Zu Besuch bei Christian Schuler (Teil 1): „In der nun zu Ende gegangenen Saison hatte es viele gute Sachen drin, aber auch zwei oder drei Dinge, die ich nicht so erwartet hätte.“

Kürzlich war ich zu Besuch bei Christian Schuler in Rothenthurm SZ. Der kräftige Sennenschwinger, welcher 186 Zentimeter gross und etwa 110 Kilogramm schwer ist, belegte am Ende dieser Saison bei der SCHLUSSGANG-Wertung den guten zehnten Rang. Nebst den sechs gewonnenen Kränzen siegte Schuler beim Zuger Kantonalen. Beim Zürcher Kantonalen wurde er hervorragender Zweiter und belegte beim Schwarzsee-Schwinget, beim Innerschweizerischen und auf der Rigi jeweils den guten dritten Rang.
Die bevorzugten Schwünge des Rothenthurmers sind der Kurz, Innerer Haken, Wyberhaken, übers Knie leeren und am Boden der Kniekehlengriff und Buur. Wie der dreifache Eidgenosse erklärte, versucht er dabei aus allen Lagen etwas zu machen.

christian schuler
Christian Schuler
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie geht es dir momentan?
Vielen Dank, es geht mir bestens.

Bist du schon wieder im Aufbau-Training für die nächste Saison? Wie lange hast du Pause gemacht?
Nach dem Chilbi-Schwinget in Einsiedeln SZ trat ich eine Schwingerreise in die USA an. Neben einem Schwingfest in Ripon (Bundesstaat Kalifornien) genoss ich dort die Tage ohne Training. Seit anfangs Oktober bin ich wieder im Aufbautraining für die Saison 2016.

Wie sieht deine Saisonbilanz aus? Bist du mit der vergangenen Saison zufrieden? Wo lief es besonders gut, wo weniger?
Resultatmässig hatte ich bestimmt schon erfolgreichere Saisons als diese, und trotzdem darf ich auf einige gute Wettkämpfe zurückblicken. Insgesamt gewann ich sechs Kränze und siegte am Zuger Kantonalen. Den Ehrenplatz erreichte ich am Zürcher Kantonalen und belegte den dritten Schlussrang am Schwarzsee, am Innerschweizerischen sowie am Rigi-Schwinget.
Am Schwyzer Kantonalen startete ich optimal, und musste, wie auf dem Brünig, am Schluss gar ohne Kranz nach Hause. Was ich ehrlich gesagt nicht unbedingt erwartet hatte. Das zeigt einem wieder auf, wie nahe alles zusammen ist. Und immer alles stimmen muss, damit man vorne mitschwingen kann. Mit einem guten Berner Kantonalen Schwingfest sowie dem Sieg am Chilbi-Schwinget in Einsiedeln konnte ich nochmals gute Leistungen abrufen.

Gibt es Erkenntnisse aus der vergangenen Saison, die du in die Saisonplanung 2016 einfliessen lässt?
Ja, die gibt es immer und ich probiere immer alles aus mir heraus zu hohlen. Es scheint mir jedoch sehr wichtig, dass man eine gewisse Lockerheit beibehält.

Gibt es etwas, was du in deiner Vorbereitung, im Gegensatz zu diesem Jahr, besonders forcieren wirst?
Es ist wichtig, dass das gesamte Paket stimmt. Damit die Athletik zusammenpasst muss bei einem Schwinger die Kraft, die Kondition, die Beweglichkeit und Schnelligkeit zusammenpassen. Das alles ist erst von Nutzen, wenn auch noch die Schwingtechnik ausgefeilt ist. Demzufolge gibt es immer diverse Punkte, an welchen man arbeiten muss, um weiterhin vorne mithalten zu können.

Ist deine Saisonplanung für 2016 eigentlich schon gemacht?
Ja, die ist schon ziemlich weit fortgeschritten. Ich habe dabei ein paar Sachen genauer angeschaut. Zur Planung gehören, welche Schwingfeste ich besuche und wie ich trainieren werde. Ich weiss mittlerweile bis zum Beginn des Eidgenössischen in Estavayer ziemlich genau, was ich machen werde. Vorausgesetzt ich darf gesund bleiben.

Sind die Gast-Teilnehmer für die Teilverbandsfeste schon bekannt? Wo wirst du Gast sein?
Nein, das ist noch nicht bekannt. Mein Wunsch wäre, dass ich ans Baselstädtische Schwingfest gehen dürfte. Aus dem Grund, weil ich schon alle Teilverbandskränze habe, und einige Junge nachdrücken, welche sicher gerne an ein Teilverbandsfest gehen möchten.

