Zu Besuch bei Hanspeter Pellet: Das Interview (Teil 2)

Wie unlängst angekündigt, kommt heute das Interview mit Hanspeter Pellet. Zur Erinnerung: Am 9. September war ich zu Besuch in Oberschrot FR beim 136-fachen Kranzschwinger, im Rahmen meiner Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest Estavayer2016. Der ehemalige Südwestschweizer Spitzenschwinger wusste zu den 14 Fragen so manch Interessantes zu erzählen, was man im Teil 1 „Hanspeter Pellet – Der Publikumsliebling und sein Weg“ nachlesen darf.

Der sympathische Mann erzählte mir unter anderem von seinem Beruf Bauschreiner, seinen Hobbys und seinen bevorzugten Schwüngen. Weiter wie er zu seinem explosiven Schwingstil gekommen war und damit grossen Erfolg hatte. Hanspeter, welcher „nur“ 175 cm gross ist sowie während seiner Aktivzeit zwischen 100 und 103 kg wog, trainierte unglaublich hart und konsequent. Der in einer schwingbegeisterten Familie aufgewachsene Athlet hat als ganz junger Schwinger praktisch kein Krafttraining gemacht und damit erst mit etwa 19 oder 20 Jahren begonnen. Sein damaliger Trainer Gilbert Mauron empfahl ihm, in den Kraftraum zu gehen. Dank Mauron konnte Hanspeter 1992 in Olten sein erstes Eidgenössisches bestreiten. Sein Weg war aber noch weit, und es dauerte weitere sechs Jahre bis sich der fünffache Eidgenosse erstmals das so begehrte eidgenössische Eichenlaub aufsetzen lassen durfte.

Hanspeter trainierte nicht nur sehr intensiv und viel. Er begann parallel dazu auch mit mentalem Training und auf seine Ernährung zu achten. Während Jahren war der Sennenschwinger einer der erfolgreichsten Sägemehl-Sportler. Der in der ganzen Schweiz beliebte Schwinger bestritt jeweils um die 20 Schwingfeste pro Jahr, davon waren etwa die Hälfte Kranzfeste. Seine bescheidene Art, das bedingungslose Akzeptieren von Kampfrichterentscheiden und sein unbändiger Angriffswille machten ihn zu einem Publikumsliebling. Kein Wunder, wurde der Freiburger bei seinem letzten Einsatz, beim ESAF Frauenfeld 2010, vom Publikum wie ein Sieger gefeiert.

pellet und siegermuni am esaf in estavayer
Götti Hanspeter Pellet, Gotte Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach und ESAF2016-Siegermuni „Mazot de Cremo“
Bildquelle: schlussgang.ch

Welche Rolle nimmt das Schwingen für dich seit deinem Rücktritt ein? Wie eng bist du noch mit dem Schwingsport verbunden?
Seit ich 2010 beim ESAF in Frauenfeld den Rücktritt gab, habe ich mich ein wenig zurückgezogen. Ich bin nun aktiv bei den Jungschwingern vom Schwingklub Sense, und unterstütze die dortigen Trainer. Wir haben etwa 40 bis 45 Jungschwinger. Weiter helfe ich jährlich beim Schwarzsee-Schwinget.

Was denkst du über den Schwingsport von heute? Was hat sich seit deinem Rücktritt verändert?
Als hauptsächliche Veränderung sehe ich die zunehmende Medienpräsenz, dank denen ist der Schwingsport noch mehr aufgekommen. Zudem das Hinzukommen von Sponsoren, seit Frauenfeld hat dies ziemlich angezogen. Als Kilian Wenger Schwingerkönig wurde, hat der Boom enorm zugenommen.

Du warst ein explosiver Schwinger mit einer ganz feinen Technik. Was meinst du, welche Schwinger haben heute einen ähnlichen Schwingstil wie du damals?
So ein Vergleich ist natürlich nicht einfach, jeder Schwinger ist anders. Mir fiel dieses Jahr Joel Wicki mit seinem explosiven Schwingstil auf. Er kennt keine Angst. Was Wicki noch etwas fehlt ist die Vielseitigkeit. Wenn er seinen Kurz nicht ziehen kann, wird es schwierig. Aber er ist noch jung und dementsprechend entwicklungsfähig.

Was meinst du zur schwingerischen Situation in der Südwestschweiz?
Fünf Schwinger wären in der Lage den Kranz in Estavayer zu machen. Das ist aber auch situationsbedingt. Sie müssen einfach weiter an sich arbeiten und den entscheidenden Schritt nach vorne schaffen. Benjamin Gapany, Michael Nydegger und Steven Moser gehören dazu. Zudem braucht es auch Einteilungsglück. Wenn einer oder zwei Schwinger vom Südwestschweizer Verband den Kranz gewinnen könnten, wäre das schön. Sie stehen dabei etwas unter Druck.

Der Südwestschweizer Schwingerverband hatte es schon zu deiner Zeit nicht leicht, sich gegen die anderen Teilverbände zu behaupten. Wie gingst du mit dieser Tatsache um?
Das Problem ist halt, dass wir ein kleiner Verband sind. Aber: Wenn viele Schwinger möchten und in einer Gruppe zusammen, von den Jungschwingern bis zu den Aktiven, zusammenhalten und sich dabei weiterentwickeln würden, käme das schon gut. Zwischen dem Jungschwinger und dem Aktiven, also bis zum Alter von 20 Jahren, ist das oft eine schwierige Zeit mit einiger Ablenkung: Übermässiger Ausgang, eine Freundin und der Beruf sind Faktoren, die manchmal ein geordnetes Training behindern können. Heutzutage musst du viel und regelmässig trainieren, sonst reicht das einfach nicht.

Wie wurdest du Spitzenschwinger im kleinsten der fünf Teilverbände? Besuchtest du auch Trainings ausserhalb deines Teilverbandes?
Bei mir gab es damals meist nur den Sport und die Arbeit. Irgendwann kam die Freundin, meine jetzige Frau, hinzu. Später auch die beiden Kinder. Da muss die Frau schon mitmachen. Das braucht einiges, aber vor allem: Tainieren, trainieren und nochmals trainieren, und dran bleiben.
Es ist möglich, auch in einem kleinen Teilverband Spitzenschwinger zu werden, auch heutzutage, und wenn man zu hundert Prozent arbeitet. Einige arbeiten in reduzierten Arbeitspensen, da kannst du sicher anders trainieren. Ich hatte das nicht, und ging immer zu hundert Prozent arbeiten. Ich hatte mit dem guten Erfolg. Nebenbei gab es für mich nur den Sport. Ich würde es auch heutzutage so machen. Ich bin nämlich nicht unbedingt für diese Sponsorengeschichte.
Wir gingen damals in der Stadt Bern, beim Berner Mittelländischen Verband, trainieren. Beim Bärengraben, wo sie einen grossen Schwingkeller haben, traf ich dabei auf gute Trainings-Gegner wie Willy Graber oder Christian Oesch. Meistens kamen dort an einem Dienstagabend auch die Oberländer Schwinger ans Training. Bezüglich Trainingsmöglichkeiten besprach ich das jeweils mit meinem Trainer vom Schwingklub Sense, und versuchte, alle 14 Tage/drei Wochen an einem anderen Ort ein Training zu besuchen. Das ist heutzutage oft ein Problem. Einige Schwinger schauen das zu wenig mit dem eigenen Trainer an, und probieren gleich selber, an einem anderen Ort zu trainieren. Trainingsbesuche bei anderen Klubs sollten zuerst mit dem eigenen Schwingklub koordiniert werden. Sonst leiden die anderen Schwinger vom gleichen Schwingklub darunter, wenn die Trainings deswegen schlecht besucht sind.

