Meine Schwingerwoche: Wie bereiten sich die vier Schwinger mental auf ein Schwingfest vor, und was für eine Zwischenbilanz ziehen sie nach den bisherigen Kranzfesten?

Schwingprojekt 2014:

Diese Woche widme ich mich gleich zwei Themen. Denn ich habe mich in den letzten beiden Wochen fast ausschliesslich dem Schwyzer Kantonalen im Muotathal gewidmet. Nun brennen mir wieder etliche Fragen unter den Nägeln. Deshalb rief ich unter der Woche die vier Schwinger an, und fragte sie einerseits nach einer Zwischenbilanz der bisherigen Kranzfeste, andererseits wie sie sich mental für ein Schwingfest vorbereiten.


Philipp Laimbacher:

Wie geht es dir?
„Ich bin „gsund und gfräsig“, habe keine Beschwerden und konnte auch beschwerdefrei trainieren. Am Sonntag bin ich Gast beim Luzerner Kantonalen, und hoffe, dass es gut kommt.“

Wie sieht deine Zwischenbilanz nach den bisherigen Kranzfesten aus?
„Wie eine Achterbahn, ich war zweimal Achter und zweimal Zweiter. Wenn die Tagesform nicht stimmt, ist es einfach hie und da strenger, und es lief teilweise einfach nicht nach Plan.
Ich habe bisher drei Kränze geholt. Wenn man nicht zu vorderst in der Rangliste ist, gibt es jeweils hinterher einiges zu bemängeln. Beim Schwyzer Kantonalen lief es beispielsweise nicht so. Da macht sich dann der Ehrgeiz schon bemerkbar, es beim nächsten Fest besser zu tun.“

Wie bereitest du dich mental auf ein Schwingfest vor?
„Vor einem Wettkampf bereite ich mich in der Natur vor. Ich will dann für mich allein sein, Energie tanken und dabei „runterfahren“. Ich gehe dann für mich die Abläufe durch, und was ich erreichen will.
Im Jahr 2007 besuchte ich ein mentales Seminar mit Autogenem Training. Man kann es eigentlich überall anwenden, und dabei zwei oder drei Minuten schöne Bilder abrufen. Ich versuche es fleissig anzuwenden, vor einem Schwingfest aber ganz sicher.
Das Mentale ist sicher wichtig, aber ein Detail von vielen. Das Wichtigste ist in meinen Augen die Freude, der Wille und der Ehrgeiz. Ich bin mittlerweile 31 Jahre jung, und kann dabei auch von meiner Routine zerren.“


Matthias Glarner:

Da Matthias am letzten Sonntag dank eines Gestellten von Kilian Wenger und Christian Stucki das Seeländische in Studen gewinnen konnte, widme ich den wöchentlichen Film von Jakob Niederberger diesmal ihm.
Jakob hatte glücklicherweise alle sechs Gänge von Matthias gefilmt und anschliessend die drei mit ihm geführten Interviews aufgezeichnet.

Herzliche Gratulation Matthias!

Wie geht es dir?
„Es geht mir sehr gut. Zurzeit habe ich eine Doppelbelastung mit Schwingen und dem Abschluss des Sport-Studiums an der Uni Bern. Nebenbei habe ich noch ein 20%-Pensum an einer Gewerbeschule und gebe dort Sportunterricht. Zusätzlich mache ich auch Aushilfen als Sportlehrer.

Wie sieht deine Zwischenbilanz nach den bisherigen Kranzfesten aus?
„Bis jetzt sieht sie gut aus. Ich holte bisher 3 Kränze, war einmal im Schlussgang und gewann ein Kranzfest. Beim Mittelländischen erhielt ich bei der Schlussgangniederlage einen Dämpfer. Bin aber trotzdem zufrieden und hoffe, dass es so weitergeht.“

Der nächste Kranzfesteinsatz von Matthias ist auf dem Stoos beim traditionellen Bergschwinget. Ich sprach ihn darauf an, dass der Sieg dort über die Berner laufen wird, welche mit ihrer kompletten Elite antreten werden. Auf die derzeitige Stärke der Berner angesprochen meinte Glarner: „Das macht es nicht einfacher. Es wird nicht der letzte gestellte Schlussgang gewesen sein wie beim Seeländischen zwischen Wenger und Stucki.“

Wie bereitest du dich mental auf ein Schwingfest vor?
„Es sind immer dieselben Rituale und Abläufe, wie das packen und essen vor einem Fest. 15 bis 30 Minuten vor einem Gang beginne ich mich mit meinem Gegner auseinander zu setzen. Zusätzlich beobachte ich auch das Gegnerfeld.
Ich versuche das Ganze locker anzugehen und dabei im Vorfeld nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Spezielle Techniken wende ich nicht an.“


Christoph Bieri:

Wie geht es dir?
„Gut, bin fit und zufrieden.“

Wie sieht deine Zwischenbilanz nach den bisherigen Kranzfesten aus?
„Ich holte bisher einen Kranz. Bis Mitte Juni bestreite ich an jedem Wochenende ein Kranzfest.“

Inzwischen sind es zwei Kränze, denn Christoph und ich telefonierten am letzten Dienstagabend.

