Meine Schwingerwoche: Besuch in der Eidgenössischen Schwingerstube und die Kranzfestsaison beginnt morgen für drei meiner „Schützlinge“

Letztes Wochenende war ich an keinem Schwingfest anzutreffen. Der Grund: Ich war mit meinen Cruiser-Freunden in Bern. Im „Goldenen Schlüssel“ nächtigten wir, und hatten dort eine herrliche Aussicht über Bern’s Altstadt.

Wir machten am späten Samstagnachmittag eine zweistündige Stadtführung durch die wirklich sehr schöne Bundeshauptstadt und besuchten verschiedene Sehenswürdigkeiten. Mir kam diese Führung gemütlich und locker vor, ohne Hatz und Eile. Dies liegt sicher einerseits daran, dass ich mein iPhone im Hotel vergessen habe und andererseits natürlich auch an der ruhigen und bedächtigen Art der Berner.

Am Abend landeten wir schliesslich in der alt ehrwürdigen Mahagony Hall, wo „unsere Muotathaler“ Dusty Boots ein schönes und akustisch wunderbar klingendes Konzert gaben.

Damit wir auch hier einen Bezug zum Schwingsport haben: Frontmann, Sänger, Gitarrist und Bluesharp-Spieler Alex Gwerder war vor etlichen Jahren selber ein erfolgreicher Kranzschwinger und später während einiger Zeit der persönliche Betreuer von Heinz Suter.
Nach dem Konzert machte ich ihm ein Kompliment zu ihrem gelungenen Konzert und stellte erfreut fest, dass sie seit meinem letzten Dusty Boots-Konzertbesuch in Aeschiried (auch eine Schwingerhochburg) sechs oder sieben neue Titel ins Programm aufgenommen hatten. Alex bestätigte meine Feststellung. Zudem spielte Bassmann Marcel Hertner nebst Elektrobass auch bei einigen Songs einen Stehbass. Dies seit Anfang Jahr, und wie ich fand, absolut passend und sehr gelungen.

Am Sonntag fuhren wir auf der Rückfahrt via Emmental und Entlebuch in unser geliebtes Thal heim. Dabei machten wir in Trubschachen nicht nur bei Kambly zwecks Eindeckung von Guetzli einen Halt. Wir besuchten auch den Gasthof zum Bären. Dort ist nämlich die Eidgenössische Schwinger-Stube untergebracht.

Man könnte jetzt nun meinen, dass diese Eidgenössische Schwingerstube schon seit Jahr und Tag im Bären zu Trubschachen ist. Dem ist aber nicht so. Wir blätterten ein bisschen in einem Ordner, und fanden eine Einladung zu einer Schwingertagung mit Einweihungsfeier der Schwingerstube.

Die Einweihung fand am 29. März 2003 statt, also erst vor elf Jahren.
Die Schwingerstube ist traditionell-urchig und sehr gemütlich eingerichtet.

Am wunderschönen und grossen Holztisch wird vermutlich von oberster ESV-Stelle regelmässig über dies und das rund um den Schwingsport gebrütet.

Im abgebildeten Kasten waren verschiedene Erinnerungsstücke von Chroniken, Gedenkbilder von verstorbenen Schwingern bis hin zu einem Kranz und Geschenke an den Eidgenössischen Schwingerverband zu entdecken.

Wie immer an dieser Stelle habe ich noch den wöchentlichen Schlussgangfilm von Jakob Niederberger. Dieser drehte Jakob beim Toggenburger Verbandsschwingfest in St. Peterzell. Daniel Bösch drückte an jenem Fest überzeugend seinen Stempel auf, gewann alle sechs Gänge und im Schlussgang sogar gegen Nöldi Forrer durch Abfangen eines Schlunggs. Das Fest war mit weiteren NOS-Eidgenossen sehr gut besetzt. Dies zeigt das Notenblatt von Bösch. Er bodigte neben Forrer nämlich auch die Spitzenschwinger Michael Bless und Urban Götte.
Daniel Bösch hat in der Vorbereitungsphase zwei Feste gewonnen und an einem weiteren kam er auf Rang zwei. Ein eindrückliches Comeback nach der langen Verletzungspause. Man muss kein Prophet sein, wenn man diesem Spitzenschwinger in dieser Saison sehr viel zutraut, sogar den Sieg beim Kilchberger Schwinget…

Nun beginnt sie also, die Kranzfestsaison. Bereits am Dienstagnachmittag fand ich auf Facebook die Einteilung der Spitzenpaarungen für den ersten Gang beim Mittelländischen Schwingfest. Dieses Gaufest findet morgen Samstag im Eishockeytempel des SC Bern statt.


