Ds Tönnis Leo fuhr „Mit em Töff is Muotathal“ und ds Länzä Kari mit der Vespa nach Engelberg

Ich bin zurzeit sehr intensiv am Beschreiben der Muotathaler Volksmusik. Das ist auch mit ein Grund, wieso es erstens auf dem Blog eher ruhig ist, und zweitens die letzten eingestellten Beiträge sich meist auf dieses Thema bezogen.
Da ich schon einiges beisammen habe, denke ich, dass ich im Fahrplan bin. Deshalb nehme ich mich in nächster Zeit auch anderen Themen an. Verraten wird noch nichts, nur so viel: Es handelt sich um spannende Muotathaler Angelegenheiten. Ich freue mich bereits darauf, und ihr dürft es auch.

Heute widme ich mich lustigen Anekdoten, welche mir unlängst Kari Suter (ds Länzä) zum Besten gab. Aber auch über den Episodenerzähler selber habe ich nachfolgend ein paar Zeilen.

Kari Suter
Kari Suter (ds Länzä)
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Über ds Länzä Kari wird separat zum Text über die Muotathaler Volksmusik ein Porträt verfasst. Wie auch über ds Jackä Toni, ds Tönnis Leo, ds Lunnis Franz senior und junior sowie Fredy Zwimpfer.
Diese Daten habe ich beisammen, und muss sie nur noch kürzen. Zum Glück erhielt ich dabei das meiste Material vom Giigäbank, da sie schon ziemlich viel Material in ihrem Archiv haben.
Bei einem Porträt, dem von Anton Betschart (ds Jackä), darf ich mich bei Lukas Stammler’s Blog, http://balbuluz.blogspot.ch, bedienen. Herzlichen Dank!

Bevor ich mit Kari’s Anekdoten eure Lachmuskeln betätigen darf, bitte ich noch um etwas Aufmerksamkeit. Da ich ohnehin irgendwann Kari’s Porträt aus dem Giigäbank-Material verfassen darf, habe ich heute die Eckdaten über diesen aussergewöhnlichen Musikanten in einen Entwurf abgefasst. Die Daten über ihn stammen übrigens aus der Laudatio zu einer Preisverleihung im Jahre 2000. Kari erhielt dabei den Anerkennungs- und Förderpreis „Bödmerenholz“.

Kari Suter (Jahrgang 1942), hat früh zur Musik gefunden. Bereits in der Schulzeit begann er mit dem Flötenspiel und hatte damals schon erste Auftritte. Mit 13 Jahren fand er zum Klarinettenspiel, welchem er zeitlebens treu blieb.
Kari’s Vorbild auf der Klarinette war Jost Ribary senior. Fleissig übend trat er bald dem Musikverein Muotathal bei, bei welchem er nach zehn Jahren (1967) Dirigent wurde. Den Dirigentenstab hatte er während 31 Jahren inne.

Im Musikverein fand Kari mit Fredy Zwimpfer und Bruno Gwerder bald geeignete Gefährten, mit welchen er die Kapelle „Blüemberg“, später in Zwimpfer-Suter unbenannt, gründete. 17 Jahre lang konnte man diese Kapelle landauf und landab hören. Nach dem Tode von Fredy Zwimpfer (1975) wurde die Kapelle aufgelöst.
Kari bewegte sich dann musikalisch in mehrere Richtungen. Vorerst schloss er sich der luzernischen Kapelle Sepp Stöckli an, bei welcher er 20 Jahre lang mitspielte. In dieser Formation nahm Kari an einer Japan-, Korea- und Südamerikareise teil.

Kari wollte aber wieder eine eigene Formation. Dieser Wunsch erfüllte sich 1977. Mit Oswald Föhn, Alois Schmidig und Armin Karrer wurde die Kapelle Kari Suter ins Leben gerufen. 15 Jahre spielten sie in dieser Formation. Es wurden Schallplatten aufgenommen und mit einer Mittelmeerkreuzfahrt konnte der Bekanntheitsgrad noch gesteigert werden.

Daneben wurde Kari oft auch als Aushilfe in anderen Kapellen angefragt.

Kari betätigte sich auch als Komponist. Aus seiner Feder stammen etwa 60 eigene Kompositionen.

Fast so nebenbei leitete Kari von 1977 bis 1997 auch den Jodlerklub Muotathal.

Daneben arbeitete Kari zu 100 Prozent „is Räsuls“.

Kari ist mit den verschiedenen, von ihm geleiteten Formationen auf etwa zehn Tonträgern zu hören, und hat in mehreren Fernsehsendungen mitgemacht.
Das Schaffen und das Geschaffene von Kari gilt als aussergewöhnlich idealistisch. Schöpferisch und zeitlos ist er durch seine Kompositionen für Ländlerkapellen und Blasmusik.
Sein Name ist über das Muotathal hinaus bekannt.
Kari Suter erhielt verdient anno 2000 den Anerkennungs- und Förderpreis „Bödmerenholz“.

So spasseshalber habe ich bei zeichenzähler.de das obige Porträt reinkopiert: Der Zähler zeigte sage und schreibe 2115 Zeichen an. Laut Vorgabe dürfen die Porträts für das Schwyzer Heft maximal 1000 Zeichen enthalten. Da darf und muss ich also noch kräftig kürzen…

So, und nun komme ich zu den bereits angesprochenen Anekdoten, vier an der Zahl. In der ersten Episode kommt unter anderem der aus Arth SZ stammende Kasi Geisser vor, welcher in alten Zeiten regelmässig im Muotathal musizierte. Gemäss Erich Ketterer (http://www.arth-online.ch/kasigeisser/) war der geniale Klarinettist ein bestbekannter Ländlermusik-Komponist und –Interpret, und wohl der erste freischaffende Ländlermusiker und Komponist.
Des Weiteren kommt in der gleichen Anekdote eine andere Volksmusik-Grösse seiner Zeit vor: Der Muotathaler Leo Schelbert (ds Tönnis). Über ihn verfasse ich, wie oben erwähnt, auch ein Porträt. Zu diesem begnadeten Akkordeonisten werde ich in einem späteren Blogbeitrag mehr berichten.

Kasi Geisser
Kasi Geisser
(Bildquelle: http://www.arth-online.ch/kasigeisser/)

Anekdote 1:
Kasi Geisser hatte früher öfters im Muotathal musiziert. Da Tönis Leo einen Töff mit Sozius-Sitz hatte, musste er Kasi einmal beim Bahnhof Seewen abholen, und ins Thal bringen. Dabei fuhr Leo, mit Kasi hinten drauf, frisch fröhlich „durs Horä ufä“. Plötzlich schoss Leo mit seinem Töff in einen Sandhaufen rein, welcher sich nach dem Horärank neben der Strasse befand. Beide Musikanten flogen kopfüber über den Sandhaufen. Leo und Kasi kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon, und konnten nach kurzem Halt wieder weiterfahren.
Etwas später komponierte Kasi Geisser dann den Tanz: „Mit em Töff is Muotathal“.

Anekdote 2:
Ds Länzä Kari hatte früher eine Vespa. Als er diese in jungen Jahren kaufte, war er nach eigenen Angaben nicht mal 50 Kilogramm schwer. Mit seiner Vespa fuhr Kari auch zum Musizieren. Dabei nahm er regelmässig auch seinen Musikkollegen, Fredy Zwimpfer mit. Fredy wog angeblich damals 80 Kilogramm.
Eines schönen Tages fuhren die beiden nach Engelberg zum Musik machen. Kari sass vorne, Fredy hinten auf dem Sozius. Zusätzlich befanden sich das Akkordeon von Fredy (etwa 15 Kilogramm) und Karis Instrumente hinten auf der Vespa. In den Kurven gegen Engelberg hinauf war seine Vespa plötzlich nicht mehr steuerbar: Das Vorderrad befand sich in der Luft. Kari musste sofort auf seinem Sitz ganz nach vorne rücken und sich mit aller Kraft auf die Lenkstange stemmen. Mit dieser etwas eigenartigen Sitzposition konnte der Klarinettist den Töff im Gleichgewicht halten und zusammen mit Fredy und den Instrumenten Engelberg heil erreichen.

