„Der Boom kommt eher nach dem ESAF2016“ – Interview mit dem SWS-Verbandspräsidenten Blaise Decrauzat, Teil 2

Im ersten Teil des Interviews mit Blaise Decrauzat ging es unter anderem um die Saison-Einschätzung der Südwestschweizer Schwinger, wie sie sich aufs ESAF2016 vorbereiten und wie’s um die Vorfreude auf diesen Grossanlass steht. Weiter um die wichtigsten Tätigkeiten des Verbandspräsidenten, was ihn derzeit am meisten beschäftigt, wie es um den schwingerischen Nachwuchs in der Romandie bestellt ist und wo es in der Westschweiz am meisten Schwinger hat.
Die erste Frage im Teil zwei habe ich bereits in einem Beitrag vom 4. August angekündigt: Ein gutes Jahr vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest: Wieso eigentlich der Zusatz „Älplerfest“?

Blaise Decrauzat
Blaise Decrauzat
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was bietet das ESAF2016 in Bezug auf das „Älplerfest“?
Blaise überlegt. Es wird sicher einen traditionellen Umzug geben, dazu kann ich aber noch nichts sagen, da es noch nicht offiziell ist. Man ist daran am Organisieren.
Aber sonst, was bleibt noch vom Älplerfest? Man darf sicher den Sport, also Schwingen, Hornussen und Steinstossen, dazu zählen. Jodler und Fahnenschwinger werden sicher auch dabei sein. Ob es nebst den Lebendpreisen weitere Kühe geben wird, weiss ich nicht.

Hat das ESAF schon seine Strahlkraft vorausgeworfen, und so zu einem Schwingboom in der Romandie geführt?
Ein Boom, ich vermute nicht. Den Athleten ist bewusst, was auf sie zukommen wird und sie machen auch etwas dafür. Wir spüren einen gewissen Druck, auch von den Zeitungen. Einige berichten fast jede Woche darüber. Sicher, es gibt viele Leute, die über das ESAF reden. Ich denke aber, dass der Boom eher nachher kommt.

Hast Du das Gefühl, dass es auch im Schwingsport eine Art „Rösti-Graben“ gibt?
Blaise grinst und meint: Das musst du meine Tochter fragen. Sie macht eine Gymi-Arbeit über den „Rösti-Graben“.
„Rösti-Graben“ im Schwingen? Ich denke, ein bisschen schon. Diejenigen in der Romandie, welche mit dem Schwingsport zu tun haben, leben schon für diesen Sport.
Ich weiss nicht, ob du im SCHLUSSGANG gelesen hast, dass im Wallis beim Kantonalen nicht alles rund lief. Wir haben manchmal schon einen „Tête de Romande“, einen Westschweizer-Kopf. Ruedi Schläfli (TK-Chef) und ich am „Kopf“ des Verbandes ziehen das jetzt durch. Wir arbeiten nach den Richtlinien des ESV und versuchen alles so gut wie möglich zu machen. Aber das ist nicht immer so einfach!
Es ist bei uns schon eine andere Mentalität vorhanden. Du wirst in Estavayer sicher feststellen, dass das Fest gut organisiert ist. Einfach anders als bei euch. Wir sind halt Romands!

Wird es in der Romandie dereinst wieder so einen Topschwinger wie Hanspeter Pellet, Stefan Zbinden oder früher Ernest Schläfli und Gabriel Yerly geben?
Benjamin Gapany könnte einer sein, wenn er gesund bleibt. Gapany ist 1,90 Meter gross und 110 Kilogramm schwer. Vielleicht noch Steve Duplan. Er ist nur etwa 1,80 Meter gross und 85 Kilogramm schwer, aber technisch sehr beschlagen. Vergleichbar mit dem Innerschweizer Andreas Ulrich. Bei Cardinaux dasselbe. Beide müssen noch etwa zehn Kilogramm zulegen, dabei die Technik aber nicht verlieren.
Jetzt klagen wir, dass wir zurzeit keinen Topschwinger haben. Das kann sich wieder ändern. Wir haben viele gute Nachwuchsleute. Die sind aber noch zu jung, um eine Prognose abgeben zu können. Diese Schwinger sind gewichtsmässig alle leicht, aber technisch gut. Bei uns in der Romandie ist das genügend. Aber wenn sie beispielsweise so einen Athleten wie Remo Käser vor sich haben, wird es schon schwierig.

Michael Matthey
Michael Matthey, Kranzgewinner beim Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest
Bildquelle: schlussgang.ch

Einige Eurer Schwinger konnten diese Saison auch ausserhalb Ihres Verbandsgebietes sich den Kranz ergattern. Ein schönes Beispiel war Michael Matthey beim Innerschweizerischen in Seedorf. Wie stuft Ihr diese Erfolge ein?
Das ist schon top, diese Erfolge sind auch unsere Motivation. Das gehört zu den Hauptzielen, dass unsere Schwinger auch auswärts den Kranz holen. Die zwei Kränze auf dem Weissenstein waren für uns ebenfalls sehr gut. Dieses Jahr holten wir insgesamt vier Kränze ausserhalb unseres Teilverbandgebietes. Letztes Jahr waren es nur zwei.
In der Romandie ist es für unsere Schwinger einfacher, den Kranz zu erkämpfen. Die besten Akteure holen jährlich drei bis vier Kränze an unseren Kranzfesten. Wenn sie gut schwingen wollen, müssen sie auch ausserhalb unseres Verbandsgebietes antreten. Wenn unsere Athleten dort den Kranz holen, beweisen sie, dass sie auch etwas können.

Habt ihr bewusst an Euren Kantonalen Berner Gäste, um diese Schwingfeste aufzuwerten?
Am Walliser waren die Oberländer, am Neuenburger die Seeländer und am Freiburger die Oberaargauer zu Gast. Beim Waadtländer Kantonalen waren die Oberhabsburger (Luzerner) eingeladen. Natürlich, diese Gäste haben wir auch, um unsere Schwingfeste aufzuwerten und interessant zu machen. Weiter auch, um andere Paarungen als sonst einteilen zu können. Wenn wir einen besseren Stand im Vergleich zu den anderen Teilverbänden hätten, sähe das auch anders aus. Zehn gute Athleten machen normalerweise das Fest schon interessant.
Beim Freiburger Kantonalen hatten wir keine Chance bei der Teilnahme von Matthias Sempach, Remo Käser und ihren Kollegen.
Vom ESV aus haben wir deswegen keine Sondergenehmigung. Es gibt seit kurzem eine Richtlinie, welche die Gäste-Einladung regelt. Du darfst einen Klub einladen, musst aber Beziehungen mit diesem Klub vorweisen können. Der Schwingklub Lausanne hat beispielsweise eine freundschaftliche Beziehung mit dem Schwingklub Oberhabsburg. Die Freiburger haben gute Kontakte zum Schwingklub von Schwingerkönig Sempach, den Oberaargauern. Matthias Sempach hat in Freiburg zwei Jahre seiner Lehrzeit absolviert. Seinen allerersten Kranz holte er sich beim Freiburger Kantonalen.

Welche Gegend in der Romandie weist die meisten Schwingerfreunde auf? Wo ist das Interesse am Schwingsport am Grössten?
Auch bei diesem Punkt, der Kanton Freiburg. Im Waadtland gibt es ebenfalls viele treue Schwingerfans. Wenn die einmal gekommen sind, bleiben sie dem Schwingsport treu. Die Neuenburger und die Walliser Schwinggemeinden sind ein wenig unter sich. Mit William Martinetti haben sie im Wallis jemanden, der den Schwingsport weiterbringt. In Neuenburg gibt es (noch) niemanden, der das Schwingen vorantreibt. Leider ebenso im Kanton Genf.
Die Freiburger haben wohl die meisten Schwinger. Die Waadtländer stellen aber zurzeit wohl die stärksten Schwinger mit Matthey, Piemontesi, Duplan, Cardinaux und Gottofrey. Die besten Freiburger Schwinger sind Nydegger, Gapany, Moser, Haenni, Glauser und Guisolan. Der beste Neuenburger Schwinger ist derzeit Samuel Dind.
Sehr schade ist einfach, dass Michael Nydegger, unser Leader und einziger zurzeit aktive Eidgenosse, letztes Jahr ab Mai und dieses Jahr die komplette Saison verletzungshalber verpasste.

