Wenn die katholische Kirche nach dem Evangelium handeln würde, wäre ein Bischof Huonder nicht mehr im Amt

Im letzten Blogbeitrag schrieb ich: „Streng genommen hat der Bischof von Chur richtig gehandelt. Nach der bestehenden Lehre darf keine Segnung von Lesben oder Schwulen vorgenommen werden. Er hat eigentlich nichts falsch gemacht. Dennoch erntet Vitus Huonder ein Sturm der Entrüstung.“
Ich kündigte an, in einem nächsten Blogbeitrag der Frage „Wieso das so ist?“ nachzugehen. Zudem auch der Tatsache, dass der Churer Bischof leider (zu) oft die katholische Lehre über das Evangelium stellt.

Inzwischen habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht. Ich möchte betonen, dass das meine subjektive Meinung ist, und nicht wertend sein soll. Meine Zeilen sollen aber zum Nachdenken anregen und nichts und niemanden aufregen. Meine Absicht ist es auch, dabei niemanden zu beleidigen. Denn es ist mir schon aufgefallen, wie empfindsam verschiedene Gemüter sind, wenn es ums Thema Glauben und Kirche geht.

vitus huonder

Bischof Vitus Huonder
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Bischof Huonder zog mit seiner konservativen Haltung schon vielfach den Unmut vieler Gläubigen auf sich. Meinen übrigens auch. Denn es ist einfach unbegreiflich, wieso ein Mann Gottes nicht alle Menschen gleich behandelt wissen möchte. Wie steht es doch so schön in der Bibel (Römer 2,11): „Denn vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Für Huonder scheint die katholische Lehre aber wichtiger zu sein als das Evangelium. Denn nicht anders ist sein Verhalten in der Causa Bürglen zu deuten. Der Bischof amtet leider (zu) buchstabengetreu und übersieht dabei die Menschen.

Dieses „an den Menschen vorbei handeln“ wird dem Churer Bischof übel genommen. Statt auf die Gläubigen zuzugehen, erhebt er nur zu gern und zu oft seinen Warnfinger. Vitus Huonder vergisst aber dabei, dass die Kirche heutzutage praktisch keinen gesellschaftlichen Einfluss mehr hat. Das war vor vielen Jahren noch ganz anders, als die Kirche sich gewaltig in die Gesellschaft einmischte und den Tarif in Sachen Recht, Ordnung und vor allem Moral gleich selber durchgab.
Das ist zum Glück nicht mehr so. Deshalb „muss“ man in der neuen Zeit nicht mehr in der Kirche sein. Man kann austreten, und die Kirchenoberen können einem den Buckel runter rutschen.

Viele gehen diesen Weg: Trotz Glauben an Gott und Jesus Christus wenden sie der immer noch pseudo-moralisierenden (Huonder)-Kirche den Rücken zu. In so einer Gemeinschaft, welche teilweise menschenverachtend ist, möchten viele Gläubige nicht mehr dabei sein.
Soweit möchten ich und ein paar andere aber nicht gehen. Wir stellen das Evangelium über die Kirchenlehre und glauben an einen barmherzigen Gott. Einige dieser „Schäfchen“ äussern denn auch lautstark ihren Unmut und protestieren gegen die Oberen in Chur. Völlig zu Recht!

Den austrittswilligen Menschen verständlich zu machen, trotzdem zu bleiben, scheint aber sehr schwierig. Die Fronten sind verhärtet. Für viele reicht’s nun, gerade auch nach dem Fall Bürglen.
Aber: Es braucht weiterhin Mitglieder in der römisch katholischen Kirche. Mitglieder, die den Fortbestand dieser Kirche weitertragen. Auch wenn ein Bischof Huonder wie ein Gesetzeshüter streng nach den alten Regeln vorgeht: Der Mann ist nicht Gott. Er ist höchstens ein Hirte auf Abwegen, den man nicht unbedingt ernst nehmen muss. Ausser man ist sein Angestellter…

papst franziskus
Papst Franziskus
(Bildquelle: http://www.katholisches.info)

Papst Franziskus lässt in uns die Hoffnung aufkeimen, dass es auch ein Leben ausserhalb der reinen katholischen Kirchenlehre gibt. Er lebt eine wunderbare christliche Menschlichkeit vor und handelt oft so, wie es vermutlich Jesus Christus heutzutage in dieser modernen Welt auch täte.

Trotzdem: Viele Fragen und Ungewissheiten sind vorhanden. Lebt Papst Franziskus wirklich nach dem Evangelium, oder ist seine Überzeugung in etwa die gleiche wie die von Vitus Huonder? Wenn’s hart auf hart käme, würde er genau gleich vorgehen wie der Bischof von Chur?

