Hööch Muurä-Problematik zum Zweiten, diesmal ernsthaft und sachlich

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Der Vorsteher des Amtes für Wasserbau (Kanton Schwyz), Alois Rey, schickte mir letzte Woche eine längere Email auf meine Fragen zur „Hööch Muurä-Problematik“. Zur Erinnerung: Am Samstag, 20. Juni verfasste ich zu diesem Thema einen satirischen Beitrag. Heute wollen wir uns diesem komplexen Thema ernsthaft und sachlich widmen.

Zugegeben, ich verstehe von der ganzen Sache nicht wirklich viel. Deshalb freut es mich umso mehr, dass ein ausgewiesener Fachmann Stellung zu meinen Fragen bezog. Aus diesem Grund gebe ich in der Folge den ganzen Inhalt der Email von Herr Rey wieder.
Als Einleitung und zum besseren Verständnis hier nochmals meine Fragen:

Wie würde im Falle eines Falles ein Umbau der Hööch Muurä aussehen?

Müsste bei einem Umbau der „Hööch Muurä“ nicht auch die Muota, deren Damm, und die Brücken umgestaltet/verstärkt werden?

Diese Mauer ist seit 1910 ein sicherer Rückhalt, und verhinderte seit damals Schlimmeres. Geht man mit einem Umbau nicht ein (zu) grosses Risiko ein?

Die Finanzen des Kantons sind ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Anstatt zu sparen sind aber scheinbar „Renaturierungen“ und Umgestaltungen unserer Gewässer momentan hoch im Kurs. Verschleudert man da nicht (wieder) viel Geld mit sogenannt „biologischen Kriterien“ oder zu gut deutsch gesagt: „grünen Anliegen“?

Wann könnte das neue Wasserrechtsgesetz in Kraft treten?

Setzt der Kanton bei Inkrafttreten des neuen Wasserrechtsgesetzes sein Recht durch, oder wird man trotzdem auf die Sorgen und Anliegen der Bezirke, Gemeinden und Wuhrkorporationen eingehen?

Muss sich die Gemeinde Muotathal darauf vorbereiten, dass die altehrwürdige „Hööch Muurä“ nun dereinst umgebaut werden muss?

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Alois Rey: „Ganz so einfach ist die Geschichte nicht und auch der Artikel im Bote ist unpräzise. Ich habe anlässlich des Vortrags im Rahmen der Wuhrversammlung der Wuhrkorporation Muota und Starzlen die Gründe erklärt, weshalb eine Totalrevision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes erforderlich ist. Einer der vielen Gründe ist das im Jahre 2011 revidierte Gewässerschutzgesetz des Bundes und die dazugehörende Gewässerschutzverordnung. Anhand des Geschiebesammlers Höch Muurä habe ich versucht, eine der vielen Schwierigkeiten der heutigen Zuständigkeiten im Wasserbauwesen aufzuzeigen.

Mit dem revidierten Gewässerschutzgesetz werden die Kantone verpflichtet, die negativen Auswirkungen der von den Geschiebehaushalten eines Fliessgewässers negativ beeinträchtigenden Bauten und Anlagen zu sanieren. Ein intakter Geschiebehaushalt ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil der Gewässerökologie und des Wasserhaushalts, sondern ebenso des Hochwasserschutzes. Jedes Gewässer ist in der Lage, bei einem Hochwasser eine gewisse Menge Geschiebe zu transportieren. Kommt mehr Geschiebe, so ist mit Auflandungen zu rechnen. Kommt weniger Geschiebe als die Transportfähigkeit des Fliessgewässers ist, so nimmt sich der Bach das Geschiebe aus der Sohle und den angrenzenden Ufern. Ufer- und Sohlenerosionen sind die Folge. Diese wiederum unterspülen bestehende Ufersicherungen und Böschungen.

Seit rund 50 Jahren werden alle 10 Jahre Querprofilaufnahmen der Muota aufgenommen. Dabei wurde eine stetige Tendenz zur Abtiefung der Sohle der Muota vom Muotatal bis nach Brunnen festgestellt. Auch anlässlich der Unwetterereignisse in den Jahren 1999 und 2005 wurden massive Sohlen- und Ufererosionen mit entsprechenden Folgen festgestellt. Auch haben wir Stellen an der Muota bemerkt, an welchen eine Abdeckung der Sohle mit Geröll gänzlich fehlte und die Muota direkt auf einer Lehmunterlage floss. Aus wasserbaulicher Sicht ist aufgrund der vorhandenen Ausgangslage klar, dass der Geschiebehaushalt der Muota nicht im Gleichgewicht ist, sondern dass langfristig gesehen ein beträchtliches Geschiebedefizit herrscht.“

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Alois Rey: „Wie Sie richtig schreiben, hält der Geschiebesammler bei der Höch Muurä in Hinterthal den grössten Teil des anfallenden Geschiebes aus dem Bisisthal zurück. Dies hat zur Folge, dass im darunter liegenden Lauf der Muota das Gleichgewicht gestört ist und langfristig viel zu wenig Geschiebe in der Muota verbleibt. Das Ziel der Sanierung besteht nun darin, das Abschlussbauwerk des Geschiebesammlers so umzubauen, dass bei kleineren Hochwasserereignissen das anfallende Geschiebe weiter transportiert wird. Erst bei extremen und seltenen Ereignissen mit viel Geschiebeanfall soll der zu Problemen führende Anteil des Geschiebes nach wie vor im Geschiebesammler zurückgehalten werden. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten um das oben beschriebene Ziel erreichen zu können. Diese sind im Rahmen der Projektentwicklung aufzuzeigen und gegeneinander abzuwägen. Eine technische Lösung wäre allenfalls, die Höch Muurä neu als Schlitzsperre umzugestalten.

Zu Ihren Ausführungen bezüglich zu viel und unnötiger Ökologie respektive grünen Anliegen halte ich fest, dass sich in sehr vielen Fällen ein ausgewogener Hochwasserschutz sehr wohl mit einer Aufwertung der ökologischen Situation verbinden lässt, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen. Insbesondere mit der Verbauung der Muota nach dem Unwetter 1910 wurde diese teilweise stark kanalisiert und eingeengt. Zusammen mit dem weit gehenden Geschieberückhalt bei der Höch Muurä sind die oben erwähnten Probleme entstanden. Diese sollen nun in einem ausgewogenen Masse und unter Beachtung der Nachhaltigkeitskriterien minimiert werden.

Wie bereits erwähnt, habe ich das Beispiel Höch Muurä im Zusammenhang mit meinem Vortrag zur Totalrevision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes nur erwähnt, um an einem konkreten Beispiel die Komplexität der wasserbaulichen Zusammenhänge aufzuzeigen.

Die von Ihnen gestellten Fragen gehen von einer völlig anderen Ausgangslage aus. Insbesondere ist die von Ihnen angesprochene Verpflichtung zur Renaturierung der Gewässer und der Sanierung des Geschiebehaushalts bereits im Bundesrecht verankert. Die Kantone sind verpflichtet, die Bundesgesetze umzusetzen. Mit der Revision des kantonalen Wasserrechtsgesetzes sollen lediglich die optimalen Strukturen und Zuständigkeiten für die Umsetzung des geltenden Bundesrechts geschaffen werden. Es ist nicht vorgesehen, im Rahmen der Revision des Wasserrechtsgesetzes zusätzliche, über die Bestimmungen der eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung hinaus gehende Verpflichtungen zur Renaturierung von Fliessgewässern zu verankern.

