Die Anfangstage der Schwyzer Örgeler im Muotathal und was der „Tschinggä-Liederverein“ einst so trieb

Liebe Leserinnen und Leser! Heute möchte ich euch ein wenig aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin („Sunnäwirt“) erzählen.

Wie ich auf Twitter und Facebook in Bild und Text vermeldet habe, führte ich letzten Samstag mit zwei wahren Muotathaler Volksmusik-Cracks Gespräche. Einerseits mit dem Klarinettisten und langjährigen Feldmusik-Dirigenten Kari Suter („ds Länzä“) und andererseits mit dem Volksmusik-Tausendsassa und Akkordeonisten „Sunnäwirt“.

Nur, wo fange ich an? Insgesamt nahm ich zwei Tondokumente auf mein iPhone mit insgesamt zweieinhalb Stunden Gespräch auf. Davon habe ich diese Woche 45 Minuten aus dem Gespräch mit Inderbitzin „niedergeschrieben“.

sunnäwirt
Josef Inderbitzin an seinem PC, eine wahre Fundgrube…
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Wie ja bekannt ist, kamen um 1900, oder laut „Sunnäwirt“ sogar etwas früher, die ersten Schwyzer Orgeln ins Tal. Als Randbemerkung: Ab 1886 machten die Eichhorns in Schwyz sogenannte „Schwyzer Örgeli“.

Alois Suter („Lisäbethler“, 1861 – 1936) war zusammen mit dem „Egg-Basch“ einer der ersten, die bei uns im Thal mit dem Schwyzer Orgel-Spiel begannen. Bekannt ist weiter auch, dass „Lisäbethler“ um 1884 bei der Schweizer Garde im Vatikan zu Rom war.
Suter war vermutlich auch einer der ersten, welcher Plattenaufnahmen machte. Angeblich bespielte er in den 10er- oder 20iger-Jahren des letzten Jahrhunderts mit seiner Stöpselbassorgel die erwähnten Tondokumente.

Melchior Anton Langenegger („Egg-Basch“, 1872 – 1938), war der andere Pionier in Sachen Schwyzer Örgeli im Muotathal.

Eggbasch
(Bildquelle: Josef Inderbitzin)

Es gibt einen „Tanz“, welchem man „dr Lisäbethler“ sagt. Ob der Egg-Basch und der „Lisäbethler“ selber komponiert haben, war sich „Sunnäwirt“ nicht sicher. Es könnte aber durchaus sein, dass sie auch komponiert haben. Diesem Punkt werde ich sicherlich noch nachgehen.

Da es vorher noch keine Schwyzer Orgeln gab, und demzufolge keine Spieler, mussten sich „Lisäbethler“ und „Egg-Basch“ das „Örgelen“ selber beibringen. Angeblich spielten beide vorher schon „Mulörgeli“, und hatten sicher auch Musikgehör. Beide probierten das Orgelspiel, bis sie es konnten.

„Mulörgeli“ wurde schon vor dem Aufkommen der Schwyzer Örgeli gespielt, wie auch die Saiteninstrumente Geige und Schwyzer Zither. Zudem wurde vorher schon Klarinette gespielt.
In ganz alten Zeiten, also vor dem Aufkommen der eigentlichen Ländlermusik mit Schwyzer Orgeln wurde im „Hanneli-Musig“-Stil musiziert.

Hier mache ich eine Klammer auf für frühe Vertreter von vier anderen Instrumenten:
Der bekannteste „Mulörgeler“ in alten Zeiten war Josef Heinzer („Schründler“, 1914 – 2003). Er komponierte etwa 10 bis 20 „Tänzli“, der bekannteste ist wohl „dr Schründler“.

Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es bekannte Geigenspieler wie Josef Betschart („ds Bertholdä“) und Josef Imhof („ds Predigers“, 1896 – 1988). Beide traten öffentlich mit Ländlermusikanten aus ihrer Zeit auf.

Josef-Leonhard Betschart („ds Gigers“) hat Schwyzer Zithern hergestellt und auch selber gespielt.

Franz-Anton Suter („dr gross Schnäpf“, 1880 – 1964) war einer der ersten bekannten Klarinettisten im Thal.

Klammer zu und weiter mit unseren beiden ersten „Schwyzer Örgelern“. „Lisäbethler“ und „Egg-Basch“ spielten seinerzeit miteinander, und traten auch zusammen auf. Gespielt wurde damals in den Muotathaler Beizen „Sonne“, „Rössli“, „Schwert“ und „Schlüssel“. Man trat aber auch ausserhalb des Tales auf.
Die meiste Zeit haben die beiden nur im Duo aufgespielt. Musizierten sie aber mal an einem grösseren Ort, nahmen sie auch einen „Basszüger“ mit.

Josef Betschart („ds Gigers“, 1884 – 1954) war wohl einer der ersten im Muotathal, der Bass zu der aufkommenden Ländlermusik gespielt hatte. Betschart spielte auch Örgeli und Geige. Er trat zudem später auch als Basszieher mit Rees Gwerder auf.

Josef-Leonhard Betschart („ds Jackä“, 1889 – 1942) gehörte auch zu den ersten „Örgelispielern“ im Muotathal. Er ist der Vater von Anton Betschart („Jackä Toni“).
Zu den ganz frühen Spielern darf man auch Zeno Rickenbacher („dr Zenäli“, 1892 – 1975) und Josef Ehrler („dr Schineler“, geb. ca. 1900, gest. ca. 1963), zählen. Ehrler wohnte in „Güschtuls“ Haus, später „is Hänis undä“. Der Mann war ein „Örgeler“ und begnadeter Fotograf.

Die ersten gespielten Schwyzer Orgeln waren Stöpselbassorgeln, und wurden laut Josef Inderbitzin bis etwa 1912/1915 gespielt. Nachher kamen die 6-bässigen Orgeln, später die 8-, 12-, 14-, 16- und 18-bässigen. Angeblich sind heutzutage 18-bässige die meist gesuchten Schwyzer Orgeln.
Um 1920 kam auch bei uns das Akkordeon auf. Dieses Instrument liess 1829 ein Instrumentenbauer in Wien patentieren, und gab ihm den Namen Akkordeon. Etwa 100 Jahre später fand es dann den Weg in unser Tal.

Zu der nächsten Generation Orgel-Spielern (Schwyzer Örgeli und auch Akkordeon) gehörten der erwähnte Anton Betschart, Leo Schelbert („ds Tönis dr Wiss“) und Franz Schmidig („Lunnis“ Franz senior).
Weiter gehören zu dieser Generation der Bruder von „Lunnis“ Franz, Bernhard Schmidig („Lunnis Bärädi“). Er spielte Schwyzer Orgel.

Im gleichen Atemzug möchte ich zudem Cölestin Gwerder (z’Dominelis), Georg A. Langenegger („Ds Baschä Jörätönel“, Sohn vom Egg-Basch) und Fredy Zwimpfer erwähnen.

Hier sind meine Aufzeichnungen zu Ende. Somit sind auch die Schwyzer Orgel- und Akkordeon-Spieler der sogenannten zweiten Generation nur teilweise erfasst. Mehr dazu in einem der nächsten Blogbeiträge.

Dschinggä Liederverein
(Bildquelle: Josef Inderbitzin)

Es gab etwa von 1935 bis 1945 einen „Tschinggä-Liederverein“ im Tal. Sie spielten italienische Volkslieder und traten vor allem an der Fasnacht auf. Diese fidelen Gesellen waren wohl so etwas wie ein „Fasnachtsverein“.

Bekannt ist, dass Josef Ablondi („dr Blundi“) eine „Tschinggen-Orgel“ hatte. Leider hatte er sie, als es wieder mal hoch zu und her ging, „auseinandergezerrt“ und dann im „Schachen“ in den Trog geworfen.
„Blundi“ sagte hinterher, dass ihn der Defekt schon gereut habe. Denn er meinte weiter: „Zum Lieder begleiten klang diese Orgel schöner als eine Eichhorn-Orgel“. Wilhelm Suter, der andere Orgelspieler, spielte eine 8-bässige Orgel.
Klarinettenspieler war Josef Betschart („ds Schmids Sefis“), und Robert Gwerder („ds Pfandweibels“) war der Dirigent.

Sie feierten laut „Sunnäwirt“ 1936 den Abessinienkrieg und machten dazu einen Umzug durchs Tal. Diesen lustigen Verein gab es etwa 10 bis 15 Jahre, vermutlich bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Diese lustigen Musikanten machten bei ihren öffentlichen Auftritten gerne „ds Chalb“.

