Aus der Geschichte des Schwingens im Muotatal (Teil 6)

Im 6. Teil (von insgesamt neun Teilen) zum Schwingeschehen im Muotathal beleuchte ich heute mit den wichtigsten Eckpunkten die Geschichte. Um dieser auf die Spur zu kommen, habe ich einerseits in der Jubiläumsschrift von 1987 (50 Jahre Schwingklub Muotathal), andererseits in jener von 2012 (75 Jahre Schwingklub Muotathal) gelesen.

Schwingklub-Präsident René Schelbert erklärte auf die Frage „Woher hatten die Autoren ihr Wissen und wer hatte diese Jubiläumsschriften geschrieben?“: „Das grösste Wissen hatte mein Vater, Paul Schelbert. Die Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Schwingklub Muotathal hat er praktisch alleine geschrieben. Zum Verfassen der Schrift zum 75-jährigen Jubiläum wurde eine Kommission gegründet.“

jubiläumskommission
Bildquelle: Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Die 2012 erschienene Jubiläumsschrift wurde vom Schwingklub Muotathal herausgegeben. Verfasst wurde sie von einem sechsköpfigen Team unter der Leitung von Präsident Ady Föhn.
René ergänzte: „Mein Vater Paul hat in der der Jubiläumsschrift von 2012 die Geschichte aufgeschrieben. Ady Föhn war zuständig für die Portraits der Kranzschwinger. Markus Betschart sammelte als zentraler Punkt alle Daten. Josef Betschart fungierte als Korrektor, Karl Heinzer war zuständig für das Steinstossen und die verschiedenen Schwingfeste. Ich war zuständig für die Ehrungen, Jungschwinger und das Vorwort.“

erstes schwingfest
Das erste Schwingfest im Muotathal
Bildquelle: Jubiläumsschrift „50 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 1987“

In der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Schwingklubs steht zu den Anfängen des Schwingens in unserem Tal geschrieben: „Schon seit Menschengedenken kommt das althergebrachte, ja das älteste Nationalspiel, das Schwingen, im Muotathal vor.“
Weiter ist darin zu entnehmen, dass die Genossame Muotathal gewillt war, einen Beitrag an ein Schwingfest im Jahre 1907 zu bewilligen, vorausgesetzt der Gemeinderat sei auch mit offener Hand dabei. 1914 wurde eine Hauskollekte durchgeführt, deren Ertrag wäre einem im Herbst stattfindenden Schwingfest zu Gute gekommen. Wegen dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde das Schwingfest abgesagt, und das Geld auf ein Sparheft gelegt.

Noch bevor 1937 der Schwingklub Muotathal gegründet wurde, fand dann im Frühling 1923 das erste Schwingfest im Muotathal statt. Dieses Schwingfest organisierte der 1921 gegründete Schwingerverband am Mythen. Die Muotathaler Schwinger gehörten damals diesem Verband an. 1929 und 1934 kamen zwei weitere Rangschwingfeste zur Austragung in Muotathal.

Da die Übungsgelegenheiten fehlten, sank in den Jahren 1935 und 1936 die Zahl der aktiven Muotathaler Schwinger auf ein Minimum von zwei. Das seit 1914 auf ein Sparheft gelegte Geld wurde deshalb im Winter 1937 zum Kauf einer schönen Schwingermatte verwendet. Die Schwingermatte wurde im Saal des Gasthauses Sternen untergebracht. Ein halbes Jahr später zählte das Muotatal wieder 12 Schwinger.

Die weite Entfernung zum Sitz des Schwingerverbandes am Mythen und Uneinigkeiten mit ihnen liess die Bande der Kameradschaft lockern. Im Muotatal kam der Wunsch auf, ein selbständiges Glied des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes zu werden.
Die Loslösung vom Schwingerverband am Mythen wurde in die Wege geleitet. Nachdem dieses Vorgehen an verschiedenen Stellen gutgeheissen wurde, stand der Gründung eines dorfeigenen Schwingklubs nichts mehr im Wege.

gründungslokal
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Am Sonntag, den 5. September 1937, erfolgte die Gründung des Schwingklub Muotathals auf der Alp Äbnet. Im „Äbnetstübli“ trafen sich Peter Gwerder, Paul Bürgler und Josef Betschart mit dem Älpler Josef Bürgler. Auszug aus dem Gründungsprotokoll: „Vier wackere Eidgenossen legten die Hände ineinander wie zum Schwure, treu zu unserer hehren Sache zu stehen, das Schwingen in unserer Talschaft wenn möglich zu fördern und mit aller Kraft zum Gedeihen unseres Klubs beizutragen.“
Die vier Männer bildeten denn auch gleich den provisorischen Vorstand. Zudem wurde beschlossen, am 3. Oktober desselben Jahres ein Gründungsschwinget durchzuführen.

1938 ging der Kampf um die Aufnahme des Schwingklubs Muotathal in den Kantonalverband weiter. Es wurde ein entsprechendes Gesuch gestellt und eine Erklärung beigelegt: „Eher stecken wir die Schwingerei gänzlich auf, als dass wir weiterhin unter dem Mythenverband schwingen.“
Das Gesuch wurde abgelehnt, die Muotathaler mussten weiterhin unter dem Schwingerverband am Mythen schwingen. Diese wiederum beschlossen, beim Mythenverband nicht mehr mitzumachen.
Es kam gar zum Eklat, und die Muotathaler Schwinger blieben dem Kantonalen 1938 fern.
Der ISV-Verbandspräsident lud zu einer Aussprache. Dabei wurde beschlossen, dass der Schwingklub Muotathal der Form nach unter dem Mythenverband figurieren muss, jedoch ab dem 1. Januar 1939 seine Geschäfte probeweise selbständig verwalten darf. Es wurde ihnen eine Probezeit von zwei bis drei Jahren gewährt. Dieses Provisorium befriedigte die Muotathaler keineswegs, wurde dem Frieden zuliebe aber am 27. Januar unterschrieben.

1941 wurde der Schwingklub Muotathal definitiv als sechsten Unterverband des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes aufgenommen. Pikant: Auf dem Sparheft waren noch 11.85 Franken vorhanden.
Im Jahresbericht schrieb der Präsident unter anderem vom Bundesfeierschwinget, welches am 24. August gleichen Jahres stattfand: „Wo nur die 80 Besten und Wägsten teilnahmen, sahen wir Peter Gwerder und Paul Bürgler das Sägemehl pflügen.“

Der Gewinn von vier Kränzen auf eigenem Boden beim Schwyzer Kantonalen 1954 zeigte, dass sich der Schwingklub im Aufwind befand.

schwingfest 1961
Schwyzer Kantonales 1961 im Muotatal
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

1961 wurde der bisherige Festplatz der Muotathaler Schwingfeste an der heutigen Marktstrasse wegen Überbauungen auf die Herrenmatt verlegt, wo gleichen Jahres am Kantonalen erstmals der Platz benutzt wurde.

