauce. Sie fragten, ob das möglich sei. Wir erklärten ihnen, dass das gehe, das normale Bankett mit Fleisch aber erst serviert werde. Sobald dies erfolgt sei, werde man das auch in die Wege leiten. Es hat dann auch geklappt und es gab keine Reklamationen.
Die Schwinger wurden gefragt, ob mit dem Service alles bestens war. Diese meinten, dass es tipptopp war und alles gut funktioniert habe. Speziell war sicher, dass das Essen und Trinken den Schwingern gratis abgegeben wurde. Das habe ich während meiner Aktivzeit als Schwinger eigentlich nie erlebt, dass das Trinken zum Essen gratis dazugehörte.“

Frage 12: Würdest du das Amt des Festwirtes wieder machen?
„Ich würde es wieder machen, wenn ich es noch nie gemacht hätte.” Pius und Roland lachten beide. Pius weiter: “Ich war jetzt dreimal dabei. Ich dachte mir, dass ich es diesmal nochmals mache, auch dank Roland, dem OKP, und der Schwingerei zu liebe. Man soll nun schauen, dass nächstes Mal ein anderer den Festwirt macht. Es gibt genug fähige Leute. Diesen werde ich auch unterstützen, wenn er meine Hilfe braucht.“

Vielen herzlichen Dank an Roland und Pius, dass sie sich für das Gespräch Zeit genommen haben. Solche Details und Auskünfte sieht und erfährt man an einem Schwingfest als Zuschauer nicht, und man kann jeweils nur ein wenig erahnen, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter so einem Anlass steckt. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle diesen ehrenamtlichen Helfern ein grosses Kränzchen winden und ein noch grösseres Kompliment erteilen. Ohne die vielen fleissigen und emsigen Hände könnte so ein Fest schlichtweg nicht durchgeführt werden.

Was mich immer wieder beeindruckt, ist die grosse Kameradschaft unter den Schwingern, den Funktionären und den vielen Helfern. Das ist in meinen Augen auch ein grosses Stück Schweiz!

Ich für meinen Teil verabschiede mich für heute, und bin stolz, auch ein bisschen zu der grossen Schwingerfamilie gehören zu dürfen.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Besuch in der Eidgenössischen Schwingerstube und die Kranzfestsaison beginnt morgen für drei meiner „Schützlinge“

Letztes Wochenende war ich an keinem Schwingfest anzutreffen. Der Grund: Ich war mit meinen Cruiser-Freunden in Bern. Im „Goldenen Schlüssel“ nächtigten wir, und hatten dort eine herrliche Aussicht über Bern’s Altstadt.

Wir machten am späten Samstagnachmittag eine zweistündige Stadtführung durch die wirklich sehr schöne Bundeshauptstadt und besuchten verschiedene Sehenswürdigkeiten. Mir kam diese Führung gemütlich und locker vor, ohne Hatz und Eile. Dies liegt sicher einerseits daran, dass ich mein iPhone im Hotel vergessen habe und andererseits natürlich auch an der ruhigen und bedächtigen Art der Berner.

Am Abend landeten wir schliesslich in der alt ehrwürdigen Mahagony Hall, wo „unsere Muotathaler“ Dusty Boots ein schönes und akustisch wunderbar klingendes Konzert gaben.

Damit wir auch hier einen Bezug zum Schwingsport haben: Frontmann, Sänger, Gitarrist und Bluesharp-Spieler Alex Gwerder war vor etlichen Jahren selber ein erfolgreicher Kranzschwinger und später während einiger Zeit der persönliche Betreuer von Heinz Suter.
Nach dem Konzert machte ich ihm ein Kompliment zu ihrem gelungenen Konzert und stellte erfreut fest, dass sie seit meinem letzten Dusty Boots-Konzertbesuch in Aeschiried (auch eine Schwingerhochburg) sechs oder sieben neue Titel ins Programm aufgenommen hatten. Alex bestätigte meine Feststellung. Zudem spielte Bassmann Marcel Hertner nebst Elektrobass auch bei einigen Songs einen Stehbass. Dies seit Anfang Jahr, und wie ich fand, absolut passend und sehr gelungen.

