Besuch bei Michael Nydegger in Oberschrot: „Ich werde sicher einige Frühlingsschwingfeste bestreiten, habe mir aber noch kein Datum gesetzt.“ (Teil 1)

Für den Februar-Vorschaubeitrag auf Estavayer2016 fuhr ich kürzlich in den Kanton Freiburg, genauer gesagt nach Oberschrot. Dort traf ich den Eidgenossen Michael Nydegger zum Interview.

Rückblende: Am 7. Juli 2015 startete ich eine Vorschauen-Serie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2016 in Estavayer-le-Lac, mit dem Fokus auf den Südwestschweizerischen Schwingerverband. Mein erster Beitrag war ein Telefoninterview: „Vorschau auf Estavayer2016: Michael Nydegger hakt diese Saison ab und freut sich jetzt schon aufs ESAF vom nächsten Jahr“.
Nun ist bereits Halbzeit, sieben Monatsbeiträge sind bereits online gestellt. Sieben weitere Monatsvorschauen warten nun auf die Veröffentlichung. Den ersten Teil habe ich mit Michael begonnen. Beim zweiten Teil darf ebenfalls wieder Michael beginnen.

michael nydegger bei sich zuhause in oberschrot
Michael Nydegger vor seinem Wohnort in Oberschrot
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Michael Nydegger geht es zurzeit tipptopp, und er fühlt sich fit. Er war lange vom Schwinggeschehen weg. Die Zeit hat der Freiburger genutzt, um seine Blessuren vollständig auszuheilen.

Welche Verletzungen plagten dich die letzten beiden Saisons? Wie lange konntest du nicht trainieren und schwingen?
Saison 2014: Ich bestritt am 1. Juni in Ruswil das Luzerner Kantonale und gewann den Kranz. Mein letztes Schwingfest war am 6. Juli das Walliser Kantonale in Saint-Martin. An diesem Schwingfest wurden die Schmerzen unerträglich, und ich musste die Saison abbrechen. Zuerst vermutete man, dass es sich um Leistenprobleme handelte. Es stellte sich heraus, dass meine Adduktoren stark verhärtet waren und sich entzündeten. Die Entzündung ging dann auf den Knochen über, welcher sich deswegen nicht mehr richtig erholen konnte. Das war sehr schmerzhaft. Wenn ich eine Pause machte, ging es zwei oder drei Wochen gut. Trainierte ich darauf wieder, brach die Entzündung erneut aus. Am Schluss kam es zu einer Knochenermüdung des Hüftknochens. Um das ausheilen zu lassen, musste ich einen Unterbruch machen.
Saison 2015: Im Frühling fiel ich unglücklich auf den einen Ellenbogen. Dabei verschlug ich mir die Sehne und den Knochen. Diese Verletzung behinderte mich weit in die Saison hinein. Irgendwann machte es keinen Sinn mehr, noch Wettkämpfe zu bestreiten.
Beide Verletzungen sind nun ausgeheilt.

Wie sah der bisherige Trainingsverlauf aus?
Seit September letzten Jahres bin ich wieder am Trainieren, und zwar im physischen und im schwingerischen Bereich. Beim schwingerischen Bereich trainierte ich erst nur auf der technischen Seite. Ich schaute Schwünge an und lernte auch neue dazu. Wir machten zudem Video-Analyse und verbesserten Details.
Seit etwa drei Wochen trainiere ich nun in kleineren Einheiten wettkampfmässiges Schwingen. Noch nicht ganz voll, aber schon ziemlich intensiv. Der Winter ist sowieso da, um Technik-Training zu machen, und um später die Schwünge wettkampfmässig umsetzen zu können.

Bist du im Fahrplan für die neue Saison?
Wenn ich meinen Trainingsplan betrachte, kann ich ganz nach dem gehen, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Schwünge funktionieren immer noch. Trotzdem: Ich war fast zwei Saisons weg und mir fehlt einiges an Schwingpraxis.
Ich versuche nun die verschiedenen Krafttrainings-Einheiten in ein Training zu verpacken. Damit mir mehr Zeit für die Erholung und das Schwingtraining bleibt. Wichtig sind im Frühling auch die Rangschwingfeste, damit ich wieder in den Wettkampf-Rhythmus komme.