Christian Schuler_am gewinnen gegen burki
Christian Schuler am Gewinnen gegen Stefan Burkhalter
Bildquelle: schlussgang.ch

Die Berner Schwinger hatten am 17. Oktober den „Kick off“ zu den Vorbereitungen für das Eidgenössische Schwingfest Estavayer2016. Haben die Innerschweizer etwas Ähnliches? Wann beginnt für das ISV-Team eigentlich die gemeinsame Vorbereitung?
Von dem Anlass der Berner habe ich nichts gehört. Die Innerschweizer hatten bereits im vergangenen September einen Zusammenzug mit denjenigen, welche sich für Estavayer qualifizieren könnten. Man darf sagen, dass die Innerschweizer auf einem sehr guten Weg sind, ein starkes Team zu bilden.
Auch in diesem Jahr zeigte das Innerschweizer Team gute Leistungen. So gab es gegen eine starke Berner Mannschaft am Schwarzsee mit Joel Wicki und Adrian Steinauer einen reinen Innerschweizer Schlussgang und auch am Brünig konnten wir mit Benji von Ah einen Schlussgangteilnehmer stellen.

Apropos Innerschweizer Team: Ich mutmasste bereits 2014 vor dem Kilchberger Schwinget, dass bei den Innerschweizern etwas gegangen sein musste: Rückblick aus Innerschweizer Sicht auf den Kilchberger Schwinget
Christian Schuler bestätigte mir das, und meinte, dass vor dem Kilchberg-Schwinget einige Sachen im Team unternommen wurden und so ein guter Spirit am Wettkampftag herrschte. Beim Kilchberger Schwinget hätte es nicht viel gebraucht, und der Schlussgang hätte Philipp Laimbacher – Christian Schuler geheissen.
Christian ergänzte: Man hatte die gute Innerschweizer Leistung nicht unbedingt erwartet, und dachte vorher, dass die Berner durchmarschieren würden. Die Berner brauchten an jenem Tag wirklich Schwingerkönig Sempach, welchem eine super Leistung gelang und alles aus sich herauslocken konnte. Schlussendlich war ein Berner erster und Rang zwei belegte mit Bernhard Kämpf auch ein Berner. Leider gelang es uns damals nicht, das Ganze bis am Schluss durchzuziehen. Trotzdem durften wir damals stolz auf unsere Leistung sein und ich bin überzeugt, dass wir auch in Zukunft unsere Chancen haben werden.

Wie gross ist für dich Estavayer2016 schon ein Thema?
Das ist natürlich jetzt schon ein Thema. Auf das hin arbeitet man. Aber es gibt auch andere Schwingfeste, die wichtig sind. Diese befinden sich auf dem Weg dorthin. Ich freue mich natürlich, wenn ich dort antreten darf. Hoffentlich in einer guten Form, und dann schauen wir, was rausschaut.

Welcher Berufstätigkeit gehst du nach?
Ich arbeite seit fast sieben Jahren bei der Metzgerei Angst. Das ist ein Fleischhandelsbetrieb, welche viele Gastronomiebetriebe und Metzgereien auf dem Platz Zürich beliefert. Neben meinen Aufgaben im Büro bin ich noch im Aussendienst tätig.
Ich bin ausgebildeter Marketing-Fachmann mit eidgenössischem Fachausweis. Ich bin sehr froh, dass ich eine gute Grundausbildung habe, und an einem Ort arbeiten kann, wo das ganze unterstützt wird. Damit ich den Job und das Schwingen gut unter einen Hut bringen kann.

Was hat bei dir die Geburt deines Sohnes Dario ausgelöst?
Die Geburt meines Sohnes war bestimmt einer der emotionalsten Momente in meinem Leben. Ich bin sehr froh, dass alles gut gegangen ist und er sich bester Gesundheit erfreuen kann. Schön ist auch, dass wir zusammen mit meinen Eltern, Schwiegereltern und Geschwister ein sehr gutes Familienverhältnis haben. Darum denke ich, ist er in eine gut aufgehobene Familie reingekommen.

Bist du eigentlich vor einem Schwingfest oder vor einem Gang nervös? Wie bereitest du dich diesbezüglich vor?
Die Nervosität hält sich bei mir zum Glück in Grenzen. Jedoch spürt bestimmt jeder Schwinger eine gewisse Anspannung, welche es meiner Meinung nach auch braucht um eine Topleistung abzurufen. Vor einem Schwingfest trainiere ich ganz normal und bereite mich immer gezielt auf einen Anlass vor. Am Schwingfesttag ist es wichtig, dass man die Spannung für einen Gang hochfahren und nach dem Gang runterfahren kann. Sonst verpufft man zu viel Energie, welche dann gegen Ende des Festes fehlen könnte.