1962 wurde 25 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Paul Bürgler bescherte dem Klub mit dem Sieg am Innerschwyzerischen und am Schwyzer Kantonalen das schönste Jubiläumsgeschenk.

1970 fanden erstmals in der Geschichte drei Schwingfeste auf dem Klubgebiet statt. Dies sind der Muotathaler Schwinget, der Kantonale Jungschwinget in Illgau und der Nachwuchsschwinget.

1976 erlebten die Muotathaler Schwinger den bisher grössten Erfolg seit der Gründung des Schwingklubs. Am Kantonalen in Einsiedeln gewann Alois Reichlin vor Karl Heinzer. Weiter holten sich Alois Schelbert, Walter Beschart, Emil Imhof und Peter Schelbert I den begehrten Kranz.

1982 holten sich Peter Schelbert I, Peter Schelbert II, Richard Heinzer und Alois Schelbert den Kranz am Innerschweizerischen und feierten einen noch nie dagewesenen Erfolg.

1987 wurde mit einem Jubiläumsschwinget und der bereits erwähnten Jubiläumsschrift 50 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Am 25. Oktober gleichen Jahres gingen die Jubiläumsfeierlichkeiten über die Bühne.

1992 schafften sich die Muotathaler Schwinger für einen einheitlichen Auftritt eine Trainerjacke an.

schwingkeller stumpenmatt
Die neue Schwinghalle in der Mehrzweckhalle Stumpenmatt
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

1995 ist ein Jahr der Rekorde. Unter anderem nahmen 25 Aktive am Kantonalen teil, sieben Schwinger holten sich den begehrten Kranz. Weiter durften erstmals an einem Eidgenössischen Schwingfest (ESAF Chur) 6 Athleten die Muotathaler Farben vertreten.
Zudem konnte in diesem erfolgreichen Jahr die neue Schwinghalle in der Mehrzweckhalle Stumpenmatt bezogen werden.

Im Jahr 2000 sind die Muotathaler Schwinger mit 25 herausgeschwungenen Kränzen sehr erfolgreich. Einer sticht dabei besonders hervor: Heinz Suter. Der Turnerschwinger ist mit acht Kranzerfolgen und mit sechs gewonnenen Kranzfesten (darunter drei Bergfeste) der beste Schwinger der Schweiz.

2002 richten sich die Muotathaler Schwinger als einer der ersten Schwingklubs eine Homepage ein.

Guido Gwerder geht 2003 mit erst 16 Jahren als jüngster Kranzer des Schwingklubs Muotathal in die Geschichte ein.

2004 nehmen 27 Aktive (Rekordzahl) am Schwyzer Kantonalen in Pfäffikon teil. Das Fest gewinnt mit sechs Siegen souverän Heinz Suter.
In Luzern holen sich erstmals zwei Schwinger (Heinz Suter und Leo Betschart) an einem Eidgenössischen das begehrte Eichenlaub.
Die Muotathaler Schwinger holten sich in jenem Jahr 20 Kränze, was ebenfalls Rekord bedeutete. Mit diesem Achtungserfolg waren sie der drittbeste Klub der Innerschweiz.

Heinz Suter erkämpfte sich 2007 am ESAF in Aarau den fünften Eidgenössischen Kranz. Der bisher erfolgreichste Schwinger des Schwingklubs Muotathal, welcher nach dem ISV-Fest 2008 in Wolhusen zurücktrat, wurde am 15. Mai 2011 von der Kulturkommission als Sportler der Gemeinde Muotathal geehrt.

Am 22. April 2012 wurde mit einem Jubiläumsschwingfest, welches Schwingerkönig Kilian Wenger in eindrücklicher Manier gewann, 75 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Mit einer Jubiläumsfeier am 8. Dezember gleichen Jahres und der Vorstellung der eingangs erwähnten Jubiläumsschrift wurde das Jubiläum würdig abgerundet.

Erst kürzlich, am 26. April, konnten fünf Muotathaler Kränze nach dem Schwyzer Kantonalen in Küssnacht gefeiert werden. Vier Schwinger holten sich dabei ihr erstes Eichenlaub, was es bisher in der Geschichte des Muotathaler Schwingens noch nie gab.

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Das 100. Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest in Muotathal
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Nebst dem beinahe jährlich stattfindenden Rangschwinget fanden Schwyzer Kantonale Jungschwingertage in Muotathal und Illgau statt. Zudem organisierte der Schwingklub Muotathal bisher 1940, 1946, 1954, 1961, 1967, 1978, 1984, 1990, 1996, 2002, 2009 und 2014 zwölf Schwyzer Kantonale Schwingfeste im Tal. Für das Innerschweizerische Schwingfest wurde 1976 und 2006 der Zuschlag erhalten.
1995 fand zur Einweihung der Mehrzweckhalle das bisher erste und einzige Hallenschwinget statt.

Geschwungen wird und wurde auf folgenden Plätzen: Gätzlersmatte, Marktplatz (heute Marktstrasse 7-9), von 1962 bis 1973 auf dem Herrenmattli und seit 1974 auf der Stumpenmatt.

Die Anzahl Schwinger variierte von zwei (in den Anfangstagen, respektive vor der Gründung des Schwingklub Muotathals) bis 58 (Mitte der 1990er Jahre).

1937 wurde im Saal des Restaurants Sternen ein erstes Trainingslokal bezogen. Ein Jahr später wurde die Schwingermatte in die St. Josefshalle gezügelt. Von 1941 bis 1972 fanden die Schwinger eine Übungsgelegenheit im Keller des Schulhaus Wil. In der Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“ ist dazu wörtlich zu lesen: „Die Muotathaler sind stolz, dass sie die schönste Schwinghalle im Kanton ihr eigen nennen dürfen.“
1972 konnte in der neu errichteten Schulanlage Muota eine neue Schwinghalle bezogen werden. Dort blieb man bis 1995. In jenem Jahr wurde in die neue und grössere Schwinghalle in der Mehrzweckhalle Stumpenmatt gewechselt. In diesem schönen Trainingslokal wird auch heute noch trainiert.