Wie ich meine, habe ich bereits aus 45 Minuten „Sunnäwirt“-Infos schon einiges aus den Anfangstagen der Muotathaler Ländlermusik zusammen tragen können. Für mich ist es eine spannende Aufgabe und Herausforderung zugleich. Denn ich bin kein grosser Kenner unserer hiesigen Volksmusik, und komme nun Schritt um Schritt so langsam in die Materie rein.
Am Anfang des heutigen Beitrages schrieb ich „Nur, wo fange ich an?“. Was soll ich nun sagen? Ich glaube, ich habe den roten Faden gefunden und die Geschichte ein bisschen entwirren können. Die ganze Sache macht mir wirklich viel Spass und grosse Freude, deshalb füge ich zum Schluss an: „Weiter geht’s. Frisch, fröhlich und heiter!“

feldwaldwiesenblogger

Gedanken und Fragen in einem offenen Brief an den ESV

schwingkolumne

Da sich die Schwingerei seit anfangs Oktober im Winterschlaf befindet, gibt es zurzeit nicht allzu viel zu berichten. Ich habe mir einzig über verschiedene Aspekte ein paar Gedanken gemacht. Diese Gedanken und die damit verbundenen Fragen stelle ich heute als offenen Brief an den Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) in meine Schwingkolumne. Wer weiss, vielleicht sieht das jemand vom ESV und kann mir, und natürlich auch allen Schwingerfreunden, dazu ein paar Antworten liefern.
Nachfolgend der offene Brief:

esv
(Bildquelle: http://www.esv.ch)

Liebe Mitglieder des ESV

Ich bin ein Blogger und schreibe in meinem Blog regelmässig übers Schwingen. Dieses Jahr hatte ich ein interessantes Schwingprojekt mit fünf Spitzenschwingern (aus jedem Teilverband einer) am Laufen.
Zudem habe ich eine eigene Kolumne, wo ich auch regelmässig interessante Aspekte aus dem Schwingsport aufgreife.
Gerade beim letzten Beitrag „Beim Schwingen naht der Saisonabschluss“ habe ich ein paar interessante Fragen aufgeworfen. Zu diesen Fragen würde ich gerne in meinem Blog ein paar Antworten liefern können. Ich hoffe, Sie können mir dabei ein wenig helfen.
Hier meine Gedanken und Fragen:

Ich würde meinen, dass man einige Speaker in die Pflicht nehmen müsste. Meine Wenigkeit ist nämlich ein Freund von guten Speakern, welche nicht nur Jodler- und Fahnenschwinger-Beiträge ankünden. Ich finde es manchmal haarsträubend, wie wenig die einen von sich geben. Gerade die Herren des gesprochenen Wortes hätten es in den Händen, an einem Schwingfest mit gezielten Informationen und Kommentare noch mehr Spannung reinzubringen.
Was halten Sie von meinen Gedanken? Sehen Sie da auch Handlungsbedarf?

Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt, welcher mich allgemein ein bisschen stört: Die geschriebene Information vor Ort. Für mich ist Schwingen nämlich längst schon ein Spitzensport geworden. Das sollte an so einem Anlass nebst dem ganzen Folklore-Teil, welcher selbstverständlich seinen berechtigten Platz hat, auch zu spüren sein. Dank Smartphones und Internet ist man inzwischen besser informiert, als die Zuschauer an einem Schwingfest. Das spricht doch Bände…

Dazu zwei Fragen:
1. Wieso könnte an grösseren Schwingfesten nicht gleich die Notengebung an den entsprechenden Plätzen angezeigt werden?

2. Wieso kann beispielsweise an einem Teilverbandsfest nicht die Zwischenrangliste an einer Grossleinwand eingeblendet werden? Diese Fränkli-Listen hätten wirklich langsam ausgedient…

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Antworten auf meine Fragen geben würden, und ich die in meinen Blog stellen dürfte.

Und: In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Wirtschaft Luzern hat der ESV eine Studie in Auftrag gegeben, die die Eidgenössischen Schwingfeste seit 2001 analysiert. Im entsprechenden SCHLUSSGANG-Bericht stand als Titel: ESAF-Charme soll bewahrt werden.
Wie wollen Sie diesen „Charme“ bewahren? Streben Sie nach einer Begrenzung der Zuschauer und der Anzahl „Aussteller/Festwirte“ rings um die Schwingarena? Wenn ja, wollen Sie das mit entsprechenden Tickets bewerkstelligen?

Mit Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

Vielleicht kriege ich in nächster Zeit elektronische Post vom ESV. Freuen würde es mich jedenfalls sehr. Die Antwort würde ich dann selbstverständlich möglichst rasch nachliefern.

Der geneigte Leser meiner Schwingkolumne hat vielleicht festgestellt, dass die Gedanken und Fragen teilweise wortwörtlich meiner letzten Kolumne vom 27. September entnommen sind. Dies aus gutem Grund: Viel besser hätte ich es auch heute nicht formulieren können…

feller
Samuel Feller, TK-Chef des ESV
(Bildquelle: http://www.esv.ch)

Elektronische Post, also eine Email, bekam ich erst kürzlich vom technischen Leiter des ESV, Samuel Feller. Zur Erinnerung: Ich schrieb einige Zeit vor dem Kilchberger Schwinget Feller an, und stellte ihm zur Einteilung des ersten Ganges ein paar Fragen.
In seiner Antwort an mich bedauerte der Berner die fehlende Zeit, da er mit enorm viel Arbeit rund um den schwingerischen Saisonhöhepunkt eingedeckt war. Dafür habe ich natürlich vollstes Verständnis.
An dieser Stelle möchte ich Feller für die Einteilung des ersten Ganges am Kilchberger Schwinget loben. Wie ich finde, war das eine gerechte und faire Angelegenheit, und ermöglichte so beispielsweise den Innerschweizern auch ihre Chancen.

Noch ein paar Gedanken zu meiner Schwingkolumne. Ich habe kurz vor dem Ende der Schwingsaison mal angekündigt, in der schwingfreien Zeit monatlich einen Beitrag zu schalten. Dies werde ich aber nun bleiben lassen. Erstens weil es ohne grosse Recherchearbeit nicht viel zu berichten gäbe, und zweitens ich mich auf mein Muotathaler Volksmusik-Projekt konzentrieren möchte. Dieses endet sowieso kommenden März, also kurz vor der neuen Schwingsaison. Denn im 2015 möchte ich während der Schwingerei auch wieder über unseren Nationalsport schreiben. Was und in welcher Form werde ich mir dann zu gegebener Zeit überlegen. Meine eingeführte Schwingkolumne möchte ich aber beibehalten.
Sollte sich während den Wintermonaten etwas Ausserordentliches im Schwingsport ereignen (zum Beispiel ein neuer Dopingskandal?), dann werde ich mich natürlich sofort auch einschalten.

Bis dann, ihr lieben Schwingerfreunde!
feldwaldwiesenblogger

Ein Nein ist ein Nein und keine Antwort ist auch eine Antwort

Was ich nicht ausstehen kann, ist das ‚Nicht-Antwort geben‘. Ein kurzes Nein akzeptiere ich sofort. Keine Antwort hingeben nicht. Das heisst für mich nämlich nichts anderes: „Ich habe es nicht nötig, dir zu antworten. Ich bin der grosse Macker, du das kleine Würstchen!“

So gerade kürzlich geschehen. Langer Rede, kurzer Sinn. Nachfolgend ein paar Emails, bei welchen ich wieder mal eine bestimmte musikalische Absicht verfolgte, aber leider keine Antwort bekam…

Das erste Email schickte ich am 21.9.2014 ab:

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Guten Tag

Ich bin Koni Schelbert, und suche nach der Email-Adresse von René „Schifer“ Schafer.

Der Grund ist folgender: Ich habe letztes Jahr mit Richard Koechli ein Experiment gewagt. Dabei ging ein Traum in Erfüllung: Ein gemeinsamer Auftritt mit einem Bluesmeister.

Dieser gemeinsame Auftritt mit Richard Koechli, den sie auf meinem Blog nachlesen können, verwirklichte ich mit Schlatt-Lee, der Band bei der ich Schlagzeug spiele.
Der Auftritt mit Richard Koechli fand in der Husky Lodge Muotathal statt. Der Bluesmeister und das Publikum waren hell begeistert. Ich wurde danach immer wieder mal darauf angesprochen, ob ich nicht wieder mal so etwas machen könnte.

