Historisches vom Schwingsport: Was vor 100 Jahren in der Schwingerzeitung stand

Das vergangene Jahr wird in der Geschichte der schweizerischen Nationalspiele unzweifelhaft nicht zu den sogenannten „glänzenden Entwicklungsperioden“ zählen können; wenigstens nicht für solche, die es sich gewohnt sind, Institutionen nach deren Mitglieder – oder jährlichen Festzahl zu bewerten.

Obiger Schachtelsatz stammt nicht etwa aus der kürzlich erschienenen Schwingerzeitung. Sondern aus dem Editorial jener Ausgabe vom 31. Januar 1916 (!). Das ist nun fast auf den Tag genau 100 Jahre her. Ganz korrekt hiess das Blatt damals „Eidgenössische Schwinger- und Hornusser-Zeitung“. Als Ergänzung fügten die Macher unter das Titelbild den hehren Zusatz: „Zeitschrift zur Hebung und Verbreitung der nationalen Spiele“.

Wie am 14. Dezember in einem Blogbeitrag angekündigt, „Besuch im Archiv des Eidgenössischen Schwingerverbandes“, war ich vor einer Woche erneut für ein paar Stunden im besagten ESV-Archiv. Dabei stellte ich Recherchen in alten Schwingerzeitungen an. Die Zeit verging im Nu, und ich konnte einiges an Material sammeln. Meine Absicht ist es, in nächster Zeit in loser Reihe Beiträge aus und über alte Schwingerzeitungen aufzuschalten. Zudem bedanke ich mich beim Archivar Albrecht Siegenthaler, der mir den Zutritt zu dem „historischen Keller“ ermöglichte.

„Die Schwingerzeitung“, wie sie meist salopp genannt wird, war 1916 das „Offizielle Organ des eidgenössischen Schwingerverbandes und dessen Teilverbänden, sowie des eidgenössischen Hornusserverbandes“. 1925 stiess dann auch der eidgenössische Jodlerverband hinzu. Fortan wurden ihnen auch ein paar Seiten eingeräumt.
Man beachte auch den Abonnementspreis von drei Franken – wohl verstanden: jährlich. Die Zeitung erschien monatlich zweimal und war mindestens acht Seiten stark.

Die Redaktion der Schwingerchronik betreute 1916 René Spörri (Zürich). Deshalb nehme ich an, dass das Vorwort in der besagten Ausgabe vom 31. Januar 1916 von ihm verfasst wurde. Denn es wurde leider kein Autor dazu vermerkt. Nachfolgend gebe ich den Editorial-Text, welcher eingangs begann, unverändert zum Nachlesen wider.

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Bildquelle: ESV-Archiv/feldwaldwiesenblogger

Nichtsdestoweniger möchten wir persönlich dieses „stille“ Jahr als eines der für den Eidgenössischen Schwingerverband bedeutungsvollsten und lehrreichsten bezeichnen; bedeutungsvoll, weil es vor allem ein Prüfungsjahr im wahrsten Sinne des Wortes gewesen ist, und lehrreich, weil es Überraschungen gebracht hat, an die wir in normalen Zeiten nicht gedacht hätten, die uns jetzt aber Gelegenheit zu nützlicher künftiger Vorsorge in die Hand geben.

Ein Prüfungsjahr, das spricht die grosse Bedeutung der Kriegsepoche 1915 für uns am besten aus. In den Zeiten der Prüfung und der Not, da erst treten die wahren menschlichen Eigenschaften zum Vorschein und nehmen ihre verdiente Gestalt, sei es der Liebe und Treue, sei es aber auch der Herzlosigkeit und Schwachheit, an. Da erst zeigt es sich, ob einst dem Vaterland und hohen Grundsätzen abgelegte Versprechungen wirklich etwas wert sind, oder ob sie sich nur als die lügenhaften Produkte eines hochtönenden, äusserlichen Strebertums enthüllen. Zum Unglück sind wir eigentlich erst und einzig dazu befähigt, unsere wie die Eigenschaften Fremder auf ihren Festigkeitsgrad hin zu prüfen, respektive kennen zu lernen, – eine Tatsache, die wir zu Zeiten des Erfolges nie vollständig aus den Augen verlieren sollten, wenn die jähen, unglücklichen Wechselfälle des Lebens in uns gewappnete und ihrer Sache bewusste Menschen treffen müssen.

Das vergangene Jahr ist also deshalb für uns bedeutungsvoll gewesen, weil es gezeigt hat, was wir wirklich sind und in Zukunft sein werden.

Was wir sind. Woran hängt das im Grunde genommen einzig ab? Wir glauben nicht besser antworten zu können: von der richtigen Erkenntnis unserer hohen vaterländischen Mission. Darin liegt alles. Alle Herzen, dem gleichen Ziel zugewendet, fühlen gemeinsam, das heisst sie bürgen für die in allen Unternehmungen so wichtige Einheit der Handlung. Ist aber das erwähnte Ziel zudem ein hohes und edles, so verschliesst es sich dem unheilvollen Einfluss jeglicher egoistischer Gewinn- und Ehrfurcht, und der Weg zu seiner Erreichung steht frei. So allein besitzt eine Sache Leben und ihre Entwicklung wird mit Riesenschritten vorwärts eilen.

Schauen wir zu, ob wir im vergangenen Jahre bewiesen haben, dass uns die richtige Auffassung unserer Aufgabe innewohnt. Wir glauben, diese Frage getrost bejahen zu dürfen.

Gewiss haben wir nicht viele Anlässe, keine grossen Feste und verhältnismässig wenige Kurse und Übungen veranstaltet. Daran haben jedenfalls die gegenwärtigen schlechten, gedrückten Zeiten und nicht zuletzt der ewige Militärdienst viel beigetragen. Wenn aber anderseits wirklich etwas veranstaltet worden ist, so haben, zur Ehre der meisten Schwingerfreunde sei’s gesagt, alle Beteiligte, sowohl Organisatoren wie Aktive und Zuschauer, ihren Mann im Dienste der „grossen Sache“ wacker gestellt, wobei wir nur an die prächtige Durchführung der grossen Feste von Rüti, Möriken, Wabern etc. Anspielung machen, an denen notabene keine Preise und nur sehr wenige Kränze zur Verteilung gelangten. Man beliebe dabei nie zu vergessen, unter welch‘ schwierigen moralischen wie materiellen Bedingungen wir überhaupt existieren. Denken wir an die Gegensätze, die zwischen unseren und den Idealen der grossen Alltagsmenge bestehen, um zu erfassen, dass es einer gewissen Charakterstärke jedes einzelnen von uns bedarf, unsere Ideale innerhalb des ganzen Volkes offen vertreten zu wagen. Wie steht zudem unsere Arbeitsweise in himmelweitem Unterschiede zu derjenigen anderer Institutionen. Wo anderorts eine beinahe militärische Instruktionsweise Trumpf zu werden beginnt, stehen wir im Zeichen völliger Freiwilligkeit und jeglicher Zwangsausschliessung. Um schliesslich noch die finanzielle Seite zu berühren, heben wir hervor, dass wir keine staatlichen Subventionen beziehen (übrigens auch nie zu beziehen wünschen, weil das dem Ruin des idealen Wertes unserer Bestrebungen gleichkäme) und dass wir, mit Anspielung auf unser Zeitungsunternehmen, nie zu der Forderung von Zwangsabkommen von Seiten unserer Mitglieder gelangen werden.

Dies alles in allem ergibt denn doch die unzweideutige Erkenntnis, dass es nichts sagen will, ob einer Vereinigung so und so viele Tausend Mitglieder mehr oder weniger angehörten; sondern dass die Hauptsache die ist, was die ihr wirklich angehörenden Mitglieder für ein Geist beseelt und unter welchen Bedingungen dieser Geist nach aussen hin vertreten werden muss.
Um nur ein Beispiel anzuführen, ist es einleuchtend, dass professionelle Verbände Hunderttausende von Mitgliedern besitzen können, ohne einen geringsten idealen Wert in sich zu enthalten.

Das sind für uns sehr ermutigende Erfahrungsgrundsätze und daran sollten wir festhalten – ohne dafür im geringsten etwas unserer kritischen, immer beobachtenden und verbessernden Fähigkeiten zu verlieren. Wir meinen nur, dass es von Zeit zu Zeit nötig ist, statt immer vom kritisierenden Standpunkte aus zu beurteilen, auch die schönen und uns vereinigenden Züge ans Licht zu führen, damit wir uns untereinander freuen lernen über die hohen Ziele, die wir zu erreichen uns bestreben, und über unsere bodenständigen, heimeligen, lieben vaterländischen Spiele.

Eine solche Freude an uns allen soll dem kommenden Jahre 1916 eine Gewähr für unseren unerschütterlichen Willen, unseren nationalen Spielen zum Schutze des Heimatlandes allgemeine Achtung und Verbreitung zu verschaffen, bieten. Vielleicht werden dann die nächsten Zeiten nicht weniger ruhig und unansehnlich wie das vergangene Jahr verfliessen, aber die innere Festigkeit des Baues, dem wir unsere Liebe und Arbeit weihen, wird dafür umso grösser, schöner und beständiger sein.

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Bildquelle: ESV-Archiv/feldwaldwiesenblogger

Obige Zeilen klingen teilweise umständlich und kompliziert. Der genaue Sinn einiger Textstellen ergab sich bei mir erst nach mehrmaligem Durchlesen. Wie man unschwer feststellen kann, hat sich in den letzten 100 Jahren die deutsche Sprache ziemlich gewandelt. Schrieb man damals scheinbar ellenlange und verschachtelte Sätze, so liegt heutzutage die Würze in der Kürze. Zudem umschrieb man damals das Gemeinte mit unzähligen Adjektiven und Anhängseln – ja, selbst die Zeilen in der Schwingerzeitung klangen ein wenig nach grosser Literatur.

Nichtsdestotrotz erkennt man aber auch: 1916 war die Schweiz umgeben vom Ersten Weltkrieg (1914 – 1918). Die Stimmung getrübt, wie man an den Worten des Autors anmerkt. Aber dennoch voll Zuversicht und mit guten Absichten, aus Freude an „unseren bodenständigen, heimeligen, lieben vaterländischen Spielen“. Es ging damals schon um Ideale und Freiwilligkeit, auch wenn die Zeiten nicht die besten waren. Deshalb habe ich nachfolgend zum besseren Zeit-Verständnis aus Wikipedia die wichtigsten geschichtlichen Eckdaten von Januar 1916 zusammengetragen.

1. Januar: In der deutschen Kolonie Kamerun wird Jaunde von französischen und britischen Truppen besetzt.

5. Januar: Nach dem siegreichen Serbienfeldzug der Mittelmächte und der Österreichisch-Ungarischen Besetzung Serbiens beginnt der österreichisch-ungarische Feldzug in Montenegro unter Stephan Sarkotić von Lovćen.

9. Januar: Die letzten britischen Truppen müssen die türkische Halbinsel Gallipoli räumen. Der britische Versuch, die Dardanellen zu erobern, ist gescheitert.

13. Januar: Österreichische Truppen erreichen die montenegrinische Hauptstadt Cetinje. König Nikola setzt sich ins italienische Exil ab.

23. Januar: Die Österreicher besetzen Skutari.

25. Januar: Das mit Serbien verbündete Montenegro muss kapitulieren und unterzeichnet einen Waffenstillstand. Bei dem Feldzug hat das Land rund 40 % seiner Armee und über 10 % seiner Gesamtbevölkerung verloren.

29. Januar: Das Militärluftschiff LZ 79 wirft im Ersten Weltkrieg über Paris Bomben ab. Auf der Rückfahrt erhält der Zeppelin einen Treffer im Heck und muss im deutsch besetzten Belgien notlanden.

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Interview mit Ruedi Schläfli, dem TK-Chef der Südwestschweizer Schwinger: „Wenn kein Druck da ist, sind auch keine Ziele mehr vorhanden.“ (Teil 2)

Beim Teil 1 meines Interviews mit Ruedi Schläfli besprachen wir unter anderem, was ihn momentan am meisten beschäftigt und ob ihn die bisherigen Trainings-Zusammenzüge zuversichtlich stimmen. Weiter, woran seine Schwinger noch am meisten arbeiten müssen und ob einer oder gar mehrere Kranzgewinne am Eidgenössischen realistisch sind. Was Ruedi eindeutig bejahte: „Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen“. Der ehemalige Kranzschwinger erzählte mir zudem von seinem Job als TK-Chef der Südwestschweizer, wie sie ihre Schwinger fördern und das es unter ihrem schwingerischen Nachwuchs einige vielversprechende Talente hat.

Ruedi wurde auch etwas philosophisch und erklärte: Es kann einfach nicht sein, dass Estavayer2016 wohl ein Budget von 25 Millionen Franken hat, die Schwinger aber sich vorbereiten wie vor dreissig Jahren. Die älteren Schwingerfreunde haben das wohl noch nicht richtig verstanden. Für einige ist der Begriff Sponsoren manchmal ein Schreckgespenst. Aber Sponsoren bringen nun mal das Geld. Ohne dieses Geld können wir aber unmöglich so einen Grossanlass wie das Eidgenössische stemmen. Mit Recht dürfen wir als kleiner Verband stolz darauf sein, einen so grossen Anlass wie das Eidgenössische auf die Beine zu stellen. Den grössten Sportanlass der Schweiz. Man darf zu recht auch auf den Erfolg, den der Schwingsport in den letzten Jahren aufweisen kann, Stolz sein. Dazu beigetragen haben nebst den Sponsoren auch die Medien. Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert. Was früher war, war super. Aber man muss nun mal mit der Zeit gehen, und die hat heute andere Anforderungen und Ansprüche als früher. Zudem wurden im Eidgenössischen Schwingerverband die entsprechenden Leitplanken gesetzt, was geht und was eben nicht. Das haben die Medien und die Sponsoren nun auch verstanden.

Zur Erinnerung: Das Gespräch mit dem TK-Chef fand vor gut zwei Wochen während dem dritten Trainingszusammenzug der Südwestschweizer Schwinger in Oron-la-Ville VD statt.

Ruedi bei der Trainingsvorbereitung
Konzentrierte Trainingsvorbereitung von Ruedi Schläfli
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Sind bei euren Trainings-Zusammenzügen auch Übungsleiter aus der Deutschschweiz dabei?
Beim Trainings-Zusammenzug im Dezember war der ehemalige Berner Spitzenschwinger Christian Oesch dabei. Oesch wird beim kommenden Trainingslager wieder dabei sein.

Welche Schwinger siehst du als Leader in deinem Teilverband?
Sicher ein Leader ist Benjamin Gapany, ebenfalls Michael Nydegger. Als Eidgenosse ist er einfach ein Leader. Natürlich auch jeder Schwinger, welcher einen Kranz an einem grossen Anlass macht. Beispielsweise Michael Matthey, welcher letztes Jahr am Innerschweizerischen den Kranz holte. Weiter auch Pascal Piemontesi oder William Häni. Diese Schwinger sind automatisch Leader und übernehmen auch eine Vorbildfunktion in ihren Klubs. Sie gehören zur Spitze im Südwestschweizerischen Schwingerverband.

Sind eure Leader fit? Habt ihr auch Verletzte in eurem Kader zu beklagen?
Unsere Leader sind mehrheitlich fit und glücklicherweise sind nur kleine Blessuren zu beklagen. Benjamin Gapany ist heute nicht anwesend, da er sich einen Fuss verstauchte. William Häni hat Probleme mit einer Schulter. Michael Nydegger ist nach anderthalb Jahren wieder im Training. Verletzte haben wir zurzeit keine zu beklagen.
Wir dürfen nicht zu viele Verletzte haben, denn unsere Spitze ist leider nicht allzu breit. Aber: Wenn bei den anderen vier Teilverbänden ein oder mehrere Leader fehlten, konnte man beobachten, dass es für sie auch schwieriger wurde.

Wie viele Trainings-Zusammenzüge waren es bisher? Wie viele werden es noch bis Estavayer2016 sein?
Bisher waren es zwei, heute findet der dritte statt. Bis zum Eidgenössischen wird jeder Monat ein Zusammenzug erfolgen, jeweils am zweiten Samstag eines Monats. Zusätzlich haben wir zwei Trainingscamps geplant. Diese werden je drei Tage dauern. Anfangs April in Estavayer-le-Lac wird das eine sein. Das andere wird zwei Wochen vor dem Eidgenössischen quasi ein Höhentraining in Leukerbad VS, mit dem Team „Estavayer“.
Geplant sind bei einigen Zusammenzügen zusätzlich zum Training am Samstag auch der Besuch von Rangschwingfesten am Sonntag. Um spezifisch die Intensität und den Rhythmus für das zweitägige Eidgenössische zu simulieren. Beim Trainingslager in Estavayer-le-Lac wird Freitag und Samstag trainiert. Am Sonntag bestreiten die Schwinger dort den Rangschwinget.

