Ein paar lustige Anekdoten aus alten Zeiten (aus dem Gespräch mit Josef Inderbitzin)

Zum Text für die Muotathaler Volksmusik sind laut Projektleiter Pius Ruhstaller lustige Episoden/Eigenschaften der Musikanten erwünscht. Diese möchten er und sein Team dann im Schwyzer Heft als „Kästen“ auf die einzelnen „Muotathaler-Seiten“ verteilen.
Solchen lustige Episoden und Begebenheiten hat mir Josef Inderbitzin (Sunnäwirt) einige beim kürzlich stattgefundenen Gespräch erzählt. Nachfolgend nun also diese heiteren Geschichten, welche ich natürlich auch abgeben werde.

sunnäwirt beim erzählen
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Georg-Anton Schelbert (Jörätönuls, Vater von Emil Schelbert), machte wie seine Nachkommen, in alten Zeiten auch schon Transporte. Damals, anfangs des 20. Jahrhunderts, noch mit Ross und Wagen. Es wird überliefert, dass besagter Jörätönul mal einen neuen Wagen mit seinem Fuhrwerk ins Urnerland brachte. Wahrscheinlich war dies so um 1910. Dabei wurde auf dem Wagen wacker musiziert. Holpernd ging’s ins Land der Tellen Söhne und Töchter. Das hielt die Fuhrwerker aber nicht davon ab, zu musizieren. Jörätönul spielte Schwyzerörgeli, ein Unbekannter Klarinette. Dies war wohl einer der ersten Musikwagen…

Franz Schmidig senior
Bernhardin und Franz Schmidig (z’Lunnis)
(Bildquelle: http://www.mosibuebe.ch)

Franz Schmidig senior (Lunnis) machte im Dezember 1947 Plattenaufnahmen mit Albert Hagen. Diese machten sie, ohne einen Ton vorher miteinander gespielt zu haben.
Lunnis Franz fragte vor den Plattenaufnahmen: „Wollen wir nicht mal alle Tänze durchspielen?“ Die Antwort von dem Herrn war: „Ich heisse Hagen.“ Diese Ansage war sonnenklar. Das musste reichen, und somit war es auch klar, dass vor den Aufnahmen nichts durchgespielt wurde.
Nach den Aufnahmen haben sie angeblich noch die ganze Nacht hindurch in einem kleinen Beizli georgelt. Vorher hatten sie aber, wie erwähnt, noch keinen einzigen Ton zusammen gespielt.

Den Tanz „Hinterhaler Chilibi-Ländler“ hatte Franz Schmidig senior im Jahr 1946 komponiert. Die erste Hinterhaler Chilbi fand allerdings erst 1968 statt.
Angeblich nannte Franz den Tanz zuerst „Muotithaler Viehmarkt“ (oder so ähnlich). Es wurde ihm aber gesagt, solche Namen für Tänze seien schon etliche vorhanden. Ob er nicht einen anderen Namen hätte, zum Beispiel einen Ortsnamen. Franz meinte: „Wir haben noch ein Hinterthal. Dann machen wir daraus grad den Hinterhaler Chilbi-Ländler.“
1998 spielte Lunnis Franz senior zum 30-Jahr-Jubiläum der Hinterthaler Chilbi den Hinterthaler Chilibi-Ländler bei der Messe (beim Chappeli). Josef Inderbitzin, ein Mitorganisator der Chilbi, erklärte: „Pfarrer Nico Unterhuber hatte während der Messe grosse Freude an dem schönen Tanz.“

Um 1928 ging ein Sebi Schmidig (wahrscheinlich ein Onkel von Lunnis Franz senior) nach Amerika und kam um 1932 wieder zurück. Dieser brachte scheints das erste Örgeli ins Heimetli der Lunnis im Tristel. Darauf begannen die drei Brüder Franz, Bernhardin und Klemenz zu orgeln. Vorher hatten und spielten sie nur „Muulorgeli“.

josef leonhard betschart (ds jackä)
Josef-Leonhard Betschart (Jackä Joseb-Lieni)
(Bildquelle: Bild aus dem Foto „Die Jaken-Familie 1942“, Quelle: HB. Gefunden auf balbuluz.blogspot.ch)

