Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Nationalrats-Kandidat Andy Tschümperlin (SP)

Nationalrat Andy Tschümperlin (SP) ist der zweite Kandidat, welchen ich auf Herz und Nieren respektive auf seine politische Gesinnung prüfen durfte.
Der 53-jährige Tschümperlin ist einer der vier amtierenden Schwyzer Nationalräte und von Beruf Politiker. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt in Rickenbach SZ.
Andy Tschümperlin sass von Juni 1996 bis April 2007 im Schwyzer Kantonsrat. Seit der Sommersession 2007 vertritt er den Kanton Schwyz im Nationalrat.
Der gelernte Primar- und Reallehrer war von Januar 2000 bis Juni 2003 Präsident der SP-Fraktion vom Kanton Schwyz, ist aktuell Sektionspräsident der SP Gemeinde Schwyz und seit 2012 SP-Fraktionschef im Bundeshaus.

Für den Kanton Schwyz ist es eigentlich ein Glücksfall, dass jeder der vier Nationalräte einer anderen Partei angehört. Für einen relativ kleinen Kanton wie Schwyz ist meines Erachtens politische Ausgewogenheit wichtig. So sind die SVP, die CVP, die FDP und die SP vertreten. Unter den Nationalrats-Kandidaten sind übrigens alle Bisherigen: Nebst Andy Tschümperlin auch Pirmin Schwander (SVP), Alois Gmür (CVP) und Petra Gössi (FDP).
Ob sich diese vier am 18. Oktober wieder durchsetzen können, wird sich zeigen. Ich vermute aber, dass sie gute Chancen besitzen, zumal die politische Erfahrung bestimmt auch eine Rolle spielen wird.

8.Dez.2011; Portrait Nationalrat Tschuemperlin Andy, SP-SZ. (Monika Flueckiger/freshfocus)
Bildquelle: parlament.ch

Warum soll das Schwyzer Volk Sie wieder zum Nationalrat wählen?
In unserer direkten Demokratie braucht es unterschiedliche Kräfte, damit gute Lösungen getroffen werden können. Ich vertrete die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gute Löhne, sichere Renten und tragbare Krankenkassenprämien müssen in der politischen Arbeit in Bern erkämpft werden. Dafür setze ich mich mit aller Kraft ein.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Altersvorsorge: Die massvolle Erhöhung der AHV-Renten um 10 Prozent gewährleistet ein Alter in Würde für alle.
Löhne: Die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau ist in unserer Bundesverfassung seit über 30 Jahren verankert. Immer noch verdienen Frauen rund 700 Franken weniger bei gleichwertiger Arbeit. Lohngleichheit mit verbindlichen Vorgaben und flächendeckenden Gesamtarbeitsverträgen durchsetzen.
Gesundheit: Die Krankenkassenprämien dürfen höchstens 10 Prozent des Haushaltseinkommens ausmachen.

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer möglichen Wiederwahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Der Kanton Schwyz verliert Arbeitsplätze in der Industrie. Die RUAG will 120 Arbeitsplätze von Brunnen in den Hotspot Zürich verlegen. Der Bund besitzt die Aktien der RUAG. Ich setze mich voll dafür ein, dass diese Arbeitsplätze im Kanton Schwyz bleiben.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Die Schweiz exportiert 55 Prozent der Waren, die wir in unserem Land herstellen, in die EU. Aus der EU importieren wir lediglich 8 Prozent. Als offenes Land hat die Schweiz in den letzten Jahrzehnten erfolgreich mit der EU zusammengearbeitet. Wollen wir das wirklich aufs Spiel setzen?

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Sorgen müssen wir uns über die unsäglichen Konflikte machen, die zurzeit über 60 Millionen Menschen zur Flucht treiben. Die Schweiz hat eine humanitäre Tradition. Der Sitz der UNO und das Rote Kreuz haben ihren Sitz in der Schweiz. Hier müssen wir ansetzen mit Friedenskonferenzen und humanitärer Hilfe.

Zu den bürgerlichen Vertretern stellt der Berufspolitiker ein Gegenpol dar. Ich freue mich auf jeden Fall, dass nebst einem SVP-Mann nun auch ein Vertreter der SP seine Sicht der Dinge auf die fünf Fragen darlegte.
Ich bedanke mich bei Andy Tschümperlin für die sehr interessanten Aussagen und wünsche ihm bei seinem weiteren Wahlkampf alles Gute.

feldwaldwiesenblogger

Wahlkampf im Kanton Schwyz – Kandidaten-Check: Ständerats-Kandidat Alex Kuprecht (SVP)

Am 18. Oktober wählt die Schweiz ein neues Parlament, der Ständerat und der Nationalrat werden neu besetzt. Zeit also, sich zum Wahlkampf weitere Gedanken zu machen. In einem Beitrag vom 23. Juli
widmete ich mich dem SVP-Nationalrats-Kandidaten Xaver Schuler („Made in Schwyz“ – Nachgefragt bei Xaver Schuler, einem Schwyzer SVP-Nationalratskandidaten).

