Das Weltwoche-Gemeinderating gibt im Muotathal zu reden

Da ich zurzeit leider erkältet bin, konnte ich mir heute Morgen keine „Jogginggedanken“ machen. Gedanken machte ich mir jedoch bei der Zeitungslektüre und als aufmerksamer Beobachter meiner „Souschul Midia“-Kanäle.

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(Bildquelle: http://www.myswitzerland.com)

So las ich gestern vom besorgten Weltwoche-Leser R.H. aus M., dass unser Muotathal auf der soeben veröffentlichten Gemeinderating-Liste in Sachen „Dynamik“ nur den Platz 900 von 908 Gemeinden einnehmen soll. Voller Bestürzung nahm ich mich diesem Thema an, und öffnete heute als Erstes den entsprechenden Link im Internet.

Bei näherem Betrachten dieser speziellen Rangliste las ich für’s Muotathal folgendes heraus:
Rang total: 617
Rang Arbeitsmarkt: 230
Rang Dynamik: 838
Rang Reichtum: 717
Rang Sozialstruktur: 900
Rang Steuerbelastung: 21

Fast den letzten Platz erreichten wir bei der Sozialstruktur, und bei der sogenannten Dynamik sieht‘s auch nicht viel besser aus. Wo wir hingegen fast zur Spitze gehören, ist die Steuerbelastung. Das ist doch auch schon was, und lässt sich mit dem Kanton erklären, in welchen wir eingebettet sind: Schwyz.

Wie aber genau ermittelte die Weltwoche diese Plätze?
Dazu stellte das Wochenmagazin folgende Fragen: „Wo lebt es sich in der Schweiz am besten? Wo sind die Jobperspektiven gut, die Arbeitswege kurz? Wo wächst die Schweiz am dynamischsten? Wo sind die Steuern attraktiv? Wo ist der Boden begehrt?“

Weiter meinte die Weltwoche wörtlich: „Analysiert wurden sämtliche Ortschaften mit mehr als 2000 Einwohnern, 908 an der Zahl. Für jede Gemeinde wurden zwanzig Einzelindikatoren erhoben, die soziale und wirtschaftliche Entwicklungen aufzeigen, etwa die Immobilienpreisentwicklung, die Arbeitslosenquote, die Steuerbelastung, die Anzahl Firmengründungen, das Bildungsniveau, die Zuwanderung oder die geografische Erreichbarkeit. Diese zwanzig Einzelindikatoren wurden in fünf Hauptkategorien zusammengefasst.“

Schön und gut, alles übersichtlich dargestellt. Was mich aber am meisten beschäftigt, ist die Frage: Warum um Himmels Willen belegt das Muotathal bei der „Sozialstruktur“ einen dermassen schlechten Platz?
Ich persönlich meine, dass unsere Gemeinde sozial intakt ist, nur ganz wenige Arbeitslose hat und ein reges öffentliches Leben vorweisen kann. Jedermann und –frau findet seinen Platz in unserer Gemeinde, arbeitet entweder im Thal selber oder pendelt einige Kilometer Richtung Schwyz oder noch ein Stück weiter.
Zusätzlich hat es viele verschiedene Vereine und Organisationen, bei welchen viele Leute ihre Freizeitaktivität gestalten.
Ich selber bin kein Vereinsmensch, habe aber meine Möglichkeiten, meinem grossen Hobby Musik nachzugehen.

Der Platz 900 lässt sich mit meinen Überlegungen trotzdem nicht erklären. Und wie das halt vielfach so ist, ist das alles eine Definitionsfrage. Zu diesem Zweck konsultierte ich wieder die Weltwoche, und die schreiben zu „Sozialstruktur“: „Nebst dem Anteil der Bevölkerung, der eine höhere Berufsbildung, eine Fachhochschule oder eine Universität abgeschlossen hat (Bildungsquote), der Anteil der Bevölkerung, der in einer führenden oder selbständigen Position tätig ist (Sozialstrukturquote), sowie das steuerbare Einkommen pro Einwohner.“

Aha, es geht also nicht um das soziale Zusammenleben in unserer Gemeinde, das völlig in Ordnung ist. Vielmehr geht es um die Bildung, Führungspositionen und um selbständige Geschäftsleute. Zudem ist das steuerbare Einkommen ein Faktor.

Aus meiner Warte kann ich dazu sagen, dass es in unserer Gemeinde einige kleinere und mittlere Unternehmen (KMU‘s) gibt. Es gibt verschiedene kleinere bis mittlere Einkaufsgeschäfte, zwei Bankfilialen, kleinere bis mittlere Handwerksbetriebe, einige Garagen sowie Restaurants, um nur einige zu nennen. Für eine Einwohnerzahl von gut 3‘500 finde ich, dass es eine stattliche Anzahl KMU’s hat.

Die Sache mit der Ausbildung sehe ich so, dass sehr viele Menschen in unserem Dorf eine Berufsausbildung absolvieren, und vielfach bis zur Pensionierung ihrem erlernten Beruf treu bleiben.

Als ich seinerzeit in die Kantonsschule nach Schwyz ging, war ich dort für eine kurze Zeit gar der einzige Thaler…
Dies hat sich heutzutage sicher verändert: Einige junge Muotathaler machen die Matura und gehen anschliessend studieren. Auch finden sich heutzutage je länger je mehr junge Leute, die nach ihrer Berufslehre eine Zusatzausbildung machen.
Was mir aber auch auffällt: Viele junge Leute mit einer sogenannt „besseren“ Ausbildung ziehen fort vom Thal.

Dasselbe Phänomen mit dem „Wegziehen vom Muotathal“ beobachte ich auch bei Leuten mit einer Führungsposition. So eine Position nehmen sie meist „in der grossen weiten Welt“ ein, und wohnen dann vielfach gleich dort.

Kein Wunder, ist dann das steuerbare Einkommen pro Einwohner tiefer, wenn vor allem Handwerker und Bauern in unserer schönen Gemeinde wohnen.

Die ermittelnden Faktoren der Weltwoche sind wohl korrekt, zeigen aber in meinen Augen ein leicht verzerrtes Bild. So ist das Muotathal sozial trotz der erwähnten „Sozialstruktur“ völlig gesund. Aber wegen Beruf und Bildung zieht es einige junge Leute fort. Zurück bleiben die einfachen Berufsleute, welche halt weniger verdienen, trotz sehr guter geleisteter Arbeit (von wegen „goldenes Handwerk“). Diese bescheren der Gemeinde weniger Einkünfte und drücken auf die Bildungsquote sowie die Sozialstrukturquote. Diese Faktoren sind es, welche uns leider einen schwachen „Sozialstruktur“-Rang einbringen.

Ich selber wohne gerne in unserer schönen, gemütlichen und von einer herrlichen Natur umgebenden Gemeinde. Von Weggezogenen höre ich meist, dass sie aus Vernunftsgründen gingen und nachher vielfach ein Leben als „Heimweh-Muotathaler“ fristen.