Bereits zum Anschwingen werden vorzügliche Leckerbissen serviert. Gänge wie Wenger – Stucki lassen jedes Schwingerherz höher schlagen. Trotzdem: Obwohl die Paarungen so wunderbar klingen, ist mit etlichen gestellten Gängen zu rechnen. Keiner der Favoriten will bereits im ersten Gang zu viel riskieren und eine Niederlage einkassieren.

Fulminanter könnte eine Kranzfestsaison nicht eingeläutet werden. Ein einfaches Kranzfest mit 18 Eidgenossen, welches dank der Einladung von sechs Mythenverband-Schwingern natürlich kräftig aufgewertet wird, verspricht ein hochkarätiger Anlass zu werden.
Leider kann ich nicht dabei sein, dafür aber tags darauf beim Zuger Kantonalen in Unterägeri, wo auch 13 Eidgenossen erwartet werden.

Als Saisonvorschau brachte der Bote der Urschweiz gestern Donnerstag einen Beitrag von Simon Gerber.

Darin hat Gerber Philipp und Adi Laimbacher, Andreas Ulrich, Christian Schuler und
Martin Grab näher unter die Lupe genommen. Er ist der Ansicht, dass sich an der Hierarchie bei den Schwyzer Schwingern wenig ändern dürfte. Diese Ansicht teile ich mit ihm. Junge und vielversprechende Talente drängen zwar nach, und möchten in die Phalanx der genannten Cracks eindringen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor ihnen.

Simon Gerber zählt denn auch einige von den hoffnungsvollen Nachwuchsschwingern auf. Als Muotathaler möchte ich vor allem ein eigenes Talent aus unserem Thal hervorheben, Ralf Schelbert. Der hoch oben im Schwarzenbach (Bisisthal) wohnende Ralf ist erst 18-jährig, hat aber das Zeug dazu, irgendwann mal ganz vorne mitschwingen zu können. Ich traue ihm zu, dass er übermorgen in Unterägeri seinen allerersten Kranz holt.

Apropos Zuger Kantonales. Einem weiteren jungen Schwinger traue ich am Sonntagnachmittag sogar das Vordringen in den Schlussgang zu: Pirmin Reichmuth. Das Riesentalent aus Cham (mit Schwyzer Wurzeln) hat bei den Frühjahresschwingfesten überzeugt (unter anderem gewann Pirmin in Cham) und ist in den Augen von vielen der kommende Mann bei den Innerschweizern.

Schwingprojekt 2014:

Da ich zurzeit an einem grösseren Bericht als Vorschau zum Schwyzer Kantonalen im Muotathal arbeite, hatte ich in der letzten Woche nicht allzu viel Zeit für meine vier „Schwinger-Schützlinge“. Dies wird sich aber spätestens nach dem Schwingfest im Thal ändern. Ich plane dann, die vier Herren mit verschiedenen Themen zu konfrontieren. Über die Reaktionen und Antworten werde ich wie gewohnt hier berichten. Mehr wird zurzeit noch nicht verraten.


Philipp Laimbacher:

Philipp beginnt seine Kranzfestsaison, wie man oben entnehmen konnte, beim Mittelländischen in Bern. Sein Gegner beim Anschwingen, Hansruedi Lauper, scheint mir für ihn nicht unbezwingbar. Dennoch ist Lauper ein unbequemer Gegner, an dem Philipp (hoffentlich) nicht seine Zähne ausbeissen wird.

Die Teilnahme einen Tag später am Zuger Kantonalen ist für ihn und seine fünf Kollegen vom Mythenverband ein kleiner Härtetest. Dabei werden die sechs Schwinger wohl an ihre Grenzen gehen müssen, vor allem am Sonntag. Eine gute Kondition ist gefragt.

Nichts ist unmöglich, und somit absolut denkbar, dass Philipp in Unterägeri im Schlussgang stehen wird. Ob dann die Kräfte für den Festsieg ausreichen werden, wage ich zu bezweifeln, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Die Schlussgang-Teilnahme beim Mittelländischen hingegen traue ich ihm nicht zu. Dies schon aus dem Grund, weil es Philipp als Gast in Bern ganz sicher nicht einfach gemacht wird, und er sich den ganzen Tag mit äusserst harten Brocken auseinandersetzen muss.