Spürst du persönlich Druck von Seiten des Verbandes, der Südwestschweizer Schwingerfreunde oder ganz allgemein aus der Romandie?
Natürlich, der Druck ist da. Das ist aber auch normal. Die Spannung ist aber schon seit ein paar Jahren da, eigentlich seit Burgdorf. Erst recht nun, als wir die Kampagne letzten Oktober gestartet haben. Aber umso mehr natürlich jetzt, zu Beginn des Eidgenössischen Jahres. Das ist ein positiver Druck, den wir an die Schwinger und an die Zuschauer rüberbringen wollen.
Ein Erwartungsdruck ist zudem auch von Seiten der Medien vorhanden. Auch die Westschweizer Medien haben nun das Eidgenössische aufgegriffen, etwas später zwar als die Deutschschweizer. Es handelt sich dabei um Zeitungs- und Radiointerviews sowie um Fernseh-Reportagen. Es wird nun wöchentlich mehr. Ein Beispiel: Marc Guisolan stellt monatlich einmal seine Trainigsvorbereitung hinsichtlich Estavayer2016 in der Freiburger Zeitung „La Liberté“ vor.
Der Druck muss einfach vorhanden sein. Denn: Wenn kein Druck da ist, sind auch keine Ziele mehr vorhanden.

intensives training
Intensives Training beim dritten Zusammenzug der Südwestschweizer Schwinger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hast du das Gefühl, dass sich eure Schwinger wegen dem Eidgenössischen zu stark unter Druck gesetzt fühlen?
Da sind wir am Abtasten, um zu erkennen, wie der Druck bei den Schwingern ist. Wir schauen auch, dass sie nicht mit einem Druck zum Training kommen, der sie lähmt. Wir versuchen den Schwingern beizubringen, wie sie mit Druck umgehen können. Der Druck muss auch Doping sein! Wir werden mit unseren Schwingern auch Einzelgespräche führen, wenn es während der Saison nicht läuft und es notwendig wird.
Der positive Druck kommt auch vom Trainieren. Je mehr du trainierst, umso besser bist du auch im Kopf parat. Wir müssen, wie bereits erwähnt, mental stärker werden.
Wir sagen uns nicht, dass wir der schwächste Verband sind, sondern dass wir mithalten können. Wenn du das im Kopf verinnerlichst, dann ist der Druck schon anders. Auch bei starken Gegnern dürfen sich unsere Schwinger nicht mehr sagen: Gegen den habe ich gar keine Chance. Unsere Athleten sollen in den Sägemehlring gehen und sich sagen: Den bezwinge ich, ich bin nicht weniger stark als mein Gegner.

Gehört zu eurem Staff auch ein Mentaltrainer?
Nein, vorläufig nicht. Wir werden Leute haben, die zu unseren Trainingszusammenzügen kommen werden und auf das Mentale aufmerksam machen. Darunter werden auch Sportler sein, die an Olympischen Spielen teilnahmen, um unseren Schwingern Impulse und positive Energie rüber zu bringen. Das werden Überraschungsgäste sein, und die Athleten wissen vorher nichts davon.
Ich sagte den Schwingern bereits im vergangenen Oktober, dass sie auch selber schauen sollen, was sie diesbezüglich brauchen. Denn jeder ist anders und hat andere Bedürfnisse. Bei Fragen werden wir ihnen selbstverständlich weiterhelfen und Personen vermitteln.
Wir haben wohl Physiotherapeuten, Masseure und einen Arzt im Team, aber keinen Mentaltrainer.

Was meinst du, ist die etwas gemütlichere Lebensweise der Romands im Vergleich mit den vier anderen Teilverbänden aus der Deutschschweiz ein Vor- oder ein Nachteil?
Beides. Wir haben nun mal unsere lateinische Mentalität und Kultur. Aber: Die Deutschweizer schätzen auch das Gemütliche der Romands. Wir müssen trotzdem mit unseren Schwingern trainieren und arbeiten, um Erfolg zu haben. Schon in der Vergangenheit hatten wir diverse erfolgreiche Schwinger. Wir sind nicht anders. Wir sind vielleicht ein wenig anders und haben eine südlichere Mentalität. Wieso wohl fahren die Deutschschweizer für die Ferien in den Süden? Sie suchen dort die ruhigere und südländische Lebensweise.
Wir wollen unsere Lebensweise weiterhin pflegen, und diese Romand-Stimmung auch beim Eidgenössischen in Estavayer-le-Lac schaffen.

Was denkst du über die „Neuen Richtlinien für Einladungsbegehren“?
Ich bin direkt mit dem involviert, da ich auch in der Technischen Kommission vom ESV bin. Es musste einfach etwas gehen. Wir von der Technischen Kommission forderten diese neuen Richtlinien. Es fanden dabei zum Teil harte Gespräche statt. Ich finde, das ist eine gute Sache, und es wird sich mit der Zeit alles einspielen. Natürlich, ich verstehe die Vertreter der traditionellen Schwingfeste. Es wird am Anfang sicher nicht einfach sein. Ich bin überzeugt, dass diese Feste aber als solches überleben werden. An der ESV-Abgeordneten-Versammlung im März wird es diesbezüglich sicher zu Diskussionen kommen. Man muss aber auch sehen, dass die neue Regelung nicht viel anders ist als die alte. Die Schwingklubs und die Organisatoren müssen sich an die neuen Regeln gewöhnen. Aber in zwei oder drei Jahren spricht niemand mehr von dieser Sache.

Die neuen Richtlinien betreffen zwar keines unserer traditionellen Schwingfeste in der Westschweiz. Trotzdem haben sie auch für unseren Teilverband Auswirkungen. So haben beispielsweise unsere beiden stärksten Kantonalverbände, die Freiburger und die Waadtländer, dieses Jahr an ihren Kantonalen keine Gäste aus anderen Teilverbänden.

Wir hatten in der Vergangenheit auch das Problem in der Südwestschweiz, dass einige Schwingklubs keine Rangschwingfeste mehr durchführten. In Zukunft müssen sie das aber wieder tun, wenn sie Gäste an Kantonalfesten haben möchten. Die Rangschwingfeste sind überdies wichtig für das Weiterleben eines Schwingklubs. Ich sagte unseren Schwingklubs deshalb: Jetzt müsst ihr Schwingfeste organisieren!

Es ist nun so, dass die organisierenden Schwingklubs innert fünf Jahren drei Rangschwingfeste mit Gästen durchführen müssen. Um dabei eine Beziehung zu anderen Schwingklubs aufzubauen, damit sie bei der Durchführung eines Kantonalen diese Gäste einladen können.

Dies kommt auch den Schwingern zu Gute, die pro Jahr mindestens vier Rangschwingfeste besuchen müssen, wollen sie das Jahr darauf ein Kranzfest ausserhalb der Westschweiz besuchen.
Man konnte in den letzten Jahren einen regelrechten Schwinger-Tourismus beobachten. Vor allem die Spitzenschwinger besuchten oftmals fast nur noch Kranzfeste. Das wird sich in Zukunft nun ändern. Auch diese Schwinger kommen von einem Klub, und nicht von einem Verband.

Was wünscht du dir für 2016?
Einfach Freude am Schwingsport! Mehr verlange ich nicht. Die Kameradschaften pflegen, welche ich schon seit mehr als 40 Jahren in diesem Sport habe. Das ist mir das allerwichtigste.
Natürlich, in sportlicher Hinsicht ist es Estavayer. Aber wir müssen Freude am Schwingsport haben. Ich sage stets: Wir verdienen unser Leben nicht mit dem Schwingsport. Wir machen es aus Leidenschaft. Ich hoffe, dass trotz dem vielen Training auch die Schwinger Freude am Schwingsport haben. Und dass wir nächstes Jahr sagen können: 2016 war ein tipptoppes Jahr.

Ruedi Schläfli
Ruedi Schläfli, TK-Chef der Südwestschweizer
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ruedi ergänzte zum Abschluss: „Ich hatte letztes Jahr meinen Schwingern gesagt: Ihr müsst euch nicht mehr verstecken. Jetzt dürft und müsst ihr zeigen, was ihr könnt, und auch auf Risiko schwingen.“
Ich finde, diese Aussage ist nicht nur mutig. Sie strotzt auch vor Selbstvertrauen. Denn dieses Selbstvertrauen ist für die Südwestschweizer Schwinger immens wichtig. Auf sie wartet das eigene Eidgenössische, bei dem ihnen wohl alle Schwingerfreunde von Herzen einen oder mehrere Kränze gönnen.
Ich bedanke mich bei Ruedi Schläfli für das aufschlussreiche und sympathische Gespräch. Ihm, seinem Staff und den Südwestschweizer Schwingern wünsche ich alles Gute, viel Erfolg und vor allem beste Gesundheit für die schwingerischen Herausforderungen des Jahres 2016.

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Warum ich für die Durchsetzungsinitiative bin

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Bildquelle: srf.ch

Ich bin für die Durchsetzungsinitiative. Nach längerem Ringen habe ich mich nun dafür entschieden. Diese Zeilen schreibe ich nicht, um der SVP einen Gefallen zu tun. Sondern uns, den Bürgern. Und auch für die überwiegende Mehrzahl der anständigen Ausländer und Flüchtlinge.

Ich bin der Meinung, dass jetzt mit einer harten Hand durchgegriffen werden muss. Die renitenten und kriminellen Subjekte müssen ohne Wenn und Aber zur Rechenschaft gezogen und ausgeschafft werden. Wenn nämlich jetzt nicht Einhalt geboten wird, reicht in ein paar Jahren die harte Hand nicht mehr.

Die Stimmung könnte kippen, und eine grosse Anzahl Schweizer Bürger ins rechtsradikale Lager abrutschen. Selbstjustiz wäre die Folge. Was zurzeit in Deutschland abgeht, sollte uns nur am Rand kümmern. Die Zeichen der Zeit stehen bei unserem nördlichen Nachbarn leider wieder auf Sturm.

