Rückblick aus Innerschweizer Sicht auf den Kilchberger Schwinget

Das ging doch besser als erwartet! Mit Philipp Laimbacher im Schlussgang, und Christian Schuler sowie Benji von Ah bis am Schluss in der Spitzengruppe haben die Innerschweizer am Kilchberger sogar recht gut abgeschnitten.
Zudem zeigten Andreas Ulrich, Adrian Laimbacher und mit Abstrichen Bruno Nötzli und Marcel Mathis recht ansprechende Leistungen.
Wenn mir dies am Sonntagmorgen angeboten worden wäre, ich hätte es sofort unterschrieben.

Ich habe das Gefühl, dass sich die ISV-Leute nach der Kranzfestsaison zusammentaten. Dabei über die Bücher gingen und sich für den Saisonhöhepunkte eine Strategie zurecht legten. Denn schon beim Samstagsgespräch im Bote der Urschweiz bekam ich den Eindruck, dass sich da etwas getan hat. Die Aussage vom TK-Chef der Schwyzer, Fidel Schorno, liess mich doch etwas aufhorchen. Er meinte dabei sinngemäss, als er nach dem Abschneiden der Schwyzer Schwinger befragt wurde: „Klar läuft das Fest über die Berner und deren Topfavoriten. Im Kopf habe ich aber etwas anderes…“

„Im Kopf habe ich aber etwas anderes…“ bedeutet für mich so viel wie: Wir haben auch im Kopf gearbeitet. Oder anders ausgedrückt: Wir haben mit den Schwingern mental mehr gemacht als sonst.
Gut, ich habe keine Belege für meine Aussagen. Vielleicht „überinterpretiere“ ich Schorno’s „Kopfspruch“ ein wenig …

Aber egal: Dass was ich gemeint habe, ist aufgegangen. Nämlich die Stärkung des mentalen Befindens. Für mich schon länger ein Manko bei den Innerschweizern. Schwingerisch und technisch müssen sich die ISV-Athleten keineswegs hinter den Bernern verstecken. Was in meinen Augen „unseren“ Schwingern bisher fehlte, ist die optimale mentale Betreuung, und das Aufbauen einiger Spitzenschwinger zu sogenannten Topfavoriten.

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(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Die mentale Betreuung wurde den Bernern Spitzenschwingern schon längst verordnet, und das Aufbauen von Topfavoriten ist ihnen nun eindrücklich gelungen.
So wie ich das sehe, haben sich die einzelnen BKSV-Schwinger selber einen Betreuer geangelt, oder aber der Verband stellte ihnen jemanden zur Verfügung.

Das Selbstvertrauen und die mentale Stärke der Mutzen ist denn auch schon länger auf den Rängen spürbar. Klar braucht es daneben auch eine körperliche Topverfassung und eine super Athletik. Aber trotzdem: Der Faktor „mentale Stärke“ macht in meinen Augen gut und gerne um die 30 bis 40 Prozent aus.

Wieso diese „Berner-Stärke“ bei Chrigel Stucki dann und wann nicht anschlägt, könnte damit erklärt werden, dass sie bei ihm manchmal ins Gegenteil umschlägt. Der Bursche wird in solchen Fällen so locker vor einem Wettkampf (sanfter Riese!), dass er seine Körperspannung gar nicht mehr recht aufbauen kann, um seine Masse zu bewegen…

Zugegeben, ich könnte völlig auf dem Holzweg sein. Ich glaube es aber nicht. Meine Gedankengänge sind ein Erklärungsansatz, auch zum Abschneiden des ISV-Teams in Kilchberg.

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(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Die drei oben erwähnten Innerschweizer Schwinger Philipp Laimbacher, Christian Schuler und Benji von Ah erwischten am Sonntag einen optimalen Tag und konnten ihre Schwünge gefährlich und punktgenau ansetzen und mit ihnen sehr oft auch reüssieren.

Wie Philipp Laimbacher Christoph Bieri, Urs Abderhalden, Matthias Aeschbacher und Florian Gnägi ins Sägemehl bettete, war schon Extraklasse. Er zeigte vorgestern sein bestes Schwingfest in dieser Saison und krönte es mit dem Einzug in den Schlussgang. Und: Einen Schlussgang bei einem Schwingfest mit eidgenössischem Charakter können am Ende einer Karriere auch nur die wenigsten vorweisen.
Dass der Sattler dabei in Gang drei und im besagten Schlussgang seinen Meister fand, ist eigentlich nicht so schlimm. König Matthias Sempach ist zurzeit unbestritten der beste Schwinger. An ihm kommt man momentan einfach nicht vorbei.