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Guter fünfter Rang beim Pfingstmotocross in Muri (AG)

Das Seitenwagen-Motocrossteam Inderbitzin/Forster fuhr beim Pfingstmotocross in Muri (AG) zwei solide Rennläufe. In der Endabrechnung belegten sie den guten fünften Rang.

sidecarcross-team inderbitzin
Bildquelle: Facebook

Im Vorfeld des Pfingsmotocrosses war man sehr gespannt, welche Seitenwagen-Teams am Pfingstmontagmorgen beim freien Training tatsächlich vor Ort sein werden. Denn dieses Jahr wurde 40 Jahre Motocross Muri gefeiert.
Einige der angemeldeten Teams waren dann unfallbedingt nicht am Start. Andere Seitenwagengespanne waren am zeitgleich stattfindenden WM-Rennen in Holland. Auf Facebook war zudem zu lesen, dass das tschechische Team Cermak/Cermak, welches eigentlich bei der WM teilnimmt, auch nach Muri kommt. Nun, sie waren tatsächlich da. Ebenfalls die Belgier Hendrickx/Liepins, die auch schon sehr gute WM-Rennen zeigten. Es waren schliesslich 22 Teams vor Ort.

Fünfter Rang nach dem Qualifikationstraining
Das Seitenwagen-Motocrossteam Inderbitzin/Forster war nach dem Training sehr guter Dinge, die Strecke gefiel ihnen und sie beendeten das freie Training auf dem vierten Platz. Diese Rangierung sagt aber meist nicht viel aus. Beim Qualifikationstraining fuhren Remo Inderbitzin und Stefan Forster nach einer abgeklärten Leistung auf den hervorragenden fünften Rang. Dadurch konnten sie sich im ersten Lauf ihren Startplatz am Balken aussuchen.
Der Start zum ersten Rennlauf verlief leider nicht optimal, und das Team Inderbitzin kam als zwölfte in die erste Runde. Da sie in der Folge sehr konstant fuhren, konnten sich die beiden Runde um Runde verbessern. Am Ende fuhren die jungen Rennfahrer als Sechste durchs Ziel.
Während des ersten Laufes setzte leichter Regen ein. Es blieb leider bis am Ende der Rennen regnerisch.

Der gute Start zum zweiten Lauf und ein punktgenauer Sprung
Der Start zum zweiten Lauf verlief besser, und das schweizerisch-deutsche Seitenwagen-Team (Stefan Forster ist Deutscher) kam als Achte weg. Gleich in der ersten Runde fuhren sie auf Platz sechs vor und hatten das Schweizer Gespann Bolliger/Hofmann vor sich. In der nächsten Runde schnappten sich das Duo Inderbitzin/Forster die vor ihnen Fahrenden mit einem präzisen und weiten Sprung. Der Platz-Speaker meinte dazu: „Durch einen punktgenauen Sprung konnte das Muotathaler Team am Team Nummer 28 vorbeifahren.“
Den fünften Platz liessen sich Remo und Stefan nicht mehr nehmen, und fuhren mit einem satten Vorsprung durchs Ziel. Der sechste und der fünfte Platz aus den beiden Rennläufen bedeuteten schliesslich den guten fünften Gesamt-Rang. Diese Platzierung löste grosse Freude beim ganzen Team und den angereisten Fans aus. Viele Muotathaler Motorsport-Freunde waren vor Ort und unterstützten das Team. Gewonnen wurde das Rennen von den beiden Tschechen Cermak/Cermak.
Am kommenden Freitag geht es bereits weiter. Das Sidecarcross-Team Inderbitzin reist gut 800 Kilometer in den tiefsten Osten von Deutschland, nach Dolle (Bundesland Sachsen-Anhalt). Auf dem Programm steht ein nächstes Rennen der Deutschen Meisterschaft.

feldwaldwiesenblogger

Ehemalige Schwinggrössen vom Schwingklub Muotathal (Teil 5)

Im fünften Teil meiner neunteiligen Reihe zum Schwingen im Muotatal beleuchte ich heute die ehemaligen Schwinggrössen unseres dorfeigenen Schwingklubs.
Dazu konsultierte ich beim Interview René Schelbert (Muotathaler Schwingklub-Präsident) und die Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“. René riet mir zu dieser Lektüre, und ergänzte, dass darin alle Kranzschwinger erfasst sind, welche der Schwingklub Muotathal jemals hervorgebracht hat. Zudem sind in diesem 191-seitigen Buch, in welchem ich in der Zwischenzeit gelesen habe, die wichtigsten Fakten zum Schwingklub niedergeschrieben. Die Jubiläumsschrift ist übrigens ein gut geschriebenes und illustriertes Buch, welches ich jedem Schwingerfreund wärmstens empfehlen möchte.

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Jubiläumsschrift
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Der beste Muotathaler Schwinger aller Zeiten ist unbestritten Heinz Suter, welcher die Front des Buches zusammen mit Martin Grab ziert. Da er seine Karriere erst 2008 beendete, kennen ihn praktisch noch alle interessierten Schwingerfreunde. Heinz (Jahrgang 1975) holte sich in seiner Aktivzeit 90 Kränze (darunter fünf Eidgenössische), gewann 20 Kranzfeste und 16 Rangschwingfeste. Sein Lieblingsfest war das Innerschweizerische, welches er fünfmal gewann. Mit seinem gefürchteten Wyberhaken bezwang Heinz so manchen Topschwinger und strahlte eine jahrelange Euphorie auf den Schwingplätzen aus. Nebst dem zweiten Platz am Eidgenössischen 1998 in Bern ragt sicher der ISV-Sieg 2005 in Seedorf heraus. Nach einer langen Verletzungspause gewann Heinz mit sechs Siegen souverän das Fest.

Als ich René vor Wochenfrist beim Interview fragte „Kannst du aus dem Stegreif alle Muotathaler Eidgenossen aufzählen?“, nannte er sie alle auf Anhieb: Alois Reichlin, Alois Schelbert, Peter Schelbert I, Peter Schelbert II, Richard Heinzer, Heinz Suter und Leo Betschart. Der Schwingklub Muotathal brachte also bisher sieben Eidgenossen hervor.

Weiter fragte ich René: „Welches waren bisher die markantesten Muotataler Schwingerpersönlichkeiten?“ Dazu meinte der ehemalige Kranzschwinger: „Nebst Heinz Suter waren dies sicher die Gebrüder Alois und Peter Schelbert I, weil sie mit den besten Schwingern stellen konnten. Zudem auch Richard Heinzer, welcher mehrere Schönschwingerpreise gewann. Eine weitere Persönlichkeit war Paul Bürgler (Jahrgang 1938), der das Innerschweizerische und das Rigi-Schwinget vor vielen Jahren gewann. Er konnte wegen Verletzungen leider nie an einem Eidgenössischen teilnehmen.“

Als Basis für diesen Beitrag nehme ich deshalb die von René erwähnten Schwinger. Die sieben Eidgenossen und Paul Bürgler sind auch mir ein Begriff, und sind unbestritten die ehemaligen Schwinggrössen vom Schwingklub Muotathal.
Als ich die oben erwähnte Jubiläumsschrift durchblätterte, zählte ich sage und schreibe 67 ehemalige Kranzschwinger. Dazu gilt zu erwähnen, dass die seit 2012 neu hinzugekommenen Kranzschwinger natürlich noch nicht erfasst sind.