Anekdote 3:
Ds Länzä Kari flog mit der Kapelle Sepp Stöckli eines Tages in die USA, genauer gesagt nach Atlanta. Auf dem Programm stand unter anderem ein Auftritt in einem Center.
Als sie drüben das Gepäck in Empfang nahmen, musste Sepp Stöckli feststellen, dass bei seinem Akkordeon alle Bassknöpfe „reingedrückt“ waren. Diese Knöpfe konnten sie unmöglich selber „rausholen“.
Damit Sepp trotzdem spielen konnte, nahm er kurzerhand die Abdeckung weg. Dabei klebte er ein Stück Plastik über den Bassteil, und montierte die Abdeckung wieder drauf. So konnte wenigstens beim Spielen keine Luft mehr entweichen.
Stöckli konnte wohl die Melodie auf der einen Seite spielen. Da er aber die Basstöne nicht betätigten konnte, entlockte dies bei dem Akkordeonisten ein paar Fluchworte. Denn die einseitige Spielweise klang nicht nur anders, es war auch ungewohnt so zu musizieren.

Anekdote 4:
Eines anderen Tages flog die Kapelle Sepp Stöckli nach Bremen (Deutschland). Mit dabei war auch der Basszieher Hugo Suter (ds Guggelers). Als sie diesmal das Gepäck in Empfang nahmen, fehlte Stöcklis Akkordeon. „Nicht schon wieder!“, dachte sich wohl dieser. Es gab eine grosse Aufregung, weil nämlich schon am nächsten Morgen ein Auftritt auf dem Programm stand. Sepp Stöckli führte dann ein paar Telefonate, und erfuhr dabei mit Entsetzen, dass sein Instrument noch in Kloten am Flughafen war. Das Personal garantierte ihm dort aber, dass sein Akkordeon am nächsten Tag mit dem ersten Flugzeug nach Bremen gebracht werde.
Stöckli fuhr früh am nächsten Morgen zum Flughafen. Sein Instrument war glücklicherweise angekommen, und so stand einem erfolgreichen Auftritt nichts mehr im Wege.

Diese vier Anekdoten brachten mich richtiggehend zum Schmunzeln. Ich hoffe euch auch! Trotzdem: Für die beteiligten Akteure waren diese Situationen zum Zeitpunkt des Geschehens alles andere als lustig. Zum Glück gab es bis auf eine Anekdote immer ein sogenanntes „Happy End“.
Und noch etwas: Jeweils zwei Anekdoten passen wunderbar zusammen. Einerseits die beiden Töff-Fahrten, anderseits die beiden Flüge. Als Gemeinsamkeit haben alle vier Episoden das damalige Transportwesen, welche die Musikanten voll auf Trab hielt…

feldwaldwiesenblogger

Fakten über die alten Muotathaler Geigenspieler

Der Muotathaler Verein Giigäbank, welcher im Jahr 2009 gegründet wurde, steht für die Förderung der Volkskultur im Muotathal und Illgau ein. Sie sind aber auch in verschiedenen Bereichen tätig, und realisieren regelmässig interessante Projekte. Für 2015 sind unter der Rubrik „Luschtig tönts vom Giigäbank“ Prediger Joseeb Tänz geplant.
Ich wurde im Rahmen meiner Recherchearbeit über die Muotathaler Volksmusik auch angefragt, was ich über die alten Geigenspieler bereits in Erfahrung bringen konnte. Das Hauptaugenmerk gilt Josef Imhof, bei uns besser bekannt unter Predigers Joseeb.

Was ich bei meinen beiden Gesprächen mit Kari Suter (ds Länzä) und Josef Inderbitzin (Sunnäwirt) gehört habe, habe ich inzwischen nieder geschrieben. Aus diesen Gesprächen suchte ich meine Notizen über die alten Muotathaler Geiger zusammen, und habe sie inzwischen dem Giigäbank zugestellt.

Gesten habe ich für mich entschieden, dass ich die bisher gesammelten Fakten als Diskussionsbasis in meinen Blog stelle. Ergiebig sind diese Daten leider noch nicht. Vielleicht gibt es unter den Lesern meines Blogs Leute, die noch einiges zu den alten Geigenspielern im Thal wissen. Diese bitte ich, mit mir Kontakt aufzunehmen. Meine Wenigkeit und natürlich der Verein Giigäbank sind froh um jeden Hinweis und um jeden Fetzen Wissen. Hier meine Email-Adresse: koni.schelbert@bluewin.ch

predigers joseeb
Jackä Toni und Predigers Joseeb
(Bildquelle: http://balbuluz.blogspot.ch)

Die Fakten aus den Gesprächen mit Kari Suter und Josef Inderbitzin

Josef Imhof (Predigers Joseeb, 1896 – 1988) und Josef Betschart (Bertholdä Sefi) waren zwei alte Muotathaler Geiger, welche auch öffentlich aufgetreten sind.
Weitere alte Geiger waren Toni Schelbert (ds Bächelers) und Alois Schelbert (ds Karlis), welche aber vermutlich kaum öffentlich aufgetreten sind. Beide spielten vor allem für sich und ihre Familien.

Ds Gigers haben früher Geige gespielt, ihr Übername kommt daher nicht von ungefähr. Bertholdä Sefi’s Abstimmung sind ds Gigers, sein Vater war Berthold Betschart (Gigers Berthold). Berthold war Schreiner und Fotograf, und wohnte im Unterschachen. Später kaufte er das Hôtel des Grottes eingangs Dorf, und betrieb dort seine Schreinerei.

Ds Gigers machten ganz früher ihre Geigen sogar selber und wohnten ursprünglich auf der „Bürglen“ (ein Heimet ob dem Muotathal). Sie bauten das Haus, und es gehörten ihnen grosse Teile der „Bürglen“. Später wohnten sie im Hürithal.

Josef Betschart (ds Gigers Sefi, 1884 – 1954) war ein alter Basszieher, und spielte Geige sowie auch Schwyzerögeli. Gigers Sefi war später auch Basszieher von Rees Gwerder.

Rosa Inderbitzin (ebenfalls von der „Bürglen“), ist eine Tante vom Sunnäwirt, und hat auch Geige gespielt. Rosa hatte Jahrgang 1910.

Dazu gibt es noch eine interessante Anekdote zu den Gigers ab der Bürglen: „Eine von der Sippe der Gigers hat einmal am Haus des Restaurant Schlüssel geschindelt. Während seiner Arbeit fuhr unten ein Bauer mit Vieh vorbei, und pfiff ein Tänzli. Der „Schindeler“ unterbrach für eine Weile seine Arbeit, und schrieb gleich die Noten des gehörten Tänzlis auf ein Pack Nägel. Nicht viel später griff sich der gute Mann seine Geige und spielte das gehörte Tänzli ab Gehör und seinen Noten nach.“

Wegen diesen und anderen Geschichten sagten deshalb die alten Muotathaler: „Ds Gigers und ds Jackä hatten früher schon Musikgehör.“

Predigers Joseeb hat angeblich nicht selber komponiert. Er hat uralte Tänzli nachgespielt, die heutzutage gar nicht mehr gespielt werden. Bertholdä Sefi hat praktisch die gleichen Tänzli wie Joseeb gespielt, und hat auch nicht komponiert.
Gespielt haben die beiden alte Muotathaler Tänzli, die Rees Gwerder auch auf dem Schwyzerörgeli gespielt hat. Zudem spielten sie auch Tänzli von Kasi Geisser.

Was Bertholdä Sefi arbeitete, und wo er wohnte, konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Er trat in den 50igern- bis 70iger-Jahren des letzten Jahrhunderts im Restaurant Schwert auf. Sefi spielte mit verschiedenen Schwyzerörgelern zusammen.