Christian Schuler bodigte der Reihe nach in eindrücklicher Manier Stefan Burkhalter, Bruno Gisler, Thomas Sempach und Matthias Siegenthaler, ehe er in der Person von Matthias Sempach auch seinen Meister fand. Gegen den Schwingerkönig zu verlieren ist keine Schande. Nur wie das von statten ging, hat mich schon ein wenig erstaunt. Der Rothenthurmer hatte angeblich noch gar nicht richtig gefasst, schon lag er auf dem Rücken.
Ausgleichende Gerechtigkeit, nachdem Schuler im vierten Gang eigentlich gegen Siegenthaler verloren hatte, dies aber nicht zählte und er hernach sogar gewann?

Die beiden Schwyzer gewannen je vier Gänge. An einem Kilchberger Schwinget keine Selbstverständlichkeit. Gab es doch schon Feste auf „Uf Stocken“, wo keiner der Athleten am Schluss mehr als drei Siege vorweisen konnte. Ausser der Sieger Eugen Hasler, dies im Jahre 1990…

Der dritte Innerschweizer, welcher auch besonders beeidruckte, war Benji von Ah. Der bärtige Obwaldner gewann dreimal mit einer bärenstarken Leistung (Beat Wampfler, Thomas Zaugg und Willy Graber), und musste sich nur im zweiten Gang geschlagen geben. Denn es war wieder Matthias Sempach, der einem Innerschweizer seinen Meister zeigte.
Die Gänge fünf und sechs gingen gestellt aus, nämlich gegen Matthias Siegenthaler und Christian Stucki.

Christian Schuler verlor seine letzten beiden Gänge, Benji von Ah stellte sie. Philipp Laimbacher gewann seinen fünften Gang, und verlor seinen sechsten Gang, den Schlussgang. Zufall oder nicht? Liessen die mentalen Kräfte bei den drei besten Innerschweizern gegen Schluss nach?
Da ich nicht unbedingt an Zufälle glaube, tippe ich auf das Nachlässen der Kräfte…

Aber: Der Start gelang unserem Trio nach Mass. Der Fokus wurde richtig gelegt. Dass gegen Ende des Wettkampfes Gänge verloren oder gestellt enden, ist nicht nur mit der mentalen Stärke zu erklären. Die Kondition und die körperliche Verfassung könnten dabei auch eine Rolle gespielt haben. Und natürlich einige Gegner (Matthias Sempach und Christian Stucki), die nur sehr schwer zu bezwingen sind.

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(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Nichts desto trotz: Unsere Innerschweizer gefielen mir vorgestern trotz der Berner Übermacht gut. Die drei erwähnten Schwinger sollten in meinen Augen (weiterhin) so aufgebaut werden, wie bei den Bernern Sempach, Wenger und Stucki. Wir brauchen unbedingt auch so Topfavoriten, welche das restliche Team mitreissen können.

Gute Ansätze des ISV-Teams waren in Kilchberg nun wirklich sichtbar. Besser machen kann man es immer, denn bis zu den Topresultaten der Berner ist es noch ein gutes Stück. Wichtig ist, dass gehandelt wurde, und von einem „gnadenlosen abschlachten“, wie es beim Eidgenössischen in Burgdorf beobachtet wurde, war man am Sonntag meilenweit entfernt.

Hinter die absolute Spitze gehören auch gute Mittelschwinger, welche „unser Trio“, wie in Kilchberg, tragen können. Andreas Ulrich, Adrian Laimbacher, Bruno Nötzli und Marcel Mathis taten dies am Sonntag mit beherzten Auftritten. Sie gewannen gegen hervorragende Schwinger oder stellten wenn nötig, wie Andreas Ulrich beim Anschwingen gegen Matthias Sempach.

Man kann mir sagen was man will: Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen Beobachtungen richtig liege. Ein Zufallsprodukt sind die vorgestrigen Leistungen unserer Innerschweizer nicht. Da wurde vorgängig hart gearbeitet, und zwar vor allem an der mentalen Stärke.
Das Resultat ist ein Schlussgangteilnehmer und zwei Athleten, welche bis zum Schluss mit der Spitze in Tuchfühlung waren.

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

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