In Bälde folgt Teil 2 des Gespräches mit Christian Schuler. Dabei geht es unter anderem um folgende Punkte: Welche Schwinger ihm 2015 am meisten Eindruck gemacht haben, um sein Hobby neben dem Schwingsport und was Christian über die Professionalisierung des Schwingtrainings denkt.

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Saisonrückblick mit René Schelbert (Teil 2): Diskussion von ganz allgemeinen Schwing-Themen

Im zweiten Teil des Saisonrückblickes mit René erfahren wir heute unter anderem, was er für eine Bilanz als TK-Chef der Jungschwinger vom Schwyzer Kantonalverband zieht. Daneben schnitten wir in unserem äusserst interessanten Gespräch aber auch ganz allgemeine Themen an.

René Schelbert
René Schelbert, Präsident Schwingklub Muotathal
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

René ist auch TK-Chef der Jungschwinger vom Schwyzer Kantonalverband.
Wie sieht für dich dort die Saisonbilanz aus?
Es lief tipptopp. Wir hatten einen erfolgreichen Auftritt am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Aarburg. Das Ziel für das ENST waren fünf Auszeichnungen. Unsere sieben Teilnehmer holten fünf Auszeichnungen, dieses Ziel wurde somit erreicht. Zudem hatten wir mit Michi Gwerder aus Brunnen einen Teilnehmer beim Jahrgang 2000 im Schlussgang. Auch sonst erzielten wir während der Saison sehr gute Resultate.
Michi Gwerder ist übrigens im Kanton Schwyz der Überflieger, und gewann eigentlich fast alles. Nächstes Jahr wird er bei den Aktiven starten.

Welche Schwyzer Jungschwinger könnten dereinst bei den Aktiven für Furore sorgen?
Bei den unter 20-Jährigen tippe ich auf Dario Gwerder. Er ist einer, der an die Spitze kommen wird. Bei den anderen ist es schwierig zu sagen. Der erwähnte Michi Gwerder bringt sicher gute Voraussetzungen mit, ist aber erst 15 Jahre jung.

René erzählte weitere interessante Fakten zu den Nachwuchsschwingern:
Die besten Jungschwinger beim ISV haben derzeit die Luzerner, gefolgt von den Schwyzer Jungschwingern. Weiter die Ob-/Nidwaldner, vor dem Zuger und Urner Nachwuchs, die etwa gleichauf liegen.
Im Frühling halte ich als TK-Chef der Schwyzer Jungschwinger jeweils eine Sitzung mit den TK-Chefs der einzelnen Schwingklubs ab. Dabei werden unter anderem die Neuerungen besprochen. Weiter besuche ich bei jedem Schwingklub pro Jahr ein Training, um die Jungschwinger besser kennen zu lernen. Ich besuchte zudem diese Saison jedes Jungschwinget im Kanton.

Was bewertest du diese Saison ganz allgemein als positiv, was als negativ?
Schlecht ist, dass die Schwinger ganz allgemein zu wenig Rangschwingfeste besuchen. Auch im Kanton Schwyz und in der ganzen Innerschweiz. Der Grund könnte sein, dass einigen Schwingern die Leidenschaft und der Biss fehlen. Im Klub sollten die erfolgreichen Schwinger auch diesbezüglich eine Vorbildfunktion haben. 12 bis 15 Schwingfeste pro Jahr sollte jeder Schwinger besuchen. Für das trainieren die Schwinger doch. Eine Schwingfestteilnahme ist immer noch das beste Training.
Positiv ist, dass wir vom Schwingklub Muotathal in der glücklichen Lage sind, dass unsere Schwinger fleissig an den Festen schwingen.

Als Vergleich: Einige Schwinger besuchten zu ihren besten Zeiten gar 20 bis 30 Schwingfeste pro Jahr. Dazu zählen beispielsweise Stefan Burkhalter, früher Edi Kündig oder Hanspeter Pellet.