Nun will ich weiteren Kandidaten auf den Zahn fühlen und bereitete deshalb fünf Fragen vor. Zu diesem Zweck schrieb ich alle acht Ständerats-Kandidaten vom Kanton Schwyz an: Alex Kuprecht (SVP), Peter Föhn (SVP), Bruno Beeler (CVP), Marco Casanova (CVP), Nathalie Henseler (parteilos), Elias Studer (JUSO), Thomas Büeler (JUSO) und Albert Knobel (parteilos).
Die beiden Schwyzer Sitze im Ständerat werden zurzeit von SVP-Männern gehalten: Alex Kuprecht und Peter Föhn. Für die Ständeratswahlen wurden fünf Listen eingereicht.

Im Gegensatz zum Ständerats-Wahlkampf konnte ich unmöglich alle 50 (!) Nationalrats-Kandidaten kontaktieren. Ich entschied mich deshalb zu einem gut schweizerischen Kompromiss und schickte die fünf Fragen den vier amtierenden Nationalräten, welche wieder antreten: Pirmin Schwander (SVP), Alois Gmür (CVP), Petra Gössi (FDP) und Andy Tschümperlin (SP). SVP, CVP, FDP und SP teilen sich also die vier Schwyzer Sitze.
Für die vier Schwyzer Nationalratssitze bewerben sich insgesamt 50 Männer und Frauen auf 13 Listen.

Der erste Kandidat, welcher meinen ‚Fünf Fragen-Katalog‘ beantwortete, war Alex Kuprecht. Der 57-jährige ist Relation Manager, wohnt in Pfäffikon SZ und sitzt seit 2003 für die SVP Schwyz im Ständerat. Davor war er seit 1990 in der Schwyzer Kantonspolitik aktiv. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

8.Dez.2011; Portrait Staenderat Kuprecht Alex, SVP-SZ. (Monika Flueckiger/freshfocus)
Bildquelle: parlament.ch

Warum soll das Schwyzer Volk Sie zum Ständerat wählen?
Das Wirken im Ständerat erfordert ein nicht zu unterschätzendes Mass an politischer Erfahrung, sitzen in diesem Rat doch einige ehemalige und erfahrene Regierungsräte und Politiker mit langjähriger politischer Erfahrung. Diese Erfahrung habe ich mir in zwölf Jahren Kantonsrat, einem Jahr als Kantonsratspräsident und zwölf Jahren Mitgliedschaft im Ständerat erworben und gibt mir auch eine gewisse Sicherheit in den Kommissionen und im Rat mitwirken, mitreden und mitentscheiden zu können.

Mit welchen Wahlkampf-Themen machen Sie auf sich aufmerksam?
Ich habe mir kein spezielles Wahlkampfthema zurechtgelegt. Vielmehr prägen mich die aktuellen Themen meiner Kommissionstätigkeit während des ganzen Wahlkampfes. Dazu gehören die Reform der Armee, die Behandlung des neuen Nachrichtendienstgesetzes (bei beiden als Kommissionspräsident) sowie die Reform der Altersvorsorge 2020 (Kommissionsmitglied).

Wo orten Sie im Kanton Schwyz Probleme/Handlungsbedarf, wo Sie nach Ihrer Wahl sofort den Hebel ansetzen würden?
Der NFA (Nationaler Finanzausgleich) mit all seinen Facetten gehört zweifelsohne zu den Hauptproblemen unseres Kantons. Die Kantonsfinanzen sind wieder ins Lot zu bringen. Einsparungen werden wohl immer schwieriger sein und eine geschickte Anpassung der Einnahmenseite erscheint unumgänglich zu sein.

Ist die EU für den Kanton Schwyz eher Segen oder eher Fluch?
Weder noch. Wir können froh sein, dass wir nicht Mitglied sind.

Müssen wir Schwyzer uns wegen der aktuellen europäischen Flüchtlingssituation Sorgen machen?
Bis jetzt brauchen wir uns noch keine Sorgen zu machen. Es kann jedoch durchaus passieren, dass wir schon in absehbarer Zeit mit mehr Unterbringungsverpflichtungen rechnen müssen. Die Gemeinden werden dann noch mehr gefordert sein. Es ist zu befürchten, dass die jetzt noch nach Deutschland wandernden Flüchtlinge und Migranten irgendeinmal wieder nach Süden über die Süddeutsche Grenze in die Schweiz gelangen werden. Solche Szenarien müssen schon heute vorbereitet sein, damit man dafür zeitgerecht gewappnet ist.