Fühlst Du dich im Vergleich mit den anderen vier Teilverbänden manchmal benachteiligt?
Nein, ich fühle uns nicht benachteiligt. Ob an einem Bergfest wie beim Weissenstein oder an einem Teilverbandsfest, die Verantwortlichen helfen uns auf der sportlichen Ebene. Sie unterstützen uns dabei, dass auch wir gute Resultate erzielen können. Das ist gut für uns und unsere Schwinger, denen das Selbstvertrauen gibt.
Auf der ESV-Ebene besteht eine gerechte Aufteilung unter den fünf Teilverbänden.

Samuel Dind und Benjamin Gapany
Samuel Dind und Benjamin Gapany, die beiden Kranzgewinner beim Weissenstein-Schwinget
Bildquelle: arls.ch

Der Auftritt der vier Südwestschweizer Schwinger am Kilchberger Schwinget letztes Jahr war ja nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.
Es waren vier Südwestschweizer Schwinger dabei. Keiner davon war im Ausstich. Von den 16 Gängen resultierten zwei Gestellte und 14 Niederlagen. Wir haben das diskutiert, besprochen und dann abgehakt.
Was soll ich sagen? Wir vom Verband haben dabei vielleicht einen Fehler bei der Selektion gemacht. Das Problem war, dass wir die Selektion Mitte Juli nach dem Südwestschweizerischen vorgenommen haben. Nachher waren noch zwei Kantonale Schwingfeste. Dind bestritt noch das Nordwestschweizerische, wo er den Kranz holte. Wir haben vielleicht nicht die vier besten genommen. Zudem waren die Schwinger in Kilchberg einfach nicht parat. Gapany und Glauser waren nominell die besten Südwestschweizer auf dem Platz. Beide konnten an diesem Tag nicht ihre Leistung abrufen. Ich denke, das sollte nicht mehr passieren.
2013 holten wir keinen Kranz am ESAF in Burgdorf. Das Jahr darauf wollten wir es am Kilchberger besser machen, schafften es aber leider nicht. Wir machten damals schon eine Krisensitzung mit dem TK und dem Vorstand. Das ist aber nun Geschichte und wir schauen nach vorne. Estavayer ist nun unser Ziel, dort müssen wir etwas zeigen. Wir setzen alles daran, dass uns das auch gelingt.
Ein weiteres positives Beispiel: Der Freiburger Glauser war einer der ersten Schwinger, der zu uns Funktionären kam und fragte: Wie soll ich mich vorbereiten, um den Kranz in Estavayer machen zu können? So haben wir angefangen, etwas aufzubauen um die Schwinger unterstützen zu können.
Aber wie ich schon erwähnte, verantwortlich sind in erster Linie der Schwinger und sein Schwingklub. Wir sind das Dach und bereit für jegliche Hilfestellung.

Hast Du abschliessend einen Wunsch oder eine Bitte?
Blaise überlegt länger. Wir haben ein Loch an der Spitze des Verbandes. Das kommt zu einem Teil auch wegen den zurückgetretenen Schwingern. Viele Schwinger, welche Erfolg hatten, siehst du nachher nicht mehr bei uns. Das ist meines Erachtens ein Fehler. Ich habe selber nie geschwungen, und kann daher kein schwingerisches Wissen weitergeben. Da kann man sich schon fragen: Wieso bin ich als Nichtschwinger Präsident vom Südwestschweizerischen Schwingerverband geworden? Mein Wunsch wäre, dass die ehemaligen Spitzenschwinger mehr in unseren Verband eingebunden und eine Funktion übernehmen würden.
Ich werde mein Amt in gut anderthalb Jahren niederlegen. Ich bin dann 12 Jahre Präsident, das ist genug. Der nächste Präsident wird vielleicht auch ein Nichtschwinger sein. Es ist auch ein Wunsch, meine Nachfolge gut zu organisieren. Es wäre gut, heute schon zu wissen, wer der nächste Präsident wird.
Eine Bemerkung zu den Ämtern: Beim Südwestschweizerischen Verband sind alle Posten besetzt. Auf der Kantonalstufe sind leider nicht alle Ämter besetzt.
Beim Posten des Pressechefs fängt es an: Wir haben beispielsweise keinen Pressechef in Freiburg und in Neuenburg.
Aber die Posten der Jungschwingerleiter und der Technischen Leiter sind bei allen Kantonalverbänden glücklicherweise besetzt.

Hier bin ich am Ende meines interessanten und aufschlussreichen Gespräches mit Blaise Decrauzat. Der Mann lebt regelrecht für den Schwingsport und versucht in der Romandie etwas aufzubauen, sowie zu bewegen. Ich wünsche ihm dabei viel Erfolg, Ausdauer und gute Leute, welche ihn unterstützen.
Meine Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in gut einem Jahr trägt hoffentlich auch ein wenig zur Unterstützung bei. Vor allem aber hoffe ich, dass in der Deutschschweiz dadurch mehr Verständnis und Entgegenkommen gegenüber dem kleinsten der fünf Teilverbände entgegengebracht wird.

Blaise, vielen Dank für das angenehme Gespräch in Murten und deine angebotene Unterstützung für meine weiteren Beiträge über den Südwestschweizer Schwingsport!

feldwaldwiesenblogger

Wann ist das Boot voll?

flüchtlingsströme
Bildquelle: sueddeutsche.de

Viele fragen sich momentan: Wann ist das Boot voll? Wie viele Flüchtlinge erträgt Europa noch? Die Schweiz?
Der einfache Bürger hat viele Fragen. Aber: Bereits schon diese Fragen stossen bei den Gutmenschen sauer auf. Sie werden gar als rassistisch eingestuft und in die Rechtsextreme Ecke gedrängt. Dabei sind es nur brennende Fragen…
Deutschland soll dieses Jahr 800‘000 Flüchtlinge bekommen und aufnehmen. Man stelle sich diese Zahl mal vor. Probleme hüben und drüben. Aber: Rechtsextreme Übergriffe wie dieses Wochenende in Deutschland verurteile ich aufs Schärfste.

Was wir in Europa nun haben, sind die Auswirkungen. Die Fehler wurden anderswo und zu einer anderen Zeit gemacht. Man liess die Araber ihren Frühling geniessen, unterstützte Libyen bei seinem Befreiungsversuch aus Gaddafis Klauen. Die grössten Versäumnisse der Weltpolizisten aber waren der Bürgerkrieg in Syrien und das Einnisten der IS im Niemandsland zwischen Syrien und Irak. Jetzt ist vieles zu spät, weil zu stark zerstört, verwüstet und unbewohnbar gemacht. Dennoch: Ein Eingreifen täte dringend Not.
Kein Wunder bewegen sich aus diesen Gebieten riesige Flüchtlingsströme gen Europa. Übers Meer, Richtung Italien oder Griechenland. Von dort strömen sie entweder über die Balkanroute nach Westeuropa, oder ungehindert von Italien her nach Norden. Ungarn beispielsweise lässt einen Grenzzaun errichten, und hofft so die Eindringlinge fernzuhalten. Kann man es ihnen verübeln? Die Probleme der östlichen EU-Staaten sind riesig, die Menschen dort haben schon genug eigene Sorgen.