Zweifel, Fragen und Gedanken sind berechtigt. Zumal in der Kirche auch Menschen angestellt sind, welche nach ihrer Überzeugung handeln. Pfarrer Wendelin Bucheli tat dies ebenso und segnete ein Lesben-Paar.
Eigentlich müsste dem Paar ein grosses Kränzchen gewunden werden. Viele Paare heute kümmern sich einen Deut um die Kirche und heiraten nur standesamtlich.

Wie im letzten Beitrag schon angesprochen: Auf der einen Seite stehen diejenigen, welche sich buchstabengetreu auf das Kirchenrecht berufen. Auf der anderen Seite befinden sich die Gläubigen, welche Menschen wie beispielsweise Homosexuelle, nicht diskriminieren wollen.

Für mich persönlich ist der Fall klar: Wie oben beschrieben, kann es nicht die Absicht von Jesus Christus sein, irgendwelche Menschen oder Menschengruppen zu diskriminieren oder gar auszuschliessen.
Genau das tut aber Bischof Huonder und seine konservative Gefolgschaft. Nach deren Auslegung der Kirchenlehre sollen gleichgeschlechtliche Paare nicht gesegnet werden, oder dürfen Geschiedene nur mit verschränkten Armen zur Kommunion kommen.

Diskutiert man solches Gebaren mit weniger gläubigen Menschen, wird nur gelacht, gelästert oder der Kopf geschüttelt. Ich verteidige dann sogar die Kirche mit dem Argument, dass es ja auch die aufgeschlossenen Priester, Laientheologen und mit Franziskus einen menschlichen Papst gibt. Die Hoffnung und das positive Denken sterben zuletzt…

Wie aber geht das bloss mit der römisch katholischen Kirche weiter? Bischof Huonder fördert mit seinem Rumreiten auf den Kirchenparagrafen kräftig den Exodus aus der Kirche. Die sonst schon gelichteten Reihen werden noch dünner. Stattdessen laufen viele Gläubige irgendwelchen Quacksalbern, Sekten oder was weiss ich in die offenen Arme. Ist dies das Bestreben von Chur und Co.?

Ob die Zahl der Atheisten wegen der oft sturen Haltung der katholischen Kirche grösser geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Was aber eindeutig gestiegen ist, ist die Zahl der Konfessionslosen (siehe Wikipedia). Diese sind aber sicher nicht einfach so den Atheisten zuzordnen.
Neue Glaubensrichtungen, Gruppierungen und allerlei Sekten haben vermutlich darum gewaltig an Boden gewonnen. Das hingegen stört mich ungemein, da dort vielfach Menschen in persönlicher Not in deren Abhängigkeit geraten. Gerade aber solchen Menschen müsste die katholische Kirche, wenn sie denn nach dem Evangelium leben würde, Hand bieten, sie in ihre Gemeinschaft aufnehmen, um sie kümmern und nicht verstossen.

Solange aber die konservativen Kräfte innerhalb der Kirche den Ton angeben, wird die Kirchenlehre über das Evangelium gestellt. Und viele Menschen geraten weiterhin unter die Räder, sei es aus persönlicher Not oder einfach weil es gegen ihre persönliche Überzeugung läuft.

Ich meine deshalb zum Schluss: Wenn die katholische Kirche nach dem Evangelium handeln würde, wäre ein Bischof Huonder nicht mehr im Amt. Stattdessen wäre ein Bischof in Chur, welcher wie Papst Franziskus viel Hoffnung und Freude verbreiten würde. Einer, der die Menschen nehmen würde, wie sie wären. Ganz gleichen Geschlechts, Hautfarbe oder Nationalität sie wären.
Ob ich deswegen ein Träumer bin? Vielleicht, aber erhoffen darf man es sich von einer Institution, deren Ursprung niemand anders als Jesus Christus und seine Jünger waren.

feldwaldwiesenblogger

Bischof Huonder und die Crux der Katholischen Kirchenlehre

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Pfarrer Wendelin Bucheli
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Der Fall des Bürgler Pfarrers Wendelin Bucheli wirft grosse Wellen, nicht nur in Kirchenkreisen. Die Sachlage ist jedem Interessierten so ziemlich klar: Pfarrer Bucheli segnete letzten Herbst ein Lesben-Paar. Dies löste eine derart heftige Reaktion der Kirchenoberen aus, dass der Bischof von Chur, Vitus Huonder, den Pfarrer zur Demission aufforderte. Ja, Huonder ging sogar soweit, dass er sich mit dem Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg einigte, dass Bucheli in dieses Westschweizer Bistum zurückgerufen werden solle. Der Pfarrer wurde dort nämlich vor etlichen Jahren zum Priester geweiht.
Bucheli liess aber verlauten, dass er die Demission nicht einreichen werde. Dabei wird er von der Gemeinde Bürglen unterstützt, Kirchenrat und Gemeinde stehen hinter ihrem beliebten Pfarrer.

