Meine Schwingerwoche: Eine Bilanz der anderen Art vom Schwyzer Kantonalen im Muotathal

Heute ziehe ich eine Bilanz der anderen Art vom Schwyzer Kantonalen Schwingfest im Muotathal. Auf Initiative von René Schelbert (Präsident des Schwingklub Muotathal) mache ich eine Nachbetrachtung zu diesem wirklich wunderbaren und von bestem Wetter getragenen Schwinganlass.

Aus diesem Grund wird diese Woche das Schwingprojekt 2014 vernachlässigt. Nächste Woche wird in meiner Schwingkolumne mit dieser interessanten Sache aber wieder wie gewohnt weitergefahren.

Als Einstieg in die „Bilanz“ nehme ich Jakob Niederbergers Schlussgangfilm vom Schwyzer Kantonalen:

Andreas Ulrich besiegte in der achten Minute Bruno Nötzli mit Fussstich und Nachdrücken am Boden. In absolut eindrücklicher Manier mit sechs gewonnenen Gängen und einem Punktetotal von 59.75 gewann Ulrich zum ersten Mal überhaupt das Schwyzer Kantonale Schwingfest.
Dabei bodigte der Gersauer mit Bruno Müller, Beat Wampfler und Bruno Nötzli nicht weniger als drei Eidgenossen mit der Note zehn.
Dank diesem Erfolg im Muotathal übernahm Andreas Ulrich mit drei Kränzen und 11 Punkten die momentane Führung in der Jahrespunkteliste von schlussgang.ch, vor Matthias Siegenthaler mit drei Kränzen und 10 Punkten.

In meiner Vorschau von letzter Woche drehte sich mein Beitrag vor allem um unseren Top-Gast aus dem Berner Oberland, Kilian Wenger. Dieser klassierte sich im Muotathal auf dem guten Rang 3b und musste nach seinem fulminanten Start mit Siegen gegen Christian Schuler und Markus Koller in der Folge zwei gestellte Gänge hinnehmen. Geschenkt wurde dem König von Frauenfeld, wie letzte Woche verschiedentlich angesprochen, wahrlich nichts.
Der Schlussgangfilmer hat im Muotathal auch die sechs Gänge von Kilian Wenger gefilmt:

Meine Nachbetrachtungen zu „unserem“ Schwyzer Kantonalen im Thal wollte ich nicht alleine vor meinem Computer ausbrüten. Deshalb besuchte ich am letzten Dienstag die in meinen Augen wichtigsten Organisatoren dieses mit etwa 5500 Zuschauern besuchten Grossanlasses: Den OK-Präsidenten (Roland Gwerder) und den Festwirt (Pius Suter), um mit ihnen zusammen rückblickend über das Fest zu sprechen. Im Gepäck hatte ich je 12 Fragen und mein iPhone als Diktiergerät. In der Folge entwickelte sich mit beiden Herren, übrigens beides ehemalige erfolgreiche Kranzschwinger aus dem Muotathal, ein angeregtes und interessantes Gespräch.

Roland Gwerder (OK-Präsident):

Frage 1: Wie sieht deine Bilanz nach dem Schwyzer Kantonalen aus?
„Meine Bilanz ist ganz gefreut. Wir hatten sehr viel Publikum, und was wir vorbereitet hatten, konnten wir an dem Tag auch umsetzen. Wir hatten natürlich dank Petrus auch viel Wetterglück, welches das Tüpfelchen auf dem „i“ war. Viele zufriedene Leute, viele Emails und schon während dem Schwingfest bekamen wir viele Komplimente. Das Fest war also sehr geglückt. Beste Werbung fürs Schwingen und die Gemeinde Muotathal.“

Ich wies Roland darauf hin, dass ich in meiner Vorschau folgendes schrieb: „Via Martin Horat, dem Wettermissionar aus Rothenthurm, wurde zudem bei Petrus auch prächtiges Wetter bestellt.“ Roland meinte lachend: „So eine Bestellung machen wir wieder mal.“

Frage 2: Was hat dich besonders gefreut am Schwingfest?
„Dass die Leute am Morgen früh schon pünktlich gekommen sind und den ersten Gang sehen wollten. Weiter freute mich auch die friedliche Stimmung den ganzen Tag über. Es waren doch mit allen Helfern zusammen gut 5500 Personen auf dem Platz, und es brauchte keinen Sicherheitsdienst. Auf die älteren Menschen und die Kinder wurde Rücksicht genommen und geschaut. Das war wirklich ganz eindrücklich, in so einer Arena drin. Wenn man hört, was in anderen Sportarten abgeht, bei gleichen Zuschauerzahlen. Das ist leider einfach wahnsinnig.“