Dieses Weltwoche-Rating sollte der Gemeinde Muotathal nicht allzu grosse Bauchschmerzen bereiten. Was höchstens ein bisschen weh tut, oder noch wehtun könnte, sind halt die nicht gerade riesigen Steuereinnahmen. Ansonsten ist meine Heimat top, und ich bin stolz darauf, dass sie sich zudem für sanften Tourismus entschieden haben.

Wie anziehend die Marke Muotathal aber dennoch ist, sieht man jeweils beim Alpkäsemarkt, beim Theater, bei den Muotathaler Wetterschmöckern und bei der stimmigen Volksmusik im Allgemeinen. Diese Faktoren bringen aber erstens nicht die grossen Geldflüsse und zweitens fliessen sie leidergottes nicht in so ein „Gemeindevergleichs-Dings“ rein. Jä nu!

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf den Kilchberger Schwinget

Der in zehn Tagen stattfindende Kilchberger Schwinget findet nur alle sechs Jahre statt und wurde seinerzeit vom Juristen Emil Huber begründet. Die erste Austragung fand übrigens 1927 statt.

Seit einigen Tagen mache ich auf Twitter und Facebook tägliche eine kleine Vorschau auf den Kilchberger Schwinget. Diese Vorschau beginnt jeweils mit „Noch xx Tage bis zum Kilchberger Schwinget“. Dazu suche ich allerlei Interessantes und Wissenswertes samt Bildern zusammen, und stelle es auf die beiden Social Media-Plattformen. Hier der Link auf Twitter: feldwaldwiesenblogger’s Twitterkanal

Letzte Woche habe ich die Kranzfest-Bilanzen meiner fünf Projektschwinger abgehandelt, und zugleich auch deren Chancen auf einen möglichen Kilchberg Sieg abgeschätzt.
Summa summarum könnte man sagen, dass ich von diesen Fünfen Christoph Bieri die grössten Chancen auf den begehrten Sieg einräume.


(Bildquelle: feldwaldwiesenblog.ch)

Die Besetzung eines Kilchberger Schwingets ist mit nur gerade 60 Schwingern natürlich so top besetzt, dass es im Vergleich mit einem Eidgenössischen Schwingfest ein noch härterer Wettkampf ist.

Die Siegerliste der letzten Jahre (Christian Stucki, Jörg Abderhalden, Niklaus Gasser, Eugen Hasler und Ernst Schläpfer) zeigt, dass jeweils nur ein Topschwinger aus seiner Zeit dieses Schwingfest mit eidgenössischem Charakter gewann.
Das wird auch diesmal nicht anders sein. Dazu schrieb ich letzte Woche: „Aber zum Kilchberger Sieg reicht es wohl nur einem absoluten Spitzencrack, wie Sempach, Wenger oder Stucki. Allenfalls noch Bösch, Bieri oder mit Aussenseiter-Chancen Philipp Laimbacher und Florian Gnägi.“

Mit dieser Aufzählung habe ich wohl die grössten Favoriten erwähnt, allenfalls habe ich Mario Thürig, den Schwägalp-Sieger, vergessen.
Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass einer der erwähnten Schwinger den begehrten Festsieg davontragen wird.

Als absolute Topfavoriten handle ich dabei die Berner. Der Tagessieg läuft so oder so über sie. Denn: Entweder gewinnt einer aus dem Supertrio Sempach, Wenger oder Stucki. Oder aber sie nehmen sich wegen was auch immer gleich selber aus dem Rennen und machen einen der anderen Mitfavoriten zum Sieger. Dabei ist für mich einer der heissesten Kandidaten ausserhalb dieses „Supertrios“ eindeutig der Aargauer Christoph Bieri. Er ist deshalb so gefährlich für dieses Dreigestirn, weil Christoph diese Saison bereits schon Kilian Wenger auf den Rücken legte (Weissenstein Schwinget). Zudem stellte er schon dreimal mit Schwingerkönig Sempach (unter anderem beim Schlussgang auf dem Weissenstein).

Die Einteilung wird ebenfalls eine mitentscheidende Rolle spielen. Aber: Einen leichten Gang wird es für keinen der Athleten geben. Jeder kann praktisch gegen jeden gewinnen oder zumindest stellen.


(Bildquelle: http://www.esv.ch)

Dem Technischen Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes, Samuel Feller, steht die Ehre zu, den ersten Gang einzuteilen. Ich schickte deshalb unlängst eine Email an Feller, und hätte ihm gerne ein paar interessante Fakten entlockt. Doch leider hat er sich (noch) nicht bei mir gemeldet.

Nachfolgend die Fragen an den TK-Chef, welche ich halt selber versuche abzuschätzen.

Frage 1: Nach welchen Kriterien werden Sie die Einteilung vornehmen?
Ich vermute, dass Herr Feller eine attraktive Einteilung vornehmen wird. Im Hinterkopf steckt sicher auch der Gedanke, dass es bei den ersten Gängen meist viele Gestellte gibt. Dem versucht er sicher gerecht zu werden, indem er Paarungen bringt, die es dieses Jahr noch nicht gab.

Frage 2: Achten Sie darauf, dass Sie Paarungen vornehmen, welche es dieses Jahr noch nie gab?
Eben, solche Paarungen versucht der TK-Chef wenn möglich einzuteilen. Aber: Wiederholungen lassen sich nicht vermeiden, da bis auf die Nordostschweizer die Spitzenschwinger der anderen Teilverbände an einigen Festen aufeinander trafen.

Frage 3: Haben Sie die Paarungen jetzt schon im Kopf?
Ich denke, dass hat er. Solche Gedanken machte er sich wahrscheinlich bereits seit dem Start der Bergkranz- und Teilverbandsfeste im Juni. Denn kein TK-Chef will kurz vorher in Stress geraten, und sich bei der Einteilung unter Druck setzen müssen.

Frage 4: Besprechen Sie Ihre Einteilung mit jemandem, oder planen Sie diese ganz alleine für sich im stillen Kämmerlein?
Herr Feller wird das sicher nicht offiziell mit anderen diskutieren. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er im Gespräch und im Austausch mit den TK-Chefs der anderen Teilverbände auch ein paar Erkenntnisse dazu gewinnen konnte.

Frage 5: Wann werden Sie Ihre Einteilung bekannt geben?
Meine Vermutung tendiert zum Donnerstagnachmittag vor dem Fest.


(Bildquelle: http://www.bernerzeitung.ch)

Auch wenn ich mich wiederhole: Das Supertrio ist das Mass der Dinge am diesjährigen Kilchberger Schwinget. Aber: Unlängst zeigten alle drei kleine Schwächen: Sempach auf dem Brünig und am Berner Kantonalen, Wenger mit dem Verpassen des Kranzes am Berner Kantonalen und Stucki mit unnötigen gestellten Gängen auf dem Brünig und beim Berner Kantonalen.
Dass diese drei Herren auch „verwundbar“ sind, macht doch die ganze Sache auch ein wenig spannender. Allenfalls wird dann sogar der vierte (Gnägi) oder der fünfte Berner (Glarner) zum lachenden Ersten.