Wie die Höch Muurä in Zukunft aussehen wird, werden die detaillierten Abklärungen ergeben. Wir waren bereits in der Vergangenheit stets bemüht, zusammen mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu finden. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“

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Hööch Muurä
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mein Dank gebührt Alois Rey, welcher sich die Zeit nahm, meine Fragen ausführlich und tiefgründig zu beantworten.
Dass die ganze Geschichte nicht so einfach ist, wie Rey einleitend schreibt, ist mir nun auch klar. Dem Schreiberling des Bote war die ganze Sache scheinbar auch nicht so klar, nicht umsonst nennt der Vorsteher des Amtes für Wasserbau den Bericht „unpräzise“…

Ich hoffe, ich konnte mit meinen Fragen und den Erläuterungen von Alois Rey etwas zur Meinungsbildung bei der „Hööch Muurä“-Problematik beitragen.

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Joel Wicki: Ein Jahrhundert-Talent?

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Um das Jungtalent Joel Wicki haben sich in den letzten Wochen die Ereignisse richtiggehend überschlagen. Erst stand der 18-Jährige beim Stoos-Schwinget im Schlussgang, welchen er gegen den Routinier Philipp Laimbacher (noch) verlor.


Quelle: Jakob Niederberger/YouTube

Letzten Sonntag, eine Woche später, erreichte Wicki beim Schwing- und Älplerfest Schwarzsee in Plaffeien (FR) wieder den Schlussgang. Diesmal liess er seinem Gegner, dem Schwyzer Adrian Steinauer, keine Chance. Der Sörenberger feierte seinen ersten Kranzfestsieg. Schier unglaublich!


Quelle: Jakob Niederberger/YouTube

Nach dem Stoos-Schwinget stand in einem NZZ-Artikel, dass Joel Wicki keine Angst vor den Grossen kennt. Diese Tatsache unterstrich er auf eindrückliche Art und Weise an allen Schwingfesten, bei welchen er dieses Jahr antrat. Nicht umsonst hat er sich in dieser Saison bereits sechs Kränze erkämpft.
Die beiden Bergkränze sind zudem nicht die ersten in der Sammlung des Entlebuchers: Letztes Jahr holte er sich auf der Rigi und dem Brünig die begehrten Bergtrophäen Nummer eins und zwei ab. Kaum zu glauben, aber Wicki besitzt jetzt schon 12 (!) Kränze.
Im Jahr 2013 erschwang sich der damals 16-Jährige am Luzerner Kantonalfest den ersten Kranz, welcher ihm die Teilnahme beim ESAF in Burgdorf einbrachte.

Weiter war im besagten NZZ-Beitrag zu lesen: „Die starke Leistung wird seiner Mutter noch mehr Arbeit bescheren.“ Mutter Esthi Wicki ist es auch, die Koordinationsaufgaben wie Anfragen von Fans, Sponsoren, Medien und die Betreuung der Homepage übernimmt. Damit sich der Junior auf seine Lehre als Baumaschinenmechaniker und das Schwingen konzentrieren kann.
Esthi Wicki sagte diese Woche bei einem Tele 1-Interview, dass sie auch einen Massage-Kurs besuchte, um die Muskeln ihrer beiden schwingenden Söhne massieren zu können. Joel hat noch einen älteren Bruder, Kevin, welcher kürzlich beim Luzerner Kantonalen auch auf sich aufmerksam machte.

Im NZZ-Beitrag von Anja Knabenhans war auch zu lesen, dass Joel Wicki achtsam mit seinem Körper umgeht. Er setzt auf einen sorgfältigen Aufbau und genügend Regeneration. Bezüglich Krafttraining sei noch Steigerungspotenzial vorhanden, denn Wicki trainierte bisher noch nicht mit den schwersten Gewichten, um den Rücken nicht überzubelasten. Der Baumaschinenmechaniker-Lehrling träumt sogar vom Königstitel.
Das darf er auch, denn Wicki ist ein Riesentalent, vielleicht sogar ein Jahrhundert-Talent. Für den Innerschweizerischen Schwingerverband jedenfalls eine willkommene Bereicherung.

Die starken Leistungen diesen Frühling und der bärenstarke Auftritt auf dem Stoos veranlassten mich schon letzte Woche einige Fragen Richtung Sörenberg zu entsenden. Genauer gesagt am Donnerstag, 18. Juni. Dann kam die grosse Sensation: Der Sieg beim Schwarzsee-Schwinget. Völlig verständlich, dass Wickis Antworten erst sechs Tage später, also am Mittwoch, 24. Juni bei mir ankamen. Aus diesem Grund sind nicht alle meiner gestellten Fragen ganz auf dem aktuellen Stand…

joel wicki (bildquelle nzz)
Bildquelle: nzz.ch

Fünf Kränze haben sich diese Saison erst zwei Schwinger erkämpft. Dies sind ausgerechnet die beiden Jungtalente, also du und der Berner Remo Käser. Du liegst in der Schlussgang-Wertung gar auf Platz vier (Stand Montag, 15. Juni), eingebettet zwischen den Eidgenossen Benji von Ah und Matthias Glarner. Das ist schlicht sensationell, wenn man bedenkt, dass du erst 18 Jahre alt bist. Woher kommt diese Stärke?
„Ich habe mittlerweile sechs Kränze und bin auf Rang zwei der Schlussgang-Wertung. Ich bin schon seit meiner Jugend ein kräftiger Bursche und habe sicher auch etwas von meinen Eltern mitbekommen.“

Bist du gewissermassen ein Jahrhundert-Talent? Haben deine Vorfahren schon geschwungen? Sind Entlebucher einfach von Natur aus bärenstark?
„Ein Jahrhundert-Talent, das kann ich nicht selber beurteilen. Ich habe es aber auch schon gehört. Mein Vater hat früher an Kilbischwinget teilgenommen. Ja, vielleicht sind Entlebucher tatsächlich von Natur aus stark.“

Ich habe kürzlich gelesen, dass du einen sorgfältigen Aufbau betreibst, gerade auch hinsichtlich Kraft. Wie hast du dich auf diese Saison vorbereitet?
„Ich trainiere sehr vielseitig. Mein Training beinhaltet Kraft- und Ausdauereinheiten.“

Hattest du einen Trainingsplan, mit Vorgaben und Gewichtsgrenzen beim Krafttraining?
„Ja, das hatte ich. Zudem verfüge ich über sehr gute Trainer und Trainingspartner, welche genau auf mich geschaut haben.“

Du sollst gar vom Schwingerkönig-Titel träumen. Ist das im nächsten Jahr schon ein Thema? Gedenkst du dich hinsichtlich Estavayer speziell vorzubereiten? Allenfalls mit einem separaten Trainer?
„Ich habe nächstes Jahr die Lehrabschlussprüfung. Zuerst kommt der Beruf, dann der Sport. Zudem nehme ich es wie’s grad kommt.
Nein, ich habe keinen separaten Trainer. Ich bin mit meinen Trainern und Trainingspartnern sehr glücklich und zufrieden.“