Welche Südwestschweizer Schwinger könnten dereinst in deine Fussstapfen treten?
Ich brauche keine Namen besonders hervorzuheben. Diejenigen, welche nach oben wollen, müssen die entscheidende Stufe machen. Oder anders gesagt: Diese Stufe besteht nicht nur aus einem Schritt, es sind viele Schritte bis dorthin. Man muss dafür viel machen, viel trainieren und die richtigen Schritte unternehmen.
Ich stelle zudem einen „Bären-Graben“ innerhalb des SWS-Verbandes fest. Auf der einen Seite sind die Freiburger, auf der anderen Seite die anderen Südwestschweizer-Schwinger. Mit der Sprachgrenze „deutsch-französisch“ hat das aber nichts zu tun. Solche Gruppenbildungen kann man in anderen Teilverbänden ebenfalls beobachten. Die Freiburger hatten diese Saison auch ihre Probleme, sei es wegen Verletzungen oder sei es aus beruflichen Gründen einzelner Schwinger.

Wie gross war dein Trainingsaufwand zu deiner Aktivzeit? Wie sah bei dir eine Trainingswoche aus?
Im Winter trainierte ich fünfmal pro Woche, zudem auch am Sonntagmorgen. Am Montagabend war ich im Kraftraum (Oberkörper-Training), Dienstag war Schwingtraining (Kantonaltraining) und am Mittwoch stand ein Trainingsabend der Sense-Schwinger mit den Ringern auf dem Programm. Christian Feyer war ein guter Ringer und trainierte uns in den Bereichen Kondition sowie Schnellkraft. Am Donnerstag besuchte ich wieder ein Schwingtrainig und am Freitag ging ich erneut in den Kraftraum (Unterkörper- und Bauch-Training).
Während der Schwingsaison hielt ich mich mit Krafttraining zurück, absolvierte dafür mehr Intervalltrainings und trainierte Schnellkraft. Am Montag war ich dabei im Kraftraum und mittwochs machte ich Sprinttrainings mit Gewichten. Dienstag und Donnerstag waren ebenfalls reserviert für das Schwingtraining. Am Freitagabend und am Samstag machte ich nicht mehr viel, und am Sonntag ging’s meist an ein Schwingfest.
Ich machte sowohl im Sommer wie auch im Winter fünfmal pro Woche etwas. Im Winter besuchte ich fünf Trainings, im Sommer vier Trainings und ein Schwingfest.
Ich klopfe auf Holz, weil ich glücklicherweise sehr wenig verletzt war. Sonst wäre das nie so gut gelaufen.

Was würdest du einem jungen Schwinger aus deinem Dorf raten, wenn er einmal Spitzenschwinger werden möchte?
Ich frage ihn als Erstes, wie er trainiert und wie viel er dafür tut. Eventuell muss dabei etwas verbessert werden. Weiter auch, wie’s um die Ernährung steht. Heute müssen so viele Faktoren zusammenstimmen, auch der familiäre Hintergrund. Wenn es irgendwo nicht stimmt, ist das für das Mentale auch nicht gut. Ich empfehle ihm auch, möglichst viel zu schwingen. Der junge Schwinger darf schon auch in den Kraftraum, aber das Schwingtraining muss im Vordergrund stehen.

pellet beim schwingen
Hanspeter Pellet – Wuchtig und schnell, wie man ihn kannte
Bildquelle: lebendige-traditionen.ch

Du warst in der ganzen Schweiz ein sehr gern gesehener und beliebter Schwinger. Was meinst du, könnten die Gründe dafür gewesen sein?
Ich denke, das war wegen meinem explosiven und draufgängerischen Schwingstil. Ich erwähne meist dies. Ich habe das Gefühl, die Zuschauer wollen das heute noch mehr sehen als früher. Viele gestellte Gänge bereiten nicht unbedingt Freude. Sicher, ab und zu reicht ein gestellter Gang für den Kranz, dann läuft es darauf hinaus. Die Leute wollen das aber nicht sehen. Manchmal läuft es nicht nach Wunsch, aber zwischendurch muss man einfach ziehen, und nicht die Leute warten lassen.
Ich hatte eigentlich nichts zu verlieren: Entweder gewinne ich, oder ich verliere. Klar, am Abend wollte man auf den Kranz schwingen, da hat man vielleicht weniger riskiert. Es muss aber so oder so alles stimmen, um den Kranz zu erreichen. Wenn ich mal den Kranz nicht machte, war das für mich nicht so schlimm. Denn ich wusste, ich bin nur ein Mensch, muss trainieren und weitermachen.

Was würdest du heute anders machen, wenn du noch einmal am Anfang deiner Schwinger-Karriere stehen würdest?
Ich würde es nochmals genau gleich machen, damit bin ich gut gefahren. Beim Schwingsport habe ich viel gelernt, der Umgang mit den Leuten und das Reden. Es war eine richtige Lebensschule. Auch wie man mit Siegen und Niederlagen umgeht. Klar gab es manchmal auch zweifelhafte Entscheidungen. Aber wo Menschen handeln, gibt es einfach Fehler.

Stichwort Eidgenössisches in Estavayer: Bist du auch bei der Organisation involviert? Wer wird Schwingerkönig?
Ich bin der Götti vom Siegermuni, die Muni-Taufe ist bereits erfolgt. Zudem biete ich meine Hilfe beim Aufbau an und möchte am Anlass von Freitag bis Sonntag arbeiten.
Es läuft meines Erachtens auf einen Berner König hinaus: Matthias Sempach oder Christian Stucki. Sie stellen einfach ein starkes Team. Es heisst zwar, dass ein über 30-jähriger noch nie Schwingerkönig wurde. Stucki wäre trotz seinen nun 30 Jahren fähig dazu. Es gibt einige Athleten: Kilian Wenger, wenn alles zusammenpasst. Vielleicht ein Junger: Remo Käser. Die Berner haben einfach eine grosse Gruppe, welche an der Spitze mitschwingen. Wenn einer verliert, rückt ein anderer nach. Es sind um die zehn Schwinger, welche einander helfen können. Ein starker Verband ist einfach wichtig.
Wenn man sieht, wie Wenger in Frauenfeld Schwingerkönig wurde, ist es gut möglich, dass einem der Nachwuchsleute wie Joel Wicki oder Samuel Giger dieses Kunststück ebenfalls gelingen könnte.

