Das Weltwoche-Gemeinderating gibt im Muotathal zu reden

Da ich zurzeit leider erkältet bin, konnte ich mir heute Morgen keine „Jogginggedanken“ machen. Gedanken machte ich mir jedoch bei der Zeitungslektüre und als aufmerksamer Beobachter meiner „Souschul Midia“-Kanäle.

muotathal
(Bildquelle: http://www.myswitzerland.com)

So las ich gestern vom besorgten Weltwoche-Leser R.H. aus M., dass unser Muotathal auf der soeben veröffentlichten Gemeinderating-Liste in Sachen „Dynamik“ nur den Platz 900 von 908 Gemeinden einnehmen soll. Voller Bestürzung nahm ich mich diesem Thema an, und öffnete heute als Erstes den entsprechenden Link im Internet.

Bei näherem Betrachten dieser speziellen Rangliste las ich für’s Muotathal folgendes heraus:
Rang total: 617
Rang Arbeitsmarkt: 230
Rang Dynamik: 838
Rang Reichtum: 717
Rang Sozialstruktur: 900
Rang Steuerbelastung: 21

Fast den letzten Platz erreichten wir bei der Sozialstruktur, und bei der sogenannten Dynamik sieht‘s auch nicht viel besser aus. Wo wir hingegen fast zur Spitze gehören, ist die Steuerbelastung. Das ist doch auch schon was, und lässt sich mit dem Kanton erklären, in welchen wir eingebettet sind: Schwyz.

Wie aber genau ermittelte die Weltwoche diese Plätze?
Dazu stellte das Wochenmagazin folgende Fragen: „Wo lebt es sich in der Schweiz am besten? Wo sind die Jobperspektiven gut, die Arbeitswege kurz? Wo wächst die Schweiz am dynamischsten? Wo sind die Steuern attraktiv? Wo ist der Boden begehrt?“

Weiter meinte die Weltwoche wörtlich: „Analysiert wurden sämtliche Ortschaften mit mehr als 2000 Einwohnern, 908 an der Zahl. Für jede Gemeinde wurden zwanzig Einzelindikatoren erhoben, die soziale und wirtschaftliche Entwicklungen aufzeigen, etwa die Immobilienpreisentwicklung, die Arbeitslosenquote, die Steuerbelastung, die Anzahl Firmengründungen, das Bildungsniveau, die Zuwanderung oder die geografische Erreichbarkeit. Diese zwanzig Einzelindikatoren wurden in fünf Hauptkategorien zusammengefasst.“

Schön und gut, alles übersichtlich dargestellt. Was mich aber am meisten beschäftigt, ist die Frage: Warum um Himmels Willen belegt das Muotathal bei der „Sozialstruktur“ einen dermassen schlechten Platz?
Ich persönlich meine, dass unsere Gemeinde sozial intakt ist, nur ganz wenige Arbeitslose hat und ein reges öffentliches Leben vorweisen kann. Jedermann und –frau findet seinen Platz in unserer Gemeinde, arbeitet entweder im Thal selber oder pendelt einige Kilometer Richtung Schwyz oder noch ein Stück weiter.
Zusätzlich hat es viele verschiedene Vereine und Organisationen, bei welchen viele Leute ihre Freizeitaktivität gestalten.
Ich selber bin kein Vereinsmensch, habe aber meine Möglichkeiten, meinem grossen Hobby Musik nachzugehen.

Der Platz 900 lässt sich mit meinen Überlegungen trotzdem nicht erklären. Und wie das halt vielfach so ist, ist das alles eine Definitionsfrage. Zu diesem Zweck konsultierte ich wieder die Weltwoche, und die schreiben zu „Sozialstruktur“: „Nebst dem Anteil der Bevölkerung, der eine höhere Berufsbildung, eine Fachhochschule oder eine Universität abgeschlossen hat (Bildungsquote), der Anteil der Bevölkerung, der in einer führenden oder selbständigen Position tätig ist (Sozialstrukturquote), sowie das steuerbare Einkommen pro Einwohner.“

Aha, es geht also nicht um das soziale Zusammenleben in unserer Gemeinde, das völlig in Ordnung ist. Vielmehr geht es um die Bildung, Führungspositionen und um selbständige Geschäftsleute. Zudem ist das steuerbare Einkommen ein Faktor.