Predigers Joseeb war ein schweigsamer Mann und arbeitete als Bauer, Schreiner sowie Zimmermann. Er spielte auch im Restaurant Schwert Geige. Angeblich ist Joseeb, ausser ab und zu im Restaurant Rössli, sonst nirgends öffentlich aufgetreten. Der Geiger spielte meist mit dem Schwyzerörgeler Franz Betschart (ds Jackä), ab und zu auch mit seinem Bruder Toni. Diese Auftritte fanden vermutlich im gleichen Zeitraum wie Bertholdä Sefi’s Auftritte statt. Also etwa in den 50igern- bis 70iger-Jahren.

Im Restaurant Schwert stand ein Klavier, was natürlich ideal für die Musikanten mit einem Klavierspieler war. Der ehemalige Wirt „Chläusi“ (Niklaus Renggli) spielte dann und wann auch Klavier.

Bächelers Toni ist, wie eingangs erwähnt, wahrscheinlich nie öffentlich aufgetreten. Vielleicht mal an einer sogenannten „Hundsverlocheten“.
Etwa einmal pro Monat besuchte er ds Länzä, die Familie von Kari, als dessen Mutter noch lebte. Ab und zu hatte Toni dann seine Geige dabei.
Wie ich selber erfahren habe, hat Toni immer am zweiten Weihnachtstag, wenn die „Bächelers“ ihr alljährliches Familientreffen abhielten, seine Geige hervorgenommen und einige alte Tänzli gespielt.

Immerhin konnte ich doch schon einige Fakten über unsere alten Geigenspieler im Thal zusammentragen. Mehr wäre immer wünschenswert. Deshalb nicht zögern, und mich kontaktieren. Der Giigäbank und ich sind an allen Fakten interessiert. Selbstverständlich auch ganz allgemein zum Thema Muotathaler Volksmusik.

feldwaldwiesenblogger

„Höhlen und Balmen in Menschenhand“ – CARTE BLANCHE-Beitrag von Walter Imhof

Wieder einmal darf ich einen Gastbeitrag unter meiner Rubrik CARTE BLANCHE präsentieren. Der Titel des Beitrages heisst „Höhlen und Balmen in Menschenhand“, der Autor dieses sehr interessanten Artikels ist Walter Imhof (ds Hofers).

Wie kam es zum Gastbeitrag mit Walter? Nun, als ich kürzlich den Blogbeitrag „Die Anfangstage der Schwyzerörgeler im Muotathal und was der Tschinggä-Liederverein einst so trieb“ veröffentlichte, stellte mir Imhof ein kurzes Feedback samt dem Tschinggälieder-Verein-Artikel, welcher er für den Muotathaler Zirk geschrieben hatte, per Email zu. Dazu auch Fotos und die Bildlegenden. Ich schrieb ihm, dass ich froh um jegliches Feedback, Informationen und Material bin.

Vorletzten Sonntag veröffentlichte ich dann „Die Charakterisierung und die Erkennung der Eigenheit des Muotathalers als Einstieg in die Geschichte der hiesigen Volksmusik“. Darauf bekam ich von Walter wieder eine Email mit Notizen zu meinem Text. Beim Durchlesen seiner Bemerkungen stellte ich fest, dass ich wohl einige Dinge erwähnte, welche entweder zu gewagt oder nicht ganz präzise formuliert waren. Da Walter ein grosser Kenner der Muotathaler Geschichte ist, werde ich seine Anmerkungen selbstverständlich in die Einleitung zur Geschichte der Muotathaler Volksmusik miteinfliessen lassen.

Ich bedankte mich bei Walter für sein neuerliches Feedback und fragte ihn gleich an, ob er nicht für meinen Blog einen Beitrag verfassen möchte. Ich schrieb ihm von meiner Rubrik CARTE BLANCHE, und dass diese für Gastbeiträge leider bisher viel zu selten genutzt wurde.
Ich weiss, dass er viel weiss. Oder weniger philosophisch ausgedrückt: „Hättest du Lust, einen Beitrag zu schreiben, den ich auf meinem Blog unter deinem Namen veröffentlichen dürfte? Irgendwas von deinem Spezialgebiet, der Forschertätigkeit und deinen Funden. Oder aber auch etwas über die Geschichte vom Muotathal.“

Nach kurzer Zeit kam eine Email von Walter, mit oben erwähntem Artikel. Er erklärte mir, dass er schon viele Artikel und Beiträge in Büchern und Fachzeitschriften veröffentlichte. Zudem hat er auch eigene Bücher geschrieben. Der Lehrer meinte zudem, dass bereits erschienene Beiträge wohl nicht ein zweites Mal gefragt sind.
Umso stolzer macht es mich, dass er mir einen Artikel zustellte, welcher noch nirgends erschienen ist.
Der Beitrag wird übrigens nächsten Frühling in einem Buch erscheinen, das archäologische Wanderungen in der Urschweiz behandelt. Walter hat den Kanton Schwyz bearbeitet und sechs Wanderungen beschrieben, wo das Muotatal natürlich auch vertreten ist.

Noch ein paar Informationen zur Person von Walter Imhof:
Walter wohnt im Muotathal und ist Primarlehrer. Zudem ist er ein Forscher und Höhlenkundler. Was genau er aber erforscht und worin er genau ein Spezialist ist, verrät uns ein kleiner Auszug aus einer Laudatio.
„Der Verein „Zukunft Muotathal“ hat anno 2010 Walter Imhof für seine ausserordentlichen und herausragenden Leistungen im Bereich der Paläontologie und der Archäozoologie den „Muotaschtei“ übergeben. Der Anerkennungs- und Förderpreis ging an einen Archäologen und Speläologen, einen Höhlenkundler und Erforscher von alten, archäologisch überlieferten Tierrestanzen. Imhof’s Arbeit ist sehr bedeutend für die historische Forschung im Kanton Schwyz.“
(Quelle: http://www.zukunft-muotathal.ch)

Hier räume ich nun das Feld, und übergebe an Hofers Walter, wie er im Volksmund bei uns im Thal genannt wird.

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Walter Imhof (Bildquelle: Andrea Schelbert)

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Höhlen und Balmen in Menschenhand

Natürliche Unterstände wie Höhleneingänge und Balmen werden seit jeher von Menschen und Tieren aufgesucht. Es ist daher naheliegend solche Plätze nach Spuren ihrer Anwesenheit zu untersuchen.

Walter Imhof

Situation
Unsere Lebensweise und unsere Umwelt verändern sich rasant und somit gehen Ereignisse immer schneller vergessen. Es gilt deshalb, das Verständnis für die Vergangenheit in unserer unmittelbaren Umgebung zu wecken, indem die Spuren ausgewertet werden, die als Zeugen früherer Kulturen vorhanden sind. Ihre Dokumentation bereichert das Bild einer Region während vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende.

Zu den Naturgegebenheiten einer Landschaft gehören vor allem ihre Lage und Beschaffenheit. Es macht für die Entwicklung von Menschen einen Unterschied, ob sie in einer ebenen oder gebirgigen Landschaft oder am Meer leben. Auch das Klima spielt eine entscheidende Rolle. Die Geschichte der Innerschweiz ist im Wesentlichen durch ihre Raumverhältnisse bestimmt. Die abgeschlossenen, karstreichen Täler in den Gebirgen um den Vierwaldstättersee bieten unzählige natürliche Unterstände: Höhlen und Balmen.

Höhlen können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: Phreatische Höhlesysteme, das heisst Höhlen, die vom Schmelzwasser der Eiszeit ausgewaschen wurden, oder Versturzhöhlen, sprich nutzbare Hohlräume zwischen verstürzten Felsblöcken. Als Balmen werden grosse überdeckte Felsnischen bezeichnet.