Welche Erinnerungen hast du an dein letztes Eidgenössisches in Frauenfeld?
Stichwort Kilian Wenger: Dieser hatte in Frauenfeld einen unglaublichen Lauf. Ich habe das am Fest zwar schon mitbekommen, habe mich aber sonst voll auf mich fokussiert. An einem Eidgenössischen schaust du vor allem auf dich selber, da hast du gar keine Zeit für die anderen. Es meinen wohl einige, dass man als Schwinger das Fest auch verfolgt. Das tut man aber eigentlich nicht. Man ist vor allem für sich. Denn es lastet ein enormer Druck auf einem. Ich habe lernen müssen, mit dem umzugehen. Damit man richtig essen und am Abend auch gut schlafen konnte. Es sind einige Faktoren, auf die man achten musste. Man geht nach jedem Gang zurück, um sich auf den nächsten Kampf vorzubereiten. Man zieht sich zurück, ist nebst den Verbandskollegen mit den Trainern, dem Masseur, dem Physiotherapeuten und dem Arzt zusammen. In Frauenfeld hatten wir ein sehr gutes Umfeld, da war alles vorhanden. Sonst aber fehlt in der Südwestschweiz dieses Umfeld leider etwas. Die anderen Teilverbände sind uns da voraus. Dieses Umfeld sollte nicht nur an einem ESAF vorhanden sein, sondern auch an den Kantonalen. Es wäre auch für die jungen Schwinger gut.
Für mich war die Masseurin in Frauenfeld sehr wichtig. Ich konnte mit ihr auch gut sprechen, sie war eine richtige Bezugsperson für mich. Sie spürte gleich, wie es mir geht. Das war sehr wichtig.
Das Problem zwischen den Gängen war immer: Wer ist mein nächster Gegner? Sobald ich das wusste, konnte ich mich wieder konzentrieren, und mich auf meinen Gegner vorbereiten: Was macht er wohl, welche Schwünge wendet er an? Je näher der nächste Gang kam, desto mehr stieg der Puls an.
Die mentale Vorbereitung auf einen Gang ist immer wichtiger. Das sah man dieses Jahr sehr gut bei Joel Wicki. Der lief auf den Platz und war bereit. Das bekam so mancher gestandener Schwinger zu spüren. Wenn ich gegen Wicki schwingen müsste, müsste ich schneller als er sein. Das weiss ich, sonst würde ich gleich platt liegen.
Der Druck an einem Eidgenössischen ist viel grösser als bei allen anderen Schwingfesten: Eine Arena mit 50‘000 Zuschauern. Aber ich versuchte das an allen Schwingfesten gleich zu halten. Für mich war links und rechts eine Wand und ich lief darin durch, fokussiert aufs Schwingen, auf den nächsten Gegner. Ich sagte mir: Für das hast du trainiert, um zu gewinnen.
Übrigens: Ich habe in Frauenfeld gar nicht recht mitbekommen, wie die Leute mich bei meinem letzten Gang, bei meinem Rücktritt, begeistert gefeiert haben. Ich realisierte das erst hinterher, als ich eine DVD schaute.

Zum Schluss: Nöldi Forrer wird nächstes Jahr wohl deinen Kranzrekord von 136 Exemplaren brechen. Was für Gefühle/Gedanken löst das bei dir aus?
Das ist Sport, und mit dem rechne ich, dass irgendwann mein Rekord gebrochen wird. Das ist auch schön, ich mag es Nöldi gönnen. Schade, dass es nicht schon dieses Jahr gereicht hat.
Diesen Rekord habe ich nun schon eine Weile. Ich hätte nie gedacht, dass es dafür reicht. Mein Vorgänger war mit 124 Exemplaren Karl Meli. In meinem besten Jahr erkämpfte ich zehn Kränze. Da war ich zudem auch beim Urner Kantonalen eingeladen. Sonst hätte ich in jenem Jahr gar nicht zehn Eichenlaubexemplare machen können. Gewöhnlich holte ich in meinen besten Jahren acht oder neun Kränze.
Apropos Muotathal: In Muotathal durfte ich im Jahr 2006 am 100. Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest teilnehmen. Ich selber hätte dabei meinen 100. Kranz machen können, habe ihn aber leider um einen Viertelpunkt verpasst. Dafür machte ich diesen eine Woche später beim Bergfest auf der Rigi.

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Hanspeter Pellet in seiner Küche beim Interview
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Das hätte ja wunderbar gepasst mit dem hundertsten Kranz beim 100. ISAF in Muotathal! Aber es hatte nun mal nicht sein sollen. Hanspeter hat dies wie so vieles während seiner langen und erfolgreichen Karriere mit einer stoischen Ruhe hingenommen. Dazu sein eiserner Wille, zu trainieren und dem Schwingsport alles unterzuordnen. Der Brünisrieder durfte viele schöne Erfolge feiern und bereitete überdies viel Freude auf den Schwingplätzen. Ich erinnere mich, dass ich nach jedem „live“ erlebten Sieg von Hanspeter Pellet ihm kräftig Applaus spendierte und es dem „gmögigen“ Schwinger einfach von Herzen gönnen mochte. Auch als er beim Eidgenössischen 2004 in Luzern beim Anschwingen den Muotathaler Heinz Suter mit einem Blitzangriff überlistete.
Hanspeter, vielen herzlichen Dank, dass ich dich persönlich kennen lernen und besuchen durfte!

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Ständerats-Kandidat Thomas Büeler (JUSO)

Meinem heutigen Kandidaten-Check unterzieht sich Thomas Büeler von der JUSO. Büeler bewirbt sich wie sein Kollege Elias Studer nicht nur für den Ständerat. Beide sind auch auf der Jungsozialisten-Liste für den Nationalrat.
Einleitend zu seinen Antworten schrieb der Jungpolitiker: „Entschuldigen Sie die späte Einreichung der Antworten, der Universitätsbetrieb hat diese Woche wieder Fahrt aufgenommen. Ich danke für Ihr Verständnis.“ Selbstverständlich habe ich dafür Verständnis. Denn Beruf, oder in Thomas Büelers Fall das Studium, und die Kandidatur mit seinen Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen, dürfte manchmal ein kleines Kunststück darstellen.

Deshalb habe ich auch Verständnis für die anderen angeschriebenen Kandidaten, wenn sie keine Zeit für meine Fragen finden. Der JUSO-Kandidat ist für den Moment der letzte Politiker, dessen Antworten in meinem Email-Postfach landeten. Wer weiss, vielleicht findet der eine oder andere Politiker demnächst ein paar freie Minuten, um uns Schwyzern auch seine Positionen zu erklären.

Thomas Büeler, 1993 geboren, wohnt in Lachen SZ. Im Sommer 2012 nahm er das Maturitätszeugnis der ksa mit Schwerpunkt Musik entgegen. Nach der Erfüllung der Dienstpflicht in der Militärmusik-RS begann der begeisterte Schlagzeuger im Herbst 2013 mit einem Studium in Geschichte und Germanistik an der Universität Zürich. Er befindet sich derzeit im fünften Semester.
Büeler ist seit 2013 Mitglied in der JUSO beziehungsweise SP, seit 2013 Mitglied im Vorstand der SP Lachen-Altendorf und seit 2015 Co-Präsident der SP Lachen-Altendorf sowie Vorstandsmitglied der JUSO Kanton Schwyz. Weiter ist der umtriebige Mann ein leidenschaftlicher Fussball-Fan und Mitglied in diversen Vereinen, Bands und Formationen.