Aus meiner Warte kann ich dazu sagen, dass es in unserer Gemeinde einige kleinere und mittlere Unternehmen (KMU‘s) gibt. Es gibt verschiedene kleinere bis mittlere Einkaufsgeschäfte, zwei Bankfilialen, kleinere bis mittlere Handwerksbetriebe, einige Garagen sowie Restaurants, um nur einige zu nennen. Für eine Einwohnerzahl von gut 3‘500 finde ich, dass es eine stattliche Anzahl KMU’s hat.

Die Sache mit der Ausbildung sehe ich so, dass sehr viele Menschen in unserem Dorf eine Berufsausbildung absolvieren, und vielfach bis zur Pensionierung ihrem erlernten Beruf treu bleiben.

Als ich seinerzeit in die Kantonsschule nach Schwyz ging, war ich dort für eine kurze Zeit gar der einzige Thaler…
Dies hat sich heutzutage sicher verändert: Einige junge Muotathaler machen die Matura und gehen anschliessend studieren. Auch finden sich heutzutage je länger je mehr junge Leute, die nach ihrer Berufslehre eine Zusatzausbildung machen.
Was mir aber auch auffällt: Viele junge Leute mit einer sogenannt „besseren“ Ausbildung ziehen fort vom Thal.

Dasselbe Phänomen mit dem „Wegziehen vom Muotathal“ beobachte ich auch bei Leuten mit einer Führungsposition. So eine Position nehmen sie meist „in der grossen weiten Welt“ ein, und wohnen dann vielfach gleich dort.

Kein Wunder, ist dann das steuerbare Einkommen pro Einwohner tiefer, wenn vor allem Handwerker und Bauern in unserer schönen Gemeinde wohnen.

Die ermittelnden Faktoren der Weltwoche sind wohl korrekt, zeigen aber in meinen Augen ein leicht verzerrtes Bild. So ist das Muotathal sozial trotz der erwähnten „Sozialstruktur“ völlig gesund. Aber wegen Beruf und Bildung zieht es einige junge Leute fort. Zurück bleiben die einfachen Berufsleute, welche halt weniger verdienen, trotz sehr guter geleisteter Arbeit (von wegen „goldenes Handwerk“). Diese bescheren der Gemeinde weniger Einkünfte und drücken auf die Bildungsquote sowie die Sozialstrukturquote. Diese Faktoren sind es, welche uns leider einen schwachen „Sozialstruktur“-Rang einbringen.

Ich selber wohne gerne in unserer schönen, gemütlichen und von einer herrlichen Natur umgebenden Gemeinde. Von Weggezogenen höre ich meist, dass sie aus Vernunftsgründen gingen und nachher vielfach ein Leben als „Heimweh-Muotathaler“ fristen.

Dieses Weltwoche-Rating sollte der Gemeinde Muotathal nicht allzu grosse Bauchschmerzen bereiten. Was höchstens ein bisschen weh tut, oder noch wehtun könnte, sind halt die nicht gerade riesigen Steuereinnahmen. Ansonsten ist meine Heimat top, und ich bin stolz darauf, dass sie sich zudem für sanften Tourismus entschieden haben.

Wie anziehend die Marke Muotathal aber dennoch ist, sieht man jeweils beim Alpkäsemarkt, beim Theater, bei den Muotathaler Wetterschmöckern und bei der stimmigen Volksmusik im Allgemeinen. Diese Faktoren bringen aber erstens nicht die grossen Geldflüsse und zweitens fliessen sie leidergottes nicht in so ein „Gemeindevergleichs-Dings“ rein. Jä nu!

feldwaldwiesenblogger

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