Pfarrer Bucheli liess auch durchblicken, dass er nicht mit so einer heftigen Reaktion gerechnet habe. In einem Interview sagte der Priester wortwörtlich: „Ich habe die besagte Segnung vorgenommen, nachdem ich die Anfrage vor Gott geprüft hatte.“ Der Mann machte es sich also alles andere als einfach. Zudem liess er sich auch von erfahrenen Seelsorgern beraten.

vitus huonder
Bischof Vitus Huonder
(Bildquelle: http://www.nzz.ch)

Zwischenzeitlich liess Bischof Huonder verlauten, dass am 2. Februar ein Gespräch zwischen ihm und Pfarrer Bucheli stattgefunden haben soll. Dabei soll der Bürgler Pfarrer erklärt haben, dass er sich fügen werde und nicht in Bürglen bleiben könne.
In der Pfarrei Bürglen ist man empört über das Bistum Chur, welches den Pfarrer als Lügner hinstellte. Es steht nun Aussage gegen Aussage, die Fronten scheinen verhärteter denn je. Ein klärendes Gespräch tut wirklich not.

Der Zwist spaltet die katholische Kirche: Hier diejenigen, die auf das Kirchenrecht pochen, dort jene, die Homosexuelle nicht diskriminieren.
Die Segnung soll der katholischen Lehre widersprechen, dennoch glaubt Pfarrer Bucheli, dass er nach dem Evangelium gehandelt habe.
Was soll man als mehr oder weniger braver Kirchengänger von der ganzen Sache halten?

Zudem hat die katholische Kirche in Rom mit Franziskus einen Papst, der Hoffnungen schürt. Hoffnungen hinsichtlich Reformen, mehr Öffnung und Menschlichkeit in der Kirche.
Aber wie reformbereit ist Papst Franziskus wirklich? Würde er die Lesben-Segnung in Bürglen gutheissen?

Die überwiegende Mehrzahl der Gläubigen steht nicht mehr in Übereinstimmung mit dem, was die Katholische Kirche lehrt. Im Vatikan verstärken sich zugleich die Widerstände gegen den Öffnungskurs von Papst Franziskus.

Hier stossen wir auf die Crux der Geschichte: Eine Mehrzahl der Gläubigen kann und will viele Lehren der Katholischen Kirche nicht mehr mittragen. Das Beispiel mit den gleichgeschlechtlichen Paaren, die vor Gott auch gesegnet werden möchten, löst bereits eine Riesendebatte aus. Was ist richtig, was ist falsch?

Streng genommen hat der Bischof von Chur richtig gehandelt. Nach der bestehenden Lehre darf keine Segnung von Lesben oder Schwulen vorgenommen werden. Huonder hat eigentlich nichts falsch gemacht. Dennoch erntet er ein Sturm der Entrüstung.
Der Frage „Wieso das so ist?“ gehe ich im nächsten Blogbeitrag nach. Auch der Tatsache, dass der Churer Bischof leider (zu) oft die katholische Lehre über das Evangelium stellt.

feldwaldwiesenblogger

Volksmusikanlässe im Muotathal

Den Haupttext zur Muotathaler Volksmusik für das Schwyzer Heft habe ich letztes Wochenende soweit abgeschlossen. Was jetzt noch kommt ist die Vernehmlassung, Korrektur, Kosmetik und allfällige Ergänzungen.

Die im Text abgehandelte Volksmusik wird nicht nur im stillen Kämmerlein gespielt und geprobt. Auch früher schon gab es Anlässe mit Publikum, an welchen die Musikanten ihr Können zeigen und die Zuhörer und Tänzer begeistern durften.
Deshalb ging ich auch dem Thema „Wichtige musikalische Anlässe früher und heute“ nach. Meine gesammelten Rechercheergebnisse und Erkenntnisse habe ich nun zusammengefasst.