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Alois Reichlin
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Der erste Schwinger, welcher für den Schwingklub Muotathal Eidgenössisches Eichenlaub herausschwang, war Alois Reichlin. Der 1947 auf dem Heimwesen Schrund im oberen Bisisthal geborene und heute in Menzingen ZG wohnhafte Sennenschwinger holte sich in seiner Karriere insgesamt 34 Kränze. Seine wohl grössten Erfolge waren der vierte Rang am Eidgenössischen in La-Chaux-de-Fonds (1974) und die beiden Kranzfestsiege auf dem Stoos (1971) und beim Schwyzer Kantonalen (1976). Weiter gewann Alois 14 Rangschwingfeste.

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Alois Schelbert
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Alois Schelbert (Jahrgang 1955) gewann in seiner Aktivzeit 32 Kränze (darunter ein Eidgenössischer Kranz 1977 in Basel) und konnte sich 1982 auf der Rigi als Sieger feiern lassen. Alois trug zudem an vier Rangschwingfesten den Sieg davon. Der Eidgenössische Kranz und der Kranzfestsieg auf der Rigi bilden zugleich seine grössten Erfolge. Der als fast unbezwingbar geltende Sennenschwinger trat 1986 am Stoos Schwingest von seiner Aktivkarriere zurück.

peter schelbert I
Peter Schelbert I
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Der 1953 geborene Peter Schelbert I war der erste Schwinger vom Schwingklub Muotathal, welcher sich 40 Kränze erkämpfte. Zudem hält er den Rekord mit sechs Teilnahmen an Eidgenössischen Schwingfesten. Die grössten Erfolge von Peter waren sicher der Gewinn des Eidgenössischen Kranzes 1980 in St. Gallen, und sein Kranzfestsieg 1978 am Zuger Kantonalen in Menzingen. Zudem gewann der Sennenschwinger ein Rangschwingfest.

peter schelbert II
Peter Schelbert II
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Da der Cousin von den beiden Eidgenossen Alois und Peter ebenfalls Peter Schelbert heisst, wurde der jüngere Turnerschwinger als Peter Schelbert II nummeriert. Er wurde 1959 geboren und wohnt heute in Ingenbohl. Sein Palmarès besteht aus 26 Kränzen, darunter ein Eidgenössischer Kranz. Sein grösster Erfolg ist nebst dem Gewinn von Eidgenössischem Eichenlaub der Sieg am Innerschweizerischen Schwingfest 1983 in Ruswil. Weiter gewann Peter vier Rangschwingfeste.

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Richard Heinzer
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Richard Heinzer (Jahrgang 1961) holte sich insgesamt 43 Kränze, darunter in Sion und Stans zwei Eidgenössische. Wenn damals ein Schönschwingerpreis vergeben wurde, holte ihn sich meistens Richard ab. Während seiner Karriere gewann der Sennenschwinger zudem zwei Kranz- und 20 Rangschwingfeste. Richards grösste Erfolge waren sicher die beiden Eidgenössischen Kränze, 1984 der Sieg am ISV-Fest in Cham und 1985 der Sieg am eigenen Kantonalfest. Beim Fest 1985 bodigte er im Schlussgang niemand geringeren als den nachmaligen Schwingerkönig Heinrich Knüsel.

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Leo Betschart
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Der 1975 geborene Leo Betschart erschwang sich in seiner Karriere 34 Kränze. Am Frühjahrschwinget in Pfäffikon (2000) und am Muotathaler Schwinget (2004) konnte der Turnerschwinger zwei Tagessiege an Rangschwingfesten feiern. Der Höhepunkt seiner Karriere bildet der Eidgenössische Kranz am ESAF 2004 in Luzern. Weitere schöne Erfolge waren 2002 die Schlussgangteilnahme auf der Rigi und zwei Jahre später der zweite Rang an gleicher Stätte.

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Paul Bürgler
Bildquelle: Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“

Paul Bürgler, 1938 geboren, war nur fünf Saisons als Kranzschwinger aktiv. Dies sehr erfolgreich, gewann er doch in dieser Zeit 24 Kränze, vier Kranzschwingfeste und sechs Rangschwingfeste. Paul gewann 1961 und 1962 das Schwyzer Kantonale sowie 1961 den Rigischwinget und 1962 das Innerschweizerische. Eine Teilnahme an Eidgenössischen Schwingfesten blieb ihm verletzungsbedingt verwehrt. Als Höhepunkt von Pauls Karriere gilt der Sieg am ISV-Fest 1962 in Stans.

Da man in der Jubiläumsschrift sehr viele Daten über die einzelnen Kranzschwinger nachlesen kann, konfrontierte ich den Schwingklub-Präsidenten zudem mit folgender Frage: „Sammelt ihr über eure Schwinger nebst den Anzahl Kränzen und den Rangierungen eigentlich noch andere Daten, zum Beispiel über Trainings- und Festbesuche, Verletzungen sowie bei den Jungschwingern die Anzahl Zweige?“
René erklärte: „Dies macht Erwin Betschart, der technische Leiter. Er führt Buch über Kränze, Auszeichnungen sowie Trainings- und Festbesuche. Für die Zweige ist der Jungschwingerbetreuer zuständig. Über das Kapitel ‚Verletzungen‘ führt niemand Buch.“

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Der neue Pressechef, der kein Grieche ist, und von einem urchigen Älpler auch schon auf einen Fehler hingewiesen wurde (Teil 4)

Der Muotathaler Michael Schelbert ist seit vergangenem Januar Pressechef des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes. Seine Wahl zu diesem Amt nehme ich deshalb auch mit rein in meine neunteilige Reihe zum „Schwingen im Muotatal“. Denn zum Schwingen gehören nebst den Schwingern natürlich auch die Funktionäre.
Was genau aber macht eigentlich ein Pressechef? Zu diesen und anderen Fragen stand mir Michael gestern Red und Antwort.