Als ich dann Stiller Has und René letzten Freitag im Theater Duo Fischbach in Küssnacht live erlebte, fasste ich den Entschluss, „Schifer“ Schafer auch anzufragen, ob er Interesse hätte, im gleichen Rahmen ein gemeinsames Konzert mit uns zu geben. Dabei schwebt mir vor, dass wir den Abend in drei Teile verpacken, wie schon mit Koechli: Erst ein Set von Schlatt-Lee, dann ein Soloauftritt von René und als drittes Set ein gemeinsamer Auftritt.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie meine Email an den Ausnahmegitarristen René weiterleiten könnten. Oder sie teilen mir seine Email-Adresse mit, und ich nehme direkt mit ihm Kontakt auf.

Ich würde mich riesig freuen, René „Schifer“ Schafer im Muotathal begrüssen und präsentieren zu können. Denn ich bin ein grosser Fan von seiner Gitarrenkunst und ich darf ohne zu übertreiben behaupten, dass das für ihn, das Publikum und für mich ein unvergesslicher Abend in der Husky Lodge Muotathal werden würde.

Hier noch der Link zur Husky Lodge, wo René selbstverständlich übernachten dürfte:
Husky Lodge (Muotathal)

Mir schwebt vor, diesen gemeinsamen Event im Frühling 2015 durchzuführen.

Ich würde mich freuen, wenn ich positive Nachrichten von Ihnen oder von René „Schifer“ Schafer bekommen würde.

Herzliche Grüsse
Koni Schelbert

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In einer kurzen (automatischen) Antwort-Email kam sofort folgendes:

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Guten Tag

Vom 13.09.14 bis 28.09.14 bin ich urlaubshalber abwesend. Gerne beantworte ich die Anliegen ab dem 29.09.14 wieder. Ab und zu schau ich rein…

HerzliCHst & danke für Deine/Ihre Geduld!
Christoph Yogi Birchler, Röhrender Hirsch

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Darauf schrieb ich noch gleichentags Endo Anaconda mit einer Email an:

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Hallo Endo

Ich habe unten folgende Email an Christoph Yogi Birchler (Röhrender Hirsch) geschickt. Er ist leider ferienhalber abwesend.
In seiner Abwesenheitsnotiz tauchte deine Email-Adresse auf. Ich dachte mir, ich bin jetzt mal so frech, und spreche dich erstens mit Du an und zweitens stelle ich dir diese Email direkt zu. Meine Anfrage geht nämlich an René „Schifer“ Schafer, deinen Gitarristen. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du ihm meine Email weiterleiten könntest.

Herzliche Grüsse
Koni
P.S.: Ich war letzten Freitag mit drei Kollegen im Theater Duo Fischbach. Ein riesiges Kompliment zu eurem gelungenen Auftritt! Es hat uns sehr viel Spass und viele Lacher bereitet.

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Als Antwort kam am 22.9.2014, also einen Tag später:

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Lieber Koni

Ich habe dein Mail an Schifer weitergeleitet. – Danke und einen schönen Tag
Milena

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Röhrender Hirsch_fragezeichen
(Bildquelle: http://www.roehrenderhirsch.ch plus Fragezeichen von feldwaldwiesenblogger)

Dann kam leider nichts mehr. Wie gesagt, ein Nein ist ein Nein. Das würde ich sofort akzeptieren und verstehen. Nach einem Monat platzte mir der Kragen, und ich schrieb folgendes an den Röhrenden Hirsch und an die Email-Adresse von Endo:

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Guten Tag

Herzlichen Dank, dass das geklappt hat! Ich freue mich, dass René „Schifer“ Schafer mit uns am Samstag 21. März 2015 an einem gemeinsamen Auftritt im Muotathal in der huskylodge mitmacht.

Ich melde mich dann im neuen Jahr rechtzeitig, um die Details für den Auftritt zu klären. Mir schwebt vor, dass wir den Auftritt in drei Sets unterteilen:
1. Set Wir von Schlatt-Lee
2. Set René alleine, Soloauftritt
3. Set René und Schlatt-Lee gemeinsam

Im Muotathal freut man sich jetzt schon riesig auf den musikalischen Leckerbissen!

Musikalische Grüsse
Koni Schelbert

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Schifer Schafer_fragezeichen
(Bildquelle: de.wikipedia.org plus Fragezeichen von feldwaldwiesenblogger)

Zur Erinnerung: Richard Koechli, der Gewinner des Swiss Blues Awards, hat mir letztes Jahr auf eine einfache Frage auch eine einfache Antwort gegeben! Er ist eine grosse Nummer in der Bluesszene, nicht nur in der Schweiz.
René Schifer Schafer, Endo Anaconda und der Röhrende Hirsch schätze ich eine Stufe geringer ein als Koechli.

Koechli, der Bluesmeister, war sich nicht zu schade, mir zu antworten. Schifer Schafer und Co. haben es scheinbar aber nicht mehr nötig, NUR eine Antwort zu geben. MEHR erwarte ich auch nicht. Mit einem gemeinsamen Auftritt rechne ich bei so einer Anfrage sowieso überhaupt nicht. Darf ich auch nicht.
Es geht mir nur darum, dass man auch als kleiner Bürger und Blogger ernst genommen wird. Daher: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Nämlich möglicherweise eine Demonstration von vorhandener Arroganz und Ignoranz gegenüber dem kleinen Volk? Ich weiss es leider nicht…

Es tut mir leid, das schreiben zu müssen: Herr René Schifer Schafer, Endo Anaconda und Röhrender Hirsch haben bei mir einige Sympathie-Punkte verspielt.
Zum Glück gibt es noch so tolle Topmusiker wie Richard Koechli, die trotz Erfolg bescheiden geblieben sind.

Gehabt euch wohl!

feldwaldwiesenblogger

Sieben Fragen an Aldo Betschart (ds Gigers)

Mit Freude darf ich heute die sieben Fragen und sieben Antworten eines sehr guten Muotathaler Musikerkollegen in meinen Blog stellen: Aldo Betschart (ds Gigers) stand mir Rede und Antwort, und gibt mir und meinen Lesern einen Einblick in sein Leben, Wirken und Schaffen.

Über Aldo könnte ich jetzt vorgängig eine Menge schreiben und berichten. Ich lasse ihn aber lieber selber zu Wort kommen. Denn seine Antworten, welche er mir schriftlich in einer Email zukommen liess, sind nicht nur sehr interessant ausgefallen. Sie sind auch umfangreich und informativ. Man merkt, dass man es mit einem Menschen zu tun hat, der auch viel schreibt.

Zu meinen TERROR GEISS-Zeiten spielte Aldo bei der Muotathaler Metal Core- / Thrash Metal-Band VERWAINT. Zu dieser Band fand ich im Internet folgende Angaben:
Die Schweizer „Nature Core“ Gruppe Verwaint wurde 1988 in Muotathal von Aldo Betschart (Gitarre, Gesang), Iwan Heinzer (Bass), Erich Gwerder (Gitarre) und Roger Schelbert (Schlagzeug) gegründet. Der Gruppenname entstand beim Anblick eines einem in Seewen / SZ herumstehenden Verwo-Abfallcontainers… Die Gruppe genoss bis zur Auflösung einen äusserst guten Ruf und gilt heute als Vorreiter des Heavy Metal in Muotathal. Nicht etwa, dass Verwaint breitenwirksame Musik gemacht hätten, im Gegenteil! Aber dass im sagenumwobenen Muotathal knochenharter Metal Core und Thrash Metal komponiert und gespielt wurde liess aufhorchen und lenkte von Anfang an grosses Interesse auf die eigenwillige Band.
(Auszug aus http://mikiwiki.org/wiki/Verwaint)

Daneben spielten Aldo und ich in einem gemeinsamen Musikprojekt namens GONZ. Wir hatten einige intensive sowie lustige Proben, und schafften es immerhin zu zwei unvergesslichen Auftritten.

Danach verflüchtigte sich unser Kontakt leider etwas. Dieser wurde glücklicherweise dieses und letztes Jahr bei zwei gemeinsamen Reisen (Berlin und München) wieder ein wenig reaktiviert. Wir führten dabei auch interessante Diskussionen und ich erfuhr von seiner Familie, seinem Beruf, von seinem Buchprojekt und seiner Band DESPU PALLITON.