Einheimische Musikanten (josef bürgler, zeitungsausschnitt aus dem boten von 9.11.76)
Einheimische spielten für Einheimische – Das erste Muotathaler Ländlertreffen 1976 im Restaurant Sonne
(Bildquelle: Josef Bürgler, Zeitungsausschnitt aus dem Bote der Urschweiz von 9.11.1976)

Wichtige musikalische Anlässe früher
Im Muotathal wird um 1608 von einer öffentlichen Tanzdiele im Wil gesprochen und immer wieder ist das Thema auch Gegenstand von Ratsprotokollen. Im November 1791 wurde ein gewisser Anton Gwerder von Muotathal vor den Rat in Schwyz zitiert, weil er zu verbotener Zeit getanzt und auch andere dazu aufgemuntert hatte. Die letzte öffentliche Tanzdiele stand noch 1850 bei der Kirchenbrücke.

Das Tanzen war später auf einige wenige bewilligungspflichtige Tanztage beschränkt. Dies waren vier Fasnachtstage, die Muotathaler Chilbi, und die beiden Viehmärkte im Herbst.
Wer sich nicht daran hielt, machte sich vor dem Gesetz strafbar. Nicht selten fanden deshalb sogenannte „Schloffätänz“ im privaten Bereich statt, meist in einem entfernt liegenden Bauernhaus und natürlich illegal. Der ausschweifende Lebenswandel an Tanzanlässen, verbunden mit kräftigem Alkoholkonsum, war nicht nur der Behörde, sondern auch der Geistlichkeit ein Dorn im Auge. Noch in den 1950er Jahren wurden solche „armen“ Sünder von der Kanzel herab mit Worten gegeisselt und mussten „uusächnüüä“.

Tanzveranstaltungen in den Wirtshäusern hatten später eine ganz bestimmte Ordnung einzuhalten. Bis gegen Ende der 1940er Jahre war das Tanzschenkerwesen mit dem „Räschtlitanz“ üblich. Der Tanzschenker stellte die Musikanten an und entlöhnte sie. Er heuerte auch die Tanzschenkermädchen an, und hatte für die Einhaltung der Tanzordnung zu schauen. Sobald die Paare auf der Tanzdiele standen, ging der Tanzschenker mit der Mütze herum und zog das Geld für den nächsten „Rascht“ ein. Um 1940 waren dies meistens 50 Rappen. Ein „Räschtli“ bestand in der Regel aus sechs bis neun Tänzen.

In den 1970iger-Jahren gab es bereits eine Lockerung mit zusätzlichen Tanztagen während der Fasnachtszeit, Tanz am „Buuräabig“ und an „Nachhelligä“ (Pfingsten, Ostern und Weihnachten).
Die „Schloffätänz“ wurden hinfällig, als anfangs der 1980iger-Jahre die offiziellen Tanztage wegfielen.

An der Muotathaler Chilbi war früher auch Musik und Tanz. Irgendwann anfangs der 1980iger-Jahre gab es keine Tanzanlässe mehr zur Muotathaler Chilbi. Da zur gleichen Zeit die Schwyzer Chilbi stattfindet, nahm das Interesse an der Muotathaler Chilbi ab.
Seit 1968 gibt’s die Hinterthaler Chilbi, an welcher jeweils viel Ländlermusik zu hören ist.

Anfangs der 1970iger Jahre führte Fredy Zwimpfer jährlich ein Ländlertreffen im Restaurant Sternen durch. Fredy Zwimpfer lud dabei Formationen aus der ganzen Schweiz ein. So traten unter anderem Carlo Brunner, Fritz Dünner, Willy Valotti oder auch Hans Aregger auf.
Als Fredy Zwimpfer 1977 gestorben ist, wurde dieser Anlass im Jahr 1978 von seinen Töchtern noch einmal durchgeführt.
Zum Gedenken an Fredy Zwimpfer wurde im April 2014 ein Fredy Zwimpfer-Gedenkabend im Restaurant Sternen durchgeführt.

Von 1976 bis 1979 fanden vier Muotathaler Ländlermusiktreffen im Restaurant Sonne statt. Dabei nahmen jeweils viele Muotathaler Ländlermusikanten teil. Der Initiator und Organisator war Josef Inderbitzin („Sunnäwirt“). Anzutreffen waren an den vier Treffen auch auswärtige Muotathaler Musikanten wie Josef Betschart („Bertholdä Seffi“) und Paul Betschart („Zinglä Gändler“). Es haben jeweils auch Musikanten aufgespielt, welche man sonst eher selten öffentlich musizieren sah.

Im Jahr 2007 (5. und 6. Mai) fand beim Restaurant Sonne die Muotathaler Musikanten-Stubete statt. An diesem Anlass wurde musikalisch den sieben berühmtesten Muotathaler Komponisten (Leo Schelbert, Anton Betschart, Fredy Zwimpfer, Franz Schmidig senior, Cäcilia Schmidig-Schmidig, Josef Heinzer und Kari Suter gedacht.