„Ich habe in der Vorbereitungsphase zwei Rangschwingfeste gewonnen. Dabei habe ich teilweise gut geschwungen, teilweise auch nicht. Aber für das sind diese Feste ja auch da.
Am Basellandschaftlichen wurde ich im ersten Gang von Jürg Mahrer ausgekontert. Je länger das Fest ging, je besser lief es mir.“

Christoph belegte dann am Abend den guten Rang 2b.

Ich fragte ihn nach seinem nächsten Einsatz, dem Baselstädtischen vom Auffahrtstag. Er meinte: „Man wird sehen, bin aber zuversichtlich.“
Zum Gegner im ersten Gang sagte mir Christoph: „Ich habe gegen Simon Anderegg schon sechs oder siebenmal geschwungen. Dabei habe ich zwei oder dreimal gewonnen und ein paarmal gestellt. Es wird sicher schwierig, gegen ihn zu gewinnen, bin aber trotzdem zuversichtlich.“
Wie wir nun wissen, stellten die beiden am Donnerstag im ersten Gang. Bieri gewann in der Folge vier Gänge und musste gegen einen weiteren Berner, Matthias Siegenthaler, die Punkte teilen, was ihm letztendlich den guten Rang 3c einbrachte.

Mehr zum Baselstädtischen Schwingfest, welches ich an Auffahrt besuchte, findet man weiter unten.

Wie bereitest du dich mental auf ein Schwingfest vor?
„Ich schaue mir als Vorbereitung Videos von eigenen Gängen an, wo es mir gut lief.
Ich habe letztes Jahr mit einem entsprechenden Betreuer gearbeitet, und ein Mental-Dossier zusammengestellt, in welches ich nun vor den Wettkämpfen reinschaue.
Weiter gehe ich vor einem Schwingfest mit meinem Hund laufen, und höre gute Musik. Ich mache Dinge, die mir Spass machen.“

Angesprochen auf die Musikrichtung erzählte mir Christoph: „Vor allem AC/DC. Aber auch Rock’n’Roll bis zu Ländler-Musik, quer durch den Musikgarten. Wenn ich an das Schwingfest fahre, und dann auch beim Fest, höre ich meist AC/DC.“


Stefan Burkhalter:

Wie geht es dir?
„Gut, bin aber zur Zeit erkältet.“
Ich telefonierte mit Stefan übrigens auch letzten Dienstag.

Wie sieht deine Zwischenbilanz nach den bisherigen Kranzfesten aus?
„Meine Zwischenbilanz ist sehr gut. Ich befinde mich auf einem guten Weg und bin jetzt bei etwa 70% meiner Leistungsfähigkeit.
Ich habe diese Saison bisher drei Kränze geholt (insgesamt jetzt 85 Kränze). Am St. Galler Kantonalen habe ich den Kranz ganz knapp verpasst. Ich fühlte mich nicht ganz fit, da ich vor dem Fest von Donnerstag bis Samstag krank war. Ich bin aber dann trotzdem in Gossau angetreten. Im fünften Gang habe ich gegen Arnold Forrer sogar um den Schlussgang-Einzug gekämpft, erzielte aber leider nur ein Unentschieden. Da ich den sechsten Gang auch stellte, verpasste ich noch den Kranz. Das geht eben manchmal ganz knapp aus.“

Ich vermute, dass die drei bisherigen Kränze bereits Stefan‘s Qualifikation für den Kilchberger Schwinget ist. Er meinte dazu: „Die 57 noch aktiven Eidgenossen sollten sich wahrscheinlich qualifizieren. Zusätzlich sind noch drei Plätze zu vergeben…“

Stefan weiter: „Die Leute haben mir gesagt, dass ich dank des Thaibox-Trainings beim Schwingen nun sogar offensiver geworden bin.“

Apropos Thaiboxen: Im Juli des nächsten Jahres steigt auf der Winterthurer Schützenwiese ein ganz spezieller Wettkampf. Stefan steigt gegen den mehrfachen Thaibox-Weltmeister Azem Maksutaj, welcher ihn momentan in dieser Sportart auch trainiert, in den Ring. Angesetzt ist ein Hauptkampf mit Thaiboxen, und anschliessend schwingen beide gegeneinander einen Gang.
Ich fragte Stefan, ob dies gar sein Abschied aus dem aktiven Schwingsport sein könnte. Er winkte ab, und meinte, dass die Idee von Maksutaj kam. Dieser steigt dann zum letzten Mal in den Ring und beendet danach seine Karriere.

