Ist die Zusammenarbeit mit einem Management im Schwingsport, wie das Beispiel Siegenthaler zeigt, in jedem Fall sinnvoll?

Am 12. Juli stellte ich einen Beitrag mit dem Titel „Gedanken und Fragen zu einer Zusammenarbeit mit einer Sport Management-Firma im Schwingsport“ in meinen Blog.
Ich erwähnte in meinem Text, dass ich versuche mehr zu diesem Thema in Erfahrung zu bringen. Das konnte ich in der Zwischenzeit tun.

Nachdem ich mich ein wenig im Internet schlau gemacht habe, rief ich beim Swiss Sport Management Center (SSMC) an. Dort wurde mir auf Anfrage geraten, meine Fragen an Peter Suter zu schicken. Das habe ich dann auch getan, und bat ihn dabei um eine Auskunft und seine Meinung betreffs meiner Fragen und Gedanken.

Zur Person von Peter Suter: Er bezeichnet sich nicht als Spezialist oder Fachmann für Sportmanagement-Fragen. Vielmehr ist er Doktorand am Verbandsmanagement Institut (VMI) und betreut die Sportmanagement Weiterbildung des SSMC.
Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich es in der Folge mit einem Fachmann zu tun hatte.

peter suter
Bildquelle: http://www.vmi.ch

Zur Erinnerung: Ich fragte mich, ob und wann es Sinn macht, dass sich ein Schwinger bei einer Sport Management-Firma meldet. Und: Was kann er dort erwarten, was wird ihm dort angeboten? Ist es für einen Schwinger lohnenswert, einerseits finanziell, andererseits auch aus sportlichen Gründen? Würde ein Fachmann einem Schwinger empfehlen, sich so einer Firma anzuschliessen?

Peter Suter schrieb mir in einer Email dazu eine ausführliche Antwort:
„Sie haben da wirklich eine ganze Reihe sehr spannender Fragen. Leider verfüge ich nicht über das notwendige Wissen um Ihnen diese Fragen präzise zu beantworten. Das Swiss Sport Management Center orientiert sich vor allen an der Verbandsarbeit, das heisst wie das Management von Sportvereinen – zum Beispiel Schwingvereinen – aussehen sollte um erfolgreich zu sein. Die Schweizer Sportwelt wird in erster Linie von Sportvereinen und Verbänden am Leben gehalten. Diese haben ihre jeweils spezifischen Managementherausforderungen, zum Beispiel Ehrenamtliche zu finden, Fundraising zu betreiben, geeignete Strukturen zu schaffen, etc. Diese Fragen sind vornehmlich unser Schwerpunkt.

Grundsätzlich setzt eine Zusammenarbeit mit einer Agentur voraus, dass sich ein Sportler vermarkten lässt. Dies bedingt neben sportlichem Erfolg und der damit verbundenen Bekanntheit auch ein bestimmtes Kommunikationstalent oder zumindest typische Charaktereigenschaften, die den Sportler unverwechselbar machen. Beat Breu als Radfahrer gehört in letztere Kategorie. Nie super erfolgreich, haben ihn trotzdem alle gekannt. Ein anderes Beispiel ist Patty Schnyder. International relativ erfolgreich, war sie nie wirklich Sympathieträgerin und deshalb auch nur schwer „verkaufbar“.

Ihre Fragen betreffen die einzelnen Schwinger an sich, und nicht die Schwingvereine. Dennoch gebe ich Ihnen gerne eine persönliche Einschätzung. Anders als Vereine sind Sportmanagement-Agenturen keine Nonprofit-Organisationen, und suchen daher stets auch einen finanziellen Vorteil für sich. Von dem her ist es für alle Sportler wohl wirklich erst sinnvoll sich einen Agenten zu suchen, wenn er oder sie damit auch Geld verdient, sei das über Turniererfolge oder über Werbeverträge. Oftmals nehmen bereits schon der Verein und der Verband diesbezüglich gewisse Aufgaben wahr. Allerdings sehe ich beim Schwingverband ein bisschen das Problem, dass er nicht Mitglied bei Swiss Olympic ist, und dadurch auch nicht vom Netzwerk und deren Leistungen profitieren kann. Doch soweit ich weiss, wird gerade aktuell wieder über einen Beitritt bei Swiss Olympic diskutiert. Aus meiner Sicht wären der Schwingverband und, falls der Beitritt erfolgt, Swiss Olympic die ersten Ansprechpartner für jeden Schwinger.

Ein genauer Zeitpunkt, wann es sich lohnt auf eine Agentur zuzugehen, wird es wohl nicht geben. Eventuell ist es jedoch im Rahmen des Sponsorings hilfreich, um einfacher an Sponsorengelder zu kommen, indem für den Sportler/die Sportlerin ein Sponsoring-Konzept erstellt wird. Was alles von einer solchen Agentur erwartet werden kann, ist sehr unterschiedlich und jeweils auch eine Frage des Geldes. Das kann von einer punktuellen Unterstützung bis hin zu einer rundum Betreuung bei sämtlichen organisatorischen, finanziellen und juristischen Angelegenheiten reichen. Welche Agentur was alles anbieten kann, ist jeweils von deren Grösse, Kompetenz und Verankerung in der Sportwelt abhängig.

