Zu Besuch bei Christian Schuler (Teil 2): „Ich probiere bei jedem Fest alles herauszuholen“

Im ersten Teil des Gespräches mit dem Rothenthurmer Spitzenschwinger ging es unter anderem um seine Saisonbilanz, um die Saisonplanung für 2016, wie gross Estavayer2016 schon ein Thema ist und was die Geburt seines Sohnes Dario bei ihm ausgelöst hat.

christian schuler
Christian Schuler
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Welche Schwinger haben dir 2015 am meisten Eindruck gemacht?
Da gäbe es einige zu erwähnen. Aber aus Innerschweizer Sicht waren die Leistungen von Joel Wicki sehr beeindruckend und machten Freude. Vor allem überzeugte mich, dass er bereits eine solche Konstanz an den Tag legen konnte. Joel ist bereits eine sehr wichtige Stütze für unseren Verband.
Im Kanton Schwyz hat Mike Müllestein sein erstes Kranzfest gewinnen können und Adrian Steinauer überraschte mit seiner Schlussgangteilnahme am Schwarzsee-Schwinget. Von der jüngeren Generation hat Ralf Schelbert mit drei Kranzgewinnen für Aufsehen gesorgt.

Hast du auch einen Angstgegner?
Natürlich gibt es Gegner, welche einem besser passen. Aber einen Angstgegner in dem Sinn gibt es nicht, da man gegen jeden Gegner seine Chancen hat.

Hast du neben dem Schwingen und deiner jungen Familie eigentlich noch Zeit für ein Hobby?
Ja, das habe ich, und das sollte man auch haben. Mein Hobby ist das Fischen. Ich geniesse die Zeit am See, um auf andere Gedanken zu kommen. Und wenn noch ein Fisch anbeisst, macht es noch mehr Spass.

Welche Schwinger werden 2016 deiner Meinung nach für Furore sorgen?
Alle Schwinger, die Schwingfeste gewinnen. Christian lacht. Wer das ist, kann ich natürlich nicht sagen. Ich denke, die Jungen werden wieder gute Leistungen bringen. Aber auch die bewährten Namen werden für Schlagzeilen sorgen. Denn: So schnell geht es beim Schwingsport nicht, dass von einem Jahr zum nächsten alles ändert. Nach dem Eidgenössischen wird der eine oder andere von der älteren Generation seinen Rücktritt geben. Vielleicht wird auch jemand für Furore sorgen, mit dem man jetzt noch gar nicht rechnet.

Kommt Matthias Sempach stärker denn je zurück und wird wieder zuschlagen?
Ich weiss natürlich nicht, wie stark er retour kommen wird. Er wird sicher wieder alles dafür tun. Es ist klar, wenn er schwingt, ist das für die Zuschauer immer ein Highlight. Er ist eine einer der explosivsten Schwinger und hat sensationelle Schwünge in seinem Repertoire. Ich hoffe sehr, dass er nächste Saison wieder beschwerdefrei schwingen kann.

Welche Ziele setzt du dir für die Schwingsaison 2016?
Ich probiere bei jedem Fest alles herauszuholen. Und wenn sich die Chance ergibt, ein Schwingfest zu gewinnen, probiere ich das auch. Das wird sowohl an den Frühlingsschwinget so sein, wie an den Kantonalen, den Teilverbands- und Bergfesten wie auch in Estavayer.

Gibt es dabei ein besonderes Ziel?
Neben dem Eidgenössichen Schwingfest in Estavayer freue ich mich auch besonders auf das Innerschweizerische Schwingfest in Einsiedeln SZ, welches von unserem Schwingklub durchgeführt wird.

Ich nehme an, die jungen Schwinger aus deinem Schwingklub fragen dich regelmässig um Rat. Was wollen sie dabei meistens von dir erfahren?
Die meisten Schwinger in unserem Klub sind schon ein bisschen erfahren und wir geben uns gegenseitig wertvolle Tipps. Zum Glück kommen jetzt wieder einige junge Schwinger nach und diese sind bestimmt froh um die Tipps von den erfahrenen Schwingern des Klubs.

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Christian Schuler, Sieger des Schwägalp-Schwingets 2011: Einer seiner bisher schönsten Erfolge
Bildquelle: schwaegalp-schwinget.ch

Was denkst du über die Professionalisierung des Schwingtrainings? Ab wann fand eigentlich diese Entwicklung statt?
Es liegt in der Natur des Menschen, dass man sich stetig verbessern will. Dies führt auch im Sport zu einer stetigen Professionalisierung. Heute trainieren sehr viele Schwinger intensiv und dies macht die Spitze breiter und alles ist noch näher zusammen.
Dass das Niveau heute enorm hoch ist, ist unbestritten. Man darf jedoch nicht unterschätzen, was die besten Schwinger der früheren Jahre bereits geleistet haben. Diese haben zu Ihrer Zeit das Beste aus sich herausgeholt um möglichst vorne mitzuschwingen.

Was meinst du, trauen sich die Jungschwinger manchmal zu viel zu und strapazieren dadurch ihre Gesundheit?
Was ich beobachten kann ist, dass viele der jetzigen Generation der Jungschwinger enorm früh gut trainiert sind. Wie sich das Training auf einen Körper auswirkt ist bestimmt bei jedem unterschiedlich. Wenn die Schwinger jedoch gut betreut sind, wird die Gesundheit nicht strapaziert. Sie werden dadurch gut auf die harten Belastungen auf dem Schwingplatz vorbereitet.

Was meinst du, wird der Schwing-Boom noch mehr zunehmen, oder ist eine Grenze erreicht?
Momentan ist der Hype um das Schwingen immer noch sehr gross und es ist natürlich schön, dass viele Freude an unserem Nationalsport haben. Meiner Meinung nach wird Schwingen auch in Zukunft einen grossen Stellenwert in der Schweiz haben. Dass das so bleibt, braucht es eine gute Arbeit im Nachwuchsbereich, damit die Zahl der Aktiven auch in den nächsten Jahren stabil bleibt.

Wird es irgendwann Schwinger geben, die von ihrem Sport leben können?
Theoretisch ist das möglich. Ob das einer macht, ist die andere Frage. Aber es sind bestimmt nicht viele, die wirklich nur vom Schwingen leben könnten.
Ich sehe es sogar sehr positiv, dass man neben dem Schwingen einem Beruf nachgehen kann. Erstens gibt es einen Ausgleich zum Sport, und zweitens kann man sich so schon jetzt ein gutes Standbein für später aufbauen.

Hast du einen besonderen Wunsch für nächstes Jahr?
Der wichtigste Wunsch ist, dass ich gesund bleiben kann. Dass man das Ganze mit Freude machen kann, und dass es mir so läuft, wie ich es erhoffe.

Zum Abschluss der zweiteiligen Reihe „Zu Besuch bei Christian Schuler“ bedanke ich mich beim dreifachen Eidgenossen für das sehr interessante und aufschlussreiche Gespräch. Ich wünsche ihm alles Gute, Gesundheit und jetzt schon einen tollen Start in die Saison 2016.

feldwaldwiesenblogger

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