Am Sonntag fuhren wir auf der Rückfahrt via Emmental und Entlebuch in unser geliebtes Thal heim. Dabei machten wir in Trubschachen nicht nur bei Kambly zwecks Eindeckung von Guetzli einen Halt. Wir besuchten auch den Gasthof zum Bären. Dort ist nämlich die Eidgenössische Schwinger-Stube untergebracht.

Man könnte jetzt nun meinen, dass diese Eidgenössische Schwingerstube schon seit Jahr und Tag im Bären zu Trubschachen ist. Dem ist aber nicht so. Wir blätterten ein bisschen in einem Ordner, und fanden eine Einladung zu einer Schwingertagung mit Einweihungsfeier der Schwingerstube.

Die Einweihung fand am 29. März 2003 statt, also erst vor elf Jahren.
Die Schwingerstube ist traditionell-urchig und sehr gemütlich eingerichtet.

Am wunderschönen und grossen Holztisch wird vermutlich von oberster ESV-Stelle regelmässig über dies und das rund um den Schwingsport gebrütet.

Im abgebildeten Kasten waren verschiedene Erinnerungsstücke von Chroniken, Gedenkbilder von verstorbenen Schwingern bis hin zu einem Kranz und Geschenke an den Eidgenössischen Schwingerverband zu entdecken.

Wie immer an dieser Stelle habe ich noch den wöchentlichen Schlussgangfilm von Jakob Niederberger. Dieser drehte Jakob beim Toggenburger Verbandsschwingfest in St. Peterzell. Daniel Bösch drückte an jenem Fest überzeugend seinen Stempel auf, gewann alle sechs Gänge und im Schlussgang sogar gegen Nöldi Forrer durch Abfangen eines Schlunggs. Das Fest war mit weiteren NOS-Eidgenossen sehr gut besetzt. Dies zeigt das Notenblatt von Bösch. Er bodigte neben Forrer nämlich auch die Spitzenschwinger Michael Bless und Urban Götte.
Daniel Bösch hat in der Vorbereitungsphase zwei Feste gewonnen und an einem weiteren kam er auf Rang zwei. Ein eindrückliches Comeback nach der langen Verletzungspause. Man muss kein Prophet sein, wenn man diesem Spitzenschwinger in dieser Saison sehr viel zutraut, sogar den Sieg beim Kilchberger Schwinget…

Nun beginnt sie also, die Kranzfestsaison. Bereits am Dienstagnachmittag fand ich auf Facebook die Einteilung der Spitzenpaarungen für den ersten Gang beim Mittelländischen Schwingfest. Dieses Gaufest findet morgen Samstag im Eishockeytempel des SC Bern statt.


Bereits zum Anschwingen werden vorzügliche Leckerbissen serviert. Gänge wie Wenger – Stucki lassen jedes Schwingerherz höher schlagen. Trotzdem: Obwohl die Paarungen so wunderbar klingen, ist mit etlichen gestellten Gängen zu rechnen. Keiner der Favoriten will bereits im ersten Gang zu viel riskieren und eine Niederlage einkassieren.

Fulminanter könnte eine Kranzfestsaison nicht eingeläutet werden. Ein einfaches Kranzfest mit 18 Eidgenossen, welches dank der Einladung von sechs Mythenverband-Schwingern natürlich kräftig aufgewertet wird, verspricht ein hochkarätiger Anlass zu werden.
Leider kann ich nicht dabei sein, dafür aber tags darauf beim Zuger Kantonalen in Unterägeri, wo auch 13 Eidgenossen erwartet werden.

Als Saisonvorschau brachte der Bote der Urschweiz gestern Donnerstag einen Beitrag von Simon Gerber.

