Hanspeter Pellet – Der Publikumsliebling und sein Weg (Teil 1)

Im Rahmen meiner Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest Estavayer2016 besuchte ich kürzlich einen ehemaligen Südwestschweizer Spitzenschwinger: Hanspeter Pellet. Der überall beliebte Brünisrieder ist mit 136 Kränzen (noch) alleiniger Rekordhalter und beendete seine glanzvolle Karriere vor fünf Jahren am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld.

Beim Gespräch stellte ich dem Publikumsliebling 14 Fragen. Nebst den Fragen-Antworten entwickelte sich ein kurzweiliger Dialog und der Freiburger erzählte mir viele weitere interessante Details. Deshalb entschied ich mich, aus der Begegnung zwei Teile zu machen. Heute folgt Teil 1 mit den angesprochenen interessanten Details. Der Teil 2 beinhaltet dann das eigentliche Interview.

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Hanspeter Pellet beim Hauseingang in Oberschrot
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hanspeter wohnt schon seit acht Jahren mit seiner Frau und den beiden Kindern etwas oberhalb von Oberschrot (Kanton Freiburg). Ihr jetziger Wohnort, ein altes Bauernhaus, ist wunderschön gelegen und mit einer fantastischen Aussicht gesegnet. Unser Gespräch fand in der gemütlichen Küche statt. In einer Ecke befinden sich einige seiner herausgeschwungenen Kränze. Darauf angesprochen, wo sich die anderen Kränze und Gaben befinden, meinte der erfolgreiche Kranzschwinger: „Hier fehlt der Platz und die Räume sind zu nieder. Deshalb sind die restlichen Kränze und die Gaben (noch) im Elternhaus in Brünisried.“
Da die Familie Pellet Mieter im alten Bauernhaus sind, möchte der ehemalige Sennenschwinger nächstes Jahr in Plaffeien für sich und seine Familie ein eigenes Haus bauen, und dort auch ein separates Schwingerzimmer einrichten.

Hanspeter ist von Beruf Bauschreiner, arbeitet bei einer kleinen Firma und ist spezialisiert auf das Montieren von Treppen. Als Hobbys gibt der sympathische Zeitgenosse die Landwirtschaft, Wandern und Holzen an. „Ich helfe in meiner Freizeit auf dem Bauernhof meiner Eltern und demjenigen meiner Schwiegereltern. Zudem besitze ich selber sechs Kaninchen,“ ergänzte er.
Der Bauschreiner wird bei der Arbeit immer wieder mal von den Leuten erkannt, und auf seine schwingerischen Erfolge angesprochen.

Die bevorzugten Schwünge von Hanspeter waren der Kurz, Fussstich, Kniekehlengriff, Hochschwung sowie zwei oder drei Bodenschwünge. Mit seinem explosiven Schwingstil hatte er grossen Erfolg und war deswegen weit herum bekannt. Nach eigenen Angaben trainierte der Südwestschweizer speziell auf das hin. „Wenn man ein relativ kleiner Schwinger ist, muss man versuchen, von unten heraus und mit Schnellkraft schwingen,“ meinte der 175 cm grosse und während seiner Aktivzeit zwischen 100 und 103 Kilogramm schwere Athlet. „Ich versuchte einmal, mein Gewicht auf 108 Kilogramm zu heben, mit der Folge, dass der „Pfus“ nicht mehr vorhanden war. Ich ging dann wieder auf 103 Kilogramm Körpergewicht zurück.“

Hanspeter stammt aus einer schwingbegeisterten Familie, und wuchs zusammen mit sechs Brüdern auf. „Alle sieben Brüder haben mal geschwungen. Den Kranz haben vier von uns gemacht, nämlich Josef, Markus, Michael und ich. Der einzige, welcher noch aktiv schwingt, ist Michael.“

Der Blondschopf begann im Alter von acht Jahren mit schwingen. Von Brünisried sind sie mit den Velos zum Training nach Plaffeien gefahren. Damals gab es dort noch einen Schwingkeller, welcher aber später abgerissen wurde. Dann gingen die schwingbegeisterten Burschen nach Tafers trainieren, erst mit einem Bus, später mit den eigenen Autos. In Plaffeien soll demnächst wieder ein Schwingkeller eröffnet werden.
Hanspeter nahm sich Zeit für seine schwingerische Entwicklung. Seiner Ansicht nach sind einige junge Schwinger heutzutage etwas zu schnell in deren Entwicklung. Er machte erst mit 21 Jahren seinen ersten Kranz, in Nyon am Waadtländer Kantonalen. Den Durchbruch gelang ihm mit 25 Jahren.

