Schweizer Nati mit Migrationshintergrund

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Schweizer Fussballnati
Bildquelle: luzernerzeitung.ch

Dieses Thema beschäftigt dieser Tage wohl nicht nur mich: Losgetreten wurde die Diskussion von Pirmin Schwegler, der sich von Trainer Vladimir Petković übergangen fühlte, respektive von seinem Kollegen Stephan Lichtsteiner unterstützt wurde. Lichtsteiner, einer der letzten „echten“ Schweizer in der Schweizer Nati?

So einfach ist das nicht. Alle Spieler in der Schweizer Nationalmannschaft verfügen natürlich über einen Schweizer Pass, neuerdings auch Breel Embolo, der junge Schwarze in Diensten des FC Basel.
Sie sind alle Schweizer, auf dem Papier. Sind sie es auch in ihren Herzen?

Hier könnte das Problem liegen: Schweizer auf dem Papier, aber nicht im Herzen. Die netten Jungs wie Xhaka, Shaqiri, Behrami und Co. sind bei uns aufgewachsen, dennoch würden sie, wenn sie könnten, am liebsten für den Kosovo auflaufen. Da wundert es natürlich niemanden, wenn nicht mit letztem Herzblut für die Schweiz gekämpft wird. Die Fans spüren das. Ist an unseren Vorwürfen etwas dran, oder tun wir diesen jungen Männern Unrecht?

Auch hier: So einfach ist das nicht. Der Coach hat die Aufgabe, die besten Spieler mit Schweizer Pass auflaufen zu lassen. Den interessiert es nicht die Bohne, ob sie Schweizer mit Migrationshintergrund oder „waschecht“ sind. Natürlich, auszusetzen gibt es eigentlich auch da nichts.
Müsste man, damit man die Fans diesbezüglich zufrieden stellen könnte, auch einen Nati-Trainer (Petković sieht sich laut Wikipedia als Schweizer und bosnischer Kroate) ohne Migrationshintergrund einstellen?

Meine Fragen drehen sich alle im Kreis: Um die „echten“ Schweizer und jene mit Migrationshintergrund. Ich will hier niemanden verletzen und schon gar keine Ausländerhatz betreiben, ganz im Gegenteil. Ich stelle mir hier einfach ein paar grundsätzliche Fragen. Zum Beispiel auch, wieso mir in letzter Zeit das Schwingen eindeutig mehr zusagt als der Fussball. Hat es auch mit den oben gestellten Fragen zu tun?

Nun, diese Frage ist etwas komplizierter und riecht nach Erklärungsbedarf. Klar, bei den Schwingern trifft man zu 99 Prozent auf Schweizer mit einem Namen, der auch meistens schweizerisch klingt. Beim Schwingen treffe ich aber auch noch auf andere Werte, die mir zusagen: Nämlich der sogenannte „Amateurstatus“ der Sportler. Praktisch keiner, ausser vielleicht König Sempach, kann es sich leisten, neben seinem Sport nicht auch noch einer Arbeit nachzugehen. Sprich: Das liebe Geld spielt beim Schwingen nicht so eine grosse Rolle wie beim besagten Fussball. Schwinger gleich Chrampfer, Fussballer gleich bequeme Secondo-Machos?

Die meisten Schwinger sind meistens immer noch Handwerker oder Landwirte. Die Arbeiter von diesen Berufen nennt man im Volksmund gerne auch „Büezer“, welche für ihr Geld „chrampfen“ müssen.
Der Unterschied hier zu den Secondos ist vermutlich kleiner als manche annehmen. Die meisten sind nämlich alles andere als bequem und arbeiten hart. Viele von ihnen sind auf dem Bau oder in industriellen Betrieben anzutreffen und verrichten Arbeiten, die oft nur noch wenige Schweizer ausüben (wollen). Eine Aussicht von jungen Leuten, aus so einem Job entfliehen zu können, könnte durchaus der Fussball sein.

Ich weiss, ich sollte nicht allzu stark verallgemeinern und Secondos mit Ausländern vertauschen. Aber so abwegig ist das gar nicht: Die Secondos sind meist die Kinder von den erwähnten ausländischen Arbeitskräften. Sie möchten, wenn sie denn könnten, etwas anderes tun, als ihre Eltern. Raus aus dem Trott. Fussballer scheint dabei eine Chance zu sein. Wer möchte es ihnen auch verübeln?
Denn Fussball können praktisch alle Kinder ohne grosse finanziellen Verpflichtungen ihrer Eltern spielen und in einem Verein ausüben. Das sieht bei vielen anderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Skifahren, ganz anders aus… Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

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Secondos: Integrationsklasse in Schlieren ZH
Bildquelle: tagesanzeiger.ch

Die Schweiz ist natürlich längst nicht mehr nur ländlich und voller Folklore. Sie ist sehr urban geworden, gerade in den Ballungszentren Zürich – Bern – Basel – Genf. Dort ist auch der Anteil an Schweizer mit Migrationshintergrund um einiges höher als beispielsweise im beschaulichen Muotatal. In der urbanen Schweiz ist man sich gewöhnt, dass ein Schwarzer Schweizer Dialekt spricht und einen Schweizer Pass hat. Dies macht uns „Landeiern“ halt immer noch ein wenig Mühe. Aber gleich von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu sprechen?