Als der Mensch in der Jungsteinzeit langsam begann in den Alpenraum einzudringen, stand er überall vor den gleichen Schwierigkeiten: Unter anderem musste er für sich und seine Haustiere Schutz suchen, sowie einen geeigneten Aufbewahrungsort für seine Produkte finden, wobei hier vor allem die Temperatur eine wichtige Rolle spielte. Instinktiv wurden dabei Höhleneingänge oder Balmen aufgesucht.

Flavio Zappa schreibt dazu sehr treffend: «Es besteht kein Zweifel, dass sich der Mensch von den Räumen, die die Natur ihm zur Verfügung stellte, angezogen fühlte, doch ist es eher unwahrscheinlich, dass er sie immer bezugsbereit vorfand. Um einen ebenen Boden und nutzbares Volumen zu erhalten, musste er im Gegenteil oft Erde und Schutt wegräumen, Steine entfernen und das Terrain nivellieren.» Es brauchte weiterhin Mauern, Schutzdächer oder Ablage- und Arbeitsflächen. Oft waren solche Eingriffe massiv, andere Baumassnahmen können hingegen kaum noch erkannt werden. Es gab mit Bestimmtheit auch Freilandstationen an Wasserstellen, Bachläufen oder anderen, exponierten Stellen, von denen in der Urschweiz aber bislang nur wenige bekannt sind. Sie zu finden ist äusserst schwierig, da sie meist entweder erodiert oder mit gewaltigen Sedimentschichten überdeckt sind. Eine Ausnahme bildet die Freilandstation in Einsiedeln-Langrüti, die aus der Altsteinzeit datiert.

Wissenschaft
Höhlenforscher untersuchen unterirdische Hohlräume demzufolge nicht mehr nur im Hinblick auf speläologische und geologische Aspekte, sondern auch die allfällige Nutzung als Unterstände während der Ur- und Frühgeschichte beziehungsweise bis ins Mittelalter und in die Neuzeit.

In der Innerschweiz haben sich hauptsächlich die Arbeitsgemeinschaft Höllochforschung (AGH), die Höhlenforscher Gemeinschaft Unterwalden (HGU), die Höhlengruppe Muotathal (HGM) und die Ostschweizer Gesellschaft für Höhlenforschung (OGH) der Erforschung von Höhlen verschrieben.

Die ersten dokumentierten Höhlenbesuche zeugen in erster Linie von Abenteuerlust und Waghalsigkeit. Die Erforschung von natürlichen Höhlräumen mit wissenschaftlichen Hintergrund hat in der Urschweiz bereits vor über 100 Jahren begonnen. Ging es ursprünglich hauptsächlich um die Vermessung von möglichst vielen Höhlengängen, haben sich in der Höhlenforschung mittlerweile verschiedene Forschungsrichtungen wie die Geologie, die Speläologie, die Hydrologie, die Höhlenpaläontologie, Biospeläologie und der Höhlenfunk etabliert. Eine wichtige Hilfestellung für die Geschichtsforschung ist vor allem die Archäozoologie.

Die Erforschung und Vermessung von Höhlen geschieht heute mit hochmodernen Messgeräten, von welchen die Daten direkt auf den Computer übernommen werden können. Die längste vermessene Höhle ist mit über 200 km das Hölloch im Muotatal. Grössere Höhlen sind mit verschiedenen Biwaks ausgestattet, von denen aus die Forscherteams Vermessungstouren in abgelegene Höhlenteile unternehmen können.

Insgesamt sind in der Urschweiz mehrere hundert Höhlen und Balmen bekannt. Die allermeisten sind vermessen und dokumentiert. Die sensiblen Daten werden jedoch in der Regel nicht veröffentlicht: Einerseits um Zerstörungen zu vermeiden, andererseits um Höhlentouristen vor Unfällen zu bewahren. Die Höhlenforschung birgt nämlich auch Gefahren: Aktive Höhlen, das heisst: Höhlen, die vom Wasser durchflossen werden, können beispielsweise Siphons bilden, die zur tödlichen Falle werden können.

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Balm (Bildquelle: Walter Imhof)

Nutzung
Nach dem Rückzug der Gletscher wurden die freigegebenen Gebiete zum Teil sehr rasch von der Vegetation zurückerobert. Diese war Voraussetzung für die Einwanderung von Tieren, die prähistorischen Jägergruppen zur Beute wurden. Schon bald danach wagten sich die ersten Jäger ins Gebirge, um vor allem den Steinböcken, Gämsen und Murmeltieren nachzustellen. Die natürlichen Unterstände zeigen, wie überlegt und mit welch sicherem Instinkt die Jägergruppen ihre Jagdplätze auswählten. Wie Funde beweisen, wurden diese Plätze über Jahrtausende hindurch immer wieder aufgesucht. Die sommerliche Jagdsaison dauerte lediglich ein paar Monate, danach kehrten die Jäger in ihre Basislager in den Haupttälern zurück.

Die mittlerweile nachgewiesenen, von Menschen beeinflussten Höhleneingänge und Balmen aus prähistorischer Zeit sind ein Hinweis dafür, dass urzeitliche Jäger ein Netz von Jagdstationen besassen, die sie auf ihren Beutezügen in den einzelnen Geländekammern der Urschweiz aufzusuchen pflegten. Zweifelsohne waren auch jagdstrategische Punkte im Gelände bekannt, die eine wichtige Funktion in der Jagdtechnik urzeitlicher Menschen erfüllten. Schlachtabfälle wurden in Karstschächten entsorgt, um nicht in der Umgebung lebende Raubtiere auf den Lagerplatz aufmerksam zu machen.

Die Höhlen- und Balmnutzer hinterliessen Spuren, die Rückschlüsse auf ihr Alltagslebens zulassen. Spuren, die in Gebirgsregionen und Alpgebieten jedoch spärlich und teilweise recht unscheinbar sind, wie etwa Reste von Feuerstellen oder Bearbeitungsspuren an Knochen – im Glücksfall Steinwerkzeuge, Bronzebeile oder Scherben von Gefässen. Wie bei einem Puzzle ergeben viele Stücke zusammen jedoch ein recht detailliertes Bild der Lebensweise unserer Vorfahren.

Neben Mauerresten und Feuerstellen handelt es sich bei den allermeisten Funden aus Höhlen und Balmen um Knochen einer bemerkenswerten prähistorischen Fauna, die ausserdem Anzeiger für Vegetation und Klimaentwicklung sind.

Erste Datierungen
Die ältesten, in zahlreichen Höhlen und Balmen der Urschweiz gemachten Knochenfunde können anhand von 14C-Untersuchungen ins Interstadial, einer Warmphase während der letzten Würmeiszeit vor 30 bis 40’000 Jahren datiert werden. Belegt sind Höhlenbären, Braunbären und ein Steinbock. Da der Höhlenbär Vegetarier war, muss zu dieser Zeit auch in Höhlenlagen von über 1500 m ü.M. ein Klima vorgeherrscht haben, das eine Vegetation begünstigte, welche für das Überleben des Höhlenbären ausreichte: Dem Höhlenbären dienten Beeren-, sowie das Gras- und Krautvorkommen im Übergang der Waldzone als Nahrungsgrundlage. Diese Vegetation bot zweifelsohne auch Nahrung für Tiere wie Rothirsch, Steinbock, Gämse, Murmeltier und Schneehase. Auch Raubtiere wie der Braunbär und Beutegreifer haben aufgrund der Vielfalt der Arten der Tierwelt dazumal bereits existiert. Zu erwähnen ist, dass der jüngste Höhlenbärenfund in der Schweiz 24’000 Jahre alt ist, also die Zeit seines Aussterbens anzeigt.

Die Eiszeit ging in Lagen über 1400 m ü.M. vor etwa 13’000 Jahren zu Ende. Anhand von Pollenanalysen, Knochenfunden und Isotopenmessungen an Braunbärenknochen aus Urschweizer Höhlen sowie Holzkohlen aus Feuerstellen muss unmittelbar danach ein rasches Aufkommen der Vegetation und eine stetige Wiederbewaldung stattgefunden haben.