Aus finanzieller Sicht – so denke ich – ist es für einen Schwinger erst dann lohnenswert, wenn mit seinem Gesicht und seinem Namen Geld gemacht werden kann, sprich wenn es darum geht, komplexe Werbeverträge abzuschliessen. Denn allein aus den Preisen von Schwingfesten wird niemand wirklich reich, auf dass eine Agentur nötig wäre. Sportlich sehe ich höchstens den Vorteil darin, dass dem Schwinger mehr Zeit bleibt für das eigentliche Training. Ausser die Agentur würde auch gleich noch Personal Trainer oder ähnliches anbieten, doch hierzu gäbe es wohl bessere Alternativen als über eine Management-Agentur.“

Siegenthaler_Matthias_esv
Bildquelle: http://www.esv.ch

Auch bat ich Peter Suter um eine Einschätzung betreffs des Berner Spitzenschwinger Matthias Siegenthaler, welcher mitteilte, dass er die Zusammenarbeit mit Fox Sport Management (fox sm) in beidseitigem Einvernehmen per sofort beendet.
Wir erinnern uns, dass Siegenthaler wörtlich auf seiner Facebook-Seite schrieb: „Leider ergab sich bis heute keine erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Und: „Ich konnte mein Umfeld aus eigenen Bekanntschaften und Beziehungen über mehrere Jahre aufbauen, und bemerkte dabei, dass eine Marketingagentur wie fox sm nicht zu meiner Person passt.“

Suter schrieb dazu:
„Der Fall Matthias Siegenthaler stützt meiner Meinung nach das von mir zuvor Geschriebene. Für Schwinger wird vor allem das Sponsoring und die Vermarktung ein Thema sein. Die Art, wie man sich jedoch selbst vermarkten möchte – also für was man auch alles herhalten möchte – und was eine Agentur für einen vorsieht, kann natürlich schon sehr unterschiedlich sein. Hier denke ich, ist es das A und O, eine Vertrauensperson zu haben. Ob man so jemanden allerdings bei einer Werbeagentur ganz einfach findet, ist die andere Frage. Da kann es schon vorkommen, dass zwei Welten aufeinanderprallen. Und dann geschieht eben das wie im Fall von Siegenthaler, dass man die Partnerschaft mit der Agentur wieder auflöst. Ist ja hierbei auch kein Problem, da man „nur“ in einem Anbieter-Kunden-Verhältnis ist, und nicht ein Mitglied in einem Verein.

Eine Agentur kann dem Sportler primär drei Vorteile bringen: 1. Kontakte zu Firmen, 2. Kenntnisse betreffend Marktwert und Vertragswerk, und 3. Entlastung bezüglich Organisation und Koordination von Marketing-Aktivitäten. Sind die Voraussetzungen für Sponsoring nicht gegeben, kann sie auch keine Wunder wirken. Da sie auch Geld verdienen will, wird sie sich nur für die Sportler einsetzen, wo Geld zu machen ist, und sie auch mitprofitiert. Bei allen anderen wird sich das Interesse relativ schnell wieder relativieren, und die Agentur sichert sich mit der Zusammenarbeit nur die Markenrechte am Sportler, sollte dieser einmal erfolgreich werden. Davon profitiert der Sportler nicht, ganz im Gegenteil. Durch solche Verträge wird er eher noch eingeschränkt.

Woran es konkret gelegen haben könnte, dass die Zusammenarbeit mit Fox Sport Management nicht geklappt hat, darüber möchte ich nicht spekulieren. Hier kann ich Ihnen nur empfehlen, direkt das Gespräch zu Matthias Siegenthaler zu suchen. Das wäre sicherlich sehr aufschlussreich, auch für die Beantwortung Ihrer anderer Fragen.“

Peter Suter meinte abschliessend:
„Ich hoffe, Ihnen mit dieser Mail etwas weitergeholfen zu haben. Wobei ich nochmals betonen möchte, dass das meine persönliche Einschätzung ist, und Ihre Fragestellungen nicht unsere Kernkompetenzen betreffen.“

Ich bin froh, dass ich mit Suter, dessen Vater aus dem Muotathal ist, eine gute Ansprechperson für meine Fragen gefunden habe. Der Doktorand antwortete ausführlich und konnte mir, wie ich meine, zu „einer ganzen Reihe spannender Fragen“ Antworten liefern. Auch wenn er sich nicht als Spezialist oder Fachmann bezeichnet: Ich kann mir dank seiner Zeilen jetzt nun eine Meinung bilden.

Ich verzichte auf eine Kontaktaufnahme mit Matthias Siegenthaler, wie mir Peter Suter empfiehlt, und schliesse dieses interessante Thema für den Moment ab. Ich werde es aber sicher wieder, bei passender Zeit und Gelegenheit, aufgreifen.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Ein Gedanke zu “Ist die Zusammenarbeit mit einem Management im Schwingsport, wie das Beispiel Siegenthaler zeigt, in jedem Fall sinnvoll?

  1. Johne629 schreibt:

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