Frage 3: Wie viele Personen haben total mitgeholfen?
„Ich denke, es waren total etwa 250 Personen, die im Einsatz waren.“

Frage 4: Was war am schwierigsten zu organisieren?
„Zuerst einmal, ein Organisations-Komitee (OK) zusammen zu stellen, und mit den Leuten zu arbeiten. Aber wenn man mal die Leute zusammen hat, geht das meist relativ gut. Ich hatte sehr initiative Mitarbeiter, welche ich schaffen lassen konnte.
Das Schwierigste – es ist alles machbar an einem Schwingfest. Unser grosses Glück ist sicher auch unsere schöne Anlage bei den Schulhäusern, das vereinfacht vieles. Es mussten so auch nicht zusätzliche Zelte aufgebaut werden. Unsere Anlage ist übrigens mit der Kirche und den Bergen im Hintergrund auch optisch ein Hingucker. Dies wird und wurde uns von Besuchern schon öfters gesagt.“

Frage 5: Würdest du das Amt des OK-Präsidenten wieder machen?
„Nein, es ist ein ungeschriebenes Gesetz beim Schwingklub Muotathal, dass man das eigentlich nur einmal macht. Ich glaube, das hat noch kein OK-Präsident zweimal gemacht. Ich war zudem schon OK-Präsident vom Jubliläumsschwingfest anno 2012, und habe das somit nun zweimal gemacht. Da gibt es wieder einen Nachfolger, welche bei unserem Schwingklub scheints Kolonne stehen.“ Roland lacht.
Er erklärte weiter: „Kleine Anekdote am Rand: Karl Heinzer sagte einmal, es sei sogar eine Frechheit, wenn man den OKP noch ein zweites Mal machen würde.“

Frage 6: Konntest du auch einige Gänge mitverfolgen?
Ich war in der glücklicheren Lage als unser Festwirt und konnte doch einige Gänge „live“ mitverfolgen, wahrscheinlich rund die Hälfte. Ich hatte aber auch ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, vor allem beim Speaker und mit den Medien. Am Nachmittag war ich deshalb meist beim Speaker-Wagen, wo sich auch die Medienschaffenden befanden, und ich ihre Fragen gleich beantworten konnte.“

Frage 7: Wie viele Mannstunden hast du ehrenamtlich als OK-Präsident geleistet?
„Es waren schon sehr viele Stunden. Aber ich konnte doch einiges während meiner Arbeitszeit oder am Abend erledigen. Total würde ich sagen, dass es zirka 50 Mannstunden waren.“

Frage 8: Was meinst du, wie viele Mannstunden wurden total für dieses Schwingfest geleistet?
„Ich vermute, dass es gut 3500 Stunden waren, mit allen OK-Sitzungen und allem drum und dran.“

Frage 9: Was für eine Funktion hattest du damals beim ISV 2006 (100. Innerschweizerisches Schwingfest) inne?
„Ich war Festwirt, ging damals aber fast k.o. Ich war froh, hatte ich damals einen guten Vize-Festwirt (Pius Suter). Das war sehr anstrengend, da das Fest von Freitag bis Sonntag ging. Mit einem Tag hatten wir dieses Mal mehr als genug, da am Samstag auch noch der Jungschwingertag war. Wenn wir am Samstag noch einen Unterhaltungsabend durchgeführt hätten – wir hätten wahrscheinlich nicht gewusst, woher die Helfer nehmen.“

Frage 10: War das ISV 2006 vom Aufwand und der Organisation her etwa doppelt so gross wie das Schwyzer Kantonale?
„Ja, dieses Mal hatten wir halt vergleichsweise ein einfaches Fest organisiert, ohne gedeckte Tribünen, und konnten viele Leute auch auf Rasensitzplätzen platzieren. Es war schon vieles einfacher, auch weil man die Helfer nur für einen Tag brauchte.
Damals hatten wir gut 8000 Zuschauer, diesmal etwa 5500 Zuschauer, welche wir relativ einfach „unterbringen“ konnten. Wir hatten am Sonntag Tribünensitzplätze, Rasensitzplätze und vor den Rasensitzplätzen noch Holzbretter hingelegt. So hatten wir insgesamt etwa 3800 Sitzplätze.“