Sehr viele Flüchtlinge sind nun auf dem Europäischen Kontinent, es werden täglich mehr. Und es sind Menschen, welche unsere Hilfe brauchen. Menschenwürdige Unterkünfte müssen schnell her. Aber wo, in der kurzen Zeit?
Wann reagiert der bürokratische Koloss EU? Wann schreitet die UNO ein? Wann kommt die Einsicht, diese Flüchtlingsströme gleich auf dem afrikanischen Kontinent zu stoppen? Afrika blutet aus, und wird viele Jahre später noch diesen Exitus schmerzhaft zu spüren bekommen. Eine Zukunft scheint dort nicht mehr möglich. Wer kann, will weg.
Eine Zukunft für halb Afrika gibt es aber auch nicht in Europa. Wo sollen diese Massen von Menschen menschenwürdig untergebracht, verpflegt und beschäftigt werden? Tausende Fragen, schier keine Lösung.

Wie man dieser Tage lesen konnte, ziehen die Flüchtlingsströme um die Schweiz herum Richtung Norden. Linke meinen, die „Schreckschraube“ Sommaruga mit ihrer restriktiven Asylpolitik sei der Grund dafür. Die SVP und deren Anhänger hingegen meinen, dass immer noch genug kommen und die liebe Simonetta einfach zu nett sei.

Tatsache ist, dass seit dem Sommer die einzelnen Schweizer Gemeinden mehr Flüchtlinge denn je bei sich aufnehmen und unterbringen müssen. Der „Fall Muotathal“ machte national Schlagzeilen: Zwei Schweizer müssen ihre Wohnung verlassen, um Flüchtlingen Platz zu machen. Erhitzte Gemüter, überforderte Behörden. Ständig auf der Suche nach Platz, Möglichkeiten und Machbarem.

Ich finde, es ist trotzdem glücklicherweise ziemlich ruhig, ohne nennenswerte Übergriffe. Die Bevölkerung macht einfach die geballte Faust im Sack. Diskussionen wurden breit getreten. Die Syrer, das sind sicher echte Flüchtlinge. Aber die Eriträer? Man konnte beides lesen: Eine Rückführung ist unmöglich, weil in Eritrea menschenunwürdige Zustände herrschen. Andernorts war die Rede davon, dass es sich eigentlich nur um Wirtschaftsflüchtlinge oder Militärverweigerer handelt und die Lage dort sehr wohl eine Rückschaffung zulasse. Was stimmt nun, wem soll ich glauben?
Manchmal bin ich es einfach leid: Keine vernünftigen Informationen. Nur politisch motivierte und auf eine Tendenz hin zielend. Die Medien sind mit ganz wenigen Ausnahmen einfach nicht mehr neutral. Und da soll unsereins, ein einfaches Gemüt, keine Fragen stellen dürfen?

Mich machen zwei Dinge hässig: Eben, dass ich keine Fragen stellen darf, ohne in einen „braunen“ Ecken gedrängt zu werden. Zudem die Tatsache, dass die Mächtigen der Welt, oder wenigstens in Europa, schlicht nicht handeln. Stoppt endlich diese gefährlichen Meeres-Überfahrten, legt diesen elenden Schleppern das Handwerk! Und stoppt diesen Exitus aus Afrika. Das ist brutal gefährlich. Ein ausgeblutetes Afrika, ohne jungen Leute? Das wird katastrophale Auswirkungen für die nahe und ferne Zukunft haben…
Wenn Europa wirklich menschenwürdig handeln will, müssen sie die Flüchtlingsströme in Afrika aufhalten. Notfalls mit Gewalt. Notfalls mit militärischem Eingreifen in Syrien. Notfalls mit Errichten von Lagern vor Ort, in sicheren Gebieten. Damit diese Leute nach der Beruhigung der Lage wieder in ihre Dörfer und Städte zurückgehen können. Denn: Sind sie einmal bei uns in Europa, werden Rückführungen fast unmöglich.

Wann ist das Boot voll? Stelle ich die falschen Fragen, oder sind es die goldrichtigen? Bin ich mit meinen Gedanken menschlich genug, oder überhaupt nicht? Werde ich von linken Kreisen wohl eines Besseren belehrt? Oder meinen SVP-Vertreter, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe?

Ich habe auch gehört, dass wir Schweizer unsere Zukunft in Händen halten. Bei den eidgenössischen Wahlen in gut zwei Monaten. Wirklich? Ich bin überzeugt, dass wir mit den entsprechend gewählten Personen eine Richtung vorgeben können. Aber sonst?

feldwaldwiesenblogger

Die Buchautorin Blanca Imboden schreibt an einem „Schwinger-Roman“

Kürzlich hat mir Blanca Imboden verraten, dass sie an einem neuen Roman schreibt, dessen Geschichte sich rund ums Schwingen abspielt. Ich habe mir diese Information sogleich notiert und sieben Fragen dazu vorbereitet. Die Fragen habe ich diese Woche der Schwyzer Buchautorin zugestellt. Meine Stoppuhr hatte ich zwar nicht zur Hand, für die Beantwortung der Fragen brauchte Blanca aber keine Stunde! Ich war sehr erstaunt, wie schnell und präzise die Frau ihre Antworten formulierte.

Wer aber ist Blanca Imboden? Auf ihrer eigenen Homepage findet man viele interessante Informationen zu der in Ibach SZ lebenden Buchautorin. Schreiben war ihre erste Leidenschaft, die zweite die Musik. Während vielen Jahren arbeitete die begeisterte Wandersfrau als Redaktionssekretärin und Kolumnistin bei der Neuen Schwyzer Zeitung (NSZ). Nach der Auflösung der NSZ war sie von Januar 2014 bis Ende Mai 2015 bei der Seilbahn Morschach-Stoos tätig. Ab diesem Juni ist Blanca nun selbständige Buchautorin und Schriftstellerin. Die schreibgewandte Frau hat mittlerweile schon zehn Romane veröffentlicht, mit „Wandern ist doof“ schaffte sie den Durchbruch. Diesen Frühling brachte die Ibächlerin „MATTERHÖRNER“ heraus. Dieser Roman stieg schon während der ersten Woche in die Schweizer Bestsellerliste ein.

Blanca Imboden
Blanca Imboden
Bildquelle: blancaimboden.ch

Wie ich vernommen habe, soll dein neuster Roman sich rund ums Schwingen abspielen. Kannst du mir und meinen Lesern etwas darüber erzählen?
Blanca Imboden: Ich möchte noch nicht viel über die Geschichte erzählen. Aber eine Frau möchte einen Schwinger für sich gewinnen und muss daher so schnell wie möglich alles über das Schwingen lernen. So fängt die Geschichte ungefähr an.

Wann dürfen wir den „Schwinger-Roman“ erwarten? Wie wird der Buchtitel sein?
Blanca Imboden: Ich denke, der Roman kommt – wie immer – im Mai. Und er könnte möglicherweise SCHWINGFEST heissen. So lautet jedenfalls mein Arbeitstitel.

Wird dein neues Buch auch etwas für hartgesottene männliche Schwingerfreunde sein, welche an etlichen Wochenenden mit Rucksack, Stumpen, Bratwürsten und Bier ausgerüstet ein Schwingfest besuchen?
Blanca Imboden: Nein, dafür verstehe ich doch nach wie vor viel zu wenig vom Schwingsport. Es wird kein Fachbuch. Aber es ist ein Buch für Leute, die gerne leichte Romane lesen, und die es cool finden, dass mal ein Roman mit dem Schwingen zu tun hat. Keine Frage: Die meisten meiner Leser sind Frauen.

Wer oder was gab dir den Anstoss, einen Roman, welcher sich im Schwinger-Milieu abspielt, zu schreiben?
Blanca Imboden: Als ich MATTERHÖRNER schrieb, stellte sich heraus, dass es bisher noch gar keinen eigentlichen Matterhorn-Roman gab, nur tausend Sachbücher und Fotobände. Irgendwann sagte mal jemand, ich könnte doch mal einen Roman übers Schwingen schreiben. So etwas fehle auch noch. Da ich keine Idee hatte, worüber ich als nächstes schreiben wollte, dachte ich: Ich schreibe einen „Schwinger-Roman“. Ich fand, das könnte eine spannende Herausforderung werden. Es wurde vor allem eine schwierige Herausforderung.

