Hööch Muurä-Problematik zum Zweiten, diesmal ernsthaft und sachlich

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Der Vorsteher des Amtes für Wasserbau (Kanton Schwyz), Alois Rey, schickte mir letzte Woche eine längere Email auf meine Fragen zur „Hööch Muurä-Problematik“. Zur Erinnerung: Am Samstag, 20. Juni verfasste ich zu diesem Thema einen satirischen Beitrag. Heute wollen wir uns diesem komplexen Thema ernsthaft und sachlich widmen.

Zugegeben, ich verstehe von der ganzen Sache nicht wirklich viel. Deshalb freut es mich umso mehr, dass ein ausgewiesener Fachmann Stellung zu meinen Fragen bezog. Aus diesem Grund gebe ich in der Folge den ganzen Inhalt der Email von Herr Rey wieder.
Als Einleitung und zum besseren Verständnis hier nochmals meine Fragen:

Wie würde im Falle eines Falles ein Umbau der Hööch Muurä aussehen?

Müsste bei einem Umbau der „Hööch Muurä“ nicht auch die Muota, deren Damm, und die Brücken umgestaltet/verstärkt werden?

Diese Mauer ist seit 1910 ein sicherer Rückhalt, und verhinderte seit damals Schlimmeres. Geht man mit einem Umbau nicht ein (zu) grosses Risiko ein?

Die Finanzen des Kantons sind ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Anstatt zu sparen sind aber scheinbar „Renaturierungen“ und Umgestaltungen unserer Gewässer momentan hoch im Kurs. Verschleudert man da nicht (wieder) viel Geld mit sogenannt „biologischen Kriterien“ oder zu gut deutsch gesagt: „grünen Anliegen“?

Wann könnte das neue Wasserrechtsgesetz in Kraft treten?

Setzt der Kanton bei Inkrafttreten des neuen Wasserrechtsgesetzes sein Recht durch, oder wird man trotzdem auf die Sorgen und Anliegen der Bezirke, Gemeinden und Wuhrkorporationen eingehen?

Muss sich die Gemeinde Muotathal darauf vorbereiten, dass die altehrwürdige „Hööch Muurä“ nun dereinst umgebaut werden muss?

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Alois Rey: „Ganz so einfach ist die Geschichte nicht und auch der Artikel im Bote ist unpräzise. Ich habe anlässlich des Vortrags im Rahmen der Wuhrversammlung der Wuhrkorporation Muota und Starzlen die Gründe erklärt, weshalb eine Totalrevision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes erforderlich ist. Einer der vielen Gründe ist das im Jahre 2011 revidierte Gewässerschutzgesetz des Bundes und die dazugehörende Gewässerschutzverordnung. Anhand des Geschiebesammlers Höch Muurä habe ich versucht, eine der vielen Schwierigkeiten der heutigen Zuständigkeiten im Wasserbauwesen aufzuzeigen.

Mit dem revidierten Gewässerschutzgesetz werden die Kantone verpflichtet, die negativen Auswirkungen der von den Geschiebehaushalten eines Fliessgewässers negativ beeinträchtigenden Bauten und Anlagen zu sanieren. Ein intakter Geschiebehaushalt ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der Gewässerökologie und des Wasserhaushalts, sondern ebenso des Hochwasserschutzes. Jedes Gewässer ist in der Lage, bei einem Hochwasser eine gewisse Menge Geschiebe zu transportieren. Kommt mehr Geschiebe, so ist mit Auflandungen zu rechnen. Kommt weniger Geschiebe als die Transportfähigkeit des Fliessgewässers ist, so nimmt sich der Bach das Geschiebe aus der Sohle und den angrenzenden Ufern. Ufer- und Sohlenerosionen sind die Folge. Diese wiederum unterspülen bestehende Ufersicherungen und Böschungen.

Seit rund 50 Jahren werden alle 10 Jahre Querprofilaufnahmen der Muota aufgenommen. Dabei wurde eine stetige Tendenz zur Abtiefung der Sohle der Muota vom Muotatal bis nach Brunnen festgestellt. Auch anlässlich der Unwetterereignisse in den Jahren 1999 und 2005 wurden massive Sohlen- und Ufererosionen mit entsprechenden Folgen festgestellt. Auch haben wir Stellen an der Muota bemerkt, an welchen eine Abdeckung der Sohle mit Geröll gänzlich fehlte und die Muota direkt auf einer Lehmunterlage floss. Aus wasserbaulicher Sicht ist aufgrund der vorhandenen Ausgangslage klar, dass der Geschiebehaushalt der Muota nicht im Gleichgewicht ist, sondern dass langfristig gesehen ein beträchtliches Geschiebedefizit herrscht.“

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Alois Rey: „Wie Sie richtig schreiben, hält der Geschiebesammler bei der Höch Muurä in Hinterthal den grössten Teil des anfallenden Geschiebes aus dem Bisisthal zurück. Dies hat zur Folge, dass im darunter liegenden Lauf der Muota das Gleichgewicht gestört ist und langfristig viel zu wenig Geschiebe in der Muota verbleibt. Das Ziel der Sanierung besteht nun darin, das Abschlussbauwerk des Geschiebesammlers so umzubauen, dass bei kleineren Hochwasserereignissen das anfallende Geschiebe weiter transportiert wird. Erst bei extremen und seltenen Ereignissen mit viel Geschiebeanfall soll der zu Problemen führende Anteil des Geschiebes nach wie vor im Geschiebesammler zurückgehalten werden. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten um das oben beschriebene Ziel erreichen zu können. Diese sind im Rahmen der Projektentwicklung aufzuzeigen und gegeneinander abzuwägen. Eine technische Lösung wäre allenfalls, die Höch Muurä neu als Schlitzsperre umzugestalten.

Zu Ihren Ausführungen bezüglich zu viel und unnötiger Ökologie respektive grünen Anliegen halte ich fest, dass sich in sehr vielen Fällen ein ausgewogener Hochwasserschutz sehr wohl mit einer Aufwertung der ökologischen Situation verbinden lässt, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen. Insbesondere mit der Verbauung der Muota nach dem Unwetter 1910 wurde diese teilweise stark kanalisiert und eingeengt. Zusammen mit dem weit gehenden Geschieberückhalt bei der Höch Muurä sind die oben erwähnten Probleme entstanden. Diese sollen nun in einem ausgewogenen Masse und unter Beachtung der Nachhaltigkeitskriterien minimiert werden.

Wie bereits erwähnt, habe ich das Beispiel Höch Muurä im Zusammenhang mit meinem Vortrag zur Totalrevision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes nur erwähnt, um an einem konkreten Beispiel die Komplexität der wasserbaulichen Zusammenhänge aufzuzeigen.

Die von Ihnen gestellten Fragen gehen von einer völlig anderen Ausgangslage aus. Insbesondere ist die von Ihnen angesprochene Verpflichtung zur Renaturierung der Gewässer und der Sanierung des Geschiebehaushalts bereits im Bundesrecht verankert. Die Kantone sind verpflichtet, die Bundesgesetze umzusetzen. Mit der Revision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes sollen lediglich die optimalen Strukturen und Zuständigkeiten für die Umsetzung des geltenden Bundesrechts geschaffen werden. Es ist nicht vorgesehen, im Rahmen der Revision des Wasserrechtsgesetzes zusätzliche, über die Bestimmungen der eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung hinaus gehende Verpflichtungen zur Renaturierung von Fliessgewässern zu verankern.

Wie die Höch Muurä in Zukunft aussehen wird, werden die detaillierten Abklärungen ergeben. Wir waren bereits in der Vergangenheit stets bemüht, zusammen mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu finden. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mein Dank gebührt Alois Rey, welcher sich die Zeit nahm, meine Fragen ausführlich und tiefgründig zu beantworten.
Dass die ganze Geschichte nicht so einfach ist, wie Rey einleitend schreibt, ist mir nun auch klar. Dem Schreiberling des Bote war die ganze Sache scheinbar auch nicht so klar, nicht umsonst nennt der Vorsteher des Amtes für Wasserbau den Bericht „unpräzise“…

Ich hoffe, ich konnte mit meinen Fragen und den Erläuterungen von Alois Rey etwas zur Meinungsbildung bei der „Hööch Muurä“-Problematik beitragen.

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Joel Wicki: Ein Jahrhundert-Talent?

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Um das Jungtalent Joel Wicki haben sich in den letzten Wochen die Ereignisse richtiggehend überschlagen. Erst stand der 18-Jährige beim Stoos-Schwinget im Schlussgang, welchen er gegen den Routinier Philipp Laimbacher (noch) verlor.


Quelle: Jakob Niederberger/YouTube

Letzten Sonntag, eine Woche später, erreichte Wicki beim Schwing- und Älplerfest Schwarzsee in Plaffeien (FR) wieder den Schlussgang. Diesmal liess er seinem Gegner, dem Schwyzer Adrian Steinauer, keine Chance. Der Sörenberger feierte seinen ersten Kranzfestsieg. Schier unglaublich!


Quelle: Jakob Niederberger/YouTube

Nach dem Stoos-Schwinget stand in einem NZZ-Artikel, dass Joel Wicki keine Angst vor den Grossen kennt. Diese Tatsache unterstrich er auf eindrückliche Art und Weise an allen Schwingfesten, bei welchen er dieses Jahr antrat. Nicht umsonst hat er sich in dieser Saison bereits sechs Kränze erkämpft.
Die beiden Bergkränze sind zudem nicht die ersten in der Sammlung des Entlebuchers: Letztes Jahr holte er sich auf der Rigi und dem Brünig die begehrten Bergtrophäen Nummer eins und zwei ab. Kaum zu glauben, aber Wicki besitzt jetzt schon 12 (!) Kränze.
Im Jahr 2013 erschwang sich der damals 16-Jährige am Luzerner Kantonalfest den ersten Kranz, welcher ihm die Teilnahme beim ESAF in Burgdorf einbrachte.

Weiter war im besagten NZZ-Beitrag zu lesen: „Die starke Leistung wird seiner Mutter noch mehr Arbeit bescheren.“ Mutter Esthi Wicki ist es auch, die Koordinationsaufgaben wie Anfragen von Fans, Sponsoren, Medien und die Betreuung der Homepage übernimmt. Damit sich der Junior auf seine Lehre als Baumaschinenmechaniker und das Schwingen konzentrieren kann.
Esthi Wicki sagte diese Woche bei einem Tele 1-Interview, dass sie auch einen Massage-Kurs besuchte, um die Muskeln ihrer beiden schwingenden Söhne massieren zu können. Joel hat noch einen älteren Bruder, Kevin, welcher kürzlich beim Luzerner Kantonalen auch auf sich aufmerksam machte.