Frage 11: Welchem Schwinger hattest du am Sonntag besonders die Daumen gedrückt?
„Einerseits natürlich meinem Sohn Dario, welcher am Samstag den Jungschwingeranlass gewonnen hat. Am Sonntag hat er gar nicht mal so eine schlechte Figur gemacht. Dabei wurde er einteilungsmässig hart angepackt, was ihm aber ganz sicher nicht geschadet hat. Er ist erst 17 Jahre alt und wird seinen Weg sicher machen.
Andererseits habe ich auch sehr Freude an Kilian Wenger und seiner Schwingweise. Er wurde bei uns sicher fair behandelt. Kilian hat es gefallen, ihm Thal bei uns zu schwingen. Ich denke und hoffe, dass er wieder kommen wird.“

Frage 12: Musstest du für die Gästeschwinger irgendetwas Spezielles organisieren?
„Nein, überhaupt nicht. Wir hatten ihnen einfach eine separate Garderobe zur Verfügung gestellt. Wir hätten ihnen sogar eine Übernachtungsmöglichkeit bei uns organisiert. Diese Möglichkeit wurde aber nicht genutzt.
Die Berner Schwinger waren mit Ausnahme von Kilian Wenger am Sonntagmorgen angereist. Kilian war am Samstag angereist und war in Martin Annen’s Lokal (Restaurant Schöntal, Arth), zum Nachtessen. Annen war selber ein ehemaliger erfolgreicher Kranzschwinger und Bobfahrer. Wenger übernachtete dann am Samstag privat bei einem Schwingerfreund in unserer Gegend, da es von Aeschi, seinem Wohnort im Berneroberland, schon ein wenig weit für die frühe Anfahrt gewesen wäre.“

Pius Suter (Festwirt):

Frage 1: Wie sieht deine Bilanz nach dem Schwyzer Kantonalen aus?
„Ich dachte mir vorher, dass ich das nochmals machen möchte. Die Vorbereitungen sind bereits gut gelaufen und ich hatte ein gutes OK im Rücken, und konnte auch alles gut aufteilen. Wir hatten auch super Wetter, welches uns in die Hände spielte. Wir rechneten demzufolge mit fast 5000 Zuschauern. Weiter hatten wir gute Lieferanten: Mit den Getränke-, Brot- bis zu den Fleischlieferanten war es schön zusammen zu arbeiten. Aus diesem Grund ist dieses Fest auch so gut über die Bühne gegangen und ich erhielt auch sehr viele Komplimente.“

Frage 2: Was hat dich besonders gefreut am Schwingfest?
„Besonders gefreut hat mich die Kameradschaft, auch zusammen mit den Lieferanten. Keiner wurde nervös, und wir haben alle gut kommuniziert. Es verlief alles ohne Probleme und reibungslos.
Das allerschönste ist eigentlich am Sonntagabend und am Montag „passiert“: Wir sind nach dem Schwingfest nicht sofort heim und hatten ein Riesenfest. Wir gingen noch ins Restaurant Alpenrösli und blieben bis morgens um 03.30 Uhr. Aber am Montagmorgen um 07.30 Uhr waren wieder alle auf dem Platz. Mit 35 Helfern und 48 Schülern, welche uns etwa zwei Stunden zu Hilfe kamen, hatten wir am Nachmittag um 14.30 Uhr alles aufgeräumt. Das war für mich eigentlich der positivste Aspekt.“

Frage 3: Was wurde während dem Fest am meisten getrunken?
„Bier und Kaffee. Wir verkauften 4000 Flaschen Bier und 5000 Portionen Kaffee. Am Morgen lief das Kaffee natürlich sehr gut. Man erhielt an drei stationären Orten und an zwei mobilen Wagen Kaffee.“

Frage 4: Was wurde am meisten gegessen?
„Am meisten wurden Würste gegessen. Nämlich 4100 Bratwürste und 1500 Cervelats.“

Frage 5: Wie viele Personen haben in der Festwirtschaft gearbeitet?
„Es waren total 160 Helfer bei mir eingeteilt. Wir hatten für gut 2500 Personen Platz in der Festwirtschaft.“

Frage 6: Konntest du auch einige Gänge mitverfolgen?
„Wenig“, sagte Pius lachend. Er meinte weiter:“Man hätte sie an einer Hand abzählen können.“