Ist die Professionalisierung des Schwingtrainings für die Jungschwinger eher positiv oder manchmal eher negativ? Wenn man bedenkt, dass sie manchmal gemäss Manfred Schneider (Technischer Leiter Jungschwingen beim ESV) sich zu viel zutrauen und ihre Gesundheit strapazieren. In der neusten Ausgabe von Schwingen. Das Magazin. erklärt er: „Manchmal habe ich etwas Angst um die Jungen.“ Wie siehst du das?
Ich habe das Gefühl, das einige Schwinger zu früh mit dem Krafttraining beginnen. Beim Schwingklub Muotathal sagen wir, dass die Athleten erst mit 16 Jahren, also wenn sie zu den Aktiven wechseln, mit Krafttraining beginnen sollen.
Sie sollen sorgfältig beginnen und am Anfang nicht mehr als ihr eigenes Körpergewicht auflegen. Wir haben in unserem Schwingkeller selber Geräte fürs Krafttraining. Unsere Schwinger werden dabei vom Technischen Leiter Erwin Betschart instruiert. Diese Saison erstellte uns Thomas Lamparter, welcher in den 2000er Jahren zu den besten Anschiebern im Bobsport gehörte (unter anderem bei Beat Hefti, Ivo Rüegg und Martin Annen), einen Trainingsplan.
Bei unserem Schwingklub wird aus meiner Sicht gut trainiert. Diese Saison verletzte sich niemand. Abgesehen von ein paar kleineren Blessuren, der Knieoperation von Stefan Heinzer im Februar und Guido Gwerder’s Problemen mit den Knien.

Was meinst du ganz allgemein zu der immer grösseren Vermarktung von gewissen Spitzenschwingern? Haben da Schwingklubs ohne solche „Spitzenschwinger“ als Zugpferde nicht Nachteile?
Jein. Wenn ein Spitzenschwinger viel Geld verdient, kann es in jenem Klub auch zu Unstimmigkeiten kommen. Oder wenn gewisse Spitzenschwinger in ihren eigenen Schwingklubs keine Trainings mehr besuchen, haben die eigenen Leute auch nichts von ihm. Ein Nachteil ist das also nicht, wenn in einem Klub absolute Spitzenschwinger fehlen.
Erfolgreiche Spitzenschwinger sollten Vorbilder sein, und Grösse gegenüber den jüngeren Schwingern und dem Nachwuchs zeigen. Leider geht es bei einigen Spitzenschwingern mehr ums Geld als nur um Ruhm und Ehre. Es kommt auch immer darauf an, wie viel Geld im Spiel ist.
Aber: Es sind laut Zeitungsberichten sowieso nur eine Handvoll Schwinger, die wirklich viel Geld verdienen.

Was meinst du: Wird es irgendwann mehrere Schwinger geben, die von ihrem Sport leben können?
Ich denke, das wird eher weniger der Fall sein. Schwingerkönig Matthias Sempach könnte zwar jetzt schon davon leben. Die Arbeit daneben ist aber sicher auch für die absoluten Spitzenschwinger eine Abwechslung. Du kannst als Schwinger auch nicht den ganzen Tag trainieren. Zudem, mit wem will er untertags ein Schwingtraining machen, wenn praktisch alle anderen Schwinger einer Arbeit nachgehen? Ich denke, der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) strebt das auch nicht an, und das Schwingervolk würde das bestimmt nicht goutieren, wenn einige Schwinger plötzlich Profisportler würden.
Die Sponsoren erwarten automatisch, dass die unterstützten Schwinger am Abend zuvorderst stehen, damit man ihr Logo auf der Werbefläche der Schwinger sieht. Aber: Ich staune immer wieder über das Sponsoring, und deren Ausmass. Dass sich die Firmen dies nur schon leisten können, momentan mit den wirtschaftlichen Problemen bezüglich des Euros.

Zum allgemeinen Schwing-Boom machte sich René auch Gedanken:
Der Schwing-Boom macht sich auch diesbezüglich bemerkbar, dass zurzeit sehr viele Firmen und Geschäftsleute mit dem Schwingen Werbung und Geld machen wollen. Wenn irgendwo ein Geschäft neu eröffnet wird, dann ist bestimmt ein Schwinger bei der Eröffnung dabei. Schwingen ist einfach „in“. Viele Leute gehen auch deshalb an Schwingfeste, eben weil es „in“ ist. Eine alte Weisheit: Es sind immer dort am meisten Leute, wo sich sonst schon sehr viele befinden. Dies ist beim Schwingsport momentan auch der Fall.

Muotathaler Schwinger
Die erfolgreichen Muotathaler Kranzgewinner beim diesjährigen Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfest in Küssnacht SZ
Bildquelle: René Schelbert

Hast du einen besonderen „schwingerischen“ Wunsch für das nächste Jahr?
Das Wichtigste ist sicher, dass unsere Schwinger gesund bleiben. Weiter, dass unsere Muotathaler Schwinger möglichst viel und gut trainieren, und möglichst viele ans Eidgenössische fahren können. Im Jahr 2016 sollte nebst dem Beruf das Schwingen während einem halben Jahr Trumpf sein. Wenn es gut läuft, rechne ich mit fünf Muotathaler Schwingern, welche nach Estavayer reisen dürfen. Wir nehmen selbstverständlich auch mehr. Der ISV kann übrigens 85 Schwinger entsenden.