Ich hoffe, Alex Kuprecht tun es die anderen Angeschriebenen gleich, und beantworten mir in nächster Zeit ebenfalls meine Fragen. So quasi als kleiner Beitrag zur Meinungsbildung, um für mich und die stimmberechtigten Schwyzer Bürger die richtigen Personen auswählen zu können. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf weitere Antworten, bedanke mich herzlich bei Alex Kuprecht und wünsche ihm alles Gute für den weiteren Wahlkampf.

feldwaldwiesenblogger

Klara Mazenauer’s Erinnerungen an die Anfangstage der St. Josefshalle

Im ersten Teil über den 80. Geburtstag der St. Josefshalle in Muotathal widmete ich mich der frühen Geschichte. Aus der „Hediger-Halle“, welche vorher dort stand wo sich heute das Mythenforum Schwyz befindet, wurde durch die Initiative von Pfarrer Thomas Fässler die St. Josefshalle. 1935, am Stefanstag, wurde eine stimmungsvolle Einweihung gefeiert. In den Anfangstagen wurde dieses spezielle Gebäude im Wil, wo seit 1949 alljährlich das berühmte Muotathaler Theater aufgeführt wird, vor allem als Turnhalle verwendet. Im Eingangsbereich befand sich zudem der Kindergarten.

Zu der frühen Geschichte wusste Otto Hediger (Försters) einiges zu berichten. Der rüstige Rentner riet mir aber auch, eine weitere Zeitzeugin zu befragen. So besuchte ich kürzlich Klara Mazenauer, Jahrgang 1920. Die 95-jährige Dame erzählte mir dabei ein paar interessante Dinge.
Auf ihr Alter angesprochen meinte die noch recht rüstige Frau grinsend: „Die Leute sagen mir jeweils: Man sieht dir überhaupt nicht an, dass du schon 95 Jahre alt bist.“
Klara Mazenauer war damals bei der Einweihung der St. Josefshalle 15 Jahre jung.

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St. Josefshalle vor 1985
Bildquelle: theater-muotathal.ch

Klara Mazenauer’s Erinnerungen

Ich fragte Frau Mazenauer als Erstes, was für Erinnerungen sie mit den Anfangstagen der St. Josefshalle verbinde.
Ich besuchte damals am Ende meiner Schulzeit während einem Winter die Haushaltungs-Schule. Wir bekamen den Auftrag von der Haushaltungs-Schule, die Fensterritzen der St. Josefshalle mit Moos abzudichten, damit es weniger in die Halle zog. Wir machten das natürlich gerne, so waren wir mal weg von der Schule. Aber das Abdichten hat meines Erachtens doch überhaupt nichts genützt.
Nach dem Absolvieren der Haushaltungs-Schule blieb ich zu Hause und half meiner Mutter. Ich sagte ihr: Du hast schon so viel gearbeitet in deinem Leben, du darfst es im Alter nun ein wenig ruhiger angehen. Viele Mädchen traten damals eine auswärtige Stelle an und arbeiteten dabei meist in fremden Haushalten. Man sagte dem im Muotathal: „Fort ga, gu dienä.“
Ich war übrigens das jüngste Kind einer grossen Familie, und wuchs zusammen mit sieben Mädchen und vier Buben auf. Weitere drei Geschwister starben leider schon sehr früh. 1960 zogen wir ins neue Haus neben der Kirche. Vorher wohnten wir im alten Haus bei der Muota, wo sich einst unten drin die Darlehenskasse befand.
Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich damals bei Schwester Alfonsia „gemault“ habe. Dabei machte ich nicht immer alles so, wie sie es wollte. Deshalb rief sie: „Ernst bitte!“ Ich erwiderte: „Der ist gar nicht hier.“ Ich habe gedacht, sie meine meinen Bruder Ernst. Die Klosterfrau wollte aber, dass wir mehr Ernst an den Tag legten. Schwester Alfonsia hat mich darauf beim Pfarrer „verklagt“. Sie meinte, dass der Herr Pfarrer nun mit mir schimpft. Das tat dieser aber zu meinem und ihrem Erstaunen nicht.
Weiter erinnere ich mich auch, dass wir am 1. August zuerst in die Kirche zur Messe gingen. Anschliessend machten die Turner im Schachen „die Pyramide“. Josef Gwerder (Schmalauelers) zündete zudem bengalische Lichter an. Das war jeweils so schön.
Zur St. Josefshalle kann ich leider nicht mehr berichten. Da ich mir darüber schon länger keine Gedanken mehr gemacht habe, geriet die Erinnerung in Vergessenheit. Zudem war die St. Josefshalle nicht unbedingt mein Lebensmittelpunkt. Ich besuchte zwar regelmässig die Aufführungen der Theatervereinigung, hatte aber mit dem Theater sonst nie etwas zu tun. Was mir noch einfällt ist, dass ich einmal mit Leo Weissen zusammen die Kasse im Vorraum des Theaters betreute.

