Die Anfangstage der Schwyzer Örgeler im Muotathal und was der „Tschinggä-Liederverein“ einst so trieb

Liebe Leserinnen und Leser! Heute möchte ich euch ein wenig aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin („Sunnäwirt“) erzählen.

Wie ich auf Twitter und Facebook in Bild und Text vermeldet habe, führte ich letzten Samstag mit zwei wahren Muotathaler Volksmusik-Cracks Gespräche. Einerseits mit dem Klarinettisten und langjährigen Feldmusik-Dirigenten Kari Suter („ds Länzä“) und andererseits mit dem Volksmusik-Tausendsassa und Akkordeonisten „Sunnäwirt“.

Nur, wo fange ich an? Insgesamt nahm ich zwei Tondokumente auf mein iPhone mit insgesamt zweieinhalb Stunden Gespräch auf. Davon habe ich diese Woche 45 Minuten aus dem Gespräch mit Inderbitzin „niedergeschrieben“.

sunnäwirt
Josef Inderbitzin an seinem PC, eine wahre Fundgrube…
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Wie ja bekannt ist, kamen um 1900, oder laut „Sunnäwirt“ sogar etwas früher, die ersten Schwyzer Orgeln ins Tal. Als Randbemerkung: Ab 1886 machten die Eichhorns in Schwyz sogenannte „Schwyzer Örgeli“.

Alois Suter („Lisäbethler“, 1861 – 1936) war zusammen mit dem „Egg-Basch“ einer der ersten, die bei uns im Thal mit dem Schwyzer Orgel-Spiel begannen. Bekannt ist weiter auch, dass „Lisäbethler“ um 1884 bei der Schweizer Garde im Vatikan zu Rom war.
Suter war vermutlich auch einer der ersten, welcher Plattenaufnahmen machte. Angeblich bespielte er in den 10er- oder 20iger-Jahren des letzten Jahrhunderts mit seiner Stöpselbassorgel die erwähnten Tondokumente.

Melchior Anton Langenegger („Egg-Basch“, 1872 – 1938), war der andere Pionier in Sachen Schwyzer Örgeli im Muotathal.

Eggbasch
(Bildquelle: Josef Inderbitzin)

Es gibt einen „Tanz“, welchem man „dr Lisäbethler“ sagt. Ob der Egg-Basch und der „Lisäbethler“ selber komponiert haben, war sich „Sunnäwirt“ nicht sicher. Es könnte aber durchaus sein, dass sie auch komponiert haben. Diesem Punkt werde ich sicherlich noch nachgehen.

Da es vorher noch keine Schwyzer Orgeln gab, und demzufolge keine Spieler, mussten sich „Lisäbethler“ und „Egg-Basch“ das „Örgelen“ selber beibringen. Angeblich spielten beide vorher schon „Mulörgeli“, und hatten sicher auch Musikgehör. Beide probierten das Orgelspiel, bis sie es konnten.

„Mulörgeli“ wurde schon vor dem Aufkommen der Schwyzer Örgeli gespielt, wie auch die Saiteninstrumente Geige und Schwyzer Zither. Zudem wurde vorher schon Klarinette gespielt.
In ganz alten Zeiten, also vor dem Aufkommen der eigentlichen Ländlermusik mit Schwyzer Orgeln wurde im „Hanneli-Musig“-Stil musiziert.

Hier mache ich eine Klammer auf für frühe Vertreter von vier anderen Instrumenten:
Der bekannteste „Mulörgeler“ in alten Zeiten war Josef Heinzer („Schründler“, 1914 – 2003). Er komponierte etwa 10 bis 20 „Tänzli“, der bekannteste ist wohl „dr Schründler“.

Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es bekannte Geigenspieler wie Josef Betschart („ds Bertholdä“) und Josef Imhof („ds Predigers“, 1896 – 1988). Beide traten öffentlich mit Ländlermusikanten aus ihrer Zeit auf.

Josef-Leonhard Betschart („ds Gigers“) hat Schwyzer Zithern hergestellt und auch selber gespielt.

Franz-Anton Suter („dr gross Schnäpf“, 1880 – 1964) war einer der ersten bekannten Klarinettisten im Thal.

Klammer zu und weiter mit unseren beiden ersten „Schwyzer Örgelern“. „Lisäbethler“ und „Egg-Basch“ spielten seinerzeit miteinander, und traten auch zusammen auf. Gespielt wurde damals in den Muotathaler Beizen „Sonne“, „Rössli“, „Schwert“ und „Schlüssel“. Man trat aber auch ausserhalb des Tales auf.
Die meiste Zeit haben die beiden nur im Duo aufgespielt. Musizierten sie aber mal an einem grösseren Ort, nahmen sie auch einen „Basszüger“ mit.