Eine Häufung an Tierknochenfunden ist aus der jüngeren Dryas-Zeit festzustellen. Etliche Tierknochen tragen eindeutige Schnitt-, Hack- und Brandspuren, die indirekt die Anwesenheit von Menschen seit dem frühen Mesolithikum in den Balmen und Höhleneingängen nahelegen.

Die älteste datierte Holzkohle der Urschweizer Höhlenforscher stammt aus einer Balm im Bisistal und datiert ins Frühmesolithikum, eine weitere aus einer Balm auf der Alp Unter Saum im Muotatal stammt aus dem Frühneolithikum, eine weitere aus dem Endneolithikum. Ab der Bronzezeit ist die Anwesenheit des Menschen anhand von Feuerstellen, Artefakten und Knochenfunden für alle Zeitepochen und in grosser Anzahl belegt.

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Pfahlbauer-Wanderung (Bildquelle: Walter Imhof)

Neue Nutzungen
Bislang gaben Wildtiere Hinweise auf die Vegetationsentwicklung und die Anwesenhet von Jägern. Die Höhlen und Balmen im alpinen Raum wurden jedoch ab der Bronzezeit zunehmend auch von Hirten genutzt. Den ältesten bislang gefundenen Hinweis auf alpwirtschaftlich tätige Menschen in der Urschweiz liefern Keramikscherben aus der Bronzezeit aus einer Balm auf der Silberenalp in der Gemeinde Muotathal. Keramikgefässe aus dieser Zeit werden allgemein im Zusammenhang mit der Lagerung und Verarbeitung von Milch gesehen und lassen demzufolge Rückschlüsse auf eine kultivierte Tierhaltung zu. Jedenfalls gelten sie nicht als Mitbringsel prähistorischer Jäger. An Knochen eines bronzezeitlichen Steinbocks aus dem Kochenloch auf Ober Saum können Bissspuren eines Haushundes beobachtet werden. Gut möglich, dass bei bronzezeitlichen Jägern der Hund als Jagdhilfe zum Einsatz kam.

Der bislang älteste Haustierfund der Innerschweiz datiert in die Zeit um 1’400 bis 1’300 v.Chr. Dabei handelt es sich um Knochen von Schaf/Ziege, die in der Muotataler Höhle Glärnischview 2 zum Vorschein kamen. Mit dem Nachweis der Anwesenheit von Haustieren kann die Sömmerung in der Urschweiz belegt werden. Auch die ab der Zeit um 600 v.Chr. einsetzende, intensivere Nutzung der Urweiden oberhalb der Waldgrenze kann anhand von Knochenfunden in Höhlen und Balmen belegt werden. Ab etwa 1’000 n.Chr. nehmen die Funde von Hausstierknochen und Feuerstellen in den natürlichen Unterständen ein weiteres Mal massiv zu: Die Intensivierung der Alpwirtschaft hatte eine erhöhte Rodungstätigkeit zur Folge. Die so gewonnenen Weiden vermochten mehr Haustiere zu ernähren, was wiederum Auswirkungen auf einen höheren Milch- und Fleischertrag hatte.

Balmen und Höhleneingänge wurden verschiedentlich auch als geschützte Hüttenplätze, als Stallung für Haustiere oder zur Aufbewahrung von Wildheu genutzt. Für die Lagerung der Milch bediente man sich mancherorts der konstant kühlen Temperatur, wie sie in Höhlen vorherrscht, oder der kühlenden Wirkung kleiner Fliessgewässer, die durch Milchlagerstätten geleitet wurden. Die Höhlen- und Balmforschung trifft sich hierbei mit der alpinen Wüstungsforschung.

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Da ich zurzeit die Muotathaler Volskmusik samt seiner Geschichte abhandle, finde ich, passt sein sehr interessanter Text thematisch wunderbar in meinen Blog.

Walter hat eine aussergewöhnliche Freizeitbeschäftigung. Darüber hinaus ist seine Arbeit, wie auch die Laudatio oben besagt, sehr bedeutend für die historische Forschung im Kanton Schwyz. Und natürlich auch für das Muotathal. Von seinem Wissen und seinen Erkenntnissen konnten schon etliche Personen profitieren. Ich darf mich inzwischen auch dazu zählen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Walter Imhof für diesen schönen und fundiert geschriebenen Beitrag!
Zudem hoffe ich, dass der heutige CARTE BLANCHE-Text auch andere motiviert, einen Gastbeitrag für den feldwaldwiesenblog zu verfassen.

feldwaldwiesenblogger

Ein paar lustige Anekdoten aus alten Zeiten (aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin)

Zum Text für die Muotathaler Volksmusik sind laut Projektleiter Pius Ruhstaller lustige Episoden/Eigenschaften der Musikanten erwünscht. Diese möchten er und sein Team dann im Schwyzer Heft als „Kästen“ auf die einzelnen „Muotathaler-Seiten“ verteilen.
Solchen lustige Episoden und Begebenheiten hat mir Josef Inderbitzin (Sunnäwirt) einige beim kürzlich stattgefundenen Gespräch erzählt. Nachfolgend nun also diese heiteren Geschichten, welche ich natürlich auch abgeben werde.

sunnäwirt beim erzählen
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Georg-Anton Schelbert (Jörätönuls, Vater von Emil Schelbert), machte wie seine Nachkommen, in alten Zeiten auch schon Transporte. Damals, anfangs des 20. Jahrhunderts, noch mit Ross und Wagen. Es wird überliefert, dass besagter Jörätönul mal einen neuen Wagen mit seinem Fuhrwerk ins Urnerland brachte. Wahrscheinlich war dies so um 1910. Dabei wurde auf dem Wagen wacker musiziert. Holpernd ging’s ins Land der Tellen Söhne und Töchter. Das hielt die Fuhrwerker aber nicht davon ab, zu musizieren. Jörätönul spielte Schwyzerörgeli, ein Unbekannter Klarinette. Dies war wohl einer der ersten Musikwagen…

Franz Schmidig senior
Bernhardin und Franz Schmidig (z’Lunnis)
(Bildquelle: http://www.mosibuebe.ch)

Franz Schmidig senior (Lunnis) machte im Dezember 1947 Plattenaufnahmen mit Albert Hagen. Diese machten sie, ohne einen Ton vorher miteinander gespielt zu haben.
Lunnis Franz fragte vor den Plattenaufnahmen: „Wollen wir nicht mal alle Tänze durchspielen?“ Die Antwort von dem Herrn war: „Ich heisse Hagen.“ Diese Ansage war sonnenklar. Das musste reichen, und somit war es auch klar, dass vor den Aufnahmen nichts durchgespielt wurde.
Nach den Aufnahmen haben sie angeblich noch die ganze Nacht hindurch in einem kleinen Beizli georgelt. Vorher hatten sie aber, wie erwähnt, noch keinen einzigen Ton zusammen gespielt.