Daniel Bösch ist für mich eine regelrechte Wundertüte. Auf seinem Verbandsgebiet schwang der Unspunnen-Sieger von 2011 alles in Grund und Boden (fünf Kranzfestsiege). Ausserhalb seines Territoriums bekundete er sowohl beim Innerschweizerischen, wie auf dem Weissenstein (sogar den Kranz verpasst) und auf dem Brünig regelrecht Mühe. Er konnte bei allen Festen zu keinem Zeitpunkt um den Tagessieg mitschwingen. Das spricht doch Bände über ihn und die Stärke seines eigenen Teilverbandes (NOS).
Bösch gehört sicher auch zum engeren Kilchberg-Favoritenkreis. Trotzdem: Ich traue dem Schwing-Oldie Stefan Burkhalter beim Saisonhöhepunkt gar ein besseres Ergebnis zu als dem Sirnacher…
Schwingerkönig Forrer wird dabei in meinen Augen nur eine kleine Nebenrolle spielen. Er hat ja scheinbar alle Hände voll zu tun und muss sich zudem auf den „Chrampf der Orchester“ vorbereiten…

Auch die Innerschweizer sehen im Vergleich mit den Bernern nicht viel besser aus, als die NOS-Schwinger. Sie stellen in Kilchberg wohl zahlenmässig das grösste Kontingent, aber um den Tagessieg mitschwingen können von den ISV-Leuten höchstens Philipp Laimbacher, Christian Schuler oder allenfalls Andreas Ulrich.

Die Nordwestschweizer sind für mich ein Phänomen. Sie sind wohl zahlenmässig am zweitwenigsten, aber die wenigen haben es in sich: Christoph Bieri, Mario Thürig und mit Abstrichen auch Bruno Gisler räume ich gute Chancen ein, um den Tagessieg mitschwingen zu können.

Die kleinste Delegation stellen die Südwestschweizer, welche aber hinsichtlich Tagessieg in Kilchberg chancenlos sind. Es ist zu hoffen, dass sie auf das ESAF 2016 (Estavayer-le-Lac) eine schlagkräftige Truppe zusammenkriegen. Mit einem Teamleader wie es Hans-Peter Pellet, Stefan Zbinden, Ernest Schläfli oder Emmanuel Crausaz seinerzeit waren. Mit Michael Nydegger, Samuel Dind, Pascal Piemontesi, Benjamin Gapany, oder Christoph Overnay haben die Romands momentan einige vielversprechende Schwinger in ihren Reihen.
Wie wäre es, wenn der ESV oder die anderen Teilverbände (vor allem die Berner) ein wenig Schützenhilfe dem kleinen aber feinen SWSV-Verband leisten würde? Zum Beispiel mit gemeinsamen Trainings oder Zusammenzügen?

Nun habe ich meine ganz persönliche Vorschau auf den Kilchberger Schwinget dargestellt. Die ist, wie beim Lotto, auch ohne Gewähr. Denn abgerechnet wird am 7. September, dann beginnt nämlich alles wieder bei Null. Alle Statistiken und Wahrsagungen sind dann Makulatur. An jenem Sonntag wird’s um 17.00 Uhr einen neuen (oder gar alten?) Kilchbergsieger geben…

Nächste Woche steht wieder mein Schwingprojekt 2014 auf dem Programm. Wie letzte Woche angekündigt, werde ich meine fünf Schwinger mit dem sechsten und letzten Frageblock konfrontieren. Da ist es natürlich naheliegend, dass ich von den Athleten auch einiges zum bevorstehenden Kilchberger wissen möchte.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Auszug aus meinem Social Media-Tagebuch vom 25.8.2014


feldwaldwiesenblogger auf Twitter


Auch im „Boten“ heute ein Thema: Die Jubiläums-Feier im Alpenrösli Muotathal. Schön war’s!


Polo Hofer gibt im März 2015 sein letztes Konzert und steigt definitiv von der Bühne. Künstlerisch bleibt er aktiv.


Noch 13 Tage bis zum Kilchberger Schwinget:
Titelverteidiger ist Stucki. Er stellte damals mit Sempach im Schlussgang.


In den USA sind die Autobahnen halt viiiiel breiter. Dieser amerikanische Radler meinte drum, er sei auf einem Radweg…

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Die Muotathaler Wetterschmöcker auf Twitter


Ds Frölein Da Capo hed ihräs Müli schön voll gnu. Miär sägid ihrä dä scho, wer da drvo seckläd. Sie isch schön arägi!


Dr Summr isch scho lausig gsi, abr dett chönnid miär nüd drfür. Chib du ächli midum Petrus, wännt meintsch äs nützi!

feldwaldwiesenblogger

Schwingprojekt 2014: Kranzfest-Bilanz von Christoph Bieri, Stefan Burkhalter und Michael Nydegger

Nachdem ich mich vor drei Tagen der Kranzfest-Bilanz von Philipp Laimbacher und Matthias Glarner gewidmet habe, nehme ich selbige heute von Christoph, Stefan und Michael unter die Lupe.

Diese Bilanzen werde ich als Einschätzung vor dem Kilchberger Schwinget, aber auch zur Bilanzierung der Saison der fünf begleiteten und beobachteten Schwinger heranziehen.

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Christoph Bieri:

Der Vertreter des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes belegt nach der Kranzfestsaison Platz zehn und weist vor dem Saisonhöhepunkt 25 Punkte und zehn Kränze auf. Rangmässig ist Christoph ein Platz hinter Matthias Glarner, welcher in der Jahrespunkteliste mit Stand vom 17. August der beste meiner fünf Schwinger ist.

Von der Kranzausbeute her ein Glanzergebnis, kam doch mit Schwingerkönig Matthias Sempach nur gerade ein weiterer Schwinger auf die gleiche Anzahl Kränze.
Der Aargauer erkämpfte sich bei jedem angetretenen Kranzfest Eichenlaub.

Zudem besiegte Bieri an den zehn Kranzfesten insgesamt sieben Eidgenossen.

Der 29-jährige Sennenschwinger ist in der SCHLUSSGANG-Wertung der zweitbeste Nordwestschweizer. Besser klassiert ist auf Rang sechs nur noch der diesjährige Schwägalp-Sieger, Mario Thürig.

Zu Buche steht für Christoph ein Kranzfestsieg, nämlich dasjenige auf dem Weissenstein, welches er sich mit den beiden Schwingerkönigen Sempach und Wenger teilen musste.
Übrigens, Christoph sagte mir im April, als ich ihn nach den Saisonzielen fragte: „Ein Ziel ist auch, ein Kranzfest zu gewinnen. Seit meinem ersten Kranzfestsieg habe ich anschliessend in jeder Saison mindestens an einem Kranzfest gewonnen.“

Weiter stand der Produkt-Manager in zwei Schlussgängen: Beim Aargauer Kantonalen und beim erwähnten Weissenstein Bergschwinget. Das Besondere daran war, dass er beide Male gegen Schwingerkönig Sempach antreten musste, und beide Male mit ihm stellte.

