Muotathaler Mulörgeler

Im Text zur Muotathaler Volksmusik wird auch ein Kapitel den Muotathaler Mulörgelern gewidmet. Die meisten Fakten im heutigen Blogbeitrag erfuhr ich beim Gespräch mit dem passionierten Mundharmonikaspieler Werner Schelbert („ds Seppälers“), welchen ich am 10. Januar besuchte.

werner schelbert
Werner Schelbert („ds Seppälers“)
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Laut Werner gibt es wohl seit 1830/40 Mulörgeli. Wann die ersten Mulörgeli ins Muotathal gelangten, ist nicht belegt. Einer der ersten Mulörgeler bei uns war angeblich Kari Imhof vom Saum („Hofers Kartsch“, 1855 – 1922), welcher vermutlich um 1870/80 eines der ersten Mulörgeli im Muotathal besass. Kari war ein zwei Meter grosser, baumstarker Mann, und ein guter Mulörgeler. In seinen mächtigen Händen sei die Mundharmonika jeweils kaum zu sehen gewesen.
Seine beiden Söhne Sebi und Wisi („ds Kartschä“) spielten später auch Mulörgeli.

Zu Sohn Sebi erzählte mir Werner eine Anekdote:
Sebi Imhof nahm angeblich als Mulörgeler auch an Wettspielen im Urnerland teil, welche in den 1940iger-Jahren stattfanden. Dabei waren an einem Anlass auch die beiden Handörgeler Franz Schmidig („Lunnis Franz senior“) und Leo Schelbert („Tönis Leo“), welche sogar den Sieg davon trugen. Albert Hagen soll damals in der Jury gesessen haben.
Lunnis Franz fragte nach dem Anlass Kartschä Sebi, was er denn für einen Bericht erhielt. Sebi, welcher beim Sprechen jeweils den „R“ rollte, sagte in seiner ihm eigenen Ausdrucksweise, dass sie wegen der Musik nichts auszusetzen hatten. Die Juroren schrieben aber: „Hosäladä schliessen und Schnauz besser stutzen.“

Sebis Bruder Wisi lebte später auswärts. Dieser spielte angeblich auch öfters mit Josef Carletti im Militärdienst. Man erzählte, dass Wisi einen Abend lang Mulörgeli spielen konnte, ohne einen einzigen Tanz zu wiederholen.

Der aber wohl bekannteste Muotathaler Mulörgeler ist Josef Heinzer („Schründler“, 1914 – 2003), welcher massgebend das Mulörgelispiel im Muotathal ins Rollen brachte. Auf die Frage, wo Josef das „Mulörgelen“ erlernte, antwortete Werner: „Schründler brachte sich das Mulörgelispiel selber bei.“
Josef komponierte etwa 10 bis 15 Tänzli, der bekannteste ist wohl „dr Schründler“. Zehn Tänzli sind zudem auf Schellackplatten verewigt. Er spielte auch etliche Male mit Handörgelern zusammen, angeblich viel mit Fredy Zwimpfer.

Wie eingangs erwähnt, gab es schon vor dem Schründler Mulörgelispieler im Tal. Ausser die erwähnten Kartschä Sebi und Wisi sind aber die meisten kaum oder nie öffentlich aufgetreten. Höchstens an „Schloffätänz“, wie Werner’s Schwiegervater, „dr Lieneler“ (Jahrgang 1906), welcher vor allem zuhause oder an den besagten Schloffätänz Mulörgeli gespielt habe.

Lunnis Franz senior hat angeblich vor dem Handorgelspiel erst Mulörgeli gespielt. Die Mundharmonika war damals gewöhnlich das erste Instrument, welches erlernt wurde.
Einzelne bekannte Mulörgeler gab es im Muotathal immer wieder. So spielten auch Leo und Adolf Gwerder („Felis“), Werner Betschart („Gigers“), sowie Franz Betschart („Hammichels“) Mulörgeli. Weiter auch Erasmus Betschart („Chuchlis Müssul“, 1930 – 2014), welcher ein begnadeter Mulörgler und Juuzer war.
Der Geiger Josef Imhof („Predigers Joseb“) und Friedel Betschart („Vorsprächä“) spielten auch Mundharmonika.

Werner erzählte weiter, dass er, wie andere auch, zuerst mit „Märchtmulorgeli“ zu spielen begann. Einfache Mulörgeli, mit welchen man erste „Liedli“ erlernte.
Felis Adolf hat jeweils im Elternhaus von Werner (Restaurant Schlüssel) mit doppelreihigen Mulörgeli gespielt. Waren diese verstimmt, schmiss er sie weg, und Jungspund Werner begann auf diesen Mulörgeli Tänzli nachzuspielen.

Der inzwischen pensionierte Bankangestellte lernte gleichzeitig mit Alois Schelbert („Schrinerlis“) und Anton Betschart („Gigers“) das Mulörgelispiel. Sie spielten damals oft zusammen.
Werner brachte sich nach eigenen Angaben das Spiel auch selber bei. Er hat viel geübt und erlangte sich nach und nach eine gute Spiel-Fertigkeit. Er erinnerte sich, dass er zu Beginn während gut zwei Jahren jeden Abend eine Stunde übte. Der damals junge Mann lernte dabei viel, und fand beim Spielen auch einiges heraus.

werner bei postzmusig
Werner Schelbert in einer „Potzmusig“-Sendung im Jahr 2014
(Bildquelle: http://www.srf.ch)

Heutzutage spielt der sehr versierte Mulörgeler auch „Lunni-Tänz“ und Stücke von Walti Grob. Auf die Frage, ob er eigene Kompositionen vorzuweisen habe, meinte Werner: „Bis jetzt noch nicht. Ich bin aber daran.“
Im Jahr 2014 durfte Werner einen kleinen Höhepunkt erleben. Er hatte bei einer „Potzmusig“-Sendung einen gemeinsamen Auftritt mit dem Schwyzerörgeler Markus Flückiger.

Anno 1967/68 taten sich Josef Heinzer („Schründler“), Josef Schelbert („Meitscheler“), Walter Betschart („Schmids Seffis“) sowie Werner Schelbert („Seppälers“) zusammen, und spielten praktisch jeden Freitagabend im Restaurant Bödeli („is Meitschä“) Mulörgeli. Damals spielten sie zu dritt vor, Walter begleitete sie.
Nach Werners Angaben „rauften“ sie sich dann zusammen und gründeten eine Formation: Das „Mundharmonika-Quartett Muotathal“.

Werner kaufte sich eine Bass-Mundharmonika und spielte sie in diesem Quartett.
Sie gingen viel an Ländlertreffen, Schwyzerörgelitreffen und weiteren ähnliche Anlässen aufspielen. Das Quartett spielte auch in Schlieren, Hirzel und Pfäffikon an Mulörgeli-Treffen.

Anno 1971 machten sie zwei Single-Platten mit dem „Mundharmonika-Quartett Muotathal“.
Sie spielten bis 1973/74 in dieser Formation, und traten unter anderem auch am ersten Ländlertreffen im Restaurant Sternen, welches Fredy Zwimpfer organisierte, auf.
Als dann Walter heiratete und fort zog, wurde die Formation aufgelöst. Jeder spielte anschliessend vor allem für sich ein wenig Mundharmonika, mit einer Ausnahme: Sie traten im Jahr 1977 nochmals in der erwähnten Besetzung bei einer „Stadt und Land“-Sendung vom Schweizer Fernsehen auf.

Zu der Hochzeit von Kollege Walter erzählte mir Werner auch eine Anekdote:
Als Quartett-Mitglied Walter Betschart heiratete, waren die anderen drei auch zum Apéro auf dem Hirzel eingeladen. Diese trugen beim Eintreffen im Restaurant, wo die Hochzeitsgesellschaft feierte, rote „Hirthämli“.
Die eine Serviertochter meinte beim Anblick der drei Rotgewandeten, dass sie wohl von der Chilbi kommen, welche nebenan am Laufen war. Die drei erklärten aber: „Wir sind die Musik von der Hochzeit“. Die Serviertochter grinste und sagte zu ihnen: „Wenn ihr die Musik seid, bin ich der Papst.“
Als das Trio dann für die Hochzeitsgesellschaft musizierte, kam sich die Serviertochter hinterher bei ihnen entschuldigen. Sie lud die Mulörgeler in den roten Hirthämli kurzerhand auch ein, im Restaurant zu musizieren. Was die drei denn auch mit viel Freude und Befriedigung taten.

Als die „Stubeten“ im Restaurant Fluhhof begannen, spielte Werner wieder mehr Mulörgeli. Er machte vorerst wieder die Tänzli, welche sie damals schon mit dem Quartett gespielt hatten.
Später übte er neue Stückli von der Kapelle Heirassa, von Schilliger, von Johnny Gisler, und spielte wieder mehr als nach der Auflösung des Quartetts.

Werner, Josef Heinzer und Josef Schelbert spielten zudem fortan im Trio weiter. Sie traten so auch an den Muotathaler Ländlermusiktreffen im Restaurant Sonne auf.
Im Jahr 1988 wurde „Schründler“ 75 Jahre alt, und die drei Mulörgeler bespielten extra für diesen Anlass eine CD. Diesen Tonträger machten sie zusammen mit weiteren Muotathaler Volksmusikanten: Röbi Suter (Handorgel), Stefan Schelbert (Handorgel), Hugo Suter (Bass), Werner’s Bruder Fredi (Büchel) und Verena Ulrich (ds Pitschä, Jutz).

Werner erklärte weiter, dass er, wie auch andere Mulörgeler, öfters mit Handörgelern zusammen musiziert. Früher spielte er viel im Restaurant Rössli mit dem Wirt „Rössli Adolf“. Oder er spielte im Elternhaus, im Restaurant Schlüssel, unter anderem mit Stefan Suter („Stützlers“) oder Theodor Imhof („Hofers“).

In seinen „Flegeljahren“ (Lehrzeit, Mitte der Sechzigerjahre) hat Werner angeblich immer mit einigen Kollegen im Restaurant Schwert musiziert. Dabei spielte er zusammen mit zwei Mulörgelispielern, zwei Handörgelern, Anton Betschart („Gigers“, Bass) und mit dem Wirt Niklaus „Chläusi“ Renggli. Chläusi spielte Klavier.
„Bertholdä Seffi“ sahen sie dabei auch spielen, und er hat laut Werner sogar mit ihnen zusammen gespielt. Werner meinte, dass Bertholdä Seffi ein guter Geigenspieler mit einer ganz tollen Vortragstechnik war.

hohner-mundharmonika-6-fach
(Bildquelle: thomann.de)

Es gibt, wie bei anderen Instrumenten, auch bei den Mundharmonikas verschiedene Typen. So sind Vorspiel-, Begleit- und Bass-Mulörgeli erhältlich, welche verschieden gebaut sind. Zudem existieren auch verschiedene Hersteller. Werner verriet mir, dass er Hohner-Mulörgeli spiele.

Einige Mundharmonika-Hersteller wie „Loreley“ sind eingegangen. Die Firma Hohner stellt auch keine Mulörgeli mehr her. Werner hat aber in Deutschland einen Spezialisten (einen ehemaligen Mitarbeiter von Hohner) gefunden, der ihm seine Instrumente wartet und stimmt. Dieser Spezialist stellt ihm aber auch nach seinen Wünschen neue Mulörgeli mit spezieller Stimmung her, welche es sonst nirgends gibt.

Werner besitzt für jede der 12 Tonarten ein eigens dafür gestimmtes Mulörgeli.
Gespielt wurden und werden im Muotathal meistens diatonische Mulörgeli. Das „Mundharmonika-Quartett Muotathal“ spielte während zwei Jahren auch mal auf chromatischen Mundharmonikas. Sie seien aber wieder auf die diatonischen Instrumente zurückgekehrt.

Seppälers Werner hört man auch heutzutage noch recht häufig Mundharmonika spielen. So tritt er mit der „Sunnämusig“ jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli (Muotathal) auf. Diese Formation besteht aus vier Pensionierten. Nebst Werner sind Josef Inderbitzin (Sunnäwirt, Akkordeon), Josef Ulrich („Pitschä“, Gitarre) und Ernst Betschart („Märtuls“, Klavier) dabei. Man kann sagen: Pensionierte spielen für Pensionierte, natürlich auch für andere.
Die Sunnämusig wurde im Jahr 2010 gegründet und spielte zuerst im Restaurant Sonne (daher der Name). Nach dem Schliessen der Sonne spielt die Formation nun im Restaurant Alpenrösli.

Natürlich muss ich das Kapitel über die Muotathaler Mulörgeler für den Schwyzer Heft-Text kräftig kürzen. Da ich aber bis Ende Februar am Sammeln bin, notiere ich mir alles, was ich über unsere Volksmusik in Erfahrung bringen kann. Dies wiederum führt dazu, dass ihr, meine lieben Leser, so quasi in den Genuss einer „Voll-Version“ von gewissen Kapiteln kommt, welche im Heft leider nur mit ein paar Zeilen abgehandelt werden dürfen. Dies aus Platzgründen, sonst würde aus dem kleinen Büchlein ein „Riesen-Schunken“.

feldwaldwiesenblogger

„Lisäbethler“, „Egg-Basch“ und eine Anekdote vom ersten eidgenössischen Ländlertreffen in Sargans (1971)

Am 31. Oktober letzten Jahres stellte ich folgenden Beitrag in meinen Blog: „Die Anfangstage der Schwyzerörgeler im Muotathal und was der Tschinggä-Liederverein einst so trieb“. Dabei ging es nebst dem „Tschinggä-Liederverein“ um die ersten Örgeler bei uns im Tal. Wie man weiss, waren dies „Lisäbethler“ und „Egg-Basch“.
Damals waren meine Fakten über diese beiden Schwyzerörgeli-Urgesteine noch recht dürftig. Was ich in den letzten Monaten in Erfahrung bringen konnte, lasse ich nun in die Geschichte der Muotathaler Volksmusik einfliessen. Euch, liebe Leserinnen und Leser, lasse ich heute schon teilhaben am Text über diese beiden Schwyzerörgeler. Mit dem Hinweis und der Bitte: Sollten irgendwelche Fakten nicht stimmen, bitte sofort melden. Wenn zudem jemand noch Ergänzungen hat, mir bitte auch mitteilen.

Lisäbethler
(Bildquelle: balbuluz.blogspot.ch)

Lisäbethler
Alois Suter („Lisäbethler“, 1861 – 1936) war zusammen mit Melchior Anton Langenegger („Egg-Basch“) einer der ersten, die im Muotathal mit dem Schwyzerörgeli-Spiel begannen.
Bekannt ist, dass Lisäbethler 1883 nach Rom ging, und während neun Monaten bei der Schweizer Garde im Vatikan diente. 1886 ging Alois Suter nach Deutschland, und arbeitete als Melker in Krefeld und Kempten bei zwei Arbeitsstellen. 1890 kehrte er wieder zurück ins Ried-Muotathal, bewirtschaftete sein väterliches Heimwesen „untere Meienen“ und war Kirchensakristan. Lisäbethler spielte zeitlebens nur auf einem 6-bässigen Schwyzerörgeli.
Ein Nachbar schrieb später: „Alois wurde unzählige Male nach allen Richtungen über die Muotathalergrenze hinaus berufen, denn er machte eine Musik, die heute leider fast nirgends mehr zu hören ist. Mit der lieblich schönen Weise und der Taktmässigkeit seiner Musik bezauberte er seine Zuhörer, so dass auch das hartnäckigste Tanzbein nicht widerstehen konnte. Ja, man darf ruhig sagen, Alois war ein wahrer Künstler in diesem Fache, es war für Jung und Alt ein gehöriger Ohrenschmaus. Nur mit Wehmut denkt man an die vielen und gemütlichen Abende, die wir mit ihm verlebten.“

Lisäbethler interpretierte das überlieferte Musikgut, das bis zur Erfindung der Schwyzerorgel vor allem auf Blas- und Streichinstrumenten gespielt wurde. Erstaunlicherweise hat er Aufnahmen für Schellackplatten gemacht, von denen heute noch zehn Tänze erhalten sind. Die Platten kamen aber nie in den Verkauf, es wurden nur einige für den privaten Gebrauch gepresst.
Vermutlich war Suter einer der ersten bei uns im Muotathal, welcher Plattenaufnahmen machte. Angeblich bespielte er diese Tondokumente, welche leider nicht mehr vorhanden sind, in den 10er- oder 20iger-Jahren des letzten Jahrhunderts mit seiner Stöpselbassorgel.

Alois Suter wurde zu einem Vorbild für spätere Muotathaler Musikanten. Rees Gwerder („Eigeler“) hat sich auf ihn bezogen und Alois Betschart („Pitschä Wysel“) hat ihm eine Mazurka gewidmet („dr Lisäbethler“).

Eggbasch
(Bildquelle: Josef Inderbitzin)

Egg-Basch
Melchior Anton Langenegger („Egg-Basch“, 1872 – 1938), war der andere Pionier in Sachen Schwyzerörgeli im Muotathal. Egg-Basch ist von der Egg im hinteren Sonnenhalb.
Man hat von vielen Tänzli erzählt, welche vom Egg-Basch seien. Aber ob er die auch selber komponierte, weiss man nicht. Es wird wohl so sein, dass er die meisten davon nachgespielt hat, und sie hinterher ihm zugeschrieben wurden.
Die meisten Tänzli bestanden damals aus zwei Teilen. Langenegger hatte ein C-gestimmtes (8-bässiges-)Stöpselbass-Örgeli, welches man im Winter sogar im Stalden unten hörte, wenn er droben in der Egg vor dem Haus spielte.
Es wird erzählt, dass Egg-Basch auf seinem 8-bässigen Örgeli eine Nacht lang spielen konnte, ohne einen Tanz zu wiederholen. Egg-Basch machte vor allem sehr melodiöse Tänzli.
Sein Sohn Georg-Anton („ds Baschä Jörätönel“) lernte das Orgelspiel von ihm, wie auch Anton Betschart („ds Jakä Toni“).

Die Musik von Egg-Basch war eine der Inspirationsquellen von Rees Gwerder. Mehrere seiner Tänze beruhen auf musikalischen Motiven, wie sie Egg-Basch gespielt hat. Rees hat diese Musikelemente neu arrangiert oder um Teile ergänzt. So ist beispielsweise der „Hundener-Schottisch“ das Ergebnis einer Fusion von je einem zwei- und einem drei-teiligen Tanz, wie sie von Egg-Basch gespielt wurden. Dieses Vorgehen war unter den Musikanten weit verbreitet. Es kommt auch sprachlich zum Ausdruck, wenn manche alten Musikanten von Musik „kombinieren“ und nicht von „komponieren“ sprechen.

Da es vorher noch keine Schwyzerörgeli gab, und demzufolge keine Spieler, haben sich Lisäbethler und Egg-Basch das „Örgelen“ wohl selber beigebracht. Angeblich spielten beide vorher schon Mulörgeli, und hatten sicher auch Musikgehör. Beide probierten das Orgelspiel, bis sie es beherrschten.

Lisäbethler und Egg-Basch spielten seinerzeit miteinander, und traten auch zusammen auf. Gespielt wurde damals in den Muotathaler Beizen „Sonne“, „Rössli“, „Schwert“ und „Schlüssel“. Man trat aber auch ausserhalb des Tales auf.
Die meiste Zeit haben die beiden nur im Duo aufgespielt. Musizierten sie aber mal an einem grösseren Ort, nahmen sie auch einen Basszüger mit.

Ob der Egg-Basch und der Lisäbethler selber komponiert haben, ist nicht sicher. Es könnte aber durchaus sein, denn das Aufkommen der Schwyzerörgeli ermöglichte mit Bestimmtheit neue Melodien. Eine Frage, die wahrscheinlich so niemand mehr beantworten kann. Zudem gibt es ziemlich sicher darüber auch keine schriftlichen Belege. Man vermutet, dass das Traditionsstückli waren, welche sie übernahmen und teilweise abänderten. Durchs Musizieren entstanden so neue Tänzli, statt „komponiert“ ist „kombiniert“ worden.
Dieses Vorgehen erinnert stark an Rees Gwerder. Rees Gwerder übernahm, wie oben schon erwähnt, später auch solche Traditionsstückli, und gab ihnen einen Namen. Diese Tänzli hätten vielleicht heute noch keinen Namen, wenn er das damals nicht gemacht hätte.
Kari Suter („ds Länzä“) hat von Tänzli, welche Egg-Basch und Lisäbethler gespielt haben, die Noten geschrieben.

stefan suter
Stefan Suter („ds Stützlers“)
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Am 20. Dezember führte ich, wie schon in einem älteren Beitrag erwähnt, auch ein Gespräch mit dem Schwyzerörgeler Stefan Suter („ds Stützlers“). Dabei erfuhr ich einiges über die beiden Muotathaler Geiger „Predigers Joseb“ und „Bertholdä Seffi“. Stefan erzählte mir aber auch einige lustige Anekdoten. Eine davon spielte sich am ersten eidgenössischen Ländlertreffen in Sargans ab.
Einleitend zu der besagten Anekdote erklärte mir Stefan, wer damals alles in Sargans dabei war. Es fielen auch die Namen von drei Bisistalern, zu zweien notierte ich mir folgendes:

Augustin Gwerder („ds Dominälis Stinul“) und sein Bruder Melk sind von der „Hilträteren“ (Bisistal). Stinul war ein guter Schwyzerörgeler und hat angeblich viel Musik gemacht, auch mit Rees Gwerder.
Stinul wohnte später im Bödeli, in der „Mühle“, und war mit „dr Mühli Theres“ (Theres Nussbaumer) verheiratet. Melk war ein guter Tänzer, hat viel getanzt und „bödälät“.

Anekdote vom ersten eidgenössischen Ländlertreffen in Sargans (1971):
Am ersten eidgenössischen Ländlertreffen in Sargans war nebst dem „Mundharmonika-Quartett Muotathal“ auch diese Ländler-Formation aus dem Muotathal dabei: „Rössli Adolf“ (Adolf Schelbert) und „Dominälis Stinul“ (beide Schwyzerörgeli), sowie „Stützlers Stefan“ (Bass). Die Formation bereitete und schmückte vorgängig einen hölzernen Leiterwagen mit Holzreifen als Umzugswagen vor. Der geschmückte Wagen wurde mit einem Lastwagen nach Sargans transportiert.
In Sargans organisierte man ein Pferd, welches den Wagen beim Umzug ziehen sollte, und einen jungen Burschen als Fuhrmann.
Der Wagen wurde dann in den Umzug eingereiht. Auf dem Leiterwagen fuhren nebst den erwähnten Musikanten auch „Dominälis Melk“, „Paulinis Hermann“ (Hermann Imhof) und Griti Ulrich („Schönäbödlers Pauli’s Frau“) mit. Melk und Hermann waren fürs Bödelen und Gäuerlen zuständig, Griti für das Weben mit dem Spinnrad zu hinderst auf dem Wagen. Die Musik begann zu spielen. Als es dann auf dem Wagen wegen dem Bödelen und Gäuerlen zu „chloteren“ begann, kam das Pferd „für“. Der junge Fuhrmann vermochte das Pferd nicht mehr zu halten. Rössli Adolf stellte sein Örgeli ab, sprang ab dem Wagen, ging zum Pferd und nahm es am Halfter. Adolf konnte das Pferd mit der Zeit beruhigen und stoppen. Nach ein paar hundert Metern war die Fahrt bereits zu Ende und die Polizei nahm den Wagen aus dem Umzug. Der Auftritt des Muotathaler Umzugswagens war dann leider vorbei. Der Leiterwagen wurde wieder verladen und ins Muotathal zurück gebracht.