Wie bereitest du dich mental auf ein Schwingfest vor?
„Es kommt drauf an, ob ich an ein Rangschwinget oder an ein Kranzfest gehe. Wenn ich an ein Kranzfest gehe, steht mein Gegner für den ersten Gang meist am Freitag fest. Meine Vorbereitung startet dann sogleich und ich beginne mich auf meinen Gegner einzustellen. Ich achte dabei auf das Essen, genügend Kalorien, viel Schlaf und die Regeneration. Dazu gehört automatisch auch das Mentale.
Meine Mentale Vorbereitung ist das Fokussieren auf meinen Gegner. Dazu wende ich keine spezielle Methode an. Vielmehr schaue ich darauf, dass ich vor einem Wettkampf ein ruhiges Umfeld habe, wie beispielsweise ein gemütliches Nachtessen mit meiner Familie.“

Stefan erklärte mir, dass er im Monat Mai rekordverdächtige sechs Schwingfeste besucht. Innerhalb dieser Woche sind es gleich drei Feste: Am Sonntag bestritt er das St. Galler Kantonale, am Auffahrtstag das Pfannenstiel-Schwinget und heute Samstagabend folgt zudem das Herisauerabend-Schwinget. Sein nächster Einsatz an einem Kranzfest ist am 29. Juni, das NOS (Nordostschweizerische Teilverbandsfest) in Wigoltingen TG.

Zum Schluss meiner Schwingerwoche habe ich wie erwähnt, noch ein paar Gedanken und Eindrücke zum Baselstädtischen Schwingfest in Basel.


Am Schwingfest traf ich zwei Polizisten an. Die eine der beiden war eine hübsche und blonde Polizistin. Ich fragte sie, ob sie beide hier im Einsatz stünden, und wie viele sie insgesamt seien. Sie antwortete mir: „Für das Schwingfest sind keine Polizisten eingeteilt. Wir sind nur als Zuschauer hier. Unser Chef ist ein Schwingsport-Fan und wir begleiteten ihn auf einen Abstecher ans Schwinget.“


Im dritten Gang wurde in meinen Augen Gerry Süess Unrecht getan, als ihm ein Sieg gegen Nick Alpiger aberkannt wurde. Viele der Zuschauer in meiner Umgebung sahen einen eindeutigen Sieg. Gerry erklärte später etwas frustriert einem Sitznachbar: „Der Platzkampfrichter sagte mir „Gut“. Darauf liess ich meinen Gegner los. Die beiden Kampfrichter am Pult überstimmten aber den Platzkampfrichter und aberkannten mein Resultat.“
Meine Meinung war, dass er eindeutig gewonnen hatte. Da er in Basel aber halt „nur“ Gast war, musste er wohl „hartes Brot fressen”. Trotzdem sollte mit ihnen wie mit einem richtigen „Gast“ umgegangen werden. Nämlich fair und freundschaftlich. In diesem Fall war das wohl freundschaftlich, aber nicht fair.
Ich bin nicht naiv, und weiss, dass solche Fälle dutzende Male in einem Jahr vorkommen. Es ist ein bisschen wie beim Fussball: Der Sport lebt von den Emotionen mitsamt seinen (Fehl)entscheiden.
Gerry Süess holte glücklicherweise trotz dem unglücklich gestellten Gang mit Rang 6d den Kranz.


In Basel wurde ganz clever eingeteilt. Am Mittag hätte ich noch darum gewettet, dass Matthias Siegenthaler, einer der angetretenen Berner Gäste, im Schlussgang stehen würde. Daraus wurde dann nichts: Im vierten Gang teilte das Einteilungsgericht die besten Nordwestschweizer mit den starken Bernern ein. Christoph Bieri stellte mit Matthias Siegenthaler (Bild) und Bruno Gisler mit Simon Anderegg. Somit wurde der Weg für den wohl momentan besten Nordwestschweizer, Mario Thürig, in den Schlussgang geebnet. Dieser hatte im vierten Gang mit Patrick Waldner einen vergleichsweise „leichten“ Gegner.


Auf dem Festgelände in der Sandgrube, übrigens an einem neuen Standort, wurden auch „Bierwagen“ gesichtet, und natürlich getestet. Auf das „Sorry KEIN WASSER!“ angesprochen, meinte die schlagfertige Bierausschenkerin: „Wir sind immer für ein Spässchen zu haben!“
Übrigens: Bisher habe ich immer gedacht, dass der Hauptbestandteil von Bier, Moscht, Prosecco etc. Wasser ist. Scheinbar ist das in Basel nicht der Fall…

Ich wünsche Euch ein schönes und erholsames Wochenende!

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

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