Desweiteren trug der in Aarwangen wohnende Bieri zwei Ehrenplätze und vier dritte Plätze davon.

Christoph startete ohne Beschwerden und in guter Verfassung in die Kranzfestsaison, und war in der Folge während sechs Festen nie schlechter als auf Rang drei klassiert.

Beim Innerschweizerischen Schwingfest in Cham kam gewissermassen eine kleine Baisse. Drei Siegen standen drei gestellte Gänge gegenüber, was schlussendlich mit 56.25 Punkten zum letzten Kranzrang reichte.

Zwei Wochen später gewann Bieri, wie oben erwähnt, auf dem Weissenstein, und liess das mittelmässige Abschneiden in der Innerschweiz vergessen.
Auf dem Solothurner Hausberg zog er einen wirklich guten Tag ein, und bodigte im vierten Gang gar den Schwingerkönig von Frauenfeld, Kilian Wenger.

Dann folgten das eigene Teilverbandsfest, das Nordwestschweizerische, und letzten Sonntag der Schwägalp Schwinget. Bei beiden Festen kam Christoph auf Platz fünf. In Zuchwil verlor er beim Anschwingen gegen Arnold Forrer und musste im sechsten Gang die Punkte mit Adrian Laimbacher teilen. Auf der Schwägalp verlor der Motocrossfahrer wieder beim Anschwingen, diesmal gegen Daniel Bösch, und musste im fünften Gang wieder einen Gestellten (Raphael Zwyssig) hinnehmen.

Meine Prognose für den Kilchberger Schwinget sehen für Christoph günstig aus. Zwar hat er in den zehn Kranzfesten mal einen kleinen Hänger hingelegt, und kam zuletzt zweimal nicht über einen fünften Platz hinaus.
Dennoch gebe ich ihm von meinen fünf beobachteten Schwingern die grössten Chancen, am Kilchberger zu reüssieren.
Warum? Ganz einfach, weil er’s drauf hat, Wenger diese Saison schon mal bezwang und gegen Sempach bereits schon dreimal stellte. Zudem: Wenn einige ganz böse Berner nicht unbedingt einen guten Tag einziehen, und für Christoph alles nach Plan läuft, liegt durchaus der Sieg drin.


Stefan Burkhalter:

Der 40-jährige Turnerschwinger belegt mit 21 Punkten Platz 14 in der SCHLUSSGANG-Wertung. Der Thurgauer erschwang sich in dieser Saison acht Kränze, und ist hinter Daniel Bösch (Platz 3) und Arnold Forrer (Platz 12) in dieser Wertung der drittbeste Nordostschweizer.

Von der Kranzausbeute und von den Rangierungen her war das für Stefan ein gutes bis sehr gutes Sportjahr. Er gewann zwar kein Kranzfest und stand auch an keinem im Schlussgang.
Wenn man aber bedenkt, dass „Burki“ wahrscheinlich einer der ältesten noch aktiven Schwinger ist, sind seine Ergebnisse umso bemerkenswerter. Meines Wissens holte sich der Landwirt nur an einem angetretenen Kranzfest nicht den Kranz, nämlich beim St. Galler Kantonalen. Wie er mir aber damals (Ende Mai) mitteilte, war er vor jenem Fest von Donnerstag bis Samstag krank.

Weiter besiegte Stefan bei den acht gewerteten Kranzfesten, an welchen er den Kranz gewann, sieben Eidgenossen. Genau gleich viele wie beispielsweise Philipp Laimbacher.

Burkhalter konnte seine Saison beschwerdefrei in Angriff nehmen. Anfangs April sagte er mir dazu folgendes: „Meine Vorbereitung begann anfangs Dezember. Sie verlief sehr motiviert und unfallfrei.“
Mit den Rängen 3, 7, 8, 5, 5, 4, 5, und 3 beeindruckte der Homburger bei den besagten acht Kranzfesten mit tollen Leistungen und Konstanz.

Einen richtigen Durchhänger konnte man diese Saison bei Stefan nicht wirklich beobachten. Einzig beim erwähnten St. Galler Kantonalen, wo er allerdings vorher krank war, und beim Bündner-Glarner (letzter Kranzrang) zeigte der konditionell starke Schwinger eine mässige Leistung.

Je länger die Saison lief, je bessere Leistungen zeigte der „Schwing-Oldie“. Der Reihe nach trat er nach den ersten Kantonalfesten am NOS, als Gast beim Innerschweizerischen, auf der Rigi, auf dem Brünig und auf der Schwägalp an. Jedes Mal holte er mit einer tollen Leistung den Kranz und war gar auf der Rigi (zusammen mit Forrer) und auf dem Brünig bester NOS-Schwinger.
Zuletzt auf der Schwägalp, in NOS-Landen, hatte Stefan wie schon die gesamte Saison, ein richtig starkes Notenblatt. Zugeteilt wurden ihm vier Eidgenossen, darunter kein geringerer als der spätere Sieger, Mario Thürig. Diesen bodigte „Burki“ im vierten Gang, und band ihn kurzzeitig ein wenig zurück.

Am eigenen Teilverbandsfest, beim Nordostschweizerischen in Wigoltingen TG, nicht weit von seinem Wohnort entfernt, schwang Stefan gegen drei Eidgenossen. Zudem wurden ihm dort gleich vier Gäste vorgesetzt, darunter auch Philipp Laimbacher. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass der Thurgauer am Abend hinter Gnägi wohl das zweithärteste Notenblatt aufwies.

Burkhalter bewies vor allem gegen Ende der Kranzfestsaison, dass auf ihn Verlass ist, und er meist einer der besten NOS-Cracks war.

Eine Prognose für den Kilchberger Schwinget? Sicher, eine kleine Chance ist auch bei Stefan Burkhalter vorhanden, den Sieg davon zu tragen. Trotzdem dürfte es für ihn schwierig werden, da er mit seinen 40 Lenzen eigentlich den Zenit überschritten hat… Diese Saison strafte er uns deswegen aber Lügen, und wegen seines konsequenten und harten Trainings zeigte er nie eine konditionelle Schwäche.
Aber zum Kilchberger Sieg reicht es wohl nur einem absoluten Spitzencrack, wie Sempach, Wenger oder Stucki. Allenfalls noch Bösch, Bieri oder mit Aussenseiter-Chancen Philipp Laimbacher und Florian Gnägi. Ich traue Stefan zwar einen weiteren Exploit zu, aber für den Tagessieg wird es wohl nicht reichen.
Den einen oder anderen Spitzenschwinger wird und kann Burkhalter aber dennoch ärgern.