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Michael Schelbert
Bildquelle: Facebook

Seit wann bist du Pressechef des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes?
„Seit dem 10. Januar dieses Jahres.“

Was für Aufgaben hast du als Pressechef?
„Der Medienchef des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes hat folgendes Arbeitsprogramm: Teilnahme an Vorstandssitzungen, das Verfassen des Festberichtes des Schwyzer Kantonalen Schwingfestes (am Abend des Schwingfestes an die Schwingerzeitung) sowie das Verfassen des Berichtes über den Schwyzer Kantonalen Nachwuchsschwingertag. Weiter einen Bericht über den Abschlussabend der Aktiven und einen Bericht über die Delegiertenversammlung verfassen.
In diesem Jahr wurde zusätzlich das Frühjahresschwingfest in Pfäffikon SZ vom ISV (Innerschweizerischer Schwingerverband) ausgewählt, damit die shjz (Schwingerzeitung) gestärkt werden kann.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Medien? Läuft dies problemlos ab?
„Ich habe, abgesehen von der shjz, keinen direkten Kontakt zu den Medien. shjz ist die Zeitschrift für das Schwingen, Hornussen und Jodeln, welche das offizielle Mitteilungsorgan des ESV (Eidgenössischer Schwingerverband) darstellt.
Die Berichte in der ‚Klatschpresse‘ werden von anderen verfasst, unter anderem von Simon Gerber und Werner Schönbächler.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Schwingern? Läuft dies problemlos ab?
„Soweit ich beurteilen kann, ja. Ich habe in meiner Funktion keinen eigentlichen Kontakt zu den Schwingern.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Schwingklubs innerhalb des Schwyzer Kantonalen Schwingverbandes? Läuft dies problemlos ab?
„Die Klubs haben nach meiner Ansicht ein gutes Verhältnis untereinander. Natürlich gibt es bei gewissen Punkten manchmal Differenzen. Diese sind jedoch schnell behoben. Es ist jeweils ein Geben und Nehmen.“

Hast du ein Pflichtenheft?
„Es besteht ein Pflichtenheft für den Vorstand des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes, in welchem die Aufgaben der einzelnen Vorstandsmitglieder aufgelistet sind.“

Führst du das Amt in etwa so aus wie dein Vorgänger?
„Ja. Ich bin nicht der Typ, der das Rad neu erfinden muss. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.“

Hast du auch schon Neuerungen eingebracht oder eingeführt?
„Um Himmels willen, nein. Ich bin der einzige im Vorstand, welcher kein Stimmrecht hat. Ich kann höchstens beratend wirken. Somit muss ich das Maul nicht so weit aufreissen, ich bin ja kein Grieche.“

Wieviel Zeit pro Woche investierst du in dein Amt?
„Schwierig zu beantworten, da sich meine Arbeit auf bestimmte Tage beschränkt. Am Schwyzer Kantonalen waren es Samstag und Sonntag zusammen etwa 20 bis 22 Stunden. Es ist aber meistens weniger als eine Stunde pro Woche.“

Wie viele Sitzungen besuchst du in einem Jahr?
„Sechs Vorstandssitzungen, die Delegiertenversammlung und der Abschlussabend der Aktivschwinger, dazu noch die zwei Kantonalen.“

An wie vielen Schwingfesten bist du von Amtes wegen anwesend?
„An zwei Schwingfesten.“

Wie kamst du eigentlich zu deinem Amt?
„Ich wurde von meinem Vorgänger und Arbeitskollegen Stefan Beeler (ein halber Muätithaler) angefragt. Nach reiflicher Überlegung habe ich zugesagt.“

Stehst du mit anderen Pressechefs auch in Kontakt? Wenn ja, betreibt ihr auch Erfahrungsaustausch?
„Bisher hatte ich nur mit dem ISV-Pressechef Guido Bucher Kontakt.“

Betrachtest du seit deinem Amtsantritt die Schwingerei aus anderen Augen?
„Man bekommt einen anderen Blickwinkel. Ich erkenne erst jetzt, wieviel Arbeit dahinter steckt. Bei gewissen Ämtern im Vorstand ist ein enormer Zeitaufwand notwendig, das ist Aussenstehenden gar nicht bewusst. Die meisten Vorstandsmitglieder führen mehrere Mandate aus, sei es im Klub oder im ISV-Vorstand.“

Hast du mir eine oder gar mehrere Anekdoten, welche du seit deinem Amtsantritt erlebt hast?
„So richtige Anekdoten habe ich noch nicht erlebt. Ich wurde eine Woche nach dem Schwyzer Kantonalen von „ds Wichlers Walter“ (Walter Gwerder) ins ‚Konditers‘ (Konditorei Schelbert, Muotathal) auf meinen Bericht vom Schwingfest in Küssnacht angesprochen. Er hat mich darauf hingewiesen, dass ich noch einen kleinen Fehler darin hatte. Somit kann ich befriedigt sagen, dass meine Berichte genau gelesen werden.“

Ich bedanke mich bei Michael für die interessanten Antworten bei seinem neuen Amt. Nun weiss ich endlich, was für Aufgaben ein Pressechef hat. Zumindest jener des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes.

feldwaldwiesenblogger

Ist ein „neuer“ Heinz Suter beim Schwingklub Muotathal in Sicht? (Teil 3)

Beim Teil 3 der neunteiligen Reihe über das Schwingen im Muotatal widme ich mich heute dem Nachwuchs. Dabei geht es um deren Betreuung, das Training, das Nationalturnen im Muotatal, Disziplin, den Eidgenössischen Schwinger-Schnuppertag, ein Nachwuchskonzept und welche Jungschwinger dereinst für Furore sorgen könnten. Zudem um die provokative Frage: Ist ein „neuer“ Heinz Suter beim Schwingklub Muotathal in Sicht?

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Die Muotathaler Nachwuchsschwinger beim Training
Bildquelle: Michael Schelbert

Als Einstieg zu diesem Thema fragte ich meinen Interviewpartner, den Muotathaler Schwingklub-Präsident René Schelbert: Ist genügend Nachwuchs vorhanden oder gibt es Nachwuchssorgen?
René dazu: „Genug kann man eigentlich nie haben. Zurzeit ist die Tendenz erfreulicherweise eher wieder zunehmend. Mit gut 20 Nachwuchsschwingern (8- bis 15-jährig) und etwa 15 Aktivschwingern können wir mit unserem Einzugsgebiet (Gemeinde Muotathal und Illgau) zufrieden sein. Dies erst recht, wenn man mit anderen Einzugsgebieten vergleicht.“

Apropos Nachwuchssportler im Muotatal: Dem Vernehmen nach haben die Fussballer keine Nachwuchssorgen. Den Handballern des KTV Muotathal ergeht es aber ähnlich wie dem Schwingklub. Auch bei ihnen sei es zäh, genügend Junioren für die einzelnen Mannschaften rekrutieren zu können.