Darin hat Gerber Philipp und Adi Laimbacher, Andreas Ulrich, Christian Schuler und
Martin Grab näher unter die Lupe genommen. Er ist der Ansicht, dass sich an der Hierarchie bei den Schwyzer Schwingern wenig ändern dürfte. Diese Ansicht teile ich mit ihm. Junge und vielversprechende Talente drängen zwar nach, und möchten in die Phalanx der genannten Cracks eindringen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor ihnen.

Simon Gerber zählt denn auch einige von den hoffnungsvollen Nachwuchsschwingern auf. Als Muotathaler möchte ich vor allem ein eigenes Talent aus unserem Thal hervorheben, Ralf Schelbert. Der hoch oben im Schwarzenbach (Bisisthal) wohnende Ralf ist erst 18-jährig, hat aber das Zeug dazu, irgendwann mal ganz vorne mitschwingen zu können. Ich traue ihm zu, dass er übermorgen in Unterägeri seinen allerersten Kranz holt.

Apropos Zuger Kantonales. Einem weiteren jungen Schwinger traue ich am Sonntagnachmittag sogar das Vordringen in den Schlussgang zu: Pirmin Reichmuth. Das Riesentalent aus Cham (mit Schwyzer Wurzeln) hat bei den Frühjahresschwingfesten überzeugt (unter anderem gewann Pirmin in Cham) und ist in den Augen von vielen der kommende Mann bei den Innerschweizern.

Schwingprojekt 2014:

Da ich zurzeit an einem grösseren Bericht als Vorschau zum Schwyzer Kantonalen im Muotathal arbeite, hatte ich in der letzten Woche nicht allzu viel Zeit für meine vier „Schwinger-Schützlinge“. Dies wird sich aber spätestens nach dem Schwingfest im Thal ändern. Ich plane dann, die vier Herren mit verschiedenen Themen zu konfrontieren. Über die Reaktionen und Antworten werde ich wie gewohnt hier berichten. Mehr wird zurzeit noch nicht verraten.


Philipp Laimbacher:

Philipp beginnt seine Kranzfestsaison, wie man oben entnehmen konnte, beim Mittelländischen in Bern. Sein Gegner beim Anschwingen, Hansruedi Lauper, scheint mir für ihn nicht unbezwingbar. Dennoch ist Lauper ein unbequemer Gegner, an dem Philipp (hoffentlich) nicht seine Zähne ausbeissen wird.

Die Teilnahme einen Tag später am Zuger Kantonalen ist für ihn und seine fünf Kollegen vom Mythenverband ein kleiner Härtetest. Dabei werden die sechs Schwinger wohl an ihre Grenzen gehen müssen, vor allem am Sonntag. Eine gute Kondition ist gefragt.

Nichts ist unmöglich, und somit absolut denkbar, dass Philipp in Unterägeri im Schlussgang stehen wird. Ob dann die Kräfte für den Festsieg ausreichen werden, wage ich zu bezweifeln, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Die Schlussgang-Teilnahme beim Mittelländischen hingegen traue ich ihm nicht zu. Dies schon aus dem Grund, weil es Philipp als Gast in Bern ganz sicher nicht einfach gemacht wird, und er sich den ganzen Tag mit äusserst harten Brocken auseinandersetzen muss.


Matthias Glarner:

Wie Philipp geht Matthias beim Mittelländischen auch an den Start. Sein Gegner beim Anschwingen, Matthias Siegenthaler, bewies zuletzt eine gute Frühform. Wie Glarner übrigens auch, der das Ballenberg Schwinget gewann.
Bei diesem Gang tippe ich auf ein Unentschieden.

Beim weiteren Festverlauf wird sich zeigen, ob der hinter den beiden Schlussgang-Teilnehmern von Burgdorf, Sempach und Stucki, und hinter seinem morgigen Anschwing-Gegner Siegenthaler, der viert beste Berner am ESAF 2013, an der Spitze ein Wörtchen mitzureden vermag. Ich traue es ihm durchaus zu. Wenn Wenger, welcher noch nicht in der Form seiner besten Tage ist, morgen nicht über sich hinaus wächst, und Stucki zwei gestellte Gänge angehängt werden können, steht Matthias vielleicht beim BEA-Schwingfest im Schlussgang.