Das spontane Adhoc-Musizieren gibt es heute nur noch ganz selten. Früher war das in den Restaurants Rössli, Sonne, Schwert oder Schlüssel gang und gäbe.

jakä toni+fredy zwimpfer (josef bürgler, aus einem älteren zeitungsausschnitt)
Fredy Zwimpfer (links) und Anton Betschart (Jakä)
(Bildquelle: Josef Bürgler, aus einem älteren Zeitungsausschnitt)

Wichtige musikalische Anlässe heute
Der Muotitaler Ländlersunntig wurde vom Verein Giigäbank ins Leben gerufen, und findet seit 2008 nun jedes Jahr am letzten Sonntag im Jahr statt. Dabei treten diverse einheimische Formationen auf.
Die beiden Viehmärchte, die Hinterhaler Chilbi und der Bisistaler Schafmärcht sind wichtig geblieben für die Volksmusik. Damit die Tradition der Muotathaler Chilibi trotzdem ein kleines Stück weiterlebt gibt’s heute in der Kirche jeweils ein volkstümliches Konzert mit Kirchenorgel, Jutz und anderen Instrumenten.

Im Restaurant Alpenrösli gibt es regelmässig volkstümliche Anlässe, wie an der Fasnacht, an den beiden Viehmärkten, oder der beliebten „Rosmarie-Stubete“. Jeden Dienstagnachmittag spielt zudem die „Sunnä-Musig“ auf.
Im Restaurant Fluhhof ist regelmässig „Stubete“, und von November bis Mai ist jeder Samstagabend Ländlermusik. Die Musikanten und deren Formationen sind nicht nur vom Tal, sondern von verschiedenen Orten aus der Schweiz. Das Programm und die Anlässe werden von Louis Bürgler („Fritschä“) organisiert.
Im Alprestaurant Roggenloch ist während den Sommermonaten jeder Sonntag Ländlermusik zu hören. Das Wirtepaar organisiert die Anlässe, an welchen jeweils einheimische, aber auch auswärtige Ländlermusikanten und Formationen spielen.
Im Restaurant Sternen gibt es auch heute noch einige volkstümliche Anlässe und „Stubeten“.
An Anlässen wie dem Alpkäsemarkt oder dem Muotathaler Theater ist jeweils auch viel Ländlermusik zu hören.

Der Verein „Giigäbank“ führt regelmässig Anlässe unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei wird einheimischen Komponisten und Musikanten gedacht.

franz paulis märtel und gändlers xaveri (josef bürgler)
Martin Rickenbacher (z’Franz Paulis Märtul, links) und Xaver Betschart (Gändlers)
Bildquelle: Josef Bürgler

Die eingangs erklärten Tanzbräuche habe ich auszugsweise aus dem Zirk-Beitrag „All’s driuusä, wo Bei hed! – Tanzen und Tanzbräuche im Wandel der Zeit“ von Peter Betschart (Baschämärtuls) übernommen.
Die heutigen Bilder sind von Josef Bürgler (Fritschä), welche er mir freundlicherweise per Email zuschickte. Herzlichen Dank!

Das erste Bild, ein Zeitungsausschnitt, steht stellvertretend für Auftritte der älteren Volksmusikanten-Garde vom Muotathal. Beispielsweise Predigers Joseb: Der Mann war mit seinen 80 Jahren noch voll im Saft! Leider habe ich den legendären Geiger nie spielen gehört, ich erinnere mich aber an ihn. Ich war damals noch ein Kind, und er für mich ein bärtiger sowie weisshaariger und alter Mann.

Heute, fast vierzig Jahre später, realisiere ich, was alles hinter diesen „alten“ Leuten steckte.
Später, im jungen Erwachsenenalter besuchte ich öfters meine Grosseltern und hörte ihnen stundenlang zu. Aber erst heute realisiere ich: Ihre Erzählungen von früher hatten viel Tiefe. Ich stelle fest, dass mich die alten Geschichten meiner Vorfahren wirklich interessieren.
Deshalb werde ich nach Abschluss meiner Arbeiten zur Muotathaler Volksmusik auch weiterhin alten Muotathaler Geschichten nachgehen. Ideen dazu sind bereits vorhanden.

feldwaldwiesenblogger

Bisistaler Musikanten

Am 17. Januar war ich in Ibach (Schwyz) zu Besuch bei Griti Ulrich-Gwerder („Schönäbödlers Paulis Frau“, Jg. 1928), in ihrer Alterswohnung.

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Griti Ulrich-Gwerder
(Bildquelle: feldwaldwiesenblogger)

Griti Ulrich ist im Rossmattli in Schwyz geboren. Ihr Vater spielte Büchel und Mulörgeli. Anno 1947 ging sie einen Sommer lang mit ihrem Bruder auf Geitenberg ob Bisistal „z’Alp“.
Als Griti Ulrich ein wenig Geld besass, kaufte sie erst ein Velo und dann eine Handorgel. Sie spielte nach ihren Angaben aber vorher schon (heimlich) auf Bruder Karis Handorgel, und lernte so ein paar Tänzli.
Griti Ulrich ging in jungen Jahren für einige Zeit nach Amerika und nahm ihre eigene Handorgel mit. In Amerika musizierte und sang sie, und verbrachte eine schöne Zeit.

Als sie wieder zuhause in Schwyz war, wollte Griti Ulrich schon bald wieder „durä“. Paul Ulrich („Schönäbödlers“) vom Schönenboden in Bisistal kam zu dieser Zeit zu ihr „z’Dorf“. Eigentlich hätten sie miteinander nach Amerika gehen wollen. Da Paul Ulrich’s Mutter aber laut Griti Ulrich deswegen unglaublich traurig gewesen wäre, blieben die beiden. Paul Ulrich baute im Bisistal vis-à-vis vom Restaurant Schönenboden ein Haus, und sie heirateten im September 1956. Paul Ulrich führte die Poststelle im Bisistal. Gemeinsam hatten sie vier Kinder und durften eine glückliche Zeit erleben.

Die rüstige 86-Jährige berichtete von ihrem reichhaltigen Leben, von der eigenen Familienkapelle „Huusmusig Familie Ulrich“ und von ihrem Zither-Spiel. Daneben wollte ich aber auch etwas über die Bisistaler Musikanten erfahren. Im Folgenden gebe ich wider, was sie mir zu erzählen wusste.

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Bisistal
(Bildquelle: de.wikipedia.org)

Einer der wohl bekanntesten Bisistaler Musikanten in den alten Zeiten war Paul Suter („Fruttler“), welcher mit Rees Gwerder zusammenspielte und mit ihm in dessen Muotathaler Tagen auch auftrat.
Paul Suter wohnte mit seiner Familie im Seeberg (Bisistal) und war Landwirt. Er hatte mehrere Kinder, zwei heissen Beat und Marie. Griti Ulrich erzählte mir von diesen beiden, da sie für die „Bisistaler Musikanten“ von Interesse sind.

Beat Suter wohnt nun in Schattdorf auf Haldi und ist dem Vernehmen nach ein sehr guter Handorgelspieler. Er spielt unter anderem sogar „Lunnitänz“.

Beat Suter’s Schwester Marie ist die Mutter von Roman und Theo Schmidig. Die beiden jungen Musikanten spielten vor einigen Jahren gemeinsam beim Ländlertrio „Echo vom Mälchberg“. Roman Schmidig und Marcel Schelbert („Kutzeners“) spielten in dieser Formation Schwyzerörgeli und Handorgel, Theo Schmidig Klavier und Bass. Das Trio brachte 2005 sogar eine CD raus, hat sich in der Zwischenzeit aber aufgelöst.

Roman und Theo Schmidig machen aber weiterhin Ländlermusik. So spielten sie im Jahr 2013 beispielsweise zusammen mit ihrem Onkel Beat Suter im Restaurant Fluhhof (Ried-Muotathal) am „Muotitaler Ländlersunntig“.

Der Vater von Roman und Theo Schmidig ist der im November 2014 leider verstorbene Wisel Schmidig. Er war auch ein Bisistaler. Wisel Schmidigs Mutter Lisi ist eine Schwester von Oswald und Franz Föhn („Föhnä“) ab der Windegg. Der talentierte Klavierspieler wuchs ebenfalls auf der Windegg auf.
Wisel Schmidig hat angeblich schon früh mit dem Klavierspiel begonnen. Der mit einem guten Musikgehör ausgestattete Musikant entwickelte sich zu einem sehr guten Klavierspieler und musizierte später bei mehreren Formationen (unter anderem mit der „Kapelle Kari Suter“).

Griti Ulrich erzählte, dass sie und ihr Mann Paul Ulrich um 1970 ein Jahr im Restaurant Schäfli wirteten. Fredy Zwimpfer kam damals fast jeden Abend ins Schäfli. Um etwa 21.30 Uhr begann Fredy Zwimpfer jeweils mit der chromatischen Piccolo-Handorgel, welche die Ulrichs in der Gaststube hatten, zu spielen. „Fredy spielte sehr schön auf diesem kleinen Instrument. Er war halt schon ein guter Handörgeler. Einige Wirtshausbesucher kamen sogar extra, um den Klängen von Fredy zu lauschen“, wusste Griti Ulrich zu berichten.
Nebst Fredy Zwimpfer kehrte auch Wisel Schmidig manchmal im Restaurant Schäfli ein. Dieser zeigte der damaligen Serviertochter Rita Betschart ein paar Sachen auf dem Klavier. Rita Betschart ist eine Nichte von Griti Ulrich und heiratete später den Klarinettisten Paul Gwerder. Rita Gwerder-Betschart wohnt heute in Brunnen. Sie wurde eine gute Klavierspielerin, und spielt auch in Ländlerkapellen.