Auf einen Juniorenbetreuer angesprochen meinte der schwingbegeisterte Mann: „René Bösch hat abgegeben als Jungschwinger-Betreuer. Deshalb mussten wir eine neue Lösung suchen. Daniel Betschart ist nun Chef der Jungschwinger-Betreuer, und bei jedem Training leiten zwei andere. Es sind so etwa 12 Personen, welche zu diesem Leiterteam gehören.
Daniel ist zwischendurch auch bei den Trainings des Nachwuchses dabei. Bei den Schwinget müssen wir Fest um Fest nehmen. Auch wer mit den Junioren an die Anlässe fährt.
Die Betreuung der Trainings läuft folgendermassen ab: Bei jedem Training sind zwei Leiter anwesend. Einer der beiden leitet am darauffolgenden Training mit einem anderen Betreuer zusammen das Schwingtraining. So ist immer ein Leiter zweimal hintereinander dran, damit man weiss, was letztes Mal gemacht und geübt wurde.
Ideal wäre natürlich schon, wenn man einen Betreuer gefunden hätte, der bei jedem Training anwesend wäre. Handkehrum ist mit ständig wechselnden Übungsleitern für Abwechslung gesorgt.
Die Betreuer setzen sich aus dem Klubvorstand und aus den Aktiven zusammen.“

Bis zu den Sommerferien ist am Mittwochabend und am Freitagabend während je anderthalb Stunden Training (18.30 Uhr bis 20.00 Uhr). Nach den Sommerferien bis Saisonende findet wöchentlich noch ein Training statt.

Das mit den verschiedenen Übungsleitern sei auch bei anderen Klubs gleich, welche sich ebenfalls gezwungenermassen bei den Trainings des Nachwuchses abwechseln müssen.
„Wichtig ist einfach, dass bei einem Training immer jemand vor Ort ist und Trainings nicht kurzfristig abgesagt werden müssen. Ein Plan für die Einteilung der Leiter wurde schon anfangs Jahr erstellt. Somit sollte gewährleistet sein, dass die Trainingsarbeit der Junioren läuft“, fügte René ergänzend hinzu.

Die Schwing-Trainings der Aktiven finden auch am Mittwoch- und Freitagabend (von 20 Uhr bis 22 Uhr statt). Dies deshalb, dass Aktive, welche vorher das Juniorentraining leiten, sich nicht noch einen zusätzlichen Abend freihalten müssen.

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Daniel Betschart (rechts vorne), Chef der Juniorenbetreuer, zeigt den Jungschwingern einen Schwung
Bildquelle: Michael Schelbert

Neben den beiden Schwingtrainings gehen einige Jungschwinger noch in die Jugendriege des KTV Muotathal. Andere kommen nur einmal pro Woche und absolvieren zudem ein Training bei den Fussballern des FC Muotathal oder den Handballern des KTV Muotathal. Diese jungen Sportler betätigen sich sozusagen polysportiv.
René erwähnte weiter: „Ich wurde auch schon von Eltern angefragt, ob ihr Knabe nur einmal pro Woche zum Training kommen dürfe. Ihnen antwortete ich, dass sie auch nur am Freitagabend kommen können, da die Kinder am Samstag schulfrei haben. Gerade bei den jüngsten ist sicher sinnvoll, dass sie nicht schon mehrmals pro Woche am frühen Abend fortgehen müssen. Zwingen sollte man sie zudem auch nicht.“

Auf meine Frage, ob das Nationalturnen wie zu Zeiten von Heinz Suter oder Leo Betschart im Muotatal immer noch aktiv praktiziert wird, sagte der Kranzschwinger: „Das Nationalturnen ist leider ziemlich am Ende. Es schwingen zwar immer noch einige Schwinger als Turner, der Boom dieser Sportart ist bei uns aber abgeflacht. Was leider sehr schade ist.“

Die Turnerschwinger hatten in früheren Jahren jeweils wöchentlich jeden Dienstag ein Nationalturntraining und zwei Schwingtrainings besucht.
Laut René bietet Leo Betschart zwar noch ein Nationalturntraining an, wie der Stand der Dinge momentan aber sei, wisse er nicht. Denn das Nationalturnen läuft unter dem KTV Muotathal.
Der Schwingklubpräsident meinte zudem: „Früher haben die besten Schwinger wie Arnold Ehrensberger oder Karl Meli nebenbei auch das Nationalturnen praktiziert. Es wäre halt auch heute immer noch eine gute Sache. Denn nur Schwingen und nur Krafttraining ist nicht das optimale. Man sollte auch nebenbei noch etwas machen, wie beispielsweise das Nationalturnen.“

Übrigens: Die Aktiven wie Ralf Schelbert, Theo Blaser oder Dario Gwerder trainieren teilweise bis vier Mal pro Woche. Nebst den beiden Schwingtrainings besuchen sie am Dienstag das Training der Aktivriege und absolvieren noch ein Krafttraining.

Kerns
Kerns (Kanton Obwalden)
Bildquelle: de.wikipedia.org

René zog einen Vergleich mit einer anderen Innerschweizer Gemeinde heran: „In Kerns bieten der Schwingklub und der Turnverein gemeinsam ein vielseitiges Training mit Schwingen und Nationalturnen an. Momentan sind es 40 bis 50 Junioren, welche dieses Angebot nützen. Zudem spielt ihnen in die Hände, dass neben dem Schwingen und Nationalturnen sportmässig in Kerns fast nichts angeboten wird.“

Im Boten stand nach der letzten Generalversammlung (26. Dezember 2014), dass es nicht unbedingt rosig um den schwingerischen Nachwuchs im Muotatal steht. Soweit ich mich erinnere, ging es im Beitrag darum, dass weniger Buben ins Training kamen und die Disziplin zudem etwas fehlt.
René erklärte: „Die Zahlen bei den Jungschwingern war rückläufig, konnte aber dieses Jahr wieder in den grünen Bereich angehoben werden. Gemeint ist die Disziplin der Aktiven, respektive deren Regelmässigkeit der Trainingsbesuche. Dazu gilt zu sagen, dass nach dem Innerschweizerischen für die meisten die Saison gelaufen ist. Nach den Sommerferien wurde dann halt das eine oder andere Training ausgelassen.“

„Merkt ihr auch, dass ein Eidgenössisches Schwingfest motivierend ist und für Zulauf sorgt?“ fragte ich den Muotathaler Schwingfunktionär, welcher zudem als Technischer Leiter Jungschwinger im Schwyzer Kantonalen Schwingerverband amtet.
„Das spürt man vor allem nach dem Eidgenössischen. Deshalb findet auch jährlich ein Eidgenössischer Schwinger-Schnuppertag im September statt, damit nach einem ESAF der Boom im Schwingsport mitgezogen werden kann. Wir nützen dies auch. Ich bin der Meinung, dass dieses Angebot jeder Klub durchführen sollte. Denn man wird mit Flyer beliefert und erhält 200 Franken vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV). Zudem einen 200-fränkigen Migros-Gutschein, damit den Kindern etwas abgegeben werden kann. Es ist soweit alles vorbereitet und finanziert. Man muss an jenem Samstagnachmittag nur die Tür zum Schwingkeller öffnen und hoffen, dass möglichst viele Kinder dieses Angebot nützen.
Für uns wäre jedoch ideal, wenn dieser Schnuppertag im Frühling stattfinden würde. Der Hauptsponsor Migros will aber, dass der Anlass im Herbst über die Bühne geht.“