Christoph Bieri:

Von Christoph kann ich nur das berichten, was ich bereits letzten Samstag tat. Nämlich: Sein nächster Einsatz wird am 18. Mai in Muttenz sein, und zwar beim 99. Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. Ein Blick auf seine Homepage verriet mir nichts Neues.
Vermutlich ist Christoph zurzeit in einer Regenerations- und Ruhephase, und schlägt dann am 18. Mai gleich mit einem Festsieg zu. Zutrauen tue ich es ihm alleweil.


Stefan Burkhalter:

Stefan schwingt momentan Woche für Woche fleissig an einem Schwingfest. Letzten Sonntag war er beim Thurgauer Frühjahrsschwinget in Zihlschlacht angetreten. Dabei stiess er bis in den Schlussgang vor. Da sich Stefan Burkhalter und Domenic Schneider unentschieden trennten, erbte Tobias Krähenbühl als lachender Dritter den Sieg. Krähenbühl schwang übrigens beim dritten Gang mit Stefan, und ging als Verlierer vom Platz.
Desweiteren gewann Burkhalter drei Gänge (Andreas Fässler, Armin Notz und Ernst Bühler) und stellte mit dem Neu-Eidgenossen Beni Notz. Schlussendlich landete Stefan auf dem hervorragenden Rang 3b. Herzliche Gratulation!

An diesem Wochenende startet zudem auch die Kranfestsaison in der Nordostschweiz, und zwar beim Thurgauer Kantonalen in Basadingen. Schlussgang.ch sieht zwar als Favorit Arnold Forrer vor, und stuft Stefan nur als Aussenseiter ein. Dennoch denke ich, dass der Thurgauer gute Chancen auf den Festsieg an seinem eigenen Kantonalverbandsanlass hat. An ebenso einem Thurgauer Kantonalen hat Stefan anno 1994 seinen ersten Kranz rausgeschwungen.

Meiner Meinung nach hängt für Burkhalter sehr viel davon ab, wie Arnold Forrer „drauf“ ist, und sich Stefan nicht unnötige Gestellte einhandelt. Läuft es dem Thurgauer aus Homburg, liegt durchaus die Schlussgang-Qualifikation drin. In so einem Fall ist dann alles möglich, auch ein Festsieg.

Auf der Homepage des Kranzfestes in Basadingen habe ich zwar noch keine Einteilungsliste für den ersten Gang gefunden. Dafür aber gesehen, dass dem Fest mit Corinne Schmid eine OK-Präsidentin vorsteht. Wenn das mal nicht ein gutes Omen ist…

Drei von meinen vier begleiteten Schwingern starten am Wochenende also in die Kranzfestsaison. Ich wünsche Philipp, Matthias und Stefan alles Gute, viel Erfolg, viele siegreiche Gänge und die angestrebten Kränze. Wer weiss, vielleicht wird der eine oder andere an diesem Wochenende auch als Festsieger gefeiert. Ich wünsche den drei aber auch, dass sie gesund an den Wettkämpfen antreten können, und die Schwingplätze auch wieder gesund verlassen können.

Zum Schluss meiner Schwingerwoche habe ich noch einen Schwingerwitz:
Bei einem Fussballspiel hat es unter den Zuschauern Krach gegeben. Die Sache hat ein Nachspiel mit dem Richter. „Geben Sie der Wahrheit die Ehre, Angeklagter! Haben Sie den Kläger geschlagen oder nicht?“
Schwinger: „Aber nein, sicher nicht!“
Richter: „Der Kläger behauptet aber, dass Sie ihn mit mehreren Schlägen traktiert haben.“
Schwinger: „Das kann gar nicht sein, Herr Richter. Nach dem ersten Zug lag er schon flach!“

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger