Schwingerbilder-Ausstellung in Lyss

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Andreas Mathys, Verbandsfotograf des Berner Kantonalen Schwingerverbandes
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Am 12. November bekam ich per Email eine Einladung zu einer Schwingerbilder-Ausstellung in Lyss BE. Absender des Emails war Andreas Mathys, Verbandsfotograf des Berner Kantonalen Schwingerverbandes:
„Seit 2004 bin ich nun Verbandsfotograf im Bernisch Kantonalen Schwinger Verband (BKSV), etliche 10‘000 Bilder sind seither entstanden, mein Interesse die besten Aktionsbilder einmal dem Publikum zu zeigen, wird nun Tatsache. Das Publikum bist Du. Wenn du also Lust verspürst, einmal diesen Souplesse von Grab Martin gegen Graber Willi als grösseres Bild zu erleben, oder den kraftvollen, entscheidenden Angriff von Grab Martin gegen Abderhalden Jörg am Unspunnen Fest 2006, oder den Sempach-Spezial am Kilchberger 2014, dann komme doch einmal vorbei.“

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Kulturmühle in Lyss
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Diese Ausstellung wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und fuhr deshalb am Sonntag, 13. Dezember, nach Lyss. Die Schwingerbilder-Sammlung von Mathys ist in dieser schmucken Kulturmühle zu sehen. Die Kulturmühle ist eine ehemalige Mühle, welche Ende letzten Jahres nach einem Umbau eröffnet wurde. Andreas Mathys stellt zusammen mit seiner Frau Esther aus. Auf zwei Etagen sind 35 Bilder verteilt. Nebst Schwingerbildern findet man auch einige Landschaftsfotografien.

Angefangen hat alles beim Jungschwingen

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Bildquelle: Andreas Mathys/feldwaldwiesenblogger

Angefangen hat laut Mathys alles 2002 beim Jungschwingen. Der 56-jährige Berner schreibt in seinem Lebenslauf: „Die Fotografie interessierte mich und meine Frau schon in der Jugendzeit. Zuerst als oberflächliches Hobby, fingen wir mit den ersten, damals noch manuellen Spiegelreflex-Kameras, die Natur und deren Eindrücke ein. Jedoch legte die Familiengründung das frischentfachte Hobby wieder für mehrere Jahre auf Eis.“
Als sein Sohn und seine beiden Neffen Jungschwinger waren, ging es anfangs darum, die Augenblicke festzuhalten. Die ersten digitalen Spiegelreflex-Kameras wurden gekauft, bei den Schwingfesten probiert und nach und nach entwickelte sich das Fotografen-Auge. Die Neugier wurde weiter geweckt, Esther zog es in die Natur und Andreas rutschte eher zufällig in den Seeländischen Schwingerverband. Andreas Mathys dazu: „An der Seeländischen Hauptversammlung 2003 in Radelfingen wurde ein Stellvertretender Fotograf für die damals amtierende Verbandsfotografin Sandra Joder gesucht.“ Mathys sagte zu, und war 2004 und 2005 verantwortlicher Fotograf für den Seeländischen sowie den Bern-Jurassischen Schwingerverband. Der erste offizielle Einsatz war 2004 beim Seeländischen Gaufest in Grossaffoltern. Als Joder eine Familie gründete, rückte der Landschaftsgärtner 2006 als Verbandsfotograf vom Berner Kantonalen Schwingerverband nach.

Parallel zur Fotografie erstellt Mathys auch Webseiten. So hat er zusammen mit Manfred Schneider die erste Schweizerische Jungschwinger-Homepage erstellt. Weiter die Seite des Seeländischen Schwingerverbands, welche er auch betreut. Auch die Webseite der Kulturmühle geht auf das Konto des Schwinger-Fotografen zurück.

Der Vater von zwei erwachsenen Kindern erklärte auf Ende 2016 den Rücktritt als Verbandsfotograf: „Das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer-le-Lac wird mein letzter Einsatz am Sägemehlrand sein.“ Dies nahm Mathys zum Anlass, seine Bilder nun einem breiten Publikum vorzustellen.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die Ausstellung in der Kulturmühle lud zum Betrachten, aber auch zum gemütlichen Verweilen und Smalltalk bei einem Kaffee.
Beim Rundgang knipste ich mit meiner Nikon die Fotos von Andreas und Esther Mathys. Dabei fielen mir drei Bilder besonders auf.

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Bildquelle: Andreas Mathys/feldwaldwiesenblogger

Der herrliche Souplesse von Martin Grab im Gang gegen Willy Graber, am Eidgenössischen 2007 in Aarau. Um ein so spektakuläres Foto machen zu können braucht es jahrelange Erfahrung und ein geübtes Auge. Meines Erachtens das schönste Bild der Ausstellung. Dieses Foto gab für mich quasi den Ausschlag, diese Ausstellung zu besuchen.