Einen dritten Bisistaler Namen habe ich oben bei der Einleitung zur Anekdote noch vorenthalten: Griti Ulrich („Schönäbödlers Pauli’s Frau“). Am 17. Januar besuchten wir die rüstige 86-jährige in ihrer Alterswohnung in Ibach. Wir befragten sie dabei ganz allgemein zur Muotathaler Volksmusik, Bisistaler Musikanten und zu ihrem eigenen Musizieren.
Griti spielt Schwyzer Zither und hatte zusammen mit ihrer Familie früher eine Familienkapelle.
Was wir dabei alles erfuhren bin ich zurzeit am Niederschreiben. In Bälde werde ich auch Fakten aus dem Gespräch mit Griti hier veröffentlichen.

feldwaldwiesenblogger

Schlechte und dicke Luft im Muotathal

schlechte Luft
(Bildquelle: http://www.blick.ch)

Die liebe Presse verkündete ja unlängst wie schlecht die Luft in unserem schönen Bergtal sein soll. Erst nahm sich der Bote der Urschweiz, dann 20 Minuten und schlussendlich der „liebe BLICK“ der Sache an. Ich berichtete auf Twitter und Facebook darüber bereits auch schon.

Meine Wenigkeit darf als Chemielaborant dazu sicher ein wenig seinen Senf abgeben. Denn: Muotathal gleich als den Schweizer Ort mit der schlechtesten Luft darzustellen ist nicht nur eine unverschämte Frechheit von Seiten der Presse. Es zeigt einmal mehr, dass sie gewisse Dinge einfach nicht sauber recherchieren.

Hätten die sich nämlich die Mühe gemacht, hätten sie flächendeckende Messreihen über die ganze Schweiz heranziehen müssen. Und nicht nur mit der Stadt Zürich vergleichen dürfen. Ergo heisst das für mich und die ahnungslosen Zeitungsleser: Wenn ein Ort schlechtere Luftwerte aufweist als Zürich, dann muss in jenem Ort wirklich die schlechteste Luft der Schweiz sein. Eine seltsame Logik und ein absolut dämlicher Witz…

Von wann genau die „publizierten“ Messresultate sind, weiss ich nicht. Ich bin dieser Geschichte nicht weiter nachgegangen, und habe auch keine Recherchen angestellt. Meine Vermutung geht aber in die Richtung, dass die Messreihe nicht von diesem Winter sein kann. Denn der hat noch gar nicht fertig…
Weiter ist auch nicht bekannt, ob in Zürich unter gleichen Bedingungen gemessen wurde wie im Muotathal.

Von Berufes wegen weiss ich nämlich, dass man nur Äpfel mit Äpfel und Birnen mit Birnen vergleichen darf. Der BLICK und die anderen beiden Medienerzeugnisse verglichen aber Äpfel mit Birnen und umgekehrt. Das will heissen: An beiden Orten wurde garantiert unterschiedlich gemessen, an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten, bei unterschiedlichen Bedingungen. Man könnte diese Zufallsparameter noch um einiges erweitern. Zudem ist die geografische Lage, das Klima und das Wetter bei solchen Messungen ein weiterer wichtiger Faktor. Diese Dinge wurden aber wohlweisslich unter den Tisch gekehrt, einer Schlagzeile zuliebe.

Klar, ich will die Luftwerte im Muotathal nicht schönreden. Wir haben ein Luftproblem, und es wurde erkannt. Wie Gemeindepräsident Franz Föhn gestern im Bote-Samstagsinterview aber so schön sagte: „Wir regeln das im Muotathal unter uns.“

Also bitte schön, liebe Presse: Lasst das uns auch regeln und schreibt bitte in Zukunft über Sachen, die vergleichbar sind. Denn eure Unterstellungen sind haltlos und wirklich frech. Ohne jeden wissenschaftlichen Wert. Und, um noch ein wenig nachzutreten: Wie sehen die Luftschadstoffwerte in vergleichbaren Talschaften aus? Aha, auf die Idee ist man nicht gekommen? Soso…

dicke Luft
(Bildquelle: Bote der Urschweiz)

Neben der „schlechten“ Luft herrscht seit einigen Tagen im Thal auch „dicke“ Luft. Auch darüber habe ich auf Twitter und Facebook berichtet. Da ich den Sachverhalt aber zu wenig kenne, will ich nicht Position für irgendeine Partei beziehen. Im Gegenteil: Ich rate den Befürwortern und den Gegnern dieses Bauprojektes so rasch wie möglich zusammen zu sitzen.

Wie immer geht es dabei auch um Geld. Um allenfalls verletzten Stolz. Um was weiss ich noch. Ich bitte die Betroffenen aber trotzdem erst mal tief durchzuatmen, und erst dann an den runden Tisch zu sitzen. Übertriebene Emotionen, Schuldzuweisungen, Unterstellungen und weitere ähnliche Gefühle haben bei den Gesprächen nichts zu suchen. Vermutlich wäre es auch ratsam, einen Mentor, also einen neutralen und besonnenen Gesprächsleiter, hinzu zu ziehen.

Für mich müsste es bei dem Gespräch (oder wahrscheinlich den Gesprächen) erstmal eine Auslegeordnung geben. Jeder müsste zuerst seine Position darlegen: Warum und wieso.

Weiter gilt zu klären, wieso dieses Projekt erst praktisch durchgewinkt wurde, und jetzt plötzlich Widerstand erfährt. Für mich ein zentraler Punkt. Was ist da in der Zwischenzeit vorgefallen, was hat sich verändert?

Wenn alle Fakten auf dem Tisch sind kann man darüber sprechen und verhandeln. Zudem sollen unbedingt neue Überlegungen dazu angestellt werden: Welche gemeinsamen Nenner gibt es? Welche Zugeständnisse können bei welchem Punkt gemacht werden? Gibt es bereits neue Lösungsvorschläge?

In meinen Augen ein ganz wichtiger Punkt ist der Faktor Mensch und die Umwelt. Wurde das bestehende Projekt diesbezüglich auf Herz und Nieren geprüft? Welche Zugeständnisse würden Ralf Suter und der Einwohnerverein Ried allenfalls machen?

Wie sieht das bei der Firma Schelbert AG aus: Welche Projektänderungen lägen drin? Bei welchen Punkten könnten sie sich den Gegnern annähern? Gab es allenfalls Missverständnisse bei der Kommunikation des Vorhabens?

Man sieht auf einen Blick, dass aus dicker Luft herrlich frische Winterluft werden könnte, wie sie heute Sonntag in unserem Thal vorherrscht.
Dank dem Regen und Schnee wurde die „Dreckluft“ in den letzten Tagen nämlich wieder „reingewaschen“. So könnte es bei besonnenem Gesprächsverlauf anschliessend auch aussehen. Vielleicht braucht es wirklich zuerst ein reinigendes Gewitter in Form von „Dampf ablassen“ beim Beginn der Gespräche.
Wie ich oben angeraten habe: Erst alle Fakten auf den Tisch, und die Parteien hören einander zu, eine sogenannte „Chropfleerete“.

dicke luft im paradies
(Bildquelle: http://www.christian-habicht.de)

Das Bild passt doch hervorragend zu unserer Situation im Muotathal: „Dicke Luft im Paradies“. Die Luft ist nicht immer ganz rein und bei gewissen Parteien herrschen zurzeit leichte atmosphärische Störungen.

Wie bei dem älteren Ehepaar, welches sich wegen einer Meinungsverschiedenheit im Haar liegt, ist die Sachlage auch bei uns nicht weiter schlimm. Dinge, welche anständige Bürger miteinander lösen können. Man muss zudem nicht immer gleicher Meinung sein, um trotzdem einen gemeinsamen Konsens zu finden.

Bei der Luft müssen wir uns Muotathaler selber an der Nase nehmen, und sich bei gewissen Dingen auch hinterfragen. In diesem Bereich haben nicht immer alle ihre Hausaufgaben gemacht. Ich bin aber sicher, dass die Gemeindehörde Hilfestellung bei allfälligen Fragen und Probleme bietet.

Und: Wir Muotathaler sind im Stande, unsere Probleme selber zu lösen. Die Presse kann uns da (manchmal) mal…

feldwaldwiesenblogger

Ds Predigers Joseb

Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es etwa ein halbes Dutzend Geigenspieler im Muotathal. Dazu habe ich unlängst den Blogbeitrag „Fakten über die alten Muotathaler Geigenspieler“ aufgeschaltet. Ich erwähnte dabei auch unsere beiden bekanntesten Geiger, welche das Muotathal mit ds Bertholdä Seffi und Predigers Joseb hervorbrachte. Bei jenem Bericht erwähnte ich, dass meine Fakten noch recht dürftig sind. Die habe ich nun in der Zwischenzeit ziemlich ergänzen können. So habe ich in den letzten beiden Einträgen über ds Bertholdä Seffi geschrieben. In diesem Blogbeitrag widme ich mich Predigers Joseb. Meine folgenden Fakten erfuhr ich am 20. Dezember, als ich Stefan Suter (ds Stützlers) besuchte.

predigers joseb
Ds Predigers Joseb und ds Jakä Toni
(Bildquelle: balbuluz.blogspot.ch)

Aus dem Gespräch mit Stefan Suter
Josef Imhof (Predigers Joseb, 1896 – 1988) wohnte unter anderem im Hürital, „is Jägers“, und war dort Landwirt. In der Muotathaler Liegenschaftsgeschichte von Alois Gwerder steht geschrieben, dass Joseb auch in einer Hälfte Haus „vos Zenis“ wohnte. Diese Hälfte hat er quasi neu aufgebaut, und durch das war sie dann einen Meter höher als der vordere Teil (das alte Haus „vos Zenis“).
Später wohnte der Muotathaler Geiger zusammen mit seinen Schwestern im Hinterthal, bis er dann ins Altersheim zog.

Man erlebte Predigers Joseb als resoluten, aber auch schweigsamen Mann. Am besten hatte ihn wohl Franz Betschart (ds Jakä Franz) gekannt. Franz lebt leider auch nicht mehr. Joseb spielte seinerzeit meist mit ds Jakä Franz, gelegentlich auch mit seinem Bruder Toni.
Stefan erlebte ihn bei drei- oder vier gemeinsamen Auftritten, zum Beispiel an Hochzeiten, wo sie entweder ein Ständli brachten oder den ganzen Abend zusammen aufspielten.
Auf die Frage, ob er jeweils vorher mit Joseb geprobt habe oder dieser ihm sagte was für Stückli sie spielen werden, sagte Stefan: „Nein. Er hat auch nicht gesagt, was für ein Stückli komme. Er hat einfach begonnen, wie ds Jakä Toni auch. Joseb hat aber auch nicht so schwere Stückli gespielt, dass man sie nicht hätte begleiten können. Gewisse unübliche Harmoniewechsel, die er drin hatte, machten es manchmal schwierig. Er spielte öfters auf einem „gäussenden“ Ton, dass einem nach und nach fast die Ohren wehtaten.“
Joseb spielte auch „stümpelimässige“ Stückli, welche verschiedene Wechsel beinhalteten, so quasi ein hin- und herspringen mit dem Bass. Bei anderen Tänzli musste man wiederum gut zuhören, wenn der Akkord wechselte, denn Joseb spielte ja nur seine Melodie durch.
Der bärtige Mann spielte alte überlieferte Tänzli. Woher diese waren, wusste Stefan nicht. Er meinte, dass sie keine Kompositionen von Joseb waren.

Stefan erzählte auch eine Episode von Joseb. Wann sich diese Geschichte abspielte, konnte er nicht sagen. Da Joseb dabei zu Fuss von Arth heimging, meinte er, dass das schon vor sehr langer Zeit gewesen sein muss.
„Joseb ging eines schönen Tages nach Arth Musik machen. Er wurde von einer Kapelle zum Bassgeige spielen angefragt. Vor dem gemeinsamen Musizieren nahm er seinen Bass hervor, und begann ihn zu stimmen. Dabei überspannte er ihn, und der Hals der Bassgeige riss. Joseb wurde wütend, fackelte nicht lange und packte seine sieben Sachen zusammen. Samt defekter Bassgeige lief der Landwirt zu Fuss über Oberschönenbuch wieder heim.“

Übrigens, gemäss Stefan war Predigers Joseb eigentlich nicht bekannt als Basszüger. Dazu hatte er noch eine zweite Anekdote parat:
„Toni Bürgler habe einmal mit ds Predigers Joseb Musik gemacht, und zwar im Restaurant Sternen. Dies war vermutlich in den Sechzigerjahren. Die Formation hiess Trio Bürgler, und wurde vorgängig vom Wirt angefragt, ob sie am Güdelmontag im Sternen spielen kommen. Toni Bürgler sagte zu.
Als der Auftritt vor der Tür stand, musste Tonis Bruder Fridolin (Bassist) ins Militär, in den WK. Sie standen deshalb plötzlich ohne Basszüger da. Toni fragte den Wirt, ob dieser für einen Bassgeiger schauen könne. Der Wirt meinte, dass er schon einen finden werde.
Als sich das Trio Bürgler am besagten Güdelmontag im Sternensaal vorbereitete, stand Joseb unter der Tür und kam zu ihnen auf den Giigäbank.
Es gilt noch zu erwähnen, dass der Wirt vor dem Auftritt zu Joseb sagte, dass er seinen wilden Vollbart etwas stutzen solle. Toni meinte später, dass Joseb „himmeltraurig“ dreinschaute. Er habe wohl nur mit einer Schere notdürftig seinen Bart gestutzt.
Sie begannen dann zu spielen. Toni stellte bald fest, dass irgendetwas einfach nicht stimmte. Es klang miserabel, und Josebs Bass stimmte einfach nicht mit den anderen überein. Der Wirt liess Richtung Giigäbank verlauten: „Joseb, das tönt ja miserabel!“. Joseb erwiderte: „Es ist hier drin kein einziger, der es besser kann als ich.“ Sie spielten noch eine Weile, aber es passte gar nicht.
Da Fasnacht war, herrschte buntes Maskentreiben und es kamen Maschgraden in den Saal. Einer davon konnte sehr gut bödelen und mit einer Kiste samt passendem Deckel wunderbar den Takt klopfen. Der Rhythmiker gab sich irgendwann zu erkennen: Es war Fridolin, der Urlaub vom WK bekam. Dieser löste dann Joseb am Bass ab.
Irgendjemand sagte zu Joseb, dass er doch seine Geige holen soll. Toni war skeptisch: „Wenn das bloss so getönt hat mit dem Bass, was will er mit der Geige?“
Nach einer Weile kam Joseb tatsächlich mit der Geige und begann zu fiedeln. Toni war überrascht, und musste mit Erstaunen feststellen, dass Joseb sehr schön spielen konnte. Es wurde angeblich noch ein galanter und schöner Abend.
Toni sagte hinterher, dass er Joseb damals eigentlich gar nicht wirklich kannte, und ihn vorher auch nie spielen hörte.“

Wo Joseb sein Geigenspiel erlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich von seinem Vater. Joseb sagte nämlich einmal, dass schon sein Urgrossvater Geige gespielt habe. Ds Predigers sind von der Muotathaler Abstammung her aus der Sippe der „Jägglig“, und die „Jägglig“ waren bekannt als Musikanten im Hürital.

Im Mülirad-Verlag wurde ein Notenheft mit dem Namen „Geigentänze und Jüüzli aus Muotathal und Illgau“ (eingerichtet und bearbeitet von Maria Gehrig) veröffentlicht.
Im Nachlass von Ernst Ott (Zürich) kamen die Noten der „Prediger Tänze“ wieder zum Vorschein. Ernst Ott von der legendären Kapelle Rundum ist vermutlich auch der Verfasser dieser Manuskripte. Nebst zwei traditionellen Ländlern aus Illgau sind die meisten Tänze Überlieferungen von „Predigers Joseb“.
(Quelle: http://www.muelirad.ch)

giigätänz
(Bildquelle: http://www.giigaebank.ch)

Voranzeige: Der Giigäbank Muotathal führt am kommenden 2. Mai im Restaurant Alpenrösli (Muotathal) einen Abend unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei werden „Giigä-Tänz“ von „unseren“ beiden Muotathaler Geigern Predigers Joseb und Bertholdä Seffi aufgeführt.

Wie ich meine, dürfen wir nun gut vorbereitet am 2. Mai ins Alpenrösli. Um den Melodien unserer beiden Muotathaler Geigen-Legenden zu lauschen, welche sie vor vielen Jahren nachspielten. Ich freue mich jetzt schon darauf!

feldwaldwiesenblogger

Ds Bertholdä Seffi – Teil 2

Im zweiten Teil über Josef Betschart, ds Bertholdä Seffi, geht es darum, wieso er aus dem Thal fortging. Weiter um seine Musikantenerlebnisse, die Gagen in den Dreissigerjahren in Zürich und um das Musizieren im Muotathal.
Wie schon beim ersten Teil über den Geigenspieler aus dem Muotathal, welcher nach Zürich ging und später nach Wil SG, sind auch die Informationen beim zweiten Teil ausschliesslich ab der CD von Stefan Suter: „s’Bertholde Seffi mit den Berner Musikanten im Radio Förderband.“

Bertholdä Seffi
Ds Bertholdä Seffi
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Seffi spielte Stücke, welche laut der Radio Breitband-Sendung ihre Herkunft mehr oder weniger rund ums Muotathal haben. Teilweise auch namenlose Stücke. Der begnadete Geiger hatte aber auch Tänzli im Repertoire aus der Zeit, als er in Zürich war. Er lernte nach seinen Angaben das „Zürcher Strandbadleben“ und zudem auch einige Konzertstücke.

Auf die Frage, wieso er eigentlich aus dem Muotathal fort ging, erklärte Seffi: „Das hat sich so ergeben. Mein Vater ist krank geworden. Er hat mir beim Verkauf der Geige gezeigt, dass er kein Zutrauen zu mir hat. Er verkaufte zudem seine Schreinerei, als ich noch sehr jung war, und ich war in seinen Augen zu wenig gebildet. Deshalb habe ich halt einen anderen Beruf erlernt. Obwohl ich ‚im Holz‘ aufgewachsen war, hätte man dort die Möglichkeit gehabt, weiter zu machen. Es hat mich dann hinausgezogen, und so bin ich gegangen. Ich lernte Schlosser und bin nach Zürich gekommen. Dort suchte man auch Kontakt. Musik machte ich aber vorerst nur mit Muotathalern, wie Leo Schelbert (ds Tönis Leo) oder Paul Betschart (ds Gändlers Pauli).“

Seffi wurde auch auf seine Musikantenerlebnisse angesprochen. Dazu meinte er: „Beim Musikmachen erlebt man nicht viel, weil streng gearbeitet wird, bis man sich ein paar Fränkli verdient hat. Wir haben aber schon ein paar Edpisoden erlebt.
Eine ging so: Eines Abends konnten wir nach dem Musizieren mit dem letzten Tram nicht mehr nach Oerlikon, wo ich ein Zimmer hatte. Deshalb ging ich mit Tönis Leo ins Hotel Goldenes Schäfli übernachten. Wir hatten zu später Nachtstunde beide schon ordentlich gebechert.
Wir wurden im Hotel auf der fünften Etage beim Dachstock einquartiert. Am Morgen erwachten wir beide schon um halb Sechs Uhr und wussten nicht, wo das WC war. Den Nachthafen haben wir zwar gefunden, der war aber schon voll. Diesen haben wir kurzerhand übers Dach runtergeleert. Wir verrichteten darauf beide unser Geschäft in den wieder leeren Hafen und gingen wieder ins Bett. Eine Viertelstunde später klopfte die Polizei an die Tür und wollte wissen, was mit uns beiden los ist. Wir erklärten, dass wir in der Nacht nicht mehr nach Oerlikon heimfahren konnten und halt hier einquartieren mussten. Ausweise hatten wir auch keine dabei, die Polizei glaubte uns aber die Geschichte, und meinte, es sei soweit in Ordnung. Der eine Polizist hat sogar noch das Nachttischchen geöffnet, den Hafen rausgezogen und sofort wieder reingestellt. Es ist dann nichts passiert, weil der Hafen voll war.“

Weiter erklärte Seffi: „In Zürich habe ich auch verschiedenes erlebt. In der Nacht haben wir Musik gemacht und untertags ist man zum ‚Märchy Domini‘. Ich hörte ein wenig zu, und ging zwischendurch auch auf den Giigäbank spielen. Dort sind auch die Musiker zusammengekommen, und man lernte überall wieder etwas dazu.
An Silvester, Neujahr und am Berchtoldstag ist man nie ins Bett. Man ging immer wieder in den ‚Spunten‘ runter und holte sich dort etwas.
Nach dem Neujahr oder der Fasnacht hatte man einen ‚Brummer‘ beisammen und ging gewöhnlich einen Tag nicht arbeiten, und erfand dafür eine Ausrede. Geglaubt oder nicht geglaubt: Es ist heute nicht viel besser als früher. Man glaubt heute auch nicht alles, was erzählt wird.“

Seffi wurde auch auf die Gagen angesprochen, welche man in den Dreissigerjahren in Zürich bekam. Dazu sagte er: „In der Käsehütte haben wir zu Dritt 120 Franken für drei Nächte bekommen, also 40 Franken pro Musikant. In Zürich-Oerlikon, wo meine Schwester noch mitgespielt hat, haben wir während drei Nächten zu Dritt für 90 Franken gespielt. Damals musste man froh sein, wenn man 30 Franken für zwei oder drei Abende bekam. Klar, die Konsumation war gratis, und nachher hatten wir jeweils keinen Hunger oder Durst mehr.
Ich kann mich noch an folgendes erinnern, als wir mal im Löwen in Oerlikon spielten: Als am frühen Morgen uns der Chef fragte, was wir noch trinken möchten, habe ich zu ihm gesagt, von jeder Flasche Likör ein Gläschen. Das habe ich dann gut über die Runden gebracht. Zuhause bin ich aber später nicht mehr so schnell aufgewacht…“.

Geige
(Bildquelle: http://www.abendblatt.de)

Ds Bertholdä Seffi spielte auch Stücke im Wienerwalzer-Stil, und hat eigentlich zeitlebens immer ein wenig Geige gespielt: „Ich bin jedes Jahr zwei- bis dreimal im Muotathal. Ich habe eine Schwester dort, welche Handorgel und Klavier spielt. Sie hat sogar noch eine Geige, welche mein Vater gebaut hat. Aber die war immer kaputt. Ich habe meine Geige aber immer dabei. Im Restaurant Schwert habe ich zudem einen Schwager, der mich am Klavier begleitet. Weiter begleiten mich auch ds Jakä Toni oder noch zwei, drei andere Handörgeler beim Spielen.
Wenn ich ins Muotathal kam, gab es immer Betrieb und ein Fest. Denn sie wussten genau: Jetzt kommt er ein halbes Jahr nicht mehr. Die Leute telefonierten auch den Ulrichs im Bisisthal, dass ‚ds Bertholdä Seffi‘ mit der Geige kommt. Wenn ich dann in die Wirtschaft reinkam, war die immer schon voll. Es ging lustig zu und her, und es wurden auch Witze erzählt. Man machte zu der Zeit im Schwert sogar Aufnahmen. Da der Lärm manchmal ziemlich gross war, ging die Musik dabei leider ein bisschen unter. Es war lebhaft und unterhaltsam, und man vergass dabei die Zeit. Ich ging jeweils ins Bett, wenn niemand mehr anwesend war. Man wurde immer gut verköstigt, für Speis und Trank war bestens gesorgt.“
Eines der letzten Stücke, das Seffi jeweils anspielte, war „dr Heigaher“…

Ds Bertholdä Seffi haben wir nun ein bisschen besser kennen gelernt. Es gibt im Muotathal leider nicht mehr viele Leute, die ihn noch spielen gesehen und gehört haben. Ich hatte die Ehre, ihn wenigstens spielen zu hören. Sein Stil hat mir ausserordentlich gut gefallen, und zeugt in meinen Augen von grossem Können und Talent. Auch wenn das Seffi im ersten Teil vehement in Abrede brachte. Dies ist aber auch eine Eigenart der (alten) Muotathaler, sich kleinzureden. Vielleicht sind sie einem deswegen so symphatisch, weil sie so sind wie du und ich.
Weiter konnte ich aus dem wertvollen Tondokument ein paar Zusammenhänge von ds Bertholdä Seffi mit anderen Musikanten (ds Tönis Leo und ds Gändlers Pauli) und Auftrittsorten notieren, und eine weitere lustige Anekdote meiner Sammlung beifügen.

feldwaldwiesenblogger

Ds Bertholdä Seffi – Teil 1

Beim Gespräch mit Stefan Suter kamen wir auch auf Josef Betschart (ds Bertholdä Seffi, 1912 – 2002) zu sprechen. Dabei drückte mir Stefan eine CD in die Hand, auf welcher Radio-Aufnahmen vom Jahr 1985 enthalten sind. Der Titel der CD: „s’Bertholde Seffi mit den Berner Musikanten im Radio Förderband“. Ich habe inzwischen die ganze CD durchgehört. Darauf enthalten sind verschiedene Aufnahmen mit besagtem Bertholdä Seffi, dazwischen auch Gespräche. Diese sehr informativen Gespräche habe ich nun protokolliert. Ich kann Stefan nur danken, dass er mir diese CD mitgab, und mich darauf hinwies, dass noch Gespräche drauf sind. Denn ich kann mir nun ein besseres Bild von diesem interessanten Muotathaler Geiger machen, von dessen Existenz ich vor dem Bearbeiten der Muotathaler Volksmusik nicht mal wusste.

Mein gesammeltes Wissen möchte ich Euch, meine lieben Leser, natürlich nicht vorenthalten.

Da ich dabei relativ viel Material anhäufte, veröffentliche ich zwei Blogbeiträge über diesen musikalischen Zeitgenossen, mit Wurzeln im Muotathal.

Bertholdä Seffi
„s’Bertholde Seffi mit den Berner Musikanten im Radio Förderband“ (CD-Hülle)
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Seffi wurde beim ersten Gesprächsblock der Radio Förderband-Sendung auf sein selbständig erlerntes Geigenspiel angesprochen. Und ob er eine ähnliche Technik habe, wie jemand, der Geigenspiel-Unterricht nahm. Dazu sagte er: „Nein, das habe ich nicht. Technisch bin ich nicht so auf der Höhe. Denn mir hat niemand gesagt, dass man mit der offenen Hand die Griffe bedienen muss und dabei die Handfläche auf den Hals legt.“ Weiter meinte Seffi, dass er mit den Lagen nicht zu recht kam. „Ich habe für die Ländlerstücke, die ich gelernt habe, gar keine Lagen gebraucht. Man ist zurück geblieben, und zwar bis heute. Ich versuche heute, ein bisschen Lagen zu spielen. Ein paar Sachen habe ich noch notdürftig hin gekriegt“, erklärte der 73-jährige ganz bescheiden bei der Radio-Sendung.
Anschliessend wurde „dr Wildbrättler“ (ein Schottisch) gespielt. Wie es in der Sendung vorab hiess, eine Spezialität von dem nach eigenen Angaben „limitierten“ Seffi, wo technisches Können erforderlich ist. Denn es wurde zwischendurch auch gezupft, und zwar in einem rechten Tempo. Eine der Berner Musikerinnen meinte ergänzend: „Wenn man an einem Abend bereits schon länger spielte, und allenfalls noch etwas getrunken hatte, braucht es doch einiges, dieses Tänzli so noch zu bringen…“

Ein anderer Berner Musiker beschrieb seinen ersten Besuch im Muotathal folgendermassen: „Im Muotathal wird in den Beizen noch so Musik gemacht, wie ich es persönlich eigentlich nur noch von Irland kenne.“ In den übrigen Gegenden der Schweiz sei die Volksmusik-Szene nämlich richtig durchorganisiert, mit Engagements und Gagen.
Weiter schilderte er seine Beobachtungen: „Einer kommt in eine Beiz rein. Er bekommt, wenn er will, sogar vom Wirt ein Instrument. Er spielt dann ein Tänzli. Es kommt ein anderer, und dieser begleitet ihn. Irgendwann heisst es: „Mach doch du mal ein Stückli.“ Darauf spielt dieser vor. Die anderen Anwesenden machen mehr oder weniger auch mit, mit chlefelen, löffelen, an die Gläser schlagen, oder jodeln. Die Art von völlig unorganisierter, spontaner Musik hat uns sehr gefallen“.

In der Sendung wurde erwähnt, dass Seffi im Muotathal aufwuchs. Zudem eine Schwester hatte, die damals im Thal das Restaurant Schwert führte, wo er auch öfters gespielt hatte.