Ausblick auf nächste Saison
René erzählte zum Abschluss des Gesprächs, dass beim Muotathaler Rangschwinget im nächsten Frühling die beiden Berner Schwingklubs Simmental (Kilian Wengers Schwingklub) und Sumiswald eingeladen sind. Bei der Einladung vom Schwingklub Simmental ist die Bewilligung vom ESV noch ausstehend. Beim Emmentalischen Gaufest in Sumiswald anfangs Juni sind sechs Muotathaler Schwinger eingeladen. Auch hier ist die Bewilligung vom ESV noch hängig.

Zum Schluss des Zweiteilers „Saisonrückblick mit René Schelbert“ bedanke ich mich beim umsichtigen Schwingklubpräsidenten und TK-Chef der Schwyzer Jungschwinger für das Gespräch. Ihm und den Schwingern wünsche ich einen erholsamen Winter mit einer guten Basislegung für die Saison 2016.

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Saisonrückblick mit René Schelbert (Teil 1): Das Schwinggeschehen im Muotatal

Im vergangenen Frühling veröffentlichte ich eine neunteilige Serie über das Schwinggeschehen im Muotatal. Dabei ging es unter anderem um folgende Punkte: Das aktuelle Geschehen, wie es um den Nachwuchs bestellt ist, ein Porträt von der Nachwuchshoffnung Ralf Schelbert und die schwingerischen Anlässe 2015 im Muotatal. Dabei erfuhr ich tatkräftige Unterstützung von René Schelbert, dem Präsidenten des Schwingklub Muotathals.
Vor gut einer Woche traf ich mich wieder mit René, und hielt mit ihm zusammen Saisonrückblick. Im ersten von zwei Teilen zieht der Schwingklub-Präsident einerseits eine persönliche Bilanz, andererseits auch Saisonbilanz über das Muotathaler Schwingen. Er erzählte mir, wie die beiden Muotathaler Schwingfeste verlaufen sind. Weiter erfahren wir, wann der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird, ob es 2016 Neuerungen geben wird und vom „Chatzästreblä“ am Stöckmärcht.

René Schelbert
René Schelbert, Präsident Schwingklub Muotathal
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zu Beginn unseres Gespräches fragte ich René: Wie sieht deine persönliche Saisonbilanz aus?
Man will ja nicht immer alles ändern. Wenn etwas gut läuft, lässt man es laufen. Es gibt aber sicher immer wieder Überlegungen, die man anstellen muss. Gerade im Bereich des Jungschwinger-Wesens haben wir beim Kantonalverband Überlegungen angestellt. Zudem auch, ob man im Hinblick auf den Schnuppertag mehr Aufwand betreiben möchte.
Als positiv zu bewerten gelten die leicht gestiegenen Jungschwinger-Zahlen im Kanton Schwyz.
Die Schwingfeste, welche ich besuchte, waren gut organisiert. Beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag ENST war ich als Betreuer der Schwyzer Schwinger vor Ort. Weiter war ich zweimal OK-Präsident (Muotathaler Rangschwinget und Muotathaler Nachwuchsschwingertag), viermal in der Einteilung und dreimal Kampfrichter.

Was für eine Saisonbilanz ziehst du für den Schwingklub Muotathal? Im Vergleich zu letztjähriger Saison?
Die sieht sehr gut aus. Meine Erwartungen wurden mit den acht Kränzen übertroffen. Zum Vergleich: Letztes und vorletztes Jahr waren es jeweils drei Kränze. Es wären diese Saison gar noch zwei weitere Kränze drin gelegen: Carlo Gwerder schwang beim Luzerner Kantonalen um den Kranz, und für Ralf Schelbert lag der Rigi-Kranz in Reichweite. Beim diesjährigen Schwyzer Kantonalen ging mit den fünf erreichten Kränzen alles auf.
Ralf Schelbert hat die Erwartungen mit dem Gewinn von drei Kränzen erfüllt. Auf dem Stoos und auf dem Brünig konnte er ebenfalls um den Kranz mitschwingen. Dies verhinderte aber auf dem Stoos Stefan Burkhalter und auf dem Brünig Hanspeter Luginbühl. Ralf stand zudem bei zwei Rangschwingfesten im Schlussgang (Haldi-Bergschwinget und in Oberarth).
Guido Gwerder gewann erfreulicherweise den Herbstschwinget in Unteriberg SZ und belegte beim Herbstschwinget Siebnen den guten vierten Rang. Bei diesem Fest stand Dario Gwerder im Schlussgang, welcher unentschieden endete. Weiter belegte der erst 18-jährige Nichtkranzer bei zwei Rangschwingfesten den guten zweiten Rang, und holte sich die Allweg-Auszeichnung. Dario hat uns diese Saison positiv überrascht.

