Ein gutes Jahr vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest: Wieso eigentlich der Zusatz „Älplerfest“?

In gut einem Jahr ist es wieder soweit: Rucksack packen und ans Eidgenössische Schwingfest fahren. Eigentlich heisst es ganz korrekt: Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest. Ich frage mich aber: Wieso heisst es im Zusatz immer noch „Älplerfest“? Wird es in Estavayer auch einen Älplertanz geben? Eine Alpabfahrt? Alpkäse zum Probieren? Alpvieh zum Bestaunen? Urchige und pfeifenrauchende Älpler?

Der Wortzusatz ist heute mein Thema. Für das traditionelle Rigi-Bergschwinget, welches gewöhnlich am zweiten Sonntag im Juli stattfindet, trifft die Bezeichnung Schwing- und Älplerfest wortwörtlich zu.

Alpaufzug
Alpaufzug beim Rigi-Bergschwinget
Bildquelle: luzernerzeitung.ch

Irgendwann werden die Schwingkämpfe auf der Königin der Berge unterbrochen, und es erfolgt ein herrlich traditioneller Alpaufzug. Wie aus dem Bilderbuch, mit den herausgeputzten Älplern mit ihren Familien. All dem geschmückten Vieh, dem bäuerlichen Brauchtum und seinen Utensilien.

Bei den meisten anderen Schwingfesten kriegt man das „Älplerische“ kaum mehr zu Gesicht. Trotzdem wird die Bezeichnung meist noch geführt.
Wie auf der Homepage des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) zu entnehmen ist, hat sich das Schwingen vom Hirtensport zum Spitzensport entwickelt. Der Ursprung war bei den Sennen und Hirten zu finden. Bei deren Festlichkeiten an Alp- und Wirtshausfesten wurde um ein Stück Hosentuch, ein Schaf oder um andere Naturalien geschwungen. Aus dem ursprünglichen Spiel der Hirten und Bauern wurde ein Nationalsport. Die urchige Herkunft konnte dabei bewahrt werden.

Wenn man bei einem Eidgenössischen wie in Burgdorf über das Gelände schlenderte, konnte man gut feststellen, wie sich der Schwingsport auf seine ihm eigene Art in die Moderne integrierte. Die Kleidung der Sennenschwinger und das Ambiente wirkten mehr oder weniger urchig, und in der Arena war Werbung zudem verboten. Ausserhalb aber sah man Werbung, Werbeträger und Sponsoren, die sich um den schönsten Auftritt stritten. Von traditionell Urchigem war da nicht viel zu sehen. Banken, Biersorten, Automarken, Werkzeughersteller sowie einige andere priesen ihre Produkte und Dienstleistungen an. Älplerfest? Fast Fehlanzeige, da waren immerhin noch die schönen Lebendpreise. Trotzdem stand es in der Überschrift, wie es auch für Estavayer in der vollen Bezeichnung stecken wird.

logo estavayer
Bildquelle: estavayer2016.ch

Nicht das man mich falsch versteht: Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn der schwingerische Grossanlass im Kanton Freiburg auch Älplerfest genannt wird. Genauso gut könnte er aber auch „Arbeiterfest“ genannt werden. Da ich und zig-tausende Zuschauer nicht Älpler, sehr wohl aber einfache Arbeiter sind.

Der Zusatz Älplerfest muss weiterhin noch eine Bedeutung haben. Wir suchen deshalb weiter. Am Eidgenössischen tummeln sich vom einfachen Büezer bis hin zum Promi, Banker und Spitzenpolitiker alles, was die Schweiz zu bieten hat. Auch Älpler, natürlich. Nur sind die schon längst in der Minderzahl.

Das Wort Älplerfest als Ergänzung zum Schwingfest hat sich in die Neuzeit retten können. Irgendwie als Mahnzeichen, damit schon beim Namen angefangen noch alles nach Brauchtum aussieht. Trotzdem: Es steckt sehr viel Moderne drin. Aber auf die Verpackung kommt es an, nicht wahr. Und die will nun mal etwas versprechen. Älplertum? Vielleicht, aber nicht unbedingt visuell.

Ob dereinst dieser Zusatz aus der Festbezeichnung gestrichen wird, wissen die Götter. Ich will um Himmels Willen auch keine Namensänderung beantragen. Ich mache mir einfach meine Gedanken. Über die Zukunft der Schwingfeste im Allgemeinen und über die ESAF’s im Besonderen. Das Schwingen ist für mich eine Herzensangelegenheit geworden, das Darüber-Schreiben eine Leidenschaft.

Deshalb habe ich im vergangenen Juli eine Vorschauen-Reihe auf den schwingerischen Leckerbissen von Ende August 2016 gestartet. Ich richte dabei meinen Fokus auf den austragenden Verband, den Südwestschweizerischen Schwingerverband (SWSV). In den kommenden Monaten werde ich monatlich einmal einen Beitrag rund um den kleinsten der fünf Teilverbände aufschalten. Eine Liste ist erstellt, die Themen und Personen soweit abgesteckt. Unterstützen wird mich dabei der zurzeit einzige aktive Eidgenosse in der Romandie, Michael Nydegger.

Blaise Decrauzat
Blaise Decrauzat
Bildquelle: migrosmagazine.ch

Deshalb fahre ich am nächsten Samstag wieder einmal über den „Rösti-Graben“ in die Romandie und treffe mich mit Blaise Decrauzat zum Interview. Der Monat August ist dem Präsidenten des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes, zu Französisch „président de l’Association romande de lutte suisse“, gewidmet. Ich freue mich auf diese Begegnung!
Um den Link zum Älplerfest wieder herzustellen, werde ich Herr Decrauzat fragen, was denn das „Älplerfest“ in Estavayer-le-Lac alles zu bieten hat.

„Älplerfest“? Wir schwingbegeisterten Zuschauer wollen sein ein einzig Volk von Älplern. In Anlehnung an den Rütlischwur im Drama von Wilhelm Tell heisst es am Anfang: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern…“
Vielleicht geht der Namenszusatz viel tiefer, als den meisten Schwingfestbesuchern bewusst ist. In einer Zeit mit riesigen Problemen wegen den Flüchtlingsströmen, die sich von Afrika Richtung Europa ergiessen. In einer Zeit, wo viele Bürger nicht wissen, ob es eine Zukunft mit oder ohne EU geben wird. Da kommt das Traditionsbewusste gerade recht und gibt uns eine Identität.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich mehr und mehr Leute an die Schwingfeste begeben und das Ursprüngliche, das typisch Schweizerische hinter dem Zusatz „Älplerfest“ suchen. Dabei wird ein Stück heile Welt mit Heimat und Frieden gesucht. Und auch gefunden. Denn: Neben dem sehr attraktiven Sport zieht es auch mich genau deswegen an ein Schwing- und „Älplerfest“.

feldwaldwiesenblogger

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