Seffi wurde auch auf sein musikalisches Schaffen angesprochen. Dazu erzählte er: „Ich bin ziemlich früh fort gekommen vom Muotathal, und hatte dann noch ein bisschen Kontakt mit Paul Betschart (ds Gändlers Pauli). Das war ein ganz guter Handörgeler. Pauli hatte schon in seiner Jugendzeit den Silberbecher gemacht. Er machte später ein Studium. Während der Landi trafen wir uns kurz wieder, und haben zusammen ein „Plättli“ (Schellackplatte) gemacht. Das war aber ziemlich untergegangen, da es damals keine guten Platten gab, und es dafür extra Nadeln gebraucht hätte.
Dann war ich mit ds Tönis Leo noch ein paar Mal zusammen. Wir hatten auch in Zürich Musik gemacht. In Zürich habe ich zudem einen kleinen „Schifferli-Buäb“ kennen gelernt, welchen ich Geige spielen lernte. Wir gingen zusammen Strassenmusik machen, was verboten war. Man hat uns sogar ein wenig verfolgt. Wir waren im Zoo oben, auch auf dem Zürichberg. Sogar auf dem Käferberg, wo die Leute spazierten. Wir öffneten beim Spielen die Geigenkästen. Wenn die Polizei kam, sind wir abgehauen. Wir spielten auch im Engi-Tunnel, und dort war es das einzige Mal, wo sie mich erwischt haben. Von beiden Seiten kamen Polizisten, und ich bekam eine Verwarnung. Ich war damals in der Lehre, und deshalb sah man von einer Busse ab. Das war wirklich nobel.
Wenn ich wieder mal ins Thal kam, schaute ich, dass ich ds Tönnis Leo oder ds Gändlers Pauli traf. Wir machten Musik in den Wirtschaften, wo man genehm war, und bekam dafür Applaus und eine Runde Bier. Das hat einem sehr gut getan.
Meine Schwester führte das Restaurant Schwert, und in den Dreissiger-Jahren machten wir dort Tanzmusik, unter anderem mit ds Tönis Leo. Ich habe den Faden später mit ihm ein wenig verloren, weil ich zu wenig ins Muotathal kam.
Als ich die Berner Musikanten im Thal kennenlernte, war das den Muotathalern ein wenig komisch vorgekommen. Die mussten sich zuerst daran gewöhnen.
Es gibt auch heute immer noch ein Fest, wenn man da ist. Die Leute machen einfach mit. Vielleicht kommen nur diejenigen, welche Freude an unserer Musik haben. Wir machen keine schöne Musik, aber wir strengen uns dabei an. Den meisten gefällt‘s, aber es gibt auch solche, die möchten andere Musik hören. Das ist auch recht so.“

Auf die Frage ob auch Anlässe, beispielsweise Trachtenabenden, im Muotathal stattfinden, erklärte Seffi: „Doch, es gibt sogar sehr viele solcher Abende, wie Trachtenabende und Jodlerabende. Ich musste auch schon von Wil SG ins Muotathal reisen, um für den Hundert-Kilo-Verein zu spielen. Es war immer dankbar, im Thal zu musizieren.“
Weiter erzählte der Geiger: „Ds Jakä Toni war eine Hauptstütze, dass ich weitergemacht habe mit der Musik. Auch die Berner Musikanten haben mich wieder motiviert. In den alten Tagen wäre man froh, man hätte früher mehr gelernt. Man muss sich fast schämen, denn die Jungen können etwas. Unsereins muss sich mit dem begnügen, was man vor vielen Jahren mal gelernt hat. Mit den Noten kann ich gar nichts anfangen.“
Der Moderator meinte dazu: „So schlimm wird es kaum sein. Dafür kannst du Stücke, die wir kaum kennen, und eine ganz besondere Eigenart haben.“
Seffi erwiderte: „Schön, dass das noch anerkannt wird. Das freut mich doppelt.“

Beim Teil zwei erzählt ds Bertholdä Seffi unter anderem eine lustige Anekdote (mit ds Tönis Leo) und wieso er eigentlich aus dem Muotathal fortging.

feldwaldwiesenblogger

Josef Ablondi’s Streich und Bilder-Nachtrag zu Cornel Suter

Josef Ablondi’s Streich
Josef Ablondi (dr Blundi, 1914 – 1986) war ein begnadeter Schwyzerörgeler mit einer gehörigen Portion Humor und Schalk. Ihn findet man in meinem Text zur Muotathaler Volksmusik im Kapitel „Die „zweite“ Generation Örgeler im Thal“.
Heute spielt er hier in einer lustigen Anekdote die Hauptrolle. Diese Geschichte werde ich meiner Anekdoten-Sammlung zur Muotathaler Volksmusik beifügen, und schlussendlich auch abgeben.
Mir wurde vom Giigäbank zugetragen, dass Walter Imhof (ds Hofers) ein Streich von Josef Ablondi im Gedächtnis präsent hat. So schickte ich ihm letzten Sonntag eine Email, und bat um Erzählung. Flugs kam Walters Antwort mit der Niederschrift von Ablondi’s Streich.

josef ablondi
(Bildquelle: feldwaldwiesenblog.ch)
Josef Ablondi (links) mit Alois Föhn (ds Jörä)

Anekdote (niedergeschrieben von Walter Imhof):
Am ersten Fasnachtstag sind früher jeweils Rickenbachers Arbeiter mit Trommeln (Blechkessel) durchs Tal gezogen. Die Arbeiter in den anderen Fabriken und Baustellen haben natürlich gearbeitet. Die Versuchung war aber gross, auch mitzumachen. So haben die Arbeiter in der Kübelfabrik Imhof (ds Tällä) beratschlagt, ob und wie sie ebenfalls mitmachen könnten. Das Problem aber war, ob der Chef, Bonifaz Imhof, das auch erlauben würde. Man wurde sich „rätig“, dass man auch mitmachen wolle, und schickte Josef Ablondi hinüber ins Haus, um Bonifaz um Erlaubnis zu fragen. Nach einer Weile kam Ablondi zurück und brachte die freudige Nachricht, dass sie an die Fasnacht gehen dürfen.
Die Arbeiter haben die Arbeit nieder gelegt und gingen ins Restaurant Sonne, anschliessend ins Restaurant Schwert und zuletzt ins Restaurant Tell, zum Chef. Dieser war völlig überrascht, dass seine Arbeiter an der Fasnacht sind und war dementsprechend wütend. Mit der Zeit beruhigte er sich, als er sah, dass es im Restaurant ein rechter Umsatz gab.
Nun musste Josef Ablondi den Chef und seine Mitarbeiter aufklären, wie es dazu kam: Denn Josef Ablondi ging angeblich hinüber ins Haus zu Bonifaz. Josef erklärte aber: Er stand lediglich eine Weile vor die Tür, kam dann wieder in die Schreinerei und verkündete, dass Bonifaz die Erlaubnis gegeben hätte. Wohlwissend, dass er das nie getan hätte…

Ich meine, die Geschichte dieses lustigen Streichs passt derzeit hervorragend: Denn der erste Fasnachtstag steht im Thal so quasi vor der Tür (Freitag, 16. Januar), und nicht dahinter, wie seinerzeit Josef Ablondi…

Bilder-Nachtrag zu Cornel Suter
Cornel schickte mir nach der Veröffentlichung des zweiten Beitrages „Von Skipeaks, Lieblingsorten und wie alles begann“ noch zwei Bilder zu. Ich fand, diese beiden Fotos aus den Anfangstagen seiner Berg- respektive Skitouren-Passion möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten.
Da die beiden letzten Blogberichte samt den Bildern in sich abgeschlossene Beiträge darstellen, wollte ich diese beiden älteren Fotos nicht dort dazu stellen. Und: Mit der obigen Anekdote aus dem weiten Fundus des Muotathals hatte ich das Gefühl, dass sie hier einfach wunderbar als Ergänzung reinpassen: Muotathal – Volksmusikantenstreich – Natur – Freude pur!

ersteChaiser
(Bildquelle: Cornel Suter)

Cornel stand als 11-jähriger Bursche zum ersten Mal auf dem Chaiserstock (2515 Meter)

ersteSkitour
(Bildquelle: Cornel Suter)

Mit 15 Jahren machte Cornel seine erste Skitour auf den Blüemberg (2405 Meter). Das Bild wurde auf der Rupperslaui gemacht.

feldwaldwiesenblogger