Josef Betschart („ds Gigers“, 1884 – 1954) war wohl einer der ersten im Muotathal, der Bass zu der aufkommenden Ländlermusik gespielt hatte. Betschart spielte auch Örgeli und Geige. Er trat zudem später auch als Basszieher mit Rees Gwerder auf.

Josef-Leonhard Betschart („ds Jackä“, 1889 – 1942) gehörte auch zu den ersten „Örgelispielern“ im Muotathal. Er ist der Vater von Anton Betschart („Jackä Toni“).
Zu den ganz frühen Spielern darf man auch Zeno Rickenbacher („dr Zenäli“, 1892 – 1975) und Josef Ehrler („dr Schineler“, geb. ca. 1900, gest. ca. 1963), zählen. Ehrler wohnte in „Güschtuls“ Haus, später „is Hänis undä“. Der Mann war ein „Örgeler“ und begnadeter Fotograf.

Die ersten gespielten Schwyzer Orgeln waren Stöpselbassorgeln, und wurden laut Josef Inderbitzin bis etwa 1912/1915 gespielt. Nachher kamen die 6-bässigen Orgeln, später die 8-, 12-, 14-, 16- und 18-bässigen. Angeblich sind heutzutage 18-bässige die meist gesuchten Schwyzer Orgeln.
Um 1920 kam auch bei uns das Akkordeon auf. Dieses Instrument liess 1829 ein Instrumentenbauer in Wien patentieren, und gab ihm den Namen Akkordeon. Etwa 100 Jahre später fand es dann den Weg in unser Tal.

Zu der nächsten Generation Orgel-Spielern (Schwyzer Örgeli und auch Akkordeon) gehörten der erwähnte Anton Betschart, Leo Schelbert („ds Tönis dr Wiss“) und Franz Schmidig („Lunnis“ Franz senior).
Weiter gehören zu dieser Generation der Bruder von „Lunnis“ Franz, Bernhard Schmidig („Lunnis Bärädi“). Er spielte Schwyzer Orgel.

Im gleichen Atemzug möchte ich zudem Cölestin Gwerder (z’Dominelis), Georg A. Langenegger („Ds Baschä Jörätönel“, Sohn vom Egg-Basch) und Fredy Zwimpfer erwähnen.

Hier sind meine Aufzeichnungen zu Ende. Somit sind auch die Schwyzer Orgel- und Akkordeon-Spieler der sogenannten zweiten Generation nur teilweise erfasst. Mehr dazu in einem der nächsten Blogbeiträge.

Dschinggä Liederverein
(Bildquelle: Josef Inderbitzin)

Es gab etwa von 1935 bis 1945 einen „Tschinggä-Liederverein“ im Tal. Sie spielten italienische Volkslieder und traten vor allem an der Fasnacht auf. Diese fidelen Gesellen waren wohl so etwas wie ein „Fasnachtsverein“.

Bekannt ist, dass Josef Ablondi („dr Blundi“) eine „Tschinggen-Orgel“ hatte. Leider hatte er sie, als es wieder mal hoch zu und her ging, „auseinandergezerrt“ und dann im „Schachen“ in den Trog geworfen.
„Blundi“ sagte hinterher, dass ihn der Defekt schon gereut habe. Denn er meinte weiter: „Zum Lieder begleiten klang diese Orgel schöner als eine Eichhorn-Orgel“. Wilhelm Suter, der andere Orgelspieler, spielte eine 8-bässige Orgel.
Klarinettenspieler war Josef Betschart („ds Schmids Sefis“), und Robert Gwerder („ds Pfandweibels“) war der Dirigent.

Sie feierten laut „Sunnäwirt“ 1936 den Abessinienkrieg und machten dazu einen Umzug durchs Tal. Diesen lustigen Verein gab es etwa 10 bis 15 Jahre, vermutlich bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Diese lustigen Musikanten machten bei ihren öffentlichen Auftritten gerne „ds Chalb“.

Wie ich meine, habe ich bereits aus 45 Minuten „Sunnäwirt“-Infos schon einiges aus den Anfangstagen der Muotathaler Ländlermusik zusammen tragen können. Für mich ist es eine spannende Aufgabe und Herausforderung zugleich. Denn ich bin kein grosser Kenner unserer hiesigen Volksmusik, und komme nun Schritt um Schritt so langsam in die Materie rein.
Am Anfang des heutigen Beitrages schrieb ich „Nur, wo fange ich an?“. Was soll ich nun sagen? Ich glaube, ich habe den roten Faden gefunden und die Geschichte ein bisschen entwirren können. Die ganze Sache macht mir wirklich viel Spass und grosse Freude, deshalb füge ich zum Schluss an: „Weiter geht’s. Frisch, fröhlich und heiter!“

feldwaldwiesenblogger

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