Ist mentales Training bei dir auch ein Thema?
„Natürlich, das mentale Training darf nicht fehlen.“

Vor kurzem schrieb Manuel Röösli im Kommentar einer Schlussgang-Ausgabe über dich: „Zudem muss sich der Luzerner (…) auch seine Schwingweise ändern. Ein derart extrem ins hohle Kreuz gezogener Kurzschwung kann auf Zeit hinaus kaum förderlich für den Rücken sein.“
Was meinst du dazu, hat Röösli recht? Denkst du, dass du deine Schwingweise ändern oder anpassen musst? Was meinen deine Trainer dazu?
„Seit eh und je mache ich den Kurz so, da brauche ich nichts zu ändern. Ich mache zudem spezielles Krafttraining dafür…“

Auf dem Stoos lehrtest du die arrivierten Schwinger das Fürchten. Nach den viel umjubelten Siegen gegen Stefan Burkhalter und Martin Grab stoppte dich erst Philipp Laimbacher im Schlussgang. Wie geht dein Weg weiter? Liegt dieses Jahr schon der erste Kranzfestsieg drin?
„Ja, wie du sicher weisst, habe ich am Schwarzsee meinen ersten Kranzfestsieg gefeiert.“

Bei welchen Kranzfesten trittst du dieses Jahr noch an?
„Am 5. Juli beim Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest in Seedorf (UR) und Ende Juli beim Brünigschwinget.“

Welche Schwinger sind oder waren deine Vorbilder?
„Benno Studer selig und Ueli Banz.“

Deine Mutter kümmert sich um die Koordinationsaufgaben, damit du dich aufs Schwingen und die Lehre konzentrieren kannst. Wie sieht eine Woche bei dir aus?
„Alle organisatorischen Aufgaben laufen über meine Mutter. Wir besprechen sie miteinander und entscheiden, was zu tun ist. In meiner Woche enthalten sind das eigentliche Schwingtraining, das Krafttraining und das mentale Training. Es läuft immer etwas, und ich muss mir die Zeit einteilen. Natürlich kommt noch die Berufsschule dazu, für welche ich auch lernen muss.“

Wicki beim Schwingen
Bildquelle: joelwicki.ch

Der 18-Jährige reift jetzt schon zu einem Spitzenschwinger. Joel Wickis explosive und offensive Schwingweise begeistert das Publikum. Mit seinen Massen (183 cm, 104 kg) bringt er gute körperliche Voraussetzungen mit sich. Wer weiss, vielleicht wandelt das Jungtalent auf den Spuren eines Jörg Abderhalden und wird eines Tages ein ganz Grosser im Schwingsport.

feldwaldwiesenblogger

Klischees im Schwingsport

Eidgenössisches Schwingfest Burgdorf 2013; Schwingen: Stolzer König Matthias Sempach. © Andreas Blatter
Bildquelle: bernerzeitung.ch

Wie ist das nun mit den Klischees im Schwingsport? Im Publikum sollen nur bierbäuchige ältere Herren mit Stumpen sitzen? Neben den Schwingplätzen wird nur gejodelt? Das Schwingen ist immer noch ein Sport für die Bauern? Die Schwinger selber sind meist nur Bauern? Die Zuschauer sind samt und sonders alles brave SVP-Wähler? An Schwingfesten werden meist nur Bratwürste und Bier verköstigt?
Mitnichten!

Jeder Sport hat so seine Klischees, auch der Schwingsport. Aber was bedeutet eigentlich das Wort „Klischee“, und was soll es meinen? Ein Blick in Wikipedia lohnt sich: „Ein Klischee, von französisch cliché, zu deutsch Abklatsch, ist eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, Kunstwerk oder Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint. Das Klischee existiert als etwas geistig beziehungsweise sprachlich Schablonenhaftes. (…) Das Wort „Klischee“ wird häufig synonym zu „Vorurteil“ und „Stereotyp“ verwendet. Vorurteile drücken eine generelle Haltung aus, Stereotype eine kognitive Zuordnung. (…)“

Wir begegnen dem Wort „Vorurteil“ und der Bezeichnung „kognitive Zuordnung“, also der Wahrnehmung oder der Erinnerung. Beides hängt miteinander zusammen. Auf einem Schwingplatz hat man mal ältere Herren mit Bauchansatz und Stumpen wahrgenommen, und schon wird daraus ein Vorurteil, welches haften bleibt.

Als etwas Schlechtes oder Schlimmes würde ich das nicht bezeichnen. Im Gegenteil: Für viele Leute ist das Drum und Dran an einem Schwinget der Inbegriff von Gemütlichkeit und einem Stück heile Welt. Was soll daran so verkehrt sein?

Zudem kann man furchtlos an jedes Schwingfest reisen, nirgends ein Problem mit Hooligans oder brennenden Fackeln. Keine Leibesvisitationen, das Wegnehmen von Taschenmessern oder einer Flasche. Friedlichkeit und Freundlichkeit hüben und drüben. Da kann sich so manches Fussball- oder Eishockey-Spiel eine Scheibe davon abschneiden.

Dass sich nicht nur (noch) ältere Herrschaften bei den Schwingplätzen tummeln, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Dank den Medien und den riesig aufgezogenen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten (seit 2004) ist ein regelrechter Boom ausgebrochen. Man trifft auf zig junge Menschen, die den Sägemehl-Athleten bei ihrer Arbeit zuschauen und sie dabei anfeuern.

Jung trifft auf alt, Klischee vermischt sich mit der Moderne. Trotzdem: Auf den Schwingplätzen wird kulturell immer noch der urchigen Volksmusik mit Alphörnern und Jodelgesang gefrönt. Bei der Abendunterhaltung in den Festzelten trifft man aber auch auf Rock- oder Countrymusik. Da ist eine Veränderung eingetreten. Die jüngere Fangemeinde verlangt nach anderen kulturellen Unterhaltungen.

Auch bei den Schwingern hat sich neben den Schwingplätzen die Moderne breit gemacht. Viele von ihnen sind nicht mehr Bauern, einige gar Studenten oder Hochschulabsolventen. Die Vermarktung und das topmoderne Training hat aus den Schwingern Athleten gemacht, welche auch in anderen Sportarten eine gute Figur machen würden.

Das Klischee trifft vor allem auf die Schwingplätze zu, wo weiterhin noch keine Werbung hängen darf. Da trifft man auf die eingangs erwähnten Begebenheiten. Da wird gejodelt, der stumpenrauchende Mann prostet seinem jungen Sitznachbar mit einem kühlen Bier zu. Die Schwinger laufen in ihrem „old Style“-Tenue mit Hose und Hemd respektive der obligaten weissen Turnerbekleidung in die Arena und verrichten ihre Schwingarbeit.

Abseits des Platzes tragen die Schwinger topmoderne Trainingsbekleidung und hören ab ihren iPods samt Stöpsel in den Ohren Songs von der aktuellen Hitparade. Der Schwingfan bekommt im Festzelt mancherorts auch ein vegetarisches Menu oder einen fein duftenden Espresso. Die Moderne hat den Schwingsport erreicht, einfach auf seine Art. Sanft und abseits des Schwingplatzes. Niemandem tut es weh und alle können damit leben.

Was die bevorzugte politische Partei der Schwingerfreunde betrifft, halte ich mich lieber raus. Ob SVP oder grüne Partei: Beim Schwingen sind wir alles eine Familie, geniessen den Sport sowie das Drumherum und lassen Politik Politik bleiben.
Dabei darf es auch ein bisschen „Klischee“ sein. Denn wo Tradition dahinter steckt, trifft man auch auf altehrwürdige Bräuche. Diese müssen nicht immer über den Haufen geworfen werden. In der manchmal orientierungslosen Zeit war ein Fels in der Brandung noch nie das Verkehrteste. Ein Stück Schweiz eben.

feldwaldwiesenblogger

Thema in der Sprechstunde bei Doktor Armin Ablondi: Die „Hööch Muurä“

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Bildquelle: Bote der Urschweiz

Im Bote der Urschweiz vom Dienstag, 26. Mai, war zu lesen, dass die „Hööch Muurä“ zu hinderst im Muotatal ein Risiko darstelle und gar umgebaut werden müsse. Dabei bildet diese Mauer, welche 1910 erbaut wurde, den besten Schutz gegen Geschiebe und Geröll. Im Bote-Beitrag hingegen wurde behauptet, dass sie im Falle von Hochwasser mehr Geschiebe durchlassen müsse. Da verstehe einer noch die Welt!

Ich postete auf Facebook einen entsprechenden Beitrag, welcher einheitlich kommentiert wurde. Nämlich mit Unverständnis und Kopf schütteln gegenüber einem Umbau dieser seit mehr als 100 Jahre alten Mauer.

hööch muurä_facebook
Bildquelle: Facebook

Um den Sachverhalt besser verstehen zu können, wendete ich mich mit einer Email direkt an das Amt für Wasserbau:
„Die Hööch Muurä zu hinderst im Muotatal ist seit mehr als hundert Jahren zum Schutz gegen Geschiebe bei Hochwasser gedacht. Nun hat ihr Chef kürzlich in einem Referat bei der Generalversammlung der Wuhrkorporation Muota-Starzlen erklärt, dass im Kanton Schwyz ein neues Wasserrechtsgesetz in Vorbereitung stehe, welches auch Verbauungen wie die Hööch Muurä neu beurteile. So solle im Falle von Hochwasser mehr Geschiebe durchgelassen werden können. Das kann in meinen (Laien)augen aber bei Hochwasser vermutlich brandgefährlich werden. Wertvolles Kulturland könnte dabei mit Geschiebe überschwemmt werden, die Muota müsste nach Hochwasser regelmässig ausgebaggert werden. Zudem könnten sich bei den Brücken gefährliche Geschiebemengen ansammeln.“

Dazu legte ich eine Kratte voll Fragen. Da ich leider nie eine Antwort von diesem scheinbar sehr viel beschäftigten Amt erhielt, wendete ich mich ganz vertrauensvoll an einen vielgepriesenen Fachmann.

doktor armin ablondi beim golfen
Doktor Armin Ablondi bei seinem liebsten Hobby
Bildquelle: Facebook

Ich hatte Glück, und erwischte den vielbeschäftigten Doktor Armin Ablondi beim Golfen, seinem neuerdings liebsten Hobby. Er hörte sich meine oben beschriebenen Bedenken ganz bedächtig an. Obwohl er ein „Menschenspezialist“ ist, beschied er mir, dass er durchaus auch etwas von Brücken, Geologie und ganz allgemein von Wasser verstehe. Diesbezüglich verriet mit der umtriebige Mann, dass Wasser viel kostbarer als Wein sei, und dass man sehr gut zu diesem flüssigen Gold schauen soll.
Doktor Ablondi lud mich einen Tag später zur Sprechstunde in seine Praxis ein. Bei einem kühlen Bier begann ich meine Fragen zu stellen.

Herr Doktor Ablondi, was meinen Sie zu meinen eben erwähnten Bedenken?
„Nun gut, feldwaldwiesenblogger, du hast natürlich schon recht. Wenn der Kanton und seine Gstudierten meinen, sie müssen nun die altehrwürdige Hööch Muurä schleifen, dann sollen sie das machen. Ich werde aber persönlich dafür schauen, dass im Falle eines Unwetters die gleichen Gstudierten sich nach einem Umbau der Mauer sich dort aufhalten werden. Mehr noch: Sie werden mit Schaufel, Pickel und Garette ausgerüstet, damit sie notfalls gleich die Sauerei nach einer Überschwemmung entfernen können.“

Wie würde im Falle eines Falles ein Umbau der Hööch Muurä aussehen?
„Wie gesagt, ich vermute, die möchten sie schleifen und durch ein blödes kleines Mäuerchen ersetzen. Dieses wird natürlich schon bei einem relativ harmlosen Gewitter „värhudlä“ und Geschiebe durch die Muota Richtung Muotathal und Ried transportieren. Was dabei passieren würde, kann sich jedes Kind vorstellen. Der Lauf der Muota würde mit Geröll gefüllt, welches sich teilweise auch an den Brücken ansammeln wird. Dabei könnten die Brücken beschädigt werden.“

Müsste bei einem Umbau der „Hööch Muurä“ nicht auch die Muota, deren Damm, und die Brücken umgestaltet/verstärkt werden?
„Natürlich, das müssten sie. Die Gstudierten und die Grünen verfolgen, wie mir zu Ohren gekommen ist, einen Plan. Sie möchten nicht nur die Hööch Muurä umbauen, sondern gleich die ganze Muota renaturieren und sich selber überlassen. Weisst du, was dann passiert? Das Muotatal würde mehr und mehr unbewohnbar werden, und wieder der wilden Natur zurückgegeben. Das werden wir Muotathaler aber zu verhindern wissen, gell!“

Diese Mauer ist seit 1910 ein sicherer Rückhalt, und verhinderte seit damals Schlimmeres. Geht man mit einem Umbau nicht ein (zu) grosses Risiko ein?
„Ein beträchtliches Risiko wird bewusst einkalkuliert. Passieren könnte das, was ich in der vorherigen Frage erläutert habe. Wenn die Bürger von Muotathal sich aber zusammen tun, wird nichts dergleichen geschehen. Wenn alle mitmachen, wird die Hööch Muurä so wie sie ist bestehen bleiben. Notfalls blockieren wir die Strasse ins Muotatal.“

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Bildquelle: Bote der Urschweiz

Die Finanzen des Kantons sind ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Anstatt zu sparen sind aber scheinbar „Renaturierungen“ und Umgestaltungen unserer Gewässer momentan hoch im Kurs. Verschleudert man da nicht (wieder) viel Geld mit sogenannt „biologischen Kriterien“ oder zu gut deutsch gesagt: „grünen Anliegen“?
„Trotz Finanzkrise: Die grünen Anliegen haben bei einigen Ämtern in Schwyz Hochkonjunktur. Der Bote der Urschweiz nimmt diese Anliegen jeweils liebend gerne auf, und schon ist ein mit der Rosa-Brille abgefasster Bericht in der Zeitung. Wie ich nun an deinen Fragen feststellen kann, hat dich der Bote-Beitrag in Angst und Schrecken versetzt. Papier war schon seit jeher geduldig. Darum: Passieren wird nichts, alles nur heisse Luft. Sollte aber trotzdem etwas in diese Richtung unternommen werden, wissen wir das zu verhindern.
Zudem haben wir mit Othmar Reichmuth einen bodenständigen Vertreter im Regierungsrat. Der wird schon dafür schauen, dass wir im ‚Thal innä‘ nicht überfahren werden.“

Wann könnte das neue Wasserrechtsgesetz in Kraft treten?
„Da bin ich überfragt. So wie ich aber die ‚Kantönler‘ einschätze, könnte das noch eine Ewigkeit dauern. Denn es ist ja allgemein bekannt, dass es diesen Herrschaften nicht unbedingt ‚i Rüggä schiesst‘.“

Setzt der Kanton bei Inkrafttreten des neuen Wasserrechtsgesetzes sein Recht durch, oder wird man trotzdem auf die Sorgen und Anliegen der Bezirke, Gemeinden und Wuhrkorporationen eingehen?
„Am Anfang probieren die Kantonsherren schon ein wenig mit den Ketten zu rasseln. Das wird sich aber legen, sobald sie es mal mit mir zu tun bekommen.“

Muss sich die Gemeinde Muotathal darauf vorbereiten, dass die altehrwürdige „Hööch Muurä“ nun dereinst umgebaut werden muss?
„Hab Vertrauen, feldwaldwiesenblogger, da wird nichts geschehen. Ich habe alles unter Kontrolle. Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, haben sie nach der Strassenverbreiterung und Sicherung um den ‚Horä Rank‘ sowieso kein Geld mehr. Zudem verhielten sich die Kantonsherren gegenüber dem Muotatal schon immer äusserst knausrig. Diesmal könnte diese böse Eigenart aber zu einem Vorteil gereichen. Ich sage dir eines: Die altehrwürdige Hööch Murä wird nochmals 100 Jahre überleben.“

Doktor Armin Ablondis Worte in Gottes Ohr. Ein wenig beruhigter bin ich nun nach der Sprechstunde. Zudem stelle ich bei jeder Begegnung mit diesem Herrn fest: Eine kompetentere Persönlichkeit ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Doktor Ablondi hat für alles und jeden das richtige Mitteli, das geeignete Rezept oder die passenden Worte. Selbst wenn es eine Mauer oder einen Fluss betrifft.

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Nachgefragt bei Matthias Glarner, dem momentan stärksten Berner Schwinger

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Matthias Glarner ist zurzeit der wohl stärkste und konstanteste Berner Schwinger. Der Berner Oberländer Eidgenosse aus Meiringen hat in dieser Saison bisher zwei Kranzfeste (das Oberaargauische und das Seeländische Gaufest) gewonnen sowie sich insgesamt vier Kränze erkämpft. Obwohl der Sennenschwinger der Hierarchiefrage keine grosse Bedeutung beimisst (siehe nachfolgend bei Frageblock vier) ist Glarner nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Schwingerkönig Matthias Sempach derzeit die Nummer eins der Mutzen.

Grund genug, als Vorschau für das am nächsten Sonntag auf dem Programm stehende Schwarzsee-Bergschwinget sieben Frageblöcke Richtung Berneroberland zu Matthias Glarner zu schicken. Denn Glarner gehört nebst den anderen Bernern Kilian Wenger, Christian Stucki, Simon Anderegg, Florian Gnägi, Thomas Sempach und Thomas Zaugg zu den Topfavoriten.
Hartes Brot zu beissen bekommen die heuer eingeladenen Innerschweizer (unter anderem Andi Imhof, Christian Schuler, Andreas Ulrich, Benji von Ah, Joel Wicki und Mike Müllestein). Der Kranzgewinn wird für diese Herren wohl das primäre Ziel sein. Wer weiss, vielleicht wächst der eine oder andere über sich hinaus, und sorgt am Abend für einen Innerschweizer (Überraschungs-)Sieg…
Gemeldet ist auch der Südwestschweizer Eidgenosse Michael Nydegger. Ob er aber am Start sein wird, ist wegen einer neuerlichen Ellbogenverletzung ungewiss. Die Südwestschweizer Schwinger versuchen trotz der Berner Übermacht, sich den einen oder anderen Kranz zu ergattern. Die besten Chancen darauf haben Benjamin Gapany, Pascal Piemontesi, Stéphane Haenni, Michael Matthey, Augustin Brodard und William Hänni.
Übrigens: Da auf dem Kasernenareal Schwarzsee momentan Umbauarbeiten durchgeführt werden, findet der Schwinget dieses Jahr in Plaffeien bei der Pferdesportanlage statt.

Ich glaube, es ist nicht vermessen, wenn ich Matthias Glarner zu einem der heissesten Kandidaten für den Tagessieg beim Schwarzsee-Bergschwinget zähle. Vorhang auf also zu den interessanten und aufschlussreichen Antworten des 95-fachen Kranzschwingers. Es erfüllt mich zudem mit Stolz, dass ich letztes Jahr in meinem Schwingprojekt mit Matthias Glarner Kontakt haben durfte.

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Matthias Glarner mit Lebendpreis am Baselstädtischen Schwingertag 2013
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Frageblock 1:
Du hast dieses Jahr bereits sechs Schwingfeste gewonnen, darunter zwei Kranzfeste. Weiter hast du diese Saison auch schon vier Kränze gewonnen und kürzlich den Hattrick beim Seeländischen (drei Siege hintereinander) realisiert. Woher kommt diese unglaubliche Stärke? Hast du in deiner Saisonvorbereitung etwas Bestimmtes gemacht oder verändert?
„Die gesamte Vorbereitung verlief eigentlich in einem ähnlichen Rahmen wie in den Jahren zuvor. Ich war die ganze Zeit verletzungsfrei und profitierte extrem von den beiden WK’s in Magglingen. Zudem war der Start mit den Siegen an den Regionalanlässen sicher gut für das Selbstvertrauen.“

Frageblock 2:
Wie gross ist dein wöchentlicher Trainingsaufwand? Hast du diesen nach dem Abschluss deines Studiums nochmals vergrössert? Konntest du aus deinem Sportstudium auch Profit für dein Training schlagen, welcher sich nun in Erfolgen auszahlt?
„Im Winter war der Aufwand so um 15 bis 20 Stunden Training pro Woche. Jetzt während der Saison hat sich dieser zwischen 8 bis 12 Stunden wöchentlich eingependelt.
Mit dem Abschluss des Studiums habe ich ein Praktikum bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg angefangen, wobei der Trainingsaufwand im Vergleich zum Studium ein wenig abgenommen hat. Die zusätzliche Bewegung hole ich mir aber während der Arbeit. Das Körperbewusstsein sowie das Hintergrundwissen, welches ich mir während des Studiums angeeignet habe, ist sicherlich ein Vorteil beim Absolvieren der Einheiten.“

Frageblock 3:
Wenn ich mich recht entsinne hast du seit dem Brünigschwinget 2014 (Schlussgangniederlage gegen Kilian Wenger) keinen Gang mehr verloren. Woher kommt diese Konstanz? Schwingst du sprichwörtlich mit Köpfchen, respektive mit einer gesunden Mischung aus Angriff und Verteidigung?
„Soviel ich weiss, datiert meine letzte Niederlage vom Kilchbergschwinget gegen Daniel Bösch. Spannender wäre aber die Frage, ob mit ein wenig mehr Risiko und weniger gestellten Gängen noch mehr drin gelegen wäre. Ich habe aber sehr hart an mir gearbeitet und konstant und verletzungsfrei trainiert. Wahrscheinlich ist dies der Grund für meine Konstanz.“

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Beim Oberaargauischen Gaufest in Grasswil
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Frageblock 4:
Eigentlich wirst du in den meisten Vorschauen nach den beiden Schwingerkönigen Sempach und Wenger sowie Christian Stucki als Nummer vier der Berner aufgezählt. Diese Saison bist du aber die Nummer 1 deines Teilverbandes. Siehst du das auch so? Misst du dem viel Bedeutung zu, oder schaust du vor allem auf dich und deine Leistung?
„Dieser Hierarchiefrage messe ich eigentlich keine grosse Bedeutung bei. Die Dichte an Spitzenschwingern ist im Kanton Bern momentan sehr hoch, und dass ich da in den Medien hinter den Königen anstehen muss, ist nach Papierform selbstverständlich. Schlussendlich wird aber jeder Sonntag von neuem geschaut, wer die Nummer 1 an diesem Tag ist. Somit ist mir meine Leistung wichtiger als irgendwelche Statistiken.“

Frageblock 5:
Wenn dieses Jahr das Eidgenössische Schwingfest wäre, wärst du momentan einer der Topfavoriten. In einem Jahr auch? Was für Erfolge traust du dir mit der jetzigen Form zu? Kannst du dich gar noch steigern?
„Mit was-wäre-wenn-Fragen beschäftige ich mich eigentlich grundsätzlich nicht. Diese Saison ist für mich als ‚Weg nach Estavayer‘ wichtig. Dies ist eines meiner letzten grossen Ziele meiner Schwingerlaufbahn und ich traue mir noch einiges zu. Und wenn ich gesund bleibe, liegt sicher noch eine weitere Steigerung drin.“

Frageblock 6:
Noch fünf Kränze, und du gehörst auch dem Hunderter-Klub an. Ist das schon ein Thema? Könnte es schon diese Saison so weit sein?
„Wenn alles rund läuft und ich an jedem verbleibenden Fest den Kranz mache, würde es bis Ende Jahr reichen. Das ist aber wieder eine was-wäre-wann-Frage. Im Hinterkopf ist es sicher vorhanden, aber ich nehme Fest für Fest. Dann sehen wir weiter.“

Frageblock 7:
Welches werden deine nächsten Einsätze sein? Was für Saisonziele hast du noch?
„Mein nächster Einsatz wird am Schwarzseeschwinget sein. Weitere grosse Ziele in diesem Jahr sind sicher das Schwägalp- sowie das Brünigschwinget.“

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Titelverteidigung beim Seeländischen Schwingfest
Bildquelle: matthiasglarner.ch

Aha, da habe ich mich mit der letzten Niederlage von Matthias sogar ein wenig vertan. Ich habe aber auch nicht recherchiert, und mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen.
Ein wöchentlicher Trainingsaufwand im Winter von 15 bis 20 Stunden ist schon happig. Das wären durchschnittlich gut zweieinhalb Stunden Training täglich. Selbst der Aufwand während der Saison ist gross. Aber wie sagt man doch so schön: Von nichts kommt nichts.

Ich habe Matthias diese Saison leider erst einmal „live“ schwingen gesehen. Das war beim Ballenberg-Schwinget Mitte April, wo der dreifache Eidgenosse den Festsieg mit fünf gewonnenen Gängen in eindrücklicher Manier davontrug. Hinterher gratulierte ich ihm persönlich und spürte einen Händedruck, der Entschlossenheit markierte.
Wegen meinem letztjährigen Schwingprojekt beobachte ich „meine Schützlinge“ nach wie vor aus der Distanz. Bei Matthias stellte ich schon im Frühling eine unglaubliche Konstanz und Stärke fest. Wie er oben selbst erklärt, ist das ESAF Estavayer eines seiner letzten grossen Ziele seiner Schwingerlaufbahn. Dabei meinte er mit Bestimmtheit nicht nur den vierten Eidgenössischen Kranz. Man muss kein Prophet sein, wenn ich den bärenstarken Berner Oberländer jetzt schon zum engeren Favoritenkreis beim Eidgenössischen in einem Jahr zähle.

Vorerst bedanke ich mich bei Matthias Glarner mit einem kräftigen Schwingergruss für das Beantworten meiner Fragen und wünsche ihm für das kommenden Sonntag anstehende Bergschwinget Schwarzsee alles Gute und viel Erfolg.

feldwaldwiesenblogger

Was für Aufgaben hat der Präsident des Schwingklub Muotathal? (Teil 9)

Im neunten und letzten Teil meiner Reihe über das Schwinggeschehen im Muotatal gehe ich den Aufgaben unseres Schwingklubpräsidenten nach. Ein grosser Teil der Auskünfte der vorangehenden acht Teile erhielt ich nämlich von René Schelbert, dem umsichtigen Schwingfunktionär. Zeit also, nach dem Job des höchsten Muotataler Schwingers zu fragen.

René beim Gespräch
Schwingklubpräsident René Schelbert beim Gespräch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

René ist seit dem 26. Dezember 2010 Präsident des Schwingklub Muotathal. Auf seine Aufgaben angesprochen, meinte er: „Ich habe verschiedene Aufgaben. Meine Hauptaufgabe ist, den Verein zu führen. Im Frühling und Herbst habe ich am meisten Arbeit. Die erste Vorstandssitzung des Jahres findet jeweils im Februar statt. Weiter die beiden Schwingfeste (Rangschwinget und Nachwuchsschwinget) durchführen, wir bilden das Organisationskomitee (OK) gleich aus dem Vorstand. Ich bin zugleich der OK-Präsident, jeder hat seine Aufgabe und weiss was er zu tun hat. Das funktioniert gut. Das Hauptaugenmerk gilt im Frühling ganz klar den beiden Schwingfesten. Zudem besuche ich diverse Schwingfeste in der Region.
Im Sommer steht wieder eine Vorstandssitzung auf dem Programm, wo wir Rückblick und Ausblick halten. Nach Saisonende, im November, haben wir die dritte Vorstandssitzung. Dann halten wir Saisonrückblick und bereiten die Generalversammlung (GV) im Dezember vor. Mein Job besteht darin, die GV am 26. Dezember durchzuführen. Da habe ich auch viel Arbeit, bis ich alle Unterlagen und Daten zusammengetragen habe. Unter dem Jahr gibt es zudem noch diverse Aufgaben, wie zum Beispiel die würdige Umrahmung einer Beerdigung eines Ehrenmitgliedes in die Wege leiten. Meine Devise ist, immer ein wenig voraus zu sein und die Dinge rechtzeitig vorzubereiten.
Wenn mir jemand in jungen Jahren gesagt hat, du wirst mal Klubpräsident, habe ich ihm gesagt: Wohl kaum! Jetzt ist es anders gekommen, und ich bin in meine Funktion rein gewachsen. Es ist eine schöne Arbeit und wir haben zusammen ein gutes Einvernehmen im Vorstand. Ich habe es noch keinen Moment bereut, etwas für den Schwingsport zu tun. Denn es kommt auch immer wieder etwas zurück.
Übrigens: Im Vorstand des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes bin ich als offizieller Vertreter des Schwingklub Muotathal. Auch dort haben wir ein gutes Klima und die Sitzungen laufen reibungslos ab. Es hat auch noch nie heftige Diskussionen gegeben, was ich schätze. Ganz allgemein herrscht eine gute Kameradschaft und man lernt immer wieder neue Leute kennen. Eine schöne Zeit, die ich dabei erleben darf.“

rené schelbert bei der Jubiläumsfeier 2012
René Schelbert anno 2012 bei der Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen des Schwingklub Muotathals
Bildquelle: René Schelbert

Gibt es auch ein Pflichtenheft?
„Nein, soweit sind wir noch nicht. Ich habe es zwar nicht verlangt, aber jeder im Vorstand soll in nächster Zeit seine Aufgaben auf Papier bringen. Wenn jemand beispielsweise als Bauchef amtet, soll er aufschreiben, was es zu tun gibt. Es ist immer einfacher einem Nachfolger etwas zu übergeben, wenn etwas Schriftliches vorhanden ist.“

Führst du deine Aufgabe in etwa wie deine Vorgänger aus?
„Ja, ich denke schon. Wir hatten das grosse Glück, dass Richi Föhn damals als Präsident alles was er fürs Schwingen auf seinem PC schrieb, auf eine Daten-CD gebrannt hat. Schon sein Nachfolger und mein Vorgänger Roland Gwerder konnten davon profitieren. Richi erstellte dabei diverse Listen und Dateien, die auch heute noch hilfreich sind.“

Wieviele Stunden pro Woche investierst du in dein Amt?
„Übers Jahr gesehen ist es im Durchschnitt eine Stunde pro Woche für administrativen Aufwand, was den Schwingklub Muotathal betrifft. Dazu kommen die Vorbereitungen für die beiden Schwingfeste. Wenn ein Kantonales Schwingfest wie letztes Jahr durchgeführt wird, kommt natürlich ein zusätzlicher Mehraufwand hinzu. Im Frühling und Herbst läuft sehr viel, in den Wintermonaten sowie im Juni/Juli weniger.
Daneben investiere ich auch Zeit für mein Amt im Kantonalvorstand.“

Wieviele Schwingfeste besuchst du pro Jahr?
„20 bis 25 Schwingfeste. Das sind Feste der Aktiven und Jungschwinger.“

Wieviele Sitzungen besuchst du pro Jahr?
„Im Klub sind es vier Sitzungen, im Kantonalvorstand sind es acht Sitzungen.“

Beim Frühjahrsschwinget in Oberarth SZ warst du im Einteilungsgericht. Wie oft sitzt du dieses Jahr in der Einteilung?
„Es sind insgesamt sechs Mal. Nebst dem Muotathaler Rangschwinget bin ich noch bei zwei weiteren Rangschwinget, beim Schwyzer Kantonalen, beim Kantonalen Jungschwingertag und beim Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in der Einteilung.“

Nebst dem Schwingklub Muotathal bist du noch im Schwyzer Kantonalen Schwingerverband im Vorstand. Bist du noch in anderen Gremien? Zum Beispiel beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV)?
„Beim Schwyzer Kantonalen Schwingerverband bin ich technischer Leiter Jungschwingen und Chef der sechs Jungschwingerbetreuer im Kanton Schwyz. Dieses Jahr gibt es auch in diesem Bereich mehr Arbeit, da am 30. August der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag in Aarburg (Kanton Aargau) stattfindet.
Beim ISV bin ich in der technischen Kommission Jungschwingen.“

Besuchst du als Präsident auch Weiterbildungskurse? Wenn ja, welche?
„Im Winter besuchte ich für die Leiter 2-Ausbildung einen J+S-Kurs in Magglingen. Fürs Schwingen werden folgende Kurse angeboten: Grundkurs, Leiter 1, Leiter 2 und Experte.
Es gibt ein Vierstufen-Programm für die Jungschwinger, welche mit Prüfungen verbunden sind. Diese Prüfungen kann ich nun mit der Leiter 2-Ausbildung abnehmen.
Weitere Kurse besuche ich nicht, da kein diesbezügliches Angebot besteht. Bei Fragen in meinem Amt haben meine Vorgänger immer ein offenes Ohr. Zudem kenne ich inzwischen einige Leute, und kann mich bei Problemlösungen auch andernorts melden. Das läuft in der Schwingerfamilie völlig unkompliziert ab.“

Hast du eine Jahrzahl im Kopf, bis wann du als Schwingklub-Präsident noch amten möchtest?
René lacht. „Nein, eigentlich nicht. Ich nehme es fortlaufend. So etwas kann man nicht voraussehen.“

Könntest du dir später auch vorstellen, ein weiteres Amt beim Schwyzer Kantonalen Schwingerverband oder beim ISV zu übernehmen?
„Ja, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich wäre bereit, will aber niemandem im Wege stehen, wenn sonst jemand möchte.“

rené und seine vorgänger
René Schelbert und seine Amtsvorgänger. Oben von links nach rechts: Karl Heinzer, Alois Schelbert (2014 gestorben), Peter Schelbert und Paul Schelbert. Unten von links: René Schelbert, Roland Gwerder und Richi Föhn
Bildquelle: René Schelbert

Dies ist nun der Abschluss meiner neunteiligen Reihe über das Schwinggeschehen im Muotatal. Ein grosses Dankeschön gebührt dabei René, welcher mir am 18. April bei einem gut zweistündigen Gespräch viele Informationen und Wissenswertes rund um den Schwingklub Muotathal und über das Schwingen im Allgemeinen erzählte und erklärte. Weiter hat er mich mit vielen Unterlagen und Fotos beliefert. Herzlichen Dank!
Aus diesen neun Teilen habe ich inzwischen eine Zusammenfassung geschrieben, welche in der Juli-Ausgabe des Muotathaler Zirkes erscheinen wird.

feldwalwiesenblogger

Vorschau auf das Stoos-Schwingfest

schwingkolumne

So Petrus will, findet kommenden Sonntag das Stoos-Schwingfest statt. Nach dem Abschluss der Kantonalen Feste in der Innerschweiz startet nun der Reigen der Bergfeste. Traditionell erfolgt dies jeweils mit dem Bergklassiker um Mitte Juni auf dem Stoos.

Letztes Jahr waren die Berner und die Südwestschweizer zu Gast. Nicht von ungefähr trugen gleich zwei der stärksten Berner mit Kilian Wenger und Christian Stucki den begehrten Sieg davon.
Dieses Jahr sieht die Ausgangslage ein wenig anders aus: Die 50 Innerschweizer Schwinger werden von 30 Nordostschweizer und von zehn Nordwestschweizer Sägemehl-Athleten herausgefordert.
Die Nordostschweizer werden vom Team-Leader und mehrfachen Kranzfestsieger Daniel Bösch und dem unverwüstlichen Arnold Forrer angeführt. Weitere acht Eidgenossen (unter anderem Beat Clopath und Andy Büsser) reisen aus dem NOS-Gebiet an. Zudem das Jungtalent Armon Orlik, welcher beim Zürcher Kantonalen seinen ersten Kranzfestsieg feiern konnte.