Mitnichten! Das tun natürlich die linken Parteien sehr gerne. Sie sehen uns als Rückständige und Konservative, welche von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Dabei leben wir, und ich spreche da wohl einigen aus dem Herzen, alles andere als hinter dem Mond. Wir sind einfach mit den Begriffen wie Migrationshintergrund und Ausländerintegration nicht so vertraut. Wie auch? Wir wollen überzeugt und nicht überrumpelt werden.
Ich frage mich weiter: Werden wir irgendwann auch Schweizer mit Migrationshintergrund auf den Schwingplätzen antreffen?

Jein. Wenn die gleiche Entwicklung stattfinden würde wie beim Fussball, dann müsste man damit rechnen, in ein paar Jahren beim Schwingen etwas Ähnliches anzutreffen. Mit dem ist in meinen Augen nicht unbedingt zu rechnen. Einerseits, weil sich die „neuen“ Schweizer mit unseren Traditionen etwas schwertun. Dazu zähle ich halt auch das Schwingen. Andererseits auch des Geldes willen. Beim Schwingen ist die Aussicht auf viel Geld nicht unbedingt gross. Beim Fussball hingegen schon. Tue ich den Secondo-Schweizern mit meiner These hier unrecht?

Auch hier: Jein. Ist ein Junge in diesen Kreisen talentiert, dann zieht es ihn rein schon wegen der Möglichkeiten her, viel eher zum Fussball als zu einer anderen Sportart, geschweige denn zum Schwingen.

Trotzdem: Ein Unbehagen betreffs der Fussballnati ist einfach vorhanden. Ich erinnere mich an die alten Zeiten mit der Nati und den Spielern, mit welchen ich mich identifizieren konnte. Warum fällt mir das heutzutage so schwer?

Die Gründe sind, wie ich darlegte, sicher vielfältig. Es könnte aber auch mit meinem Alter zu tun haben. Früher habe ich zu meinen Idolen hochgesehen, da ich als Kind auch öfter Fussball gespielt habe. Auch schon rein wegen der körperlichen Grösse…
Es fehlt mir aber wie eingangs erwähnt der gute Geist und das Herzblut einiger Nati-Spieler. Ich spüre die Verbindung zur Schweiz zu wenig. Eben, weil einige ja auch verlauteten, dass sie gerne für ein anderes Land spielen möchten. Sowas sieht für mich aus, dass die Schweiz nicht erste Priorität ist.
Übrigens: Widerspiegelt die Nati eigentlich auch die „ethnische“ Beschaffenheit der Schweizer Bevölkerung?

Definitiv nein. Die Nati ist ein künstliches Produkt aus hochtalentierten Secondo-Schweizern, welche wegen des fussballerischen Könnens für gewöhnlich schneller eingebürgert werden und entspricht bei weitem nicht der Bevölkerungsstruktur. Die Spieler mit Migrationshintergrund haben die Überhand übernommen. Ist dies eine gesunde Entwicklung?

Diese Geschichte hat sich jetzt nun mal wegen den erwähnten Gründen so entwickelt. Deshalb könnte es mir und den anderen Gleichgesinnten völlig egal sein, wie unsere Nati aufgestellt ist und aussieht: Es geht nämlich immer noch „nur“ um Sport. Ich schrieb bewusst: „könnte“. Es ist uns natürlich nicht einfach so egal, und ich gebe zu, dass ich Mühe damit habe. Aber da es sich um die sogenannt schönste „Nebensache“ der Welt handelt, gebe ich mir auch Mühe, dies nicht zu dramatisieren.

Diskussionen wird es natürlich weiterhin geben. Auch das ist legitim. Man darf sich schliesslich in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit auch seine eigenen Gedanken machen. Von diesem Recht habe ich in diesem Beitrag einmal mehr Gebrauch gemacht.
Trotzdem: Hopp Schwiiz heute Abend im Letzigrund gegen die US-Boys von Klinsmann!

feldwaldwiesenblogger

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