Sieben Fragen an den Regisseur des Muotathaler Theaters

In einer weiteren Reihe mit „Sieben Fragen an“ beglückte ich Daniel Heinzer, den Regisseur des Muotathaler Theaters.
Kaum hatte ich seine Antworten in meinem Compi durchgelesen, erschien diese Woche ein Bote der Urschweiz-Beitrag:

theater muotathal_bote
(Quelle: Bote der Urschweiz)

Wie im Beitrag von Journalistin Andrea Schelbert geht es in meinen Fragen auch um die vielen neuen Gesichter des diesjährigen Theaters.

Zudem hatten Heinzer und sein Team angeblich ein „Horror-Erlebnis“ zu bewältigen. Solche Dinge gehören aber wohl dazu. Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne (oder so ähnlich)…

Die ganze Sache ist aber nun auf Kurs, und die Probenarbeit ist in vollem Gange. Auf folgendem YouTube-Video bekommen wir einen Einblick ins momentane Geschehen, und dürfen auch eine Standpauke des Regisseurs miterleben.


(Quelle: Youtube.com)

Es darf also auch laut geschmust werden. Man darf gespannt sein, was uns in Bälde im schönen Theater der St. Josefshalle erwarten wird. Premiere ist morgen Samstag in zwei Wochen, also am 25. Oktober.
Nun aber Vorhang auf zu den „Sieben Fragen“ von mir, und den „Sieben Antworten“ von Daniel Heinzer.

daniel heinzer
(Bildquelle: http://www.theater-muotathal.ch)

Frage 1:
Wie verlaufen die Proben? Seid ihr schon fast aufführungsreif?

„Die Proben verlaufen gut. Bei den meisten Sachen sind wir im Fahrplan. Zwei, drei Baustellen gibt es noch, aufführungsreif sind wir aber noch nicht. Wir brauchen die verbleibenden Proben schon noch.
Ab der Woche 42 (Montag, 13. Oktober) werden an jedem Abend alle Akte gespielt. Ich erwarte dann noch einmal einen grossen Sprung vorwärts.“

Frage 2:
Laut Programm habt ihr fürs neue Stück „Bim Waldbrünneli“ relativ viele neue Schauspieler rekrutieren müssen. Wieso eigentlich?

„Zum einen spielen Karin Gwerder, Franz Betschart, Marie-Louise Kistler, Martin Steiner, Luzia Betschart und Daniel Büeler nicht mehr mit. Zum anderen braucht es mehr Spieler als letztes Jahr.“

Frage 3:
Besteht bei so vielen neuen Gesichtern nicht die Gefahr, dass die Qualität ein wenig darunter leiden könnte?

„Ich hoffe nicht. Es ist sicher so dass neue Spieler/innen am Anfang verhaltener spielen. Sie getrauen sich noch nicht, aus sich herauszukommen.
Wir versuchen in den Proben, den neuen Spielern Momente und Situationen zu geben, damit sie solche Erlebnisse vor der Premiere haben. Danach treten die Spieler meist viel gelassener auf.“

Frage 4:
Wie bereitest du als Regisseur deine Akteure auf ein neues Stück vor? Und: Ist Lampenfieber bei euch eigentlich ein Thema?

„Die Vorbereitung mit den Spielern beginnt im Juni. Dort haben wir vier Leseproben. Hier erzählt der Regisseur, wie er sich die einzelnen Figuren vorstellt. Danach wird das Stück durchgesprochen. Dabei wird die
Mundart bereinigt und diverse Passagen, welche beim Aussprechen einen Knopf in der Zunge verursachen, beseitigt.

Anschliessend lernen die Spieler das Stück auswendig, bis in der dritten Woche im August die Proben auf der Bühne beginnen. Zuerst Stellproben, danach die Wege. Eine spezielle Vorbereitung gibt es bei uns nicht.
Da wir ein eigenes Theater besitzen, können wir ab der ersten Probe auf die Bühne, was gerade den neuen Spielern sehr hilft.

Ich persönlich finde Lampenfieber als sehr wichtig, und sollte immer vorhanden sein. Wenn das Lampenfieber beginnt, werden die Dinge um einen herum ausgeblendet. Es beginnt eine Fokussierung auf das wesentliche, und man ist hoch konzentriert.

Bei der grossen Anzahl von Aufführungen geht das Lampenfieber allmählich zurück. Damit geht auch die Konzentration etwas verloren, und schon passiert auf der Bühne etwas. Jemand kommt beim Text ins Stottern, oder ein anderer hat beispielsweise eine Requisite nicht dabei. Dann bin ich als Regisseur wieder gefragt, um die Spieler wieder etwas zu ermahnen.“

theater_bild
(Bildquelle: http://www.theater-muotathal.ch)

Frage 5:
Gibt es gegen Ende der 28 Aufführungen nicht jeweils Ermüdungserscheinungen? Musst du dann die Schauspieler motivieren?

„Die Spieler sind sicher nicht bei jeder Aufführung gleich motiviert. Gerade an einem Sonntag im Herbst, wenn draussen die Sonne scheint, zieht es einem nicht gerade in die Theaterhalle. Wir versuchen dem vorzubeugen, und schauen, dass wir eine gute Stimmung haben. Aber spätestens wenn die Spieler wieder auf der Bühne sind, braucht es keine Motivation mehr.“

Frage 6:
Was wäre, wenn ein Schauspieler sich eine Grippe einfängt und keine Stimme mehr hätte?

„Eine Grippe kann man für drei Stunden mit Arznei, Tee und Lampenfieber ausblenden. Schlimmer wird es dann bei grösseren Sachen. Daran möchte ich gar nicht denken.
Wir haben keine Doppelbesetzungen. Generell ist es so: Solange man laufen kann, und verständliche Töne von sich gibt, wird gespielt. Bei Heiserkeit wird dann halt das Lied nicht gesungen. Wir sind bis jetzt davor verschont geblieben und hoffen, dass es auch so bleibt.“

Frage 7:
Welche wichtigen Dinge stehen für dich und deine Schauspieler noch an vor der Premiere?

„Wie am Anfang erwähnt, sind wir im grossen und ganzen auf Kurs. Was noch ansteht ist die Hintergrundmusik und die Beleuchtung.
Wenn dann alles steht, muss das Ganze noch ‚rund‘ werden. Ich meine damit die Proben, in welchen der Regisseur nicht mehr dauernd drein redet und die Spieler unbeschwert auftreten können.“

Aha, so sieht das also aus beim Theater Muotathal. Wie es in so vielen Situationen im Leben ist, beginnt man zwar rechtzeitig mit einem Projekt oder Vorhaben. Richtig zur Reife und zum Endprodukt getrimmt wird es aber in den meisten Fällen erst gegen Schluss.
Ich meine aber, dass das absolut normal ist. Denn viele Menschen arbeiten unter leichtem Druck und bei bevorstehendem Lampenfieber, wie beim Theater Muotathal ebenfalls, am besten. Und so zweifle ich keine Minute daran, dass auch das diesjährige Theaterstück wieder zu einem absoluten Publikumshit wird.

Ich bedanke mich bei Daniel Heinzer für seine ehrlichen, offenen und interessanten Antworten. Zudem wünsche ich ihm und seinen Akteuren ToiToiToi und 28 gelungene Vorstellungen! Ich freue mich jedenfalls jetzt schon darauf, im November das Theater „Bim Waldbrünneli“ besuchen zu dürfen.

feldwaldwiesenblogger

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