Aldo Betschart ist eine vielseitige Persönlichkeit, kennt viele Leute und ist auch ein offener und sehr kommunikativer Typ. Er wohnt zwar schon seit vielen Jahren nicht mehr im Muotathal, ist aber im Herzen einer geblieben. Das merkt man auch an seinem Dialekt, der immer noch so klingt, als würde er im Thal der Berge und Wildbäche wohnen.

Nun will ich nicht mehr länger werden, und lasse Aldo zu Wort kommen.

aldo_persönlich
(Bildquelle: aldo-betschart.ch, fotografiert von Roger Schelbert auf unserer gemeinsamen Reise in Berlin)

Frage 1:
Hast du manchmal Heimweh nach dem Muotathal? Kann man dich auch als Heimweh-Muotathaler bezeichnen?

„Nein, denn hätte ich Heimweh, würde ich am falschen Ort leben, was nicht der Fall ist. Gelegentliche Ausflüge ins Muotathal sind mir aber wichtig, um meine Eltern zu sehen, meine Schwester, den Göttibub und nicht zuletzt alte Freunde. Auch möchte ich, dass meine Kinder, die in Zürich aufwachsen, wissen, wo ihr Vater herkommt.“

Frage 2:
Wie lange lebst du schon in der Stadt Zürich? Wieso gerade Zürich?

„In Zürich lebe ich seit 2001. Folglich werde ich Ende Januar 2015 bereits 14 Jahre in Zürich wohnhaft sein.

Ich habe Zürich als Stadt schon immer gemocht und pflegte bereits während meiner Zeit im Thal verschiedene Kontakte mit Zürcherinnen und Zürchern, die ich z.B. bei Konzerten von VERWAINT ein erstes Mal getroffen hatte.
Nachdem ich 2001 in Zürich landete, ging vieles wie geschmiert: Ich fand interessante Jobs und lernte neue spannende Menschen kennen. Damals wie heute fühle ich mich die meiste Zeit wohl hier. Zürich ist überschaubar – nicht zu gross und nicht zu klein – und es herrscht alles in allem eine weltoffene Atmosphäre. Das kulturelle Angebot sucht seinesgleichen, diesbezüglich ist nicht einmal New York viel besser.

Nicht zuletzt hält mich meine Familie hier. In Zürich habe ich 2005 meine Frau kennen und lieben gelernt. Unsere Kinder, die ganz hierher zu gehören scheinen, sprechen heute ein sehr erheiterndes Züridüütsch…. Also: Was soll man dagegen tun? Ich werde wohl mindestens so lange in Zürich gestrandet bleiben, bis die Kinder nichts mehr von mir und ihrer Mutter wissen wollen 🙂 .“

Frage 3:
Was sind deine Hauptbeschäftigungen, sowohl beruflich wie auch in der Freizeit?

„Da gibt es einerseits meine Brotarbeit. Diese macht im Jahresdurchschnitt gut 40 Prozent aus. Im Augenblick arbeite ich abwechselnd für drei verschiedene Firmen. Zwei davon sind sogenannte ‚Eventagenturen‘, für die ich verschiedenste technische Auf- und Abbauten bestreite, wie etwa jüngst für das Zürich Film Festival. Dazu gehören festliche Grossanlässe genauso wie Konferenzen. Dritter Arbeitgeber ist ein grösseres Zürcher Theater, mit dem ich jeweils vor allem in den Monaten Juni/Juli für eine Sommer-Freilicht-Tournee unterwegs bin. Das alles tue ich als Aushilfe; einer Festanstellung wollte ich ab 2010 vorerst nicht länger nachgehen. Man könnte also sagen, ich betätige mich als Söldner.

Meine Freizeit wird zunächst einmal ganz klar von meiner Familie ausgefüllt. Meine Frau arbeitet 60 Prozent, das heisst, ich verbringe viel Zeit mit unseren Kindern Philon (geb. April 2009) und Jemina (geb. Mai 2012). Für die Kinder Zeit zu haben, das ist das Wichtigste, und ich betrachte es als ein besonderes Privileg, z.B. am Morgen mit meiner Familie den Tag beginnen zu können. Erst danach, in ausgesuchten Stunden, kommen meine anderen Leidenschaften vermehrt zum Zug: die Musik und das Schreiben.“

Frage 4:
Ich habe kürzlich deinen neuen Roman EWIG DIE DUMMEN gekauft. Gelesen habe ich ihn noch nicht, aber den Inhalt mit seinen stolzen 1114 Seiten bestaunt. Wie lange hast du an diesem Buch geschrieben? Und: Wie entstand dieser Roman? Kannst du kurz über den Werdegang von EWIG DIE DUMMEN berichten?

„Vom Beginn des Schreibens von EWIG DIE DUMMEN bis zur Fertigstellung des Buches hat es auf den Monat genau acht Jahre gedauert (2006 bis 2014). Das Schreiben selbst hat nur siebeneinhalb Jahre ausgemacht 🙂 .

Zum Werdegang des Buches kann ich ansatzweise äussern, was im Roman unter ‚Persönliche Bemerkungen‘ bereits geschrieben steht: Rückblickend war es eine gewaltige und nicht immer leichte Aufgabe. Ich hatte von Anfang an einen facettenreichen Kriminalroman im Sinn, der auch ohne permanente Schiessereien und dergleichen fesselnd sein würde. Ich bin kein eifriger Leser von Kriminalromanen; allzu oft steht die Effekthascherei im Vordergrund und die Gedankenwelt der Protagonisten wird mehr oder weniger ausgeklammert. Das wollte ich anders machen, ein bisschen wie bei einem guten Theaterstück, wo auch die Psyche des Menschen sichtbar, mit Liebe zum Detail, beleuchtet wird.

Was den Handlungsstrang meines neuen Romans betrifft, so hatte ich anfangs einfach nur eine gute, zündende Idee, ein originelles Thema, das sich meiner Meinung nach für einen Kriminalroman ideal verarbeiten liess.
Am Anfang standen Recherchen, die ich auch vor Ort in New York betrieb. Später, tief im Schreibprozess, kamen andere Faktoren hinzu. Meine Protagonisten entwickelten manchmal so etwas wie ein Eigenleben, was geradezu magisch war und der Geschichte eine neue, wegweisende Richtung gab. Schlussendlich habe ich alle Zeit (und allen Nerv) darauf verwendet, die zur Fertigstellung nötig gewesen ist; und ich weiss jetzt mehr denn je, es hat sich gelohnt.“

Frage 5:
Was für Projekte beschäftigen dich zurzeit? Ist gar ein weiteres Buch geplant?

„Was die Romanliteratur anbelangt, gönne ich mir momentan eine verdiente Pause. EWIG DIE DUMMEN ist gerade erst fertig geworden, und nun überlege ich, wie ich das Buch an die Leserinnen und Leser bringen könnte. Das war acht Jahre lang kein Thema, ist jetzt aber eines geworden. Ganz vom Schreiben befreit bin ich denn doch nicht; die Ausnahme bilden momentan die Liedtexte, die ich für DESPU PALLITON, meine Band, schreibe.“

despu palliton
DESPU PALLITON live
(Bildquelle: Aldo Betschart)

Frage 6:
Du bist neben deinem schriftstellerischen Wirken auch ein begnadeter Rockmusiker. Mit deiner Band DESPU PALLITON lebst du deine Freude zur Musik aus. Kannst du in wenigen Sätzen berichten, was bei euch gerade abgeht und ansteht?

„Was DESPU PALLITON angeht, so steht die Produktion des neuen Albums auf dem Plan. Das Album ist fertig aufgenommen, gemischt und gemastert…. Es ist schon lange überfällig. In Kürze geht es endlich in Produktion, und die Band freut sich schon sehr darauf.“

verwaint muotathal
VERWAINT im Probelokal ‚im Bödäli hindä‘
(Bildquelle: Aldo Betschart)

Frage 7:
Wann und wie kam es damals zur Gründung der legendären Muotathaler „Natur Core“-Band VERWAINT? Inwiefern war diese Band für dein weiteres musikalisches Schaffen wegweisend?