Michael Nydegger:

Der Freiburger hatte gar keine einfache Saison, und musste diese verletzungsbedingt kürzlich beenden. Michael holte sich im laufenden Jahr zwei Kränze, und belegt derzeit Rang 86 der Jahrespunkteliste (5 Punkte).

Eine Kranzfest-Bilanz zu ziehen wie bei den anderen vier Schwingern ist deshalb nicht ganz fair. Dass mehr drin gelegen wäre zeigt die Kranzausbeute von letztem Jahr, als Ende Saison sechs Kränze auf seinem Konto standen.

Der Frühling lief ganz gut, und bei seinem ersten Kranzfest der Saison, dem Neuenburger Kantonalen (25. Mai), schwang Michael Nydegger mit dem Tagessieg sogar oben aus. Im Schlussgang bodigte er Samuel Dind mit einem Kurz, und errang so seinen sechsten Kranzfestsieg.
Eine Woche später trat der Sennenschwinger beim Luzerner Kantonalen in Ruswil als Gast an, und ergatterte sich wie Philipp Laimbacher im letzten Kranzrang das begehrte Eichenlaub.
Wenn ich mich nicht irre, ist dies in diesem Jahr der einzige Kranz eines Südwestschweizers ausserhalb ihres Verbandsgebietes…

Der im Oktober 29-jahre alt werdende Maschinenbauingenieur, der momentan einzige aktive Südwestschweizer Eidgenosse, erklärte mir am 4. Juli bei einem Telefoninterview, dass seine Saisonvorbereitung ganz optimal verlief. Michael legte im Wintertraining ein Augenmerk auf die technischen Aspekte, und war guter Dinge bei Saisonbeginn.
Auf die Frage, wie er seinen momentan Formstand einschätze, erklärte mir Nydegger: „Rein körperlich bin ich tipptopp „zwäg“, und schwingerisch bin ich gut drauf. Ich kämpfe aber mit kleinen Blessuren, wegen denen ich auch schon ab und zu ein Training auslassen musste. Ich bin aber im Grossen und Ganzen zufrieden.“

Wegen diesen Blessuren nahm Michael, welcher in Oberschrot wohnt, am 6. Juli nicht am Innerschweizerischen Schwingfest teil. Stattdessen reiste er an jenem Tag nach Saint-Martin und trat beim Walliser Kantonalen an. Dort verpasste er den angestrebten Kranz leider um einen Viertelpunkt.
Eine Woche später wäre das Südwestschweizerische Teilverbandsfest (in Savièse) auf dem Programm gestanden. Der für den Schwingklub Sense schwingende Athlet musste aber leider absagen.

Am 23. Juli telefonierte ich letztmals mit Nydegger. Damals erzählte mir der 42-fache Kranzgewinner, dass er Probleme mit der Leiste habe, dies in einer Sportklinik abklären lasse und vor dem Abbruch der Saison stehe.
Wie schon erwähnt, hat der Oberschroter seine Saison inzwischen beendet. Die Abklärungen ergaben, dass es sich um eine Schambein-Verletzung handelt, welche ihn schon länger behindert.
An dieser Stelle wünsche ich Michael gute Genesung und eine erfolgreiche Rückkehr auf die Schwingplätze im nächsten Jahr.

In der zweiten Tranche blickte ich auf die Kranzfest-Bilanz von Christoph, Stefan und Michael.
Mit Ausnahme von Michael Nydegger können die anderen vier Schwinger am 7. September am Saisonfinale, beim Kilchberger Schwinget, antreten. Ich habe auch meine Einschätzung dazu abgegeben, und hoffe insgeheim, dass der eine oder andere Schwinger über sich hinauswächst.

Für mich war es schon auf dem Brünig (wo ich „live“ dabei war) eine Riesenfreude, als drei von meinen beobachteten Schwingern (Glarner, Laimbacher und Burkhalter) sehr gute Leistungen ablieferten und der eine (Glarner) gar im Schlussgang stand. Ähnliches erhoffe ich mir für Kilchberg, wo ich nun auch definitiv dabei sein kann.

Mit diesem und dem letzten Blogbeitrag habe ich eigentlich nicht nur eine Kranzfest-Bilanz gezogen, sondern gleich auch eine Bilanz der Saison für die fünf Schwinger. Denn am 7. September endet mit dem „Sahnehäubchen“ mein Schwingprojekt 2014.
In der Woche vor dem „Kilchberger“ werde ich für das Schwingprojekt die fünf Schwinger mit einem sechsten und letzten Frageblock konfrontieren.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Schwingprojekt 2014: Kranzfest-Bilanz von Philipp Laimbacher und Matthias Glarner

Diese Woche widme ich mich wieder mal meinem Schwingprojekt. Die meisten Kranzfeste (35 von 37) sind nun absolviert. Soviel ich weiss, bestreiten die fünf von mir begleiteten Schwinger keines mehr (ausstehend sind noch das Freiburger und das Waadtländer Kantonalschwingfest), und bereiten sich mit Ausnahme von Michael Nydegger auf den Saisonhöhepunkt, dem Kilchberger Schwinget, vor.
Michael musste nun leider, wie ich am 23. Juli berichtete („Michael Nydegger steht vor dem Abbruch der Saison“) definitiv die Saison beenden. Grund ist laut SCHLUSSGANG eine Schambein-Verletzung, welche den Freiburger schon länger behindert.

Höchste Zeit also, eine Kranzfest-Bilanz zu ziehen. Dies tue ich mit Hilfe der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, und meinen persönlichen Beobachtungen.


Philipp Laimbacher:

Der Vertreter der Innerschweizer Farben belegt mit 21 Punkten Platz 13 in der SCHLUSSGANG-Wertung, und hat sich neun Kränze rausgeschwungen. Viel mehr Kränze, nämlich genau zehn, haben für das Jahr 2014 einzig Schwingerkönig Matthias Sempach und mein Vertreter der NWS-Schwinger, Christoph Bieri, auf ihrem Konto.

Von der Kranzausbeute her also ein tolles Resultat von Philipp, konnte er doch an jedem angetretenen Kranzfest mit dem begehrten Eichenlaub heimreisen.

Weiter besiegte Philipp bei den neun Kranzfesten sieben Eidgenossen.

Der Sattler ist in besagter Wertung drittbester Innerschweizer. Nur Christian Schuler (Platz 7) und Andreas Ulrich (Platz 10), beide aus dem gleichen Lager, liegen vor ihm.