Um solches zu verhindern, muss erstens der Volkswillen akzeptiert und zweitens ausgeführt werden. Was nützen da irgendwelche Initiativen, wenn sie nicht korrekt umgesetzt werden? Die Durchsetzungsinitiative musste leider her…

Für ein Nein argumentieren die Gegner teilweise mit hanebüchenen Fakten. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass ich mich dabei nicht bis ins kleinste Detail auskenne. Aber: Secondos werden bei harmlosen Vergehen sicher nicht einfach so des Landes verwiesen, wie oft behauptet wird. Von wegen Apfeldiebstahl beim Nachbar, und schon wird der sonst brave „Zweit- oder Dritt-Generatiöntler“ ausgeschafft. Da wird übertrieben und gelogen, dass sich die Balken biegen.

Gerade jetzt, wo nordafrikanische und arabische Flüchtlinge ins Land strömen, müssen diese vor ihren eigenen schwarzen Schafen geschützt werden. Darunter befinden sich, wie in der Silvesternacht zu Köln gesehen, Typen, die hier tun und lassen wollen, was ihnen gerade beliebt. Dazu gehören Untaten, welche beim Grapschen beginnen und irgendwo bei Mord und Totschlag enden. Dem muss rechtzeitig ein Riegel geschoben werden.

Verhaltens- und Anstandskurse für diese jungen Männer? Was soll das bringen? Die lachen doch ob unserer verweichlichten Justiz und unseren Gesetzeshütern. Und: Sie wissen ganz genau, wie sie sich zu benehmen hätten. Die ausfälligen Flüchtlinge und Ausländer reizen unser System bis zum geht nicht mehr aus. Wenn wir wollen, dass die uns nicht eines Tages auf der Nase rumtanzen, muss jetzt gehandelt werden.

Gestern konnte man in der Tagesschau sehen, dass in Paris Bürger jüdischen Glaubens empfohlen wird, auf das Kippa-Tragen zu verzichten. Für ihren Schutz. Aber nicht etwa Schutz vor den Franzosen, sondern vor den extremistischen muslimischen Ausländern. Das ist in meinen Augen praktisch eine Bankrott-Erklärung von Seiten des französischen Staates.

Vor solchen Folgen habe ich ehrlich Angst. Ich möchte nicht, dass es in der Schweiz so weit kommt. Hier sollen alle Bürger, gleich welchen Glaubens oder Herkunft sie sind, friedlich miteinander leben können. Darum: Wehret den Anfängen! Jetzt können wir noch handeln, und Ausländer zur Rechenschaft ziehen, welche sich nicht an unsere Gesetze halten. Als Abschreckung für mögliche Nachahmer, aber auch zum Schutz der Ausländer, die in Frieden und Anstand hier leben.

Nicht auszumalen, wenn die Schweizer Justiz irgendwann kapitulieren muss. Kapitulieren vor Gegenden, beispielweise in Vorstädten, welche irgendwelche Ausländerbanden kontrollieren. Solche Zonen gibt es mittlerweile schon zu Genüge in Deutschland, Frankreich oder Belgien. Wollen wir das tatsächlich? Wollen wir wirklich, dass wir eines Tages nicht mehr Herr über unsere eigene Sicherheitslage sind?

Den Schweizer Behörden droht doch jetzt schon an einigen Orten das ganze über den Kopf zu wachsen. Geben wir doch unseren Gesetzeshütern eine Grundlage, wo sie der überbordenden Ausländer-Kriminalität Einhalt gebieten kann. Denn, wie eingangs erwähnt: Niemand möchte eine Radikalisierung der Bürger. Die wäre (leider) schneller da, als uns lieb ist.
Es gilt, jetzt mit harter Hand durchzugreifen, bevor es zu spät ist.

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Polo Hofer – der geldgierige Schweizer des Jahres?

Ha! Das war gestern wieder ein gefundenes Fressen für die Weltverbesserer. Die Zentralschweiz am Sonntag rüttelte seine Leser schon am frühen Morgen mit der Schlagzeile „Polo bittet Fernsehen zur Kasse“ wach. Und weiter: „Der Schweizer des Jahres nahm nur gegen Honorar an der TV-Show teil.“

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Bildquelle: Zentralschweiz am Sonntag

Auf Seite sechs der genannten Zeitung wurde eine Story mit dem Titel „Der Preis war Polo nicht genug“ nachgelegt. Denn: Hofer wurde vor Wochenfrist bei den SWISS AWARD‘s zum Schweizer des Jahres gekürt. Nun ist ausgekommen, dass er für seine Auftritte an den Shows Geld verlangte und bekommen hat. Sermîn Faki, die Verfasserin des Artikels, schrieb unter anderem dazu: „Politiker sind entsetzt“, und „Polo Hofer hat auf seinen Wunsch hin eine Entschädigung erhalten, bestätigt das Schweizer Fernsehen SRF entsprechende Recherchen der Zentralschweiz am Sonntag.“ Es soll sich dabei um jeweils einen „ganz tiefen vierstelligen Betrag“ gehandelt haben.

Diese „Unverschämtheit“ von Hofer rief natürlich sofort die Politiker auf den Plan: „Peinlich, daneben, grenzwertig“ liessen diese verlauten. Allen voran so Gutmenschen wie Filippo Leutenegger (FDP), CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen und CVP-Nationalrat Martin Candinas. Sie schossen einerseits eine Breitseite Richtung SRG ab – „No Billag und Co.“ lassen grüssen. Andererseits liessen sie an dem in Interlaken geborenen Musiker wegen seiner Forderung kein gutes Haar. Candinas meinte denn auch ganz lapidar: „Der Betrag ist gering. Doch allein die Tatsache, dass er diese Bedingung gestellt hat, finde ich fragwürdig“. Er ist denn auch von „Polo National“ enttäuscht.

Man könnte jetzt ins selbe Horn blasen wie diese „lieben und netten“ Politiker. Aber: Bevor ich das tun würde, lohnt sich ein zweiter Blick auf diese „unerhörte“ Geschichte. Das ganze entbehrt nämlich nicht einer gewissen Komik. Faki ergänzt nämlich zu der „Service-Public-Diskussion“: „Die Tatsache, dass Prominenten eine Gage gezahlt wird, ohne dass diese eine Leistung erbringen, dürfte da wenig hilfreich sein.“ Sie meint auch, dass der SRG wohl nun bald die Flügel gestutzt würden. Wegen solchen und anderen Untaten.

Man kann Hofers Auftritt bei den SWISS AWARD’s, bei welchem er „keine Leistung erbringen musste“, durchaus mit der Promi-Politiker-Kaste um Frau Rickli vergleichen. Im Parlament zu Bern sitzen einige gewählte Abgeordnete, welche oft auch „keine Leistung erbringen (müssen).“ Diese machen das aber nicht etwa gratis – Nein, nein: Diese „Gemütspantoffeln“ werden ebenso fürstlich entlöhnt wie ihre Kollegen von der fleissigen Parlamentsbienchen-Fraktion.

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Der BLICK griff die Story, mit dem Hinweis auf die Zentralschweiz am Sonntag, ebenfalls auf
Bildquelle: blick.ch

Man könnte nun den Faden weiterspinnen: Viele der Parlamentarier haben meist noch einen Beruf und kassieren dort schon (einen ordentlichen) Lohn. Nebst dem regulären Lohn und einem grosszügigen Parlamentarierhonorar sitzen viele von diesen „Gutmensch“-Politkern noch in diversen Verwaltungsräten. Auch dort wird abkassiert, oft auch für wenig bis keine Tätigkeit.

Und Polo? Der Troubadour der Schweizer Musikszene ist ein Berufsmusiker und lebt „nur“ von seiner Musik. Für seine Auftritte kassiert er eine Gage. Von etwas muss der Mann schliesslich leben. Soweit mir bekannt ist, sitzt der bald 71-jährige nämlich nicht im Bundesparlament und in keinem Verwaltungsrat.
Und, wie Frau Faki zum Schluss ihres Artikels richtig schreibt, schafft Hofer auf seiner Website Transparenz. Denn er sagt Nein zu einer Präsenz ohne Honorar. Ergo wurde Polo vom Schweizer Fernsehen angefragt und nicht umgekehrt. Dieser hat denen zu Beginn erklärt: „Ich komme nur gegen eine Gage“. Denn für den Berner Oberländer war es ein Engagement, in Zusammenhang mit seinem Job als Musiker. Nicht mehr und nicht weniger. Er wurde trotz seiner Honorar-Forderung zur Sendung eingeladen.

Frage an Rickli und Co.: Würden sie ohne Honorar im Parlament oder in irgendwelchen Verwaltungsräten sitzen? Eben. Die Antwort wäre zu 100 Prozent Nein. Also, was soll diese Heuchelei?
Polo Hofer lebte seit jeher von seiner Musik. Und ein Auftritt im Schweizer Fernsehen, auch ohne dass er „eine Leistung erbringt“ ist für den bekanntesten Schweizer Mundartrocker ein Auftritt. So oder so.

Ich möchte nicht wissen, für was alles die in diesem Text erwähnte Politiker-Gilde jeweils Honorare ausstellt. Wenn jemand meint, diese Herrschaften treten irgendwo gratis auf, dann ist das einfach nur naiv.
Deshalb ist der neu gekürte Schweizer des Jahres nicht mehr und nicht weniger geldgierig wie die „entsetzten“ und „enttäuschten“ Politiker. Eines aber unterscheidet diese aber: Polo ist eine grundehrliche Haut und spielt von vorneherein mit offenen Karten. Was man von gewissen Politkern nicht behaupten kann.