Wie in einem früheren Beitrag erwähnt, spielten Alois Suter (Lisäbethler) und Georg-Anton Langenegger (Egg-Basch) auch schon zu Tanzanlässen, teilweise bis zum frühen Morgen. Es wird überliefert, dass Josef-Leonhard Betschart (Jackä Joseb-Lieni) auch viel mit ihnen musiziert hat. Hauptsächlich tat er dies mit dem Egg-Basch.
Egg-Basch ging einmal an einer Fasnacht nach Jona (SG) zu Josef-Leonhard Betschart musizieren. Dieser wohnte laut Sunnäwirt ein paar Jahre dort, und war auf einem Bauernhof Knecht. Vermutlich ist der älteste Sohn Josef (ein Bruder von Jackä Toni) dort auf die Welt gekommen.
Der Wirt sagte zu Joseb-Lieni und zum Egg-Basch: „Es kommt dann ein Herr mit einem Stock. Bei ihm darf man kein Geld beim Tanz einziehen. Andernfalls würde er mit dem Stock wild um sich schlagen.“
Die Musikanten sagten darauf zueinander: „Entweder ist er ein „chächer“, sonst ziehen wir beim Räschtlä ein.“
Egg-Basch und Jackä Joseb-Lieni spielten die erste Tanzrunde. Der Mann mit Stock (und einem gehörigen Schnauzer) tanzte fleissig.
Joseb-Lieni ging dann während dem Rascht (Tanzrunde) einziehen, man sagte dem in alten Zeiten „räschtlä“. Egg-Basch war sicherheitshalber auf dem Giigäbank auf der Hut. Der Mann mit Stock und Schnauz hat sich angeblich zuerst weggedreht, und windete sich vor dem Zahlen. Joseb-Lieni hat ihn dann am Schnauz gepackt und den Kopf des Tänzers abrupt gedreht. Darauf blickte dieser Joseb-Lieni mit grossen Augen an. Scheints hat er darauf die ganze Nacht bei jedem Rascht bezahlt.
Joseb-Lieni war nämlich ein kräftiger Mann, und er „erchlüpfte“ gar nicht vor so einem „Mändäli“ mit Stock.

Den meisten geht es nun eventuell wie mir, und fragen sich: Was genau ist „räschtlä“ und aus was besteht ein „Rascht“? Ich rief deswegen Josef Inderbitzin extra nochmals an, und liess mir diesen alten Brauch erklären. Folgende Definition hatte mir der Ländlermusik-Kenner parat:
„Der Musikformation gehörte damals der Tanzboden. Sie bekamen keine Gage vom Wirt. Ein „Rascht“ (oder „Räschtli“) bestand in der Regel aus fünf bis sechs Tänzli. Die Reihenfolge sah dann etwa so aus: Schottisch – Ländler – Polka. Dann ging die Musik selber das Geld einziehen („räschtlä“). Um 1940 herum waren dies meistens 50 Rappen. Anschliessend ging es weiter mit einem Schottisch, Ländler und meistens noch einem Stümpäli.“
Ein Stümpäli ist übrigens ein rassiges, zweiteiliges Tänzli.

Entstehung des „Feldweibel-Marsch“
Xaver Rickenbacher („Butzner“), ein Sohn von Martin Rickenbacher (Franz Paulis), war ein lustiger Schwyzerörgeler. Sein Übername „Butzner“ verrät, dass der Mann Älpler auf der Muotathaler Alp Butzen war. Diese Alp ist zwischen der Pragelpasshöhe und der Silberen gelegen, und befindet sich auf 1780 Meter über Meer.
Der Butzner war seinerzeit auch im Militär gewesen, und hat eines Tages im Kantonnement (altes Schweizer Wort für Kaserne oder Truppenunterkunft) mit seinem Schwyzerörgeli gespielt. Plötzlich kam der Feldweibel herein und hat energisch gegen die lustige Stimmung und die Musik protestiert. Der Butzner liess das kalt, dachte nicht im geringsten ans Aufhören und sagte: „Wir machen grad den Feldweibel-Marsch“, und fing gleich darauf an, ein altes Tänzli zu spielen. Daraufhin sagten sie diesem alten Tänzli, das vorher schon existierte, „Feldweibel-Marsch“.

Ich hoffe, der eine oder andere konnte ein wenig bei diesen lustigen Anekdoten schmunzeln. Wie mir Josef Inderbitzin beim Gespräch erklärte, waren die Musiker früher schon ein „glattes Völchli“.

feldwaldwiesenblogger

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