„VERWAINT wurde im Sommer 1988 gegründet, nachdem wir (Tönis Röschul, Bäschuls Erich, Hänis Iwan und ich, Gigers Aldo) die gesamten Sommerferien darauf verwendet hatten, uns ‚im Bödäli hindä‘ ein eigenes Probelokal auszubauen und einzurichten. Die Gründung war für uns … man könnte fast sagen: etwas Heiliges.
VERWAINT war anfangs eine Gruppe von vier langhaarigen Heranwachsenden, die auf einer völlig anderen Bühne tanzten als der Rest der Thalbevölkerung. Wir waren blutjunge, eingefleischte Musikfans, und hatten nur die harte Musik im Kopf. Jene nämlich, die damals noch absolut ‚Underground‘ war. Zum Beispiel kaufte ich mir Slayers ‚Reign In Blood‘ 1986 während unserer Schulreise, im Zürcher Hauptbahnhof, und ich sehe noch heute das Gesicht unseres Lehrers, als er auf mein Bitten ‚Angel Of Death‘ ins Deutsche zu übersetzen versuchte.
Für Roger, Iwan, Erich und mich waren es unglaublich aufregende Zeiten; denn zweifellos war damals eine musikalische Revolution im Gang, ‚Speed Metal‘ und ‚Thrash Metal‘ genannt, die wir mit Herzblut vom Thal aus mitverfolgten. Wir liebten Bands wie Slayer, Venom, Carnivore, Nuclear Assault, Metallica, Kreator, Voivod etc. etc. Diese neue, hammerharte, originelle Musik war uns eine regelrechte Zuflucht und schweisste uns sehr zusammen.

Eines Tages, das war 1987, genügte es uns nicht länger zuzuhören, und so beschafften sich diejenigen von uns, die noch nicht mit einem Musikinstrument ausgestattet waren, alles nötige, damit wir zu viert ordentlich Lärm machen konnten. Wir waren extrem ambitioniert und wollten ebenfalls Thrash Metal spielen. Also bespielten wir bald täglich stundenlang unsere Instrumente. Der Zusammenhalt in der Band war unglaublich stark. Wir spielten allabendlich zusammen, gingen zusammen aus und teilten uns gegenseitig unsere Wünsche und Sorgen mit. Als wir für die ersten eigenen Konzerte das Thal verliessen, das war 1990, waren wir einfach nur stolz und glücklich. Vor fremdem Publikum zu spielen, war ein wunderbarer neuer Aspekt. Das hatten wir selbst geschafft, den Vorurteilen zum Trotz, die uns hin und wieder im Thal zuteil wurden.

Die Zeit mit VERWAINT hat zu einem gewissen Grad mein Selbstbewusstsein als Musiker gestärkt. Dank VERWAINT habe ich Freundschaften schliessen können, welche mein Leben oder zumindest manche meiner Lebensansichten verändert haben. Vor allem haben diese elf Jahre mit VERWAINT eine Wertschätzung gelehrt, die ich auch heute meinen Bandkollegen entgegenbringe. Schliesslich geht es darum, zusammen Spass zu haben! Miteinander ist man pure Energie, allein geht in der Rockmusik gar nichts – ganz anders als beim Schreiben.“

Aldo schrieb zum Schluss seiner Antworten „Vielen Dank für deine Fragen, Koni. Mit herzlichem Wink ins Thal – Aldo“. Dem kann ich mir nur anschliessen. Mit dem Unterschied, dass mein Dank und Wink nach Zürich geht. Vielen herzlichen Dank, Aldo, für dein Mitmachen, deine wunderbaren Antworten und die schönen Fotos!

feldwaldwiesenblogger

„Bim Waldbrünneli“ hat bald Premiere – Ein Besuch beim Muotathaler Theater

Vergangenen Mittwochabend durfte ich die Probe des Muotathaler Theaters besuchen. Zu dieser Ehre kam ich, weil mich Regisseur Daniel Heinzer nach dem Interview von letzter Woche einlud.

Mit Notizblock, Fotoapparat und iPhone ausgerüstet betrat ich eine halbe Stunde vor dem Beginn der Probe das gemütliche Theaterstübli, welches sich gleich hinter der Bühne befindet.
Dort traf ich auf Daniel und seine Regieassistentin Nathalie Zwyssig, mit welchen ich ein kurzes Gespräch führte.

regie
Regisseur Daniel Heinzer und Regieassistentin Nathalie Zwyssig (Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Beim Gespräch sprach ich mit Fragen verschiedene Punkte an. Ich fragte zum Einstieg, ob das diesjährige Theaterstück lustiger sei als das letztjährige.
„Das ist im jetzigen Moment schwierig zu sagen. Wir haben nun alle Witze etwa zwanzigmal gehört, und fragen uns manchmal ob diese oder jene Szene wirklich lustig ist. Die Probeaufführung von kommenden Mittwoch gibt uns da sicher Hinweise. Wir haben aber das Gefühl, dass es lustig ist, sonst hätten wir dieses Stück nicht ausgewählt.“

Versucht der Regisseur, das Stück jeweils in ähnliche Bahnen zu lenken wie in anderen Jahren, sprich: eine ähnliche Ausgewogenheit zwischen Lustigem und Ernstem?
Ja. Die Theaterstücke, welche wir aussuchen sind aber schon so gegeben. Volksstücke sind eigentlich eher ernst und mit einem ebensolchen Hintergrund. Die Figuren im Stück sind witzig, die Sprüche sind lustig. Es ist eigentlich immer etwa die gleiche Richtung, und es ist auch das, was wir anstreben. Das ist unsere Linie, und unser Publikum will das sehen. Wir geben uns Mühe, lustige Szenen und witzige Lieder einzubauen.“

Habt ihr auch schon Experimente gewagt? Oder versucht, etwas Neues auszuprobieren?
„So viel ich mich erinnere, hatten wir einmal ein Lustspiel. Da gab es viele Leute, die hinterher sagten, wie viel sie dabei lachen konnten. Andere Leute behaupteten aber auch, dass das Stück gar keinen Sinn hatte. Wir haben uns auch schon die Frage gestellt: Was wollen wir machen?
Aber: Alle Theater in unserer Nähe bringen Lustspiele. Wir versuchen eigentlich bewusst diese Lücke mit ernsten Volksstücken in dem sogenannten hiesigen Theatermarkt auszufüllen.“

Wie ist das mit dem Dialekt: Wird dem Theaterstück eine Extraportion „Dialekt“ aufgesetzt? Müssen die Spieler extremer „muotathalern“, als sie es sonst täten?
„Da das diesjährige Volksstück vom Luzerner Josef Brun verfasst wurde, haben wir es erst in den Muotathaler Dialekt umgeschrieben. Dann sitzen wir zu fünft an einen Tisch und diskutieren, wie das oder jenes in urtümlichem Muotathaler Dialekt ausgesprochen würde.
Wir stellen schon fest, dass die Jungen ein bisschen weniger stark „muotathalern“, wenn sie beispielsweise in Schwyz arbeiten. Sobald sie aber auf der Bühne stehen, klingen sie wieder wie echte Muotathaler.
Da bestehen nur feine Nuancen, welche Aussenstehende eigentlich gar nicht bemerken.
Wir suchen aber nicht Worte, welche nicht mehr verwendet werden. Ausgegraben werden also keine alten Wörter, die nur noch einige wenige Muotathaler kennen würden. Es kommen aber natürlich typische Wörter oder Redensarten vor, wie das „Dach“, mit welchem ein Regenschirm gemeint ist. Oder auch: „Ich ga gu gingglä“. Da meinen eventuell Nicht-Muotathaler, das nun etwas Unsittliches kommen könnte. Dabei meint diese Redensart nichts anderes, als „ich gehe nun etwas (Billiges) einkaufen“.