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Bildquelle: Andreas Mathys/feldwaldwiesenblogger

Ebenfalls am Eidgenössischen in Aarau gelang Mathys dieses Bild. Eine fotografische Widmung dem tragisch verstorbenen Entlebucher Benno Studer.

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Bildquelle: Andreas Mathys/feldwaldwiesenblogger

Bild Nummer drei ist Kilian Wengers Meisterstück am ESAF 2010 in Frauenfeld. Mit seinem Sieg über Schwingerkönig Jörg Abderhalden ebnete sich der Berner Oberländer den Weg zum Königstitel. Wunderbar eingefangen vom Berner Verbandsfotografen.

Gespräch mit Andreas und Esther Mathys
Nebst dem Rundgang durch die Ausstellung fand sich auch etwas Zeit, mit Andreas und Esther Mathys ein Gespräch zu führen. Dabei erfuhr ich weitere interessante Dinge. Andreas Mathys erklärte: „Das Pflichtenheft schreibt vor, dass bei jedem Anlass des Berner Kantonalen Schwingerverbandes (BKSV) gewährleistet werden muss, dass Fotos gemacht werden. Das heisst aber nicht, dass ich an jedem Anlass selber dabei sein muss. Selbstredend bin ich beim Berner Kantonalen und beim ESAF vor Ort. Im Prinzip bin ich als Verbandsfotograf gewählt und bin verpflichtet dem Verbandsorgan, also der Schwingerzeitung, Bilder von den BKSV-Anlässen zu schicken. Dazu gehören natürlich auch Bilder von Abgeordneten-Versammlungen und den BKSV-Hauptversammlungen. Bei Gauverbands-Anlässen spreche ich mich mit Rolf Eicher, welcher für das Emmental und das Berner Oberland zuständig ist, ab.
Es sind relativ viele Anlässe. Du musst am morgen früh dort sein, und bis 19 Uhr die Bilder an die Schwingerzeitung abgeliefert haben. Verpflichtet bin ich auch, für die BKSV-Homepage am Montag nach einem Fest Bilder zu liefern. Weiter unterhalte ich selber eine Homepage, wo man meine Bilder betrachten kann. Zudem besuche ich jährlich ein paar Jungschwingertage und schicke die Bilder hinterher dem SCHLUSSGANG. Im Jahrbuch des ESV sind auch immer Bilder von mir drin.“

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Bildquelle: Andreas Mathys

Auf die Frage, ob der passionierte Fotograf eine spontane Anekdote parat habe, die er beim Fotografieren fürs Schwingen erlebt habe, meinte dieser schmunzelnd: „Wir Fotografen erleben manchmal auch witzige Situationen, wo wir Schnappschüsse machen können. So wie erst kürzlich in Seedorf beim Berner Kantonalen. Das Regionalfernsehen TeleBärn übertrug das Schwingfest live. Ein Kameramann, welcher vor Ort war, hat am Vorabend wohl etwas zu lange gefeiert. Diesen habe ich dann mit meiner Kamera ertappt, als er auf seinem Sessel hinter der Kamera ein Nickerchen machte.“

Nebst den Schwingerbildern fotografieren Andreas und Esther Mathys auch Landschaftsbilder. „Von meinem Beruf her mache ich auch Fotos von Gärten. Aber auch Entwicklungen, wie zum Beispiel der Autobahnbau in Biel. Ein Knotenpunkt, welcher etwas speziell ist. Weiter knipse ich auch für Facebook, wo ich Bilder im fragenden Sinn aufschalte: Wo ist das?“

Dies ist im Übrigen die erste Fotoausstellung des Ehepaares Mathys. Wie viel Zeit die beiden in die Fotografie investieren, können sie nicht genau sagen. „Es ist eine grosse Geschichte. Aber eine Zeitangabe ist schwierig, da auch abhängig von verschiedenen Faktoren wie Anlässe, Wetter et cetera. Wir fotografieren sehr oft miteinander. Wie zum Beispiel beim Eidgenössischen in Burgdorf: Bei Grossanlässen geht es fast gar nicht anders, als dass wir uns aufteilen. So haben wir einen grossen Vorteil.“

fotoschwingerbuch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zwei Fotobücher liegen bei der Ausstellung auf. Das eine ist eine Bildersammlung vom Eidgenössischen in Burgdorf, das andere, das aktuelle, heisst „Das Foto Schwinger Buch: 2004 – 2014 – die wichtigsten Schwingfeste.“

