Die St. Josefshalle in Muotathal wird 80-jährig: Die Anfangstage

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Flyer Einweihe-Feier St. Josefshalle
Bildquelle: Walter Gwerder

Die St. Josefshalle in Muotathal wird im kommenden Dezember 80-jährig. Diesen Geburtstag nimmt der Zirk zum Anlass, sich diesem Jubiläum in einem Beitrag in der Oktoberausgabe zu widmen. Meine Wenigkeit erhielt die Aufgabe, den Text dazu zu verfassen. Ich halte es wieder so wie schon beim Beitrag über’s Muotathaler Schwinggeschehen: Der Werdegang des Zirk-Textes wird in meinem Blog dokumentiert.

Als Erstes machte ich mir eine Aufstellung, welche Informationen ich von der Zirk-Redaktionssitzung her bereits besass, wen ich befragen soll und wo ich weiteres Datenmaterial bekommen könnte.

Ein Blick auf die Homepage der Theatervereinigung Muotathal verriet mir, dass dort die bewegte Geschichte dieser doch sehr speziellen St. Josefshalle gut dokumentiert und nachzulesen ist.
Die ganze Geschichte will ich nicht Eins-zu-eins übernehmen. Als Einstieg kann es aber dennoch nicht schaden, kurz in die Historie zu schauen und ein paar wichtige Punkte herauszupicken. Dazu befragte ich den mir empfohlenen Zeitzeugen Otto Hediger (Försters).

Die bewegte Geschichte dieser speziellen Halle begann 1934. Der Muotathaler Pfarrer Thomas Fässler erfuhr, dass in Schwyz das Kollegium Maria Hilf an Stelle der „Hediger-Halle“ ein Casino bauen wollte. Der Pfarrer kaufte mit seinem eigenen Geld die demontierte Halle, damit die Muotathaler Vereine ein geeignetes Lokal für ihre Anlässe bekamen. So wurde aus der „Hediger-Halle“ die St. Josefshalle.
Otto Hediger meinte dazu: Franz-Anton Hediger, aus der Hediger-Dynastie von Schwyz, liess damals die „Hediger-Halle“ an der Stelle bauen, wo heute das Mythenforum steht. Er war auch der Besitzer des Hotels Hediger in Schwyz. Übrigens: Am Standort des ehemaligen Hotels befindet sich heute das Bürogebäude des Elektrizitätswerk Schwyz (EWS). Die Hedigers waren früher Anwälte, Richter und Offiziere. Laut Stammbaum sind sie Nachfahren von einem gewissen Fridli Hediger (1594 gestorben), welcher in der Lustnau im Ried-Muotathal zu Hause war.
In der „Hediger-Halle“ in Schwyz wurde seinerzeit auch Theater gespielt. Für was sie sonst noch gebraucht wurde, weiss ich nicht. Nach dem Abbruch der „Hediger-Halle“ wurde an gleicher Stätte das Casino Schwyz errichtet.
Pfarrer Fässler kaufte die aus Holz bestehende Halle, und liess sie im Wil so aufstellen wie sie schon in Schwyz stand. Zuvor wurde der neue Standort mit Kies ausgeebnet. Dieser Kies holte man mit einem Rollwagen in der „Risi“ vorne. Dafür wurde extra ein Gleis gelegt, um den Rollwagen hin und her bewegen zu können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, denn ich war zu dieser Zeit ein Schulbub, in der ersten oder zweiten Klasse. Den Rollwagen gestossen haben einige Freiwillige, so unter anderem auch der Lehrer Josef Mazenauer und Schüler von ihm.

Die St. Josefshalle wurde laut Flyer am 26. Dezember 1935 mit einem reichhaltigen Programm eingeweiht. Die Muotathaler verstanden es damals schon, würdige Einweihungsfeiern abzuhalten. Mit wenig Geld war man dabei: Die Kinder bezahlten 30 Rappen Eintritt, die Erwachsenen 80 Rappen (!). Die 16 Programmpunkte umfassten eine Ansprache des Pfarrers, musikalische Darbietungen des Musikvereins sowie des Gemischten Chores und ein kurzes Lustspiel. Weiter kamen Primarschüler, Kleinkinderschüler, junge Sennerinnen und Turner zu Auftritten. Abgerundet wurde das Ganze mit einer Tombola.
Das Pfarramt Muotathal lud die Bevölkerung zur Einweihung. Denn Pfarrer Thomas Fässler war ja, wie wir nun wissen, der Initiator der St. Josefshalle.

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„Hediger-Halle“ in Schwyz
Bildquelle: theater-muotathal.ch

Ein weiterer Blick in die Geschichte offenbart, dass Pfarrer Fässler die Halle auf der Matte des Franz Stump in der Nähe der Schule und der Geistlichkeit aufstellen lassen wollte. Zudem wollte er auch die Baukosten übernehmen. Der Gemeinderat sagte aber Nein, und verlangte die Errichtung im Schachen. Mit einem Gemeindebüro und einem Feuerwehrlokal im Erdgeschoss, Bauherrin sei die Gemeinde, welche den Betrag von 15‘000 Franken übernehme. Der Restbetrag sei durch die Vereine aufzubringen, und mit dem Bau werde erst nach Sicherung der Restfinanzierung begonnen. Pfarrer Fässler und Pfarrhelfer Bissig stellten an der Kirchgemeinde-versammlung folgende Anträge:
a) Das Theaterlokal im Schulhaus ist in eine Haushaltsschule umzubauen
b) Die Gemeinde leistet einen angemessenen Beitrag an den Hallenneubau neben dem Schulhaus Wil
Die Versammlung bewilligte 3’000 Franken und beschloss, zur Deckung dieser Ausgabe die „elfte Steuer“ auch für das Jahr 1936 einzuziehen.

Die Einweihung der St. Josefshalle brachte einen Reingewinn von 2’000 Franken. Die Halle wurde in der Folge auf eine Pfarrpfrund verschrieben und der Pfarrer war verpflichtet, für den Unterhalt der Halle zu sorgen.
Aus alten Schriften der Theatergesellschaft ist folgendes zu entnehmen: Der Verein mit den jeweils grössten Geldsorgen habe nun alljährlich ein Theaterstück aufgeführt.

Otto Hediger wusste zu den Anfangstagen der St. Josefshalle weiter zu berichten: Pfarrer Fässler war intelligent und bewies Geschäftssinn. An die Einweihungsfeier kann ich mich nicht erinnern. Ich meine aber, dass das erste Theater, welches in der Halle aufgeführt wurde, „Der Franzose im Ybrig“ hiess. Willi Gwerder („Pfandweibels“) spielte dabei den Franzosen. Alois Schelbert („Baschä Wisul“) war auch mit von der Partie, sowie noch einige andere. Der Turnverein organisierte diese Theateraufführung.
In der St. Josefshalle wurde in den Anfangsjahren hauptsächlich geturnt. Es war ja eine Turnhalle, deshalb nannten wir sie auch so. Verantwortlich für die Halle war damals der Oberturner Josef Gwerder („Schmalauelers“), weiter die Turner Josef und Xaver Betschart („Lunzä“), Walter und Josef Betschart („Gigers“) sowie Josef Betschart („Franzä“). Ab und zu wurde auch ein Theater aufgeführt, aber nicht jedes Jahr.
Auf Initiative von Pfarrer Fässler wurde um 1936 der erste Kindergarten in die St. Josefshalle integriert, und zwar im Eingangsbereich. Eine Klosterfrau war Kindergärtnerin.
Ich erinnere mich, dass die Turner im Sommer draussen neben der Halle ihre Übungen gemacht haben. Es hiess damals, wenn es auf der Rotmatt keinen Schnee mehr hat, darf man barfuss rumlaufen. So sind wir Kinder barfuss auf dem Platz rumgesprungen, wenn die Turner dort Sport trieben. Es war auch ein festmontiertes Reck vorhanden.
Der Platz neben der Halle wurde etwa zweimal im Jahr auch zum Wäsche aufhängen genutzt. Der ganze Schachen war jeweils anwesend, stellte Stickel und spannte Seile. Erst wurde die Wäsche im Wäschehaus an der Muota („Chrümmelers Hüttli“) gewaschen, und dann auf dem Platz aufgehängt.
Später, vermutlich anfangs der 1960iger-Jahre, habe ich eine Warmluft-Heizung im Keller der Halle eingebaut.

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Bildquelle: theater-muotathal.ch

Im ersten Blogbeitrag zum 80. Geburtstag der St. Josefshalle widmete ich mich den Anfangstagen. Nebst Otto Hediger (Försters) werde ich noch weitere Personen zur Halle befragen, in welcher die Theatervereinigung Muotathal alljährlich im Herbst ein weitherum bekanntes Volkstheater aufführt. Vom 24. Oktober bis 6. Dezember wird das Stück „Dr Tobelwald“ aufgeführt.

feldwaldwiesenblogger

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