Schnuppertag
Zu Besuch beim Schnuppertag im Schwingkeller Thun
Bildquelle: schwingenonline.ch

Letztes Jahr hat der Schwingklub Muotathal zudem für die erste bis dritte Schulklasse ein Schwingtraining angeboten. Statt turnen konnten die Schüler in der Turnhalle schwingen. Auf Matten durften sich die Kinder austoben und sich unter fachkundiger Betreuung üben. Einige davon kamen anschliessend auch ins Schwingtraining. Auch bei den Sportlehrern, allen voran Handballer Damian Gwerder, kam dieses Angebot gut an.

Auf die Frage, ob noch weitere Schwinger nachrücken und zu den „Neukranzern“ oder auch Dario Gwerder aufschliessen könnten, meinte René: „Momentan haben wir dort ein kleines Loch. Dario ist Jahrgang 1997. Bei den Jahrgängen 1998 bis 2000 scheint nichts nachzukommen. Für nachher erhoffen wir uns wieder ein paar Nachwuchskräfte.“

Gibt’s ein Nachwuchskonzept?
„Nein. Wir arbeiten weiter wie bisher. Sicher schauen wir auch darauf, was wir anders machen könnten. Aber es ist schwierig. Ich habe mir schon während Stunden Gedanken darüber gemacht. Die perfekte Lösung hat keiner.
Beim kantonalen Verband hatten wir kürzlich über so ein Konzept diskutiert. Da ist etwas am Laufen. Wir werden nun eventuell vor dem diesjährigen Schwinger-Schnuppertag alle Schüler gewisser Jahrgänge anschreiben. Im Kanton Luzern wird diese Praxis teilweise jetzt schon angewendet, da der Kanton auch sehr weitläufig ist. Der Schwingklub Rothenburg (Kanton Luzern) beispielsweise betreibt ziemlich aktiv Werbung in diesem Bereich.
Es kommt natürlich auch auf die jeweilige Region an. Im Muotatal haben wir den Vorteil, dass das Schwingen immer noch stark in der Bevölkerung verankert ist und praktisch jeder weiss, dass jährlich zwei Schwingfeste im Dorf stattfinden. Zudem der Schwingkeller sich bei den Schulhäusern befindet, und der Weg dorthin relativ kurz ist.
Wie gesagt, es ist regional abhängig. Schaden kann aber solche Werbung sicher nicht.“

Welche Nachwuchsschwinger bereiten euch am meisten Freude, respektive könnten in Zukunft bei den Aktiven für Furore sorgen?
„Momentan sind es vor allem Ralf Schelbert und Dario Gwerder, wenn sie gesund bleiben. Auch Andreas Gwerder, er ist aber schon ein wenig älter.“

Ist ein „neuer“ Heinz Suter in Sicht?
René lachte und antwortete: „Zwei. Nein, Spass beiseite. Ralf Schelbert ist so ein Kandidat. Die körperlichen Voraussetzungen sind bei ihm vorhanden. Wenn er gleich viel erreichen will wie Heinz Suter, muss viel zusammen stimmen. Das ist nicht einfach. Ich hoffe, dass Ralf seinen Weg geht.
Wenn ich diverse auswärtige Schwingexperten höre, hat Ralf eine grosse Zukunft vor sich. Wir lassen uns überraschen, es wäre sicher schön.“

Nebst vielen interessanten Informationen zum schwingerischen Nachwuchs in unserem Tal ist nun auch die im Titel dieses Beitrages gestellte Frage beantwortet.
Ich erinnere mich an eine Antwort von Jakob Heer, stellvertretender Redaktionsleiter vom „Schlussgang“. Im vergangenen Winter fragte ich ihn, welcher Newcomer in dieser Saison einschlagen könnte: „Ralf Schelbert vom Schwarzenbach, Bisisthal.“

Der Schwingklub Muotathal lebt natürlich nicht nur von Ralf Schelbert. Solche Ausnahmekönner sind aber wichtig für den Klub und die Jungschwinger. Sie, die Jungschwinger, sind die Zukunft und können dereinst für Furore auf den Schwingplätzen sorgen.

feldwaldwiesenblogger

Reto Nötzli: „Wann und ob ich überhaupt nochmals auf den Schwingplatz zurückkomme, hängt sehr vom Verlauf der nächsten Woche oder einer Operation ab“

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Reto Nötzli als strahlender Sieger beim letztjährigen Innerschweizerischen in Cham
Bildquelle: sportalbum.ch

Letzten Sonntag machte die Hiobsbotschaft die Runde, dass sich Reto Nötzli beim Training schwer verletzt hat. Nach und nach drangen Einzelheiten durch, die das Schlimmste befürchten liessen.
Ich liess dem bald 26-jährigen Turnerschwinger fünf Frageblöcke zukommen, welche er in der Folge beantwortet.

Angeblich sollst du einen Kreuzbandriss erlitten haben. Hast du schon eine genaue Diagnose?

„Ja ich konnte am Mittwochmorgen zum Kniespezialisten, und er bestätigte mir, dass ich bei meinem rechten Knie das Kreuzband gerissen habe.“

Der Betreiber der Facebook-Seite „Nötzli Brothers Fanclub“, Peter Margelisch, schrieb dazu am 12. Mai: „Diagnose bezüglich Reto Nötzli‘s Knie ist definitiv: Kreuzbandriss. (…) Am Freitag unterzog sich der Pfäffiker einer MRI-Untersuchung. «Ich hoffte auf eine Verletzung, die mich nicht lange ausser Gefecht setzt. Doch es ist ein Kreuzbandriss.», erklärte Nötzli.
Es ist die dritte schwere Knieverletzung Nötzlis. Einst riss er sich rechts dass Innenband, dann links das Kreuzband, nun wieder rechts das Kreuzband. (…)“.

Bei was hast du dich verletzt? Was ist genau passiert?

„Ich habe mich am Donnerstag vor einer Woche im Schwingtraining verletzt. Im Zweikampf mit René Suppiger verdrehte ich mir das Knie, als er einen Übersprung-Angriff machte.“

Laut der oben erwähnten Facebook-Seite arbeitet der Luzerner René Suppiger in Wädenswil, und trainiert deswegen mit dem Schwingklub March-Höfe. «Er machte es sicher nicht mit Absicht», ergänzte Nötzli.