Ich fragte Andreas Mathys auch: Ist die Fotografie ein teures Hobby? „Am Anfang ja. Ich habe mit einer gewöhnlichen Digitalkamera, einer Sony, angefangen. Den Souplesse von Grab habe ich mit einer Nikon D50 gemacht. Das war eine Einzelfoto, keine Serie. Jetzt verwende ich eine Nikon D300. Mit den Objektiven verlocht man Geld, mit den Fotoapparaten nicht. Meine Frau und ich fotografieren derzeit nur mit je einer Kamera. Wir besitzen aber verschiedene Objektive.“

Wie macht man ein spektakuläres Foto? „Ich empfehle jedem, bei den Jungschwingern zu beginnen, und die Geduld sowie die nötige Zeit aufzubringen. Natürlich hilft es auch, wenn du die Schwinger kennst. Dazu gehört auch, ein Gefühl für die Situation zu entwickeln. Dabei habe ich auch die verschiedenen Schwünge kennen gelernt. Wichtig ist auch das Licht. Das Eidgenössische in Aarau war dabei sensationell. Beim Schwarzsee-Schwinget hingegen kannst du deswegen praktisch kaum ein wirklich gutes Foto schiessen.
Übrigens: Der Souplesse ist eines meiner spektakulärsten Bilder und zugleich mein erfolgreichstes. Mit diesem Foto konnte ich auch Geld verdienen.“

Zu seiner Tätigkeit als Schwinger-Fotograf, die längst mehr als nur ein gewöhnliches Hobby ist, fügte Mathys an: „Ich habe meine Linie. Wenn jemand Bilder von mir will, muss er dafür bezahlen. Beispielsweise liefere ich für 50 Franken eine DVD mit Bildern von einem Schwingfest. Bilder von Jungschwingfesten hingegen gebe ich für Interessierte gratis heraus.“

Wie Andreas Mathys weiter ausführte, war die Bilderauswahl für die Ausstellung schwierig. Es seien nämlich Zehntausende Fotos vorhanden. „Das sind etwa 120‘000 bis 150‘000 Bilder insgesamt. Diese Bilder sind alle auf einer externen Festplatte gespeichert. Eindrücklich ist ein Vergleich von den Zahlen her. Beim ersten Schwingfest habe ich um die 36 Fotos gemacht. In Burgdorf schossen wir zusammen etwa 5‘400 Bilder.
Ich mache mir zu jedem Bild auf vorbereiteten Blättern in Tabellenform Notizen. Jedes Foto wird nummeriert, dazu kommen die Schwinger-Nummern und der Name. So habe ich nachher ordnerweise Informationen zu meinen Bildern, samt der Angabe des Festes und des Datums. Diese Infos übertrage ich auch in meinen PC. So kann ich bei Nachfragen relativ schnell ein Bild liefern.“

Welches ist dein liebstes Foto? „Es sind einige, die hier ausgestellt sind. Herausragen für mich das Foto mit Kilian Wenger gegen Beat Salzmann, der Souplesse, ein Landschaftsbild, welches oben hängt und Willy Graber als jubelnder Sieger.“

Der grosse Schwingerfreund ergänzte, dass es in Tschechien ein Kinderbuch gibt, wo er ein Bild für die Titelseite liefern durfte. Zudem seien auch in verschiedenen Fachzeitschriften Fotografien von ihm drin. Weiter hat Mathys auch ein paar Mal an Wettbewerben teilgenommen.

Wann muss man sich als Fotograf akkreditieren? „Ab Stufe Gau- oder Kantonalfest. Bei den Rangschwingfesten ist das nicht nötig. Vor gut zehn Jahren war ich bei einigen Kranzfesten sogar der einzige Fotograf. Das ist heutzutage ganz anders. Ab dem ESAF 2007 in Aarau hat es so richtig angezogen. Beim Eidgenössischen 2004 in Luzern war ich erst als Zaungast dabei. Bei den drei nachfolgenden Eidgenössischen 2007, 2010 und 2013 war ich offiziell als akkreditierter Fotograf mit von der Partie.“

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die Ausstellung findet wie erwähnt auf zwei Etagen statt. Auf dem Bild erkennt man die Landschaftsbilder von Esther Mathys auf der oberen Etage, integriert in das wunderschöne Ambiente der Kulturmühle.

Fazit: Der Besuch der Schwingerbilder-Ausstellung hat sich auf alle Fälle gelohnt. Ich kann diese Ausstellung jedem Schwingerfreund, aber natürlich auch allen anderen, nur empfehlen. Sie schliesst jedoch bereits am kommenden Sonntag, 20. Dezember, wieder seine Pforten. Für diejenigen, welche nicht die Gelegenheit hatten in die Kulturmühle nach Lyss zu reisen, dürfen ja bei Gelegenheit meinen Blogbeitrag samt Bilder ein zweites oder drittes Mal durchsehen…

feldwaldwiesenblogger

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