Zu Besuch im Proberaum von Infinitas: Was hat sich seit dem ersten Konzert 2011 alles getan? – Teil 1

Kürzlich stattete ich der Muotathaler Melodic Trash Metal-
Band Infinitas einen Proberaumbesuch ab. Beim Interview anwesend waren Piri Betschart (Schlagzeug), Selv Martone (Gitarre) und Andrea Böll (Gesang). Pauli Betschart (Bass) gehört auch zur Band, bis vor kurzem auch die Violinistin Joelle Sigrist. Sie hat Infinitas aber leider verlassen, deshalb wird nun ein Ersatz gesucht.

Bereits einmal ein Interview geführt
Am 20. November 2011 veröffentlichte ich bereits ein Interview mit Infinitas (Zehn Fragen an Infinitas), welches ich mit Piri schriftlich führte. Damals wollte ich als Erstes wissen: Was bedeutet der Bandname Infinitas, und wie kamt ihr auf ihn?
Piri antwortete darauf: „Der Name Infinitas ist lateinisch und bedeutet Unendlichkeit. Auf diese Idee kamen wir, weil wir unsere Musik irgendwie beschreiben wollten. Der Name musste zur Band passen. Und da wir unendlich viel Zeit in die Band investiert haben, bis sie in dieser Formation komplett war, erschien uns dieser Name passend. Infinitas sagt zudem auch gleich aus, dass wir Metal spielen, und kein Rock oder Ländler.“
Die zweite Frage jenes Interviews bringen wir uns auch kurz in Erinnerung: Mit einer Violistin in der Band habt ihr doch ein ziemlich ungewöhnliches Instrument dabei. Wie kamt ihr dazu, und ist das üblich bei eurer Stilrichtung, dem Melodic Trash Metal? Piri: „Wir wollten Metal spielen, holten aber anstatt einer zweiten Gitarre, eine Violine an Bord. Sie übernimmt viele melodiöse Parts oder kann zwischendurch auch für mehr Boden sorgen. So ist unsere Musik gewachsen und irgendwie melodiös geworden. Im Thrash Metal ist eine Violine sicherlich nicht üblich, deshalb gaben wir unserem Stil auch einen neuen Namen, der sonst eigentlich nicht verbreitet ist.“

Bandgründung und erstes Konzert
Piri und Selv gründeten Infinitas. Beide waren schon vorher gemeinsam in einer Muotathaler Band, welche auf den Namen „Sei Out“ hörte. Bei dieser Band, welche mittlerweile nicht mehr existiert, wurde querbeet Punkrock, Blues, Rock und Funk gespielt. Die beiden kamen überein, dass sie zusammen in Richtung Metal etwas machen möchten. Der Schlagzeuger und der Gitarrist musizierten damals schon öfters gemeinsam. Sie hatten dabei die Idee, eine Band mit einer Geige oder einem Cello aufzuziehen. Eine Vision war erst, nur zu zweit zu spielen und nur Aufnahmen zu machen, keine Live-Auftritte. Die beiden hatten auch die Absicht, alle Instrumente selber einzuspielen. Piri: „Beim Gesang merkten wir, dass wir doch jemanden suchen sollten, der uns unterstützt. Zudem begannen wir auch noch andere Bandmitglieder zu suchen.“

Infinitas stand vor gut vier Jahren, am 3. Dezember 2011, vor ihrem ersten Konzert im Espas in Brunnen. Dabei waren damals Selv, Piri, Pauli, die Sängerin Isabelle Sigrist und ihre Schwester Joelle an der Violine.
Seitdem ist viel Wasser durch die Muota runter geflossen und bei den Melodic Trash Metalern hat sich auch einiges getan. So wurde am 27. Februar diesen Jahres eine EP-CD mit drei eigenen Songs mit dem Titel „Self-Destruction“ herausgegeben. Dem Bote der Urschweiz war das auch ein Beitrag wert: „Die EP der Muotathaler Melodic Trash Metal-Band lockt mit düsterem Sound – und einer neuen Sängerin.“

die drei beim interview
Infinitas, von links: Andrea Böll, Piri Betschart und Selv Martone
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was hat sich seit 2011 alles getan?
Wir sind älter geworden, absolvierten viele Konzerte und veröffentlichten eine EP-CD. Wir haben uns sicher verändert und dabei auch unsere Linie gefunden. Im Vergleich zu damals wissen wir ziemlich genau, wohin es gehen soll und was wir wollen. Die Besetzung hat sich auch verändert.

Wie viele Konzerte habt ihr bisher gespielt?
Es waren um die 20 Konzerte. Dazwischen spielten wir während anderthalb Jahren keine Gigs, weil wir auf der Suche nach einer neuen Sängerin waren. In diesem Jahr absolvierten wir neun Konzerte.

Seit etwa zwei Jahren singt Andrea Böll bei Infinitas. Die Sängerin ist aus dem Aargau und zog sogar nach Goldau. Aber wie sie erklärt, nicht nur wegen der Band. Andrea sang vorher während einigen Jahren in einer Bluesrock-Band. Sie erfuhr über Facebook, dass die Muotathaler Band eine Sängerin sucht. Als Erstes fragte sie: Wo denn dieses Muotathal liegt? Ein Blick auf den SBB-Fahrplan brachte die Erkenntnis: Zweieinhalb Stunden Fahrt dorthin. Sie fand erst: Nein Danke.
Die Aargauerin ging dann trotzdem ins Thal, in den Proberaum von Infinitas. Es folgten weitere Besuche und eine Bedenkzeit, verbunden mit einem Sprachaufenthalt. Andrea sagte nach diesem zu. Am Anfang war pendeln angesagt. Sie entschied sich nach der abgeschlossenen Fachmatura, an die Pädagogische Hochschule in Zug zu gehen. Andrea zog zuhause aus und übersiedelte nach Goldau.

Ihr spielt Melodic Trash Metal. Hat sich euer Stil seit den Anfangstagen etwas gewandelt?
Ein wenig schon. Diejenigen, welche uns kennen, hören den Unterschied zwischen alten und neuen Liedern. Man kann sagen, es ist harte Kost mit melodiösen Elementen. Die neuen Sachen sind nicht mehr so komplex wie die älteren, die zudem auch länger waren. In den neueren Songs ist gewissermassen mehr Struktur drin.

Der Stil „Melodic Trash Metal“ gibt es in dem Sinn nicht. Es gibt laut Infinitas zwar auch andere Bands, die ihre Musik so bezeichnen. Trash bedeutet für sie die harten Elemente, wie sie Metallica oder Slayer spielen.

Wir sind trotzdem nicht so hart wie diese Bands. Weil bei uns eine Frau singt und eine Geige zum Einsatz kommt, macht es das ganze melodiöser – eben „melodic“. Aus diesem Grund nahmen wir diese beiden Begriffe zusammen. Wenn wir „unplugged“ spielen, haben wir sogar „Folk-Elemente“ in unserer Musik drin. Das mit den Stilbegriffen ist sowieso schwierig zu definieren. Überdies ist es auch Ansichtssache.

Wie sieht’s mit der Bandbesetzung aus, was hat sich verändert?
Seit der Band-Gründung gab es wie bereits erwähnt eine Besetzungsänderung beim Gesang. Da unsere Violistin Joelle Sigrist kürzlich ausgestiegen ist, sind wir auf der Suche nach Ersatz. Weil wir während dem Winter sowieso neue Songs schreiben wollen, fand sie, dass es eine passende Gelegenheit sei, bei uns aufzuhören. Im Oktober hatten wir noch drei Konzerte, und nach dem letzten teilte sie uns mit, dass sie aussteigt.
Wir haben sehr spannende Interessenten, welche bei uns auch schon vorspielten. Mitte Januar werden nochmals zwei vorspielen. Diese wollen wir uns noch anhören, bevor wir weitere Schritte tätigen werden. Deswegen sind momentan auch keine Konzerte geplant.

Welches war bisher der grösste Erfolgsmoment in eurer Bandgeschichte?
Andrea: Als wir im Galvanik in Zug am selben Tag auf der gleichen Bühne spielen durften wie Bloodbound und Alestorm.
Selv: Als bei einem Konzert wildfremde Leute zuvorderst an der Bühne mit einem T-Shirt von uns standen und zum Teil bei den Songs mitsangen. Eine Bestätigung unserer Musik.
Piri: Das Ziel ist erreicht, wenn man irgendjemanden mit unserer Musik berühren kann und die Leute am Schluss zufrieden sind.

Ein Meilenstein von Infinitas ist sicher die Veröffentlichung der EP-CD. Als Andrea neu zur Band stiess, war die Band inmitten der Aufnahmen.

Gibt’s ein besonderes Erlebnis seit Bestehen der Band?
Die drei überlegen länger. Andrea: Es gäbe einige. Spontan kommt mir das Aufnahmefest nach meiner bestandenen Probezeit in den Sinn. Alle lachen.

Es ist üblich bei Infinitas, dass bei einem Neueinstieg ein Mitglied erst eine dreimonatige Probezeit absolviert. Zum Schauen ob es passt, und es für beide Seiten Spass macht. Laut den Musikern haben beide Seiten die Möglichkeit, ohne schlechtes Gewissen wieder auseinander zu gehen.