Matthias Glarner:

Wie Philipp geht Matthias beim Mittelländischen auch an den Start. Sein Gegner beim Anschwingen, Matthias Siegenthaler, bewies zuletzt eine gute Frühform. Wie Glarner übrigens auch, der das Ballenberg Schwinget gewann.
Bei diesem Gang tippe ich auf ein Unentschieden.

Beim weiteren Festverlauf wird sich zeigen, ob der hinter den beiden Schlussgang-Teilnehmern von Burgdorf, Sempach und Stucki, und hinter seinem morgigen Anschwing-Gegner Siegenthaler, der viert beste Berner am ESAF 2013, an der Spitze ein Wörtchen mitzureden vermag. Ich traue es ihm durchaus zu. Wenn Wenger, welcher noch nicht in der Form seiner besten Tage ist, morgen nicht über sich hinaus wächst, und Stucki zwei gestellte Gänge angehängt werden können, steht Matthias vielleicht beim BEA-Schwingfest im Schlussgang.


Christoph Bieri:

Von Christoph kann ich nur das berichten, was ich bereits letzten Samstag tat. Nämlich: Sein nächster Einsatz wird am 18. Mai in Muttenz sein, und zwar beim 99. Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest. Ein Blick auf seine Homepage verriet mir nichts Neues.
Vermutlich ist Christoph zurzeit in einer Regenerations- und Ruhephase, und schlägt dann am 18. Mai gleich mit einem Festsieg zu. Zutrauen tue ich es ihm alleweil.


Stefan Burkhalter:

Stefan schwingt momentan Woche für Woche fleissig an einem Schwingfest. Letzten Sonntag war er beim Thurgauer Frühjahrsschwinget in Zihlschlacht angetreten. Dabei stiess er bis in den Schlussgang vor. Da sich Stefan Burkhalter und Domenic Schneider unentschieden trennten, erbte Tobias Krähenbühl als lachender Dritter den Sieg. Krähenbühl schwang übrigens beim dritten Gang mit Stefan, und ging als Verlierer vom Platz.
Desweiteren gewann Burkhalter drei Gänge (Andreas Fässler, Armin Notz und Ernst Bühler) und stellte mit dem Neu-Eidgenossen Beni Notz. Schlussendlich landete Stefan auf dem hervorragenden Rang 3b. Herzliche Gratulation!

An diesem Wochenende startet zudem auch die Kranfestsaison in der Nordostschweiz, und zwar beim Thurgauer Kantonalen in Basadingen. Schlussgang.ch sieht zwar als Favorit Arnold Forrer vor, und stuft Stefan nur als Aussenseiter ein. Dennoch denke ich, dass der Thurgauer gute Chancen auf den Festsieg an seinem eigenen Kantonalverbandsanlass hat. An ebenso einem Thurgauer Kantonalen hat Stefan anno 1994 seinen ersten Kranz rausgeschwungen.

Meiner Meinung nach hängt für Burkhalter sehr viel davon ab, wie Arnold Forrer „drauf“ ist, und sich Stefan nicht unnötige Gestellte einhandelt. Läuft es dem Thurgauer aus Homburg, liegt durchaus die Schlussgang-Qualifikation drin. In so einem Fall ist dann alles möglich, auch ein Festsieg.

Auf der Homepage des Kranzfestes in Basadingen habe ich zwar noch keine Einteilungsliste für den ersten Gang gefunden. Dafür aber gesehen, dass dem Fest mit Corinne Schmid eine OK-Präsidentin vorsteht. Wenn das mal nicht ein gutes Omen ist…

Drei von meinen vier begleiteten Schwingern starten am Wochenende also in die Kranzfestsaison. Ich wünsche Philipp, Matthias und Stefan alles Gute, viel Erfolg, viele siegreiche Gänge und die angestrebten Kränze. Wer weiss, vielleicht wird der eine oder andere an diesem Wochenende auch als Festsieger gefeiert. Ich wünsche den drei aber auch, dass sie gesund an den Wettkämpfen antreten können, und die Schwingplätze auch wieder gesund verlassen können.

Zum Schluss meiner Schwingerwoche habe ich noch einen Schwingerwitz:
Bei einem Fussballspiel hat es unter den Zuschauern Krach gegeben. Die Sache hat ein Nachspiel mit dem Richter. „Geben Sie der Wahrheit die Ehre, Angeklagter! Haben Sie den Kläger geschlagen oder nicht?“
Schwinger: „Aber nein, sicher nicht!“
Richter: „Der Kläger behauptet aber, dass Sie ihn mit mehreren Schlägen traktiert haben.“
Schwinger: „Das kann gar nicht sein, Herr Richter. Nach dem ersten Zug lag er schon flach!“

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

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