Das Kraftbündel hat als ganz junger Schwinger praktisch kein Krafttraining gemacht. Damit hat er erst mit 19 oder 20 Jahren begonnen. Dies aber eher unbewusst. Er hat vorher einfach geschwungen, und dachte nicht, dass es so viel braucht. Als er realisierte, dass für den Erfolg viel mehr nötig ist, ging er auch in den Kraftraum. „Ich habe mich mit dem befasst und mein Trainer Gilbert Mauron, ein ehemaliger Freiburger Schwinger, empfahl mir, in den Kraftraum zu gehen, da ich auch zu leicht war. Das war wahrscheinlich auch mein Glück, und so begann ich nicht zu früh mit Krafttraining. Mauron verdanke ich auch, dass ich in Olten 1992 mein erstes Eidgenössisches bestreiten durfte, und sechs Gänge schwingen konnte. Das gab mir so richtig Auftrieb, da ich erkannte wie viel es tatsächlich braucht. Zudem fragte ich auch andere Schwinger, was sie trainieren und wie sie vorgehen. Damals war das Schwingen schon populär, aber noch nicht in dem Ausmass wie heutzutage. Beim ESAF in Chur, 1995, konnte ich acht Gänge schwingen, es reichte aber noch nicht für den Kranz. Ich war dementsprechend unzufrieden. Ich steigerte darauf den Aufwand nochmals enorm. 1998, beim Eidgenössischen in Bern, holte ich erstmals den eidgenössischen Kranz. Von da an erreichte ich bei allen ESAF-Teilnahmen das begehrte Eichenlaub.“
Nebst Gilbert Mauron waren Roland Riedo und Jakob Werner weitere Trainer des fünffachen Eidgenossen.
Laut Hanspeter war seine Motivation für das harte und konsequente Training die Freude am Sonntagabend nach einem erfolgreichen Schwingfest. „So nahm ich am Montagabend gerne wieder das Training auf.“ Zudem war auch seine körperliche Arbeit gewissermassen schon ein Krafttraining.

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Hanspeter Pellet und einige seiner Kränze
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hanspeter machte nebst dem üblichen Training auch spezielles mentales Training, ebenso Fussreflexzonenmassage. Zudem schaute er nebst dem gesteigerten Trainingsaufwand auch auf die Ernährung, und achtete darauf, dass er nicht zu fettig ass. Dazu erklärte der Freiburger: „Ich fragte betreffs mentalem Training auch andere Schwinger, und liess mir gewisse Dinge zeigen. Weiter gab mir Alexandra Perler diesbezüglich einige Tipps, mit welchen ich sehr gut gefahren bin. Zum Beispiel der richtige Umgang bei Situationen, wo es mal nicht so lief, oder man verloren hatte. Bei der Ernährung liess ich mich ebenfalls beraten und hielt mich auch daran. Zuhause bei meiner Mutter ass ich aber das, was auf den Tisch kam.“

Während seiner Aktivkarriere schwang Hanspeter an allen wichtigen Schwingfesten, inklusive Eidgenössischen, Kilchberg, Unspunnen, Teilverbands-, Berg- und Kantonalfesten. Er besuchte jeweils etwa 20 Schwingfeste pro Jahr, gut die Hälfte davon waren Kranzfeste. Dazu der schwingbegeisterte Mann: „Das hat sich heute leider etwas verändert, da sich einige Schwinger vor allem auf die Kranzfeste konzentrieren, und gewisse Schwingfeste nicht (mehr) besuchen. Dies leider zu Ungunsten der Rangschwingfeste. Die neuen Richtlinien des ESV sind deshalb der richtige Ansatz, um die Rangschwingfeste wieder zu fördern. Es ist nämlich schade für die Organisatoren, wenn weniger Schwinger teilnehmen und der Stellenwert gewisser kleiner Feste abnimmt.“

Auf die Frage, ob der trainingsfleissige Schwinger vor einem Eidgenössischen Jahr die Vorsaison im Herbst auch früher abbrach, wie es einige Spitzenschwinger heutzutage handhaben, um sich optimal vorbereiten zu können, erklärte er: „Nein, das habe ich nie so gemacht. Ich ging immer auf tutti.“
Nach der Saison trainierte Hanspeter etwa einen Monat lang weniger intensiv, und ging nicht in den Schwingkeller. Er machte dabei aber trotzdem zweimal pro Woche Kraft- und Fitnesstraining. „Ich machte deshalb etwas, damit ich konditionell nicht gleich abfiel. Ich konnte es jeweils nicht sein lassen. Vielfach war die schwingfreie Zeit bloss etwa zwei Wochen oder etwas mehr gewesen.“

Darauf angesprochen, wie es der Schwinger vom Schwingklub Sense mit der aktiven Erholung hielt, erwiderte dieser: „Je älter man wird, desto mehr sollte man trainieren. Aber sich auch längere Erholungs- und Ruhephasen gönnen. Aktive Erholung für mich war viel Schlaf, ich habe jeweils viel Schlaf gebraucht. Freitag- und Samstagabend ging ich halt früh zu Bett.“
Eine Bemerkung zum Schwingklub Sense: Der Kanton Freiburg hat sechs Schwingklubs. Dies sind Kerzers, Freiburg, Estavayer, Haute-Sarine, Greyerz und eben Sense.

Ich fragte Hanspeter, ob er als Aktiver auch einen Manager hatte. Seine Antwort: „Nein, das hatte ich nie. Ich machte alles selber. Wenn ich etwas nicht wusste, fragte ich andere Schwinger. Es gab damals schon Autogramm-Anfragen. Dies erledigte ich gleich selber, respektive meine Frau hat mir dabei geholfen.“

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Hanspeter Pellet wurde nach seinem letzten Gang beim ESAF2010 (Frauenfeld) wie ein Sieger gefeiert
Bildquelle: schlussgang.ch

Ich erinnere mich an einen Auftritt des Brünisrieders im SPORTPANORAMA von SRF, kurz nach dem Rücktritt. Dabei erklärte Matthias Hüppi beim Interview, dass man Hanspeter, der damals weder ein Handy noch einen PC sein Eigen nennen konnte, nicht einfach erreicht habe. Schmunzelnd fügte der Chrampfer bei unserem Gespräch hinzu: „Ich besitze immer noch kein Handy und keinen PC. Aber das kommt sicher. Denn unser Bub wird schon acht-jährig, und in der Schule wird das sicher bald ein Thema. Dann müssen wir uns damit auch beschäftigen.“

Hanspeter zu früheren Kampfrichterentscheiden: „Es hat damals mehr ‚gemenschelt‘ als heutzutage. Ältere Schwinger haben mir von ‚Undingen‘ erzählt, die damals geboten worden sind. Heute haben die Kampfrichter eine Linie, auch dank dem ESV und seinen Richtlinien. Als Schwinger musst du das aber akzeptieren können, sonst musst du nicht schwingen.“
Darauf angesprochen, ob sich der 45-jährige auch manchmal ungerecht behandelt gefühlt habe: „Ich sage jeweils, einmal wird man vielleicht ungerecht behandelt. Das andere Mal läuft es wieder zu seinen eigenen Gunsten. Es gleicht sich dabei stets aus. Es nützt auch nichts, mit den Entscheiden zu hadern.“

Zum Abschluss von Teil 1 offenbarte uns Hanspeter nochmals, wie seine Einstellung beim Schwingen war: Er akzeptierte Kampfrichterentscheide klaglos. Der relativ klein gewachsene Sennenschwinger zeigte dabei einen tadellosen Charakter. Seine angriffige Schwingweise, gepaart mit Ehrlichkeit und Bescheidenheit, liess die Herzen der Schwingerfreunde in der ganzen Schweiz höher schlagen. Nicht umsonst ist der Mann aus dem freiburgischen, der unglaublich hart und konsequent trainiert hatte, seinen Weg gegangen und so zu einem Publikumsliebling geworden.

feldwaldwiesenblogger

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