Wie sieht‘s beim Muotathaler Nachwuchs aus? Wie viele Zweige wurden geholt?
Die Muotathaler Jungschwinger gewannen dieses Jahr 37 Auszeichnungen. Es lief insgesamt gut. Beim Schnuppertag anfangs September war ich positiv überrascht, als elf Knaben vom Angebot Gebrauch machten. Normalerweise ist so ein überraschender Trend nach einem Eidgenössischen zu beobachten. Es ist aber auch damit zu erklären, dass unsere Jungschwinger-Zahlen sowieso gestiegen sind. Wenn die jungen Schwinger zudem einen Kollegen ans Training mitbringen, erhöht sich die Zahl automatisch. Den grössten Boom bei den Jungschwingern stellten wir fest, als Kilian Wenger Schwingerkönig wurde.
Trotzdem: Die Erfolge waren sicher nicht so gross, wie auch schon. Aber wenn die Jahrgänge 2006 und 2007 so weiter machen wie bisher, sieht das für die Zukunft gut aus.

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Dario Gwerder und Philipp Laimbacher beim diesjährigen Muotathaler Rangschwinget
Bildquelle: Schwinger-Blog (Facebook)

Wie verliefen der Rangschwinget und der Nachwuchsschwingertag?
Beide Schwingfeste verliefen gut und waren gut organisiert. Bei beiden Festen herrschte schönes Wetter. Der Rangschwinget musste wegen schlechten Wetters um eine Woche verschoben werden. Beim Verschiebedatum kamen leider nicht so viele Zuschauer wie wir uns erhofft hatten. Mit Philipp Laimbacher und Martin Grab nahmen zwei Eidgenossen teil. Zudem mit Mike Müllestein der Sieger des Schwyzer Kantonalen.

Wie sieht momentan das aktuelle Geschehen aus? Ruht der Trainingsbetrieb? Wann beginnt das Wintertraining?
Nach dem Herbstschwinget in Unteriberg SZ machten unsere Schwinger einen Monat Pause. Im November beginnen sie mit Krafttraining, und ab dem Dezember besuchen sie wieder ein Schwingtraining pro Woche. Nach Dreikönigen beginnt für sie wieder der normale Trainingsbetrieb: Zwei Schwingtrainings, zweimal Krafttraining und am Dienstag Turnen mit der Aktivriege.

Strebt ihr aus Erkenntnissen von diesem Jahr Neuerungen für 2016 an?
Was wir sicher überdenken müssen, ist der Rangschwinget. Bei einer nächsten Vorstandssitzung diskutieren wir, ob wir etwas ändern werden. Um diesen Schwinget wieder etwas attraktiver zu machen, damit wieder mehr Zuschauer und Schwinger kommen. Aber es wird schwierig werden. Sonst fahren wir so weiter wie bisher.

Ich habe im Boten gelesen, dass der Schwingklub Muotathal als Gruppe beim „Chatzästreblä“ am Stöckmärcht in Unteriberg SZ teilnahm, und sogar den guten dritten Rang belegte. So wie es aussieht, herrscht eine gute Stimmung unter den Schwingern. Dies ist gewissermassen auch Teambildung?
Das kann man so sagen. Unsere Schwinger sind auch sonst gute Kollegen, und pushen sich gegenseitig.
Zum „Chatzästreblä“ gilt zu sagen: Ich nahm selber etwa 15 Jahre daran teil, erklärte aber heuer nach dem Anlass den Rücktritt. Früher war es ein wenig anders organisiert. Es gab eine Kategorie Frauen, eine Kategorie Aktive und eine der Schwinger. Sie wollten damit den Stöckmärcht attraktiver machen. Am Anlass nahmen jeweils auch Schwingergrössen wie Martin Grab, Marcel Ochsner und sogar NOS-Schwinger teil. Viele Schwinger vom Schwingklub Muotathal machten während Jahren mit. Zu den besten Zeiten stellten wir sogar zwei Mannschaften: Eine bei den Aktiven, eine bei den Schwingern. Es war jeweils eine glatte Sache, und es ist wirklich gewissermassen eine Art Teambildung. Irgendwann hörten die älteren Schwinger auf. Jetzt ist es so, dass nebst unseren Schwingern sonst keine mehr mitmachen. Deshalb gibt es nur noch zwei Kategorien, und sie integrierten unsere Schwinger auch unter die Aktiven. Dort belegten sie kürzlich den guten dritten Rang. Eine Gruppe besteht übrigens aus vier Teilnehmern.