Ihr haltet euer Konzept mit einem Stück, das in der Vergangenheit spielt, aufrecht? Damit verbunden ist ja auch die Einkleidung, die bei den Spielern einen etwas „kurligen“ und eine Art „heile Welt“-Eindruck hinterlässt. Wird das bewusst so gemacht?
„Ja. Das ist sicher auch ein Teil des Erfolges, welcher das Muotathaler Theater ausmacht. Die alten Kleider und Utensilien „heimeln“ die Zuschauer an. Das praktizieren die Theater in unserer Gegend nicht mehr so. Deshalb machen wir das und bleiben dabei.
Unsere Theaterstücke spielen in der Vergangenheit. Wir legen aber nicht eine genaue Zeitepoche fest. Deshalb kann es auch sein, dass nicht alle Details haargenau übereinstimmen. Wichtig ist, dass der Gesamteindruck stimmt.“

Die Volksmusik (Singen, Juuzen, Örgeli spielen) gehört zum Muotathaler Theater wie das Amen in der Kirche. War das schon immer so?
„Das ist schon sehr lange so. Wie lange genau, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Schon zu Zeiten, als mein Vater noch spielte (Nathalies Vater Adolf Hediger), wurde gesungen. Der Gesang wurde früher auch in den Theatern in unserer Gegend gepflegt, heute praktisch nicht mehr. Wir halten bewusst am Gesang fest. Unsere Zuschauer lieben und mögen das.“

Bekommt ihr viel Fanpost?
„Sehr selten. Es gibt pro Jahr etwa ein bis zwei Dankesbriefe. Vor allem von älteren Zuschauern, welche das erste Mal bei uns waren. Sie drücken darin aus, dass sie einen wunderschönen Abend oder Nachmittag bei uns verbringen durften, und sind dafür dankbar.“

Gab’s auch schon negative Rückmeldungen?
„Wegen dem Stück selber gibt es eigentlich nie negative Rückmeldungen. Es gibt vereinzelte mündliche Rückmeldungen, was man eventuell besser gemacht hätte. Zum Beispiel, wie man nächstes Jahr besser zu Billetten kommen könnte.
Letztes Jahr schrieb ein Zuschauer in einem Brief, dass er nach dem ersten oder zweiten Akt nach Hause ging, weil es im Zuschauerraum so stark gezogen hatte. Uns erstaunte das sehr, da nach dem Umbau des Theaters vieles neu gemacht wurde. Es gab bisher noch keine Zuschauer, welche diesbezüglich ein negatives Feedback loswerden wollten. Wir gehen davon aus, dass das ein sehr empfindlicher Mensch ist…“

Letztes Jahr musste ich beim Besuch des Theaters schmunzeln: Auf der Bühne wurde geraucht. Wurdet ihr darauf auch schon angesprochen? Ich nehme ja im Übrigen an, dass in der Josefshalle Rauchverbot ist, oder?
„Es wurde dann und wann schon auf der Bühne geraucht. Ein Zuschauer störte das mal sehr. Er meinte, man hätte den Rauch noch zu hinderst gerochen.
Wir sind der Meinung, wenn es die Situation erfordert, dann wird auf der Bühne geraucht. Wir essen und trinken auf der Bühne ja auch richtig. Darum wird auch richtig geraucht. Wir wollen da nichts simulieren, was nicht echt ist. Es muss so sein.“

Welche letzten Details seid ihr noch am Ausfeilen?
„Der Text und die Bewegungen sitzen eigentlich. Was uns bei der Probe am Montag aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass noch ein wenig die Authentizität fehlt. Zwei Beispiele: Ein Spieler läuft einen Weg, weil er ihn laut Drehbuch machen muss. Er soll aber nicht den Grund abwarten. Oder er erschrickt, bevor er tatsächlich von seinem Gegenüber erschreckt wird. Es sind im Grossen und Ganzen Timing-Sachen, an welchen wir noch arbeiten.“

Sind die angesprochene Hintergrundmusik und die Beleuchtung, welche Daniel kürzlich in meinen „Sieben Fragen an…“ erwähnte, nun auch parat?
„Diese Dinge sind nun parat. Auch da sind wir noch am Feilen des Timings.“

Der Vorverkauf beginnt nur eine Woche vor der Premiere. Wieso eigentlich so spät? Ist das nicht ein wenig knapp?
„Dies ist immer wieder mal ein Thema. Du sagst, das sei ein wenig spät. Bedenke aber: Man bestellt die Billette etwa Mitte Oktober. Die letzte Aufführung ist aber erst am 7. Dezember. Man muss sich dessen bewusst sein. Zudem: Wenn der Zeitraum länger wäre, würden wir vor der Premiere andauernd Anrufe erhalten von Leuten, welche noch gerne ein Billett hätten. Diese eine Woche hat sich eigentlich schon länger bewährt. Aber: Es erstaunt auch nicht, dass am Premierensamstag jeweils am ehesten nach einem ersten Ansturm noch Plätze frei sind. Denn nur eine Woche nach dem Start des Vorverkaufes geht es vielen Leuten nicht gleich sofort.“

Was wünscht sich der Regisseur vor der Premiere?
„Gesunde Spieler, und dass sie keinen Unfall erleiden. Wenn alle gesund sind, kann man alles machen. Das ist von jetzt bis zur Premiere eigentlich das wichtigste.“

Was wünschen sich die Spieler vor der Premiere?
Es antworten der Regisseur und die Assistentin, welche beide auch bei mehreren Aufführungen selber mitspielten. Sie meinen: „Wir wünschen ihnen viel Lampenfieber, damit sie fokussiert sind. Es ist wie beim Sport: Wenn du studieren musst, bist du zu spät.“
Nathalie erklärt weiter: „Ich hatte auch Lampenfieber vor der Premiere. Dies war dann der Moment, wo ich mir sagte: Ich spiele nie mehr. Am Tag darauf hat sich das aber schon wieder verflüchtigt. Und man denkt schon wieder an die nächste Theaterzeit. Am schlimmsten ist es beim ersten Mal. Dann legt sich das.“

Nach und nach trafen die Akteure während dem Gespräch ein. Sie stürzten sich in ihre Bühnenkluft, und nahmen dann auch im Stübli Platz.
Kurz vor dem Beginn der Probe, um halb acht Uhr, wurde jedem Anwesenden ein Gläschen Chrüter gereicht. Auch mir. Wir stiessen an, und prosteten uns zu.
Wie mir Nathalie erklärte, ist das Einnehmen des Chrüters am „Halbi“ (am Abend um halb acht, am Nachmittag um halb zwei Uhr) eine liebgewordene Tradition geworden. Mehr noch: Es ist gewissermassen ein Ritual.

vorhang auf
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Dann ging es los, und ich begleitete nach ein paar Schnappschüssen direkt vor der Bühne den Regisseur und die Assistentin hinauf zum Balkon mit den Sitzplätzen.
Die Erklärung der beiden ist so simpel wie auch einleuchtend: Das sei deshalb, dass die Akteure schön hinauf schauen, und nicht mehr in die vorderen Reihen herunter, wo sie zu Beginn der Proben sassen.

Nun begann das Stück. Man merkte, dass es langsam aber sicher Richtung Premiere geht. Die Regie musste nur noch punktuell einschreiten und unterbrechen. Da ging es noch um Betonungen, die korrekte Haltung, Laufwege auf der Bühne, die Lautstärke (sowohl der Spieler wie auch der Hintergrundmusik) und das richtige Timing. Also das Anbringen von Gesprochenem, Gestikulation oder Gegenständen am richtigen Moment, aber auch Ort.

Oder Daniel verlangte von seinen Leuten, dass sie in gewissen Szenen mehr Emotionen zeigen sollen. Es wurde noch an letzten Details geschliffen, sozusagen die Abläufe noch verfeinert.

Daniel und Nathalie spendeten aber auch spontanen Applaus, wenn sie eine Szene besonders hervorragend gespielt sahen. Das motiviert die Spieler, und das spürt man auch.
Überhaupt: Ich hatte das Gefühl, dass die gesamte Theatercrew, angefangen vom Helfer bis hin zum Regisseur, untereinander eine hervorragende Stimmung hat. In der grossen Pause nach zwei Akten gab es eine halbe Stunde Pause. Man sass zusammen, ass und trank etwas. Dazu spielten zwei Anwesende auf ihren Schwyzerörgeli und entlockten ihnen schöne „Tänzli“. Die Atmosphäre war gemütlich und verlockte einen zum Verweilen. Was ich denn auch tat.

gesamtbild mit jägern
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Beim diesjährigen Theaterstück wird man Aussagen wie „Wenn Säue das Pulver riechen“ oder „Fuchs und Luchs sich nur durch einen Buchstaben unterscheiden“ vernehmen. Weiter erfreuten mich Sprüche wie „Ds Trini isch nüger frini“, und „das gid Arräscht, abr zerscht machid miär nu äs Fäscht“. Ich musste einige Male spontan loslachen. Der Muotathaler Dialekt und die kernigen Sprüche kommen auch dieses Jahr wie gewohnt nicht zu kurz.

Irgendwann im Stück heisst es: „Sensation für die Zeitung, aber die wird nicht verraten“. Deshalb werde ich hier nicht mehr Details zum Theaterstück bringen, respektive verraten. Die Zuschauer sollen live am Geschehen teilhaben können, und nicht vorher schon von mir alles vorgesetzt bekommen. Die Spannung soll hochgehalten werden. Denn es wird wieder sehr viel geboten: Vom Schiessen einer Sau, über eine Liebelei, einem handfesten Familienstreit bis hin von Fünflingen einer Katze. Oder sind es Drillinge? Egal. Die gespielte Jagdszene lässt eh kein Auge trocken, und der urchige Gesang sowie die schön eingesetzte Hintergrundmusik rundet das ganze wunderbar ab.