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Interview mit Ruedi Schläfli, dem TK-Chef der Südwestschweizer Schwinger: „Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen“ (Teil 1)

Das neue Jahr hat nun längst begonnen, und mit ihm geht auch meine Vorschauen-Serie aufs Eidgenössische in Estavayer-le-Lac in eine neue Runde. Im Dezemberbeitrag liess ich vor allem Bilder sprechen. Im Januar kommt wieder eine Westschweizer Schwingerpersönlichkeit zu Wort: Ruedi Schläfli, seines Zeichens TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV).

Ruedi traf ich am 9. Januar beim dritten Trainingszusammenzug der Südwestschweizer Schwinger im Hinblick auf Estavayer2016 an. Das gemeinsame Training, bei welchem etwa 40 Schwinger anwesend waren, fand in Oron-la-Ville VD statt. In der Trainingshalle des dort ansässigen Schwingklubs Haute-Broye ist ein grosser Sägemehlplatz untergebracht.

Während ich das Interview mit Ruedi führte, leitete Benoît Zamofing das Training. Zamofing ist ein ehemaliger Südwestschweizer Spitzenschwinger und holte sich beim letzten Eidgenössischen in der Südwestschweiz, 2001 in Nyon, den Eidgenössischen Kranz.

Ruedi war ebenfalls Schwinger, und holte sich in seiner Karriere insgesamt 15 Kränze. Sein Vater ist der legendäre Ernest Schläfli, ein fünffacher Eidgenosse. Sein Bruder Fredy Schläfli, ebenfalls ein ehemaliger Schwinger, ist aktuell Technischer Leiter der Südwestschweizer Jungschwinger.
Wie Ruedi erklärte, schwingt zurzeit die fünfte Generation der Schläflis. Sein Urgrossvater Ruedi war einer der ersten Schwinger in Fribourg, und hat angeblich noch im Alter von 42 Jahren Schwingfeste gewonnen. Das war in den 1930iger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Der TK-Chef wohnt in Posieux FR (Ortschaft im Saanebezirk), etwa sieben Kilometer südlich von Fribourg in Richtung Bulle. Von Beruf ist Ruedi Landwirt, mit eigenem Hof. Daneben sitzt er für die SVP im Grossrat vom Kanton Fribourg. Der Fribourger spricht perfekt deutsch und französisch, denn er wuchs zweisprachig auf. Bis zum Alter von fünf Jahren hat der schwingbegeisterte Mann nur deutsch gesprochen. Die Schulzeit absolvierte er hingegen in französischer Sprache.

Ruedi Schläfli
Ruedi Schläfli, TK-Chef der Südwestschweizer
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit wann bist du TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes?
Seit 2008. Ich übernahm nach dem Eidgenössischen 2007 (Aarau) das Amt von Jakob Werner, welcher anschliessend Technischer Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) wurde.

Was beschäftigt dich als TK-Chef momentan am meisten?
Eindeutig Estavayer2016, das ist unser grosses Ziel! Der Fokus liegt für uns als Gastverband ganz klar auf diesem Fest. Das beschäftigt uns derzeit zu 200 Prozent!

Stimmen dich die vergangenen Trainings-Zusammenzüge mit den SWS-Schwingern zuversichtlich?
Ja, total. Es ist jeweils eine grosse Gruppe um 40 bis 45 Schwinger anwesend. Die Stimmung und die Kameradschaft, ein sehr wichtiger Punkt, sind nun vorhanden. Was bisher bei den Trainings abgelaufen ist stimmt mich sehr positiv. Der Willen der Schwinger ist da. Es ist eine Freude, solche Trainings durchzuführen. Die Schwinger sind sich bewusst, was auf sie zukommen wird.

Woran müssen deine Schwinger noch am meisten arbeiten?
An vielen Dingen. Physisch sind die Schwinger mehrheitlich präsent. Die mentale Stärke ist aber ein Knackpunkt, hier müssen wir noch zusetzen. Manchmal stimmt es noch zu wenig im Kopf. Es fehlt nicht so viel, man hat es auch letztes Jahr bei den Schwingfesten gesehen.
Wir arbeiten zudem an der Technik und an der Kondition. Ich habe ein Betreuer-Team hinsichtlich Estavayer2016 aufgestellt, und es wurde bisher viel Knochenarbeit geleistet. Die Schwinger spüren auch, dass wir damit eine Kontinuität reingebracht haben.

Ist einer oder gar mehrere Kranzgewinne am Eidgenössischen, Stand heute, aus deiner Sicht bereits realistisch oder eher noch Wunschdenken?
Realistisch. Aber es wird ein sehr harter Kampf, dessen sind wir uns bewusst. Wenn ich aber meine Schwinger sehe, die ich schon seit Jahren begleite, dann muss ich sagen: Es ist etwas möglich. Natürlich, es ist ein Wettkampf, und es gilt, dann in Form zu sein. Manchmal sind es nur Details, welche es ausmachen. Aber ich bin zuversichtlich: Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen.
Die neue Generation Schwinger in der Südwestschweiz ist bereit, mehr zu trainieren und sie verhalten sich professioneller. Einige haben auch ausserhalb des Südwestschweizer Teams einen Betreuerstab. Einige konnten auch ihr Arbeitspensum reduzieren. In den letzten zwei Jahren hat sich wirklich etwas getan.

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Ruedi Schläfli bei der Ansprache vor dem Training in Oron-la-Ville
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viel Zeit investierst du eigentlich in deine Tätigkeit als TK-Chef?
Ruedi lacht. Viel, viel! Es steckt eine grosse Leidenschaft dahinter, und im Hinblick auf Estavayer zähle ich die Stunden nicht. Die viele Arbeit ist zugleich auch sehr interessant. Zudem ist das mein letztes Jahr als TK-Chef. Ich gebe mein Amt nach dem Eidgenössischen ab. Es macht einfach Freude, mit diesen Jungen zu arbeiten.

Was für Aufgaben beinhaltet dieser Job?
Ein TK-Chef ist im Verband zuständig für das Technische. Man versucht, eine Botschaft bis zu den Klubs hinunter zu übermitteln, und auch eine gewisse Mentalität zu installieren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Einteilung. Die Trainings übergebe ich meinen Leitern und Trainern. Dazu gehören unter anderem Benoît Zamofing, Frédéric Berset und bei Bedarf auch die TK-Chefs der Kantonalverbände. Ich habe, wie bereits erwähnt, ein sehr gutes Betreuerteam. Zudem bin ich mit vielen administrativen Aufgaben eingedeckt. Des Weiteren besuche ich viele Schwingfeste, um die Schwinger kennen zu lernen.

Was hat sich beim SWSV seit Burgdorf2013 und Kilchberg2014 getan? Wie verlief die Vergangenheitsbewältigung?
Wir wussten, dass es in Burgdorf schwierig wird. Denn wir hatten damals die jüngste Mannschaft am Start, welche sehr wenig Erfahrung aufwies. Auf Michael Nydegger, dem einzigen Eidgenossen, lastete ein so grosser Druck, dass er fast daran zerbrach.
Der Kilchberg-Schwinget war vom sportlichen her sicher nicht positiv. Dies hatte Auswirkungen. Die Schwinger, die damals dabei waren, waren sich anschliessend bewusst: Wenn man etwas erreichen will, muss man sich auch die entsprechenden Möglichkeiten geben. Die beiden Anlässe gaben gewissermassen den Ausschlag für die neue Generation. Vom negativen konnten wir das positive herausnehmen, und die Schwinger haben das auch verstanden. Damals konnten wir wegen fehlender Kapazität einfach nicht mehr erreichen und durften auch nicht mehr erwarten.
Wir befanden uns in einem Loch. Zugleich bedeuten die beiden Feste ein Wendepunkt. Jetzt geht es nun kontinuierlich nach oben.

Wie fördert ihr eure Schwinger?
Nebst den monatlichen Verbandszusammenzügen gibt es auch kantonale Zusammenzüge. Die Freiburger machen am Dienstagabend und die Waadtländer am Mittwochabend Trainings auf kantonaler Ebene. Dabei sind auch Schwinger von anderen Kantonen eingeladen.

Wir haben sieben Schwinger, welche ihr Arbeitspensum auf etwa 50 bis 60 Prozent reduzieren konnten. Diese trainieren nun auch untertags. Das sind Schwinger von verschiedenen Klubs, welche so auch wöchentlich zusätzlich miteinander trainieren. Einige dieser Schwinger haben Sponsoren, andere sind Studenten und nehmen sich ein Sabbatjahr, um sich auf das Eidgenössische fokussieren zu können. Diese Schwinger gehen nun diesen Schritt und geben dafür alles.

Übrigens: Fast alle der heute anwesenden Schwinger trainieren zudem praktisch wöchentlich in Gruppen irgendwo im Bernbiet. Zum Beispiel in Lyss, Schwarzenburg oder Kirchberg. Das wurde früher eindeutig weniger gehandhabt.

Apropos Kilchberg-Schwinget 2014: Es gab damals schon Schwinger, die sehr viel trainierten. Ihnen fehlte aber die Erholung. Denn diese Athleten gingen zu 100 Prozent einer Arbeit nach, und absolvierten daneben ein strenges Training. Sie sind meist Landwirte oder Handwerker, und arbeiten hart in ihren Berufen. Benjamin Gapany liess nach jenem Schwinget verlauten, dass er völlig auf dem Zahnfleisch ging und ihm die Erholung fehlte, um in Topform zu kommen. Die Erholung kann man sich einfach nicht einbauen, wenn man zu 100 Prozent arbeitet.

Ich vermute, dass heutzutage 90 Prozent der Eidgenössischen Kranzschwinger Halbprofis oder Elite-Amateure sind. Beim Schwingsport sind wir nun dort angekommen, wo die Fussballer schon vor 20 oder 30 Jahren standen. Der Südwestschweizer Schwingerverband hat diesen Schritt in den letzten zwei Jahren nun auch gemacht. Und: Dies hat nicht der Technische Leiter gefordert. Das waren die Schwinger selber, die dies wollten. Sie sagten sich: Wenn wir etwas erreichen möchten, müssen wir diesen Schritt auch tun. Einige Schwinger kam deshalb auf mich und den Präsidenten zu und fragten uns: Was müssen wir machen? Könnt ihr uns helfen, Sponsoren zu suchen. Wir vom Verband halfen ihnen so gut es ging. Es läuft nun relativ gut, und ich bin zufrieden.

Der Schwingerverband lebt natürlich auch von seinen Klubs und die Schwinger müssen in ihren Schwingklubs die Knochenarbeit machen. Bei unseren Zusammenzügen pflegen wir nebst dem Training im Hinblick auf Grossereignisse die Kameradschaft. Wir können punktuell Tipps geben und Verbesserungen vorschlagen.

Dem Vernehmen nach ist euer Nachwuchs recht gut aufgestellt. Es sollen einige vielversprechende Talente darunter sein. Wird man einige von ihnen schon 2016 wahrnehmen?
Ja, wir haben tatsächlich einige vielversprechende Talente. Es sind zwei darunter, welche besonders hervorragen: Steve Duplan und Steven Moser. Wenn bei den beiden Schwingern alles rund läuft, ist es nicht unmöglich, dass sie am Sonntagnachmittag in Estavayer um den Kranz schwingen.
Übrigens: Nachwuchs hatten wir eigentlich immer genügend. Beim letztjährigen Freiburger Kantonalen Jungschwingertag waren zum Beispiel über 270 Jungschwinger am Start. Beim Nachwuchs wurde grosse Arbeit geleistet, und die Nachwuchs-Athleten finden eine gut funktionierende Struktur vor. Diese Schwinger kommen nun nach und nach zu den Aktiven.
Und: Die Technischen Kommissionen der Jungschwinger und der Aktiven arbeiten nun seit etwa sieben Jahren eng zusammen.

Wir durften in den letzten Jahren noch keine Topresultate erwarten, da die Schwinger noch nicht parat waren. Der Aufbau der Jungen erfolgt schrittweise. Das Heranführen an die Spitze braucht einfach seine Zeit und ebenfalls Geduld. Wir erzielten letzte Saison zwar noch nicht Topresultate ausserhalb unseres Teilverbandes. Eine Steigerung war aber erkennbar: Wir feierten Kranzgewinne am Innerschweizerischen, auf dem Weissenstein, beim Aargauer Kantonalen und bei unserem Bergfest am Schwarzsee-Schwinget. Ich bin überzeugt, dass wir dieses Jahr weitere Schritte nach vorne tun werden. Diese Kränze hätten wir vor zwei Jahren noch nicht gemacht.

Eine Randbemerkung: Wir hatten in den letzten Jahren halt praktisch keine Ausnahmetalente wie die Berner mit Sempach, Wenger oder Stucki. Deshalb müssen wir in der Gruppe stark sein und einen grossen Team-Geist haben.

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Intensives Training in der Trainingshalle vom Schwingklub Haute-Broye
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Am Ende von Teil 1 gilt es zu erwähnen, dass der zweite Teil in Bälde folgen wird. Dabei geht es unter anderem um die Trainings-Zusammenzüge, die Leader der Südwestschweizer und um Druck vor dem Eidgenössischen. Weiter um die lateinische Mentalität der Romands, die „Neuen Richtlinien für Einladungsbegehren“ und was sich Ruedi Schläfli für 2016 wünscht.

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Nachgefragt bei Torsten Betschart – Comeback beim Hallenschwinget Sarnen oder beim Frühjahrsschwinget in Ibach?

Wenn man auf der SCHLUSSGANG-Homepage den Palmarès von Torsten Betschart betrachtet, fällt auf, dass der kräftige Mann seit dem Eidgenössischen in Burgdorf keinen Kranz mehr gewonnen hat. Gemäss Medienberichten bekam ich mit, dass den Schwyzer Eidgenossen eine hartnäckige Verletzung plagte. Weiter konnte man auch lesen, dass Betschart sein Studium abschloss und am Paul Scherrer-Institut doktorierte.
Schwingtechnisch blieb es aber sowohl 2014 wie auch 2015 ruhig um den Rothenthurmer.

Aus diesem Grund notierte ich mir neun Fragen, welche mir am meisten unter den Fingernägeln brannten, und schickte sie Torsten. Der Sennenschwinger mit dem Aussehen eines Älplers lieferte mir relativ rasch die Antworten, welche ich natürlich gerne mit euch teilen möchte.

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Torsten Betschart als frischgebackener Eidgenosse in Burgdorf (2013)
Bildquelle: isv.ch

Wann wird man dich wieder an einem Schwingfest antreffen?
Ich nehme schwer an, dass es dieses Jahr sein wird. An welchem Fest ich wieder aktiv eingreifen werde, hängt vom weiteren Trainingsablauf und von meiner Form ab. Eine Möglichkeit wäre der Hallenschwinget in Sarnen oder der Frühjahrsschwinget in Ibach.

Wie geht es dir? Bist du soweit fit und wieder voll im Training?
Momentan tue ich mich etwas schwer – eine Pause von zwei Jahren ohne Schwingen ist in meinem Alter nicht einfach zu verdauen. Ich werde versuchen, einen vernünftigen Trainingsrhythmus zu etablieren, momentan gibt es aber noch einige Baustellen.

Welche Beschwerden haben dich während den letzten beiden Saisons behindert, dass du keine Schwingfeste bestreiten konntest?
Das war eine Verletzung der rechten Schulter – um es vorweg zu nehmen, meine rechte Schulter ist kaputt und ich sehe keine Möglichkeit, je wieder schmerzfrei zu schwingen. Im Mai 2014 wurde zumindest die Bizepssehne repariert, die auch keine Probleme mehr bereitet. Den Knorpelschaden, Kapselriss und die einsetzende Arthrose lassen sich jedoch auf diesem Weg nicht kurieren – soweit an eine aktive Ausübung des Sports gedacht werden will.

Wie läuft‘s beruflich? Was machst du derzeit und welche Berufsbezeichnung führst du mittlerweile?
Beruflich läuft es gut. Ich bin mittlerweile im Kernkraftwerk Beznau als Sicherheitsingenieur angestellt. Die offizielle Stellenbezeichnung ist „Fachgebietsspezialist Deterministik Anlagesicherheit“.
Wahrscheinlich bezieht sich Deine Frage aber eher auf meinen akademischen Titel, auf welchen ich aspiriere. Es gibt da noch wenige Arbeiten zu erledigen und es steht noch die letzte Hürde an. Ich bin aber guter Dinge. Der Titel ist Doktor der Wissenschaften (Dr. sc ETH Zürich).

Du bist auch ein begnadeter Volksmusikant. Welche Instrumente spielst du eigentlich? Wo und mit wem sieht man dich wieder mal aufspielen?
Begnadet – so so; man könnte jetzt fragen, wer denn einer solchen Beurteilung erstens fähig wäre und diese zweitens auch noch geäussert hätte. Ich spiele nur Klavier – dies reicht übrigens völlig, da das Meistern eines einzelnen Instrumentes genug Zeit in Anspruch nimmt (und ich möchte nicht sagen, dass mir das bis jetzt gelungen wäre oder je gelingen wird).
Ich spiele hauptsächlich im Handordgelduo Betschart-Müller. Zudem helfe ich teilweise bei anderen Kapellen aus, zurzeit bei der Kapelle René von Rotz. Gerade über die Fasnacht sind wir sehr oft unterwegs. Mit Betschart-Müller am Schmutzigen Donnerstag (Nachmittag) für die Kinderfasnacht im Restaurant Schäfli in Rothenthurm. Das Wochenende darauf (6. und 7. Februar) im Restaurant Fluhhof in Ried-Muotathal und im Restaurant Windstock in Rickenbach (siehe auch: www.betschart-mueller.ch).
Mit René von Rotz bin ich an den anderen beiden Fasnachtstagen unterwegs.

Hast du wegen deiner unfreiwilligen Pause einen anderen Blick aufs Schwingen bekommen? Was denkst du ganz allgemein über die zunehmende Professionalisierung des Schwingsports?
Nein, einen anderen Blick auf den Sport habe ich nicht erhalten. Dafür muss man immer auch im Sport aktiv sein. Von aussen kann man sich eine mehr oder weniger oberflächliche Meinung bilden. Schwingen als Sport ist an sich einfach. Die taktischen und technischen Elemente eines Ganges, geschweige denn eines Schwingfestes, sind ein anderes Thema. Was ich in diesen Jahren als Zuschauer gesehen habe, ist lediglich, dass die Popularität des Sports nicht gerade dazu beigetragen hat, die Kompetenz des Publikums zu erhöhen – die vorher auch schon nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Das passiert eben, wenn man durch starke mediale Präsenz ein Publikum anzieht, welches sich aus welchen Gründen auch immer dieser stattfindenden nationalen Identitätsreinkarnation hingibt – verbunden mit Olma-Bratwurst-Essen, in Kaffeestuben schlechte Musik hören und dabei Kaffee Fertig trinken und einem gelegentlichen Schwingfestbesuch. Bei all diesen Aktivitäten steht natürlich weiterhin der Alkoholkonsum sowie die Party, und nicht die Sache im Vordergrund – aber das ist ein anderes Thema.

Ich sehe nicht, wie sich der Schwingsport in einer relevanten Art zusehends professionalisiert. Wenn ich etwas in unseren und die anderen Teilverbände hineinschaue, sehe ich einfach die Bildung einer Zweiklassengesellschaft bei den Athleten. Es gibt die Superstars und die Anderen – das Problem ist, dass der Schwingsport schon immer um einiges mehr von den Anderen gelebt hat, als von den Superstars. Dies mag für den kommerziellen Aspekt, beispielsweise Vermarktung und Sponsoring (zumindest vorerst) irrelevant sein und in diesem Zusammenhang kann man von einer Professionalisierung sprechen.
Rein sportlich sehen wir eher das Gegenteil, nämlich die Abnahme des schwingerischen Niveaus (global gesehen). Ich finde es daher zynisch, von einer Professionalisierung des Sports, basierend auf kommerziellen Vermarktungsaspekten, Popularität und dem professionellen Werdegang der schwingerischen Elite zu sprechen.

Falls du wieder fit bist, wirst du als Vorbereitung aufs Eidgenössische in Estavayer-le-Lac dein Arbeitspensum auch reduzieren wie einige andere Schwinger?
Ganz sicher nicht. Für mich war und ist Schwingen ein Teil meines Lebens. Aber nicht zu einem grossen Teil mit Verpflichtungen verbunden, welche beispielsweise durch ein oft mit einem Teilzeitpensum einhergehenden Sponsoring entstehen (an alle, die meinen, es entstünden keine solchen: there is no such thing as a free lunch – sinngemäss: nichts ist umsonst). In diesem Sinne ist es mir persönlich wichtig, das Schwingen als ein Hobby zu behalten, wenn es denn noch geht.

Wie viele Stunden pro Woche wirst du ins Training investieren?
Ich werde versuchen, meinen Trainingsaufwand zwischen sechs bis zehn Stunden pro Woche zu halten.

Du wohnst laut deinem Facebook-Profil in Giswil OW. Trainierst du mit der Sektion Giswil, oder weiterhin mit deinen Kameraden vom Mythenverband in Schwyz?
Also, mein Lebensmittelpunkt befindet sich in Giswil. Ich lebe dort mit meiner Frau, die dort Wohneigentum hat und in Stans arbeitet. Unter der Woche arbeite und wohne ich in Döttingen, im Aargau, in der Nähe von Brugg. Ich werde daher versuchen, mindestens einmal pro Woche mit dem Mythenverband zu trainieren. Zurzeit trainiere ich auch mit dem Schwingclub Zurzach und Baden-Brugg; wenn es sich zeitlich ergibt, kann ich mir gut vorstellen, auch in Obwalden einen Teil meines Trainings zu bestreiten.

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Handorgelduo Betschart-Müller, von links nach rechts: Tobias Betschart, Torsten Betschart, Urs Müller und Peter Marggi
Bildquelle: betschart-mueller.ch

Für die aufschlussreichen und ausführlichen Antworten bedanke ich mich bei Torsten Betschart! Dankbar bin ich ihm auch für seine persönlichen Gedanken zu der sogenannten „zunehmenden Professionalisierung des Schwingsports“ – sehr interessante Aussagen!
Torsten, ich wünsche dir bei deinem Comeback alles Gute, viel Erfolg im Beruf und privat, vor allem aber gute Gesundheit.

feldwaldwiesenblogger

Zu Besuch im Proberaum von Infinitas: „Wir wünschen uns guten Ersatz auf der Violinen-Position“ – Teil 2

Im Teil 1 meines Proberaum-Besuches bei Infinitas traf ich den Schlagzeuger Piri Betschart, den Gitarristen Selv Martone und die Sängerin Andrea Böll an. Sie erzählten mir von der Bandgründung, was sich seit ihrem ersten Konzert im Jahr 2011 alles getan hat und wie viel Konzerte sie bisher spielten. Weiter fragte ich die drei Bandmitglieder, ob sich ihr Melodic Trash Metal seit 2011 etwas gewandelt hat, wie’s mit der Bandbesetzung aussieht und nach dem bisher grössten Erfolgsmoment. Des Weiteren erfuhr ich vom Feedback auf ihre EP-CD, dass jeder Song einem Dämon gewidmet ist und wie bei ihnen Songs entstehen.
Im heutigen Beitrag geht es um weitere interessante Themen und Diskussionspunkte.

die drei beim interview
Von links: Andrea Böll, Piri Betschart und Selv Martone
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ihr habt momentan eine kleine Konzertpause. Für was nützt ihr diese Zeit?
Wir sind hauptsächlich daran, neue Songs anzuschauen. Zudem sind erste Gedanken für eine CD vorhanden. Wir werden auch zusammensitzen, und diskutieren, was wir 2016 machen und welche Ziele wir uns setzen.
Wir spielten im Herbst letzten Jahres relativ viele Konzerte in kurzer Zeit, deshalb nahmen wir es bis Ende Jahr etwas lockerer. So wurde dann und wann eine Probe ausgelassen und wir nahmen uns auch Zeit für das Beisammensein.

Habt ihr auch schon daran gedacht, eure Stilrichtung grundlegend zu verändern?
Selv: Ich denke, das passiert unbewusst. Man verändert sich ja ständig, und es ist in diesen vier Jahren sicher auch geschehen. Ich merke es bei mir, denn ich schreibe jetzt einen anderen Stil von Songs als noch vor vier Jahren.
Piri: Es sind kleine Veränderungen. Unbewusst, aber nicht extra. Auch technisch lernt man immer wieder etwas Neues, und versucht es in die Songs zu integrieren.
Andrea: Zudem sind wir auch ziemlich offen, was neue Ideen anbelangt. Wir sind immer ein wenig am Experimentieren oder Ausprobieren. Auch beim Gesang, das sowohl klassische als auch Metal-Elemente enthält.

Alle Songtexte sind auf Englisch. Deutsche Texte sind kein Thema. In einem Song kommt ein serbischer Dämon vor. Dort gibt es eine Passage in Serbisch. Die Band kennt jemanden, der ihnen das übersetzte.

An was arbeitet ihr zurzeit?
Derzeit schauen wir ein neues Lied an. Es heisst Alastor. Alastor ist auch ein Dämon. Wir feilen beim Song noch an Details. Der Text dazu hat Andrea geschrieben. Alastor ist ein böser Dämon, ein Todesdämon. Er ist in der Hölle für Tod und Rache zuständig.

Was für Zukunftspläne schmiedet ihr?
Nebst einer CD sind auch andere Pläne vorhanden. Dabei kam auch schon eine Deutschland-Tour zur Sprache. Ein Ziel ist es, einmal im Ausland auftreten zu können. Auf Freundschaftsbasis mit anderen Bands, zum Beispiel eine kleine Tour mit zwei oder drei Bands zusammen.
Bis wir Ersatz für Joelle gefunden haben, bleiben diese Ideen aber offen. Natürlich gehört auch dazu, wieder Konzerte zu spielen.

Wann gebt ihr wieder Konzerte?
Ursprünglich geplant war, Ende Frühling/anfangs Sommer wieder Konzerte zu geben. Da wir nun auf der Suche nach einer Violinistin oder einem Violinisten sind, kann man das zurzeit nicht genau sagen. Sobald wir jemanden gefunden haben, müssen wir mit dieser Person mindestens ein halbes Jahr proben, bevor wir wieder live auftreten können. Es gibt auch vereinzelt Anfragen für Auftritte. Momentan ist es aber nicht möglich, zuzusagen.

Wie lange seid ihr schon in diesem Proberaum?
Wir haben kürzlich das fünfjährige Jubiläum gefeiert.

gut eingerichteter proberaum
Der Infinitas-Proberaum ist praktisch, zugleich aber auch gemütlich eingerichtet
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie oft probt ihr?
Piri: Alle zusammen einmal pro Woche, am Dienstag. Vor Konzerten manchmal sogar häufiger. Eine Bandprobe dauert durchschnittlich zwei Stunden.
Selv: Piri und ich proben zusätzlich ein- oder zweimal pro Woche gemeinsam. Jeder übt für sich die Songs zuhause. Bei den Proben verfeinern wir das Zusammenspiel, ausser wir sind an neuen Songs.
Piri: Wenn ein Song steht, bringen wir ihn auf Band. Jeder kann dann zuhause für sich diese Vorabversion hören und dazu spielen.
Andrea: Für mich ist die Bandprobe die wichtigste Probe. Die Texte lassen sich zuhause gut einstudieren. Aber zu den Aufnahmen singen ist für mich relativ schwierig.

Was denkt ihr ganz allgemein über die Musikszene im Raum Schwyz? Welchen Platz nehmt ihr dort ein?
Selv: Im Raum Schwyz ist der Metal halt nicht sehr gross vertreten, und nicht so hoch im Kurs. Es sind mehr die Stilrichtungen Rock, Blues oder Pop. Im Muotathal haben wir beispielweise seit Bestehen der Band erst einmal gespielt, letztes Jahr beim Harvest. Der Auftritt kam sehr gut an.
Die Schwyzer Musikszene ist eine coole und aktive Musikszene, mit vielen guten Bands. Der Metal fehlt halt einfach ein wenig, da nicht so viele Leute diese Musikart hören oder an Konzerte gehen.

Piri: Wir machen eher Konzertmusik zum Hören, und weniger zum Festen. In Schwyz und Brunnen haben wir schon ein paar Mal gespielt. Da gibt es viele Leute, die uns an den Konzerten hören wollen. Die meisten unserer Auftritte sind aber ausserhalb des Talkessels von Schwyz. Musikalisch läuft viel im Talkessel und es gibt auch viele Musiker. Man könnte praktisch jedes Wochenende irgendwo an ein Konzert.
Andrea: Wir sind keine Partyband, Spass haben kann man aber trotzdem an unseren Konzerten. Ich finde, im Muotatal hat es sehr viele Musiker. Aber auch Sänger, welche in irgendeinem Chor singen. Viel vielfältiger, als dort wo ich aufwuchs.

Die Muotathaler sind dafür bekannt, dass sie nebst der urchigen Ländlermusik am liebsten kernigen Rock à la AC/DC, Status Quo, CCR oder wie sie sonst noch heissen, stehen. Wie reagieren sie auf eure Musik?
Piri: Ich habe mit einigen schon über unsere Musik gesprochen. Einzelne davon meinten: Was ihr macht, gefällt mir nicht, aber ihr macht es gut. Ich denke, unsere Musik ist für einen Nicht-Metal-Fan teilweise komplex und schwer zu hören. Es sind halt nicht AC/DC-Songs, wo man meist nach zwei Takten weiss, wo’s lang geht.
Andrea: Mir haben schon einige gesagt, dass Metal nicht ihre Musik sei, unseren Stil hingegen aber gut finden. Was wahrscheinlich das Melodiöse mitsamt der Geige ausmacht.
Selv: Im Muotatal kennt man uns nicht unbedingt, da wir abgesehen vom Harvest-Gig halt nie hier spielen. Zum ersten Mal haben uns viele Muotathaler gehört, als wir vorletztes Jahr zusammen mit Polution im Restaurant Rose in Ibach SZ gespielt haben. Viele Muotathaler hören Slayer oder Metallica. Aber unsere Art von Musik ist für sie unbekannt, und sie kennen sie auch nicht.
Piri: Vielleicht spielt auch in dieser Hinsicht der konservative Muotathaler eine Rolle. Etwas Neues, dem man skeptisch gegenüber ist. Es gibt aber einige Muotathaler, die Gefallen an unserer Musik gefunden haben und an unsere Konzerte kommen.

Eine Melodic Trash Metal-Szene gibt es in dem Sinn nicht. Wo passt ihr am ehesten rein?
Selv: In die Metal-Szene, wo verschiedene Stilrichtungen vertreten sind. Um die grossen Schweizer Städte wie Zürich, Luzern oder Basel ist die Szene am aktivsten und grössten. Da muss man schauen, dass man rein kommt. Das Metal-Angebot in der Schweiz ist sehr gross und sehr gut. Ich entdecke oft neue Bands, von denen ich noch nie gehört habe. Die meisten spielen sehr professionell.
Piri: Unser Melodic Trash Metal ist ganz allgemein auf die Metal-Szene als solches ausgerichtet. Es gibt keine separate Szene wie beim Death Metal.
Andrea: Für uns öffnet sich dabei immer wieder mal ein Törchen, da wir nicht so eine enge Schiene fahren. So passen wir auch irgendwie zu Folk, oder spielten schon mit Death Metal-Bands zusammen. Und das Trashige passt halt auch.

Wie viel Zeit investiert ihr in eure Band und ganz allgemein in die Musik?
„Viel“ sagen die Drei im Chor. Es ist bei uns allen das Hobby Nummer eins. Dazu gehören nicht nur Konzerte, sondern auch die Organisation, Werbung für Auftritte und das Betreuen von Homepage und Facebook-Seite.
Selv: Eine Band funktioniert ähnlich wie eine Firma. Da gibt es auch verschiedene Dinge zu erledigen. Ich bin für die Aufnahmetechnik zuständig, Piri für die Homepage, Andrea für die Facebook-Seite und Pauli verwaltet die Kasse. So hat nebst der Musik jeder seine Aufgaben.
Piri: Selv und ich investieren vermutlich am meisten Zeit in die Band. Es ist schwierig zu sagen, um wie viele Stunden es sich dabei handelt.

Piri und Selv arbeiten je zu 80 Prozent, und geben noch Unterricht an ihren Instrumenten. Andrea studiert und hat noch einen Nebenjob. Pauli hat ein eigenes Geschäft und arbeitet in einem 100 Prozent-Pensum.

Ist Harvest ein Konzertfestival von Piri oder ganz allgemein von Infinitas?
Piri: Am Anfang machten wir es als Band. Inzwischen nicht mehr. Es ist nun ein Projekt von mir, die anderen helfen aber auch mit. Wir wollen bei Infinitas Bekanntheit erlangen mit der Musik und nicht wegen Harvest.

Harvest fand letztes Jahr zum vierten Mal statt. Wie Piri erklärte, wird es 2016 zum fünften Mal durchgeführt.

Wäre es euer Ziel oder Wunsch, dass plötzlich der totale Erfolg einschlagen würde?
Piri: Von mir aus darf das der Fall sein. Es wäre ein Traum. Der Hinterkopf meint, dass es nicht funktioniert, ich will es aber irgendwie nicht wahrhaben. Vielleicht wäre es auch nicht so cool, auf einmal ein halbes Jahr nicht zuhause zu sein. Für mich wäre es optimal, wenn wir im Monat 20 Prozent der Zeit mit der Band abdecken könnten. Nicht mehr arbeiten, muss nicht unbedingt sein. Zu einem Teil von der Musik leben zu können, wäre schon sehr schön. Das ist sicher realistischer, als der totale Erfolg.
Andrea: Wenn es so einschlagen würde, und man davon leben könnte, dann ist das okay. Wenn es aber einschlagen sollte, und man nicht davon leben kann, finde ich das problematisch. Wir gehen Schritt um Schritt, und wenn der Erfolg eintritt, umso schöner.
Selv: Ich habe dabei gemischte Gefühle. Es wäre cool, wenn man von dieser Musik leben könnte. Aber ich möchte nicht das ganze Jahr irgendwo auf Tour sein. Ein paar Monate würde ich okay finden. Denn ich bin sehr gerne hier. Es kommt auch darauf an, was Erfolg ist. Für mich gilt schon als Erfolg, wenn wir einmal pro Monat ein Konzert spielen können, CD’s verkaufen und ab und zu in Deutschland oder Österreich auftreten könnten.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Andrea: Ich wünsche mir, dass wir eine gute Geigerin oder einen guten Geiger finden, der gut zu uns passt. Das Beste wäre zudem, dass sie oder er auch gut singen könnte, um Background-Gesang beisteuern zu können.
Selv: Ich wünsche mir, dass wir guten Ersatz finden und lange zusammen bleiben, um Musik machen zu können. Viele Konzerte und eine CD.
Piri: Ich wünsche mir ein neues Snare. Alle lachen. Selv meint: „Und ich wünsche mir, dass Piri einen neuen Schlagzeugstuhl kauft.“ Nein, im Ernst: Möglichst lange schöne Momente miteinander erleben zu dürfen, und zusammen sein und musizieren können. Das ist eigentlich das Wichtigste. Und wenn wir noch Konzerte spielen dürfen und eine CD aufnehmen können, wäre es noch geiler.

infinitas am proben
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Nach dem Interview spielten mir die drei einige Songs vor, und ich lauschte ihrem ausgeklügelten und speziellen Melodic Trash Metal-Sound. Ich finde, Infinitas macht ihre Sache sehr gut und hat es verdient, in der Schweizer Metal-Szene einen Platz zu finden.
Ich bedanke mich bei der Band für das Gespräch und wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute, viel Erfolg und dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Als ersten Wunsch mag ich den jungen Musikern eine Geigerin oder einen Geiger gönnen.

feldwaldwiesenblogger