Wie eben erwähnt, hast du bisher noch nicht sehr viel mit dem Schwingsport zu tun gehabt. Wie hast du dich mit dieser für dich doch ziemlich neuen Materie vertraut gemacht?
Blanca Imboden: Ich habe viel gelesen. Dann habe ich mich mit der Schwingerkönigin Jeannette Burri-Arnold getroffen. Später mit Adi Laimbacher. Denen durfte ich Löcher in den Bauch fragen. Ich habe meine ersten Schwingfeste besucht. Ibach, Muotathal, Küssnacht, Stoos und Rigi. Sehr lehrreich waren auch die Lern-Videos auf YouTube, oder der Film mit Beat Schlatter. Auch die Homepage vom SCHLUSSGANG ist lehrreich.

Was ist dir besonders am Schwingsport aufgefallen, seit du dich wegen deinem neuen Roman damit beschäftigst?
Blanca Imboden: Ich habe viele Vorurteile abgebaut. Ich hatte da schon so meine Vorstellungen. Dazu mag ich mich gar nicht gross äussern. Jedenfalls war ich extrem überrascht, wie freundlich man mich aufgenommen hat. Wie offen alle waren, obwohl ich immer gleich gesagt habe, dass ich keine Ahnung vom Schwingen habe und trotzdem darüber schreiben will. Aber ich hätte nicht alleine an die Schwingfeste gehen sollen, sondern in kompetenter Begleitung. Das tut mir im Nachhinein leid. Der Brünigschwinget im Fernsehen war für mich interessant, weil ich da die Kommentare hörte, welche mir an den Festen gefehlt haben.

Dein Beruf lautet seit ein paar Monaten „Schriftstellerin“. Wie fühlt sich das an? Hast du jetzt als freischaffende Buchautorin einen anderen Tagesablauf?
Blanca Imboden: Es fühlt sich gut an. Meist. Manchmal habe ich einfach Panik. Existenzängste. Aber danach denke ich wieder: Was bin ich doch für ein Glückspilz, dass ich meinen Traumberuf leben kann. Und wer weiss schon was morgen ist? Einen ordentlichen Tagesablauf habe ich nicht. Noch nicht. Der heisse Sommer lockte mich in die Berge. Ich war viel unterwegs. Aber ich bin gut im Zeitplan.

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Blanca Imboden am diesjährigen Muotathaler Rangschwinget
Bildquelle: Blanca Imboden / feldwaldwiesenblogger

Toll, ein Roman, welcher sich im Umfeld des Schwingens abspielen wird! Da freut sich doch das Schwingerherz, zumal nächstes Jahr das Eidgenössische auf dem Programm steht. Andererseits wird das neue Buch von Blanca Imboden auch eine willkommene Ergänzung zu all den anderen Texten, welche rund ums ESAF2016 in Estavayer veröffentlicht werden.
Ich freue mich auf den „Schwinger-Roman“, und bedanke mich bei Blanca für ihre offenen und aufschlussreichen Antworten! Zudem wünsche ich Ihr weiterhin viel Spass und Freude beim Schreiben.

feldwaldwiesenblogger

„Kann ich den Joker gebrauchen?“ – Interview mit Blaise Decrauzat, Teil 1

Im Rahmen meiner Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer führte ich anfangs August ein Interview mit Blaise Decrauzat. Blaise ist der Präsident des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes. Mein Glück war, dass der schwingbegeisterte Romand aus Echallens VD zweisprachig ist, und sehr gut deutsch spricht.

Vorweg eine Kuriosität: Man würde ja meinen, dass zum Südwestschweizer Verband theoretisch, wegen dem „Süd“ im Namen, der Kanton Tessin auch dazugehören sollte. Aber das Tessin war laut Blaise nie ein Teil des Südwestschweizer Verbandes. Der kleine Tessiner Verband gehört zum Innerschweizerischen Schwingerverband. „Das ist schlicht und einfach auch ein geografisches Problem. Über die Strasse durch den Gotthard sind die Tessiner mit der Innerschweiz verbunden“, ergänzte der SWS-Präsident.
Zum Südwestschweizerischen Schwingerverband gehören die Freiburger, die Waadtländer, die Neuenburger, Walliser und Genfer. Eigentlich auch die Jurassier, wenn sie denn Schwinger und einen Klub hätten.

Da das interessante Interview gut eine Stunde dauerte, hatte ich hinterher so viel Material beisammen, dass ich mich für zwei Blogbeiträge entschied. Heute folgt also Teil 1 des Gespräches, welches im Hotel Murten in Murten stattfand.

Blaise Decrauzat
Blaise Decrauzat
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie lange bist Du schon im Amt als SWS-Verbandspräsident?
Seit 2005, im SWS-Vorstand bin ich seit 1999. Mein Vorgänger als Präsident war der Walliser Jean-Charles Roten.

Wie schätzt Du die laufende Saison für die Südwestschweizer Schwinger ein?
Diese Saison haben wir uns einige Ziele gesetzt. Gemäss dem Technischem Leiter Ruedi Schläfli und dem Vorstand ist es bisher relativ gut gelaufen. Wir machten einen Kranz am Schwarzsee, zwei am Weissenstein-Schwinget und einer am Innerschweizerischen. Am NOS haben wir einen Kranz nur knapp verpasst.
Jetzt bleibt noch das Schwägalp-Schwinget, da wird es schwieriger. Wir gehen jedoch mit guten Hoffnungen dorthin, dass wir uns einen Kranz ergattern können.

Bemerkung: Das Interview fand am Samstag, 8. August statt, also eine gute Woche vor dem Schwägalp-Schwinget. Auf der Schwägalp verpassten zwei Südwestschweizer Schwinger, nämlich Benjamin Gapany und Steven Moser, den Kranz nur um einen Viertelpunkt.

Wir sind zudem in der Vorbereitung für Estavayer und haben ein junges Team, welches nun zusammenwachsen muss. Wir sind überzeugt, dass es für Estavayer gut laufen wird.

Welche SWSV-Schwinger könnten Deiner Meinung nach den Eidgenössischen Kranz am ESAF machen?
Kann ich den Joker gebrauchen?, meinte Blaise lachend als Einleitung zur Antwort. So wie es aussieht, vielleicht Michael Nydegger, wenn er wieder beschwerdefrei antreten kann. Weitere Kandidaten wären Benjamin Gapany, Pascal Piemontesi, Michael Matthey und vielleicht noch Marc Gottofrey sowie Steven Moser. Eventuell auch Samuel Dind. Er muss einen guten Tag haben und mehr investieren, als er momentan macht. Aber ich denke, mit den genannten Namen decken wir das Spektrum gut ab.

Bereiten sich der SWS-Verband und seine Schwinger speziell auf das ESAF vor?
Dieses Jahr trafen wir uns bisher viermal. Beim ersten Mal haben wir den Schwingern alles erklärt: Was – Wie – Wo. Die Schwinger sind aber selber verantwortlich für ihre Vorbereitung. Wir vom Verband bilden das Dach, die Schwinger müssen aber zum Beispiel selber Kraft-Training machen. Es läuft soweit gut.
Wir sehen uns nächsten Monat wieder. Erst treffe ich mich mit dem TK-Chef, dann mit dem Vorstand und später mit den Schwingern. Wir bereiten das Programm für das nächste Jahr vor. Geplant sind für 2016 mehr als vier Zusammenzüge, nämlich einer pro Monat. Dazu halten wir vermutlich zwei Trainingslager ab. Das erste im März und das zweite im August, vor dem Eidgenössischen.
Erst kürzlich führten wir ein Trainingslager in Leukerbad VS durch, welches drei Tage dauerte.

Gibt es auch einen Austausch mit anderen Teilverbänden? Gemeinsame Trainings?
Die besten Schwinger besuchen Trainings ausserhalb unseres Teilverbandes bei anderen Schwingklubs. Michael Matthey zum Beispiel wohnt in Nyon VD, und fährt einmal pro Woche nach Kirchberg BE ans Training.