Bis zur Premiere bleibt noch etwas Zeit, und es wird, wie ich erfahren durfte, nur noch an Details gearbeitet. Für die Spieler wird es kommenden Mittwoch aber schon ernst: Es ist eine Probeaufführung angesetzt, bei welcher Zuschauer anwesend sein werden. So können die Akteure das Gefühl von Lampenfieber schon vor der eigentlichen Premiere erleben. Diese Probeaufführung gibt es bereits zum vierten Mal, und ist besonders für die Neuen gedacht. Damit sie das angesprochene Lampenfieber erleben können.

Ich habe den Abend beim Theater Muotathal sehr genossen. Ich bedanke mich herzlich für die bereitwillige Auskunft von Daniel und Nathalie. Bedanken möchte ich mich aber auch dafür, dass ich einen Einblick in die Probe und das neue Stück erhielt, und so nun meine lieben Leser daran teilhaben lassen kann.

Nun bleibt mir nur noch das Toi, Toi, Toi und dreimal über die Schulter gespuckt an die Muotathaler Theatercrew. Dass man dies so macht, habe ich im Blog des Theaters Heilbronn gelesen. Zudem wünscht man auch Hals- und Beinbruch. Aber keinen Unfall!

feldwaldwiesenblogger

Die Geschichte der Muotathaler Volksmusik

Im Rahmen meines Projektes „Muotathaler Volksmusik“ habe ich mich in den letzten Tagen mit der Geschichte beschäftigt. Dazu wurde mir von Peter Betschart (Verein Giigäbank, Muotathal) einiges an Lesematerial ausgehändigt. Zudem hat er mir auf die im Blogbeitrag vom 4. Oktober erwähnten Fragen interessante und aufschlussreiche Antworten liefern können.

Der Beginn des Textes für das Schwyzer Heft startet denn auch mit der Geschichte, dem Kapitel 1.
Über die Geschichte der Muotathaler Volksmusik ist laut Betschart konkret wenig bekannt. Fotos oder andere Belege sind leider eine Rarität. Wie er mir berichtete, weiss man mehr ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Hier öffne ich eine Klammer für die Ursprünge der Volksmusik in unserer Gegend im Allgemeinen. Rico Peter schreibt in seinem Buch „Ländler Musik“: „Die ersten Musikanten, die wir aus der Innerschweiz kennen, waren Trommler und Pfeifer, Schalmei- und Hackbrettspieler.“ Weiter erwähnt Peter in seinem Buch den Chronisten Diebold Schilling, welcher in seiner Chronik ein Farbbild eines Fasnachtstanzes vom Jahre 1509 abbildet. Darauf erkennt man auf einer Bühne zwei Musikanten: Einen Pfeifer und einen Hackbrettspieler. Zu der Musik der beiden wird im Paartanz das Tanzbein geschwungen.

Diebold Schilling-Bild
(Bildquelle: Aus dem Buch „Ländler Musik“ von Rico Peter)

In einer Zirk-Ausgabe (Der «Muotathaler Zirk» ist das Publikationsorgan des Vereins Zukunft Muotathal und erscheint vierteljährlich) schreibt Peter Betschart: „Im Muotatal wird um 1608 von einer öffentlichen Tanzdiele gesprochen und immer wieder ist das Thema auch Gegenstand von Ratsprotokollen. (…) Im November 1791 wurde ein gewisser Anton Gwerder von Muotathal vor den Rat in Schwyz zitiert, weil er zu verbotener Zeit getanzt und auch andere dazu aufgemuntert hatte und im Januar 1797 wurde das Tanzen, vor allem das Walzern, nach dem Betglockenläuten bei zwei Dublonen Busse verboten (nach Dettling).“

Im Kapitel „Der Name – Wieso Ländlermusik?“ schreibt Peter: „In der schweizerischen Folklore nimmt die Ländlermusik eine führende Stellung ein. Ihr Ursprung liegt, wie der Name es aussagt, in den ‚Ländern‘ oder Urkantonen. (…) Im engen Sinne ist der Ländler ein Tanz im 3/4-Takt, und die Bezeichnung ‚Ländler‘ stammt wohl aus dem österreichischen Gebiet, aus dem Landl, der Gegend südlich von Linz ob der Enns. Der von dort auch in die Schweiz eingewanderte Tanz ist bei uns nach schweizerischer Art verändert worden.“

In einem anderen Buch, „Volksmusik der Schweiz“, steht zu Beginn: „Volksmusik und Geschichte stehen in enger Beziehung zueinander.“ Weiter ist zu entnehmen, dass nach Diebold Schilling ein anderer Luzerner Chronist, Renward Cysat, Zeugnis über die Anfänge der Volksmusik ablegt. Er berichtet 1565 vom Betruf der Sennen. Zudem weiss das Buch zu berichten: “ (…) zur Volksmusik, die im Wesentlichen eine Musik mündlicher Überlieferung ist, gehört die Wandlungsfähigkeit.“

Autor Dieter Ringli schreibt in seinem Buch „Schweizer Volksmusik – Von den Anfängen um 1800 bis zur Gegenwart“ vom Mythos, der Idee der Schweizer Volksmusik. Auch wenn sich laut Ringli dieser Mythos als falsch erweist, so schwinge eben immer noch die romantische Auffassung des unverdorbenen Älplers in der Schweizer Volksmusik mit. Dabei sind die Bergbauern heutzutage nur noch eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung. Weiter liest man im Buch: „Die Idealisierung des Alten, Ursprünglichen steht – und stand stets – im Widerspruch zur Ästhetik der Zeit.“
Diese Idealisierung des Alten und Ursprünglichen, und auch die hartnäckige Erhaltung gehört auch zur Eigenart der Muotathaler Volksmusik. Dazu gibt es dann mehr bei den alten Formationen und Musikanten sowie deren Charakteristik.

unspunnenfest 1808
(Bildquelle: Aus dem Buch „Volksmusik in der Schweiz“, herausgegeben von der Gesellschaft für die Volksmusik der Schweiz)

Laut dem oben erwähnten Buch „Volksmusik der Schweiz“ werden die historischen Zeugnisse schweizerischer Volksmusik im 18. und 19. Jahrhundert zahlreicher. Als Initialzündung für die Schweizer Volksmusik der Neuzeit gilt das Unspunnenfest 1808. Nebst den sportlichen Wettkämpfen des Volkes und der Älpler wollte man auch die Alpenmusik wieder erwecken.
Ab 1850 gab es auch Wettkämpfe auf dem Stoos. Weiter ist bekannt, dass dort ab 1860 auch das Juuzen und das Büchel-/Alphornblasen Einzug hielt.

Die Klammer über die Historie der Volksmusik wird hier geschlossen. Ab hier konzentriere ich mich auf die Anfänge der Volksmusik im Muotathal.

Wie mir Betschart auf Anfrage bestätigte, mache ich bei denen von mir vorgeschlagenen Personen (siehe Blogbeitrag vom 4. Oktober) Kurzinterviews, um mehr über die Anfänge der Volksmusik in unserem Tal zu erfahren.
Einen Musikanten habe ich bei meiner Auflistung leider vergessen: Kari Suter. „Ds Länzä Kari“, wie er im Muotathal genannt wird, ist ein bekannter Volksmusikant und vermutlich von der Blasmusik zur Ländlermusik gekommen. Dazu möchte ich ihn eingehend befragen. Weiter aber auch zu den Blasmusiken im Allgemeinen, welche die musikalisch begabten Bergler förderten. Wann die Gründung der Feldmusik Muotathal erfolgte, welche Suter viele Jahre dirigierte, wird auch eine Frage sein.

Verschiedene Instrumente gehören zur Geschichte der Muotathaler Volksmusik. Weiter darf man das Juuzen, Bücheln und Alphornblasen ebenso wenig vergessen wie das „Geisslä chlepfen“ und das „Chlefelen“. Dazu gehören auch das „Trümpi“ und die „Maulorgel“. Zu dem Instrumenten-Thema beabsichtige ich ebenfalls Interviews zu führen.

