Die Verletzungshexe im Schwingsport – ein möglicher Lösungsansatz bei den jungen Schwingern

schwingkolumne

Am vergangenen Wochenende besuchte ich das Ballenberg-Schwingfest, welches im Freilichtmuseum Ballenberg (in der Nähe des Eingangs West) ausgetragen wurde. Viel schöner kann ein Schwingplatz nicht gelegen sein!

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Ballenberg-Schwingfest
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Beim Stichwort Ballenberg-Schwingfest komme ich zum überlegenen Sieger Matthias Glarner. Der Berner Oberländer Eidgenosse gewann nicht nur diesen Wettkampf in eindrücklicher Manier. Für Glarner bedeutete dies schon der dritte Festsieg in der noch jungen Saison. Wie mir der starke Sennenschwinger kürzlich erklärte, konnte er im Winter beschwerdefrei trainieren, und befindet sich deshalb nicht von Ungefähr in einer beeindruckenden Form. Bei den drei Festen verbuchte der Meiringer sage und schreibe 17 Siege gegenüber einem Gestellten.

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Matthias Glarner beim entscheidenden Kurzzug im Schlussgang des Ballenberg-Schwinget
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Das beschwerdefreie Training und die Topform von Matthias Glarner benutze ich als Überleitung zu der neuerlichen Verletzungshexe im Schwingsport. Schon letztes Jahr widmete ich mich bei einem Beitrag diesem Thema. Damals analysierte ich aufgrund einer Behauptung der Schwingerzeitung „Schlussgang“ die verschiedenen verletzten Schwinger, ihre Verletzungen und die Verbandszugehörigkeit. Die Fachzeitung, respektive Leute hinter „der berühmten vorgehaltenen Hand“ behaupteten, dass die Verletzungshexe nicht zufällig im Innerschweizer Lager so häufig zuschlug. Meine Analyse und der Bericht eines gut unterrichteten Informanten zeigten, dass an dieser These eigentlich nichts dran sein kann. Es musste sich um reinen Zufall handeln.

Mein Blogbeitrag zu diesem Thema wurde gerade in letzter Zeit bestätigt, und zwar hinsichtlich Zufall. Leider, muss ich anmerken. Denn jeder verletzte Schwinger ist ein Verletzter zu viel!
Im „Schlussgang“ stand kürzlich, dass jeder dritte Eidgenosse entweder verletzt oder zumindest angeschlagen ist. Auffällig ist dieses Jahr, dass die Verletzungshexe relativ stark im Lager der Berner einschlug. Von A wie Anderegg Simon bis Z wie Zenger Niklaus haben sich einige Athleten Verletzungen zugezogen, die sie entweder um Wochen, Monate oder gar die ganze Saison von den Schwingplätzen fernhält.
Ich selber war es, welcher im besagten Beitrag die Professionalität der Trainings der Berner lobte. Auch hier könnte man jetzt wieder verschiedene Theorien aufstellen. Zum Beispiel, dass dieses Jahr kein Schwingfest mit eidgenössischen Charakter auf dem Programm steht, und sich die Berner deshalb weniger professionell als letztes Jahr auf die Saison vorbereiteten. Vielleicht ist da was dran, vielleicht ist es auch nur der reine Zufall.

pirmin reichmuth
Pirmin Reichmuth
Bildquelle: schlussgang.ch

Was mir aber je länger je mehr ins Auge fällt, sind die zunehmenden Knieverletzungen bei den jungen Schwingern (vor allem Kreuzbandrisse und Meniskusverletzungen). Diese erschreckende Tatsache bringt mich zu zwei Erkenntnissen.

Erstens: Alle Schwinger, angefangen schon bei den Jungschwingern, sollten sehr viel Wert auf einen guten Trainingsaufbau legen. Dabei sollten sie in meinen Augen noch viel intensiver von gut ausgebildeten Konditionstrainern, aber auch von Fachleuten wie Sportärzten oder Orthopäden betreut werden. Diese sollten einen Fokus auf die Stabilität des Körpers und im speziellen auf die Knie legen. In der Schweiz haben wir doch mehr als genug Fachleute, die ihr Wissen vermehrt auch in diesem Bereich einbringen könnten.

Zweitens: Auffällig ist auch, dass sich deutlich mehr junge Schwinger die Kreuzbänder reissen als die älteren und routinierten Schwinger. Dies hat in meinen Augen sicher damit zu tun, dass die jungen Schwinger über eine ausgezeichnete Athletik, viel Kraft und Kondition verfügen. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist ihr noch nicht ganz ausgewachsener und ausgebauter Körper. Ihre Kräfte stehen vielfach noch zu keinem Verhältnis zu der Stabilität des Körpers.
Schwingen diese schlaksigen Jungspunde gegen einen älteren, routinierten und deutlich schwereren Schwinger, dann muss mit deutlich mehr Kraft gezogen werden als gegen einen gleichaltrigen. Dabei werden sehr grosse Kräfte freigesetzt, welche sich kontraproduktiv auswirken können. Sogenannte schwache Stellen wie die Kreuzbänder sind in solchen Situationen besonders gefährdet.
In den meisten Fällen hat dies zum Glück keine Konsequenzen. In den uns bekannten Fällen aber zogen sich so junge und hoffnungsvolle Talente wie Pirmin Reichmuth oder Ralf Schelbert einen Kreuzbandriss im Knie zu. Reichmuth innert Jahresfrist gleich zum zweiten Mal am gleichen (rechten) Knie. Das ist Tragik pur, und verursacht viel Leid.

Natürlich: Man kann die Verletzungshexe mit keinem Training oder keiner Therapie komplett ausblenden. Ich meine aber, man könnte neue Wege gehen. Einer ist mir gerade in den letzten Tagen in den Sinn gekommen. Wieso lässt man die jungen Schwinger schon so früh auf die sogenannt „Älteren“, und auch „Schwereren“ los? Ich würde meinen, dass die Alterslimite zwischen Jungschwingern und Aktiven erhöht werden müsste. In meinen Augen sogar bis zum vollendeten 21. Lebensjahr. Man könnte für die Schwinger, welche zwischen 16 und 21 Jahre alt sind, eine neue Kategorie „erfinden“. Um die Attraktivität zu erhöhen, dürften sie selbstverständlich auch bei den Schwingfesten der Aktiven mitschwingen, aber nur unter einander. Am Abend würden dann zwei Festsieger gefeiert: Einerseits jener der Kategorie der Aktiven, andererseits derjenige der Elite-Junioren. Für diese Elite-Junioren gibt es auch Kränze, und zwar an allen kranzberechtigten Anlässen, bis hinauf zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.

Wer weiss, vielleicht findet mein Vorschlag irgendwo Gehör, und man überlegt sich das mal in Ruhe. Gut möglich, dass mir in nächster Zeit von verschiedener Seite auf die Schulter geklopft wird: „Deine Idee ist gar nicht so übel. Aber leider nicht durchführbar wegen diesem oder jenem.“
Ich hoffe so oder so, dass vermehrt auf die Gesundheit der Schwinger geachtet wird. Insbesondere auch auf die Jungschwinger, damit sich diese nicht schon in jungen Jahren derart schwer verletzen, dass eine hoffnungsvolle Karriere schon relativ schnell wieder vorbei sein kann.

Mit kräftigem Schwingergruss
feldwaldwiesenblogger

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