Einen Kranzfestsieg konnte Laimbacher diese Saison leider nie verbuchen, ebenso stand er in keinem Kranzfest im Schlussgang. Zweimal aber, am Innerschweizerischen und beim Zuger Kantonalen, trug „Pipo“ den Ehrenplatz davon.
Bei einigen Kranzfesten, vor allem zu Beginn der Saison, lief es dem 31-Jährigen nicht immer nach Wunsch. Seine Adduktoren-Probleme im Februar zogen einen kleinen Trainingsrückstand nach sich. Philipp Laimbacher fand aber glücklicherweise beim ersten Bergkranzfest der Saison, demjenigen auf dem Stoos, wieder seine Form und deutete einen deutlichen Aufwärtstrend an. Anschliessend zeigte der kräftige Sennenschwinger am NOS, beim Innerschweizerischen und auf dem Brünig jeweils hervorragende Leistungen.
Auf der Schwägalp musste der begeisterte Töfffahrer mit zwei Niederlagen zu Beginn des Wettkampfes arg unten durch, ehe er sich vier Siegkreuze schreiben lassen konnte. Mit Rang vier und dem neuerlichen Kranzgewinn trug Philipp ein blaues Auge davon.

Eine Prognose für den Kilchberger Schwinget? Schwierig. Einerseits ist Philipp in einer bestechenden Form. Andererseits bereiten mir die beiden Niederlagen auf der Schwägalp ein wenig Kopfzerbrechen.
Vielleicht hat es diesen Schuss vor den Bug gebraucht, und er kam genau zum richtigen Zeitpunkt.
Aussenseiterchancen auf den Kilchberger Sieg sind vorhanden. Allerdings müsste Philipp über sich hinauswachsen und einige ganz böse Berner auf den Rücken hieven.


Matthias Glarner:

Matthias, der 29-jährige Berner Schwinger, belegt mit 28 Punkten Platz 8 in der SCHLUSSGANG-Wertung. Der Oberländer holte sich dabei wie Philipp Laimbacher auch neun Kränze, und ist hinter Matthias Sempach, Kilian Wenger, Christian Stucki und Florian Gnägi derzeit die Nummer fünf der Mutzen.

Von der Kranzausbeute und von den Rangierungen her ein gutes bis sehr gutes Resultat vom Meiringer. Glarner gewann zwei Kranzfeste (das Seeländische und zusammen mit Christian Stucki das Nordwestschweizerische Teilverbandsfest).
Zudem holte er sich an jedem angetretenen Kranzfest, genau gleich wie Philipp, den Kranz.

Matthias besiegte bei den neun Kranzfesten sechs Eidgenossen (Philipp bodigte, wie man oben lesen konnte, deren sieben).

Der Sportstudent konnte beschwerdefrei in die Saison steigen und war mit den Rängen 5, 8, 1, 6, 4, 3, 3, 1 und 6 die Konstanz in Person. Weiter stand Matthias an zwei Kranzfesten im Schlussgang, nämlich beim Mittelländischen und auf dem Brünig. Beide Male verlor er leider.

Wenn man so will, könnte man sagen, dass Glarner beim Emmentalischen mit Rang 8 und beim Berner Kantonalen (Rang 6) zwei kleine Durchhänger hatte. Zum Kranzgewinn reichte es aber alleweil.
Beim eigenen Teilverbandsfest in St. Imier waren wohl die Batterien des austrainierten Sennenschwingers ein wenig leer. Bestritt er doch vom 19. Juli (Weissenstein Schwinget) bis zum 10. August (Berner Kantonales) an vier Wochenenden hintereinander je ein Kranzfest. Dazwischen gewann er, wie erwähnt, zusammen mit Stucki das Nordwestschweizerische Teilverbandsfest. Glarner stand zwar in Zuchwil nicht im Schlussgang, er verbuchte an jenem Sonntag aber fünf blitzsaubere Siege und bezog einzig gegen Forrer einen Niederlage. Da er sich im sechsten Gang wie Stucki (gegen Forrer im Schlussgang) die Maximalnote holte, kam Matthias letztendlich auf die gleiche Punktzahl wie der Seeländer Hüne.

Auch hier wage ich eine Prognose für den Kilchberger Schwinget, und antworte ebenfalls mit „schwierig“. Matthias ist zwar in einer tollen Form, und das mässige Abschneiden am Berner Kantonalen mag ich nicht überbewerten.
Dennoch stehen ihm vier andere Berner Schwinger vor der Sonne, welche einfach zu den absoluten Topfavoriten für Kilchberg gehandelt werden müssen.
Diese Tatsache mit den vier anderen (Sempach, Wenger, Stucki und Gnägi) aus dem eigenen Lager könnte aber plötzlich zu Aussenseiterchancen gereichen. Diese sind alleweil in Takt. Nur müsste bei Matthias das gleiche eintreffen wie bei Philipp: Er müsste über sich hinauswachsen und wohl zudem einige ganz böse Berner Mitfavoriten besiegen.

Heute habe ich nun von zwei meiner fünf Projektschwinger eine Kranzfestbilanz gezogen. In den nächsten Tagen folgt dann noch ein Resumé von Christoph Bieri, Stefan Burkhalter und Michael Nydegger.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Interview mit Manuel Röösli (Chefredaktor SCHLUSSGANG), Teil 3

In Teil 1 und 2 des Interviews erfuhren wir viele interessante Dinge von Manuel Röösli. So unter anderem wie der SCHLUSSGANG organisiert ist, was sie grundsätzlich machen und wie sie bei einem Schwingfest arbeiten.
Im dritten und letzten Teil geht es um die Zusammenarbeit, Kritik und um Neues beim SCHLUSSGANG.

manuel röösli
(Bildquelle: http://www.ottos.ch)

Wie eingangs erwähnt, fragte ich Röösli, wie die Zusammenarbeit mit den Schwingern, Verbänden und Klubs ist?
„Mit den Schwingern hatten wir nie Probleme, an die kamen wir von Anfang an gut ran. Bei den Verbänden war es die ersten paar Jahre ein wenig schwieriger, weil da der Gedanke vorhanden war: ‚Die wollen nur Geld verdienen, die kommen nur um ab zu sahnen‘, was natürlich überhaupt nicht der Fall ist.

Mittlerweile haben wir mit allen eine sehr gute Zusammenarbeit, auch mit dem ESV (Eidgenössischer Schwingerverband). Das hat sich in letzter Zeit sehr entwickelt. Für sie führen wir unter anderem die offizielle Jahrespunkteliste.

Auch mit den Veranstaltern läuft‘s gut. Wir sind mittlerweile bei fast 20 Schwingfesten Medienpartner.
Es ist halt auch ein Geben und Nehmen, sie sind auf uns angewiesen, wir auf sie.

Wir haben mittlerweile auch ein rechtes Gewicht in der Szene, und werden ernst genommen, wie beispielsweise die Berichterstattung betreffs ‚Lebendpreise während einem Schwingfest rumführen‘ zeigte. An zwei Schwingfesten wurde seither bewusst mit Schwingen unterbrochen: Am NOS in Wigoltingen und am Oberländischen in Sigriswil.