Den Tanz „Hinterhaler Chilibi-Ländler“ hatte Franz Schmidig senior im Jahr 1946 komponiert. Die erste Hinterhaler Chilbi fand allerdings erst 1968 statt.
Angeblich nannte Franz den Tanz zuerst „Muotithaler Viehmarkt“ (oder so ähnlich). Es wurde ihm aber gesagt, solche Namen für Tänze seien schon etliche vorhanden. Ob er nicht einen anderen Namen hätte, zum Beispiel einen Ortsnamen. Franz meinte: „Wir haben noch ein Hinterthal. Dann machen wir daraus grad den Hinterhaler Chilbi-Ländler.“
1998 spielte Lunnis Franz senior zum 30-Jahr-Jubiläum der Hinterthaler Chilbi den Hinterthaler Chilibi-Ländler bei der Messe (beim Chappeli). Josef Inderbitzin, ein Mitorganisator der Chilbi, erklärte: „Pfarrer Nico Unterhuber hatte während der Messe grosse Freude an dem schönen Tanz.“

Um 1928 ging ein Sebi Schmidig (wahrscheinlich ein Onkel von Lunnis Franz senior) nach Amerika und kam um 1932 wieder zurück. Dieser brachte scheints das erste Örgeli ins Heimetli der Lunnis im Tristel. Darauf begannen die drei Brüder Franz, Bernhardin und Klemenz zu orgeln. Vorher hatten und spielten sie nur „Muulorgeli“.

josef leonhard betschart (ds jackä)
Josef-Leonhard Betschart (Jackä Joseb-Lieni)
(Bildquelle: Bild aus dem Foto „Die Jaken-Familie 1942“, Quelle: HB. Gefunden auf balbuluz.blogspot.ch)

Wie in einem früheren Beitrag erwähnt, spielten Alois Suter (Lisäbethler) und Georg-Anton Langenegger (Egg-Basch) auch schon zu Tanzanlässen, teilweise bis zum frühen Morgen. Es wird überliefert, dass Josef-Leonhard Betschart (Jackä Joseb-Lieni) auch viel mit ihnen musiziert hat. Hauptsächlich tat er dies mit dem Egg-Basch.
Egg-Basch ging einmal an einer Fasnacht nach Jona (SG) zu Josef-Leonhard Betschart musizieren. Dieser wohnte laut Sunnäwirt ein paar Jahre dort, und war auf einem Bauernhof Knecht. Vermutlich ist der älteste Sohn Josef (ein Bruder von Jackä Toni) dort auf die Welt gekommen.
Der Wirt sagte zu Joseb-Lieni und zum Egg-Basch: „Es kommt dann ein Herr mit einem Stock. Bei ihm darf man kein Geld beim Tanz einziehen. Andernfalls würde er mit dem Stock wild um sich schlagen.“
Die Musikanten sagten darauf zueinander: „Entweder ist er ein „chächer“, sonst ziehen wir beim Räschtlä ein.“
Egg-Basch und Jackä Joseb-Lieni spielten die erste Tanzrunde. Der Mann mit Stock (und einem gehörigen Schnauzer) tanzte fleissig.
Joseb-Lieni ging dann während dem Rascht (Tanzrunde) einziehen, man sagte dem in alten Zeiten „räschtlä“. Egg-Basch war sicherheitshalber auf dem Giigäbank auf der Hut. Der Mann mit Stock und Schnauz hat sich angeblich zuerst weggedreht, und windete sich vor dem Zahlen. Joseb-Lieni hat ihn dann am Schnauz gepackt und den Kopf des Tänzers abrupt gedreht. Darauf blickte dieser Joseb-Lieni mit grossen Augen an. Scheints hat er darauf die ganze Nacht bei jedem Rascht bezahlt.
Joseb-Lieni war nämlich ein kräftiger Mann, und er „erchlüpfte“ gar nicht vor so einem „Mändäli“ mit Stock.

Den meisten geht es nun eventuell wie mir, und fragen sich: Was genau ist „räschtlä“ und aus was besteht ein „Rascht“? Ich rief deswegen Josef Inderbitzin extra nochmals an, und liess mir diesen alten Brauch erklären. Folgende Definition hatte mir der Ländlermusik-Kenner parat:
„Der Musikformation gehörte damals der Tanzboden. Sie bekamen keine Gage vom Wirt. Ein „Rascht“ (oder „Räschtli“) bestand in der Regel aus fünf bis sechs Tänzli. Die Reihenfolge sah dann etwa so aus: Schottisch – Ländler – Polka. Dann ging die Musik selber das Geld einziehen („räschtlä“). Um 1940 herum waren dies meistens 50 Rappen. Anschliessend ging es weiter mit einem Schottisch, Ländler und meistens noch einem Stümpäli.“
Ein Stümpäli ist übrigens ein rassiges, zweiteiliges Tänzli.

Entstehung des „Feldweibel-Marsch“
Xaver Rickenbacher („Butzner“), ein Sohn von Martin Rickenbacher (Franz Paulis), war ein lustiger Schwyzerörgeler. Sein Übername „Butzner“ verrät, dass der Mann Älpler auf der Muotathaler Alp Butzen war. Diese Alp ist zwischen der Pragelpasshöhe und der Silberen gelegen, und befindet sich auf 1780 Meter über Meer.
Der Butzner war seinerzeit auch im Militär gewesen, und hat eines Tages im Kantonnement (altes Schweizer Wort für Kaserne oder Truppenunterkunft) mit seinem Schwyzerörgeli gespielt. Plötzlich kam der Feldweibel herein und hat energisch gegen die lustige Stimmung und die Musik protestiert. Der Butzner liess das kalt, dachte nicht im geringsten ans Aufhören und sagte: „Wir machen grad den Feldweibel-Marsch“, und fing gleich darauf an, ein altes Tänzli zu spielen. Daraufhin sagten sie diesem alten Tänzli, das vorher schon existierte, „Feldweibel-Marsch“.

Ich hoffe, der eine oder andere konnte ein wenig bei diesen lustigen Anekdoten schmunzeln. Wie mir Josef Inderbitzin beim Gespräch erklärte, waren die Musiker früher schon ein „glattes Völchli“.

feldwaldwiesenblogger

Die Charakterisierung und die Erkennung der Eigenheit des Muotathalers als Einstieg in die Geschichte der hiesigen Volksmusik

Wenn man die Eigenheiten der Muotathaler Volksmusik verstehen will, muss man sich auch mit der Geschichte des Muotathales auseinandersetzen. Denn die Idealisierung und die hartnäckige Erhaltung gehört zur Eigenart der Muotathaler Volksmusik und deren Charakteristik.

Ich habe dazu in der Diplomarbeit „Büchel und Jutz im Muotathal“ (1978) gelesen. Diese sehr interessante Arbeit wurde von Peter Betschart („ds Baschämärtuls“) verfasst. Nachfolgend erwähne ich entweder teilweise ganze Auszüge oder ziehe Schlussfolgerungen aus der Diplomarbeit von Betschart.

altes muotathal
(Bildquelle: balbuluz.blogspot.ch)

Die Lage des Muotatales, ein Voralpen-Tal, eingebettet zwischen den Bergen, ist mitunter entscheidend für die Entwicklung des dortigen Menschenschlages und der dort gespielten Volksmusik.
Schon zur Römerzeit führten Strassen oder Wege von Schwyz her über den Gubel ins Tal, welches sie über den Pragel und den Kinzig wieder verliessen.
1580 wurde ein zweiter Saumweg über Schönenbuch angelegt.
1860 wurde eine Strasse von Schwyz her gebaut, auf der von da an die Postkutsche verkehrte. Trotz dieser Strasse blieb das Muotatal abgeschlossen.
Um 1940 setzte die „Eroberung“ des Muotatales durch Radio, Autos, Militär und Touristen ein. Ganz erfasst wurde es jedoch nie. Wer vom Dorf entfernt wohnte, konnte seine Eigenständigkeit bewahren. Was sich auch im gesprochenen Dialekt niederschlägt, welcher sich bis heute von den umliegenden Gemeinden unterscheidet.

Bis in unsere Zeit hat sich durch die Abgeschlossenheit des Tales ein eigener Menschenschlag entwickeln können. Der Muotathaler hatte vor allem mit seines Gleichen Kontakt, oder lebte für sich alleine auf seinem Hof oder seiner Alp. Dies führte zu einer gewissen Wortkargheit. Erst wenn er einen „Eindringling“ genügend gemustert hatte, taute er auf und begann zu erzählen.
Traditionen, Gebräuche und Redewendungen wurden so über Generationen weitergegeben, dazu gehörten auch Melodien, Tänzli und Jützli.