Ich nehme an, es war ein grosser Schock für dich. Welche Gedanken gingen dir nach der Verletzung durch den Kopf, als du die Schwere deiner Verletzung realisiert hast? Wie gehst du mit dieser Situation um?

„Zuerst war ich einfach nur traurig und enttäuscht, dass ich meine Teilnahme am Zürcherkantonalen Schwingfest vergessen konnte.
Ich dachte, es sei ein schlechter Traum.
Die ersten paar Tage nach dem Unfall setzten mir sehr zu, da ich doch sehr viel für diesen Sport investiere.
Ich fühlte mich auch in einer guten Verfassung, und freute mich sehr auf die kommenden Schwingfeste.“

Wie geht es nun weiter? Wird es eine Operation geben? Musst du allenfalls jetzt schon zur Therapie gehen?

„Das Gespräch mit meinem Facharzt hat ergeben, dass ich nächste Woche ein Schwingtraining besuchen darf, um zu schauen wie es geht.
Da ich momentan kein instabiles Knie habe und auch die Schmerzen praktisch abgeklungen sind, darf ich ein Training besuchen.
Ob eine Operation notwendig ist, wird sich nach diesem Training zeigen.“

Wann meinst du, kannst du wieder dein Training aufnehmen? Wie motivierst du dich für die Zukunft? Was gibt dir in so einer schwierigen Situation besonders Kraft und Halt?

„Wann und ob ich überhaupt nochmals auf den Schwingplatz zurückkomme, hängt sehr vom Verlauf der nächsten Woche oder einer Operation ab.
Am meisten Mut und Kraft gibt mir mein persönliches Umfeld, die Familie und meine Freunde.
Natürlich auch die vielen guten Wünsche und Zusprüche von Bekannten und Fans machen mir sehr Mut.
Auch meine zweite Leidenschaft, die Musik, gibt mir in solchen Momenten sehr viel.“

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Ländlertrio Nötzli-Laimbacher mit Reto Nötzli an der Handorgel (links)
Bildquelle: youtube.com

Ich wünsche Reto viel Kraft und Zuversicht sowie alles Gute für die Zukunft und einen guten Heilungsverlauf.
Ich finde es grossartig, dass Reto neben dem Schwingen die Musik als seine zweite Leidenschaft angibt. Seine Handorgel und die Volksmusik werden ihm in nächster Zeit nicht nur treue Begleiter sein, sondern auch über vieles hinweg helfen.

Die Gebrüder Nötzli sind auch im Muotatal sehr beliebte und geschätzte Schwinger. Ich beobachte sie gerne im Sägemehl und erfreue mich an der Technik von Reto und Bruno. Deshalb hoffe ich, dass dereinst beide wieder auf den Schwingplätzen anzutreffen sind.

feldwaldwiesenblogger

Philipp Laimbacher heisst der souveräne Sieger des Muotathaler Rangschwingets

Nachfolgend ein paar Eindrücke vom Muotathaler Rangschwinget (Bildquelle: feldwaldwiesenblogger), bei welchem wegen Verschiebung und heute gleichzeitig stattfindendem Ob-/Nidwaldner Kantonalen nur noch etwa 50 Schwinger antraten. Dank der Nachmeldung des Rothenthurmers Martin Grab, der Teilnahme von Topfavorit Philipp Laimbacher und Mike Müllestein, dem Sieger des Schwyzer Kantonalen, waren einige Hochkaräter am Start. Weiter wurde das Fest durch viele junge Nachwuchstalente, allen voran die Muotathaler Neukranzer, aufgewertet und jederzeit zu einer spannenden Angelegenheit.

1_platz von oben
Punkt 11.30 Uhr wurde der Muotathaler Rangschwinget auf der Sportanlage Stumpenmatt bei besten äusseren Bedingungen, angenehmen Temperaturen und herrlichem Sonnenschein gestartet.

2_grab martin-müllestein mikeBeim Anschwingen kam es zur Spitzenpaarung Martin Grab – Mike Müllestein. Der Gang zwischen dem Routinier und dem frischgebackenen Kranzfestsieger endete gestellt.

3_laimbacher philipp - gwerder carlo
In einem attraktiven Gang gewann der Sattler Philipp Laimbacher gegen den Muotathaler Carlo Gwerder.

4_trog
Ein schöner Holztrog durfte natürlich auch in Muotathal nicht fehlen und wurde regelmässig von den Schwingern aufgesucht.

5_dario gwerder - laimbacher philipp
Das Nachwuchstalent Dario Gwerder versuchte alles gegen den heute äusserst souveränen Philipp Laimbacher. Schlussendlich zog der Muotathaler gegen den Mythenverbändler den Kürzeren.

6_wunderbare kulisse
Für die Schwinger und die gut 500 Zuschauer zeigte sich das fast wolkenlose Muotatal von seiner besten Seite. Die herrliche Kulisse und attraktiver Schwingsport sorgte bei allen Anwesenden für gute Laune.

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Das Steinstossen mit dem 34 Kilogramm schweren Stein gewann der Einheimische Christian Föhn mit einem tollen Stoss.

8_müllestein mike - schelbert ralf
Der Steinerberger Mike Müllestein sicherte sich mit einem Sieg im fünften Gang gegen die Bisisthaler Nachwuchshoffnung Ralf Schelbert die Schlussgangteilnahme.

9_grab martin laimbacher philipp
Philipp Laimbacher gewann seinen fünften Gang gegen den Rothenthurmer Martin Grab und sicherte sich ebenfalls die Schlussgangteilnahme.

10_laimbacher philipp - müllestein mike im sg
Im Schlussgang traten Philipp Laimbacher und Mike Müllestein, die beiden Klubkollegen vom Mythenverband, gegeneinander an. Nach einigen Minuten wurde das eine sichere Angelegenheit für Laimbacher, welcher heute in starker Manier alle sechs Gänge gewann.

11_laimbacher philipp mit tino
Philipp Laimbacher, der freudestrahlende Sieger mit dem Lebendpreis, dem zweijährigen Schafbock Tino. Herzliche Gratulation!

Die kleinere Anzahl Schwinger gereichte auch zu einem Vorteil: Der Schlussgang wurde nämlich Punkt 16 Uhr gestartet.
Da das Fest in Muotathal stattfand, hatte ich überdies einen kurzen Heimweg, und fand noch am frühen Abend Zeit und Musse, meine Eindrücke und Bilder zu einem Beitrag zu verfassen.

feldwaldwiesenblogger