Wir müssen daher auch aufpassen was wir schreiben. Das zeigte kürzlich die Berichterstattung wegen der Platzgrösse beim Brünig Schwinget. Wir forderten drei statt vier Schwingplätze, was bei den Ob- und Nidwaldnern natürlich extrem ins falsche Ohr kam. In einer späteren Ausgabe gaben wir jedoch dem OK-Präsidenten des besagten Schwingets die Option, seine Sicht der Dinge darzustellen. Wir wollen das so handhaben, dass beide Seiten zu Wort kommen.

Wir hatten auch schon Reaktionen, dass wir zu wenig kritisch seien. Einige meinen gar, dass wir ruhig noch kritischer sein könnten.

Wo’s auch recht abging, war das Notenblatt von Florian Gnägi am NOS. Es hiess dann auch, wieso seid ihr hier nicht kritischer. Aber: Wir müssen da einfach einen Zwischenweg finden.
Und: Es gibt wohl keinen Sport, wo die Aktiven so sensibel sind wie beim Schwingen. Da muss man nur einmal etwas schreiben, wo jemand meint, dass es nicht stimmt, und schon ist man unten durch.“


(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Die ausführliche Antwort von Manuel brachte mich gleich zur nächsten Frage, welche auch mit der vorherigen zusammenhängt: Gibt’s manchmal auch Kritik wegen eurer Berichterstattung?
„Doch, das gibt’s schon. Jeder Satz, jedes Wort kann Dinge beinhalten, welche irgendjemandem nicht passen.
Hans Bühler, ein ehemaliger Kilchberg-Sieger, rief mich kürzlich an. Er enervierte sich darüber, dass wir Benji von Ah so eine Plattform bieten. Er meinte, diesen hätte man früher erst zum Coiffeur geschickt, bevor er auf den Schwingplatz gehen durfte.“

Besteht eine Zusammenarbeit mit SRF und/oder Regionalradios-/fernsehen? Wie sieht die aus?
„Mit SRF ist es extrem schwierig, weil die sich hauptsächlich auf die Grossanlässe konzentrieren. Es besteht eine lose Zusammenarbeit, wie etwa beim Schwinger-Guide 2014 von Christian Boss, wo wir zusammenarbeiteten.

An die Videos von SRF kommen wir leider gar nicht ran, die wollen sie nicht freigeben, wieso auch immer.
Mit Tele 1 hingegen haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit, sei es im Austausch mit Videos oder bei Gegengeschäften mit Werbung. Weiter arbeiten wir gut mit Radio Central und auch mit Radio Neo 1 (Emmental) zusammen.“

Plant ihr zurzeit irgendetwas grundsätzlich Neues?
„Träume hätten wir schon, wie beispielsweise einen eigenen TV-Sender“, schmunzelt Röösli. „Nein, Spass beiseite. Wir sind momentan am Schauen wegen optimalen Lösungen betreff Videos. Wir hatten es schon mal probiert. Dies bedingt einen riesigen Aufwand und das technische Knowhow.
Wo wir auch dran sind, ist das Anbieten der Zeitung online als E-Paper. Das wird etwas vom nächsten sein.“

manuel röösli in redaktion_1
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Ich sprach den Chefredaktor auf die Gründung und die Anfänge an. Dazu wusste Manuel folgendes zu berichten:
„Der Gründer des SCHLUSSGANGES war Beat Reichenbach. Die Gründung erfolgte im Jahr 2003. Werner Rupp kam damals noch ins Spiel. Man stellte fest, dass es in dieser Form so noch keine Schwingerzeitung gab. Die Gründer erwischten aber auch eine gute Phase, da damals das Eidgenössische in Luzern (ESAF 2004) war.

Wichtig für den SCHLUSSGANG war Karl Duss, er war sozusagen das gute Gewissen dieser Zeitung. Es entwickelte sich dann stetig, und wir stehen an einem guten Punkt, da wir gute Arbeit geleistet haben.
Wir sind definitiv die Nummer eins im Schwingen. Es gibt zwar noch die Schwinger- und Jodlerzeitung (Verbandszeitung). Die haben aber relativ viele Pflichtabos, und sie hinken der Zeit halt auch hinterher. Die Macher müssen sich wohl überlegen, wie sie in Zukunft noch existieren wollen.“

Als letzte zwei Punkte sprachen wir noch über die Einnahmequellen vom SCHLUSSGANG und über ihre wirklich tolle APP.
„Die Einnahmequellen sind die Abonnenten und die Werbepartner. Kostenpflichtige Beiträge wird es beim Schlussgang bis auf weiteres aber keine geben.

Beim APP machten wir uns die gleichen Gedanken, ob wir die Benutzung in Rechnung stellen sollen. Wir sagten uns aber: Wenn wir mit etwas Neuem kommen, müssen wir es kostenlos anbieten. Zudem geht man auch nicht so ein grosses Risiko ein, wenn am Anfang vielleicht etwas nicht auf Anhieb funktioniert.

Und: Für so neue Dinge wie beispielsweise das erwähnte APP braucht es einfach eine Vorlaufzeit. Bestes Beispiel dafür war das ESAF 2013. Das offizielle ESAF-APP hatte am Anlass Probleme, da sie keine Vorlaufzeit hatten. Wir vom SCHLUSSGANG hatten das glücklicherweise nicht, da wir vorher eine genügend lange Vorlaufzeit hatten.“

So, das war nun mein dreiteiliges Interview mit Manuel Röösli, dem Chefredaktor vom SCHLUSSGANG. Ich denke, dass wir alle nun einen Einblick in die Organisation, die Arbeitsweise und das Drumherum der Nummer eins in Sachen Berichterstattung im Schwingsport erhielten.
An dieser Stelle bedanke ich mich auch bei Manuel, dass er mich in den Räumlichkeiten an der Hirschmattstrasse (Luzern) empfangen hat, und mir den Wissensdurst mit seinen teilweise sehr ausführlichen Antworten stillen konnte.

Diese Woche ist nach meinen Ferien und dem SCHLUSSGANG-Interview wieder einmal mein Schwingprojekt 2014 an der Reihe.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Interview mit Manuel Röösli (Chefredaktor SCHLUSSGANG), Teil 2

Im ersten Teil meines Interviews erfuhren wir von Manuel Röösli, wie der SCHLUSSGANG organisiert ist, ihre Tätigkeiten, und ob der SCHLUSSGANG wie eine normale Zeitung funktioniert. Weiter fragte ich nach den Schwerpunkten, und Manuel erklärte mir auch das Anforderungsprofil seiner Mitarbeiter.

manuel röösli
(Bildquelle: http://www.ottos.ch)

Im zweiten Teil möchte ich als Erstes vom SCHLUSSGANG-Chefredaktor wissen, wo oder wie sich der Schlussgang die News im Schwingsport beschafft?
„Hauptsächlich über unsere eigenen Kanäle, durch persönliche Gespräche, Recherchieren und Nachfragen. Mittlerweile hat sich alles soweit eingespielt, dass wir nicht mehr allem nachspringen müssen, und es kommen auch Informationen direkt zu uns.