Frage 7: Wie viele Mannstunden hast du ehrenamtlich als Festwirt geleistet?
„Nur schon in der Vorbereitung waren es schon schätzungsweise 30 Stunden. Letzte Woche war ich jeden Abend mindesten drei bis vier Stunden fürs Schwingfest beschäftigt. Am Samstag vor dem Fest war ich den ganzen Tag auf dem Platz, von 8 bis 23 Uhr. Anschliessend konnte ich nicht gleich einschlafen und war am Sonntagmorgen um 4 Uhr als Erster wieder auf dem Festplatz. Ich musste noch ein paar Sachen parat machen, wie Tische aufstellen, ein Buffet und die Kaffeemaschinen vorbereiten. Das Ganze war um 05.30 Uhr bereit, als bereits die ersten Zuschauer eintrafen.
Am frühen Montagmorgen kam ich wie erwähnt um 4 Uhr ins Bett und um 07.30 Uhr ging‘s wieder ans Aufräumen. Ein wahres Monsterprogramm die letzten paar Tage.“

Frage 8: Was für eine Funktion hattest du damals beim ISV 2006 (100. Innerschweizerisches Schwingfest) inne?
„Ich war damals der Stellvertreter von Roland Gwerder, dem Festwirt, und führte die Grillstände.“

Frage 9: Wann hat die Festwirtschaft am Sonntag geöffnet, wann geschlossen?
„Die Festwirtschaft war von 05.30 bis 23.00 Uhr in Betrieb.“

Frage 10: Welchem Schwinger hattest du am Sonntag besonders die Daumen gedrückt?
„Adi Laimbacher drückte ich besonders die Daumen, weil ich ihn sehr gut kenne und er ein guter Kollege von mir ist. Mein Wunsch war es auch, dass sie einen so prominenten Gast wie Kilian Wenger fair einteilen. So wie ich nach dem Schwingfest gehört habe, wurde sehr gute Schwingerarbeit geleistet und auch fair eingeteilt. Und: Ich mag den Sieg Andreas Ulrich sehr gönnen, welcher wirklich ein sehr sympathischer Schwinger ist. Er war der beste am Sonntag.“

Frage 11: Gab es auch Spezialwünsche, welche ihr für die Zuschauer oder Schwinger erfüllen musstet?
„Ja, einer kommt mir grad in den Sinn. Beim Festbankett hatte es Vegetarier, welche kein Fleisch wollten, nur Sauce. Sie fragten, ob das möglich sei. Wir erklärten ihnen, dass das gehe, das normale Bankett mit Fleisch aber erst serviert werde. Sobald dies erfolgt sei, werde man das auch in die Wege leiten. Es hat dann auch geklappt und es gab keine Reklamationen.
Die Schwinger wurden gefragt, ob mit dem Service alles bestens war. Diese meinten, dass es tipptopp war und alles gut funktioniert habe. Speziell war sicher, dass das Essen und Trinken den Schwingern gratis abgegeben wurde. Das habe ich während meiner Aktivzeit als Schwinger eigentlich nie erlebt, dass das Trinken zum Essen gratis dazugehörte.“

Frage 12: Würdest du das Amt des Festwirtes wieder machen?
„Ich würde es wieder machen, wenn ich es noch nie gemacht hätte.” Pius und Roland lachten beide. Pius weiter: “Ich war jetzt dreimal dabei. Ich dachte mir, dass ich es diesmal nochmals mache, auch dank Roland, dem OKP, und der Schwingerei zu liebe. Man soll nun schauen, dass nächstes Mal ein anderer den Festwirt macht. Es gibt genug fähige Leute. Diesen werde ich auch unterstützen, wenn er meine Hilfe braucht.“

Vielen herzlichen Dank an Roland und Pius, dass sie sich für das Gespräch Zeit genommen haben. Solche Details und Auskünfte sieht und erfährt man an einem Schwingfest als Zuschauer nicht, und man kann jeweils nur ein wenig erahnen, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter so einem Anlass steckt. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle diesen ehrenamtlichen Helfern ein grosses Kränzchen winden und ein noch grösseres Kompliment erteilen. Ohne die vielen fleissigen und emsigen Hände könnte so ein Fest schlichtweg nicht durchgeführt werden.

Was mich immer wieder beeindruckt, ist die grosse Kameradschaft unter den Schwingern, den Funktionären und den vielen Helfern. Das ist in meinen Augen auch ein grosses Stück Schweiz!

Ich für meinen Teil verabschiede mich für heute, und bin stolz, auch ein bisschen zu der grossen Schwingerfamilie gehören zu dürfen.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

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