thomas büeler
Bildquelle: thomasbueeler.ch

Warum soll das Schwyzer Volk Sie zum Ständerat wählen?
Ich bin ein vielseitiger Mensch, gut in Vereinen und in der Bevölkerung verankert und vertrete einen Teil der Mehrheit, die zurzeit mit der SVP- Doppelvertretung kein Gehör im Stöckli findet.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Ich kämpfe gegen die Steuerdumpingpolitik, den Rassismus gegenüber Flüchtlingen und die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen infolge der Frankenstärke. Ich setze mich für eine gesunde progressive Steuerpolitik, Solidarität gegenüber Menschen in Not und günstige Wohnungen ein.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer Wahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Klar bei den Finanzen. Die bürgerliche Mehrheit muss endlich erkennen (und hat teilweise schon erkannt!), dass wir den Hebel auf der Einnahmen- und nicht der Ausgabenseite ansetzen müssen. Beispiele sind die Abschaffung der Pauschalbesteuerung, die Abschaffung von Privilegien bei der Dividendensteuer oder die Einführung einer Erbschaftssteuer.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Ich denke, dass transnationale Zusammenarbeit das einzig mögliche Zukunftsszenario für ein friedliches Europa, in dem Probleme gemeinsam gelöst werden, darstellt. Egal, um welchen Kanton es nun geht.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Ich finde es schön, dass in ihrer Frage nicht schon das Wort «Flüchtlingswelle» oder «-krise» vorkommt, was eine Überforderung suggeriert. In den Schweizer Bundeszentren für Asylanten und Asylantinnen herrscht weder Asylchaos, noch Ferienstimmung, wie Doris Fiala kürzlich auf Facebook nach einem Besuch kundtat. Ich denke, die Schweiz geht richtig mit der Situation um, und sollte als Vorbild für unsere Nachbarn fungieren. Jedoch könnte noch mehr geschehen, zum Beispiel die direkte Aufnahme von einem Kontingent von Flüchtlingen aus Syrien als Sofortmassnahme. Auf jeden Fall dürfen nicht die rechtskonservativen Lager überhand gewinnen, welche die Grenzen dicht machen wollen. Was dann passieren würde, wissen wir wohl alle…

Thomas Büeler ist zwar erst 22-jährig. Trotzdem wagt er es, für den Ständerat und den Nationalrat zu kandidieren. Der junge Mann setzt sich vor allem für vier Schwerpunkte ein: Eine solidarische Flüchtlingspolitik, Schutz der Arbeitnehmenden, mehr Transparenz in der Politik und Schluss mit Sparpaketen.
Mein Dank geht an Thomas Büeler für seine interessanten Ausführungen. Ich wünsche ihm alles Gute für den weiteren Wahlkampf.

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Nationalrats-Kandidatin Petra Gössi (FDP)

FDP-Frau Petra Gössi schickte mir kürzlich auch Ihre Antworten zu meinem „Fünf Fragen-Katalog“. In Ihrer Email schrieb sie: „Vielen Dank für Ihre Fragen und dass Sie mir die Möglichkeit zur Äusserung geben.“ Ich antwortete ihr: „Gerne gebe ich unseren Politiker, welche unseren Kanton vertreten (oder vertreten wollen) die Möglichkeit, sich zu äussern.“

Nationalrätin Petra Gössi ist eine der vier amtierenden Schwyzer Nationalräte, und von Beruf Juristin. Sie hat Jahrgang 1976, wohnt in Küssnacht SZ und verrät auf ihrer Homepage: „Sport ist meine Freizeit-Freiheit.“
Gössi ist seit 2006 Mitglied der kantonalen Geschäftsleitung der FDP vom Kanton Schwyz und seit 2012 Parteipräsidentin. Von 2004 bis 2011 sass sie für die Liberalen im Schwyzer Kantonsrat und war von 2008 bis 2011 deren Fraktionschefin. Seit 2011 vertritt die Küssnachterin den Kanton Schwyz im Nationalrat.

„Politik ist Leidenschaft“ schreibt die Vollblutpolitikerin auf ihrer Website. Ob eine Frau mehr Leidenschaft in die Politik bringt als ein Mann entzieht sich meiner Kenntnis. Dass Frauen ganz allgemein eine andere Sichtweise in vielen Bereichen des Lebens mit sich bringen ist einfach naturbedingt. Auch in der Politik, wo sie vielfach gewisse Aspekte anders sehen als ihre männlichen Kollegen.

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Bildquelle: Petra Gössi (Roger Bürgler)

Warum soll das Schwyzer Volk Sie wieder zur Nationalrätin wählen?
Weil ich mich mit Freude für eine liberale Schweiz und einen lebenswerten Kanton Schwyz einsetze. Mir sind Werte wie Freiheit, Eigenverantwortung, soziale Verantwortung des Individuums und unsere Traditionen wichtig. Zudem habe ich in der ersten Legislatur Erfahrung und ein Netzwerk aufbauen können, das ich nur gewinnbringend einsetzen kann, wenn mir das Volk das Vertrauen für eine zweite Legislatur schenkt.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Kurz zusammengefasst setze ich mich für einen fairen Nationalen Finanzausgleich (NFA), für sichere Arbeitsplätze, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für eine transparente Verkehrsfinanzierung und für weniger Staat ein.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer möglichen Wiederwahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Bei der Regelung des NFA und damit zusammenhängend bei der Unternehmenssteuerreform III. Das aktuelle Referendum, das gegen die Beitragshöhe im NFA läuft, schwächt die Position des Kantons Schwyz, weil es nicht gewonnen werden kann. Ich setze mich dafür ein, dass weitreichendere Massnahmen vor dem nächsten Wirksamkeitsbericht diskutiert werden, und dass die Änderungen, die aufgrund der Unternehmenssteuerreform III auf uns zukommen werden, für unseren Kanton nicht nachteilig sind.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Wenn wir wollen, dass unsere Wirtschaft wachsen kann, brauchen wir den Austausch mit den umliegenden Ländern und Regionen, vor allem mit Bayern, Baden-Württemberg und der Po-Ebene. Die EU ist für die Schweiz der wichtigste Exportpartner. Wenn wir uns wirtschaftlich nur auf die Schweiz konzentrieren müssten, würden wir unseren Wohlstand sehr schnell verlieren. Als politisches Gebilde ist die EU aber viel zu zentralistisch und staatsgläubig aufgestellt. Die EU verunmöglicht, dass politische Entscheide vor Ort auf der tiefsten Staatsebene gefällt werden. Damit verlieren die Entscheide aus Brüssel an Volksnähe, sie werden stark bürokratisch und sie sind sehr oft rein machtgetrieben. Das hat nichts mit der Konsenspolitik gemeinsam, die wir in der Schweiz kennen.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Der Flüchtlingsstrom, den wir aktuell erleben, ist eine humanitäre Katastrophe, der weder mit einer Willkommenspolitik noch mit einer totalen Abschottung beigekommen werden kann. Die Lasten, die auf uns zukommen, werden sehr hoch sein, weil aufgenommene Personen integriert werden müssen. Deshalb ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Kontrollen und Verfahren schnell und gründlich durchgeführt werden und dass diejenigen Personen, die keinen Anspruch auf Asylstatus haben (z.B. Wirtschaftsflüchtlinge), sofort ausgewiesen werden.

Zu den vielen männlichen Kandidaten stellt Petra Gössi einen schönen Kontrast dar. Nebst der Jugend haben selbstverständlich auch die Frauen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Die Juristin glaubt an die Fähigkeit jedes einzelnen Menschen und sieht den Staat nur als Organisator für die Aufgaben, welche wir alleine nicht lösen können.
Vielen Dank an die Adresse von Petra Gössi für die interessanten Aussagen, welcher ich alles Gute bei ihrem weiteren Wahlkampf wünsche.

feldwaldwiesenblogger

Die St. Josefshalle in Muotathal – Eine kulturell wertwolle Begegnungsstätte

Im dritten und letzten Blogbeitrag über die bald 80-jährige St. Josefshalle in Muotathal beschäftigte ich mich mit der Dokumentation der Theatervereinigung sowie den häufigen Um- und Ausbauten. Weiter mit der Tatsache, dass diese Halle eine kulturell wertwolle Begegnungsstätte für das Muotatal darstellt. Dazu traf ich mich diese Woche auch mit Theo Pfyl, dem jetzigen Präsidenten der Theatervereinigung. Er erzählte viele interessante Details und Geschichten rund um die St. Josefshalle, aber auch über die Theatervereinigung. Zudem überreichte er mir sechs Ordner, in welche ich reinschaute und ein paar wissenswerte, aber auch amüsante Dinge für meinen Zirk-Bericht entnehmen konnte.

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St. Josefshalle heute (Vorderseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Dank der Theatervereinigung ab 1949 gut dokumentiert
So kann man nachlesen, dass am 19. März 1949 an der Theatervereinigungs-Gründungsversammlung der Vorstand bestellt und die erforderlichen Reparaturen der Halle in die Wege geleitet wurden. Unter Traktandum elf wurde beschlossen, „Soldatenbraut“ zur Aufführung zu bringen. Weiter die Aufführung von Filmen zu organisieren und ein Reglement für die Benutzung der St. Josefshalle durch andere Vereine auszuarbeiten. Der erste Präsident war Paul Hediger („Gmeindschribers) und der erste Regisseur Paul Betschart („Eggälers“). Erwähnter Lehrer Betschart schlug für das Jahresprogramm von 1950/51 vor, ein urchiges Volksstück aufzuführen. Kein Singspiel und auch kein Lustspiel, zusammengesetzt aus Kalberstückli.

Häufige Um- und Ausbauten
Wie Theo Pfyl mir erklärte, wurde die St. Josefshalle immer wieder mit sehr viel Geld um- und ausgebaut, zum grössten Teil aus eigenen Mitteln. So wurde 1958 erstmals eine Toilette eingebaut. 1961 wurden die Bestuhlung und die Filmprojektoren ersetzt und vier Jahre später das Foyer mit Garderoben und WC angebaut. 1976 wurde das Theaterstübli angebaut, 1981 erfolgte eine komplette Dachsanierung, und wiederum vier Jahre später eine Totalrevision mit einer neuen Bühneneinrichtung. Gleichzeitig wurden aus dem Kino Schwyz die Bestuhlung und Kinoeinrichtung übernommen. Trotz einem Umbau im Jahr 1999 konnte das „alte Gesicht“ des Theatersaals weiterhin erhalten bleiben.
Der Kreis rund um die Entstehung der St. Josefshalle hat sich 2002/2003 geschlossen. Was dank der Initiative der damaligen Kirchenherren begann, endete mit dem Gastrecht der Kirche, die während der umfassenden Revisionsarbeiten ihre Gottesdienste in der St. Josefshalle feiern durfte.
2009 erfolgte ein weiterer Umbau, welcher die Heizung/Lüftung und die Bestuhlung im Saal betraf. Zudem wurde 2011 auch die ganze Kinoeinrichtung erneuert und digitalisiert.
Pfyl verriet folgendes zur Zukunft der St. Josefshalle: „Aktuell ist man daran, gut eine halbe Million Franken in die Wärmedämmung des Gebäudes, ein neues Dach und eine kleine Vergrösserung oberhalb des Theaterstüblis zu investieren. Mit diesem Umbau möchten wir eine gewisse Ruhe in die Architektur des Hauses bringen, da das Gebäude nie wirklich fertig aussah. Darin integriert der alte Teil, die „Hediger-Halle“. Die Baueingabe soll voraussichtlich noch im November erfolgen.“

st. josefshalle_süd
St. Josefshalle heute (Südseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Kulturell wertvolle Begegnungsstätte
Auf die Frage, warum das Theater Muotathal so erfolgreich ist, meinte der Präsident der Theatervereinigung: „Es sind die drei Punkte Dialekt, Gesang und die Halle.“ Die Räumlichkeiten der St. Josefshalle haben einen speziellen Charakter und sind nicht zuletzt auch ein Bestandteil des Volkstheaters, welches alljährlich Tausende von Besuchern ins Muotatal zieht. Theo Pfyl führte auch an, dass sie gewissermassen gezwungen sind, erfolgreich Theater zu spielen, um Gewinn zu erwirtschaften. Damit diese Begegnungsstätte weiterhin unterhalten und der Kinobetrieb weitergeführt werden kann. Darin fanden auch schon einige Filmpremieren, Podiumsdiskussionen und Versammlungen statt. Zudem wird die St. Josefshalle auch an Vereine und Organisationen für verschiedene Veranstaltungen vermietet.

st.josefshalle_rückseiteSt. Josefshalle heute (Rückseite)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Der Zirk-Beitrag zum Jubiläum der St. Josefshalle ist nun geschrieben, und wird demnächst eingereicht. Es machte mir viel Spass, dazu Recherchen anzustellen. Einerseits konnte ich die geschichtlichen Eckdaten ab der Homepage der Theatervereinigung übernehmen, welche für mich den roten Faden darstellen. Andererseits durfte ich mit Otto Hediger (Försters) und Klara Mazenauer zwei Zeitzeugen befragen, deren Aussagen die St. Josefshalle richtiggehend in die alte Zeit zurückversetzten. Als Abrundung erklärte mir Theo Pfyl weitere wertvolle Punkte, welche, wie ich hoffe, zu einem ausgewogenen Beitrag führen sollten.

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Ständerats-Kandidat Albert Knobel (parteilos)

Heute präsentiere ich die Antworten von Albert Knobel, dem parteilosen Ständeratskandidaten aus dem Bezirk March. Einleitend zu seinen Antworten schrieb der Ausserschwyzer: „Besten Dank für die Anfrage und die zur Verfügung-Stellung einer neutralen Plattform für unsere freien, demokratischen Schwyzer Wähler.“
Die Kandidatur Knobel‘s stellt ein richtiger Kontrastpunkt zu denjenigen der bestehenden Parteien dar. Dazu schreibt er auf seiner Homepage: „Albert Knobel, parteifrei – DIE Alternative zu den System-Politikern.“

Albert Knobel wird im November 65 Jahre alt und wohnt in Altendorf SZ. Der sportliche Mann hat zwei Kinder sowie zwei Enkelkinder, und lebt seit acht Jahren in einer Partnerschaft. Der gelernte Tiefbauzeichner führte während 31 Jahren ein eigenes Velogeschäft an seinem Wohnort und arbeitet heute als Mountainbike-Guide und Sport-Animateur.
Der politisch sehr interessierte Bald-Rentner war Mitglied der Baukommission in der Gemeinde Altendorf, und wirkt aktuell in der vom Gemeinderat einberufenen Parkkommission mit.

Nach eigenen Angaben kümmert sich Knobel intensiv um die Schwyzer Bürger. Mit seinem Wahlmobil befindet er sich zurzeit auf der TOUR DE SCHWYZ, und ist regelmässig irgendwo im Kanton unterwegs.
Viele Sorgen der Bürger sind dem Altendorfer bekannt. Die Begegnungen mit ihnen bestärken und stärken ihn für seine überraschende Kandidatur.

Albert Knobel
Bildquelle: ch.linkedin.com

Warum soll das Schwyzer Volk Sie zum Ständerat wählen?
Weil es dringend einen Wechsel braucht: Von der Machtpolitik zur Sachpolitik, und von der amtlichen Scheinheiligkeit zur Wahrheit. Ich habe mit Jahrgang 1950 die nötige Portion Lebenserfahrung und Unabhängigkeit. Weil ich keiner Partei oder Lobby verpflichtet bin, kann ich meinem Gewissen und dem Vertrauensanspruch der Wähler gemäss handeln. Ich trete an, um die vielen verdeckten Abhängigkeiten und die unnötig erschwerten Abläufe aufzudecken und zu korrigieren.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Es geht mir nicht um isolierte Wahlkampfthemen, sondern um die Anwendung unserer Gesetze und Verfassung in allen Bereichen. Im heutigen Polit-Business ist diese Ordnung im freien Fall. Ich engagiere mich seit vielen Jahren gegen juristische Begriffsverdrehungen, Verfahrenstricks und Hinterzimmer-Übereinkünfte, die gegen das Interesse der Öffentlichkeit gerichtet sind. Ich setze mich dafür ein, dass unrechtmässiges Handeln nicht dank ‚politischer Immunität‘ weiterhin geschützt wird und dass der Amtseid streng verbindlich einzuhalten ist.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer Wahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Der Selbstbestimmung unseres Kantons und unserer Gemeinden geht es immer mehr an den Kragen. Man versucht mit aller Macht, Abstimmungen mit ‚modern‘ genannten Methoden zu verdrängen, auszuhebeln oder gar nicht mehr zuzulassen. Zentralistisches Daumen-nach-oben-oder-unten wird über die Entscheidungen der örtlichen Bevölkerung gestellt. Ich werde überall dort den Hebel ansetzen, wo diese neoliberale Vermarktung des Politischen grassiert: Bei der Bildung, den internationalen Wirtschaftsverträgen, der Franken-Bindung an andere Währungen, der Grenzsicherung, der Sicherung der Sozialwerke etc.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Eine Katze im Sack. Wenn man den Medien glauben will, schnurrt sie zwar noch, aber effektiv kratzt sie schon äusserst schmerzhaft. Die EU steht direkt vor dem Zerfall. Als ferngesteuertes Konstrukt geht sie nun an ihren vielen totalitären Ansprüchen, Fehlleistungen und Widersprüchen zugrunde, mit denen sie auch uns in den Schlamassel hineingezogen hat. Die EU respektiert ihre eigenen Normen nicht. Sie wurde in völkerrechtswidrige Angriffskriege und in die Zwangsübernahme von selbstmörderischen Wirtschaftsverträgen (TTIP etc.) verwickelt. Und die EU-Kommission verlacht unsere direkt-demokratische, rechtsstaatliche Ordnung. Ich bin froh, wenn die Nationalstaaten Europas ihre Würde und Selbstbestimmung wieder zurückerlangen. Für die Schweiz und für unseren Kanton ist dieser Prozess entscheidend wichtig.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Sorgen sind durchaus berechtigt. Flüchtlingsströme entstehen nicht ungeplant. Sie sind die Folge militärisch-strategischer Attacken, die funktionierende Zivilisationen schrittweise zerstören wollen – nicht nur in den Herkunftsländern, sondern auch bei uns. Eine Strategie der verbrannten Erde, die gezielt auch Europa ins Chaos stürzen will, um es dann als Aufmarsch-Gebiet für Angriffskriege Richtung Osten missbrauchen zu können.
Wir müssen dringend an vernünftigen, auch langfristig menschengerechten Lösungen arbeiten. Am sinnvollsten ist der Aufbau von sehr gut strukturierten, streng gesicherten Flüchtlingscamps für Asylanten und Immigranten. Dort müssen sie – unterstützt von ihren eigenen und unseren Leuten – auf eine zukunftsträchtige, erfolgreiche, geordnete Rückkehr in ihre Heimat vorbereitet werden. Echte Integration kann in der kleinen Schweiz angesichts der riesigen Zahl von Menschen nicht bewältigt werden. Aufbauhilfe in den Herkunftsländern und Hilfe zur Selbsthilfe aber schon.

Der besorgte Ständerats-Kandidat möchte etwas gegen „die kranken Abläufe“ in unserem Land unternehmen. Ihm passt nicht, dass Gesetze missachtet und verbindliche Abläufe unterwandert werden. Er möchte, dass die Bewohner vom Kanton Schwyz wirklich bestimmen, was gilt.
Ich bedanke mich bei Albert Knobel für seine interessanten Statements und wünsche ihm alles Gute für den weiteren Wahlkampf.

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Ständerats-Kandidat Elias Studer (JUSO)

Der Schwyzer Jungsozialist Elias Studer ist Kandidat Nummer 3, welcher heute zu meinen fünf Fragen Rede und Antwort steht. Übrigens: Ich halte mich bei der Veröffentlichung der einzelnen Kandidaten an die Reihenfolge der bei mir eingegangenen Antworten.

Auf der Homepage von SRF habe ich zur Kandidatur der JUSO folgendes gefunden: Die Schwyzer FDP verzichtet auf eine Kandidatur bei den Ständeratswahlen und hat Stimmfreigabe beschlossen. Auch die SP tritt bei den Ständeratswahlen nicht an. Sie konzentriert sich darauf, die Wiederwahl von Nationalrat Andy Tschümperlin zu sichern.
Die Jungsozialisten hingegen haben entschieden, sich an den Wahlen zu beteiligen. Sie haben zwei Kandidaten für den Ständerat nominiert: Einer davon ist Parteipräsident Elias Studer, der andere Vorstandsmitglied Thomas Büeler.

Elias Studer hat Jahrgang 1995 und wohnt in Oberarth SZ. Der Präsident der JUSO schloss 2014 die Matura mit Schwerpunkt Wirtschaft und Recht ab. Diesen Herbst beginnt er das Studium der Soziologie an der Universität Basel.
Studer ist seit 2012 Mitglied in der JUSO und der SP. Seit 2013 ist er Vorstandsmitglied der JUSO Kanton Schwyz, seit 2013 Geschäftsleitungsmitglied der SP Kanton Schwyz und seit 2014 Präsident der JUSO Kanton Schwyz. Der Jungpolitiker ist zudem Mitinitiator und Vorstandsmitglied des Schwyzer Jugendparlaments.

Elias Studer
Bildquelle: Bote der Urschweiz (Nadine Annen)

Warum soll das Schwyzer Volk Sie zum Ständerat wählen?
Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der alle Leute frei sind, sich selbst zu sein und sich zu verwirklichen. Eine Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Ich will bessere öffentliche Dienstleistungen sowie Steuern, welche diese finanzieren können, ohne tiefe und mittlere Einkommen zu belasten. Eine stärkere Demokratie und eine Welt, in der niemand fliehen muss vor Hunger, Krieg und Zerstörung.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Service Public und Steuerpolitik: Wir brauchen einen starken Service Public, der dafür sorgt, dass alle Menschen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Der Abbau an öffentlichen Dienstleistungen, der zurzeit in den Kantonen vor sich geht, muss gestoppt und rückgängig gemacht werden. Dazu darf man Reiche nicht mehr mit Steuergeschenken privilegieren. Leute mit tiefen und mittleren Einkommen sind steuerlich zu entlasten.

Freiheit: Freiheit bedeutet, dass alle so leben können, wie sie möchten – solange alle anderen dadurch nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Freiheit bedeutet frei zu sein von Diskriminierung, so leben zu können, wie man ist; es bedeutet aber auch, frei zu sein von wirtschaftlicher Ausbeutung und ständigem Konkurrenzdruck. Freiheit ohne Gleichheit ist nur halbe Freiheit.

Globale Gerechtigkeit: Die Probleme Hunger, Krieg und Migration sind global und trotzdem müssen wir hier aktiv sein und handeln. Wir können hier etwas tun gegen Steuerflucht, Waffenlieferungen und Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Unternehmen. Ich kämpfe für eine friedliche und solidarische Welt. Denn wir können ändern, was uns stört.

Transparenz: Geld hat einen grossen Einfluss auf Abstimmungen und Wahlen, ohne dass das Volk weiss, wessen Geld wem warum zugutekommt. Es ist absolut undemokratisch, dass Menschen mehr politische Macht haben als andere, bloss, weil sie mehr Geld haben. Darum braucht es Transparenz in der Politikfinanzierung.

Demokratie: Wir können stolz sein auf unsere Demokratie, und trotzdem gibt es noch viel zu erreichen. Neben der Transparenz braucht es einfachere Einbürgerungen. Denn es ist ungerecht, dass rund ein Viertel der Bevölkerung nicht mitbestimmen kann, weil die Hürden für sie so hoch sind. Ausserdem braucht es mehr Demokratie in den Betrieben, die Angestellten müssen mitbestimmen können.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer Wahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Die Steuerdumpingpolitik muss sofort gestoppt werden. Sie ist unsolidarisch und schadet der Bevölkerung – in Schwyz, in der Schweiz und international. Vom Steuerwettbewerb profitieren nur die Reichen, denn sie können dadurch von viel zu tiefen Steuern profitieren. Die Allgemeinheit leidet darunter, denn wenn die Einnahmen fehlen, werden wichtige öffentliche Dienstleistungen abgebaut und die Chancengleichheit bleibt auf der Strecke. Darum muss der Steuerwettbewerb unterbunden werden.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Die EU ist weder Segen noch Fluch. Um Probleme wie den Steuerwettbewerb, den Klimawandel oder Fluchtursachen in den Griff zu bekommen, braucht es starke internationale Organisationen und bei diesen muss die Schweiz sich mehr engagieren.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Wir müssen uns Sorgen um die Menschen machen, die fliehen müssen. Wir müssen uns Sorgen darum machen, dass täglich tausende an Hunger, im Krieg oder auf der Flucht sterben. Die Schweiz muss endlich Verantwortung übernehmen: Kriegsmaterialexporte müssen gestoppt werden. Unternehmen mit Sitz in der Schweiz müssen zur Rechenschaft gezogen werden für ihre Verletzung von Menschenrechten und Umweltstandards im Ausland. Die Spekulation auf Nahrungsmittel, die den Hunger vorantreibt, muss ein Ende haben.

Elias Studer und sein JUSO-Kollege Thomas Büeler bringen den Faktor Jugend in den Schwyzer Ständerats-Wahlkampf. Die Jungen sind unsere Zukunft, sie möchten dementsprechend auch mitreden und mitbestimmen können.
Ich bedanke mich bei Elias Studer für seine interessanten Antworten und wünsche ihm alles Gute für den weiteren Wahlkampf.

feldwaldwiesenblogger

Hanspeter Pellet – Der Publikumsliebling und sein Weg (Teil 1)

Im Rahmen meiner Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest Estavayer2016 besuchte ich kürzlich einen ehemaligen Südwestschweizer Spitzenschwinger: Hanspeter Pellet. Der überall beliebte Brünisrieder ist mit 136 Kränzen (noch) alleiniger Rekordhalter und beendete seine glanzvolle Karriere vor fünf Jahren am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld.

Beim Gespräch stellte ich dem Publikumsliebling 14 Fragen. Nebst den Fragen-Antworten entwickelte sich ein kurzweiliger Dialog und der Freiburger erzählte mir viele weitere interessante Details. Deshalb entschied ich mich, aus der Begegnung zwei Teile zu machen. Heute folgt Teil 1 mit den angesprochenen interessanten Details. Der Teil 2 beinhaltet dann das eigentliche Interview.

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Hanspeter Pellet beim Hauseingang in Oberschrot
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hanspeter wohnt schon seit acht Jahren mit seiner Frau und den beiden Kindern etwas oberhalb von Oberschrot (Kanton Freiburg). Ihr jetziger Wohnort, ein altes Bauernhaus, ist wunderschön gelegen und mit einer fantastischen Aussicht gesegnet. Unser Gespräch fand in der gemütlichen Küche statt. In einer Ecke befinden sich einige seiner herausgeschwungenen Kränze. Darauf angesprochen, wo sich die anderen Kränze und Gaben befinden, meinte der erfolgreiche Kranzschwinger: „Hier fehlt der Platz und die Räume sind zu nieder. Deshalb sind die restlichen Kränze und die Gaben (noch) im Elternhaus in Brünisried.“
Da die Familie Pellet Mieter im alten Bauernhaus sind, möchte der ehemalige Sennenschwinger nächstes Jahr in Plaffeien für sich und seine Familie ein eigenes Haus bauen, und dort auch ein separates Schwingerzimmer einrichten.

Hanspeter ist von Beruf Bauschreiner, arbeitet bei einer kleinen Firma und ist spezialisiert auf das Montieren von Treppen. Als Hobbys gibt der sympathische Zeitgenosse die Landwirtschaft, Wandern und Holzen an. „Ich helfe in meiner Freizeit auf dem Bauernhof meiner Eltern und demjenigen meiner Schwiegereltern. Zudem besitze ich selber sechs Kaninchen,“ ergänzte er.
Der Bauschreiner wird bei der Arbeit immer wieder mal von den Leuten erkannt, und auf seine schwingerischen Erfolge angesprochen.

Die bevorzugten Schwünge von Hanspeter waren der Kurz, Fussstich, Kniekehlengriff, Hochschwung sowie zwei oder drei Bodenschwünge. Mit seinem explosiven Schwingstil hatte er grossen Erfolg und war deswegen weit herum bekannt. Nach eigenen Angaben trainierte der Südwestschweizer speziell auf das hin. „Wenn man ein relativ kleiner Schwinger ist, muss man versuchen, von unten heraus und mit Schnellkraft schwingen,“ meinte der 175 cm grosse und während seiner Aktivzeit zwischen 100 und 103 Kilogramm schwere Athlet. „Ich versuchte einmal, mein Gewicht auf 108 Kilogramm zu heben, mit der Folge, dass der „Pfus“ nicht mehr vorhanden war. Ich ging dann wieder auf 103 Kilogramm Körpergewicht zurück.“

Hanspeter stammt aus einer schwingbegeisterten Familie, und wuchs zusammen mit sechs Brüdern auf. „Alle sieben Brüder haben mal geschwungen. Den Kranz haben vier von uns gemacht, nämlich Josef, Markus, Michael und ich. Der einzige, welcher noch aktiv schwingt, ist Michael.“

Der Blondschopf begann im Alter von acht Jahren mit schwingen. Von Brünisried sind sie mit den Velos zum Training nach Plaffeien gefahren. Damals gab es dort noch einen Schwingkeller, welcher aber später abgerissen wurde. Dann gingen die schwingbegeisterten Burschen nach Tafers trainieren, erst mit einem Bus, später mit den eigenen Autos. In Plaffeien soll demnächst wieder ein Schwingkeller eröffnet werden.
Hanspeter nahm sich Zeit für seine schwingerische Entwicklung. Seiner Ansicht nach sind einige junge Schwinger heutzutage etwas zu schnell in deren Entwicklung. Er machte erst mit 21 Jahren seinen ersten Kranz, in Nyon am Waadtländer Kantonalen. Den Durchbruch gelang ihm mit 25 Jahren.

Das Kraftbündel hat als ganz junger Schwinger praktisch kein Krafttraining gemacht. Damit hat er erst mit 19 oder 20 Jahren begonnen. Dies aber eher unbewusst. Er hat vorher einfach geschwungen, und dachte nicht, dass es so viel braucht. Als er realisierte, dass für den Erfolg viel mehr nötig ist, ging er auch in den Kraftraum. „Ich habe mich mit dem befasst und mein Trainer Gilbert Mauron, ein ehemaliger Freiburger Schwinger, empfahl mir, in den Kraftraum zu gehen, da ich auch zu leicht war. Das war wahrscheinlich auch mein Glück, und so begann ich nicht zu früh mit Krafttraining. Mauron verdanke ich auch, dass ich in Olten 1992 mein erstes Eidgenössisches bestreiten durfte, und sechs Gänge schwingen konnte. Das gab mir so richtig Auftrieb, da ich erkannte wie viel es tatsächlich braucht. Zudem fragte ich auch andere Schwinger, was sie trainieren und wie sie vorgehen. Damals war das Schwingen schon populär, aber noch nicht in dem Ausmass wie heutzutage. Beim ESAF in Chur, 1995, konnte ich acht Gänge schwingen, es reichte aber noch nicht für den Kranz. Ich war dementsprechend unzufrieden. Ich steigerte darauf den Aufwand nochmals enorm. 1998, beim Eidgenössischen in Bern, holte ich erstmals den eidgenössischen Kranz. Von da an erreichte ich bei allen ESAF-Teilnahmen das begehrte Eichenlaub.“
Nebst Gilbert Mauron waren Roland Riedo und Jakob Werner weitere Trainer des fünffachen Eidgenossen.
Laut Hanspeter war seine Motivation für das harte und konsequente Training die Freude am Sonntagabend nach einem erfolgreichen Schwingfest. „So nahm ich am Montagabend gerne wieder das Training auf.“ Zudem war auch seine körperliche Arbeit gewissermassen schon ein Krafttraining.

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Hanspeter Pellet und einige seiner Kränze
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hanspeter machte nebst dem üblichen Training auch spezielles mentales Training, ebenso Fussreflexzonenmassage. Zudem schaute er nebst dem gesteigerten Trainingsaufwand auch auf die Ernährung, und achtete darauf, dass er nicht zu fettig ass. Dazu erklärte der Freiburger: „Ich fragte betreffs mentalem Training auch andere Schwinger, und liess mir gewisse Dinge zeigen. Weiter gab mir Alexandra Perler diesbezüglich einige Tipps, mit welchen ich sehr gut gefahren bin. Zum Beispiel der richtige Umgang bei Situationen, wo es mal nicht so lief, oder man verloren hatte. Bei der Ernährung liess ich mich ebenfalls beraten und hielt mich auch daran. Zuhause bei meiner Mutter ass ich aber das, was auf den Tisch kam.“

Während seiner Aktivkarriere schwang Hanspeter an allen wichtigen Schwingfesten, inklusive Eidgenössischen, Kilchberg, Unspunnen, Teilverbands-, Berg- und Kantonalfesten. Er besuchte jeweils etwa 20 Schwingfeste pro Jahr, gut die Hälfte davon waren Kranzfeste. Dazu der schwingbegeisterte Mann: „Das hat sich heute leider etwas verändert, da sich einige Schwinger vor allem auf die Kranzfeste konzentrieren, und gewisse Schwingfeste nicht (mehr) besuchen. Dies leider zu Ungunsten der Rangschwingfeste. Die neuen Richtlinien des ESV sind deshalb der richtige Ansatz, um die Rangschwingfeste wieder zu fördern. Es ist nämlich schade für die Organisatoren, wenn weniger Schwinger teilnehmen und der Stellenwert gewisser kleiner Feste abnimmt.“

Auf die Frage, ob der trainingsfleissige Schwinger vor einem Eidgenössischen Jahr die Vorsaison im Herbst auch früher abbrach, wie es einige Spitzenschwinger heutzutage handhaben, um sich optimal vorbereiten zu können, erklärte er: „Nein, das habe ich nie so gemacht. Ich ging immer auf tutti.“
Nach der Saison trainierte Hanspeter etwa einen Monat lang weniger intensiv, und ging nicht in den Schwingkeller. Er machte dabei aber trotzdem zweimal pro Woche Kraft- und Fitnesstraining. „Ich machte deshalb etwas, damit ich konditionell nicht gleich abfiel. Ich konnte es jeweils nicht sein lassen. Vielfach war die schwingfreie Zeit bloss etwa zwei Wochen oder etwas mehr gewesen.“

Darauf angesprochen, wie es der Schwinger vom Schwingklub Sense mit der aktiven Erholung hielt, erwiderte dieser: „Je älter man wird, desto mehr sollte man trainieren. Aber sich auch längere Erholungs- und Ruhephasen gönnen. Aktive Erholung für mich war viel Schlaf, ich habe jeweils viel Schlaf gebraucht. Freitag- und Samstagabend ging ich halt früh zu Bett.“
Eine Bemerkung zum Schwingklub Sense: Der Kanton Freiburg hat sechs Schwingklubs. Dies sind Kerzers, Freiburg, Estavayer, Haute-Sarine, Greyerz und eben Sense.

Ich fragte Hanspeter, ob er als Aktiver auch einen Manager hatte. Seine Antwort: „Nein, das hatte ich nie. Ich machte alles selber. Wenn ich etwas nicht wusste, fragte ich andere Schwinger. Es gab damals schon Autogramm-Anfragen. Dies erledigte ich gleich selber, respektive meine Frau hat mir dabei geholfen.“

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Hanspeter Pellet wurde nach seinem letzten Gang beim ESAF2010 (Frauenfeld) wie ein Sieger gefeiert
Bildquelle: schlussgang.ch

Ich erinnere mich an einen Auftritt des Brünisrieders im SPORTPANORAMA von SRF, kurz nach dem Rücktritt. Dabei erklärte Matthias Hüppi beim Interview, dass man Hanspeter, der damals weder ein Handy noch einen PC sein Eigen nennen konnte, nicht einfach erreicht habe. Schmunzelnd fügte der Chrampfer bei unserem Gespräch hinzu: „Ich besitze immer noch kein Handy und keinen PC. Aber das kommt sicher. Denn unser Bub wird schon acht-jährig, und in der Schule wird das sicher bald ein Thema. Dann müssen wir uns damit auch beschäftigen.“

Hanspeter zu früheren Kampfrichterentscheiden: „Es hat damals mehr ‚gemenschelt‘ als heutzutage. Ältere Schwinger haben mir von ‚Undingen‘ erzählt, die damals geboten worden sind. Heute haben die Kampfrichter eine Linie, auch dank dem ESV und seinen Richtlinien. Als Schwinger musst du das aber akzeptieren können, sonst musst du nicht schwingen.“
Darauf angesprochen, ob sich der 45-jährige auch manchmal ungerecht behandelt gefühlt habe: „Ich sage jeweils, einmal wird man vielleicht ungerecht behandelt. Das andere Mal läuft es wieder zu seinen eigenen Gunsten. Es gleicht sich dabei stets aus. Es nützt auch nichts, mit den Entscheiden zu hadern.“

Zum Abschluss von Teil 1 offenbarte uns Hanspeter nochmals, wie seine Einstellung beim Schwingen war: Er akzeptierte Kampfrichterentscheide klaglos. Der relativ klein gewachsene Sennenschwinger zeigte dabei einen tadellosen Charakter. Seine angriffige Schwingweise, gepaart mit Ehrlichkeit und Bescheidenheit, liess die Herzen der Schwingerfreunde in der ganzen Schweiz höher schlagen. Nicht umsonst ist der Mann aus dem freiburgischen, der unglaublich hart und konsequent trainiert hatte, seinen Weg gegangen und so zu einem Publikumsliebling geworden.

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