Die bereits erwähnten Oswald und Franz Föhn ab der Windegg waren ebenfalls sehr gute Handorgelspieler. Oswald Föhn musizierte auch in der bereits erwähnten „Kapelle Kari Suter“.
Franz Föhn spielte im „Handorgelduo Suter-Föhn“, zusammen mit Willy Suter („Stützlers“, Handorgel) und Niklaus Renggli (Klavier).
Die beiden Brüder hatten aber auch ein eigenes Handorgelduo, am Klavier begleitete sie Niklaus Renggli.

Der Vater von Oswald und Franz Föhn hiess ebenfalls Franz. Er spielte früher Klarinette und sang im Kirchenchor Bisistal. Griti Ulrich erzählte, dass Franz Föhn eine schöne Bassstimme hatte, und sogar Musiknoten lesen konnte. Er sei sehr musikalisch gewesen.
„Ich hörte Franz Föhn singen, das war wunderbar und hat mich beeindruckt“, schwärmte Griti Ulrich.
Der Klarinettist und Sänger Franz Föhn ist übrigens der Grossvater vom jetzigen Alpenrösli-Wirt Franz Föhn (Restaurant Alpenrösli Muotathal).

Apropos Gesang und Kirchenchor: Rosi Schmidig vom Ahornberg hat früher während vielen Jahren jeden Sonntag in der Kirche Bisistal Kirchenorgel gespielt. Rosi Schmidig war zudem sehr viele Jahre Köchin im Restaurant Schwarzenbach.

echo vom pfannästock (www.mediamondo.ch)
„Echo vom Pfannästock“
(Bildquelle: http://www.mediamondo.ch)

Weiter darf man natürlich das bekannte „Echo vom Pfannästock“ vom Schwarzenbach nicht vergessen. „Felixä“, wie sie bei uns im Muotatal genannt werden, traten in den Anfangstagen als Familienkapelle auf. Später bestand die Formation aus den drei Geschwistern Alois, Vreni und Hedy Ulrich. Gespielt wurde auf Schwyzerörgeli, Handorgel, Geige und Bassgeige. Das „Echo vom Pfannästock“ absolvierte viele Auftritte, auch weit über unsere Kantonsgrenze hinaus. Die Kapelle gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.

Griti Ulrich wusste zu „z’Felixä“ zudem folgendes zu erzählen: „Der Vater von Alois Ulrich senior hiess Felix, deshalb der Übername „Felixä“. Dieser soll früher sehr schöne alte Jützli vorgetragen haben. Er brachte dabei die Jützli mit so vielen „Ränkli“, wie man sie heutzutage leider nicht mehr zu hören bekommt.“

schwyzer zither (www.zitherbau.ch)
Schwyzer Zither
(Bildquelle: http://www.zitherbau.ch)

Die Schwiegermutter von Griti Ulrich, Theres Ulrich, („z‘Wildä Theres“, von der ehemaligen Wirtschaft „Wildä Maa“ im Boden, Ried-Muotathal) hat auch Musik gemacht. „Schönäbodä Muätter“, wie sie von Griti Ulrich genannt wurde, hat angeblich sehr schön Schwyzer Zither gespielt. Theres Ulrich musizierte öfters im Restaurant Schönenboden, zusammen mit dem Handorgelspieler Paul Ulrich, ihrem Sohn und Griti Ulrichs Mann, für Gäste.
Griti Ulrich hat nach dem Tod der Schwiegermutter mit dem Zither-Spiel angefangen. Sie hat die Instrumente, sogenannte „Sisiger Zithern“, von Theres Ulrich übernehmen dürfen, und brachte sich das Spiel selber bei. Griti Ulrich erklärte: „Bei den Sisiger Zithern handelt es sich um Schwyzer Zithern, welche ein gewisser Aschwanden in Sisikon UR hergestellt hatte. Schwiegermutter Theres Ulrich kaufte sie dort vor vielen Jahren.“

„Ich hatte das Gehörte von Theres Ulrich, traditionelle Stückli, noch im Kopf. Ich habe ihr immer schön zugehört“, meinte Griti Ulrich. Wenn sie gewisse Teile nicht mehr wusste, half ihr Mann Paul Ulrich weiter. „Wenn wir später aufspielen gingen, habe ich „Schwiegermutter’s Tänzli“ jedes Mal gespielt, und noch solche, welche ich dazu lernte“.