Bei den Nordwestschweizer Gästen ragen die beiden Eidgenossen Christoph Bieri und Remo Stalder heraus. Bieri, welcher kürzlich das Aargauer Kantonale gewann, ist dieses Jahr nach dem Ausfall von Mario Thürig dort ganz klar die Nummer eins.

andreas ulrich
Andreas Ulrich
Bildquelle: andiulrich.ch

Die Innerschweizer Elite wird von den starken Schwyzern angeführt. Dazu gehören diesmal Andreas Ulrich, Philipp und Adi Laimbacher, Martin Grab, Bruno Nötzli sowie Mike Müllestein.
Die Luzerner Farben werden von vier Eidgenossen vertreten, allen voran die Brüder Hansjörg und Philipp Gloggner. Begleitet werden sie vom erst 18-jährigen und jetzt schon zu den besten Luzernern gehörenden Joel Wicki.
Die Ob- und Nidwaldner Delegation wird von den Eidgenossen Benji von Ah, Peter Imfeld und Marcel Mathis angeführt.
Die Zuger und die Urner schicken gute Mittelschwinger auf den Stoos.

Zum starken Teilnehmerfeld gehören 24 Eidgenossen, sowie viele Kranzfestsieger. Bei so einer Besetzung braucht es eine konstante und solide Leistung, um überhaupt den Kranz erkämpfen zu können. Zudem eine sehr starke Tagesform, um den Sieg zu erringen. Die Ausgangslage ist spannend, interessante Kämpfe sind vorprogrammiert.

Wie oben erwähnt, ist die Ausgangslage für die Innerschweizer heuer weniger delikat als noch vor einem Jahr. Die Nordostschweizer und die Innerschweizer Schwinger befinden sich fast auf Augenhöhe, wobei ich die ISV-Leute um einen Tick besser einstufe. Beide Teilverbände sind von der Stärke her hinter den Bernern anzugliedern. Dennoch muss man kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass höchst wahrscheinlich einer der Schwyzer Schwinger den Sieg davontragen könnte. Am ehesten traue ich den Andreas Ulrich zu. Der in dieser Saison bereits zweifache Kranzfestsieger (Basel Städtischer Schwingertag und Zuger Kantonales) stand auf dem Stoos noch nie zu Oberst. Dieser Titel würde ihm nicht nur gut anstehen, Ulrich ist momentan auch in einer tollen Form.
Die Gebrüder Laimbacher sind schwierig einzuschätzen. Adi ist auf seiner Abschiedstournee, auf der Rigi bestreitet er vermutlich sein letztes Schwingfest einer langen und erfolgreichen Karriere. Der starke Sennenschwinger kann unbeschwert auftreten und ist alleweil für eine Überraschung gut. Sein Bruder Philipp schwang im Frühling bisher gut, aber nicht herausragend. Die Stoos-Luft behagte ihm in der Vergangenheit meist sehr gut. Nicht von ungefähr gewann er das Bergfest schon viermal. Die Chancen für einen fünften Sieg sind nicht schlecht.
Martin Grab, Bruno Nötzli und Mike Müllestein traue ich den Kranz zu, aber nicht den Sieg. Grab ist zwar gut in die Saison gestartet, sein Faktor „Alter“ darf man aber nicht vergessen. Nötzli und Müllestein sind in einer guten Form, bis ganz nach vorne wird es aber beiden (noch) nicht reichen.
Der Obwaldner Benji von Ah zeigte zuletzt am Urner (Festsieg) und beim Luzerner Kantonalen (3. Rang) starke Leistungen. Auch ihn habe ich auf der Rechnung und zähle deshalb den bärtigen Turnerschwinger zum engeren Kreis der Favoriten.

daniel bösch
Daniel Bösch
Bildquelle: danielboesch.ch

Bei den Nordostschweizern haben auf dem Papier wohl Daniel Bösch und Nöldi Forrer die besten Chancen. Den Tagessieg traue ich aber beiden nicht zu. Bei Forrer ist es einerseits das Alter, andererseits sein Trainingsrückstand wegen einer Verletzung im Winter/Frühling. Bösch ist zwar in seiner Heimat mit zwei Kantonalfestsiegen wieder stark in die Saison eingestiegen. Die Einsätze letztes Jahr ausserhalb der Nordostschweiz überzeugten aber nicht, oder zumindest nur teilweise. Ein Sieg auf dem Stoos wäre für mich eine Riesenüberraschung. Ebenso, wenn einer vom Trio Beat Clopath, Andreas Büsser oder Armon Orlik ganz oben aus schwingen würde.
Da die Nordostschweizer bei ihren Kantonalfesten keine Gäste von ausserhalb ihres Teilverbandes einladen, wird das für sie ein erster echter Härtetest. Dieser hat Daniel Bösch beispielsweise letztes Jahr bei seinem ersten Auftritt der Saison auf fremdem Terrain, auf dem Weissenstein, nicht bestanden. Ob das hartnäckige Festhalten an der Devise „keine Gäste ausserhalb des eigenen Teilverbandes“ nicht eher zu einem Nachteil gereicht? Im Prinzip wahrscheinlich schon, da das Messen mit starken Gegnern fehlt. Andererseits geht das aber auch in Ordnung, denn ein zu grosser „Schwingertourismus“ wie in den anderen vier Teilverbänden ist in meinen Augen auch nicht erstrebenswert.

Die Nordwestschweizer haben nur eine dünne Spitze. Der einzige Schwinger mit einer reellen Siegchance ist Christoph Bieri. Dieser möchte aber wohl in erster Linie seinen noch fehlenden Stoos-Kranz gewinnen. Ich vermute, dass er deswegen nicht volles Risiko gehen wird. Aber ein Exploit des starken Aargauers ist natürlich nicht ausgeschlossen. An einem guten Tag ist Bieri alles zuzutrauen, auch der Festsieg.

stoos Schwinget 2014
Stoosschwinget von 2014
Bildquelle: stoosschwinget.ch

Man kann es drehen und wenden wie man will: Auch ein Bergkranzfest ist nicht verschont vor Überraschungen. Dieses Jahr gab es schon ein paar Neulinge in Sachen Kranzfestsiege. Wieso nicht auch auf dem Stoos?
Wer weiss, vielleicht kann ein Erich Fankhauser seinen Schwung vom Luzernern Kantonalen auf den Stoos mitnehmen, oder Mike Müllestein den seinigen als frisch gebackener Kranzfestsieger? Vielleicht sticht am Sonntag Benji von Ah mit Tschifeler-Power alle aus?
Oder ein Daniel Bösch ist stärker als letztes Jahr, und kann den Innerschweizern ein Schnippchen schlagen?
Ich tippe so oder so auf einen der arrivierten Schwinger. Ein Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre verrät, dass praktisch jedes Mal einer der Favoriten den Sieg davontrug.
Ich wiederhole mich gerne: Ohne Berner Beteiligung wird der Sieger ziemlich sicher ein Schwyzer sein. Mein grösster Favorit ist Andreas Ulrich. Letztes Jahr war Ulrich kurz vor dem Fest erkrankt, konnte dennoch teilnehmen, verpasste aber den Kranz um einen halben Punkt.
Christian Schuler, ein Schlussgangteilnehmer vom letzten Jahr, verzichtet dieses Jahr auf einen Start. Ein bärenstarker Gegner weniger für Ulrich…

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