Allgemein hat sich das Schwingen so positiv verändert, dass ein Medienbulletin oder eine Pressemitteilung folgt, wenn sich beispielsweise ein Schwinger verletzt.

Zudem gehört auch der Austausch mit anderen Zeitungen dazu. Sie sind froh um Informationen, wenn es irgendwo zu tief reingeht, und wir sind froh, wenn wir an Informationen rankommen, welche irgendetwas mit dem Schwingen zu tun haben.

Eine weitere Plattform ist die Werbewirtschaft. Wenn zum Beispiel Matthias Sempach etwas mit Toyota macht, dann erfahren wir das direkt von Toyota.
Uns zeichnet auch aus, dass wir für unsere Werbepartner Ansprechpersonen sind. Wenn sie irgendetwas brauchen, dann kommen sie zu uns. Das gehört einfach dazu, und ist auch ein Bestandteil der täglichen Arbeit, wo wir für einen Kunden etwas bearbeiten oder beantworten müssen.“

Eine weitere Frage von mir lautete: Wie werden Zeitung, Homepage, Facebook und Twitter erstellt und/oder “gefüttert“?
„Der SCHLUSSGANG wird in Schwyz bei der Druckerei Triner (Bote der Urschweiz) gedruckt. Die Produktion der Zeitung findet hauptsächlich in unseren Räumlichkeiten in Luzern statt.

Wir sind mittlerweile sehr mobil, und haben immer einen Laptop dabei. Wir arbeiten entweder am Schwingfest selber oder von zuhause aus.

Wir haben alle unsere Kanäle so eingerichtet, dass wir sie von unseren Computern aus bedienen können. Voraussetzung ist Internet, mehr braucht‘s nicht.“

Zu Wie sieht ein normaler Tagesablauf respektive Wochenablauf aus? meinte der Luzerner: „Wir leben in einem Zwei-Wochen-Rhythmus. In der ersten Woche bereiten wir vor, und schliessen auch ab. Die zweite Woche ist die Produktionswoche. Das sind die beiden fixen Punkte. Alles andere ergibt sich.

Klar haben wir noch zusätzlich andere Fixpunkte, zum Beispiel im Internet, wo wir an gewissen Tagen dies und jenes aufschalten. Aber so einen wirklich klassischen Tagesablauf gibt es bei uns nicht.“

röösli am baselstädtischen
(Bildquelle: felwaldwiesenblogger, Manuel Röösli beim Baselstädtischen im Pressewagen)

Weiter interessierte ich mich für einen Arbeitsablauf bei einem Schwingfest. Ich fragte Manuel nach dem ISV in Cham, das kurz vorher stattfand.
„Grundsätzlich muss man unterscheiden, was wir alles von einem Schwingfest machen. Wir haben eigentlich drei verschiedene Kanäle von einem Schwingfest (Kranzfest): Die Berichterstattung in der Zeitung, die Berichterstattung vor Ort (Live-Ticker für unsere eigene APP) und am Abend die Berichterstattung auf unserer Homepage (Internet). Zur Berichterstattung Internet gehört auch unsere Facebook-Seite, auf welche wir auch Daten vom Schwingfest stellen.

Wenn am darauffolgenden Dienstag die Zeitung rauskommt, arbeiten wir automatisch anders. Nach dem ISV kam die Zeitung nicht am Dienstag raus, und wir konnten den Zeitungsbericht schon ein wenig ausklammern. Diesen konnten wir auch die Woche darauf noch fertigstellen. Somit konzentrierten wir uns in Cham auf den Live-Ticker.

Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass jemand, welcher während dem Schwingfest den Live-Ticker bedient, am Abend nicht mehr arbeitet. Wir sind letztes Jahr richtiggehend in den Live-Ticker reingewachsen. Die Bearbeitung braucht extrem viel Konzentration, du musst wirklich voll dabei sein.

Wir schauen zudem, dass wir das Internet von einem Ort aus bedienen können, und haben einen Internet-Verantwortlichen. Dieser kann auch von zuhause aus arbeiten, und wird von unseren Mitarbeitern vor Ort angerufen. Der Internet-Verantwortliche kann so die Infos gleich auf die Homepage stellen.

Man kann auch hier sagen: Es gibt kein klassisches Wochenende. Jedes Fest hat irgendetwas Spezielles.
Beispiel Brünig: Dort oben funktioniert das Internet nicht, oder nur schlecht. Somit kannst du dort kein sauberes „Internet“ machen. Derjenige, der den Liveticker bedient, telefoniert mit jemandem vor Ort (Brünig), und tippt die Live-Ticker-Berichterstattung von einem Ort aus ein, wo er Internet hat. In so einem Fall braucht es halt zwei Leute.

Solche Sachen muss man sich schon vorher überlegen, damit man organisieren kann.
Da sich unser „Business“ auf drei bis vier Monate mit den Kranzfesten konzentriert, ist eine saubere Organisation aber schon möglich. Und: Medienarbeit bedingt halt auch Wochenendarbeit.“

manuel röösli in redaktion_2
(Bildquelle: felwaldwiesenblogger)

Um beim Beispiel Cham zu bleiben: Der SCHLUSSGANG war an jenem Schwingfest mit drei Personen vor Ort. Dies waren ein Fotograf, ein Schreiberling und ein Live-Ticker-Bediener.

Manuel erklärte mir, dass man am Kilchbergschwinget mit sechs Personen im Einsatz stehen werde. Dazu gehöre auch ein Ersatzfotograf, um alle Eventualitäten auszuschliessen.

Weiter erfuhr ich, dass auch Fotografen für den Schlussgang arbeiten.
„Wir haben drei Hauptfotografen, welche aber nicht bei uns angestellt sind. Zusätzlich gibt’s noch andere Fotografen, welche auch zu den 60 bis 80 freischaffenden Mitarbeitern gehören.
Klar ist: Qualität kommt vor Quantität. Das Gefälle der Bild-Qualität ist zudem gerade beim Schwingsport sehr gross. Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass wir sehr gute Leute haben.“

Wirklich spannend, was mir Manuel Röösli im Teil 2 des Interviews erklärte und erzählte. Vermutet habe ich es schon, aber dass so viel Organisation und Aufwand dahintersteckt, hätte ich nicht unbedingt gedacht.
Gerade das Beispiel Brünig Schwinget zeigte mir, dass heutzutage sehr viel übers Internet läuft. Hat man mal an irgendeinem Ort nicht eine gut funktionierende Internetverbindung, muss ziemlich improvisiert werden. Oder anders ausgedrückt: Eine weitere Person wird rekrutiert, welche am Telefon das Geschehen dem Live-Ticker-Bediener durchgibt.

Im dritten und letzten Teil meines Interviews geht es um die Zusammenarbeit mit den Schwingern, Verbänden, Klubs, und mit Radio und TV. Es geht aber auch um Kritik, welche ihre Berichterstattung hervorrufen kann, und um Planung von Neuem beim SCHLUSSGANG.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger