Besuch im Schwingermuseum Winterthur (Teil 2): Vom Schwingerlatein, Anekdoten und Interessantem über Karl Meli

Heute folgt Teil 2 meines Berichtes über den Besuch im Schwingermuseum Winterthur. Zur Erinnerung: Das Schwingermuseum befindet sich im Obergeschoss des Restaurants Sternen und wird von Irène Bodenmann-Meli, der Tochter von Karl Meli, sorgfältig unterhalten.
Irène integrierte wohl viele Preise und Erinnerungen von ihrem Vater ins Museum. Wie die schwingbegeisterte Frau mir im Teil 1 erklärte, war es nie ihr Ziel, ein Museum als Hommage an Karl Meli zu machen. „Ich möchte das Museum möglichst umfassend über die gesamte Schwingerei halten“, ergänzte sie zu diesem Thema.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ein Herr Rohrer aus der Innerschweiz malte dieses Bild, welches es in verschiedenen Ausführungen gibt. Wenn man mit den Fingern über das Hemd vom dreifachen Schwingerkönig Ruedi Hunsperger fährt, spürt man das Sägemehl. Der Maler hat also Sägemehl (!) in das Bild integriert, welches Karl Melis Revanche beim Kilchberger Schwinget 1967 darstellt. 1966 verlor Meli den Schlussgang beim Eidgenössischen in Frauenfeld gegen Hunsperger. Auf dem Schwingplatz waren die beiden harte Gegner, daneben verband die Top-Schwinger eine sehr grosse Freundschaft.

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Erinnerungsfotos von Karl Meli (Jahrgang 1938) als Rückblick auf seine Schwinger- und Nationalturner-Karriere. Der Turnerschwinger war Mitglied des Schwingklub Winterthur. Übrigens: Der Schwingklub Winterthur ist der einzige Klub, welcher bisher drei Schwingerkönige hervorbrachte. Nebst Karl Meli sind dies Walter Flach und Arnold Ehrensberger.

Irène erzählte folgendes zu den „alten Königen“: „Es gibt einige ganz schöne Anekdoten von den alten Schwingerkönigen. Weisst du übrigens, mit was man Jäger- und Fischerlatein toppen kann? Mit Schwingerlatein! Diese ‚Alten‘ untereinander schlagen mit ihrem ‚Plagieren‘ und mit ihren Sprüchen alles in dieser Hinsicht. Das ist Unterhaltung vom allerfeinsten. Einerseits ist es sehr lustig, andererseits würdigen sie den anderen auf eine unglaubliche Art und Weise.“

Zu Schwingerkönig Walter Flach gibt es eine Anekdote, welche im Restaurant Sternen seinen Ursprung hatte. Die Anekdote geht so: „Eines Tages kam Lukas, der Sohn von Irène, vom Kindergarten heim, und lief direkt in die Gaststube des Restaurants Sternen. Versammelt waren eine unglaubliche Anzahl ‚Schwingerkränze‘. Walter Flach, Ruedi Hunsperger, David Roschi, Leo Egli, Karl Meli und noch einige weitere ehemalige Schwinggrössen sassen in einer ‚glatten‘ Runde beisammen. Flach rief Lukas, zeigte dabei auf Hunsperger sowie Meli und sagte zu ihm: ‚Du Lukas, da, diese beiden Babydoll-Schwingerkönige!‘ Der Kleine baute sich vor Flach auf und erwiderte: ‚Wenn denn da einer ein Babydoll ist, dann bist das du. Aber ganz sicher nicht mein Grossvater!“ Darauf sahen sich der Kleine und Flach gut zwei Jahre nicht mehr. Irgendwann sass Schwingerkönig Walter Flach wieder im Sternen. Beim Grüezi-Sagen fragte Flach Lukas: ‚Kennst du mich noch?‘ Der Schulbub entgegnete: ‚Sicher, du bist der Babydoll-Schwingerkönig!“

Eine andere Anekdote betraf den oben erwähnten Schwinger Leo Egli, welcher in Lengnau Wirt war. Egli hat zwar nie einen Schönschwingerpreis gewonnen, war aber ein toller Techniker. „Eines schönen Tages bestritt Leo Egli an einem Schwinget einen Gang gegen Fritz Uhlmann. Uhlmann konnte Egli in diesem Gang ‚spitzen‘ so oft er wollte, es hat einfach nie gereicht. Egli wollte auf keinen Fall verlieren und wehrte sich mit seinen Mitteln so gut es ging. Der Gang endete irgendwann gestellt. Uhlmann ging darauf zum Tisch der Kampfrichter und sagte ihnen: ‚Schriebid dem Fotzulhung afig äs Nünifüfäzwänzg!“

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Ein Zimmer ist dem Eidgenössischen Frauenschwingverband (EFSV) gewidmet. Die erste Schwingerkönigin war 1980 Evi Bleiker. Für sie und den EFSV bedeutete das in Aeschi BE ein grosser Moment.

Irène war selber Schwingerin, bestritt ihr erstes Schwingfest aber erst 1997, mit 35 Jahren. Eine Gabe ragt für sie besonders heraus: Das Hufeisen, welches auf dem Gestell gut zu erkennen ist. Diese hat die ehemalige Schwingerin 1998 beim Frauenschwingen in Uznach gewonnen. Mit dem Hufeisen hat es eine ganz besondere Bewandtnis auf sich. Beim zweiten oder dritten Gang wurde sie der späteren Schwingerkönigin Eveline Fankhauser zugeteilt. Irène bereitete sich auf den Gang vor, als eine Kollegin völlig aus dem Häuschen zu ihr eilte. Diese sagte ihr: „Dein Vater ist da!“ Darauf meinte die heutige Wirtin: „Jawohl, und die Erde ist eine Scheibe. Was will denn mein Vater an einem Frauenschwingfest?“ Die 20-fache Kranzgewinnerin dachte sich dabei nichts weiter, lief kurze Zeit später auf den Platz hinaus und sah ihrem Vater mitten ins Gesicht. Beim Gang gegen Fankhauser hat sie schlagartig vergessen, wie schwingen funktioniert und fiel um wie eine Tanne. Für Irène war es so ein emotionaler Moment, mit feuchten Augen. Denn sie wusste, wie viel es für ihren Vater überhaupt brauchte, hierhin an ein Frauenschwinget zu kommen. Als ein Journalist Meli darauf ansprach, zuckte er nur mit der Schulter und sagte: „Sie ist auch mein Kind.“
Dieses Hufeisen verbindet Irène heute noch mit vielen Emotionen und Erinnerungen. Es war eine Ehrengabe von Franz Schatt, wegen dessen Familie sie überhaupt mit dem Schwingen begann. Zudem war ihr Vater in Uznach zum ersten Mal überhaupt an einem Frauenschwingfest anwesend.

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In einem anderen Zimmer befindet sich unter anderem die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbandes. Diese Fahne ist 121 Jahre jung, hat alle Stürme der Zeit überlebt und befindet sich immer noch in einem guten Zustand.

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Diese zwei Figuren tragen die Schwingerkleidungen von Karl Meli (Turner) und Alois Boog (Senn). Das Spezielle daran: Boog trug 1964 dieses Hemd im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Aarau. Karl Meli gewann gegen Alois Boog und wurde zum zweiten Mal nach 1961 Schwingerkönig.

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Diese wunderschöne Truhe war eine Gabe am Innerschweizerischen 1965 in Schattdorf UR. Speziell daran ist, dass sie Karl Meli nicht gewann. Er tauschte seinen Preis, den obligaten Muni, hinterher mit seinem Schlussganggegner Hans Zurfluh. So konnte er eine bleibende Erinnerung an seinen Sieg als Gast in der Innerschweiz mit nach Hause nehmen.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Karl Meli erkämpfte sich in seiner Karriere insgesamt 124 Kränze. Wie Irène weiter ausführte, trat er dafür 125 Mal an. An dem einen Fest, wo er ohne Kranz heimging, war er angeblich selber schuld. Der Winterthurer schaute aus lautem „Gwunder“ 1956 beim Nordostschweizerischen Schwingfest nach seinem sechsten Gang dem Kampfrichter über die Schulter. Er wusste, dass er für den Kranz die Note zehn benötigte. Diese Zehn hätte er bekommen, für sein „Vergehen“ wurde Meli aber ein Viertelpunkt abgezogen. So flog Meli ein einziges Mal in seiner Karriere aus dem Kranz.

In diesem Kranzkasten befinden sich alle Eidgenössischen Kränze von dem sehr erfolgreichen Turnerschwinger. Neun Kränze stammen vom Schwingen, sieben vom Nationalturnen. Meli hat zu seinen neun Eidgenössischen Kränzen stets gesagt: „Das wäre heutzutage gleichzusetzen mit acht Eidgenössischen Kränzen.“ Irène lieferte mir die Erklärung nach: „Es gab in dieser Zeit, wo mein Vater diese Kränze gewann, dreimal nur einen Zweijahres-Abstand zwischen den Eidgenössischen. Der Normalfall war der Dreijahres-Rhythmus. Der Grund dafür war, dass das Eidgenössische Schwingfest und das Eidgenössische Turnfest nicht im selben Jahr stattfinden durften. Es ergab sich dann so, dass der eine, in diesem Fall der Eidgenössische Schwingerverband, seinen Anlass vorverschieben musste. 1956/1958, 1964/1966 und 1972/1974 fanden die Eidgenössischen Schwingfeste deshalb im Zweijahres-Abstand statt.“

Karl Meli nahm an neun Eidgenössischen Schwingfesten teil und gewann jedes Mal den Kranz. Erstmals 1956 in Thun, letztmals 1977 in Basel. Zu seiner Anzahl Teilnahmen meinte Meli aber, dass das eigentlich so nicht stimme. Er stand nämlich an zehn Eidgenössischen im Einsatz. Beim allerersten, 1953 in Winterthur, war er „Täfelibueb“.

Somit bin ich am Ende der zweiteiligen Serie „Besuch im Schwingermuseum Winterthur“. Beim Tippen dieser Zeilen lebte ich den Rundgang nochmals richtig mit, bei welchem mir die Tochter von Karl Meli viele kleinere und grössere Geschichten und Anekdoten erzählte. Ich wusste, dass ich hinterher unmöglich alles in diese beiden Teile packen kann. Deshalb bin ich mit Irène so verblieben, dass ich irgendwann dem Schwingermuseum und dem Restaurant Sternen wieder einen Besuch abstatten darf. Dabei werde ich ebenfalls Augen sowie Ohren offen halten, und hinterher weitere Geschichten rund um das Schwingermuseum auf Papier, respektive in meinen „Schwinger-Blog“ bringen.

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Vorschau auf den Brünig-Schwinget: Die letzten sechs Schlussgänge von 2009 – 2014

Mit dem Brünig-Schwinget steht bereits das fünfte Bergfest der Saison vor der Tür. Auf der Grenze zwischen der Innerschweiz und dem Bernbiet wird morgen einmal mehr das ewige Duell der beiden Schwinglager stattfinden. Eingeladen sind dieses Jahr die Nordwestschweizer, welche dem einen oder anderen Innerschweizer oder Berner Crack eins auswischen möchten.
Der traditionsreiche Brünig-Schwinget gehört in diesem Jahr zu einem der beiden Saison-Höhepunkte. Der andere ist der am 16. August stattfindende Schwägalp-Schwinget.
Übrigens: 1893 wurde der erste Brünig-Schwinget ausgetragen.

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Spitzenpaarungen 1. Gang
Bildquelle: schlussgang.ch

Die Innerschweizer sind diese Saison ziemlich stark unterwegs und gewannen bisher drei von vier Bergfesten. An dem einen, nämlich auf dem Weissenstein, waren sie gar nicht startberechtigt…
Die Berner stellen mit Kilian Wenger zwar den Titelverteidiger, dürften dieses Jahr aber deutlich mehr Widerstand von ennet dem Brünig zu spüren bekommen. Die Nordwestschweizer werden wohl kaum um den Tagessieg mitreden können, dürften mit Christoph Bieri, Bruno Gisler und Remo Stalder aber das berühmte Zünglein an der Waage spielen.

Gespannt darf man auch auf das Abschneiden der beiden Jungspunde Joel Wicki und Remo Käser sein. Wie von vielen Schwingerfreunden gewünscht, treffen sie beim ersten Gang aufeinander. Wicki hat die letzten Wochenenden pausiert, er dürfte besonders heiss auf seinen Saison-Höhepunkt sein. Käser verpasste bei den letzten Ernstkämpfen zweimal in Folge den Kranz. Trotzdem darf man dem Sohn von Schwingerkönig Adrian Käser einiges auf dem Brünig zutrauen.

Auf den obligaten „Schwingkanälen“, Zeitungen und im sportaktuell auf SRF2 werden einem dieser Tage genügend Informationen rund um den schwingerischen Grossanlass auf dem Brünig präsentiert. Somit muss ich das nicht weiter vertiefen. Ich stieg deshalb als Vorbereitung auf das Brünig-Highlight tief in den YouTube-Keller hinab und grub die Schlussgänge der letzten sechs Jahre aus.

Schlussgang Brünig-Schwinget 2014: Kilian Wenger bezwingt Matthias Glarner, Sieger Kilian Wenger

Quelle: Jakob Niederberger / YouTube

Schlussgang Brünig-Schwinget 2013: Matthias Sempach bezwingt Florian Gnägi, Sieger Matthias Sempach

Quelle: Jakob Niederberger / YouTube

Schlussgang Brünig-Schwinget 2012: Christian Stucki bezwingt Matthias Glarner, Sieger Christian Stucki

Quelle: SCHLUSSGANG VIDEOKANAL / YouTube

Schlussgang Brünig-Schwinget 2011: Matthias Sempach bezwingt Bruno Müller, Sieger Matthias Sempach

Quelle: Jakob Niederberger / YouTube

Schlussgang Brünig-Schwinget 2010: Martin Grab bezwingt Philipp Laimbacher, Sieger Martin Grab

Quelle: Jakob Niederberger / YouTube

Schlussgang Brünig-Schwinget 2009: Christian Stucki bezwingt Konrad Krummenacher, Sieger Christian Stucki

Quelle: Jakob Niederberger und SCHLUSSGANG / YouTube

Was dabei besonders auffällt sind die fünf Berner Siege, dem gegenüber steht nur ein einziger Innerschweizer Sieg. Zudem gewannen in diesen Jahren jeweils nur absolute Top-Schwinger. Das dürfte auch dieses Jahr nicht anders sein. Eine Überraschung ist bei einem so hochkarätig besetzten Teilnehmerfeld mit 19 Eidgenossen (!) praktisch ausgeschlossen. Spätestens seit dem Schwarzsee-Schwinget wäre auch ein Sieg von Joel Wicki keine Überraschung mehr.

Wicki bringt mich derweil grad zur Überleitung zu den Innerschweizern, denen endlich wieder einmal ein Sieg auf dem Brünig gut anstehen würde. Die Chancen sind dieses Jahr besser denn je, die bisherigen Resultate lassen einiges erwarten. Den Innerschweizern, allen voran Philipp Laimbacher, Christian Schuler, Andi Imhof, Joel Wicki, Benji von Ah, Erich Fankhauser, Bruno Nötzli, Marcel Mathis und Peter Imfeld ist einiges zuzutrauen. Auch wenn sie auf Andi Ulrich (bereits drei Bergfeste absolviert), Martin Grab (verletzt) und Adi Laimbacher (zurückgetreten) verzichten müssen.

Bei den Mutzen fehlen mit Matthias Sempach (verletzt) und Christian Stucki (startet auf der Schwägalp) gleich zwei Zweifach-Sieger der letzten sechs Jahre. Kilian Wenger zerriss zudem in dieser Saison noch keine Riesenstricke, abgesehen von seinem Sieg beim Bern-Jurasischen Gaufest. Dennoch dürfte der Schwingerkönig aus dem Berner Oberland heiss sein, hat er doch nach dem verpassten Kranz beim Innerschweizerischen noch eine Rechnung offen. Mit Matthias Glarner, Bernhard Kämpf, Matthias Siegenthaler, Florian Gnägi, Thomas Sempach, Thomas Zaugg und den beiden Nichteidgenossen Remo Käser sowie Matthias Aeschbacher steht ihm eine schlagkräftige Truppe zur Seite.

Meine Wenigkeit gehört auch zu den Glücklichen, welche ein Eintrittsticket für einen Sitzplatz in der wunderschönen Arena ergattern konnten. Ich freue mich riesig und habe zudem auch einen persönlichen Favoriten auserkoren. Diesen nenne ich aber hier und heute nicht, und lasse mich überraschen, ob er am späten Sonntagnachmittag tatsächlich zu Oberst steht.

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„Made in Schwyz“ – Nachgefragt bei Xaver Schuler, einem Schwyzer SVP-Nationalratskandidaten

Bald beginnt die heisse Phase des Wahlkampfes für den National- und den Ständerat. Zurzeit werden die Schweizer Bürger noch verschont und dürfen dem schönen Sommerwetter frönen. Nach den Sommerferien, wenn die Tage wieder kürzer und die Temperaturen zu sinken beginnen, werden uns an vielen Orten wieder nette Pappkameraden und Pappkameradinnen zulächeln. Die einzelnen Parteien und deren Kandidaten wollen den Bürgern vermitteln: Wählt mich!

So einen Kandidaten habe ich mir auch ausgesucht, und ihn zu verschiedenen Aspekten befragt. Sein Name ist Xaver Schuler, wohnhaft in Schwyz, Kleinunternehmer und Nationalrats-Kandidat der Schwyzer SVP. Schuler ist mir schon mehrfach aufgefallen, wie zielstrebig und gewissenhaft er seine Ziele verfolgt. Zudem hat er mit seinen erst 35 Jahren politisch schon einiges geleistet und bekleidete schon verschiedenste Ämter in der Gemeinde Schwyz und im Kanton Schwyz.

Auf meinem Blog möchte ich keinen Wahlkampf betreiben und schon gar keine Werbung für irgendwelche Kandidaten oder Parteien aufschalten. Mir ist es einfach ein Anliegen, dem Stimmbürger, nebst den gängigen Medien, auch die Sicht und Herangehensweise eines hemdsärmligen Bloggers aufzuzeigen. So wie ich den Wahlkampf sehe, und welches meine brennendsten Fragen dazu sind.

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Bildquelle: Xaver Schuler

Es ist zwar Sommerzeit, trotzdem, wie gross beschäftigt dich momentan die Kandidatur für den Nationalrat?
„Die Kandidatur beschäftigt mich schon ziemlich. Es gibt einige Anlässe zu besuchen. Andererseits nimmt die Vorbereitung für die Werbemittel und die Terminplanung einige Zeit in Anspruch.“

Wie siehst du deine Chancen, im Herbst in den Nationalrat gewählt zu werden?
„Die Chancen sind eher klein, da die SVP einen zweiten Sitz für den Nationalrat machen müsste, damit ich gewählt würde. Der eine Sitz wird klar an den bisherigen Nationalrat Pirmin Schwander gehen. Ich kämpfe also für die Teamleistung. Selbstverständlich würde ich gerne gewählt, man muss aber realistisch bleiben.“

Wie sah dein politischer Werdegang bisher aus? Welche Ämter hattest du einmal inne, welche bekleidest du zurzeit?
Bei dieser Antwort hat mir Xaver Schuler eine A4-Liste mit Ämtern und dem Werdegang in der SVP aufgelistet. Begonnen hat seine Politkarriere 1998, als Schuler damals Gründungsmitglied der Jungen SVP war. Heute wirkt der Vollblutpolitiker in der SVP der Gemeinde Schwyz und als Parteipräsident der Kantonalsektion von Schwyz. Zudem sitzt Xaver Schuler im Schwyzer Gemeinderat und im Schwyzer Kantonsrat. Von 2010 bis 2011 bekleidete er sogar das Amt des Kantonsratspräsidenten. Der Schwyzer war schon mehrmals Wahlkampfleiter und ist auch in verschiedenen Kommissionen tätig.

Wieso bist du gerade Mitglied bei der SVP?
„Die SVP ist die konsequenteste bürgerliche Partei, die sich klar für die Anliegen des Gewerbes, der Bauern sowie des Mittelstandes einsetzt. Sie setzt sich für das Prinzip der Eigenverantwortung ebenso klar ein, wie für die Unabhängigkeit des Landes. Die SVP ist meine politische Heimat geworden, weil sie an die Zukunft unseres Landes als Nation glaubt und kämpft. Denn das ist die Frage der Zukunft: Bleibt die Schweiz Nation oder wird sie Teilstaat der EU?“

Was ist schief gelaufen im Bezug zum Nationalen Finanzausgleich (NFA)?
„Beim NFA ist vieles schief gelaufen. Das erste ist, dass man ihn eingeführt hat. Aber: Das Schweizervolk hat ihn nun mal eingeführt, und das gilt.
Der NFA müsste ganz klar für die Geberkantone einen Maximalbeitrag definieren, damit man auch budgetieren kann, und der Staatshaushalt nicht innert kurzer Zeit derart ausser Kontrolle gerät wie das in Schwyz passiert. Ich würde sagen, 80 Millionen Franken pro Jahr sollten das höchste der Gefühle sein.“

Du bist in letzter Zeit auch durch das Sammeln von Unterschriften für ein NFA-Referendum in den lokalen Medien gewesen. Wie sieht der Stand der Dinge aus? Kriegt ihr genügend Stimmen zusammen?
„Im Kanton Schwyz werden wir viele Unterschriften erhalten. Aber ausserhalb wird es schwierig werden, die fünfzigtausend Unterschriften zusammen zu bekommen.“

Können sich die NFA-Geberkantone wie Schwyz wirklich nicht anders wehren als mit einem Referendum?
„Da die Bundesversammlung nicht bereit ist zugunsten der Geberkantone eine vernünftige Reform des NFA zu bewerkstelligen, bleibt nur das Referendum, um ein Zeichen zu setzen.“

Was würde bei einer möglichen Annahme des besagten NFA-Referendums anders werden? Müsste Schwyz dann wirklich weniger in diesen berühmten Topf einbezahlen?
„Würde das Schweizervolk das Referendum gutheissen, wäre die Bundesversammlung gezwungen eine Reform an die Hand zu nehmen, die eine Entlastung für den Kanton Schwyz herbeiführen würde.“

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Xaver Schuler
Bildquelle: Xaver Schuler

Welches wären für dich die dringendsten Geschäfte, die du als gewählter Nationalrat zuerst in die Hand nehmen würdest?
„Die Einwanderungspolitik und die Asylproblematik, die Bewahrung des Föderalismus, die Bekämpfung des Rahmenabkommens mit der EU sowie die richtigen Weichen stellen für die Nationale Sicherheit. Zudem die Anliegen des Mittelstandes in Bern beständig zu vertreten.“

Bist du ein strammer SVP-Mann, oder weichst du auch manchmal von der Parteilinie ab? Wenn ja, bei welchen Themen?
„Ich kann mich voll und ganz mit dem Programm der SVP identifizieren, habe ich das doch in den letzten Jahren mit beeinflusst. Ich habe sicher eine eigene Art und Weise wie ich dieses Programm vertrete. Mal hart und unnachgiebig, ein andermal gehe ich Kompromisse ein. Für beide Eigenschaften gibt es natürlich Kritik, sowohl von aussen wie auch von innen.“

Was machte das jetzige Bundesparlament gut?
„Die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative ist ein Beispiel dafür, dass das Parlament auch kluge Entscheidungen treffen kann. Grundsätzlich kann man sagen, dass im Bereich der Infrastruktur und den Alltagsgeschäften das Parlament funktioniert.“

Was machte das jetzige Bundesparlament weniger gut?
„Bei Migration und Asyl, EU-Frage, Armee, Sozialwerke, Sicherheit und NFA sehe ich die Dinge anders als das jetzige Parlament.“

Warum sollte ich als Schwyzer Bürger dich zum Nationalrat wählen? Was dürfte ich mir als Wähler davon versprechen?
„Ich denke, ich habe ein klares Programm, der Wähler weiss was er an mir hat. Mit mir bekommt man was auf der Verpackung steht, nämlich ‚Made in Schwyz‘.“

Welche Themen wirst du beim Wahlkampf ansprechen?
„Die Nationale Sicherheit, EU, Migration, Finanzen, Gewerbe, Landwirtschaft und Gesellschaft.“

Wann beginnt für dich die heisse Phase des Wahlkampfes?
„Ab August geht’s sicher nochmals intensiver los. Weitere Informationen findet man dazu auf meiner Homepage www.xaver-schuler.ch.“

Ob Xaver Schuler am 18. Oktober zum Nationalrat gewählt wird, wissen zurzeit nur die Götter. Zu gönnen wäre es dem jungen und motivierten Politiker. Auf alle Fälle wünsche ich dem Schwyzer viel Erfolg, und spreche ihm meinen herzlichen Dank für seine interessanten Antworten aus!

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Besuch im Schwingermuseum Winterthur (Teil 1)

Heute vor einer Woche stattete ich dem Schwingermuseum Winterthur einen Besuch ab. Dieses Museum befindet sich im Obergeschoss des Restaurants Sternen an der Löwenstrasse in Winterthur. In Schwingerkreisen sind das Schwingermuseum und das Restaurant Sternen bestens bekannt.

Auf Initiative von Irène Bodenmann-Meli, der Tochter von der Schwingerlegende Karl Meli, entstand 2009 dieses Schwingermuseum. Man findet dort viele herausgeschwungene Preise von Karl Meli, aber auch Sammlungsstücke von anderen ehemaligen Schwingern.

Ich traf mich in der Gartenwirtschaft des Restaurants Sternen mit Irène, der Wirtin und Köchin des Sternens, zum Gespräch. Irgendwann nach dem Nachtessen und dem Kaffee machten wir einen Rundgang durch das Schwingermuseum. Dabei machte ich viele Fotos und lauschte den Ausführungen von ihr.

Ich entschied mich hinterher für 14 Fotos, welche ich in zwei Blogbeiträgen mit Text versehe. Heute kommen die ersten sieben Fotos an die Reihe.

Irène führte mich in den ersten Raum des wirklich sehr schön gestalteten und heimeligen Museums. Dabei liess ich mein iPhone als Aufnahmegerät mitlaufen.

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Karl Melis bestes und erfolgreichstes Jahr war 1967, notabene mein Geburtsjahr. Der Schwingerkönig von 1961 und 1964 bestritt in jenem Jahr 22 Anlässe und gewann sage und schreibe 19 davon. Bei den anderen drei Anlässen belegte der neunfache Eidgenosse jeweils den zweiten Rang. Als absolute Höhepunkte im Jahr 1967 ragen der Sieg beim Kilchberger Schwinget und der zweite Platz beim Eidgenössischen Turnfest in Bern heraus. Meli beendete seine äusserst erfolgreiche Karriere 1978.

Auf den Gestellen befinden sich nebst Preisen von dem Winterthurer Turnerschwinger viele Schriften, Bücher und Dokumentationen rund ums Schwingen. Irène wies mich darauf hin, dass sie stets auf der Suche nach alten Chroniken, Büchern und Material rund ums Schwingen sei. Sie zeigte mir ein Schwingerlehrbuch aus dem Jahre 1900. Angeblich soll das nicht das Älteste sein, sondern eines aus den 1850iger Jahren. Die sehr schwingkundige Frau meinte, dass sie leider nicht im Besitz einer solchen Ausgabe sei und sich sehr glücklich schätzen würde, so ein Exemplar für ihr Museum zu bekommen.

Weiter erklärte mir Irène, dass es von Anfang an nie ihr Ziel war, ein Museum als Hommage an ihren Vater zu machen. „Wenn man sich nur auf eine Person bezieht, ist die Geschichte irgendwann fertig und es kommt nichts mehr Neues. Das Ziel eines Museums kann es nicht sein, irgendwann fertig zu werden. Es muss sich bewegen, wachsen und verändern. Ich möchte das Museum möglichst umfassend über die gesamte Schwingerei halten. Es ist zudem mein Ziel, das Museum stetig auszubauen“, ergänzte die ehemalige Schwingerin.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Alle hängenden Treicheln, Glocken und Schellen hat Karl Meli im Verlaufe seiner Karriere herausgeschwungen. Diejenigen Stücke am Boden sind Preise von Enrico Matossi und Hansueli Gasser, ebenfalls zwei ehemalige Schwinger.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nebst den Angaben, wo und wann die Schwingfeste stattfanden, erkennt man auf den herrlichen Gaben auch den Anlass, und wer ihn durchgeführt hat. Die Stickereien und Verzierungen auf den Gurten, sowie die Malereien auf dem Metall sind allesamt wunderschön.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Auf diesem Bild erkennt man Theodor Dietschi, den Grossvater von Irène mütterlicherseits. Es handelt sich dabei um den stehenden Schwinger.
Gemalt wurde das Bild von Jwan E. Hugentobler, einem damals bekannten Künstler. Dieser malte unter anderem auch die Radsport-Legende Ferdi Kübler oder fertigte wunderschöne alte Farbstiftzeichnungen von den Pferderennen in Frauenfeld und Thun an.
Wie das Bild damals in die Stube der Grosseltern kam, wusste Irène auch nicht. Sie nimmt aber an, dass es der Maler dem Schwinger geschenkt hatte. Wie man unten rechts erkennen kann, malte es Hugentobler im Jahr 1929.
Dieses Bild hing bei Irène‘s Grosseltern in der Stube, und war für sie als Kind schon wie ein Magnet. Ihre Gotte sorgte viele Jahre später dafür, dass das Bild ins Schwingermuseum kam.

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Für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld wurden nebst den traditionellen beigen Schwinghosen erstmals auch braune Schwinghosen eingesetzt. Die Idee mit den braunen Schwinghosen, respektive andersfarbigen als den klassischen, ist aber nicht neu. Anno 1931 waren nämlich am St. Galler Kantonalen in Lichtensteig an einem einzigen Schwingfest, nebst den beigen, auch blaue Schwinghosen im Einsatz. Die blaue Schwinghose auf dem Bild ist übrigens eine Nachbildung, welche Paul Eggimann für Irène fabrizierte.

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Die drei Glocken sind zusammen ein sogenanntes Geläut oder „Senntum“ und bildeten eine Gabe. Das Spezielle daran: Karl Meli verzichtete am Nordostschweizerischen Schwingertag 1969 in Rapperswil als Sieger auf den Muni, und nahm stattdessen diese ganz seltene Erinnerung mit nach Hause. Meli, sonst ein sehr traditionsbewusster Schwinger, war sich bewusst, dass er mit seiner Absicht damals auch auf Kritik stiess.

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Irène erklärte mir zu dieser Urkunde: „Mein Vater war einer der fairsten, korrektesten und anständigsten Schwinger. Trotz einem sehr hohen Gerechtigkeitsempfinden habe ich ihn auf einem Schwingplatz nie reklamieren oder mit den Kampfrichtern diskutieren gesehen. Er hat alles klaglos hingenommen, und wenn er irgendwann mal unfair behandelt wurde, hatte er die grosse Stärke, dies in positive Energie umzusetzen.“
Erwähnt sind auf der Urkunde die beiden Eidgenössischen in La Chaux-de-Fonds und Schwyz, wo es bedenkliche Kampfrichterentscheide gegeben haben muss. Seine Schwingerfreunde entschieden sich deshalb 1974, Karl Meli mit dieser schönen Urkunde zum Professor der Schwingkunst zu ernennen.

In Bälde folgt Teil 2 meiner Bilder und Ausführungen zum Schwingermuseum in Winterthur. Beim Besuch liess ich mich richtiggehend in die Geschichte des Schwingsportes zurückversetzen. Wie ich finde, macht Irène das wunderbar und erhält so das Andenken an die früheren Schwinger würdig aufrecht.

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Zirk-Beitrag: Die jungen Muotathaler Schwinger reiten auf einer Erfolgswelle

Anfangs dieser Woche ist die neuste Ausgabe des Muotathaler Zirkes erschienen, mittlerweile schon die 67. Ausgabe.
Zirk-Logo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Meine Wenigkeit ist seit der 66. Ausgabe auch beim Zirk-Redaktions-Team dabei, und durfte dieses Mal bereits den zweiten Beitrag beisteuern.
Als begeisterter Schwingerfreund schlug ich bereits im Februar einen Artikel übers Schwingen im Muotatal vor. Es wurde mir genehmigt.

Fleissige Blogleser und Schwingerfreunde haben natürlich mitbekommen, dass ich diesen Frühling eine neunteilige Serie über das Schwingen im Muotathal brachte. Diese Reihe basierte auf einem längeren Interview mit dem Muotathaler Schwingklubpräsidenten René Schelbert und auf eigenen Recherchen in den Geschichtsbüchern zu der Schwingerei im Tal.
Aus den neun Teilen setzte ich dann als Resümee und als krönenden Abschluss den Zirkbeitrag mit dem Titel „Die jungen Muotathaler Schwinger reiten auf einer Erfolgswelle“ auf.
Da unter meinen Blog-Lesern nicht alle den Muotathaler Zirk abonniert haben, ist der zweiseitige Beitrag nachfolgend für jedermann nach zu lesen.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Abschliessend möchte ich darauf hinweisen, dass der Muotathaler Zirk ein Organ des Vereines Zukunft Muotathal ist, vierteljährlich erscheint und jedes Mal mehrere interessante Artikel rund um unser schönes Muotatal enthält. Wer den „Zirk“ auch gerne abonnieren möchte, klicke doch auf diesen Link, der einem auf die Homepage des besagten Vereines weiterleitet.

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Das Gasthaus zum Hirschen in Muotathal öffnet heute Abend wieder seine Tore!

Etwas überrascht nahm ich gestern Abend folgendes Plakat zur Kenntnis:

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Bildquelle: Facebook

Das Gasthaus zum Hirschen Muotathal öffnet heute Abend um 18 Uhr wieder seine Tore. Was für ein Ding! Erst noch habe ich für mich gedacht: Hoffentlich geht das nicht noch eine Ewigkeit, es ist einfach jammerschade um die schöne alte Gaststätte.
Erfreut über diese Neuigkeit nahm ich deshalb heute ganz spontan den Telefonhörer zur Hand und wählte die Nummer des Gasthauses zum Hirschen. Eine sympathische Frauenstimme nahm meinen Anruf entgegen. Es handelte sich dabei um Priska Flury, welche die neue Gastgeberin sein wird. Ich stellte mich vor und fragte sie, ob ich ihr zur heutigen Eröffnung ein paar Fragen stellen darf. Ich durfte.

Wer wird das Gasthaus zum Hirschen führen, wer gehört zum Team?
„Zum Team gehören werde ich als Gastgeberin und meine beiden Töchter Mireille und Monique. Mireille wird den Service übernehmen. Wir kommen übrigens vom Laufental im Baselland.
Ich muss dabei einiges an Geld in die Hand nehmen, um die Küche in Betrieb nehmen zu können. Nach der Erneuerung der Küche wird Martin Stadtmann als Koch amten. Es wird nun Schritt für Schritt alles organisiert.“

Was hat Sie dazu bewogen, in Muotathal das Gasthaus zum Hirschen zu übernehmen? Wie wurden sie auf den „Hirschen“ aufmerksam?
„Ich suchte mir vor kurzem eine grosse Wohnung. Meine Absicht war, als ‚Schlummermutter‘ zu wirken und verschiedene Leute zur Untermiete zu nehmen. Im Internet suchte ich Immobilien ab sieben Zimmern, und stiess dabei auf den Hirschen in Muotathal.
Ich nahm mit Beat und Hanni Affentranger, den Eigentümern des Hirschen, Kontakt auf. Ich kam gut mit ihnen zu Recht, und wir einigten uns darauf, dass ich den Hirschen pachten werde.
Ich ging mich darauf im Dorf beim Verkehrsverein und in verschiedenen Geschäften vorstellen. Überall wurde mir gesagt, dass ein Bedarf vorhanden sei, den Hirschen wieder zu öffnen.“

Wie gefällt Ihnen das Gasthaus zum Hirschen?
„Es ist ein sensationell schönes Haus, mit viel Platz und Luft. Einfach nur schön! Man kann etwas daraus machen.“

Wann ist die Küche betriebsbereit?
„Das hängt von den zu machenden Arbeiten und den Monteuren ab. Ich würde meinen, dass sie spätestens bis zur Theatersaison wieder betriebsbereit sein sollte. Ich bin aber vorsichtig mit einer Prognose, da ich noch nicht abschätzen kann, wie gross der Aufwand sein wird. Ich möchte die Küche einfach so bald wie möglich benutzen können.“

Werden in nächster Zeit auch noch andere Teile vom Gasthaus Hirschen renoviert?
„Nein.“

Wird mit der Eröffnung von heute auch wieder der Hotelbetrieb aufgenommen?
„Ja, auch der Hotelbetrieb ist ab heute wieder offen. Wir müssen noch ein bisschen aufräumen und putzen. Es ist aber möglich, ab sofort wieder Gäste unterbringen zu können.“

Wird die Kegelbahn auch wieder geöffnet?
„Die Kegelbahn wird zuerst auf Vordermann gebracht, dann wird sie auch wieder geöffnet. Wir werden in nächster Zeit den Boden polieren, alles auffrischen, die Wände malen und neue Vorhänge montieren.“

Was für Spezialitäten werden Sie im Angebot haben?
„Unser Angebot wird 20 verschiedene Menus beinhalten, jeden Tag ein anderes. Das Essen möchten wir in Schüsseln serviert auf den Tisch stellen, und so einen heimeligen Eindruck vermitteln.
Bei Beerdigungen, geschlossenen Gesellschaften und ähnlichen Anlässen werden wir einen professionellen Service mit mehr Servicepersonal anbieten.
Ich passe mich an, und schaue, was verlangt wird.“

Was dürfen die Muotathaler in Zukunft im Hirschen erwarten?
„Ich lasse mich leiten, und möchte es gut machen. Ich sehe mich als Gastgeberin, und nicht als Wirtin. Die Zukunft wird es zeigen, wie es laufen wird. Jeder ist grundsätzlich Willkommen. Ich muss mich erst aber einleben. Es wird bewusst nicht viel geändert. Wegen reduziertem Service bieten wir eine einfachere Karte als mein Vorgänger an. Es wird Hausmannskost geben, das Essen und der Salat werden in Schüsseln auf den Tisch serviert.
Ich bin mit der Kultur im Muotatal halt noch nicht vertraut. Es hat ein Klavier im Hirschen, ich hätte Freude an Adhoc-Musik. Musikabende mit kleinen Formationen oder auch Jazz könnte ich mir durchaus vorstellen. Zudem lasse ich die Musikanlage reparieren.“

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Gasthaus zum Hirschen in Muotathal
Bildquelle: muotathal.ch

Ich freue mich für Priska Flury und ihr Team, aber auch für die Eigentümer Beat und Hanni Affentranger, dass das Gasthaus zum Hirschen wieder geöffnet wird. Wie der neuen Gastgeberin im Dorf von verschiedener Seite gesagt wurde, besteht tatsächlich ein Bedarf an einem geöffneten Hirschen.
Nach der Schliessung von einigen Gasthäusern in den letzten Jahren tut es richtig gut, dass dieses Jahr mit dem „Bastards Place“ und mit dem Hirschen gleich zwei Gaststätten im Thal wieder eröffneten oder nun eröffnen.

Flury vermittelte mir am Telefon einen aufgestellten, positiven und motivierten Eindruck. Ich gab ihr am Schluss unseres Gesprächs zu verstehen, dass die Muotathaler zu Beginn wohl vielleicht etwas reserviert sein könnten. Auf deren „Goodwill“ und Hilfe könne sie aber jederzeit zählen. Herzlich Willkommen in unserem schönen Bergtal!

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Sommerinterview mit dem Motocross-Fahrer Remo Inderbitzin

Kürzlich führte ich ein längeres Sommerinterview mit dem Seitenwagen-Pilot Remo Inderbitzin. Der Muotathaler ist als Fahrer zugleich der Kopf des Sidecarcross-Teams Inderbitzin.
Die Saison 2015 läuft schon seit April und momentan steckt das Team mitten in der Saison. Zehn von zwanzig Seitenwagen-Rennen sind absolviert, zurzeit gönnen sie sich eine kurze Sommerpause.
Neben Remo gehört natürlich sein Beifahrer Stefan Forster zum Team, ebenso der Mechaniker Lars Ziegler. Weiter dürfen die drei auch auf die Hilfe von weiteren fleissigen Händen zurückgreifen. Zum Team gehören Martina Forster als Köchin und Berichterstatterin, Hugo Inderbitzin als Berater und Betreuer, Irene Inderbitzin sowie Thomas Forster und Corinne Betschart als fleissige Helfer. Jonas Marty, Gabriel Schelbert, Reto Räber und Iwan Suter amten als gelegentliche Wohnmobil-Chauffeure.

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Remo Inderbitzin
Bildquelle: Martina Forster

Wie verlief die Saison bisher? Eine Zwischenbilanz? Seid ihr zufrieden?
„Ja, ich bin zufrieden. Es gab aber auf und ab‘s. Anfangs Saison hatten wir Schwierigkeiten mit dem Motorrad. Später bekundete Stefan Probleme mit seiner Hüfte. Wir dürfen nicht viel mehr erwarten, gerade wenn man mit den letzten Saisons vergleicht.
Kürzlich verschliefen wir wortwörtlich bei einem WM-Rennen in Genk (Belgien) das Qualifying. Eine Teilnahme war wegen 30 Sekunden zu spät kommen nicht mehr möglich. Im Hoffnungslauf durften wir starten, konnten uns dort aber leider nicht fürs Rennen qualifizieren. Diejenigen, welche sich nicht für das Rennen qualifizierten, konnten sich für ein Rennen der belgischen Meisterschaft einschreiben. Wir bestritten darauf das Zeittraining, bei welchem wir vierte wurden. Bei den anschliessenden Rennläufen feierten wir zwei Siege, welche ich nicht unbedingt erwartete. Es war für uns immerhin ein kleiner Trost, nahmen doch 42 Gespanne am Rennen teil.“

Ein Vergleich zur letzten Saison?
„Wir konnten uns stetig verbessern und schneller werden. Mit Stefan Forster, welcher seit dieser Saison mein Beifahrer ist, läuft es sehr gut. Wir ergänzen uns prima, sprechen viel miteinander und können gegenseitig voneinander profitieren.
Zudem wird meine körperliche Fitness und Kraft ständig besser und ich bin langsam in einem Bereich, welcher mir bis Rennende ein gutes Durchhaltevermögen verleiht. Früher fuhr gegen Schluss der Rennen wegen fehlender Kondition vielfach das Motorrad mit mir, und nicht umgekehrt.“

Hast du diese Saison etwas anderes gemacht als letzte Saison, beispielsweise eine andere Renn-Planung?
„Ich habe mich mit der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft (DM) und der Weltmeisterschaft (WM) viel internationaler ausgerichtet. Die Renndistanzen sind jeweils eine halbe Stunde. Teilweise fährt man diese bis zu dreimal am Tag. Vorher fuhr ich in der Schweizer Meisterschaft mit, wo die Renndistanzen 20 Minuten betragen.
Bei den DM- und WM-Rennen fährt man mit den Besten mit und fährt auch auf anspruchsvolleren Pisten.
Zudem mache ich hinterher mit meinem Vater Video-Studium, um Läufe von mir und anderen Fahrern zu analysieren.“

Was lief bisher besonders gut?
In Tschechien konnten wir uns aus eigener Kraft für ein WM-Rennen qualifizieren. Dies bedeutete für mich ein Highlight. Ich war bisher sturzfrei unterwegs und das ganze Team passt gut zusammen.“

Was lief in dieser Saison bisher nicht so gut?
„Ein oder zwei technische Ausfälle mit dem Motorrad haben wir zu beklagen und bei zwei Rennen anfangs Saison lief es einfach nicht nach Wunsch. Anfangs Saison bekunde ich jeweils ein wenig Mühe, bis ich so richtig in die Gänge komme und die Routine und das Vertrauen wieder vorhanden sind.“

Welche Ziele habt ihr euch anfangs Saison gesteckt?
Unser Saisonziel ist es, sich bei der WM für die Rennläufe zu qualifizieren. Geplant ist, die Deutsche Meisterschaft und die Weltmeisterschaft zu fahren. An der DM fahren wir deshalb, um im Hinblick auf die WM Routine und Fahrpraxis zu erlangen.“

Wie viele Kilometer wart ihr diese Saison schon für eure Leidenschaft, das Sidecarcross-Fahren, unterwegs?
„Dies waren bisher etwa 7‘500 Kilometer, welche wir mit unserem Wohnmobil zurücklegten.“

Wie viele Rennen stehen noch auf dem Programm?
„Wir haben momentan Halbzeit, zehn von zwanzig Rennen sind absolviert.“

Wann hast du mit Motocross fahren begonnen?
„Ich fahre jetzt die vierte Saison Rennen, begonnen habe ich vor fünf Jahren mit 22 Jahren. Ich kaufte damals ein Seitenwagen-Motorrad.
Vorher fuhr ich ab und zu mit meinem Vater Trial-Töff, und nahm sogar einmal an einem Rasenrennen teil.“

Wieso eigentlich Seitenwagen-Cross?
„Wegen meinem Vater, welcher früher als Beifahrer auch Motocross-Rennen fuhr und mir davon erzählte. Ich sagte schon als kleiner Junge, dass ich irgendwann auch Seitenwagen fahren möchte.“

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Nur Fliegen ist schöner!
Bildquelle: Facebook

Was ist eigentlich der besondere Reiz an dieser Sportart?
„Das Fahren macht den Reiz aus, auch wenn es streng ist und man dabei Dreck fressen muss. Die weiten Sprünge üben auch eine Faszination aus. Weiter die bereits erreichten Fortschritte, die ich machte und nun deshalb mehr und mehr möchte. Man will schneller sein, als der vor einem fahrende. Der ständige Reiz, der Beste zu sein.“

Die weiten und teilweise hohen Sprünge erfordern doch recht viel Mut. Das Sidecarcross-Fahren ist nichts für Angsthasen, oder?
„Ja, das ist wirklich so! Aber man muss sich an diese weiten Sprünge herantasten. Ich bin diesbezüglich eher vorsichtig, und springe nur, wenn ich weiss, dass es auch gelingen wird. Ich fahre eigentlich selten bis nie über mein Limit hinaus, um Stürze zu vermeiden.“

Wo und wie hast du das Handwerk dazu erlernt?
Das erste Mal fuhr ich in Italien, wo ich auch jetzt noch vor der Saison jeweils trainiere. Dort fand ich eine Cross-Piste mit grossen Sprüngen vor, über welche ich am Anfang nur darüber fuhr. Bei den nächsten Malen fuhr ich schneller und schneller, bis ich mich getraute, die Sprünge wirklich zu springen.
Im selben Jahr nahm ich im Herbst an einem Rasenrennen teil. Gegen Ende jener Saison stiess mein damaliger Passagier Pascal Brechbühl dazu. Über den kommenden Winter gingen wir viel nach Italien trainieren, und im Frühling nahm ich meine erste Saison mit Pascal in Angriff. Wir nahmen an der Schweizer Meisterschaft teil.“

Die wievielte Saison ist das für dich eigentlich schon?
„Ich bin nun in meiner vierten Saison. Drei Saisons lang war Pascal Brechbühl mein Passagier, seit dieser Saison ist es Stefan Forster.“

Zu den Beifahrern, den „Plampis“: Ist deren Motivation auch, irgendwann selber Pilot zu sein?
„Nicht unbedingt, die meisten Passagiere sind und bleiben Passagiere. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, wo ein Plampi gezwungenermassen fahren muss. Man beginnt entweder als Fahrer oder als Passagier, und bleibt das auch. Man will auch als Plampi gut werden, Leistung zeigen und alles perfektionieren. Ein Wechsel zum Fahrer würde auch ein ‚Von vorne anfangen‘ bedeuten. Zudem steckt dahinter auch ein Ehrgefühl, die sowohl die Fahrer aber auch die Passagiere kennen. Die Fahrer und die Plampis stacheln sich dabei gegenseitig an, nehmen sich aber auch im positiven Sinne aufs Korn.
Früher machte in einem Gespann der Fahrer 60 Prozent und der Beifahrer 40 Prozent aus. Heutzutage ist es sogar etwa 50 zu 50 Prozent. Die Faszination als Plampi ist das Spielen mit dem Gleichgewicht und das Einwirken der Fliehkräfte. Zudem auch das feinfühlige Zusammenspiel mit dem Piloten. Während dem Rennen ist es eine stille Kommunikation zwischen Fahrer und Passagier. Der Fahrer konzentriert sich aufs Fahren, der Passagier gleicht das Gespann aus. Wichtig ist auch, dass sich ein Pilot und ein Plampi gut ergänzen, die Strecke gemeinsam besprechen und hinterher auch die Läufe analysieren.“

Remo, warst du auch schon „Plampi“?
„Bei einem Rennen war ich noch nie Plampi. Bei einem Abschlusstraining versuche ich mich aber gelegentlich als Passagier, damit man die andere Seite auch mal sieht.“

Wie sieht bei dir eine Woche während der Rennsaison aus?
„Am Montag nach der Arbeit das Motorrad reinigen. Am Dienstagabend ‚schrauben‘, das heisst das Gefährt auseinander nehmen und kontrollieren. Allenfalls muss der Motor gewechselt oder der Rahmen geschweisst werden. Eventuell braucht es dazu auch noch den Mittwochabend. Zudem versuche ich, einmal unter der Woche zu joggen.
Vielfach geht‘s bereits am Freitagmorgen mit dem Wohnmobil und dem Motorrad im Gepäck an den Rennort. Am Samstag findet das Qualifying statt und am Sonntag die Rennläufe. Am Sonntagabend erfolgt wieder die Heimreise.“

Von wann bis wann läuft die Saison jeweils?
„Im April beginnt die Rennsaison, welche bis Ende September läuft.“

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Fahrer und Passagier müssen perfekt harmonieren
Bildquelle: Facebook

Wie sieht das Ganze finanziell aus? Wie gross ist euer jährliches Budget? Wie viel Geld steckt ihr selber rein?
„Das jährliche Budget mit allem Drum und Dran (inklusive den Anschaffungen) beträgt etwa 20‘000 bis 25‘000 Franken. Wir haben zurzeit etwa 6‘000 Franken an Sponsorengeldern. Ich stecke pro Jahr etwa 9‘000 Franken rein, Stefan gut 5‘000 Franken.“

Habt ihr schon viele Sponsoren? Wie geht ihr auf Sponsorensuche?
Remo lacht, und erklärt: „Zu wenig Sponsoren, wir haben derzeit deren acht. Auf Sponsorensuche gehen wir einerseits mit persönlicher Kontaktaufnahme. Andererseits mit Sponsorenbriefen, was leider nicht sehr effektiv ist. Es ist halt so, dass die grösseren Firmen vor allem den Breitensport und regionale Vereine unterstützen. Motorradsportler stehen bei diesen leider nicht so hoch im Kurs.“

Wie macht ihr auf euch aufmerksam?
„Unsere Sponsoren haben wir visuell auf dem Motorrad, dem Trikot und dem Wohnmobil gut sichtbar platziert. Weiter haben wir einen Facebook-Auftritt, wo wir regelmässig Rennberichte und Fotos aufschalten. Wir gestalteten auch einen Kalender mit Bildern von uns darauf. Zudem freuen wir uns über jeden Beitrag und jede Erwähnung im Bote der Urschweiz.“

Wie bereitest du dich körperlich und mental auf ein Rennen vor?
„Körperlich mit joggen, ein oder zwei Tage vor einem Rennen, um den Kreislauf anzukurbeln. Mental mache ich noch zu wenig, um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken.“

Wie bereitest du dich körperlich und mental auf die Saison vor?
„Kurt Bösch, welcher ausgebildeter Fitnesstrainer ist, erarbeitete mit mir zusammen einen Plan, damit ich als Saisonvorbereitung gezieltes Kraft- und Konditionstraining mache. Der Schwerpunkt des Trainings ist dabei auf den Oberkörper (Schulter- und Rückenbereich) sowie die Beine ausgerichtet. In dieser Zeit trainiere ich drei- bis viermal pro Woche.
Während der Saison halte ich mich mit joggen sowie velofahren fit, und gehe nur während einer längeren Pause in den Kraftkeller.“

Habt ihr auch Fans, die euch regelmässig an Rennen nachreisen und unterstützen?
„Nein, noch nicht. Es gibt Leute, die immer ans Rennen nach Muri AG kommen, um uns zu unterstützen. Das Team und die Familie sind immer dabei.“

Wie gross ist das Feuer, respektive wie lange möchtest du deinen Sport noch ausüben?
„So lange wie möglich und solange es die Zeit, das Geld und der Körper erlauben. Der Spass und die Freude sind nach wie vor vorhanden. Auch deshalb, weil ich Fortschritte und einen stetigen Aufwärtstrend erkenne. Es ist schliesslich auch nur ein Hobby. Ich will dabei meine Gesundheit mit etwas, das mir Freude bereitet, nicht riskieren.“

Hast du dir bereits Ziele für nächste Saison gesteckt?
„Im nächsten Winter baue ich mir ein neues Seitenwagen-Gefährt mit frischem Rahmen und frischem Motor. Dies wird sicher viel Zeit in Anspruch nehmen.“

Wann beginnst du mit der Planung für die neue Saison?
„Die Planung für die nächste Saison läuft schon. Die letzten Saisons war ich dabei immer zu spät. Die Vorbereitung muss rechtzeitig beginnen, damit man sich im Frühling voll auf die Rennen konzentrieren kann.“

Hast du zum Abschluss noch ein Wunsch oder irgendetwas, was du gerne noch im Zusammenhang mit dem Sidecarcross-Fahren loswerden möchtest?
„Generell prangere ich die mediale Präsenz an, welche sich beim Motocross-Sport leider nur spärlich zeigt. Wir haben beispielsweise in der Schweiz Solo-Motocrossfahrer, die bei WM-Läufen unter die ersten drei fahren. Diese Resultate nimmt man aber mangels Informationen fast nicht zur Kenntnis. Das Interesse in der Bevölkerung ist meines Erachtens vorhanden.
Vermutlich hat dies halt auch mit dem heutzutage grossen Öko-Bewusstsein zu tun. Deshalb bringt das Schweizer Fernsehen meist nur die Könige des Motorsportes, also die Formel 1 und die MotoGP, und die anderen Medien ziehen leider nach.“

remo inderbitzin und stefan forster
Remo Inderbitzin und Stefan Forster
Bildquelle: Martina Forster

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Remo für das Beantworten meiner Fragen. Dabei gewährte er mir einen tiefen Einblick in eine Sportart, die ich diese Saison dank Remo und seinem Team näher kennen lernen durfte.
Der Grund, dass der Motocross-Sport eher ein Mauerblümchen-Dasein fristet, lieferte der leidenschaftliche Seitenwagen-Fahrer am Schluss gleich selber nach: Die mediale Präsenz konzentriert sich auf andere Sportarten. Zudem hat das Ganze auch mit einem ökologischen Bewusstsein zu tun, welche an vielen Orten Rennen verunmöglicht. Aber seien wir doch mal ehrlich: Ob es nun an ein Fussballspiel, an ein Eishockey-Spiel oder an ein Schwingfest geht: Die meisten Besucher bewegen sich mit einem abgasspendenden Auto an solche Anlässe. Das einzig einigermassen Ökologische dabei ist der vor Ort gezeigte Sport. Aber auch für diesen braucht es viel Energie: Man denke nur an die Unmengen von Elektrizität, die es braucht, um Eis zu erzeugen oder eine Flutlichtanlage rings um ein Fussballfeld brennen zu lassen.
Vielleicht besucht der eine oder andere mal ein Rennen vom Sidecarcross-Team Inderbitzin, welche auch hin und wieder in der Schweiz an den Start gehen. Der Fahrer und das Team würden sich um jede Unterstützung freuen.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau auf Estavayer2016: Michael Nydegger hakt diese Saison ab und freut sich jetzt schon aufs ESAF vom nächsten Jahr

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Bildquelle: estavayer2016.ch

Am letzten Samstag sass ich bei brütender Hitze drin, und brütete neue Ideen aus. Eine davon setze ich bereits in die Tat um. Es handelt sich dabei um eine Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2016 in Estavayer-le-Lac, kurz Estavayer2016.
Speziell an meiner Vorschau ist, dass ich dabei meinen Fokus auf den austragenden Verband, den Südwestschweizerischen Schwingerverband (SWSV), legen werde. In loser Folge möchte ich bis zu dem Ende August in einem Jahr stattfindenden Grossanlass rund um den kleinsten der fünf Teilverbände berichten.

Den Begriff „Rösti-Graben“ höre und verwende ich zwar nicht gerne. In diesem Zusammenhang nehme ich einen solchen aber irgendwie auch in der Schwingerei wahr. Schon seit jeher interessierte ich mich, und wohl die meisten Deutschschweizer Schwingerfreunde, vor allem um die Resultate der vier Teilverbände Innerschweiz, Bern, Nordostschweiz und Nordwestschweiz. Die Ergebnisse der Südwestschweizer, der Exoten, las man eher beiläufig. Es interessierte vor allem dann, wenn Nicht-Südwestschweizer als Gäste in der Romandie schwangen.
Die Ausnahmen waren Hanspeter Pellet, Stefan Zbinden oder früher Ernest Schläfli und Gabriel Yerly. Diese vier Schwinger waren schweizbekannt, da sie erstens Eidgenossen waren und zweitens auch auf „fremdem“ Terrain sehr erfolgreich waren. Es waren aber meist sogenannte Einzelkämpfer.
Der einzige momentan aktive Eidgenosse im Südwestschweizer Schwingerlager ist Michael Nydegger.

Michael Nydegger
Bildquelle: schlussgang.ch

Den Startschuss mache ich heute mit besagtem Michael Nydegger. Mit ihm zusammen möchte ich den „schwingerischen Rösti-Graben“ in nächster Zeit ein wenig aufschütten. Michael hat sich bereit erklärt, mich bei meiner Vorschauen-Serie auf Estavayer2016 zu unterstützen.
Dies ist insofern wichtig, da ich der französischen Sprache leider nicht sehr kundig bin. Michael ist Deutschfreiburger, spricht aber auch hervorragend Französisch und kann mir so über mögliche Sprachgrenzen-Barrieren hinweg helfen.
Zudem kenne ich den in Plaffeien FR wohnhaften Sennenschwinger von letztem Jahr her, als einer meiner fünf Projektschwinger.

Der Maschinenbau-Ingenieur bestritt schon seit geraumer Zeit keinen Ernstkampf mehr. Nach auskurierter Schambein-Verletzung, welche er sich 2014 zuzog, verletzte er sich dieses Jahr beim Training am Ellbogen.
Leider konnte Michael bisher noch nicht ins Schwinggeschehen eingreifen.
Am Telefon befragte ich den 42fachen Kranzgewinner zu verschiedenen Punkten und besprach mit ihm die angesprochene Vorschauen-Serie.

Wie geht es dir?
„Eigentlich sehr gut, leider bin ich wieder verletzt.“

Was für eine Art Verletzung hast du dir zugezogen?
„Beim rechten Ellbogen ist die Sehne entzündet. Wenn ich den Ellbogen belaste und Kraft darauf gebe, tut es sehr weh.“

Wann und wo hast du dir diese neuerliche Verletzung eingehandelt?
„Dies geschah bei einem Training anfangs Sommer.“

Ist deine Schambein-Verletzung vollständig ausgeheilt?
„Ja, diese Verletzung ist inzwischen vollständig ausgeheilt.“

Wann konntest du geheilt von der Schambein-Verletzung dein Training aufnehmen?
„Diese Sache hat sich leider in die Länge gezogen. Ich konnte erst im April/Mai das Training wieder voll aufnehmen. Im Winter habe ich deswegen vor allem Technik trainiert.“

Wann kannst du wieder einen Ernstkampf bestreiten?
„Diese Saison habe ich wegen meiner neuerlichen Verletzung erst vor kurzem abgehakt. Da in der Südwestschweiz die wichtigsten Schwingfeste in gut einem Monat vorbei sind, reicht es mir deshalb leider nicht mehr für Ernstkämpfe. Zudem möchte ich kein Risiko eingehen und meine Ellbogen-Verletzung vollständig auskurieren lassen.“

Wann und wo hast du deinen letzten Ernstkampf bestritten?
„Dies war letztes Jahr beim Walliser Kantonalen in Saint-Martin. Dann hat das Theater mit der Schambeinverletzung angefangen.“

Trainierst du momentan wieder? Wann darf man dein Comeback erwarten?
„Mit der Ellbogensehnen-Entzündung bin ich sehr limitiert, ein Oberkörpertraining ist kaum möglich. Ich trainiere derzeit vor allem Ausdauer. Ich schwimme viel und gehe regelmässig joggen. Mein Comeback werde ich erst nächste Saison geben.“

Wie motivierst du dich immer wieder nach all den Rückschlägen?
„Das ist eine gute Frage. Entweder ist die Motivation vorhanden oder nicht. Bei mir ist es so, dass ich grosse Freude am Schwingen und am Training habe.“

Ist das Eidgenössische im nächsten Jahr eine wunderbare Motivation, noch einmal richtig durchzustarten und dein zweites Eidgenössisches Eichenlaub zu holen?
„Ja, das ist es. Es ist zudem einmalig, an einem Eidgenössischen in der Westschweiz, im Speziellen in meinem Heimatkanton Freiburg, antreten zu können. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf. So eine Chance werde ich als aktiver Schwinger keine mehr bekommen.
Mein Wunsch ist es, ab Mitte September wieder voll trainieren zu können. Ich möchte nächsten Winter im Training Vollgas geben.“

Darf ich mich für meine Vorschauen-Serie Estavayer2016 wieder bei dir melden? Du wärst mir eine grosse Hilfe, da du erstens sehr gut Französisch sprichst und ich zweitens beim SWSV praktisch niemanden ausser dich näher kenne.
„Ja, das darfst du. Es freut mich, dass du für unseren Verband Interesse zeigst.“

Michael, besten Dank für deine Antworten und deine zugesagte Unterstützung! Ich freue mich jetzt schon darauf, Land und Leute vom Südwestschweizerischen Schwingerverband näher kennen zu lernen und Euch, meinen Lesern, vorstellen zu können.

feldwaldwiesenblogger

Frauenschwingen: Nachgefragt bei Sonia Kälin

Heute widmen wir uns dem Frauenschwingen. Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich noch nie an einem Schwinget der Damen war. Dieses Versäumnis möchte ich aber in nächster Zeit nachholen.
Beim Thema Frauenschwinget geht es mir ein bisschen ähnlich wie beim Frauenfussball. Klingt irgendwie exotisch, und scheint eine Art „Wildern“ in einer absoluten Männerbastion zu sein. Aber: Beide Sportarten erlebten in letzter Zeit eine merkliche Akzeptanz. Völlig zu Recht. Wie der Frauenfussball hat auch das Frauenschwingen seinen Platz gefunden.

Ein Blick auf die Homepage des Eidgenössischen Frauenschwingverbandes (EFSV) gewährt uns einen Einblick in die Geschichte: „1980 fand in Aeschi bei Spiez das erste Frauenschwingfest statt. Mit über 10’000 Besuchern und mehr als 80 Schwingerinnen, die ihr Können zeigten, war das natürlich schon eine kleine Sensation. 1992 wurde von Jakob Roggenmoser am selben Ort der Eidgenössische Frauen-Schwingverband (EFSV) gegründet. Der EFSV zählt mittlerweile etwa 130 aktive Schwingerinnen, rund die Hälfte davon Mädchen.“

Anders als bei den Männern küren die Frauen jährlich eine Schwingerkönigin. Diese wird nicht nur an einem Fest ermittelt, sondern bei den sieben Kranzfesten, welche dieses Jahr stattfinden. Dabei zählen die fünf besten Resultate für das Endergebnis. Das heisst, es gibt zwei Streichresultate. Das letzte Schwingfest der Saison heisst deshalb „Eidgenössisches“, weil an jenem Fest die Königin gekürt wird. Manchmal fällt die Entscheidung aber auch schon an den vorherigen Festen. Dieses Jahr ist das Eidgenössische am 4. Oktober in Gränichen AG.

Eine der prominentesten Vertreterinnen des Frauenschwingens ist Sonia Kälin aus Egg bei Einsiedeln. Die Sek-Lehrerin wurde 2012 Schwingerkönigin und hat gute Chancen, dieses Jahr erneut diesen Titel zu gewinnen.
Um ihre Leidenschaft, das Schwingen, besser verstehen zu können, befragte ich die sportliche junge Frau zum Frauenschwingen.

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Bildquelle: Sonia Kälin (Fotografin: Christa Bossard)

Wie und wann kamst du zum Schwingsport?
„Durch meine Familie. Mein Vater war schon Schwinger und die Brüder meiner Mutter ebenfalls. Wir verfolgten jeweils jeden Sonntag das Schwinggeschehen meines Vaters und meiner Onkel am Radio. Als dann mein kleiner Bruder das Training besuchte, gingen zwei Schwestern und ich einfach mit.“

Was bedeutet für dich Schwingen?
„Das Schwingen ist für mich sehr wichtig, momentan sogar sozusagen mein Lebensmittelpunkt. Es gibt mir einen guten Ausgleich zum kopflastigen Beruf und ich komme bei diesem Sport immer auch an meine körperlichen Grenzen. Ausserdem ist es eine Lebensschule. Man lernt zu gewinnen und zu verlieren, und vor allem, nach jeder Niederlage wieder aufzustehen und vorwärts zu schauen.“

Was denkst du, ist das Frauenschwingen heutzutage besser akzeptiert als noch vor ein paar Jahren?
„Ich hoffe es zumindest. Nein, im Ernst, ich habe den Eindruck, dass diesbezüglich einiges gegangen ist. Jeannette Burri-Arnold hat den Weg geebnet, ich konnte in den letzten Jahren daran weiter arbeiten. Ich persönlich habe auch einen guten Draht zu verschiedenen Schwingern, ich glaube, bei ihnen bin ich akzeptiert.“

Was wurde für eine bessere Akzeptanz des Frauenschwingens bisher unternommen?
„Wir versuchen auf dem Schwingplatz wirklich auch technisch zu schwingen und guten Sport zu zeigen. Wir bereiten uns seriös vor, trainieren hart. Das Bild der sich auf dem Platz herumstossenden Mannsweiber hat sich komplett geändert. Die meisten Schwingerinnen sind athletisch und dynamisch.
Ich habe auch schon einige Präsentationen über das Schwingen gehalten und konnte so meine Leidenschaft an interessierte Zuhörer weiter geben.“