Im NZZ-Beitrag von Anja Knabenhans war auch zu lesen, dass Joel Wicki achtsam mit seinem Körper umgeht. Er setzt auf einen sorgfältigen Aufbau und genügend Regeneration. Bezüglich Krafttraining sei noch Steigerungspotenzial vorhanden, denn Wicki trainierte bisher noch nicht mit den schwersten Gewichten, um den Rücken nicht überzubelasten. Der Baumaschinenmechaniker-Lehrling träumt sogar vom Königstitel.
Das darf er auch, denn Wicki ist ein Riesentalent, vielleicht sogar ein Jahrhundert-Talent. Für den Innerschweizerischen Schwingerverband jedenfalls eine willkommene Bereicherung.

Die starken Leistungen diesen Frühling und der bärenstarke Auftritt auf dem Stoos veranlassten mich schon letzte Woche einige Fragen Richtung Sörenberg zu entsenden. Genauer gesagt am Donnerstag, 18. Juni. Dann kam die grosse Sensation: Der Sieg beim Schwarzsee-Schwinget. Völlig verständlich, dass Wickis Antworten erst sechs Tage später, also am Mittwoch, 24. Juni bei mir ankamen. Aus diesem Grund sind nicht alle meiner gestellten Fragen ganz auf dem aktuellen Stand…

joel wicki (bildquelle nzz)
Bildquelle: nzz.ch

Fünf Kränze haben sich diese Saison erst zwei Schwinger erkämpft. Dies sind ausgerechnet die beiden Jungtalente, also du und der Berner Remo Käser. Du liegst in der Schlussgang-Wertung gar auf Platz vier (Stand Montag, 15. Juni), eingebettet zwischen den Eidgenossen Benji von Ah und Matthias Glarner. Das ist schlicht sensationell, wenn man bedenkt, dass du erst 18 Jahre alt bist. Woher kommt diese Stärke?
„Ich habe mittlerweile sechs Kränze und bin auf Rang zwei der Schlussgang-Wertung. Ich bin schon seit meiner Jugend ein kräftiger Bursche und habe sicher auch etwas von meinen Eltern mitbekommen.“

Bist du gewissermassen ein Jahrhundert-Talent? Haben deine Vorfahren schon geschwungen? Sind Entlebucher einfach von Natur aus bärenstark?
„Ein Jahrhundert-Talent, das kann ich nicht selber beurteilen. Ich habe es aber auch schon gehört. Mein Vater hat früher an Kilbischwinget teilgenommen. Ja, vielleicht sind Entlebucher tatsächlich von Natur aus stark.“

Ich habe kürzlich gelesen, dass du einen sorgfältigen Aufbau betreibst, gerade auch hinsichtlich Kraft. Wie hast du dich auf diese Saison vorbereitet?
„Ich trainiere sehr vielseitig. Mein Training beinhaltet Kraft- und Ausdauereinheiten.“

Hattest du einen Trainingsplan, mit Vorgaben und Gewichtsgrenzen beim Krafttraining?
„Ja, das hatte ich. Zudem verfüge ich über sehr gute Trainer und Trainingspartner, welche genau auf mich geschaut haben.“

Du sollst gar vom Schwingerkönig-Titel träumen. Ist das im nächsten Jahr schon ein Thema? Gedenkst du dich hinsichtlich Estavayer speziell vorzubereiten? Allenfalls mit einem separaten Trainer?
„Ich habe nächstes Jahr die Lehrabschlussprüfung. Zuerst kommt der Beruf, dann der Sport. Zudem nehme ich es wie’s grad kommt.
Nein, ich habe keinen separaten Trainer. Ich bin mit meinen Trainern und Trainingspartnern sehr glücklich und zufrieden.“

Ist mentales Training bei dir auch ein Thema?
„Natürlich, das mentale Training darf nicht fehlen.“

Vor kurzem schrieb Manuel Röösli im Kommentar einer Schlussgang-Ausgabe über dich: „Zudem muss sich der Luzerner (…) auch seine Schwingweise ändern. Ein derart extrem ins hohle Kreuz gezogener Kurzschwung kann auf Zeit hinaus kaum förderlich für den Rücken sein.“
Was meinst du dazu, hat Röösli recht? Denkst du, dass du deine Schwingweise ändern oder anpassen musst? Was meinen deine Trainer dazu?
„Seit eh und je mache ich den Kurz so, da brauche ich nichts zu ändern. Ich mache zudem spezielles Krafttraining dafür…“

Auf dem Stoos lehrtest du die arrivierten Schwinger das Fürchten. Nach den viel umjubelten Siegen gegen Stefan Burkhalter und Martin Grab stoppte dich erst Philipp Laimbacher im Schlussgang. Wie geht dein Weg weiter? Liegt dieses Jahr schon der erste Kranzfestsieg drin?
„Ja, wie du sicher weisst, habe ich am Schwarzsee meinen ersten Kranzfestsieg gefeiert.“

Bei welchen Kranzfesten trittst du dieses Jahr noch an?
„Am 5. Juli beim Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest in Seedorf (UR) und Ende Juli beim Brünigschwinget.“

Welche Schwinger sind oder waren deine Vorbilder?
„Benno Studer selig und Ueli Banz.“

Deine Mutter kümmert sich um die Koordinationsaufgaben, damit du dich aufs Schwingen und die Lehre konzentrieren kannst. Wie sieht eine Woche bei dir aus?
„Alle organisatorischen Aufgaben laufen über meine Mutter. Wir besprechen sie miteinander und entscheiden, was zu tun ist. In meiner Woche enthalten sind das eigentliche Schwingtraining, das Krafttraining und das mentale Training. Es läuft immer etwas, und ich muss mir die Zeit einteilen. Natürlich kommt noch die Berufsschule dazu, für welche ich auch lernen muss.“

Wicki beim Schwingen
Bildquelle: joelwicki.ch

Der 18-Jährige reift jetzt schon zu einem Spitzenschwinger. Joel Wickis explosive und offensive Schwingweise begeistert das Publikum. Mit seinen Massen (183 cm, 104 kg) bringt er gute körperliche Voraussetzungen mit sich. Wer weiss, vielleicht wandelt das Jungtalent auf den Spuren eines Jörg Abderhalden und wird eines Tages ein ganz Grosser im Schwingsport.

feldwaldwiesenblogger

Klischees im Schwingsport

Eidgenössisches Schwingfest Burgdorf 2013; Schwingen: Stolzer König Matthias Sempach. © Andreas Blatter
Bildquelle: bernerzeitung.ch

Wie ist das nun mit den Klischees im Schwingsport? Im Publikum sollen nur bierbäuchige ältere Herren mit Stumpen sitzen? Neben den Schwingplätzen wird nur gejodelt? Das Schwingen ist immer noch ein Sport für die Bauern? Die Schwinger selber sind meist nur Bauern? Die Zuschauer sind samt und sonders alles brave SVP-Wähler? An Schwingfesten werden meist nur Bratwürste und Bier verköstigt?
Mitnichten!

Jeder Sport hat so seine Klischees, auch der Schwingsport. Aber was bedeutet eigentlich das Wort „Klischee“, und was soll es meinen? Ein Blick in Wikipedia lohnt sich: „Ein Klischee, von französisch cliché, zu deutsch Abklatsch, ist eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, Kunstwerk oder Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint. Das Klischee existiert als etwas geistig beziehungsweise sprachlich Schablonenhaftes. (…) Das Wort „Klischee“ wird häufig synonym zu „Vorurteil“ und „Stereotyp“ verwendet. Vorurteile drücken eine generelle Haltung aus, Stereotype eine kognitive Zuordnung. (…)“

Wir begegnen dem Wort „Vorurteil“ und der Bezeichnung „kognitive Zuordnung“, also der Wahrnehmung oder der Erinnerung. Beides hängt miteinander zusammen. Auf einem Schwingplatz hat man mal ältere Herren mit Bauchansatz und Stumpen wahrgenommen, und schon wird daraus ein Vorurteil, welches haften bleibt.

Als etwas Schlechtes oder Schlimmes würde ich das nicht bezeichnen. Im Gegenteil: Für viele Leute ist das Drum und Dran an einem Schwinget der Inbegriff von Gemütlichkeit und einem Stück heile Welt. Was soll daran so verkehrt sein?

Zudem kann man furchtlos an jedes Schwingfest reisen, nirgends ein Problem mit Hooligans oder brennenden Fackeln. Keine Leibesvisitationen, das Wegnehmen von Taschenmessern oder einer Flasche. Friedlichkeit und Freundlichkeit hüben und drüben. Da kann sich so manches Fussball- oder Eishockey-Spiel eine Scheibe davon abschneiden.

Dass sich nicht nur (noch) ältere Herrschaften bei den Schwingplätzen tummeln, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Dank den Medien und den riesig aufgezogenen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten (seit 2004) ist ein regelrechter Boom ausgebrochen. Man trifft auf zig junge Menschen, die den Sägemehl-Athleten bei ihrer Arbeit zuschauen und sie dabei anfeuern.

Jung trifft auf alt, Klischee vermischt sich mit der Moderne. Trotzdem: Auf den Schwingplätzen wird kulturell immer noch der urchigen Volksmusik mit Alphörnern und Jodelgesang gefrönt. Bei der Abendunterhaltung in den Festzelten trifft man aber auch auf Rock- oder Countrymusik. Da ist eine Veränderung eingetreten. Die jüngere Fangemeinde verlangt nach anderen kulturellen Unterhaltungen.

Auch bei den Schwingern hat sich neben den Schwingplätzen die Moderne breit gemacht. Viele von ihnen sind nicht mehr Bauern, einige gar Studenten oder Hochschulabsolventen. Die Vermarktung und das topmoderne Training hat aus den Schwingern Athleten gemacht, welche auch in anderen Sportarten eine gute Figur machen würden.

Das Klischee trifft vor allem auf die Schwingplätze zu, wo weiterhin noch keine Werbung hängen darf. Da trifft man auf die eingangs erwähnten Begebenheiten. Da wird gejodelt, der stumpenrauchende Mann prostet seinem jungen Sitznachbar mit einem kühlen Bier zu. Die Schwinger laufen in ihrem „old Style“-Tenue mit Hose und Hemd respektive der obligaten weissen Turnerbekleidung in die Arena und verrichten ihre Schwingarbeit.

Abseits des Platzes tragen die Schwinger topmoderne Trainingsbekleidung und hören ab ihren iPods samt Stöpsel in den Ohren Songs von der aktuellen Hitparade. Der Schwingfan bekommt im Festzelt mancherorts auch ein vegetarisches Menu oder einen fein duftenden Espresso. Die Moderne hat den Schwingsport erreicht, einfach auf seine Art. Sanft und abseits des Schwingplatzes. Niemandem tut es weh und alle können damit leben.

Was die bevorzugte politische Partei der Schwingerfreunde betrifft, halte ich mich lieber raus. Ob SVP oder grüne Partei: Beim Schwingen sind wir alles eine Familie, geniessen den Sport sowie das Drumherum und lassen Politik Politik bleiben.
Dabei darf es auch ein bisschen „Klischee“ sein. Denn wo Tradition dahinter steckt, trifft man auch auf altehrwürdige Bräuche. Diese müssen nicht immer über den Haufen geworfen werden. In der manchmal orientierungslosen Zeit war ein Fels in der Brandung noch nie das Verkehrteste. Ein Stück Schweiz eben.

feldwaldwiesenblogger

Thema in der Sprechstunde bei Doktor Armin Ablondi: Die „Hööch Muurä“

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Bildquelle: Bote der Urschweiz

Im Bote der Urschweiz vom Dienstag, 26. Mai, war zu lesen, dass die „Hööch Muurä“ zu hinderst im Muotatal ein Risiko darstelle und gar umgebaut werden müsse. Dabei bildet diese Mauer, welche 1910 erbaut wurde, den besten Schutz gegen Geschiebe und Geröll. Im Bote-Beitrag hingegen wurde behauptet, dass sie im Falle von Hochwasser mehr Geschiebe durchlassen müsse. Da verstehe einer noch die Welt!

Ich postete auf Facebook einen entsprechenden Beitrag, welcher einheitlich kommentiert wurde. Nämlich mit Unverständnis und Kopf schütteln gegenüber einem Umbau dieser seit mehr als 100 Jahre alten Mauer.

hööch muurä_facebook
Bildquelle: Facebook

Um den Sachverhalt besser verstehen zu können, wendete ich mich mit einer Email direkt an das Amt für Wasserbau:
„Die Hööch Muurä zu hinderst im Muotatal ist seit mehr als hundert Jahren zum Schutz gegen Geschiebe bei Hochwasser gedacht. Nun hat ihr Chef kürzlich in einem Referat bei der Generalversammlung der Wuhrkorporation Muota-Starzlen erklärt, dass im Kanton Schwyz ein neues Wasserrechtsgesetz in Vorbereitung stehe, welches auch Verbauungen wie die Hööch Muurä neu beurteile. So solle im Falle von Hochwasser mehr Geschiebe durchgelassen werden können. Das kann in meinen (Laien)augen aber bei Hochwasser vermutlich brandgefährlich werden. Wertvolles Kulturland könnte dabei mit Geschiebe überschwemmt werden, die Muota müsste nach Hochwasser regelmässig ausgebaggert werden. Zudem könnten sich bei den Brücken gefährliche Geschiebemengen ansammeln.“

Dazu legte ich eine Kratte voll Fragen. Da ich leider nie eine Antwort von diesem scheinbar sehr viel beschäftigten Amt erhielt, wendete ich mich ganz vertrauensvoll an einen vielgepriesenen Fachmann.

doktor armin ablondi beim golfen
Doktor Armin Ablondi bei seinem liebsten Hobby
Bildquelle: Facebook

Ich hatte Glück, und erwischte den vielbeschäftigten Doktor Armin Ablondi beim Golfen, seinem neuerdings liebsten Hobby. Er hörte sich meine oben beschriebenen Bedenken ganz bedächtig an. Obwohl er ein „Menschenspezialist“ ist, beschied er mir, dass er durchaus auch etwas von Brücken, Geologie und ganz allgemein von Wasser verstehe. Diesbezüglich verriet mit der umtriebige Mann, dass Wasser viel kostbarer als Wein sei, und dass man sehr gut zu diesem flüssigen Gold schauen soll.
Doktor Ablondi lud mich einen Tag später zur Sprechstunde in seine Praxis ein. Bei einem kühlen Bier begann ich meine Fragen zu stellen.

Herr Doktor Ablondi, was meinen Sie zu meinen eben erwähnten Bedenken?
„Nun gut, feldwaldwiesenblogger, du hast natürlich schon recht. Wenn der Kanton und seine Gstudierten meinen, sie müssen nun die altehrwürdige Hööch Muurä schleifen, dann sollen sie das machen. Ich werde aber persönlich dafür schauen, dass im Falle eines Unwetters die gleichen Gstudierten sich nach einem Umbau der Mauer sich dort aufhalten werden. Mehr noch: Sie werden mit Schaufel, Pickel und Garette ausgerüstet, damit sie notfalls gleich die Sauerei nach einer Überschwemmung entfernen können.“

Wie würde im Falle eines Falles ein Umbau der Hööch Muurä aussehen?
„Wie gesagt, ich vermute, die möchten sie schleifen und durch ein blödes kleines Mäuerchen ersetzen. Dieses wird natürlich schon bei einem relativ harmlosen Gewitter „värhudlä“ und Geschiebe durch die Muota Richtung Muotathal und Ried transportieren. Was dabei passieren würde, kann sich jedes Kind vorstellen. Der Lauf der Muota würde mit Geröll gefüllt, welches sich teilweise auch an den Brücken ansammeln wird. Dabei könnten die Brücken beschädigt werden.“

Müsste bei einem Umbau der „Hööch Muurä“ nicht auch die Muota, deren Damm, und die Brücken umgestaltet/verstärkt werden?
„Natürlich, das müssten sie. Die Gstudierten und die Grünen verfolgen, wie mir zu Ohren gekommen ist, einen Plan. Sie möchten nicht nur die Hööch Muurä umbauen, sondern gleich die ganze Muota renaturieren und sich selber überlassen. Weisst du, was dann passiert? Das Muotatal würde mehr und mehr unbewohnbar werden, und wieder der wilden Natur zurückgegeben. Das werden wir Muotathaler aber zu verhindern wissen, gell!“

Diese Mauer ist seit 1910 ein sicherer Rückhalt, und verhinderte seit damals Schlimmeres. Geht man mit einem Umbau nicht ein (zu) grosses Risiko ein?
„Ein beträchtliches Risiko wird bewusst einkalkuliert. Passieren könnte das, was ich in der vorherigen Frage erläutert habe. Wenn die Bürger von Muotathal sich aber zusammen tun, wird nichts dergleichen geschehen. Wenn alle mitmachen, wird die Hööch Muurä so wie sie ist bestehen bleiben. Notfalls blockieren wir die Strasse ins Muotatal.“

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Bildquelle: Bote der Urschweiz

Die Finanzen des Kantons sind ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Anstatt zu sparen sind aber scheinbar „Renaturierungen“ und Umgestaltungen unserer Gewässer momentan hoch im Kurs. Verschleudert man da nicht (wieder) viel Geld mit sogenannt „biologischen Kriterien“ oder zu gut deutsch gesagt: „grünen Anliegen“?
„Trotz Finanzkrise: Die grünen Anliegen haben bei einigen Ämtern in Schwyz Hochkonjunktur. Der Bote der Urschweiz nimmt diese Anliegen jeweils liebend gerne auf, und schon ist ein mit der Rosa-Brille abgefasster Bericht in der Zeitung. Wie ich nun an deinen Fragen feststellen kann, hat dich der Bote-Beitrag in Angst und Schrecken versetzt. Papier war schon seit jeher geduldig. Darum: Passieren wird nichts, alles nur heisse Luft. Sollte aber trotzdem etwas in diese Richtung unternommen werden, wissen wir das zu verhindern.
Zudem haben wir mit Othmar Reichmuth einen bodenständigen Vertreter im Regierungsrat. Der wird schon dafür schauen, dass wir im ‚Thal innä‘ nicht überfahren werden.“

Wann könnte das neue Wasserrechtsgesetz in Kraft treten?
„Da bin ich überfragt. So wie ich aber die ‚Kantönler‘ einschätze, könnte das noch eine Ewigkeit dauern. Denn es ist ja allgemein bekannt, dass es diesen Herrschaften nicht unbedingt ‚i Rüggä schiesst‘.“

Setzt der Kanton bei Inkrafttreten des neuen Wasserrechtsgesetzes sein Recht durch, oder wird man trotzdem auf die Sorgen und Anliegen der Bezirke, Gemeinden und Wuhrkorporationen eingehen?
„Am Anfang probieren die Kantonsherren schon ein wenig mit den Ketten zu rasseln. Das wird sich aber legen, sobald sie es mal mit mir zu tun bekommen.“

Muss sich die Gemeinde Muotathal darauf vorbereiten, dass die altehrwürdige „Hööch Muurä“ nun dereinst umgebaut werden muss?
„Hab Vertrauen, feldwaldwiesenblogger, da wird nichts geschehen. Ich habe alles unter Kontrolle. Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, haben sie nach der Strassenverbreiterung und Sicherung um den ‚Horä Rank‘ sowieso kein Geld mehr. Zudem verhielten sich die Kantonsherren gegenüber dem Muotatal schon immer äusserst knausrig. Diesmal könnte diese böse Eigenart aber zu einem Vorteil gereichen. Ich sage dir eines: Die altehrwürdige Hööch Murä wird nochmals 100 Jahre überleben.“

Doktor Armin Ablondis Worte in Gottes Ohr. Ein wenig beruhigter bin ich nun nach der Sprechstunde. Zudem stelle ich bei jeder Begegnung mit diesem Herrn fest: Eine kompetentere Persönlichkeit ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Doktor Ablondi hat für alles und jeden das richtige Mitteli, das geeignete Rezept oder die passenden Worte. Selbst wenn es eine Mauer oder einen Fluss betrifft.

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Nachgefragt bei Matthias Glarner, dem momentan stärksten Berner Schwinger

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Matthias Glarner ist zurzeit der wohl stärkste und konstanteste Berner Schwinger. Der Berner Oberländer Eidgenosse aus Meiringen hat in dieser Saison bisher zwei Kranzfeste (das Oberaargauische und das Seeländische Gaufest) gewonnen sowie sich insgesamt vier Kränze erkämpft. Obwohl der Sennenschwinger der Hierarchiefrage keine grosse Bedeutung beimisst (siehe nachfolgend bei Frageblock vier) ist Glarner nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Schwingerkönig Matthias Sempach derzeit die Nummer eins der Mutzen.

Grund genug, als Vorschau für das am nächsten Sonntag auf dem Programm stehende Schwarzsee-Bergschwinget sieben Frageblöcke Richtung Berneroberland zu Matthias Glarner zu schicken. Denn Glarner gehört nebst den anderen Bernern Kilian Wenger, Christian Stucki, Simon Anderegg, Florian Gnägi, Thomas Sempach und Thomas Zaugg zu den Topfavoriten.
Hartes Brot zu beissen bekommen die heuer eingeladenen Innerschweizer (unter anderem Andi Imhof, Christian Schuler, Andreas Ulrich, Benji von Ah, Joel Wicki und Mike Müllestein). Der Kranzgewinn wird für diese Herren wohl das primäre Ziel sein. Wer weiss, vielleicht wächst der eine oder andere über sich hinaus, und sorgt am Abend für einen Innerschweizer (Überraschungs-)Sieg…
Gemeldet ist auch der Südwestschweizer Eidgenosse Michael Nydegger. Ob er aber am Start sein wird, ist wegen einer neuerlichen Ellbogenverletzung ungewiss. Die Südwestschweizer Schwinger versuchen trotz der Berner Übermacht, sich den einen oder anderen Kranz zu ergattern. Die besten Chancen darauf haben Benjamin Gapany, Pascal Piemontesi, Stéphane Haenni, Michael Matthey, Augustin Brodard und William Hänni.
Übrigens: Da auf dem Kasernenareal Schwarzsee momentan Umbauarbeiten durchgeführt werden, findet der Schwinget dieses Jahr in Plaffeien bei der Pferdesportanlage statt.

Ich glaube, es ist nicht vermessen, wenn ich Matthias Glarner zu einem der heissesten Kandidaten für den Tagessieg beim Schwarzsee-Bergschwinget zähle. Vorhang auf also zu den interessanten und aufschlussreichen Antworten des 95-fachen Kranzschwingers. Es erfüllt mich zudem mit Stolz, dass ich letztes Jahr in meinem Schwingprojekt mit Matthias Glarner Kontakt haben durfte.

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Matthias Glarner mit Lebendpreis am Baselstädtischen Schwingertag 2013
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Frageblock 1:
Du hast dieses Jahr bereits sechs Schwingfeste gewonnen, darunter zwei Kranzfeste. Weiter hast du diese Saison auch schon vier Kränze gewonnen und kürzlich den Hattrick beim Seeländischen (drei Siege hintereinander) realisiert. Woher kommt diese unglaubliche Stärke? Hast du in deiner Saisonvorbereitung etwas Bestimmtes gemacht oder verändert?
„Die gesamte Vorbereitung verlief eigentlich in einem ähnlichen Rahmen wie in den Jahren zuvor. Ich war die ganze Zeit verletzungsfrei und profitierte extrem von den beiden WK’s in Magglingen. Zudem war der Start mit den Siegen an den Regionalanlässen sicher gut für das Selbstvertrauen.“

Frageblock 2:
Wie gross ist dein wöchentlicher Trainingsaufwand? Hast du diesen nach dem Abschluss deines Studiums nochmals vergrössert? Konntest du aus deinem Sportstudium auch Profit für dein Training schlagen, welcher sich nun in Erfolgen auszahlt?
„Im Winter war der Aufwand so um 15 bis 20 Stunden Training pro Woche. Jetzt während der Saison hat sich dieser zwischen 8 bis 12 Stunden wöchentlich eingependelt.
Mit dem Abschluss des Studiums habe ich ein Praktikum bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg angefangen, wobei der Trainingsaufwand im Vergleich zum Studium ein wenig abgenommen hat. Die zusätzliche Bewegung hole ich mir aber während der Arbeit. Das Körperbewusstsein sowie das Hintergrundwissen, welches ich mir während des Studiums angeeignet habe, ist sicherlich ein Vorteil beim Absolvieren der Einheiten.“

Frageblock 3:
Wenn ich mich recht entsinne hast du seit dem Brünigschwinget 2014 (Schlussgangniederlage gegen Kilian Wenger) keinen Gang mehr verloren. Woher kommt diese Konstanz? Schwingst du sprichwörtlich mit Köpfchen, respektive mit einer gesunden Mischung aus Angriff und Verteidigung?
„Soviel ich weiss, datiert meine letzte Niederlage vom Kilchbergschwinget gegen Daniel Bösch. Spannender wäre aber die Frage, ob mit ein wenig mehr Risiko und weniger gestellten Gängen noch mehr drin gelegen wäre. Ich habe aber sehr hart an mir gearbeitet und konstant und verletzungsfrei trainiert. Wahrscheinlich ist dies der Grund für meine Konstanz.“

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Beim Oberaargauischen Gaufest in Grasswil
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Frageblock 4:
Eigentlich wirst du in den meisten Vorschauen nach den beiden Schwingerkönigen Sempach und Wenger sowie Christian Stucki als Nummer vier der Berner aufgezählt. Diese Saison bist du aber die Nummer 1 deines Teilverbandes. Siehst du das auch so? Misst du dem viel Bedeutung zu, oder schaust du vor allem auf dich und deine Leistung?
„Dieser Hierarchiefrage messe ich eigentlich keine grosse Bedeutung bei. Die Dichte an Spitzenschwingern ist im Kanton Bern momentan sehr hoch, und dass ich da in den Medien hinter den Königen anstehen muss, ist nach Papierform selbstverständlich. Schlussendlich wird aber jeder Sonntag von neuem geschaut, wer die Nummer 1 an diesem Tag ist. Somit ist mir meine Leistung wichtiger als irgendwelche Statistiken.“

Frageblock 5:
Wenn dieses Jahr das Eidgenössische Schwingfest wäre, wärst du momentan einer der Topfavoriten. In einem Jahr auch? Was für Erfolge traust du dir mit der jetzigen Form zu? Kannst du dich gar noch steigern?
„Mit was-wäre-wenn-Fragen beschäftige ich mich eigentlich grundsätzlich nicht. Diese Saison ist für mich als ‚Weg nach Estavayer‘ wichtig. Dies ist eines meiner letzten grossen Ziele meiner Schwingerlaufbahn und ich traue mir noch einiges zu. Und wenn ich gesund bleibe, liegt sicher noch eine weitere Steigerung drin.“

Frageblock 6:
Noch fünf Kränze, und du gehörst auch dem Hunderter-Klub an. Ist das schon ein Thema? Könnte es schon diese Saison so weit sein?
„Wenn alles rund läuft und ich an jedem verbleibenden Fest den Kranz mache, würde es bis Ende Jahr reichen. Das ist aber wieder eine was-wäre-wann-Frage. Im Hinterkopf ist es sicher vorhanden, aber ich nehme Fest für Fest. Dann sehen wir weiter.“

Frageblock 7:
Welches werden deine nächsten Einsätze sein? Was für Saisonziele hast du noch?
„Mein nächster Einsatz wird am Schwarzseeschwinget sein. Weitere grosse Ziele in diesem Jahr sind sicher das Schwägalp- sowie das Brünigschwinget.“

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Titelverteidigung beim Seeländischen Schwingfest
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Aha, da habe ich mich mit der letzten Niederlage von Matthias sogar ein wenig vertan. Ich habe aber auch nicht recherchiert, und mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen.
Ein wöchentlicher Trainingsaufwand im Winter von 15 bis 20 Stunden ist schon happig. Das wären durchschnittlich gut zweieinhalb Stunden Training täglich. Selbst der Aufwand während der Saison ist gross. Aber wie sagt man doch so schön: Von nichts kommt nichts.

Ich habe Matthias diese Saison leider erst einmal „live“ schwingen gesehen. Das war beim Ballenberg-Schwinget Mitte April, wo der dreifache Eidgenosse den Festsieg mit fünf gewonnenen Gängen in eindrücklicher Manier davontrug. Hinterher gratulierte ich ihm persönlich und spürte einen Händedruck, der Entschlossenheit markierte.
Wegen meinem letztjährigen Schwingprojekt beobachte ich „meine Schützlinge“ nach wie vor aus der Distanz. Bei Matthias stellte ich schon im Frühling eine unglaubliche Konstanz und Stärke fest. Wie er oben selbst erklärt, ist das ESAF Estavayer eines seiner letzten grossen Ziele seiner Schwingerlaufbahn. Dabei meinte er mit Bestimmtheit nicht nur den vierten Eidgenössischen Kranz. Man muss kein Prophet sein, wenn ich den bärenstarken Berner Oberländer jetzt schon zum engeren Favoritenkreis beim Eidgenössischen in einem Jahr zähle.

Vorerst bedanke ich mich bei Matthias Glarner mit einem kräftigen Schwingergruss für das Beantworten meiner Fragen und wünsche ihm für das kommenden Sonntag anstehende Bergschwinget Schwarzsee alles Gute und viel Erfolg.

feldwaldwiesenblogger

Was für Aufgaben hat der Präsident des Schwingklub Muotathal? (Teil 9)

Im neunten und letzten Teil meiner Reihe über das Schwinggeschehen im Muotatal gehe ich den Aufgaben unseres Schwingklubpräsidenten nach. Ein grosser Teil der Auskünfte der vorangehenden acht Teile erhielt ich nämlich von René Schelbert, dem umsichtigen Schwingfunktionär. Zeit also, nach dem Job des höchsten Muotataler Schwingers zu fragen.

René beim Gespräch
Schwingklubpräsident René Schelbert beim Gespräch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

René ist seit dem 26. Dezember 2010 Präsident des Schwingklub Muotathal. Auf seine Aufgaben angesprochen, meinte er: „Ich habe verschiedene Aufgaben. Meine Hauptaufgabe ist, den Verein zu führen. Im Frühling und Herbst habe ich am meisten Arbeit. Die erste Vorstandssitzung des Jahres findet jeweils im Februar statt. Weiter die beiden Schwingfeste (Rangschwinget und Nachwuchsschwinget) durchführen, wir bilden das Organisationskomitee (OK) gleich aus dem Vorstand. Ich bin zugleich der OK-Präsident, jeder hat seine Aufgabe und weiss was er zu tun hat. Das funktioniert gut. Das Hauptaugenmerk gilt im Frühling ganz klar den beiden Schwingfesten. Zudem besuche ich diverse Schwingfeste in der Region.
Im Sommer steht wieder eine Vorstandssitzung auf dem Programm, wo wir Rückblick und Ausblick halten. Nach Saisonende, im November, haben wir die dritte Vorstandssitzung. Dann halten wir Saisonrückblick und bereiten die Generalversammlung (GV) im Dezember vor. Mein Job besteht darin, die GV am 26. Dezember durchzuführen. Da habe ich auch viel Arbeit, bis ich alle Unterlagen und Daten zusammengetragen habe. Unter dem Jahr gibt es zudem noch diverse Aufgaben, wie zum Beispiel die würdige Umrahmung einer Beerdigung eines Ehrenmitgliedes in die Wege leiten. Meine Devise ist, immer ein wenig voraus zu sein und die Dinge rechtzeitig vorzubereiten.
Wenn mir jemand in jungen Jahren gesagt hat, du wirst mal Klubpräsident, habe ich ihm gesagt: Wohl kaum! Jetzt ist es anders gekommen, und ich bin in meine Funktion rein gewachsen. Es ist eine schöne Arbeit und wir haben zusammen ein gutes Einvernehmen im Vorstand. Ich habe es noch keinen Moment bereut, etwas für den Schwingsport zu tun. Denn es kommt auch immer wieder etwas zurück.
Übrigens: Im Vorstand des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes bin ich als offizieller Vertreter des Schwingklub Muotathal. Auch dort haben wir ein gutes Klima und die Sitzungen laufen reibungslos ab. Es hat auch noch nie heftige Diskussionen gegeben, was ich schätze. Ganz allgemein herrscht eine gute Kameradschaft und man lernt immer wieder neue Leute kennen. Eine schöne Zeit, die ich dabei erleben darf.“

rené schelbert bei der Jubiläumsfeier 2012
René Schelbert anno 2012 bei der Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen des Schwingklub Muotathals
Bildquelle: René Schelbert

Gibt es auch ein Pflichtenheft?
„Nein, soweit sind wir noch nicht. Ich habe es zwar nicht verlangt, aber jeder im Vorstand soll in nächster Zeit seine Aufgaben auf Papier bringen. Wenn jemand beispielsweise als Bauchef amtet, soll er aufschreiben, was es zu tun gibt. Es ist immer einfacher einem Nachfolger etwas zu übergeben, wenn etwas Schriftliches vorhanden ist.“

Führst du deine Aufgabe in etwa wie deine Vorgänger aus?
„Ja, ich denke schon. Wir hatten das grosse Glück, dass Richi Föhn damals als Präsident alles was er fürs Schwingen auf seinem PC schrieb, auf eine Daten-CD gebrannt hat. Schon sein Nachfolger und mein Vorgänger Roland Gwerder konnten davon profitieren. Richi erstellte dabei diverse Listen und Dateien, die auch heute noch hilfreich sind.“

Wieviele Stunden pro Woche investierst du in dein Amt?
„Übers Jahr gesehen ist es im Durchschnitt eine Stunde pro Woche für administrativen Aufwand, was den Schwingklub Muotathal betrifft. Dazu kommen die Vorbereitungen für die beiden Schwingfeste. Wenn ein Kantonales Schwingfest wie letztes Jahr durchgeführt wird, kommt natürlich ein zusätzlicher Mehraufwand hinzu. Im Frühling und Herbst läuft sehr viel, in den Wintermonaten sowie im Juni/Juli weniger.
Daneben investiere ich auch Zeit für mein Amt im Kantonalvorstand.“

Wieviele Schwingfeste besuchst du pro Jahr?
„20 bis 25 Schwingfeste. Das sind Feste der Aktiven und Jungschwinger.“

Wieviele Sitzungen besuchst du pro Jahr?
„Im Klub sind es vier Sitzungen, im Kantonalvorstand sind es acht Sitzungen.“

Beim Frühjahrsschwinget in Oberarth SZ warst du im Einteilungsgericht. Wie oft sitzt du dieses Jahr in der Einteilung?
„Es sind insgesamt sechs Mal. Nebst dem Muotathaler Rangschwinget bin ich noch bei zwei weiteren Rangschwinget, beim Schwyzer Kantonalen, beim Kantonalen Jungschwingertag und beim Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in der Einteilung.“

Nebst dem Schwingklub Muotathal bist du noch im Schwyzer Kantonalen Schwingerverband im Vorstand. Bist du noch in anderen Gremien? Zum Beispiel beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV)?
„Beim Schwyzer Kantonalen Schwingerverband bin ich technischer Leiter Jungschwingen und Chef der sechs Jungschwingerbetreuer im Kanton Schwyz. Dieses Jahr gibt es auch in diesem Bereich mehr Arbeit, da am 30. August der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag in Aarburg (Kanton Aargau) stattfindet.
Beim ISV bin ich in der technischen Kommission Jungschwingen.“

Besuchst du als Präsident auch Weiterbildungskurse? Wenn ja, welche?
„Im Winter besuchte ich für die Leiter 2-Ausbildung einen J+S-Kurs in Magglingen. Fürs Schwingen werden folgende Kurse angeboten: Grundkurs, Leiter 1, Leiter 2 und Experte.
Es gibt ein Vierstufen-Programm für die Jungschwinger, welche mit Prüfungen verbunden sind. Diese Prüfungen kann ich nun mit der Leiter 2-Ausbildung abnehmen.
Weitere Kurse besuche ich nicht, da kein diesbezügliches Angebot besteht. Bei Fragen in meinem Amt haben meine Vorgänger immer ein offenes Ohr. Zudem kenne ich inzwischen einige Leute, und kann mich bei Problemlösungen auch andernorts melden. Das läuft in der Schwingerfamilie völlig unkompliziert ab.“

Hast du eine Jahrzahl im Kopf, bis wann du als Schwingklub-Präsident noch amten möchtest?
René lacht. „Nein, eigentlich nicht. Ich nehme es fortlaufend. So etwas kann man nicht voraussehen.“

Könntest du dir später auch vorstellen, ein weiteres Amt beim Schwyzer Kantonalen Schwingerverband oder beim ISV zu übernehmen?
„Ja, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich wäre bereit, will aber niemandem im Wege stehen, wenn sonst jemand möchte.“

rené und seine vorgänger
René Schelbert und seine Amtsvorgänger. Oben von links nach rechts: Karl Heinzer, Alois Schelbert (2014 gestorben), Peter Schelbert und Paul Schelbert. Unten von links: René Schelbert, Roland Gwerder und Richi Föhn
Bildquelle: René Schelbert

Dies ist nun der Abschluss meiner neunteiligen Reihe über das Schwinggeschehen im Muotatal. Ein grosses Dankeschön gebührt dabei René, welcher mir am 18. April bei einem gut zweistündigen Gespräch viele Informationen und Wissenswertes rund um den Schwingklub Muotathal und über das Schwingen im Allgemeinen erzählte und erklärte. Weiter hat er mich mit vielen Unterlagen und Fotos beliefert. Herzlichen Dank!
Aus diesen neun Teilen habe ich inzwischen eine Zusammenfassung geschrieben, welche in der Juli-Ausgabe des Muotathaler Zirkes erscheinen wird.

feldwalwiesenblogger

Vorschau auf das Stoos-Schwingfest

schwingkolumne

So Petrus will, findet kommenden Sonntag das Stoos-Schwingfest statt. Nach dem Abschluss der Kantonalen Feste in der Innerschweiz startet nun der Reigen der Bergfeste. Traditionell erfolgt dies jeweils mit dem Bergklassiker um Mitte Juni auf dem Stoos.

Letztes Jahr waren die Berner und die Südwestschweizer zu Gast. Nicht von ungefähr trugen gleich zwei der stärksten Berner mit Kilian Wenger und Christian Stucki den begehrten Sieg davon.
Dieses Jahr sieht die Ausgangslage ein wenig anders aus: Die 50 Innerschweizer Schwinger werden von 30 Nordostschweizer und von zehn Nordwestschweizer Sägemehl-Athleten herausgefordert.
Die Nordostschweizer werden vom Team-Leader und mehrfachen Kranzfestsieger Daniel Bösch und dem unverwüstlichen Arnold Forrer angeführt. Weitere acht Eidgenossen (unter anderem Beat Clopath und Andy Büsser) reisen aus dem NOS-Gebiet an. Zudem das Jungtalent Armon Orlik, welcher beim Zürcher Kantonalen seinen ersten Kranzfestsieg feiern konnte.

Bei den Nordwestschweizer Gästen ragen die beiden Eidgenossen Christoph Bieri und Remo Stalder heraus. Bieri, welcher kürzlich das Aargauer Kantonale gewann, ist dieses Jahr nach dem Ausfall von Mario Thürig dort ganz klar die Nummer eins.

andreas ulrich
Andreas Ulrich
Bildquelle: andiulrich.ch

Die Innerschweizer Elite wird von den starken Schwyzern angeführt. Dazu gehören diesmal Andreas Ulrich, Philipp und Adi Laimbacher, Martin Grab, Bruno Nötzli sowie Mike Müllestein.
Die Luzerner Farben werden von vier Eidgenossen vertreten, allen voran die Brüder Hansjörg und Philipp Gloggner. Begleitet werden sie vom erst 18-jährigen und jetzt schon zu den besten Luzernern gehörenden Joel Wicki.
Die Ob- und Nidwaldner Delegation wird von den Eidgenossen Benji von Ah, Peter Imfeld und Marcel Mathis angeführt.
Die Zuger und die Urner schicken gute Mittelschwinger auf den Stoos.

Zum starken Teilnehmerfeld gehören 24 Eidgenossen, sowie viele Kranzfestsieger. Bei so einer Besetzung braucht es eine konstante und solide Leistung, um überhaupt den Kranz erkämpfen zu können. Zudem eine sehr starke Tagesform, um den Sieg zu erringen. Die Ausgangslage ist spannend, interessante Kämpfe sind vorprogrammiert.

Wie oben erwähnt, ist die Ausgangslage für die Innerschweizer heuer weniger delikat als noch vor einem Jahr. Die Nordostschweizer und die Innerschweizer Schwinger befinden sich fast auf Augenhöhe, wobei ich die ISV-Leute um einen Tick besser einstufe. Beide Teilverbände sind von der Stärke her hinter den Bernern anzugliedern. Dennoch muss man kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass höchst wahrscheinlich einer der Schwyzer Schwinger den Sieg davontragen könnte. Am ehesten traue ich den Andreas Ulrich zu. Der in dieser Saison bereits zweifache Kranzfestsieger (Basel Städtischer Schwingertag und Zuger Kantonales) stand auf dem Stoos noch nie zu Oberst. Dieser Titel würde ihm nicht nur gut anstehen, Ulrich ist momentan auch in einer tollen Form.
Die Gebrüder Laimbacher sind schwierig einzuschätzen. Adi ist auf seiner Abschiedstournee, auf der Rigi bestreitet er vermutlich sein letztes Schwingfest einer langen und erfolgreichen Karriere. Der starke Sennenschwinger kann unbeschwert auftreten und ist alleweil für eine Überraschung gut. Sein Bruder Philipp schwang im Frühling bisher gut, aber nicht herausragend. Die Stoos-Luft behagte ihm in der Vergangenheit meist sehr gut. Nicht von ungefähr gewann er das Bergfest schon viermal. Die Chancen für einen fünften Sieg sind nicht schlecht.
Martin Grab, Bruno Nötzli und Mike Müllestein traue ich den Kranz zu, aber nicht den Sieg. Grab ist zwar gut in die Saison gestartet, sein Faktor „Alter“ darf man aber nicht vergessen. Nötzli und Müllestein sind in einer guten Form, bis ganz nach vorne wird es aber beiden (noch) nicht reichen.
Der Obwaldner Benji von Ah zeigte zuletzt am Urner (Festsieg) und beim Luzerner Kantonalen (3. Rang) starke Leistungen. Auch ihn habe ich auf der Rechnung und zähle deshalb den bärtigen Turnerschwinger zum engeren Kreis der Favoriten.

daniel bösch
Daniel Bösch
Bildquelle: danielboesch.ch

Bei den Nordostschweizern haben auf dem Papier wohl Daniel Bösch und Nöldi Forrer die besten Chancen. Den Tagessieg traue ich aber beiden nicht zu. Bei Forrer ist es einerseits das Alter, andererseits sein Trainingsrückstand wegen einer Verletzung im Winter/Frühling. Bösch ist zwar in seiner Heimat mit zwei Kantonalfestsiegen wieder stark in die Saison eingestiegen. Die Einsätze letztes Jahr ausserhalb der Nordostschweiz überzeugten aber nicht, oder zumindest nur teilweise. Ein Sieg auf dem Stoos wäre für mich eine Riesenüberraschung. Ebenso, wenn einer vom Trio Beat Clopath, Andreas Büsser oder Armon Orlik ganz oben aus schwingen würde.
Da die Nordostschweizer bei ihren Kantonalfesten keine Gäste von ausserhalb ihres Teilverbandes einladen, wird das für sie ein erster echter Härtetest. Dieser hat Daniel Bösch beispielsweise letztes Jahr bei seinem ersten Auftritt der Saison auf fremdem Terrain, auf dem Weissenstein, nicht bestanden. Ob das hartnäckige Festhalten an der Devise „keine Gäste ausserhalb des eigenen Teilverbandes“ nicht eher zu einem Nachteil gereicht? Im Prinzip wahrscheinlich schon, da das Messen mit starken Gegnern fehlt. Andererseits geht das aber auch in Ordnung, denn ein zu grosser „Schwingertourismus“ wie in den anderen vier Teilverbänden ist in meinen Augen auch nicht erstrebenswert.

Die Nordwestschweizer haben nur eine dünne Spitze. Der einzige Schwinger mit einer reellen Siegchance ist Christoph Bieri. Dieser möchte aber wohl in erster Linie seinen noch fehlenden Stoos-Kranz gewinnen. Ich vermute, dass er deswegen nicht volles Risiko gehen wird. Aber ein Exploit des starken Aargauers ist natürlich nicht ausgeschlossen. An einem guten Tag ist Bieri alles zuzutrauen, auch der Festsieg.

stoos Schwinget 2014
Stoosschwinget von 2014
Bildquelle: stoosschwinget.ch

Man kann es drehen und wenden wie man will: Auch ein Bergkranzfest ist nicht verschont vor Überraschungen. Dieses Jahr gab es schon ein paar Neulinge in Sachen Kranzfestsiege. Wieso nicht auch auf dem Stoos?
Wer weiss, vielleicht kann ein Erich Fankhauser seinen Schwung vom Luzernern Kantonalen auf den Stoos mitnehmen, oder Mike Müllestein den seinigen als frisch gebackener Kranzfestsieger? Vielleicht sticht am Sonntag Benji von Ah mit Tschifeler-Power alle aus?
Oder ein Daniel Bösch ist stärker als letztes Jahr, und kann den Innerschweizern ein Schnippchen schlagen?
Ich tippe so oder so auf einen der arrivierten Schwinger. Ein Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre verrät, dass praktisch jedes Mal einer der Favoriten den Sieg davontrug.
Ich wiederhole mich gerne: Ohne Berner Beteiligung wird der Sieger ziemlich sicher ein Schwyzer sein. Mein grösster Favorit ist Andreas Ulrich. Letztes Jahr war Ulrich kurz vor dem Fest erkrankt, konnte dennoch teilnehmen, verpasste aber den Kranz um einen halben Punkt.
Christian Schuler, ein Schlussgangteilnehmer vom letzten Jahr, verzichtet dieses Jahr auf einen Start. Ein bärenstarker Gegner weniger für Ulrich…

feldwaldwiesenblogger

Gespräch mit Ralf Schelbert, der Schwingernachwuchshoffnung aus dem Bisisthal

Im achten Teil der neunteiligen Serie über das Schwinggeschehen im Muotatal widme ich mich in diesem Beitrag Ralf Schelbert, der momentan grössten Nachwuchshoffnung des Schwingklub Muotathal. Zu diesem Zweck machte ich mich kürzlich auf ins Bisisthal, respektive zum Restaurant Schwarzenbach, wo Ralf zuhause ist.
Übrigens: Dies ist mein 1000. Blogbeitrag. Es freut mich umso mehr, dass ich mein Jubiläum mit der Vorstellung eines jungen Schwingers feiern darf.

ralf schelbert
Ralf Schelbert
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ralf Schelbert wurde am 10. Mai 1995 geboren. Von Beruf ist der 190 Zentimeter grosse und 99 Kilogramm schwere Sennenschwinger Zimmermann, sein Arbeitgeber ist die Suter Holzbau AG in Muotathal.
Wie mir der 20-jährige beim Interview erklärte, ist seine körperliche Arbeit ein gutes Krafttraining.
Ralf hatte sich in Unterägeri beim Zuger Kantonalen letztes Jahr einen Innenband- und Seitenbandriss am Knie zugezogen. Darauf fiel er für den Rest der Saison aus. In diesem Frühling holte sich der Bisisthaler beim Schwyzer Kantonalen den längst fälligen ersten Kranz, welchen er drei Wochen später beim Zuger Kantonalen mit dem erneuten Kranzgewinn bestätigte.

Auf seine Hobbys angesprochen, meinte Ralf: „In erster Linie natürlich Schwingen, vor allem im Sommer. Im Winter fahre ich gerne Ski. Zudem velofahren, dies hat aber auch mit Ausdauertraining fürs Schwingen zu tun.“

Wie würdest du dich charakterisieren?
„Ich bin eher ein ruhiger Typ, auch zurückhaltend gegenüber Fremden.“

Wie und wann kamst du zum Schwingsport?
„Ich schwinge schon seit 12 Jahren. Mit acht Jahren bin ich zum Schwingsport gekommen. Da mein Onkel Roland Gwerder sowie mein Vater Markus Schelbert aktive Schwinger und mein Grossvater schon ein grosser Schwingfan war, wuchs ich von klein auf in den Schwingsport hinein.“

Wieso gerade Schwingen?
„Natürlich, wie erwähnt, wegen der Familie und der Verwandtschaft. Zuerst ging ich zwar ins Fussballtraining, dies war aber nicht so mein Ding. Darauf ging ich einen Winter lang ins Handballtraining. Am besten gefiel mir aber das Schwingen, welches ich am besten beherrschte. In meinem Jahrgang waren wir sehr viele Jungschwinger, daraus entwickelten sich Kollegschaften und so ging man immer gemeinsam ins Schwingtraining.“

Was gefällt dir besonders am Schwingen?
„Es ist ein Einzelsport, bei welchem du selber deine Leistung erbringen musst und nicht auf einen anderen angewiesen bist.“

Welche Schwinger sind deine Vorbilder?
„Natürlich Heinz Suter, er ist mein Hauptvorbild. Ich war gerade sechs oder sieben Jahre alt, als er seine besten Zeiten hatte. Wenn Heinz ein Schwingfest gewann, war ich bei den anschliessenden Einzügen jeweils auch dabei. Dies machte mir sehr Eindruck. Heinz war auch eine Zeit lang mein Trainer bei den Aktiven.
Jörg Abderhalden mit seinem Schwingstil zähle ich auch zu meinen Vorbildern.“

Welches waren deine grössten Erfolge in der Zeit als Jungschwinger?
„Mein grösster Erfolg als Jungschwinger war der Sieg an einem Schwyzer Kantonalen Jungschwingertag. Zudem beim letzten Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2012 der Gewinn des Zweiges. Bei diesem Fest wäre aber mehr drin gelegen.
Erwähnenswert sind auch die zehn Jungschwinget, welche ich gewann. Insgesamt erkämpfte ich als Jungschwinger 80 Zweige und einige kleine Trycheln.“

ralf beim enst 2012
Ralf (rechts) beim ENST 2012 in Hasle/Entlebuch
Bildquelle: René Schelbert

Wie gross ist der Trainingsaufwand pro Woche?
„Etwa acht Stunden, dies bei vier Trainings zu je zwei Stunden. Zusätzlich kommen die Schwingfeste Samstag oder Sonntag. Es ist aber nicht jede Woche gleich: Es gibt auch Wochen mit fünf Trainingseinheiten, dann auch wieder Wochen mit drei Trainings. Vor den Kranzfesten absolviere ich nur zwei Schwingtrainings, damit ich mich nicht zu stark verausgabe.“

Was für Trainingseinheiten sind das?
„Zwei Schwingtrainings, einmal pro Woche ein Krafttraining und einmal Turnen bei der Aktivriege des KTV Muotathal. Die Schwingtrainings sind sicher die wichtigsten Trainingseinheiten.
Zudem versuche ich an möglichst vielen Rangschwinget teilzunehmen, um wettkampfmässig schwingen zu können und dabei Erfahrung zu sammeln. Das ist wohl das Wichtigste in meinem Alter.“

Trainierst du meist mit deinen Kameraden, mit welchen du gemeinsam deinen ersten Kranz geholt hast? Absolvierst du auch Trainingseinheiten alleine?
„Das Krafttraining mache ich meistens alleine im Kraftraum des Schwingkellers. Beim Turnen sind zwei oder drei Schwingerkameraden dabei sowie einige ehemalige aktive Schwinger. Beim Schwingtraining sind alle meine Kollegen dabei, mit denen ich zusammen den ersten Kranz gemacht habe.“

Betreibst du neben dem Schwingen auch einen Ausgleichsport?
„Nein, bewusst eigentlich nicht. Der Ausgleich ist das Turnen am Dienstag. Dabei spiele ich auch gerne, wie beispielsweise Unihockey. Das ist gut für die Gelenke und gut für die Beweglichkeit. Zudem schaue ich auf die Erholung.“

Machst du bezüglich Verletzungsprophylaxe auch gezielte Übungen oder Trainings?
„Das erwähnte Krafttraining ist meine Prophylaxe. Gerade fürs Knie sind gezielte Übungen mit Rumpfbeugen oder mit Gewicht gedacht, damit sich um die Bänder herum Muskulatur bildet, welche stabilisierend und festigend wirken soll. Bei mir ist es vor allem das Knie, an welchem ich mich letztes Jahr verletzte. Aber auch um den Rumpf herum muss man stark sein. Ich trainiere beim Krafttraining aber schon ganzkörperorientiert, dass ich überall ‚Pfuus‘ habe. Das Beste gegen Verletzungen ist eine gute Muskulatur um die heiklen Stellen.“

Machst du nebst dem eigentlichen Training auch mentales Training?
„Nein. Wir machten letztes Jahr einen Versuch beim Schwingklub, handhaben es dieses Jahr aber nicht mehr. Der TK-Leiter der Aktiven, Erwin Betschart, stimmt uns jeweils gut vor einem Schwingfest ein. Das ist dieses Jahr gut aufgegangen.“

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?
„Vor allem der Kurz und der Gammen, das sind meine Hauptschwünge. Diese Saison versuche ich auch, den Fussstich anzuwenden.“

Welches sind deine Stärken?
Ralf lacht und überlegt. „Ich probiere immer ruhig zu bleiben, und nach einem verlorenen Gang die Fassung zu wahren. Dazu versuche ich positiv zu denken. Erwin sagt uns schon eine Woche vor einem Schwingfest, dass wir es positiv sehen und nehmen sollen.“

Wo könntest du dich noch verbessern?
„Körperlich kann ich mich noch verbessern. Bei der Ausdauer und der Schnelligkeit möchte ich diese Saison noch zulegen. Über den Winter konnte ich leider nicht sehr viel trainieren, da ich die Rekrutenschule besuchte. In dieser Zeit waren dies etwa drei oder vier Trainings, und vier Trainings vor dem Schwyzer Kantonalen.
Als Nichtkranzer war die Sportler-RS leider noch kein Thema. Beim kürzlich besuchten WK machte ich einen Sportleiter-Kurs. Diesen kann ich in Zukunft im Militär anwenden und darf nebenbei auch trainieren.
Wenn ich im Schwingen noch besser werden sollte, könnte ich mich zu den Sportler-WK’s in Magglingen umteilen lassen.“

Schaust du auch auf die Ernährung? Wenn ja, wie?
„Nein, momentan noch nicht gross. Ich versuche zurzeit wieder an Gewicht zuzulegen, ich war nämlich auch schon fünf Kilogramm schwerer. Wenn man sehr viel trainiert, ist es schwierig, schwerer zu werden. Mit etwas mehr Gewicht bringt man halt schon mehr Wucht in die Schwünge.“

Wie war die Zeit für dich nach der Knieverletzung beim Zuger Kantonalen 2014?
„Zuerst war das für mich niederschmetternd. Ich habe dann bald nach vorne geschaut. Um mein Knie optimal genesen zu lassen, liess ich die ganze Saison aus. Ich machte ein gezieltes Aufbautraining mit Krafttraining und Velofahren. So machte ich schöne Fortschritte und konnte die Muskulatur wieder aufbauen. Diese Saison hatte ich bisher nie Probleme mit meinem Knie.“

ralf schelbert als neukranzer
Ralf (im roten Kreis) als Neukranzer
Bildquelle: René Schelbert

Im Boten stand kürzlich, dass du bereit seist für weitere Grosstaten. Was für Ziele hast du dir für diese Saison nebst den beiden Kranzgewinnen am Schwyzer und Zuger Kantonalen noch gesteckt?
„Simon Gerber hat ein wenig übertrieben. Mein nächstes Ziel ist der Kranz am Innerschweizerischen in Seedorf, das wäre schön. Um dies erreichen zu können, muss ich an jenem Tag parat sein. Zudem die noch geplanten sechs oder sieben Rangschwingfeste absolvieren, und dort eine gute Leistung erbringen. Damit ich nach meinem wieder grösseren Trainingsaufwand nach der RS meine Leistungskurve weiter nach oben bringen kann.
Ich darf leider noch kein Bergfest bestreiten. Der TK-Chef des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes, Fidel Schorno, hat entschieden, dass Neukranzer im gleichen Jahr noch kein Bergfest machen dürfen. Ausser es sei ein anderer verletzt, dann könnte ich eventuell nachrücken. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Nächstes Jahr darf ich dann an einem Bergfest antreten.“

Dein Ziel nächstes Jahr ist sicher die Teilnahme am ESAF in Estavayer?
„Ja, das ist natürlich von jedem Schwinger von uns das Ziel. Ich versuche sicher bei den Kantonalen gut zu schwingen, den Kranz wenn möglich zu holen und vorher gut trainieren zu können. Ich mache deswegen aber keine spezielle Vorbereitung. Wenn man im Winter optimal trainieren kann, ist man im Frühling schon ‚zwäg‘.
Ich konnte nun Jahr um Jahr Fortschritte bei mir beobachten und hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder einen weiteren Schritt nach vorne komme. Damit man gegen Eidgenossen auch schwingen und bestehen kann.“

Dein Name ist in Schwinger Kreisen und unter Schwingexperten hoch im Kurs. Wie gehst du mit dem um? Verspürst du dadurch Druck?
„Druck eigentlich nicht. Ich habe meist frisch von der Leber weg geschwungen und verspürte dabei keinen grossen Druck. Die entsprechenden Zeitungsberichte und Kommentare habe ich wohl gelesen, legte sie aber wieder beiseite. Die Erwartungshaltung vor dem ersten Kranz (vor allem im Bote der Urschweiz) machte mir nicht viel aus. Ich liess es nicht zu nahe an mich ran.
Erwin redet uns auch gut zu, und bei den Schwingfesten nehme ich Gang um Gang. Ich versuche schon primär den Kranz zu gewinnen, schaue aber auch auf meine absolvierten Gänge, und was ich im nächsten Gang verbessern könnte. Ich blicke nicht mal gross auf den Punktezwischenstand.“

Hast du auch bereits schon einen Internetauftritt (Homepage, Facebook)? Wenn nein, gedenkst du in Zukunft diesbezüglich auch etwas zu unternehmen?
„Nein, ich habe ausser einem Facebook-Account noch gar nichts. Ich möchte das zurzeit auch nicht ändern. Mein Ziel ist es momentan, zu trainieren, besser zu werden und Leistung zu erbringen. Das andere kommt von alleine, wenn es sein muss.“

Was denkst du zur Entwicklung des Schwingsportes heutzutage und der zunehmenden Vermarktung der Spitzenschwinger?
„So wie es momentan ist, ist es sicher gut. Der Schwingsport ist zurzeit gross im Trend. Wenn du in den Medien nicht Werbung für den Schwingsport machst, bekommst du auch keinen Nachwuchs. Wie wir selber feststellen konnten, kommen nach einem Eidgenössischen mehr Jungschwinger ins Schwingtraining.
Da wir letztes Jahr wenig Jungschwinger hatten, gingen wir vom Schwingklub nebst dem angebotenen Migros-Schnuppertag auch einmal in die Primarschule zum Sportunterricht. Anschliessend kamen um die zehn bis zwanzig Buben ins Schwingtraining. Ein paar sind auch geblieben. Momentan haben wir nämlich wieder um die 20 Jungschwinger.“

Was denkst du zum Schwingsport von heute und jenem von vor 25 Jahren?
„Ich kenne natürlich von früher nur das, was ich in Filmen gesehen habe. Ich denke, dass heutzutage die körperliche Komponente stärker ins Gewicht fällt als früher, auch ausdauermässig. Technisch sind die Schwinger heutzutage nicht unbedingt besser. Früher wurde vermutlich wegen den anderen körperlichen Voraussetzungen mehr mit der Technik geschwungen. Heutzutage brauchst du ‚Pfuus‘ und Schnelligkeit. Wie beispielsweise Kilian Wenger, welcher blitzschnell ist. Früher wurde wahrscheinlich nicht so schnell und aggressiv geschwungen. Wenger und Sempach machen sicher gezielte Trainings hinsichtlich Schnelligkeit, und zwar mit Spurts, also Intervalltrainings.“

ralf schelbert beim muotathaler rangschwinget
Ralf (rechts) beim Muotathaler Rangschwinget 2015
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ralf erzählte mir nach dem Beantworten meines Fragenkataloges weitere interessante Details zu den Trainings.
„Wir machen auch Gleichgewichtsübungen, welche man auf Bildern oder Filmbeiträgen beispielsweise von Sempach sah. Diese Übungen sind aber schwierig.
Im Februar haben wir jeweils einen Schwingkurs mit einer auswärtigen, ehemaligen Schwinggrösse, wie bereits mit Gregor Rohrer oder Rolf Zimmermann. Diese zeigen uns Schwünge vor, und es bleibt einem sicher etwas davon hängen, was man selber auch machen könnte. Es ist sicher nicht unwichtig, ob es ein Schwinger ist, welcher einem körperlich und von der Grösse her zusagt.
Ehemalige Spitzenschwinger vom Schwingklub Muotathal wie Heinz Suter, Leo Betschart, Richard Heinzer oder Roland Gwerder kamen unter dem Jahr auch schon ins Schwingtraining und zeigten uns ihre Hauptschwünge und ihre Finessen. Weiter zeigten sie auch, was wir noch besser machen könnten. Das sind wertvolle Trainings.“

„Vor den Kantonalen im Frühling können wir leider nicht an anderen Orten trainieren. Während den Wintermonaten gibt es jeden Montagabend Kantonaltrainings. Dann findet ein Training beispielsweise entweder in Ibach, bei uns oder auch in der March draussen statt. Man darf trainieren, wo man gerne möchte. Dabei trifft man auch auf unsere besten Schwyzer Schwinger wie die Gebrüder Laimbacher, Christian Schuler oder Andreas Ulrich. Bei diesen Trainings wird hauptsächlich geschwungen und ich darf mich auch mit ihnen messen. So kann ich im Winter vor einem Kantonalen auch mit Eidgenössischen Kranzschwingern schwingen, und weiss so eher wie ich mich darauf einzustellen habe. Diese Schwinger sind schon älter, haben Routine und ihre eigenen Finessen.“

„Während dem Winter finden pro Monat jeweils auch zwei ISV-Zusammenzüge statt. Bei diesen Einheiten kann man untereinander schwingen und trainieren. Durch den Sommer versuchen wir auch, mit einem anderen Klub ein oder zwei Trainings zu absolvieren, um mit möglichst verschiedenen Gegnern trainingshalber schwingen zu können.“

Der junge Sennenschwinger über ein gutes Notenblatt, (momentan) noch stärkere Gegner und die Rangschwingfeste:
„Ich bin jeweils zufrieden, wenn ich am Abend nach einem Schwingfest ein gutes Notenblatt mit guten Gegnern habe, wie beim Schwyzer und Zuger Kantonalen, wo ich nicht geschont wurde. Ich wurde schon früher als Jungschwinger jeweils mit guten Gegnern eingedeckt.
Ich schwinge gerne gegen stärkere Schwinger, wie beispielsweise kürzlich beim Morgarten Schwinget. Dort erhielt ich fünf gute Ob-/Nidwaldner Schwinger zugeteilt (unter anderem Eidgenosse Peter Imfeld und Stefan Gasser). Diese wollen mit mir auch offensiv schwingen. An den Rangschwinget habe ich nichts zu verlieren und werde dadurch gefordert. An diesen Schwingfesten kann man auch Schwünge anwenden, welche man sonst nur beim Training übt.“

Ralf Schelbert ist auf einem guten Weg. Man sollte ihm aber keinen Druck auferlegen, und ihn seinen Weg gehen lassen. Diesen wird er zweifellos machen, die Voraussetzungen, der Wille und der Fleiss sind vorhanden. Etwas Wichtiges ist aber auch vorhanden: Wie ich beim Gespräch feststellen durfte, ist eine von Ralfs Stärken seine Ruhe.
In diesem Sinne wünsche ich Ralf alles Gute, in erster Linie Gesundheit und wenn die Zeit reif ist, auch schöne Erfolge.

feldwaldwiesenblogger

Schwingerische Anlässe 2015 im Muotatal (Teil 7)

Im siebten Teil meiner Serie über das Schwinggeschehen im Muotatal behandle ich in diesem Beitrag die schwingerischen Anlässe von diesem Jahr.