Der Muotathler zeichnete, oder zeichnet sich eigentlich noch heute mit seinem trockenen Humor, der Schlagfertigkeit und seiner bedächtigen Art aus. Weitere typische Merkmale sind „mit beiden Beinen auf dem Boden stehen“, schollenverbunden und urchig.
Daraus entwickelten sich „sture Traditionalisten“, welche auch in der Ländlermusik zu finden sind. Ein gutes Beispiel war Rees Gwerder, welcher stur an der Tradition festhielt.
Die Traditionalisten sind bekannt für ein natürliches Misstrauen allem Fremdem und Neuen gegenüber. Die (alten) Muotathaler waren genau solche Menschen. Natürlich hat sich das in den letzten Jahren stark verändert. Ich meine aber, ein Kern „Ur-Muotathaler“ ist noch in jedem drin, und zeigt auch den Trend der heute im Tal gespielten Ländlermusik.

Die Eigentümlichkeit des Muotathaler Schlages führte deshalb auch zum „Stegreifspielen“ im Tal. Nur wenige Menschen kannten früher die Noten so gut, dass sie ein Instrument aufgrund derer erlernen oder spielen konnten. Trotzdem hat es bei uns schon immer sehr gute Musikanten gegeben, welche nur aus dem Gehör spielten.
Natürlich sind und waren nicht alle gleich begabt, und alle Tänzli sind nicht gleich schwierig. Doch haben es einige auf der Handorgel und anderen Instrumenten zu wahren Künstlern gebracht.

Was spornte diese Leute an, zu produzieren und nicht nur zu konsumieren? Es ist, so schreibt Peter Betschart in seiner Diplomarbeit „Büchel und Jutz im Muotathal“, ein grosses Interesse vorhanden. Eine Liebe zum gemeinsam Eigenen, der Musik.
Betschart meint weiter, dass im Tal 200 Tänzli zu finden wären. Diese sind nicht von heute auf morgen von einem Komponisten entstanden. Sie sind über Jahrzehnte ohne Wiedergabegeräte tradiert und weiter gegeben worden. Es muss also demzufolge ein gewisses Musikgehör im Muotathaler Volk veranlagt sein. Die Sangesfreudigkeit dieser Menschen lässt diesen Schluss auch zu. Man darf deshalb behaupten, dass der Muotathaler musikalisch ist.

Hotel-les-Grottes
(Bildquelle: muotathal.ch)

Die Charakterisierung und die Erkennung der Eigenheit des Muotathalers sind als Einstieg für die Geschichte der hiesigen Volksmusik enorm wichtig. Mit diesen Erkenntnissen versteht man die Besonderheiten der Muotathaler Ländlermusik umso besser, und kann sich ein Stück weit in diese Musiker reinversetzen.
Da ich ein waschechter Muotathaler bin, erkenne ich gar einige oben beschriebene Eigenheiten und Charakterzüge in mir. Was beweist, dass diese „guten Dinge“ sich in die Neuzeit retten konnten.

feldwaldwiesenblogger

Sieben Fragen an Rachel Divà

Heute präsentiere ich bei meinen „sieben Fragen an“ eine junge, vielversprechende Muotathaler Musikerin: Rachel Divà alias Rahel Bächtold. Aufmerksam auf Rachel Divà wurde ich letzte Woche, als im Bote der Urschweiz ihr Finaleinzug in den kleinen PRIX WALO ein Thema war. Der kleine PRIX WALO gilt als Sprungbrett für junge Künstler.

Ich begann darauf auf ihrer eigenen Homepage (www.racheldiva.ch) zu lesen, und erfuhr dabei, dass das in Ibach SZ lebende Jungtalent anfangs nächstes Jahr ihre erste CD veröffentlicht. „This message from my heart“ heisst Rachel’s Erstling und wird am 3. Januar 2015 im City Hotel (Brunnen) getauft.

Divà präsentiert sich als Sängerin und Pianistin. Dabei tritt sie solo oder auch mit einer Band auf. Auftritte hatte sie schon an verschiedenen Orten, unter anderem auch an Hochzeiten.

„Wünschen Sie die perfekten romantischen Songs, die Sie an Ihrem wichtigsten TAG Ihres Lebens, begleitend mit leidenschaftlichen Eigen-Interpretationen grosser Künstler oder eigenen Songs, live von Rachel DIVÀ inszeniert sind?“ – Diese Aussage stammt nicht von mir, sondern von Rachel. Ich habe mir zudem die beiden Musikvideos auf ihrer Homepage angesehen, und kann das kurze Statement nur unterstreichen. Es sagt in meinen Augen viel über die Musik der Muotathalerin aus.

Musik war seit der frühsten Kindheit Rachel‘s Leidenschaft. Als kleines Kind begann sie schon zu singen, und mit sieben Jahren komponierte sie ihren ersten eigenen Song.
Weitere Details aus ihrer Biografie kann man ab der erwähnten Homepage entnehmen. Für mich waren diese Infos die Basis für meine Fragen.

Irgendwann musste ich feststellen, dass ich mit sieben „reinen“ Fragen einfach nicht durchkomme. Da ich Rachel nicht persönlich kenne und selber ein grosser Musikfan bin, hatte ich tausend Fragen an sie. Ich fasste diese etwas zusammen, und machte aus sieben Fragen sieben Frageblöcke.

Nun übergebe ich das Wort, respektive den Stift an Rachel. Ich finde, sie hat mit ihren knapp 24 Jahren schon viel zu sagen. Lasst euch überraschen.

rachel
(Bildquelle: Rachel Divà)

Frageblock 1:
Herzliche Gratulation zum Einzug in den Final des kleinen PRIX WALO! Was bedeutet für dich dieser Erfolg? Was meinst du, wie wirkt sich die Finalteilnahme für deine Zukunft aus?
Hast du, abgesehen von der CD-Taufe, gar etwas Grosses vor im Jahr 2015, und möchtest es mir und meinen Lesern jetzt schon verraten?

„Vielen herzlichen Dank! Es bedeutet für mich sehr viel, da es wichtig ist Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und neue Leute sowie Künstler kennen zu lernen. Ich bin jedoch sehr überrascht über den Tagessieg.
Natürlich ist dieser Tagessieg für mich eine Belohnung. Nun weiss ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich wünsche mir sehr, dass der Finaleinzug einen positiven Einfluss auf die Zukunft hat. Für mich hat nur schon das Mitmachen beim PRIX WALO einen positiven Einfluss gehabt. Ich freue mich nun umso mehr dabei zu sein, und bin gespannt wie es weitergeht.
Für das Jahr 2015 habe ich einiges vor. Ich bin jedoch noch in der Planungsphase. Im Kopf habe ich eine EP, welche ich herauszugeben möchte, und ein zweites Album. Das hängt jedoch alles davon ab, wie es nach dem PRIX WALO weiter geht. Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit.“

Frageblock 2:
Am 3. Januar 2015 wird laut Angabe auf deiner Homepage deine erste CD getauft. Was meinst du, wie wird die CD aufgenommen? Welche Reaktionen erwartest du von den Hörern? Welche vom Fachpublikum?

„Genau, die CD wird am 3. Januar veröffentlicht. Ich erhoffe mir natürlich ein positives Feedback. Die Kritik darf jedoch nicht fehlen. Das wird mich schlussendlich auch wieder weiterbringen.
Ich habe bei meiner ersten CD-Produktion einige Denkfehler gemacht, die ich bei der zweiten CD verbessern werde. Das ist auch gut so, sonst könnte ich ja keine Erfahrungen sammeln und lernen.
Ich nehme gerne jedes positive wie auch negative Feedback an. Ich lasse mich einfach überraschen, wie die Leute darauf reagieren. Ich selber habe sehr Freude an meiner ersten CD und finde sie einfach nur toll.“

Frageblock 3:
Hast du eigentlich eine eigene Band, respektive wirst du in Zukunft auch mit den Musikern auftreten, welche mit dir die CD eingespielt haben? Wirst du auch weiterhin Solo-Auftritte absolvieren?

„Ich habe nur für den Moment eine Band. Für die CD-Taufe habe ich ein paar Musiker dazu geholt, die bei der Vorbereitung der CD nicht dabei waren. Jedoch waren diese wiederum im Studio dabei.
Ich kann nicht genau sagen, wer von ihnen danach mit mir weiterzieht. Ich denke, da kann es noch Veränderungen geben.
Das finde ich jedoch toll und spannend. Es gibt so viele tolle Musiker, und am liebsten würde ich mit vielen Musikern einmal auf der Bühne stehen und musizieren. Das sind wieder neue Inspirationen, man kann immer wieder dazu lernen.
Natürlich werde ich auch Solo-Auftritte machen. Je nachdem, was wo passt. Da bin ich sehr flexibel und möchte auch weiterhin so auftreten.“

rachel mit gitarre an einem auftritt
(Bildquelle: Rachel Divà)

Frageblock 4:
In einem Bot-au-feu-Beitrag (Bote der Urschweiz vom 21. August 2013) wird erwähnt, dass du damals 80 selber komponierte Songs (oder teilweise fertige Songs) hattest. Wie viele sind es heute?
Hattest du deshalb für deine CD auch ein bisschen die Qual der Wahl?
Und: Sind nur Eigenkompositionen auf der bald erscheinenden CD?

„Heute sind es sicherlich um die 100 Songs. Leider kann man nicht alle gebrauchen. Sie sind zum Teil nur auf Papier festgehalten, oder es ist nur der Text vorhanden und die Melodie wurde nie ganz fertig geschrieben.
Meine „alten“ Songs haben eben nicht mehr zum aktuellen Thema beziehungswiese zu meiner Lebensphase gepasst. Ich habe mich auch verändert. Die meisten Songs auf der CD habe ich deshalb neu geschrieben. Ich habe nur zwei „alte“ Songs auf der CD.
Auf meiner CD sind nur Eigenkompositionen. Ich liebe es, zu komponieren und zu schreiben. Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag Songs schreiben und komponieren. Dazu fehlt mir jetzt noch definitiv die Zeit…“

Frageblock 5:
Möchtest du eigentlich voll auf Musik setzen, wenn es die Umstände erlauben?
Wie viele Stunden pro Woche investierst du derzeit für deinen Traum, die Musik?
Hast du dein Arbeitspensum inzwischen reduziert, wie du in oben erwähntem Bot-au-feu-Beitrag erwähnt hast?

„Das ist eine schwierige Frage. Natürlich wäre es schön, voll auf die Musik zu setzen. Ich habe so viele Ideen, die ich umsetzen möchte und auch umsetzen werde. Ich denke, es kommt so wie es kommen muss, und werde dann schauen, wenn sich die Situation wirklich ergibt. Es wäre jedoch schon sehr schön.
Ich investiere momentan pro Tag zwischen drei bis sechs Stunden in die Musik. Am Wochenende (Freitag bis Sonntag) sind es bis zu zehn Stunden. Darunter kommt nicht nur das Üben, sondern auch sehr viel Administratives zusammen. Die Planung und Produktion der CD, Organisation, Büroarbeiten, neue Ideen ausarbeiten, Songs schreiben, Sponsoring, Proben, Termine mit Kunden und so weiter.
Ja, das Pensum habe ich im Büro auf 80 Prozent reduziert. Wobei ich immer noch zusätzlich im Valley Pub, und ab und zu im Restaurant Alpenrösli aushelfe. Ich mag es eben, etwas zu tun und brauche sehr viel Abwechslung.“

Frageblock 6:
Du schreibst in deiner Biografie, dass du dich von Lady Gaga hast inspirieren lassen. Inwiefern?
Was genau bedeutet Divà mit „à“ geschrieben? Was sagt diese Wortkreation über dich aus?

„Lady Gaga ist eine tolle Künstlerin, auch wenn sie ein bisschen ausgeflippt ist. Aber sie hat mit dieser Strategie Erfolg. Das ist ein bisschen meine Inspiration. Sie hat mich auf den Namen Divà gebracht. Gaga ist auch ein „gaga“ Name. So einen wollte ich auch, denn so etwas können sich die Leute merken. Sie fangen an darüber zu reden und das ist gut so. Egal ob positiv oder negativ, sie reden… Was ich danach mache ist wichtig: Ich möchte mit meiner Musik überzeugen. So können sie etwas Gutes mit meinem Namen in Verbindung bringen, was schlussendlich wieder etwas Positives ist.
Das „à“ bedeutet, dass ich eben eine etwas andere Diva bin. Ich bin eigentlich ein ganz normaler Mensch, vielleicht ab und zu etwas ausgefallen, aber das gehört dazu. Ich mag Schuhe, Taschen, Schminke, schöne Kleidung…, halt eben „divamässig“. Das „Divà“ kann auch meine Persönlichkeit ausdrücken; auf den ersten Blick wirke ich anders, als ich eigentlich wirklich bin. Jedoch kann ich garantieren, dass das einzig überhebliche der Name „Diva“ ist. Das ist irgendwie auch witzig, finde ich.“

rachel am piano im studio
(Bildquelle: Rachel Divà)

Frageblock 7:
Auf deiner Homepage habe ich zudem gelesen, dass du an deiner Stimme arbeitest (Vocal-Coaching und Intensiv-Gesangswoche). Kannst du kurz schildern, wie und was du dabei übst? Konntest du für die CD-Aufnahmen davon profitieren?
Welche Instrumente spielst du eigentlich? Bildest du dich auch instrumental weiter?

„Ja, ich gehe zirka einmal pro Monat im Kanton Aargau bei Xangsart in den Gesangsunterricht. Ich übe dort die richtige Atem-Technik, dass ich nach dem ersten Song nicht schon das Gefühl habe, ich hätte einen ganzen Marathon gelaufen. Ich lerne auch, wie ich an einen bestimmten hohen oder tiefen Ton heran komme. Wo und wie der Ton überhaupt produziert wird, richtiges Einsingen, die korrekte Aussprache von Songtexten und die Vorbereitungen für einen neuen Song. Zudem auch alles was ich noch nicht kann und lernen möchte.
Ich habe dort einen super Coach und lerne sehr viel von ihr. Davon kann ich natürlich sehr profitieren.
Auch für die CD-Aufnahmen konnte ich sehr viel mitnehmen. An einigen Sachen muss ich zwar noch arbeiten, aber darum gehe ich ja noch in den Unterricht.
Ich spiele hauptsächlich Klavier. Gitarre habe ich mir selbst beigebracht, deshalb spiele ich auch entsprechend. Ich habe jedoch noch ganz andere Instrumente zu Hause, wie Geige, Kontrabass und Schlagzeug, die ich aber noch nicht spielen kann. Ich habe Freude an fast jedem Instrument und möchte noch viel ausprobieren. Ich möchte gerne auch mal „Handörgeli“ und E-Bass spielen lernen. Dann finde ich sicherlich noch andere tolle Instrumente, wie beispielsweise das Saxophon.
Das Hauptinstrument soll jedoch immer meine Stimme sein und bleiben.“

Irgendwo auf Rachel’s Homepage steht “THIS YEAR GONNA BE A GREAT YEAR”. Ich denke, mit dem Finaleinzug beim kleinen PRIX WALO und der Realisierung ihrer ersten eigenen CD hat sie IHR JAHR ZU EINEM GROSSARTIGEN JAHR gemacht. Meine Hochachtung vor dieser jungen Frau!

Ich danke Rachel für das spontane Mitmachen bei meinen „sieben Frage(blöcken) an“. Dabei erhielten wir einen kleinen Einblick in das Wirken und Schaffen der Muotathaler Musikerin.
Irgendwann möchte ich die Künstlerin auch mal live erleben, um mir neben ihren Aussagen und den erwähnten Musikvideos einen weiteren Eindruck zu verschaffen.
Einstweilen wünsche ich Rachel Divà alles Gute und den Erfolg, den sie sich wünscht.

feldwaldwiesenblogger