Hast du das Gefühl, dass ihr Frauenschwinger von den Aktiven bei den Männern immer noch ein wenig belächelt werdet?
„Es kommt ganz darauf an, bei wem man da nachfragt. Wer das Frauenschwingen wirklich schon gesehen hat, wird wohl nichts negatives mehr sagen. Wir haben immer auch wieder Spitzenschwinger als Zuschauer bei uns. Dies freut uns natürlich riesig. Ausserdem finde ich, sollte es doch um den Sport Schwingen gehen, und nicht darum, ob ihn jetzt eine Frau oder ein Mann ausführt.“

Haben die Zuschauerzahlen bei den Frauen-Schwinget auch zugenommen?
„Je nach Region haben wir viele Zuschauer, bis zu 1‘000 in Unteriberg SZ oder dann halt etwa 200 bis 300 Festbesucher. Es ist schade, finden nicht mehr Leute den Weg zu uns. Denn wir haben wirklich auch etwas zu bieten an unseren Schwingfesten.“

Spürt ihr den allgemeinen Schwingsport-Boom auch beim Frauenschwinget?
„Ich persönlich spüre ihn vor allem mit Medienanfragen, welche ich als Königin bekomme. An den Festen selber fehlt der Aufschwung sowohl zuschauer- als auch athletenmässig. Eigentlich sollten wir doch doppelt so viele Schwingerinnen haben…“

In welcher Region hat es am meisten Frauen oder Meitli, die schwingen?
„Momentan ist unser Club, der neu ‚Frauenschwingclub der Urschweiz‘ heisst, wohl der grösste. Es wäre toll, würde es auch dementsprechend mehr Schwingfeste in der Zentralschweiz geben. Dies wäre auch für Clubsponsoren spannender. Momentan sind wir übrigens noch auf der Suche nach Firmen, die sich eine Kooperation mit uns vorstellen könnten.“

Wie viel Zeit pro Woche investierst du fürs Schwingen? Welche Trainingseinheiten absolvierst du?
„Momentan besuche ich zwei bis drei Schwingtrainings. Ich trainiere manchmal auch noch mit den Ringern Kondition und Kraft. Im Herbst/Winter habe ich einige Mattentrainings pro Woche und gehe auch in den Kraftraum.
Es sind durchschnittlich etwa acht bis zehn Stunden wöchentlich.“

Welches sind deine bevorzugten Schwünge?
„Scheinbar sind meine Hakenschwünge gefürchtet. Doch seit dieser Saison versuche ich, auch mit dem Kurz erfolgreich zu sein.“

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Bildquelle: Sonia Kälin (Fotografin: Christa Bossard)

Sind deine Vorbilder Schwingerinnen oder Schwinger?
„Das ist ganz klar Martin Grab. Ich finde es bemerkenswert, welche Leistung er noch immer bringt, und das mit Familie, Hof und eigenem Geschäft. Da muss wohl auch noch eine starke Frau dahinter stehen! Martin ist auch als Mensch toll, er ist eine Art Vaterfigur für uns im Training und motiviert die Schwinger hervorragend. Er war es auch, welcher mich im Jahr 2012 mit einem guten Gespräch und einem ‚Riesenklapf‘ auf die Schulter so stark beruhigen konnte, dass ich auf dem Stoos meine Bestleistung abrufen konnte und Königin wurde.“

Wie lange würdest du gegen einen Philipp Laimbacher im Sägemehlring bestehen?
„Hmmmm, also wenn ich drei Sekunden stehen könnte, wäre das schon sehr lange. Gegen einen Schwinger haben wir Frauen einfach keine Chance.“

Hast du dich eigentlich auch schon mit Schwingern wie dem eben erwähnten Philipp Laimbacher gemessen?
„Nein, mit Philipp habe ich soweit ich mich erinnern kann noch gar nie zusammen gegriffen. Wäre aber mal was…
Manchmal mache ich als Scherz einen Gang mit Christian Schuler. Aber eben, würde er richtig schwingen, hätte ich wohl beim Greifen schon unzählige Wirbel und Rippen gebrochen. Diese Kraft der Männer ist einfach unglaublich.“

Wie viele Schwingfeste bestreitest du pro Jahr?
Ich mache immer alle Schwingfeste, die es für uns Frauen gibt. Weil wir eine Jahresmeisterschaft haben, sind wir ja auch fast dazu gezwungen…“

Vorstellbar oder Utopie: Ein Schwingfest wo Frauen und Männer gemeinsam teilnehmen (natürlich nur untereinander schwingend)?
„Für mich wäre das ein Traum. Ich denke, es könnten beide Seiten voneinander profitieren. Auch dem Zuschauer würde etwas Neues geboten werden. In der Westschweiz sind solche Aktionen übrigens manchmal möglich. Das finde ich extrem toll.“

So wie man liest, könntest du dieses Jahr zum zweiten Mal Schwingerkönigin werden. Wie beurteilst du deine Chancen dazu?
„Die Chancen sind intakt, aber abgerechnet wird erst am 4. Oktober. Bis dahin ist es noch ein steiler Weg. Aber diesen werde ich Schritt für Schritt gehen. Wichtig ist, dass ich gesund bleibe.“

Wenn du den Titel anfangs Oktober gewinnen solltest, würdest du deine Karriere als Schwingerin anschliessend beenden?
„Nein, ich habe einige Sponsoringverträge, die auch im nächsten Jahr noch laufen. Ich kann mir ein Leben ohne Schwingen gar nicht vorstellen. Ich werde so lange schwingen, wie ich Spass daran habe und noch fit bin. Irgendwann werde ich dann wohl zu ruhigerem Sport übergehen müssen…“

Arbeitest du zu hundert Prozent als Sek-Lehrerin oder hast du noch eine andere „Brot-Tätigkeit“?
„Ich bin ‚nur‘ Lehrerin, und eben Sportlerin. Für viel mehr reicht die Zeit gar nicht. Auch mein Schwyzerörgeli macht momentan eine längere Pause.“

Wie reagieren deine Schüler auf dich, mit dem Wissen, dass du eine der besten Schwingerinnen des Landes bist?
„Zu Beginn sind sie jeweils sehr respektvoll, fast ein bisschen eingeschüchtert. Aber schon in der zweiten Schulwoche merken sie, dass ich einfach eine normale Frau bin, halt einfach ‚d‘Frau Chääli‘.“

Welche Sportarten machst du sonst noch gerne?
„Ich mache eigentlich alles gerne, was mit Bewegung zu tun hat. Joggen, biken, schwimmen, reiten etc. Ich liebe Bewegung, vor allem, wenn man dabei draussen sein kann.“

Könntest du dir vorstellen, nach deiner Karriere dein Können und Wissen an den schwingerischen Nachwuchs weiterzugeben?
„Ja, das kann ich mir vorstellen. Von September bis Januar trainierte ich den Mädchen-Nachwuchs in Einsiedeln. Das war cool, ein Mädel hat bereits einen Zweig gemacht.“

Wie ist es eigentlich um den schwingerischen Nachwuchs bei den Mädchen bestellt?
„Auch da hat es in meinen Augen noch immer viel zu wenig…
Aber wir arbeiten daran, dass es vorwärts geht. Beispielsweise biete ich an unserer Schule jeweils im Turnblock Ringen/Schwingen an.“

Hast du abschliessend einen Wunsch, eventuell gar an den Eidgenössischen (Männer-)Schwingerverband?
„Ich würde eine nähere (faire) Kooperation sehr begrüssen. Uns geht es ja ums gleiche, wir lieben das Schwingen, genau wie die Männer auch. Eine Zusammenarbeit wäre eine grosse Bereicherung für beide Seiten.“

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Bildquelle: Sonia Kälin (Fotografin: Christa Bossard)

Mit viel Interesse habe ich die Antworten von Sonia Kälin gelesen. Vielen herzlichen Dank, Sonia!
Mittlerweile kenne ich mich beim Schwingen recht gut aus. Aber nur dem Teil, welcher von den Männern bestritten wird. Eindeutig ein Manko, denn die Frauen stecken ebenso wie ihre männlichen Kollegen viel Herzblut, Zeit und Geduld in ihre gemeinsame Leidenschaft. Dass das Frauenschwingen lange Zeit nur ein Mauerblümchen-Dasein fristete, ist auch ein Stück weit der „Verdienst“ des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), welche die Schwingerinnen lange Zeit einfach ignorierte.

Selbst die Medien schenkten ihnen in der Vergangenheit höchstens ein paar vertrocknete Zeilen. Das hat sich in den letzten Jahren eindeutig zum Guten gebessert. Selbst die Schwingerzeitung SCHLUSSGANG widmet sich neuerdings in etwa sieben Ausgaben pro Jahr auf jeweils einer Seite dem Frauenschwingen.

Dabei geht es nicht mehr um die Frage „Gleichberechtigung oder nicht?“ sondern viel mehr um Akzeptanz.
Man sollte auch niemals den Fehler begehen, und Frauen mit Männer vergleichen. Die Natur und der liebe Gott haben in Sachen Rohkraft die Männer einfach grosszügiger ausgestattet. Das ist nun mal Fakt und darf überhaupt keine Rolle spielen. Dafür bewegen sich die Frauen umso geschmeidiger und eleganter…

Was Frauen wie Sonia Kälin leisten ist Spitzensport, nebst einem Vollpensum als Lehrerin. Kälin ist nach der von ihr erwähnten Jeannette Burri-Arnold diejenige Schwingerin, welche das Frauenschwingen so richtig populär machte.
Ich würde meinen, dass die Schwingerinnen nicht nur unser aller Akzeptanz verdienen, sondern auch Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen. Darum ein Vorschlag zur Güte: Jeder/jede (Männer-)Schwingfestbesucher(in) sollte sich unbedingt einmal pro Jahr ein Frauenschwinget in die Agenda eintragen!

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