Der Schwingklub Muotathal führt normalerweise zwei Schwingfeste pro Jahr durch. Dies sind gewöhnlich der Rangschwinget der Aktiven und der Nachwuchsschwingertag.
Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, findet in der Regel alle sechs Jahre das Schwyzer Kantonale im Tal statt. Das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest durfte auch schon zweimal (1976 und 2006) durchgeführt werden. In diesen Jahren findet jeweils kein Rangschwinget statt, wie letztes Jahr, als der Schwingklub Muotathal das Schwyzer Kantonale organisierte.
Dieses Jahr stand wieder ein Rangschwinget auf dem Programm. Dieser fand am Sonntag, 10. Mai statt. Er musste wegen schlechtem Wetter um eine Woche verschoben werden. Der Nachwuchsschwinget wurde planmässig letzten Sonntag, am 31. Mai, über die Bühne gebracht.

Ich fragte René Schelbert beim Interview am 18. April: „Gibt es interessante Gäste beim Rangschwinget?“ Und: „Wurde eine Sektion ausserhalb unseres Teilverbandes eingeladen?“ René erklärte: „Angemeldet waren die Gebrüder Nötzli, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein und Lutz Scheuber. Zudem der Schwingklub Sumiswald mit Matthias Aeschbacher (Sieger des Oberländischen Schwingfestes) und Damian Gehrig. Eingeladen haben wir eine weitere Sektion, nämlich Glarus-Mittelland.“

Es ist dann, wie wir nun wissen, anders gekommen. Bedingt wegen der Verschiebung fehlten einige der ob genannten Schwinger und Reto Nötzli hat sich leider schwer am Knie verletzt. Schlussendlich waren mit Philipp Laimbacher sowie Martin Grab trotzdem zwei Eidgenossen und mit Mike Müllestein, dem Sieger des Schwyzer Kantonalen, doch einige prominente Schwinger am Start. Die Muotathaler Neukranzer und einige interessante Nachwuchsschwinger rundeten das Ganze ab, und es wurde am Muttertagsonntag bei strahlendem Wetter geschwungen.
Gewonnen hat das Fest der Mythenverbändler Philipp Laimbacher. Dieser durfte den Lebendpreis, den zweijährigen Schafbock Tino, mit nach Hause nehmen. Als ich René auf einen Gabentempel ansprach, erklärte er: „Der Lebendpreis wurde vom letztjährigen OK des Kantonalfestes gespendet.
Wir halten es nämlich so, dass wir nicht jedes Jahr um Preise betteln möchten. Da wir in den letzten 12 Jahren doch einige grössere Schwingfeste durchgeführt haben, sagten wir uns, dass wir dieses Jahr lieber selber etwas bezahlen.“

Da ich am 10. Mai in einem separaten Blogbeitrag bereits über den Rangschwinget berichtete, werde ich in der Folge nicht mehr näher darauf eingehen.

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Muotathaler Rangschwinget: Die Muotathaler Nachwuchshoffnung Dario Gwerder gegen den späteren Sieger Philipp Laimbacher
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zu den Rangschwinget erfuhr ich vom Schwingklub-Präsident noch weitere interessante Details. Auf die Frage „Können Schwinger innerhalb unseres Teilverbandes einfach so kommen?“ meinte René: „Ja. Ganz generell gilt für Schwingfeste: Für die Einladung einer Gastsektion ausserhalb des ISV-Teilverbandes muss man beim Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) ein Gesuch stellen. Die Bewilligung basiert auf langjährige Beziehungen zwischen dem gastgebenden und dem eingeladenen Klub.
Der Schwingklub Glarus-Mittelland führt beispielsweise den Klöntaler Schwinget durch, wo unser Schwingklub jeweils auch Gast ist. Bei den Sumiswaldern waren wir bisher bei ihren Schwinget (Hallen- oder Abendschwingfest) zu Gast. Nächstes Jahr führen sie das emmentalische Gauverbandsfest durch, wo wir eventuell Gastrecht geniessen dürfen. Eine Sektion kann dann jeweils mit sechs Schwingern antreten.
Bei einem Schwinget darf man maximal zwei Sektionen mit gesamthaft 12 Gastschwingern einladen, die Verteilung muss nicht fifty-fifty sein.“

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Nachwuchsschwinget vom 31. Mai im Muotatal
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Am letzten Sonntag fand, wie oben erwähnt, bereits das zweite Schwingfest dieses Jahres statt: Der Nachwuchsschwinget. Ich war selber vor Ort und machte von diesem Anlass Fotos und sammelte für mich ein paar Eindrücke. Der Schwinget fand ebenfalls bei bestem Wetter statt. Man könnte fast meinen, Petrus sei ein Schwingerfreund und zudem noch ein Muotathaler (Wetterfrosch)…

René Schelbert, der zudem technischer Leiter Jungschwingen des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes ist, erzählte mir folgendes zum Nachwuchsschwinget: „Beim Nachwuchsschwingertag schwangen die Jahrgänge 1998 bis 2007. Vom Stellenwert her war dieser Anlass vergleichbar mit einem Rangschwinget der Aktiven. Es gab etwa für 35 bis 40 Prozent der Jungschwinger Zweige, vergleichbar mit den Auszeichnungen bei den Aktiven. Diese Zweige sind bei den Jungschwingern sehr begehrt und zugleich Motivation. Sie sagen auch etwas über die Stärke dieser jungen Sportler aus.
Im Kanton Schwyz ist nicht nur der Kantonale Jungschwingertag ‚zweigberechtigt‘. Es sind dies alle Nachwuchsschwingertage. Beim Kantonalen Nachwuchsschwingertag gibt es für die Besten zudem einen Doppelzweig, beim Innerschwyzerischen und Eidgenössischen gibt es für alle zweigberechtigten Plätze Doppelzweige.“

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Der „Gabentempel“ des Nachwuchsschwingertages
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

„Die ersten drei pro Kategorie (fünf Kategorien, zwei Jahrgänge pro Kategorie) bekamen bei uns nebst den Zweigen eine kleine Trychel als Gabe.
Wir haben zudem die Schwingklubs Sumiswald und Hasliberg als Gäste eingeladen. Ausserhalb des Kantons Schwyz basieren die Einladungen auf Gegenrecht. Wer einlädt, wir auch eingeladen. So einfach ist das. Für eine Einladung von einem Schwingklub ausserhalb des eigenen Teilverbandes braucht es wie bei den Aktiven auch eine Genehmigung des ESV. Mit dem Unterschied, dass ebenfalls nur zwei Schwingklubs, aber maximal 30 Jungschwinger, eingeladen werden dürfen.
Es gibt wie erwähnt, auch bei den Aktiven einen schwyzerkantonalen Jungschwingertag. Dieser Anlass wird am nächsten Sonntag in Vorderthal abgehalten.
Übrigens: Für die Teilnahme am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag muss sich ein junger Schwinger auch qualifizieren.“

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Zwei Jungschwinger an der Arbeit
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Am Muotathaler Nachwuchsschwinget waren 172 Jungschwinger am Start. Die hoffnungsvollen Jungsportler wurden von etwa 400 Zuschauern bejubelt, aber auch kritisch beäugt. Als OK-Präsident amtete René, welcher zudem in der Einteilung Einsitz nahm. Für den reibungslosen Ablauf des Festes sorgten gesamthaft 30 Helfer, darunter zehn Vorstandsmitglieder vom Schwingklub Muotathal.
Der Sieger der Kategorie A hiess Christian Bucher (Jahrgang 1998) aus Finstersee ZG. Michael Gwerder (Jahrgang 2000) aus Brunnen gewann in der Kategorie B. In der Kategorie C gab es mit Michael Reinhard und Kilian Bachmann gleich zwei Sieger. Beide Jungschwinger haben Jahrgang 2002 und sind vom Bernisch-Kantonalen Schwingerverband.
Benjamin Züger (Jahrgang 2004) aus Wangen SZ schwang bei der Kategorie D oben aus. Bei den Jüngsten, der Kategorie E, standen mit dem Ibächler Ronny Ulrich und dem Schwyzer Severin Laimbacher (beide Jahrgang 2006) ebenfalls zwei Jungschwinger zu Oberst.

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Wie die „Grossen“ vor einem Gang am Trog
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zu einem Schwingfest gehören nebst Schwingern und Zuschauern natürlich auch die Kampfrichter. Wie mir unser sehr fachkundiger Schwingklubpräsident berichtete, soll der Schwingklub Muotathal an den Rangschwinget im Kanton Schwyz jeweils einen Kampfrichter stellen. Bei den Rangschwinget ist es ebenfalls ein Geben und Nehmen: Wird einer an ein Fest geschickt, kommt von diesem Fest auch einer an den Muotathaler Rangschwinget.
Beim Schwyzer Kantonalen müssen sie zwei, beim Zuger Kantonalen und beim Innerschwyzerischen Schwing- und Älplerfest zudem je einen Unparteiischen schicken.

Apropos Schwingerische Anlässe im Thal: Das Schwyzer Kantonale vom letzten Jahr war für den Schwingklub Muotathal ein voller Erfolg. Vom Wetter, über den Festverlauf bis zum Finanziellen lief alles sehr gut ab.
„Das Jubiläumsschwingfest von 2012, mit dem würdigen Sieger Kilian Wenger, war für uns trotz anfänglich misslichem Wetter eine tolle Sache. Die Jubiläumsschrift und das Jubiläumsfest konnten wir aus dem Ertrag des Schwingfestes finanzieren.
Auch und dank den unentgeltlich arbeitenden Funktionären und den vielen Helfern konnten wir diese Anlässe reibungslos durchführen“
, meinte René abschliessend zu diesem Thema.

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