Spürt man schon die Vorfreude auf das ESAF in der Romandie?
Ja, man spürt die Vorfreude. Wir haben viele Anfragen, wie es läuft und wie der Stand der Dinge ist. Diejenigen Leute, welche mit dem Schwingen zu tun haben, sind interessiert, nicht nur im Freiburgerland, sondern in der ganzen Westschweiz.

Welches sind Deine momentanen Favoriten für den Königstitel in Estavayer?
Blaise lacht. Das ist eine gute Frage. Meines Erachtens gibt es zwei Ebenen. Es gibt einerseits die bestandene Garde mit Sempach und Wenger, welche wieder gute Chancen haben. Andererseits existiert eine neue Garde mit Joel Wicki, Remo Käser und Samuel Giger. Ich spüre, dass die Jungen nachdrücken.
Wicki kenne ich persönlich seit dem Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2012 in Hasle-Entlebuch. Er ist zwar nicht der Grösste, aber ich denke, er könnte etwas reissen. Aber es ist schwierig, eine Prognose zu machen.

Welches sind Deine wichtigsten Tätigkeiten als SWS-Verbandspräsident? Welche Dinge beschäftigen Dich momentan am meisten?
Natürlich den Verband führen. Ich bin viel mit dem TK-Chef unterwegs und bei den Schwingfesten dabei. Zudem betreue ich die Schwinger vom Hintergrund aus. Ich sitze auch im Zentralvorstand (ZV) des ESV, dort bin ich verantwortlich für die Übersetzung.
Weiter gehören zu meinen Tätigkeiten Geld und Sponsoren reinholen, das ist auch wichtig. Es ist so, dass heutzutage fast niemand mehr etwas gratis macht, ausser wir vom Vorstand.
Ich bin etwa 100 bis 150 Tage im Jahr unterwegs für die Schwingerei, und tue dies aus Freude am Schwingsport.

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Team Romandie am ESAF 2013 in Burgdorf
Bildquelle: schwingenonline.ch

Was beschäftigt dich momentan am meisten in deinem Amt?
Die Vorbereitung auf das ESAF in Estavayer. Einerseits sitze ich im Kern-OK. Wir sind bedacht, ein schönes Fest zu organisieren. Andererseits betreue ich vom Verband her unsere Schwinger für Estavayer. Wir wollen dabei zeigen, dass in der Westschweiz die Schwingerei lebt.
Die Zukunft ist wichtig, die haben wir in letzter Zeit leider etwas vernachlässigt. Als Pellet und Zbinden aufgehört haben, gerieten wir in ein Loch. Das haben wir jedoch sehen kommen. Wir versuchen diese Lücke aber mit unserem wirklich zahlreichen Nachwuchs aufzufüllen.

Das grösste Problem, welches mich derzeit beschäftigt, ist die Presse reinzuholen. Das würde nämlich auch einiges bringen. Die Freiburger Zeitungen wie die Freiburger Nachrichten, La Liberté oder La Gruyère haben regelmässig Artikel übers Schwingen drin. Im Kanton Freiburg lebt das Schwingen. Aber anderswo in der Romandie leider nicht so. Samuel Dind’s Sieg am Walliser Kantonalen fand keine Erwähnung in einer Neuenburger Zeitung. Dind ist ein Waadtländer, wohnt und schwingt für Neuenburg.
Genau gleich beim Westschweizer Fernsehen: Wir haben schon zweimal probiert, das Télévision Suisse Romand (TSR) an Bord zu holen. Wir haben gewusst, dass das Deutschweizer Fernsehen (SRF) an den Schwarzsee-Schwinget kommt, und versuchten, vom TSR auch jemand dorthin zu bekommen. Leider wurde nichts daraus. Das gleiche an unserem Teilverbandsfest in Genf, welches etwa 300 Meter vom TSR-Gebäude entfernt stattgefunden hat. Niemand vom TSR kam, das SRF aber war dort.
Ich sage nicht, dass ich jeden Sonntagabend fünf Minuten Schwingen am TV sehen will. Aber wenigstens könnten sie die Resultate von den Kantonalen Schwingfesten, vom Schwarzsee-Bergfest oder vom Teilverbandsfest erwähnen. Und auch ein paar Bilder zeigen, vor allem vom Schwarzsee. Denn dieses Bergfest ist immer gut besucht, und beim Teilverbandsfest haben wir immer acht gute Gäste.
Pikantes Detail: Vom Brünigschwinget zeigte das TSR Bilder. Beim diesjährigen Brünigschwinget waren jedoch keine Südwestschweizer dabei…
Aber am meisten nervt mich Genf. 300 Meter vom TSR-Studio weg, und niemand kam! Ich habe ihnen sogar noch eine Email geschrieben, und darin erwähnt, dass das SRF dort sein wird.
Als Randbemerkung: Das Südwestschweizerische fand sogar in der Tagesschau von SRF Erwähnung. In der Romandie hingegen nicht…

Das Westschweizer Fernsehen TSR ist vor zwei Jahren gekommen, als in Estavayer das Kantonale war. Dort waren sie live am Mittag dabei. Die TV-Leute stellten sich das als Hauptprobe für ESAF2016 vor. Aber ein Kantonales ist nicht das gleiche wie ein Eidgenössisches. Wenigstens sind sie gekommen, und es wurden Bilder im TV gezeigt.

Wie sieht es um den Nachwuchs in Eurem Verband aus? Welches sind Eure grössten Nachwuchshoffnungen?
Wir haben einige gute Nachwuchsschwinger: Steve Duplan, Benjamin Gapany, Victor Cardinaux und Cedric Derron sind unsere grössten Nachwuchshoffnungen. Duplan hat dieses Jahr fünf Kränze gemacht. Gapany erkämpfte sich sechs, und hat zusätzlich das Waadtländer Kantonale gewonnen. Cardinaux war diese Saison leider auch verletzt, machte aber immerhin zwei Kränze.
Von den Jungen, welche nun Ende August am ENST in Aarburg starten, werden sicher auch zwei, drei nachrücken. Der Jahrgang 1999 ist ein relativ starker Jahrgang. Wir erwarten ein paar Zweige beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag. Wir waren übrigens vor drei Jahren am ENST im Entlebuch ziemlich erfolgreich.
Beim Nachwuchs arbeiten wir gut. Das Problem ist immer der Sprung zwischen dem Jungschwinger zum Aktivschwinger. Da warten die bekannten Schwierigkeiten wie das „besondere“ Alter, eine Freundin, Ausgang und so weiter. Das ist sicher überall so, wir sind davon aber noch mehr betroffen.
Bei Steve Duplan, welcher in Ollon wohnt, erkennt man erfreulicherweise, dass er den Fokus aufs Schwingen richtet. Beim Waadtländischen und beim Neuenburger Kantonalen Schwingfest stand er dieses Jahr sogar im Schlussgang, am Neuenburger sogar gegen Christian Stucki.

Wie rekrutiert Ihr Eure Nachwuchsschwinger? Wie macht Ihr Werbung für das Schwingen in der Romandie?
Das Schwingen bedeutet bei uns nicht so viel, wie beispielsweise in der Innerschweiz. Aber wir versuchen einiges, und machen aktiv Werbung vom Verband aus fürs Schwingen in der Romandie. Wir führen auch den offiziellen ESV-Schnuppertag in unserem Verbandsgebiet durch. Zudem stellen im Kanton Freiburg und im Waadtland einige Schwingklubs bei Jugendfesten oder Märkten das Schwingen vor. Seit zwei Jahren führen wir ein Schwingfest beim Comptoir in Lausanne durch, ein grosser Anlass in der Westschweiz. Dieses Jahr wird dies sogar ein Grossanlass.
Wie vorhin schon erwähnt, probieren wir die Medien stärker einzubinden, was aber leider schwierig ist.

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Neuenburger Kantonal-Nachwuchsschwingertag in Le Landeron
Bildquelle: arls.ch

Der ESV ist Euch eine grosse Hilfe, oder?
Ja, der ESV unterstützt uns schon viel. Sie sehen die Probleme, welche wir in der Westschweiz haben. Dabei werden auch gemeinsame Projekte durchgeführt.

In welchen Westschweizer Kantonen hat es am meisten Schwinger?
Im Kanton Freiburg, dort sind mehr als die Hälfte aller Westschweizer Schwinger beheimatet. An zweiter Stelle folgt das Waadtland, dann Neuenburg und Wallis, welche etwa gleichauf liegen. Am wenigsten hat es im Kanton Genf. Im Kanton Jura gibt es keine Schwinger und keinen Klub.
Im Jura wollte ich schon immer mal ein Teilverbandsfest durchführen. Das ist aber nicht einfach, und momentan mit der Vorbereitung aufs Eidgenössische fehlt die Zeit. Mein Ziel ist es aber weiterhin, ein Teilverbandsfest im Kanton Jura durchzuführen. Das würde in dieser Region sicher gute Werbung für den Schwingsport bedeuten. Wenn wir ein Fest zum Beispiel in Saignelégier oder Pruntrut durchführen würden, kämen die Leute. Das ist auch abhängig von der Umgebung. Im Gegensatz dazu das Teilverbandsfest dieses Jahr in der Stadt Genf, welches keine grosse Werbung für das Schwingen war.

Zum Walliser Schwingerverband: Man könnte ja eigentlich meinen, dass gerade im Oberwallis, eine der urchigsten Gegenden der Schweiz, auch viele Schwinger beheimatet sein sollten. Das ist überhaupt nicht so.
Das Problem im Walliser Verband ist die Zweisprachigkeit des Kantons. Der Kanton Freiburg ist zwar auch zweisprachig, dort aber „lebt“ die Zweisprachigkeit, im Wallis leider nicht. Das Ober- und das Unterwallis sehen sich eher als Konkurrenten. Von dort her wäre es fast besser, wenn man zwei Verbände machen würde: Einen Oberwalliser und einen Unterwalliser Verband. Im Unterwallis finden sich einige aktive Schwinger. Im Oberwallis gibt es derzeit keine aktiven Schwinger, es hat aber zehn Jungschwinger in Leukerbad. Letztes Jahr wurde in Zermatt das Gornergrat-Schwinget durchgeführt. Dies hat bisher noch nicht viel gebracht. Die Idee des Walliser Verbandes ist es, einen Schwingkeller in Visp und in Siders aufzubauen, um den Schwingsport im Oberwallis zu fördern. Aber die Distanzen sind schon weit, beispielsweise von St. Niklausen bis Visp. Dort müssen die Eltern auf alle Fälle mitmachen, wenn ein Kind Jungschwinger ist. Übrigens: Nächstes Jahr wird das Walliser Kantonale in Visp stattfinden.

In Bälde folgt der zweite Teil des Interviews mit Blaise Decrauzat. Eine Bemerkung möchte ich am Schluss des ersten Beitrages aber auf alle Fälle loswerden: Wie ich beim Interview in Murten gespürt habe, gibt der Südwestschweizer Verband unter der Führung von Blaise sein Bestes!

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Die schwingerische Situation in der Südwestschweiz – Interview mit dem ESV-Geschäftsstellenleiter Rolf Gasser

Wie schon in vergangenen Beiträgen erklärt, lege ich als Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest vom kommenden Jahr meinen Fokus auf den Südwestschweizerischen Schwingerverband. Letzten Samstag fuhr ich deshalb ein erstes Mal in die Romandie, genauer gesagt nach Murten. Dort traf ich mich mit Blaise Decrauzat, dem Verbandspräsidenten der Südwestschweizer, zum Interview. Die Niederschrift dieses Gespräches erfolgt noch im August.

Inzwischen habe ich mich aber betreffs der schwingerischen Situation in der Südwestschweiz auch mit Rolf Gasser, dem Geschäftsstellenleiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV), schriftlich unterhalten.

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Rolf Gasser, ESV-Geschäftsstellenleiter
Bildquelle: Facebook

Im aktuellen SCHLUSSGANG schreibt Manuel Röösli im Editorial: „Für eine gute schwingerische Situation in der Südwestschweiz macht sich auch Rolf Gasser stark.“ Wie ist das zu verstehen, respektive wie gehen Sie dies an?
Gibt es Projekte des Eidgenössischen Schwingerverbandes, um den Schwingsport in der Südwestschweiz zu fördern?

Rolf Gasser: Als Beispiel für Projekte dient der im letzten Jahr durchgeführte Gornergrat-Schwinget in Zermatt, mit dem Ziel dem Schwingen im Oberwallis eine Art Wiedergeburt ermöglichen zu können. Wie nachhaltig der Gornergrat-Schwinget als schwingerischer Geburtshelfer war, kann sicherlich erst in ein paar Jahren abschliessend beurteilt werden.
Der Eidgenössische Schwingerverband ist bereit weitere Projekte in jeder Art in der Westschweiz (organisatorisch, personell und finanziell) zu unterstützen. Jede Region lebt im Weiteren von den schwingerischen Anlässen, die jährlich durchgeführt werden. In der Westschweiz werden im Moment von den 32 nominellen Schwingklubs nur gerade 9 Regionalschwingfeste durchgeführt, dies ist eindeutig zu wenig! Mit den neuen Richtlinien für Einladungsbegehren von Gästeschwingern werden auch die Westschweizer Schwingklubs gezwungen vermehrt Klubschwingfeste durchzuführen, wenn sie in Zukunft an ihren Kantonalschwingfesten noch Gästeschwinger haben wollen.
Zudem profitiert der Südwestschweizerische Schwingerverband überproportional von der jährlichen Ausschüttung der Werbeeinnahmen der Aktivschwinger, da jeder Teilverband den gleichen Betrag erhält (Jahr 2014: je 15‘000 Franken).
Persönlich habe ich eine grosse Affinität zur Westschweiz, da ich einen Teil meiner Käserlehre im Waadtland absolviert habe und von 2000 bis 2010 die Leitung einer Gruyère-Käserei im Kanton Freiburg innehatte. Sowie zudem pro Jahr rund 2‘000 Tonnen Gruyere-Käse in den Kantonen Freiburg und Waadt für meinen damaligen Arbeitgeber einkaufte.

Wie sehen Sie ganz allgemein die „schwingerische Situation“ in der Südwestschweiz, ein gutes Jahr vor dem ESAF2016 in Estavayer?

Rolf Gasser: Es wurden sicher seit dem ESAF 2013 Fortschritte erzielt. Vieles hat auch mit dem Selbstvertrauen zu tun. Nach der Schlappe des Kilchberger-Schwingets 2014, wo die vier Südwestschweizer Schwinger allesamt bereits nach vier Gängen unter der Dusche waren, konnten doch im Jahr 2015 mit dem Schwarzsee-Kranz von William Häni, den Kranzgewinnen durch Benjamin Gapany und Samuel Dind am Weissenstein-Schwinget und dem Kranzgewinn von Michael Matthey am Innerschweizerischen in Seedorf Erfolge gefeiert werden. Erfolge, die den Westschweizer Schwingern Selbstvertrauen und Auftrieb geben und für 2016 die Hoffnung nähren, dass doch zumindest ein Kranzgewinn am Eidgenössischen möglich ist.

Wie sieht die Nachwuchssituation im kleinsten der fünf Teilverbände aus?

Rolf Gasser: Der Südwestschweizerische Schwingerverband hat im Moment 309 Jungschwinger und hat den Nordwestschweizerischen Schwingerverband (297 Jungschwinger) überflügelt! Wichtig zu wissen ist, dass die klassische Rekrutierung von Jungschwingern mit den traditionellen Schweizer Familien in der Westschweiz nur noch im Kanton Freiburg funktioniert. In den anderen Kantonen sind neue Methoden, wie zum Beispiel die Jungschwinger-Rekrutierung bei integrierten Secondos, gefragt. Dies ist übrigens ein Phänomen, das auch in den andern Teilverbänden über kurz oder lang ebenfalls ein Thema sein wird. Denn bei einer Geburtenrate pro Schweizer Frau von 1,52 Kinder wird die Nachwuchsförderung in Kreisen der Secondos und den urbanen Gebieten für den Schwingerverband, aber auch für alle andern Sportarten, von zentraler Bedeutung sein!

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Südwestschweizer Schwingerverband? Bestehen keine sprachlichen Schwierigkeiten, welche auch schon zu Missverständnissen führten?

Rolf Gasser: Der Südwestschweizer Schwingerverband benötigt für die Führungschargen (ZV, AV Büro, TK, TK Jungschwingen, Kampfrichterkommission, Werbekommission, Medienkommission, Verwaltungskommission der Hilfskasse, Verwaltungskommission der Zeitschrift Schwingen Hornussen Jodeln, Obmannschaft der Veteranenvereinigung, Dopingkommission und Fachkommission Jugend und Sport) 12 Mitglieder, die zweisprachig sind. Stellen sie sich vor, dies würde von den vier andern Teilverbänden auch verlangt! Es bestehen sprachliche Schwierigkeiten, aber mit viel Willen sind diese zu bewältigen.

Es ist bekannt, dass in der Romandie eine etwas andere Mentalität vorhanden ist als in der Deutschschweiz. Wie begegnen Sie dem? Stellen Sie das auch im Schwingen fest?

Rolf Gasser: Indem ich immer und immer wieder versuche den anders Denkenden und anders Lebenden zu verstehen, und versuche seine Sprache zu erlernen! Mentalitätsunterschiede gibt es auch innerhalb der Deutschschweiz, und obwohl der Österreicher, der Deutschschweizer sowie der Deutsche die gleiche Sprache sprechen, haben sie nicht die gleiche Mentalität. Wichtig ist hier, dass ich jeden Menschen wie er ist akzeptiere, und nicht immer gleich das Schlechte in ihm suche. Dies ist im Schwingen, wie aber auch in allen andern Lebensbereichen so.

Gibt es im Schwingsport auch eine Art „Rösti-Graben“?

Rolf Gasser: Durch die Sprache bedingt, ja. Mit Massnahmen wie dem Antrag in einigen Deutschschweizerkantonen das Französisch als erste Fremdsprache durch das Englisch zu ersetzen, wird das Zusammengehörigkeitsgefühl generell zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz auch nicht gefördert! Im Schwingerverband hat grundsätzlich die Zahl der französischsprechenden Deutschschweizer abgenommen. Stellen Sie sich den Extremfall vor, dass weder die Deutschschweizer Französisch noch die Westschweizer Deutsch lernen wollen, und in 20 Jahren zur Verständigung in den Kommissionen des Eidgenössischen Schwingerverbandes Englisch als „Amtssprache“ eingesetzt werden muss!

Hatten Sie auch schon das Gefühl, dass sich die Südwestschweizer Schwinger und deren Verband sich gegenüber den Deutschschweizern benachteiligt sahen?

Rolf Gasser: Da stellt sich wieder einmal die Gretchenfrage: Wer ist Opfer und wer ist Täter? Wenn ich in der Minderheit bin, kann ich mich nicht immer in der Opferrolle sehen und muss mich mit viel Selbstvertrauen nach oben kämpfen. Diesen Lernprozess machen nun gerade die Westschweizer Schwinger durch. Mit Selbstvertrauen und der Abnabelung aus der Opferrolle heraus erkämpften sie Kränze am Schwarzsee, am Weissenstein und am Innerschweizerischen. Das ist der richtige Weg, denn der Eidgenössische Schwingerverband lebt von der gesunden sportlichen Rivalität der fünf Teilverbände!

Herzlichen Dank an die Adresse von Rolf Gasser! Diese sehr interessanten und aufschlussreichen Antworten des ESV-Geschäftsstellenleiters machen dem Südwestschweizer Schwingerverband und seinen Athleten sicher Mut. Einzelne Aussagen sollen sie aber auch aufrütteln, Selbstvertrauen zu zeigen und wo es möglich ist, noch mehr zu tun.
Ich persönlich bin der Meinung, dass das ESAF2016 in Estavayer dem Schwingen in der Südwestschweiz weiteren Auftrieb geben wird.

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Schlussgang-Verwehrung für Philipp Laimbacher am NWS: Nachgefragt bei Samuel Feller, TK-Chef vom ESV

Die fragwürdige Schlussgang-Paarung letzten Sonntag in Jonen AG, am Nordwestschweizerischen Schwingfest, gab zu vielen Diskussionen Anlass. Philipp Laimbacher wurde trotz deutlich besserem Notenblatt als Bruno Gisler der Einzug in den Schlussgang verwehrt. Für mich und viele Festbesucher unverständlich. Für einen Innerschweizer Funktionär, welcher vor mir sass, aber nachvollziehbar und völlig korrekt.

Stellvertretend für die mediale Berichterstattung nachfolgend der Bote der Urschweiz-Beitrag vom 10. August:

Bote-Beitrag
Bildquelle: Bote der Urschweiz

Auch hier ist von Unverständnis und unfairer Entscheidung die Rede. Nun wollte ich es genau wissen, und schrieb den Technischen Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes, Samuel Feller, an.
Noch gleichentags kamen kurz und bündig seine Antworten. Einleitend schrieb Samuel Feller: „Ich finde es immer gut, wenn auch Fachpersonen gefragt werden“.

samuel feller
Samuel Feller, TK-Chef vom ESV
Bildquelle: esv.ch

Frage 1:
In Bezug auf die Schlussgang-Entscheidung zu Gunsten von Gisler gab es am Nordwestschweizerischen in Jonen viel Unmut. Es wurde gar von unfairer Behandlung gesprochen. Werden Sie dies beim ESV thematisieren, oder gehen Sie zur Tagesordnung über?

Samuel Feller: Welche Schwinger den Schlussgang bestreiten ist im Artikel 14a im Technischen Regulativ geregelt: „Weisen mehrere Schwinger die gleiche Punktzahl auf, so bestimmt das Einteilungskampfgericht das Schlussgangpaar.“
Das technische Regulativ wurde nicht verletzt, somit gibt es für den ESV keinen Grund einzugreifen.

Frage 2:
Trotz klar besserem Notenblatt von Laimbacher wurde Gisler der Vorzug gegeben. Gäbe es eigentlich Richtlinien vom ESV, die eine Schlussgang-Qualifikation bei Punktgleichheit regeln würden, oder liegt dies schlicht und einfach im Ermessen der Einteilung?

Samuel Feller: Auch hier gilt das Technische Regulativ, Artikel 14a.

Frage 3:
Was meinen Sie: Nach welchen Kriterien hat die Einteilung betreffs Schlussgang beim Nordwestschweizerischen in Jonen gehandelt?

Samuel Feller: Jedes Schwingfest wird nach dem Technischen Regulativ durchgeführt. Da ich in Jonen nicht in der Einteilung war, kann ich nicht sagen, welche Argumente ausschlaggebend waren bei der Abstimmung.

Frage 4:
Was würden Sie heute zu Philipp Laimbacher sagen?
a) Akzeptiere was geschehen ist, du bist in Jonen ja Co-Sieger geworden.
b) Philipp, wir vom ESV werden dieser Sache nachgehen und dies künftig klar Regeln.

Samuel Feller: c) Das Einteilungskampgericht hat nach dem Technischen Regulativ über die Schlussgangteilnehmer per Abstimmung entschieden.

Frage 5:
Zu den Gästen: Sollten die nicht als solche behandelt werden? Gerade in Jonen ging man bei Laimbachers Schlussgang-Verwehrung hart an die Schmerzgrenze. Wo ist diese Grenze eigentlich? Wann würden Sie vom ESV einschreiten?

Samuel Feller: Die Grenze setzt das Technische Regulativ, wird diese nicht eingehalten, erteilt der ESV Sanktionen.