Wie war das Feedback auf eure EP „Self-Destruction“?
Das Feedback auf den Inhalt bezogen war gut. Die meisten meinten aber, nur drei Songs auf einem Tonträger sei zu wenig. Wir sollen doch eine „richtige“ CD aufnehmen. Unser Ziel haben wir so erfüllt. Wir wollten etwas herausgeben, um zu zeigen, wie wir klingen. Die Leute wollen mehr, es war für uns eine Genugtuung.

Die EP wurde in Eigenregie im Proberaum aufgenommen und abgemischt. Das Mastering liess man in einem Studio machen.

modernste technik vorhanden
Moderne Aufnahmetechnik im Infinitas-Proberaum
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Im Bote-Beitrag im Februar zum Release der besagten EP konnte man lesen, dass jeder Song einem Dämon gewidmet ist. Wie kam es dazu?
Selv: Als Piri und ich die Band gründeten, sagten wir uns, dass wir ein Konzept über alle Songs haben möchten. Erst wollten wir uns auf einen bestimmten Zeitraum wie dem Mittelalter beschränken. Dabei kamen wir auf die Dämonen-Geschichte, und dass jeder Song nach einem Dämon benannt werden soll. Es gibt viele verschiedene Dämonen und jeder hat gewisse Eigenschaften. Wir erfinden diese Dämonen nicht, und spüren sie zum Beispiel aus einem Lexikon oder im Internet auf.
Schlussendlich geht es in den Songs nicht nur explizit um Dämonen, sondern auch um deren Eigenschaften. Meistens ist es auch eine persönliche Geschichte, oder etwas das einem beschäftigt, was wir darin verpacken. Die Texte sind meist etwas verschlüsselt, damit man nicht sofort darauf kommt, um was es geht. In einigen Songs gehen wir auch gleich auf die Geschichte eines Dämons ein. Die Dämonen sind alle geschichtlich überliefert und dokumentiert.
Wir sind aber keine Okkultisten und sind religiös neutral. Für uns waren diese Geschichten interessant und uns gefiel dieses Konzept.

Andrea: Übrigens: Es gibt auch gute Dämonen. Zum Beispiel gehören Engel unter dem Oberbegriff Dämonen auch dazu.

Wie entstehen bei euch Songs?
Piri: Selv schreibt die Songs und kommt mit einem neuen, wenn er praktisch fertig ist. Dann schauen wir den Song mit dem Schlagzeug an, und bringen ihn in eine Endversion. Diese Version zeigen wir der ganzen Band und beginnen an Details zu feilen.
Andrea: Selv gibt die Zutaten in die Suppe und wir geben noch das eine oder andere Kräutlein dazu.

Selv schreibt einige Texte, einige Piri, sowie einige auch Andrea. Die Gesangsmelodien steuert teilweise Andrea bei. Apropos Gesang: Andrea ist die Lead-Sängerin. Piri singt bei den Chören mit, was Joelle, die Violinistin, auch getan hat. Infinitas hat aktuell acht Songs im Set, eine gute Stunde Spielzeit.

Einige Lieder, welche wir mit Isabelle, der ersten Sängerin, spielten, haben wir mit Andrea noch nicht angeschaut. Mit Isabelle hatten wir damals ein Set, welches etwa 90 Minuten dauerte. Zudem: Bei den angesprochenen acht Songs sind vier neue darunter, welche wir mit der ersten Sängerin noch gar nicht spielten. Die Songs dauern um sechs bis sieben Minuten.

Die Band hat auch ein Unplugged-Set mit etwa sieben Songs, welches eine Zeitdauer von gut 30 Minuten aufweist. Dabei spielen sie zum Teil die gleichen Songs wie beim üblichen Set, etwas abgeändert in einer Akustikversion. Es sind aber auch spezielle Songs wie Instrumentalsongs dabei.
Infinitas hat nur eigene Songs im Repertoire, Covers sind keine im Programm.

Infinitas live
Infinitas live im Kult-Turm Brunnen SZ
Bildquelle: Infinitas

In Bälde folgt Teil zwei meines Proberaumbesuches bei Infinitas. In jenem sprach ich mit den drei über die momentane Konzertpause, ob sie auch schon daran gedacht haben ihre Stilrichtung zu verändern und an was sie derzeit arbeiten. Weiter geht es um die Zukunftspläne, was sie über die Musikszene im Raum Schwyz denken, wie die Muotathaler auf ihre Musik reagieren, oder wie viel Zeit sie in die Band investieren. Und: Was sie sich für die Zukunft wünschen, und ob es ein Wunsch wäre, dass plötzlich der totale Erfolg einschlagen würde.

feldwaldwiesenblogger

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