Die heute nicht mehr aktive Zither-Spielerin hatte ein lebendiges Spiel mit einem schönen Zug, und strich mit dem Plektrum auf den Saiten hin und her, anstatt nur von einer Richtung her. Laut Griti Ulrich hatte sie das von ihrer Schwiegermutter so übernommen. Vorher habe sie noch niemand so spielen sehen. „Mir gefiel dieser Stil mit dem einseitigen, von einer Richtung über die Saiten streichen nicht. Darum habe ich es auch nicht gelernt“ ergänzte sie.

Hier mache ich eine Klammer auf für eine weitere Bisistaler Formation: Die Familienkapelle „Huusmusig Familie Ulrich“.
Griti Ulrich spielte nach dem Erlernen des Zither-Spiels vorerst mit ihrem Mann zusammen, welcher sie mit der Handorgel begleitete.
Als ihre Kinder grösser waren, kaufte ihnen Griti Ulrich verschiedene Musikinstrumente: Geige, Bassgeige, Piccolo-Handorgel, Büchel, Schwegelpfeife und Flöte.
Sie gründeten dann die besagte Familienkapelle. Die erwähnten Instrumente wurden eingesetzt, vor allem aber Schwyzer Zither, Handorgel, Geige, Bassgeige und Klavier. Griti spielte Schwyzer Zither sowie Handorgel, Paul Handorgel, Paul junior spielte Bassgeige sowie Klavier und René Geige.
Als René wegen einer Armbehinderung nicht mehr musizieren konnte, spielte das jüngste der Kinder, Margreth, in der Familienkapelle Geige. Margreth betätigte sich zudem an der Schwegelpfeife.

Griti Ulrich erklärte weiter: „Wir hatten etliche Auftritte mit der Familienkapelle. Als Paul junior und René mit etwa 30 Jahren starben, gingen wir nicht mehr so viel aufspielen. Es hat uns einfach nicht mehr viel gesagt. Mit Margreth zusammen gingen wir noch an ein paar Auftritte.“
Es sind übrigens auch Plattenaufnahmen der „Huusmusig Familie Ulrich“ vorhanden.

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Restaurant Schönenboden (Bisistal)
(Bildquelle: http://www.muotathal.ch)

Volksmusik im Bisistal wurde früher schon in den beiden Restaurants Schönenboden und Schwarzenbach gespielt. Auch heute noch treten dort regelmässig Ländlerformationen auf, so beispielsweise am Bisistaler Schafmärcht.
Auf die Frage nach „Schloffätänz“ im Bisistal sagte Griti: „Vielleicht gab es solche im Heimetli Sonnenberg. Die Schmidigs dort verfügten über viel Musikgehör und machten früher auch Ländlermusik. Später zogen sie fort. Cäcilia Schmidig-Schmidig, Frau von Franz Schmidig senior („Lunnis“) stammte ebenfalls vom Sonnenberg.“
Cäcilia Schmidig-Schmidig wurde weit über die Muotathaler Grenzen hinweg bekannt als Komponistin von etwa vierzig Muotathaler Liedern wie „Im Muotaland isch schön“, „Im Stoos ob Schwyz“ und „Wänn alläs blüäht im Muotithal“.

Zölestin Gwerder („Dominälis Stinul“) war ebenfalls ein Bisistaler Musikant, welcher unter anderem mit Rees Gwerder spielte. Der von der Hilträteren stammende Schwyzerörgeler wohnte später im Hinterthal, genauer gesagt in der „Mühle“ im Bödeli. Ich erwähnte Zölestin Gwerder bereits in einem älteren Blogbeitrag: „Lisäbethler“, „Egg-Basch“ und eine Anekdote vom ersten eidgenössischen Ländlertreffen in Sargans (1971)“

Heutzutage ist Paul Schelbert („Baschäwisels“) noch ein aktiver Bisistaler Musikant. Er spielt hervorragend Schwyzerörgeli, was angeblich schon sein Vater Alois tat.

Griti meinte zum Schluss unseres Gesprächs, dass das, was sie noch wusste, an einem kleinen Ort sei. Ich widersprach ihr, und sagte, dass das Gegenteil der Fall war. Ich bedankte mich bei Griti Ulrich für ihre wertvollen Aussagen und Antworten.

feldwaldwiesenblogger