Der Muotathaler Stefan Heinzer belegte beim „Chatzästreblä“ den hervorragenden zweiten Rang bei der Kategorie Männer. Ist er also wieder topfit und wird nächstes Jahr wieder ins Schwinggeschehen eingreifen?
Ja, Stefan ist wieder topfit und wird nächstes Jahr wieder an Schwingfesten starten. Stefan musste sich im Februar dieses Jahres an einem Knie einer Meniskus-Operation unterziehen und fehlte darauf die ganze Saison.

Beim ersten Teil konzentrierten wir uns vor allem auf das Schwinggeschehen im Muotatal. Im Teil 2 zieht René Bilanz in seiner weiteren Funktion als TK-Chef der Schwyzer Jungschwinger. Weiter werden ganz allgemeine Themen wie die Professionalisierung des Schwingtrainings, ob Schwingklubs ohne „Spitzenschwinger“ als Zugpferde Nachteile haben und ob es irgendwann Schwinger geben wird, die von ihrem Sport leben können, diskutiert.

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„Nach dem Eidgenössischen in Estavayer wird es automatisch einen Schwing-Boom in der Westschweiz geben“ (Teil 3)

Heute folgt der dritte und letzte Teil des Interviews mit der Direktorin von Estavayer2016. Isabelle Emmenegger gibt uns dabei Einblick in den Stand der Arbeiten, die Vorfreude in der Romandie, ihren Bezug zum Schwingen und der erwartete Boom nach dem Eidgenössischen. Weiter für wer ihr Schwingerherz am ESAF schlägt, was sie nach Estavayer tun wird und ihre Wünsche für sich und ihr Team.

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Isabelle Emmenegger, Direktorin von Estavayer2016
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seid ihr im Plan mit den Arbeiten?
Ja, im Vergleich mit den Vorgängerfesten sind wir im Plan. Bei gewissen Sachen hinken wir etwas hinter her und müssen schauen, dass wir das Tempo beibehalten können. Bei anderen Bereichen sind wir sogar weiter als geplant. Ich mache mir momentan aber keine Sorgen. Zudem muss ich ehrlich sagen: Ein bisschen Druck schadet nicht, damit man auf die Sache bezogen arbeiten kann. Es ist wirklich eine Herausforderung zwischen den Freiwilligen, denen die vom Fach kommen und denen die noch nie in so einem Projekt mitgearbeitet haben.

Spürst du in der Romandie schon die Vorfreude auf diesen Grossanlass?
Ja, jetzt kommt sie! Das spürt man jetzt auch bei den Nachfragen der Medien und den Leuten. Das Schwingen wird in der Region zudem immer mehr ein Thema. Es ist ein bisschen länger gegangen, aber das ist ganz normal.
Da der Kanton Freiburg zweisprachig ist, stellen die zwei verschiedenen Mentalitäten auch eine Herausforderung dar. Ich bin überzeugt, dass das ein Eidgenössisches wird, wo man die Westschweiz extrem herausspüren wird. Es war uns von Anfang an ein grosses Anliegen, dass die Region grosszügig vertreten ist und sie sich an dem Fest grossflächig präsentieren kann. Das gibt automatisch eine andere Ambience als in Burgdorf.

Welchen Bezug hast du eigentlich zum Schwingen?
Als Kind besuchte ich den Bergschwinget in Sörenberg LU. Ich erinnere mich zudem, dass mein Vater immer an den Brünigschwinget ging.
Ich habe das Schwingen später nicht mehr direkt vor Ort verfolgt. Hingegen schaute ich im TV jeweils die Eidgenössischen Schwingfeste. Mich interessiert halt der Sport ganz allgemein. Sport finde ich eine Lebensschule, sei es als Einzelsport oder als Mannschaftssport. Zudem: Schwingen ist für mich ein Sport wie jeder andere. Weiter hat sich im Schwingen auch das Umfeld extrem verändert, der Sport aber als solches nicht. Das Schwingen ist wegen der Professionalisierung und den Medien zu einem unglaublich populären Sport geworden. Da hat die Westschweiz den entscheidenden Sprung noch nicht gemacht. Sie geben sich zwar viel Mühe, aber es braucht noch seine Zeit. Sie sind am Aufholen! Denn: Der Erfolg führt zur Popularität. Wenn der Südwestschweizer Verband wieder einen Spitzenschwinger rausbringt, welcher Bergfeste oder Teilverbandsfeste gewinnen kann, sieht das sicher anders aus. Dann werden auch die hiesigen Medien kommen.

