Mittwoch, du armer Esel…

Für einmal mache ich genau das gleiche wie die wohl zurzeit berühmteste Bloggerin der Schweiz, Yonni Meier alias Pony M.: Einfach nur drauf los bloggen. Unlängst schrieb Yonni nämlich einen Beitrag in der deutschen Ausgabe der Huffington Post, mit dem Titel „Lieber Freitag, du geile Sau!“ Da dachte ich mir: Das mache ich auch wieder mal! Einfach drauf los schreiben, die Worte in die Taste hauen, wie sie mir grad in die Finger „schiessen“.

In letzter Zeit hatte ich vor allem auf journalistische Art und Weise gebloggt. Ich habe an den meisten Texten während mehreren Tagen (einmal sogar Wochen) gearbeitet. Das macht und machte natürlich auch sehr viel Spass. Einen Text gedeihen lassen, wie ein kleines Bäumchen, welcher zu einem ausgewachsenen Baum mit all seinen Ästen und Strukturen heranwächst.
Es ist dann alles gut ausgedacht, fast ohne Fehler, aber auch praktisch ohne irgendwelche spontanen Wortkreationen.

Heute aber, an einem „hundskomunen“ Mittwoch, lasse ich die Finger über die Tastatur springen, und huldige, wie Yonni, auch einem Wochentag. Ich mache das aber nicht für den Freitag, die geile Sau, sondern für den Mittwoch, den armen Esel.

Yonni schrieb in ihrem „geilen Text“: „Freitag hingegen ist der kleine, dicke Bruder, der auch mit 40 noch Freude dran hat, an Poolpartys Arschbomben zu machen, auch wenn alle anderen schick angezogen mit einem Glas Prosecco in der Hand dekorativ rumstehen und Konversation machen.

Sie machte aus einem Wochentag eine menschliche Kreatur zum Anfassen.
Man muss wissen: Yonni Meier alias Pony M. studierte Psychologie. Sie darf also von Berufes wegen so mit Wochentagen umspringen. Sie studierte vorher aber auch Sprachwissenschaften, und weiss somit natürlich bestens mit Worten um zugehen. Mit ihnen zu spielen und in einem Text zusammen zu fügen.

Ich muss zugeben: Yonni‘s Schreibe gefällt mir. Meier hat damit auch riesig Erfolg. Sie hängte nämlich Ende letzten Jahres ihren Job an den Nagel, und eröffnete auf Facebook einen Account unter ihrem Bloggerpseudonym Pony M. Sie hatte sofort viel Zuspruch, sprich „Likes“. Inzwischen haben sage und schreibe 27‘962 Personen (Stand heute) „gefällt mir“ geklickt. Wahnsinn! Ich fragte mich (und frage mich noch immer), wie sie das nur gemacht hat, und habe deshalb in einige Texte reingelesen. Eine mögliche Erklärung dazu ist: Sie trifft genau den (Sprach)nerv der Zeit und der jungen sowie jung gebliebenen Menschen. Yonni schreibt inzwischen nebst in ihrem eigenen Facebook-Account und für die erwähnte Huffington Post, auch für das Zürcher Satiremagazin KULT und das Schweizer Newsportal Watson.

Wir waren beim Mittwoch, dem armen Esel. Aber, wieso eigentlich armer (hängender) Esel? Wegen der Wochenteilung? Wegen der Lage innerhalb der Woche, irgendwo in der Luft des Niemandslandes?
Der Mittwoch ist nämlich weder Fisch noch Vogel, er ist vermutlich einfach so zum „armen“ Esel geworden. Arm nicht im Sinne güter- und mittellos…

Mittwoch ist aber auch der Wochentag, wo sich viele aufmachen und irgendwo die Wochenmitte feiern. Wie die „dummen“ Esel! Am Donnerstag gehen sie dann stark verkatert an die Arbeit, und verfluchen sich wegen dem feucht-fröhlichen Mittwochabend als arme (idiotische) Esel.

Und weiter: Am Mittwoch ist auch öfters Fussball angesagt, Champions League. Am Mittwoch haben viele Musikformationen Probe. Mittwoch ist auch ein beliebter Tag für Abendsitzungen. Die Liste der guten Dinge ist lang. Aber zu einem „geilen Sau-Tag“ wird der Mittwoch nur zweimal im Jahr: Vor Auffahrt und Fronleichnam. An diesen Mittwöchern ist der Mittwoch wie ein Samstag, also nicht mal ein Freitag (capito?). Und abfeiern darf man dann, wie ein Esel, du meine Güte!

Inzwischen hämmere ich wie ein Berserker die Worte in meine Tastatur. Die Buchstaben purzeln mir nur so aus dem Ärmel, recht so…

Und sonst? Heute ist Mittwoch und ich bin etwas müde, da ich gestern Abend zusammen mit 13‘000 anderen Zuschauern dem Top-Entertainer Robbie Williams im Hallenstadion die Ehre erwies. An einem Dienstag, wohl verstanden, war ich im Ausgang an einem Konzert!
Ich habe glücklicherweise keine Nachwehen, für solche Sperenzchen war mir die Woche bisher dann doch noch zu kurz…

Aber: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass heutzutage die klassische Wochenaufteilung von früher ziemlich aufgeweicht wurde. So wie Yonni den Freitag beschreibt, könnte man auch einen anderen Wochentag heranziehen. Der Mittwoch muss auch nicht unbedingt der Eseltag sein. Klar, Wochenende ist Wochenende. Aber bei vielen Menschen habe ich oft der Eindruck, dass sie die Tage nehmen, wie sie grad kommen. Eine typische Wochenstruktur ist oft nicht mehr zu erkennen. Man kann problemlos schon am Montag einen drauf machen, dafür ist man am Samstag zu Hause und guckt „Voice of Switzerland“…

Für mich hatte früher jeder Wochentag so seinen eigenen Charakter, oder auch eine eigene Farbe. Der Montag beispielsweise war grau und kalt. Heute spüre ich diese Eigenschaften nicht mehr so extrem. Eine Verwässerung ist eingetreten. Wieso auch immer. Die Digitalisierung, die Geschwindigkeit unserer Zeit: Alles ist immer in Bewegung. Genauso wie die EU ihre Mitgliedsländer gleichschalten will, ist es bereits mit den Wochentagen geschehen. Die grossen Unterschiede von früher sind verschwunden.

Trotzdem: Für mich als „kleiner“ Nostalgiker bleibt der Mittwoch der „arme Eseltag“. Jede Tradition lasse ich mir nicht nehmen. Wenn ich nun einen Lieblingswochentag „benamsen“ müsste, wäre der Mittwoch nicht dabei. Freitag? Vielleicht Freitag. Bestimmt nicht Mittwoch, denn du bist und bleibst ein armer Esel…

feldwaldwiesenblogger

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