Otto Hediger wusste kürzlich zu berichten, dass Ihr Vater, Josef Mazenauer, selber beim Bau der St. Josefshalle mithalf. Er habe zusammen mit Schülern den Rollwagen gestossen, um Kies von der „Risi“ für den Platz, wo die Halle zu stehen kam, zu holen. Was für eine Rolle spielte Ihr Vater sonst noch für die St. Josefshalle?
Daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Mein Vater war Lehrer und unterrichtete die grösseren Primarschulklassen, zudem war er Kirchenorganist. Er war ein strenger Mann. Mein Vater kam 1898 von Mörschwil (St. Gallen) ins Muotatal. Sie kamen zu zweit und gingen sich bei Dekan Schmid vorstellen. Beide mussten auch in die Kirche zum Orgelspiel. Mein Vater konnte dabei besser Kirchenorgel spielen als der andere Kandidat. Darauf sagte Dekan Schmid: „Sie sind gewählt.“ Er brauchte für diese Wahl keinen Gemeinderat.
Aprops Dekan Schmid: Der Priester ging seinerzeit manchmal in die Oper nach Luzern. Er blieb jeweils bis zum Ende der Vorführungen. Anschliessend musste Dekan Schmid zu Fuss von Luzern ins Muotatal heim laufen. Am Vormittag, nach dem Heimmarsch, klopfte er meist um 11 Uhr an die Schulstube meines Vaters. Dekan Schmid bat dann um einen Ministranten, damit er zuerst die Messe lesen konnte. Ja, das ist alles schon so lange her!
Übrigens: Ob dem Theaterstübli in der St. Josefshalle befand sich damals ein weiteres Zimmer, welches durch einen Holzdeckel zu erreichen war. Wir von der Jungfrauen-Kongregation hatten in jenem Zimmer Unterricht. Meine Schwester Maria, eine gescheite Frau, unterrichtete uns. Sie besass eine Mutter Gottes-Statue und stellte es auf ein Tischchen. Wir beteten dort oft. Irgendwann wurde der Deckel so unsanft betätigt, dass dabei die Statue in Brüche ging. Mich reute das sehr. Wir hatten damals nicht so viel Geld, dass wir gleich wieder etwas Neues kaufen konnten.

Eine Bemerkung zu Dekan Anton Schmid: Er war es, der laut Muotathaler Theatergeschichte mit der im Jahr 1901 gegründeten Jungfrauenkongregation vor vielen Jahren schon für regelmässige Theateraufführungen während der Fasnacht sorgte.
Waren Sie eigentlich auch an der Einweihungs-Feier der St. Josefshalle?
Auch daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Klara Mazenauer lächelte und meinte: „Du musst mich nicht danach fragen, ich bin doch zu alt dafür.“

Habt ihr Mädchen damals auch in der St. Josefshalle geturnt?
Mit Turnen haben wir Mädchen damals rein gar nichts zu tun gehabt. Wir konnten nicht, durften nicht und mussten sowieso immer Röcke tragen. Hosen waren uns nicht erlaubt, die Schwestern im Kloster wollten das nicht.

Wurden in den Anfangstagen der St. Josefshalle (1935 – 1949) auch ab und zu Theater aufgeführt?
Ich erinnere mich nur daran, dass Pfarrer Fässler die „Hediger-Halle“ in Schwyz kaufte. An ihn kann ich mich noch gut erinnern. Als ich Erstkommunikantin war, mussten wir uns im Kloster in die Herz Jesu-Bruderschaft einschreiben, und wurden so in diese aufgenommen.
Bevor die St. Josefshalle stand wurde im alten Schulhaus Theater gespielt. Ich weiss noch, dass unsere Mutter dort einmal vor Weihnachten einen neuen Schlitten unter der Bühne versteckte. Ich fand ihn und sagte meiner Mutter, dass ich weiss, was uns das Christkind zu Weihnachten schenken wird. Sie meinte darauf: „Man kann vor euch Kindern doch gar nichts geheim halten.“

Um 1936 wurde der Kindergarten im Eingangsbereich der St. Josefshalle integriert. War das damals der erste Kindergarten im Muotatal?
Ich glaube, das war dem so. Die Kindergärtnerin war eine Klosterschwester und hiess, wenn ich mich recht entsinne, Marie-Louise. Sie sagte später einmal: „Ich hatte am Anfang 40 Kinder im Kindergarten. Heute schimpfen sie schon bei einer Anzahl von zehn Kindern, und meinen, sie haben zu viel.“
Die erste und die zweite Primarschulklasse waren meines Wissens ebenfalls mal in der St. Josefshalle untergebracht, und zwar auch im Eingangsbereich.

Soweit also die Aussagen von Klara Mazenauer. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zuerst ein wenig enttäuscht war über ihre Erinnerungen an die St. Josefshalle. Als ich dann Frau Mazenauers Worte ab meinem iPhone in Sätze fasste, stellte ich erfreut fest, wie interessant und aufschlussreich das Erzählte ist. Denn beim Gespräch war ich erst zu fest auf die St. Josefshalle fixiert. Je länger das „Interview“ aber ging, umso mehr liess ich die Frau erzählen. Von früher, und aus ihrem Leben. Für den „Zirk“-Beitrag ist wohl das meiste nicht relevant. Für meinen heutigen Blogbeitrag dafür umso bereichernder!

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die St. Josefshalle eine „Lotterbude“

Wenn man ein bisschen weiterblättert in der Geschichte der St. Josefshalle (Quelle Homepage Theatervereinigung) erfährt man, dass das Gebäude etwas später auch anderen Zwecken diente:
Während dem Zweiten Weltkrieg diente die Halle als Militärunterkunft und als Lebensmittellager. Meterhoch seien Getreidesäcke und andere Waren gestapelt worden, und der Bau verkam vollständig.
Pfarrer Sidler sah sich ausserstande, weiterhin für den Unterhalt der Halle aufzukommen, und ersuchte die Gemeinde, den Bau zu übernehmen und wieder in Stand zu stellen. Der Gemeinderat teilte ihm aber mit, „er habe keine Verwendung für die Lotterbude“. Nun erkannte ein Teil der Vereine die prekäre Situation, und im Jahr 1949 gründeten sie die „Theatervereinigung Muotathal“. Die Trägerschaft bildeten der Musikverein, der Turnverein und der Kirchenchor. Nun wurde die Halle notariell auf die Vereinigung überschrieben und mit einem Darlehen der Gemeinde in der Höhe von 10’000 Franken wurden die notwendigsten Reparaturen vorgenommen. Die Halle, in der nun auch Kinofilme vorgeführt wurden, diente in den Anfängen ihrer Neuzeit auch als Kindergarten, Schulzimmer und Turnlokal.
Finanzielle Gründe führten im Jahr 1954 zum Austritt des Musikvereines als Trägerverein. Die beiden anderen Vereine waren bis vor ein paar Jahren, nämlich bis 2009, weiterhin Trägervereine. Seit 2009 ist die Theatervereinigung quasi eigenständig.

Theater 2014
„Bim Waldbrünneli“ (Theaterstück von 2014)
Bildquelle: theater-muotathal.ch

Seit 1949 spielt die Theatergesellschaft regelmässig volkstümliche Theaterstücke in der St. Josefshalle. Dazu kann man unter anderem folgendes nachlesen: Als erstes Theater wurde unter Mitwirkung vom Musikverein, gemischtem Chor, Turnern und Schulkindern das Stück „Protokollbuch“ aufgeführt.

Im dritten Teil meiner Reihe zur 80-jährigen St. Josefshalle geht es unter anderem um die häufigen Um- und Ausbauten. Die Theatervereinigung investiert laufend in das Gebäude und dessen Infrastruktur. Weiter auch darum, dass die St. Josefshalle für die Gemeinde Muotathal eine kulturell wertvolle Begegnungsstätte ist.

feldwaldwiesenblogger

„Ich glaube nicht, dass Christian Stucki Schwingerkönig wird“: Sieben Fragen an Jakob Heer zur Ende gegangenen Kranzfest-Saison

Die Kranzfest-Saison 2015 mit 37 Anlässen ist vorbei. Viel toller Schwingsport wurde geboten, neue Kranzfestsieger konnten gefeiert werden. Einige junge „Wilde“ drangen an die Spitze und sorgten teilweise für viel Spektakel. Die Saison war im Bezug auf die SCHLUSSGANG-Wertung (Offizielle Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes) spannend wie schon lange nicht mehr. Dies wohl auch deshalb, weil Schwingerkönig Matthias Sempach leider schon im Frühling verletzungshalber ausfiel.
Für mich bleiben sehr viele positive Erinnerungen an schöne Momente, leider aber auch ein paar strittige Szenen. Zeit, um mit einem ausgewiesenen Experten die Saison Revue passieren zu lassen. Jakob Heer, Stellvertretender Redaktionsleiter vom SCHLUSSGANG, erklärte sich bereit, mir auf sieben Fragen zu antworten.

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Jakob Heer
Bildquelle: Facebook

Wie beurteilst du ganz persönlich die zu Ende gegangene Kranzfest-Saison?
Jakob Heer: Es war eine spannende Saison mit vielen neuen Kranzfestsiegern. An der Spitze dominierten nochmals die bewährten Namen, doch einige Talente machen mächtig Druck. Beängstigend für mich ist die Tatsache, dass auf nationaler Ebene der Graben hinter den zwei führenden Verbänden Bern und Innerschweiz immer grösser wird. Auch wenn es am 30. August in Aarburg nicht um Kränze ging, dieser Anlass war für mich einer der beeindruckendsten der gesamten Saison 2015. Toll, was der Nachwuchs für offensiven Sport bot.

Was hältst du von der Behauptung: „Die Berner waren diese Saison nicht mehr ganz so unwiderstehlich wie auch schon.“?
Jakob Heer: Dem kann ich beipflichten, dies unterstreicht etwa die Tatsache, dass am Morgen des Schwarzsee-Schwingets kaum jemand auf einen Innerschweizer Sieg getippt hätte. Einerseits liegt dies daran, dass die Berner in der zurückliegenden Saison am härtesten von der Verletzungshexe heimgesucht wurden. Man muss aber auch in Betracht ziehen, dass fast alle Berner, die derzeit die nationale Spitze dominieren, Jahrgang 1985 oder 1986 haben. Sie sind oder werden nächstens 30 Jahre alt. Für Estavayer könnte die Berner Rechnung noch aufgehen, ab 2017 könnte es national wieder spannender werden.

Christian Stucki war für mich der Schwinger des Jahres 2015. Was meinst du, wird der Seeländer Hüne an der 4. Nacht des Schwingsports tatsächlich zum Schwinger des Jahres gewählt?
Jakob Heer: Ich denke schon, er ist auch absolut die richtige Wahl. Der Seeländer hat als einziger Athlet nebst Daniel Bösch vier Kranzfeste gewonnen. Im Direktvergleich gegen Bösch resultierten ein Sieg und ein Unentschieden zugunsten des Berners. Dass nicht alle Athleten gleich viele Kranzfeste bestreiten dürfen ist wieder ein anderes Thema.

Welche Schwinger überraschten dich dieses Jahr besonders? Warum?
Jakob Heer: Wer im Alter von 18 Jahren wie Joel Wicki ein Bergfest gewinnt (Schwarzsee) und an einem zweiten im Schlussgang steht (Stoos) kommt zwangsläufig in Frage. Beim ihm sind es seine unglaublich explosiv gezogenen Kurzzüge, mit denen er für jeden Gegner eine Gefahr darstellt, die mir imponierten. Von der Schwingart her sind mir Nick Alpiger, Remo Käser und Armon Orlik ins Auge gestochen – sie sind technisch bereits sehr weit. Michael Bächli überzeugte mich auf dem Brünig mit einer Superleistung. Bei Samuel Giger freut mich, dass er nach seiner Schulteroperation wieder beschwerdefrei schwingen kann. Ebenfalls ist mir Sven Schurtenberger heuer positiv aufgefallen. Der Luzerner ist ein nur schwer bezwingbarer Gegner, der auch in Estavayer für Furore sorgen könnte.

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Jakob Heer am Schaffhauser Kantonalen 2014
Bildquelle: Facebook

Welche Schwinger könnten deiner Meinung nach 2016 für Furore sorgen?
Jakob Heer: Es dürften die gleichen sein, die vorher genannt wurden, die erneut die Szene aufmischen könnten. Natürlich ist die gesamte Szene auf die Rückkehr von Schwingerkönig Matthias Sempach gespannt. Er hat das Rüstzeug um wieder eine Rolle wie vor seiner Knöchelverletzung zu übernehmen. Ich freue mich auch auf die Rückkehr von Pirmin Reichmuth und Reto Nötzli. Der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag in Aarburg hat gezeigt, dass noch einige Rohdiamanten vorhanden sind. So dürfte der Freiämter Lukas Döbeli in seiner ersten Aktivsaison nächstes Jahr in der Nordwestschweiz schon den einen oder anderen Überraschungscoup landen.

Trügt mich mein Gefühl, oder waren dieses Jahr tatsächlich mehr strittige Entscheidungen von Seiten der Kampfrichter getroffen worden, als in den vergangenen Jahren?
Jakob Heer: Dies kann ich nicht bestätigen. An jenen Anlässen, die ich besuchte, war dies jedenfalls nicht der Fall. Über Anlässe wo ich nicht selber anwesend war, das Ganze aber hochgespielt wurde, wie etwa auf dem Stoos, will ich mich nicht äussern. Vielmehr hat es in den Einteilungen einige fragwürdige Entscheidungen gegeben. Am Innerschweizerischen Teilverbandsfest darf von Glück gesprochen werden, dass am Ende Andi Imhof oben aus schwang. Auf dem Brünig hätte es im sechsten Gang die Paarung Bernhard Kämpf gegen Christian Schuler nicht geben dürfen. Am Nordwestschweizerischen war die Einteilung den Gästen nicht gut gesinnt.
Nur, man sollte Kampfrichter und Funktionäre deswegen nicht „Bschiss“ und „Willkür“ unterstellen. Schliesslich opfern sie wie die Aktiven einen ganzen Sonntag auf freiwilliger Basis. Die Grundidee, die Samuel Feller (Technischer Leiter ESV) hegt, dass diejenigen drei Kampfrichter die am Eidgenössischen 2016 gemeinsam für einen Platz zuständig sind, vorher an einem Anlass gemeinsam einen Tag lang einen Platz betreuen, finde ich den richtigen Ansatz.

Was meinst du, wird die Kranzfest-Saison 2016 spannender als diese werden? Vor allem wenn man bedenkt, dass am Saison-Ende das Eidgenössische wartet… Wagst du schon eine Prognose für den Königstitel?
Jakob Heer: Die zurückliegende war doch schon spannend? Wie bereits erwähnt werden die derzeit tonangebenden Berner nicht jünger. Dies verspricht, dass es in absehbarer Zeit wieder ausgeglichener werden „könnte“. Eine Prognose für Estavayer ist noch etwas gar früh, nur so viel: Ich glaube nicht, dass Christian Stucki Schwingerkönig wird.

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Christian Stucki’s Jubel am Berner Kantonalen nach dem Schlussgangsieg gegen Matthias Siegenthaler
Bildquelle: chrigustucki.ch

Ob Christian Stucki in gut einem Jahr genauso jubeln kann wie nach dem kürzlichen Sieg am Berner Kantonalen, wissen zurzeit nur die Schwingergötter. Ich werde mir Jakob Heer’s obige Aussage aber merken. Klar, eine Prognose heute schon zu stellen ist etwa gleich schwer, wie wenn ich jetzt schon den Fussball-Europameister von nächstem Sommer voraussagen müsste. Stucki ist aber so oder so ein ganz heisser Kandidat für Estavayer…
Ich bedanke mich beim Schwing-Experten Jakob Heer für das Beantworten meiner Fragen. Seine interessanten Antworten und Aussagen, beispielsweise zu Schwingern und Einteilungsentscheiden, rief bei mir die zurückliegende Kranzfestsaison noch mal richtig in Erinnerung.

feldwaldwiesenblogger

Die St. Josefshalle in Muotathal wird 80-jährig: Die Anfangstage

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Flyer Einweihe-Feier St. Josefshalle
Bildquelle: Walter Gwerder

Die St. Josefshalle in Muotathal wird im kommenden Dezember 80-jährig. Diesen Geburtstag nimmt der Zirk zum Anlass, sich diesem Jubiläum in einem Beitrag in der Oktoberausgabe zu widmen. Meine Wenigkeit erhielt die Aufgabe, den Text dazu zu verfassen. Ich halte es wieder so wie schon beim Beitrag über’s Muotathaler Schwinggeschehen: Der Werdegang des Zirk-Textes wird in meinem Blog dokumentiert.

Als Erstes machte ich mir eine Aufstellung, welche Informationen ich von der Zirk-Redaktionssitzung her bereits besass, wen ich befragen soll und wo ich weiteres Datenmaterial bekommen könnte.

Ein Blick auf die Homepage der Theatervereinigung Muotathal verriet mir, dass dort die bewegte Geschichte dieser doch sehr speziellen St. Josefshalle gut dokumentiert und nachzulesen ist.
Die ganze Geschichte will ich nicht Eins-zu-eins übernehmen. Als Einstieg kann es aber dennoch nicht schaden, kurz in die Historie zu schauen und ein paar wichtige Punkte herauszupicken. Dazu befragte ich den mir empfohlenen Zeitzeugen Otto Hediger (Försters).

Die bewegte Geschichte dieser speziellen Halle begann 1934. Der Muotathaler Pfarrer Thomas Fässler erfuhr, dass in Schwyz das Kollegium Maria Hilf an Stelle der „Hediger-Halle“ ein Casino bauen wollte. Der Pfarrer kaufte mit seinem eigenen Geld die demontierte Halle, damit die Muotathaler Vereine ein geeignetes Lokal für ihre Anlässe bekamen. So wurde aus der „Hediger-Halle“ die St. Josefshalle.
Otto Hediger meinte dazu: Franz-Anton Hediger, aus der Hediger-Dynastie von Schwyz, liess damals die „Hediger-Halle“ an der Stelle bauen, wo heute das Mythenforum steht. Er war auch der Besitzer des Hotels Hediger in Schwyz. Übrigens: Am Standort des ehemaligen Hotels befindet sich heute das Bürogebäude des Elektrizitätswerk Schwyz (EWS). Die Hedigers waren früher Anwälte, Richter und Offiziere. Laut Stammbaum sind sie Nachfahren von einem gewissen Fridli Hediger (1594 gestorben), welcher in der Lustnau im Ried-Muotathal zu Hause war.
In der „Hediger-Halle“ in Schwyz wurde seinerzeit auch Theater gespielt. Für was sie sonst noch gebraucht wurde, weiss ich nicht. Nach dem Abbruch der „Hediger-Halle“ wurde an gleicher Stätte das Casino Schwyz errichtet.
Pfarrer Fässler kaufte die aus Holz bestehende Halle, und liess sie im Wil so aufstellen wie sie schon in Schwyz stand. Zuvor wurde der neue Standort mit Kies ausgeebnet. Dieser Kies holte man mit einem Rollwagen in der „Risi“ vorne. Dafür wurde extra ein Gleis gelegt, um den Rollwagen hin und her bewegen zu können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, denn ich war zu dieser Zeit ein Schulbub, in der ersten oder zweiten Klasse. Den Rollwagen gestossen haben einige Freiwillige, so unter anderem auch der Lehrer Josef Mazenauer und Schüler von ihm.

Die St. Josefshalle wurde laut Flyer am 26. Dezember 1935 mit einem reichhaltigen Programm eingeweiht. Die Muotathaler verstanden es damals schon, würdige Einweihungsfeiern abzuhalten. Mit wenig Geld war man dabei: Die Kinder bezahlten 30 Rappen Eintritt, die Erwachsenen 80 Rappen (!). Die 16 Programmpunkte umfassten eine Ansprache des Pfarrers, musikalische Darbietungen des Musikvereins sowie des Gemischten Chores und ein kurzes Lustspiel. Weiter kamen Primarschüler, Kleinkinderschüler, junge Sennerinnen und Turner zu Auftritten. Abgerundet wurde das Ganze mit einer Tombola.
Das Pfarramt Muotathal lud die Bevölkerung zur Einweihung. Denn Pfarrer Thomas Fässler war ja, wie wir nun wissen, der Initiator der St. Josefshalle.

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„Hediger-Halle“ in Schwyz
Bildquelle: theater-muotathal.ch

Ein weiterer Blick in die Geschichte offenbart, dass Pfarrer Fässler die Halle auf der Matte des Franz Stump in der Nähe der Schule und der Geistlichkeit aufstellen lassen wollte. Zudem wollte er auch die Baukosten übernehmen. Der Gemeinderat sagte aber Nein, und verlangte die Errichtung im Schachen. Mit einem Gemeindebüro und einem Feuerwehrlokal im Erdgeschoss, Bauherrin sei die Gemeinde, welche den Betrag von 15‘000 Franken übernehme. Der Restbetrag sei durch die Vereine aufzubringen, und mit dem Bau werde erst nach Sicherung der Restfinanzierung begonnen. Pfarrer Fässler und Pfarrhelfer Bissig stellten an der Kirchgemeinde-versammlung folgende Anträge:
a) Das Theaterlokal im Schulhaus ist in eine Haushaltsschule umzubauen
b) Die Gemeinde leistet einen angemessenen Beitrag an den Hallenneubau neben dem Schulhaus Wil
Die Versammlung bewilligte 3’000 Franken und beschloss, zur Deckung dieser Ausgabe die „elfte Steuer“ auch für das Jahr 1936 einzuziehen.

Die Einweihung der St. Josefshalle brachte einen Reingewinn von 2’000 Franken. Die Halle wurde in der Folge auf eine Pfarrpfrund verschrieben und der Pfarrer war verpflichtet, für den Unterhalt der Halle zu sorgen.
Aus alten Schriften der Theatergesellschaft ist folgendes zu entnehmen: Der Verein mit den jeweils grössten Geldsorgen habe nun alljährlich ein Theaterstück aufgeführt.

Otto Hediger wusste zu den Anfangstagen der St. Josefshalle weiter zu berichten: Pfarrer Fässler war intelligent und bewies Geschäftssinn. An die Einweihungsfeier kann ich mich nicht erinnern. Ich meine aber, dass das erste Theater, welches in der Halle aufgeführt wurde, „Der Franzose im Ybrig“ hiess. Willi Gwerder („Pfandweibels“) spielte dabei den Franzosen. Alois Schelbert („Baschä Wisul“) war auch mit von der Partie, sowie noch einige andere. Der Turnverein organisierte diese Theateraufführung.
In der St. Josefshalle wurde in den Anfangsjahren hauptsächlich geturnt. Es war ja eine Turnhalle, deshalb nannten wir sie auch so. Verantwortlich für die Halle war damals der Oberturner Josef Gwerder („Schmalauelers“), weiter die Turner Josef und Xaver Betschart („Lunzä“), Walter und Josef Betschart („Gigers“) sowie Josef Betschart („Franzä“). Ab und zu wurde auch ein Theater aufgeführt, aber nicht jedes Jahr.
Auf Initiative von Pfarrer Fässler wurde um 1936 der erste Kindergarten in die St. Josefshalle integriert, und zwar im Eingangsbereich. Eine Klosterfrau war Kindergärtnerin.
Ich erinnere mich, dass die Turner im Sommer draussen neben der Halle ihre Übungen gemacht haben. Es hiess damals, wenn es auf der Rotmatt keinen Schnee mehr hat, darf man barfuss rumlaufen. So sind wir Kinder barfuss auf dem Platz rumgesprungen, wenn die Turner dort Sport trieben. Es war auch ein festmontiertes Reck vorhanden.
Der Platz neben der Halle wurde etwa zweimal im Jahr auch zum Wäsche aufhängen genutzt. Der ganze Schachen war jeweils anwesend, stellte Stickel und spannte Seile. Erst wurde die Wäsche im Wäschehaus an der Muota („Chrümmelers Hüttli“) gewaschen, und dann auf dem Platz aufgehängt.
Später, vermutlich anfangs der 1960iger-Jahre, habe ich eine Warmluft-Heizung im Keller der Halle eingebaut.

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Bildquelle: theater-muotathal.ch

Im ersten Blogbeitrag zum 80. Geburtstag der St. Josefshalle widmete ich mich den Anfangstagen. Nebst Otto Hediger (Försters) werde ich noch weitere Personen zur Halle befragen, in welcher die Theatervereinigung Muotathal alljährlich im Herbst ein weitherum bekanntes Volkstheater aufführt. Vom 24. Oktober bis 6. Dezember wird das Stück „Dr Tobelwald“ aufgeführt.

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