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Schlussgang am Eidgenössischen Schwingfest 2001 in Nyon: Schlussgang zwischen Jörg Abderhalden und Arnold Forrer
Bildquelle: sportalbum.ch

Was meinst du: Wird es nach dem Riesenevent in der Westschweiz auch einen Schwing-Boom geben, wie vielerorts schon in der Deutschschweiz nach den letzten beiden Eidgenössischen?
Ich glaube, das wird es automatisch geben. Es sagte mir kürzlich jemand, dass nach dem Eidgenössischen in Nyon 2001 ein gewaltiger Boom ausbrach. Die Westschweizer Schwingklubs hatten darauf fast doppelt so viele Jungschwinger. Ich denke, darauf müssen die Schwingklubs im Herbst 2016 vorbereitet sein. Dass sie auch genügend Trainer und Funktionäre haben. Sonst ist die Chance plötzlich wieder weg. Man darf sicher nicht unterschätzen, dass die Jugendsportförderung viel Arbeit nach sich zieht. Da braucht es auch wieder den Einsatz von Leuten, die jetzt schon viel machen.

Du bist gebürtige Entlebucherin. Für welchen Teilverband und für welche Schwinger wird dein Schwingerherz am Eidgenössischen schlagen?
Mein Herz ist etwas geteilt, da ich nun in der Westschweiz zuhause bin. Zuerst wird es ganz stark für die Südwestschweizer schlagen. Mit der Hoffnung, dass es einen oder zwei Kränze geben könnte. Das wäre so wichtig für die Region und den Südwestschweizer Verband.
Nachher schiele ich natürlich schon auch auf die Innerschweizer und die Berner. Auf die Innerschweizer, weil ich gebürtige Innerschweizerin bin. Auf die Berner schaut man automatisch, die haben momentan einfach eine grosse Präsenz und sind sehr stark. Aber die Innerschweizer können ihnen ja das Leben schwer machen.
Zudem verfolge ich, was aus den aufstrebenden jungen „Wilden“ wird. Wie stark sie bereits in Estavayer mitmischen können. Es hat in jedem Teilverband zwei, drei hoffnungsvolle Nachwuchsschwinger, die nachrücken werden.

Was wirst du nach dem Eidgenössischen, respektive nach dem Abschluss deiner jetzigen Tätigkeit tun?
Meine Tätigkeit für Estavayer2016 wird im März 2017 zu Ende sein. Ich werde so viel auf die Zukunft angesprochen, deshalb etwas zum Schmunzeln: Ich habe momentan das Gefühl, es wissen bereits alle, was ich nach dem Abschluss tun werde…
Ich habe in meinem Leben noch nie meine berufliche Laufbahn geplant. Wenn ich an einem Projekt arbeite, wird es auch zu Ende geführt. Ich habe diesen Posten nicht gesucht, ich wurde von Leuten darauf angesprochen. Bisher hatte ich einfach immer ein Riesenglück, und wurde im richtigen Moment von den richtigen Leuten auf etwas hingewiesen. Ich werde zum richtigen Zeitpunkt schauen, wie es weitergeht. Aber das hat im Moment keine Priorität. Natürlich gibt es gewisse Diskussionen oder Sachen, die 2017 plötzlich spannend sein könnten. Jetzt ist es noch zu früh.

Was wünscht du dir und deinem Team für die nächste Zeit?
Dass wir als Team noch weiter zusammen wachsen und gemeinsam ein erfolgreiches Eidgenössisches organisieren. Dass wir weiter mit einer Riesenfreude an dem Projekt weiterarbeiten. Denn nebst den ganzen Herausforderungen darf man auch die Freude zeigen.
Dass wir für dieses Projekt, für welches wir arbeiten dürfen, auch einen gewissen Stolz haben. Dies betone ich immer wieder, denn das ist eine einmalige Sache. Aber: Wegen dem Organisieren mache ich mir nicht mal so grosse Gedanken, das kommt gut. Jetzt müssen wir einfach auch beten. Da kann man während vier- oder fünf Jahren noch alles so gut organisieren und vorbereiten. Sollte es während dem Anlass vier oder fünf Tage regnen, wird das ein ganz anderes Fest. Das Wetter können wir einfach nicht planen. Denn es bleibt ein Outdoor-Anlass, und das ist auch gut so.

Am Schluss der drei Teile des Interviews mit Isabelle Emmenegger bedanke ich mich bei ihr für das Gespräch, die interessanten Aussagen, Erklärungen und Informationen. Ich wünsche ihr und ihrem Team weiterhin so viel Elan, Kraft und die nötige Leidenschaft für dieses grosse Projekt!

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