Die Schlussgang-Paarung wird also über das Technische Regulativ geregelt. Respektive es sagt aus, dass das Einteilungskampfgericht das Schlussgangpaar bei Punktegleichheit bestimmt. Das ESV setzt die Leitplanken, die Einteilungskampfgerichte dürfen soweit autonom entscheiden. Was natürlich typisch schweizerisch und völlig in Ordnung ist.

Ich bedanke mich bei Samuel Feller, dem höchsten TK-Chef der Schwinger, für seine prompten Antworten. Das wichtigste dabei: Die Regeln wurden in Jonen eingehalten.

Der Innerschweizer Funktionär am NWS in Jonen hatte also den Durchblick, und liess sich durch den Unmut der Zuschauer nicht beirren. Die mediale Schelte tat das übrige und blies ins selbe Bockshorn.
Natürlich, es kam einem unfair und rein willkürlich vor. Willkürlich war es schlussendlich irgendwie ja auch. Das Einteilungskampfgericht machte nach dem Technischen Regulativ was es durfte. Und entschied sich für einen der ihren, damit der Sieg in den eigenen Reihen bleibt. Ein Stück weit nachvollziehbar. Ein schaler Nachgeschmack aber bleibt.

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„Der Weg zum 100. Schwingerkranz-Gewinn“ – Nachgefragt bei Christina und Christian Boss

Unlängst habe ich erfahren, dass ein Buch zum „Hunderter Klub“ in Arbeit ist. Für weniger schwingkundige Leser sei erklärt, dass mit dem „Hunderter Klub“ diejenigen Schwinger gemeint sind, welche hundert und mehr Schwingerkränze in ihrer Karriere herausschwangen.
Die Autoren dieses Werkes sind das Ehepaar Christina und Christian Boss, welche letztes Jahr das Buch „Christian Stucki und seine Herausforderer am 16. Kilchberger Schwinget“ herausgaben.

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Bildquelle: vrshop.ch

Dieses 136-seitige Buch las ich letztes Jahr mit viel Genuss in den Ferien in St. Anton am Arlberg (Österreich). So quasi als Einstimmung auf das am 7. September stattgefundene Kilchberger Schwinget. Enthalten im Buch ist eine Kurzbiografie über Christian Stucki. Weiter findet man zweiseitige Portraits von der Technischen Kommission des Eidgenössischen Schwingerverbandes und von Stuckis Herausforderern.
Wohl in unzähligen Stunden trug das Ehepaar Boss Informationen und Wissenswertes rund um diese „Bösen“ zusammen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die unseren Nationalsport Nummer eins lieben.

Aktuell wird in jeder SCHLUSSGANG-Ausgabe eine in den letzten Jahren zurückgetretene Schwingergrösse von Christina und Christian Boss interviewt.

Die beiden schwingbegeisterten Autoren sind sehr fleissig am Schreiben und Porträtieren rund um den Schwingsport. Neugierig wie ich bin, rief ich deshalb beim Ehepaar Boss an. Am Telefon erwischte ich Christian Boss und fragte ihn, ob ich Ihnen ein paar Fragen zu Ihrem neuen Buch und ganz allgemein zu ihren Tätigkeiten zustellen darf. Er willigte ein, und so schickte ich den beiden 12 Fragen.

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Christina und Christian Boss
Bildquelle: Christina und Christian Boss

Ich habe mitbekommen, dass Sie ein Buch zum „Hunderter Klub“ im Schwingsport herausgeben werden. Wie weit ist das Buch schon fortgeschritten? Wann wird das Buch erscheinen?
„Drei Kapitel (Karl Oberholzer, Karl Meli und Matthäus Huber) sind praktisch fertig geschrieben. Das Buch wird im Mai 2016 erscheinen.“

Wie wird der Titel des Buches sein? Was dürfen die Leser erwarten?
„Der momentane Arbeitstitel lautet: ‚Der Weg zum 100. Schwingerkranz-Gewinn‘. Inhaltlich ist wenig Statistisches zu finden, dafür viele Geschichten und Episoden.“

Wie lange arbeiten Sie schon an diesem Buch? Wer hatte die Idee dazu?
„Auslöser für unsere Idee ist die Annahme, dass Nöldi Forrer im Mai 2016 den Kranzrekord von Hans-Peter Pellet brechen wird.“
Zur Erinnerung: Der angesprochene Hans-Peter Pellet hält mit 136 Kränzen noch den Rekord. Nöldi Forrer ist ihm mit seinen 134 Eichenlaub-Exemplaren aber hart auf den Fersen.

Wie viele Schwinger gehören Stand Ende Juli 2015 zum „Hunderter Klub“?
„Stand Ende Juli 2015 sind es genau 20 Schwinger.“

Wie viele Bücher haben Sie bisher veröffentlicht? Waren das nur Bücher im Zusammenhang mit Schwingen, oder auch andere?
„Vier Bücher in der Art von Schwinger-Guides unter dem Patronat von SRF. Im Oktober 2015 wird das Buch ‚Schiedsrichter sind auch nur Menschen‘ erscheinen. Ein weiteres Buch mit dem Titel ‚Der steile Weg ins Rampenlicht‘ ist in Arbeit. Im Mai 2015 wurde dem fixfertigen Buch über einen Schwinger (rund 200 Seiten) die Veröffentlichung verwehrt!“

Geben Sie Ihre Bücher bei einem Verlag heraus? Wie sieht das mit der Finanzierung aus?
„Das neue Buch ‚Schiedsrichter sind auch nur Menschen‘ wird beim Reinhardt Verlag erscheinen. Wir Autoren arbeiten absolut ohne Bezahlung. Druckkostenbeiträge müssen via Sponsoren generiert werden.“

In der Schwinger-Zeitung SCHLUSSGANG wird zurzeit in jeder Ausgabe ein Interview von Ihnen mit einem ehemaligen Schwinger veröffentlicht. Publizieren Sie noch andernorts Schwingberichte?
„Nur exklusiv für den SCHLUSSGANG.“

Gibt es diesbezüglich noch andere Ideen, die in nächster Zeit im SCHLUSSGANG zu sehen sein werden?
„Die laufende Serie ist bis im August 2016 vorgesehen. Dann gibt es eine Standortbestimmung.“

Sind Sie beide schon lange für den Schwingsport aktiv? Wie kamen Sie dazu?
„Vater Christian Boss aus Meiringen hatte seinerzeit etwa 90 Kränze gewonnen. Wir sind in diesem Umfeld aufgewachsen.“

Was machen Sie sonst noch für den Schwingsport? Sind diese Tätigkeiten eigentlich Hobby oder sogar Beruf?
„Momentan noch Berichte für das Sportpanorama und für Sportaktuell SRF. Alle unsere Tätigkeiten sind reine ‚Herzensangelegenheiten‘.“

Was bedeutet Ihnen unser Nationalsport, das Schwingen?
„Es bedeutet uns sehr viel! Wie schon oben erwähnt, hat das damit zu tun, dass wir in diesem Umfeld aufgewachsen sind.“

Sind Sie auch noch in anderen Sportarten aktiv? Wenn ja, bei welchen und mit welcher Tätigkeit?
„Zurzeit noch Tätigkeit als Sport-Guide für Fussball und Eishockey beim Schweizer Fernsehen.“
Als Ergänzung fügten mir die beiden den Beschrieb des erwähnten Buches „Schiedsrichter sind auch nur Menschen“ bei, welches kommenden Oktober erscheinen wird.

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Bildquelle: Christina und Christian Boss

Christian und Christina Boss waren selber im Fussball tätig. Er jahrelang als Fussballtrainer und als Spielbeobachter für Christian Gross, sie als Therapeutin.

Herzlichen Dank an Christina und Christian Boss für die sehr interessanten und wissenswerten Antworten! Ich freue mich jetzt schon auf ihr neues Buch „Der Weg zum 100. Schwingerkranz-Gewinn“, oder wie es auch immer betitelt sein wird.

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