Weiter erklärte mir Peter Betschart, dass es anfangs des 20. Jahrhunderts auch ein halbes Dutzend Geigenspieler im Muotathal gab. Bekannt seien ihm vor allem „ds Predigers Josep“, „ds Bertholdä Seffi“ und „ds Bächelers Toni“. Zu diesem Instrument und seinen Spielern werde ich ebenfalls Befragungen anstellen.

Bekannt ist, dass um 1900 die ersten Schwyzer Orgeln ins Tal kamen. Die ersten Spieler waren der „Eggbasch“ und der „Lisäbethler“. Wie mir Betschart berichtete machte Letzterer sogar Plattenaufnahmen mit seiner Stöpselbassorgel.

Das Kapitel 1, „die Geschichte der Muotathaler Volksmusik“, habe ich nun angedacht. Einige Recherchearbeit, wie das Führen der erwähnten Interviews, wartet zu diesem Thema noch auf mich.
Mit dem ersten ist aber auch das zweite Kapitel, „Alte und aktuelle Formationen sowie Musikanten“, eng verbunden. Ich freue mich auf die weitere Arbeit, und werde euch, liebe Leser, auf dem Laufenden halten.

feldwaldwiesenblogger

Sieben Fragen an den Regisseur des Muotathaler Theaters

In einer weiteren Reihe mit „Sieben Fragen an“ beglückte ich Daniel Heinzer, den Regisseur des Muotathaler Theaters.
Kaum hatte ich seine Antworten in meinem Compi durchgelesen, erschien diese Woche ein Bote der Urschweiz-Beitrag:

theater muotathal_bote
(Quelle: Bote der Urschweiz)

Wie im Beitrag von Journalistin Andrea Schelbert geht es in meinen Fragen auch um die vielen neuen Gesichter des diesjährigen Theaters.

Zudem hatten Heinzer und sein Team angeblich ein „Horror-Erlebnis“ zu bewältigen. Solche Dinge gehören aber wohl dazu. Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne (oder so ähnlich)…

Die ganze Sache ist aber nun auf Kurs, und die Probenarbeit ist in vollem Gange. Auf folgendem YouTube-Video bekommen wir einen Einblick ins momentane Geschehen, und dürfen auch eine Standpauke des Regisseurs miterleben.


(Quelle: Youtube.com)

Es darf also auch laut geschmust werden. Man darf gespannt sein, was uns in Bälde im schönen Theater der St. Josefshalle erwarten wird. Premiere ist morgen Samstag in zwei Wochen, also am 25. Oktober.
Nun aber Vorhang auf zu den „Sieben Fragen“ von mir, und den „Sieben Antworten“ von Daniel Heinzer.

daniel heinzer
(Bildquelle: http://www.theater-muotathal.ch)

Frage 1:
Wie verlaufen die Proben? Seid ihr schon fast aufführungsreif?

„Die Proben verlaufen gut. Bei den meisten Sachen sind wir im Fahrplan. Zwei, drei Baustellen gibt es noch, aufführungsreif sind wir aber noch nicht. Wir brauchen die verbleibenden Proben schon noch.
Ab der Woche 42 (Montag, 13. Oktober) werden an jedem Abend alle Akte gespielt. Ich erwarte dann noch einmal einen grossen Sprung vorwärts.“

Frage 2:
Laut Programm habt ihr fürs neue Stück „Bim Waldbrünneli“ relativ viele neue Schauspieler rekrutieren müssen. Wieso eigentlich?

„Zum einen spielen Karin Gwerder, Franz Betschart, Marie-Louise Kistler, Martin Steiner, Luzia Betschart und Daniel Büeler nicht mehr mit. Zum anderen braucht es mehr Spieler als letztes Jahr.“

Frage 3:
Besteht bei so vielen neuen Gesichtern nicht die Gefahr, dass die Qualität ein wenig darunter leiden könnte?

„Ich hoffe nicht. Es ist sicher so dass neue Spieler/innen am Anfang verhaltener spielen. Sie getrauen sich noch nicht, aus sich herauszukommen.
Wir versuchen in den Proben, den neuen Spielern Momente und Situationen zu geben, damit sie solche Erlebnisse vor der Premiere haben. Danach treten die Spieler meist viel gelassener auf.“

Frage 4:
Wie bereitest du als Regisseur deine Akteure auf ein neues Stück vor? Und: Ist Lampenfieber bei euch eigentlich ein Thema?

„Die Vorbereitung mit den Spielern beginnt im Juni. Dort haben wir vier Leseproben. Hier erzählt der Regisseur, wie er sich die einzelnen Figuren vorstellt. Danach wird das Stück durchgesprochen. Dabei wird die
Mundart bereinigt und diverse Passagen, welche beim Aussprechen einen Knopf in der Zunge verursachen, beseitigt.

Anschliessend lernen die Spieler das Stück auswendig, bis in der dritten Woche im August die Proben auf der Bühne beginnen. Zuerst Stellproben, danach die Wege. Eine spezielle Vorbereitung gibt es bei uns nicht.
Da wir ein eigenes Theater besitzen, können wir ab der ersten Probe auf die Bühne, was gerade den neuen Spielern sehr hilft.

Ich persönlich finde Lampenfieber als sehr wichtig, und sollte immer vorhanden sein. Wenn das Lampenfieber beginnt, werden die Dinge um einen herum ausgeblendet. Es beginnt eine Fokussierung auf das wesentliche, und man ist hoch konzentriert.

Bei der grossen Anzahl von Aufführungen geht das Lampenfieber allmählich zurück. Damit geht auch die Konzentration etwas verloren, und schon passiert auf der Bühne etwas. Jemand kommt beim Text ins Stottern, oder ein anderer hat beispielsweise eine Requisite nicht dabei. Dann bin ich als Regisseur wieder gefragt, um die Spieler wieder etwas zu ermahnen.“

theater_bild
(Bildquelle: http://www.theater-muotathal.ch)

Frage 5:
Gibt es gegen Ende der 28 Aufführungen nicht jeweils Ermüdungserscheinungen? Musst du dann die Schauspieler motivieren?

„Die Spieler sind sicher nicht bei jeder Aufführung gleich motiviert. Gerade an einem Sonntag im Herbst, wenn draussen die Sonne scheint, zieht es einem nicht gerade in die Theaterhalle. Wir versuchen dem vorzubeugen, und schauen, dass wir eine gute Stimmung haben. Aber spätestens wenn die Spieler wieder auf der Bühne sind, braucht es keine Motivation mehr.“

Frage 6:
Was wäre, wenn ein Schauspieler sich eine Grippe einfängt und keine Stimme mehr hätte?

„Eine Grippe kann man für drei Stunden mit Arznei, Tee und Lampenfieber ausblenden. Schlimmer wird es dann bei grösseren Sachen. Daran möchte ich gar nicht denken.
Wir haben keine Doppelbesetzungen. Generell ist es so: Solange man laufen kann, und verständliche Töne von sich gibt, wird gespielt. Bei Heiserkeit wird dann halt das Lied nicht gesungen. Wir sind bis jetzt davor verschont geblieben und hoffen, dass es auch so bleibt.“

Frage 7:
Welche wichtigen Dinge stehen für dich und deine Schauspieler noch an vor der Premiere?

„Wie am Anfang erwähnt, sind wir im grossen und ganzen auf Kurs. Was noch ansteht ist die Hintergrundmusik und die Beleuchtung.
Wenn dann alles steht, muss das Ganze noch ‚rund‘ werden. Ich meine damit die Proben, in welchen der Regisseur nicht mehr dauernd drein redet und die Spieler unbeschwert auftreten können.“

Aha, so sieht das also aus beim Theater Muotathal. Wie es in so vielen Situationen im Leben ist, beginnt man zwar rechtzeitig mit einem Projekt oder Vorhaben. Richtig zur Reife und zum Endprodukt getrimmt wird es aber in den meisten Fällen erst gegen Schluss.
Ich meine aber, dass das absolut normal ist. Denn viele Menschen arbeiten unter leichtem Druck und bei bevorstehendem Lampenfieber, wie beim Theater Muotathal ebenfalls, am besten. Und so zweifle ich keine Minute daran, dass auch das diesjährige Theaterstück wieder zu einem absoluten Publikumshit wird.

Ich bedanke mich bei Daniel Heinzer für seine ehrlichen, offenen und interessanten Antworten. Zudem wünsche ich ihm und seinen Akteuren ToiToiToi und 28 gelungene Vorstellungen! Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf, im November das Theater „Bim Waldbrünneli“ besuchen zu dürfen.

feldwaldwiesenblogger