Wie sieht dein wöchentlicher Trainingsplan momentan aus?
Ich trainiere stets im Vierwochen-Block. Das heisst: Drei Wochen trainieren, die vierte Woche ist Pause und Erholung angesagt. Während den drei Wochen steigern wir durch den Winter hindurch die Intensität. Das Krafttraining besteht aus drei Einheiten pro Woche: Trainiert werden Brust, Beine und Rücken. Hinzu kommen drei Sägemehltrainings und ein Ringertraining pro Woche.
Die erste Woche geht man etwas lockerer an, ich lasse sogar ein Ringer- oder Schwingtraining weg. In der zweiten Woche wird ein Training dazu genommen. In der zweiten und dritten Woche probieren wir bewusst in eine kontrollierte Überlastung zu kommen. Damit ich mich zusammen mit der Erholung über meine Kapazitätsgrenze bewege, um den nächsten Block zu starten.
Das funktioniert recht gut. Es kann sein, dass ich mal in der zweiten oder dritten Woche einen Einbruch habe. Zum Beispiel wegen einer Erkältung. Dann muss der Plan natürlich angepasst werden.

Diesen Trainingsplan habe ich zusammen mit Christoph Feyer erstellt. Feyer war früher einmal Schwinger. Er war aber vor allem ein sehr guter internationaler Ringer (unter anderem belegte er den vierten Platz an der WM in Atlanta). Der ehemalige Spitzenringer hat in Magglingen seine Trainerausbildung gemacht. Er ist der ideale Trainer, Trainings- sowie Ansprechpartner was das Krafttraining anbelangt. Was auch gut ist: Christoph wohnt in St. Silvester, gut zehn Minuten von hier. Da Feyer vom Ringen, aber auch vom Schwingen her kommt, versteht er viel vom Technischen. Er versteht es auch, das Krafttraining dem Schwingen anzupassen.

michael nydegger beim gespräch
Michael Nydegger beim Gespräch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Welche Trainings bestreitest du?
In erster Linie sind es Klubtrainings, dann finden Kantonaltrainings in einem gewissen Zyklus (nicht wöchentlich) statt und einmal im Monat ein Südwestschweizer Trainingszusammenzug.
An den Klub- und Kantonaltrainings kann man mit besseren und auch etwas schwächeren Athleten schwingen und so die neuen Schwünge ausprobieren. Neue Schwünge probiert man erst gegen eher schwächere Schwinger, und bekommt dadurch Vertrauen. Bei einem Verbandszusammenzug kann ich die neuen Schwünge gegen starke Verbandskollegen ausprobieren.

In unserem Schwingklub Sense gibt es seit gut zwei Jahren einige motivierte Schwinger, welche vermehrt Zeit ins Training investieren und mit Christoph Feyer auch einen Kraftaufbau machen. Wenn es die Zeit erlaubt, trainiere ich zusammen mit meinen Kollegen. Das sind unter anderem Florian Minder, Steven Moser, Rolf Kropf, Jan Rappo und Marco Cottier.

Besuchst du auch Trainings im Kanton Bern?
Momentan nicht. Ich ging, wie erwähnt, das ganze langsam an. Um Schwünge zu lernen und Automatismen zu verfeinern, muss ich nicht in den Kanton Bern fahren. Unsere Schwinger sind genauso gut.
Ich nehme es vorweg, Woche um Woche. Wenn ich noch intensiver trainieren werde und wirklich frei schwinge, kann es schon sein, dass ich auch mal ein Training im Bernbiet besuche.

Laut TK-Chef Ruedi Schläfli und SWS-Verbandspräsident Blaise Decrauzat durchläuft euer Team derzeit eine gute Vorbereitung und beide sind zuversichtlich, dass Kranzgewinne am Eidgenössischen drin liegen. Siehst du das auch so?
Ich gehe meinen Weg, und weiss natürlich nicht genau, wie intensiv die anderen trainieren. Bei den Trainingszusammenzügen sind jeweils viele Schwinger anwesend, und es wird gut trainiert. Ich sehe, dass Benjamin Gapany, Pascal Piemontesi oder auch jüngere Schwinger grosse Fortschritte gemacht haben. Ob das reicht, um Kränze in Estavayer zu machen, ist schwer zu sagen. Ich möchte mich auch nicht auf die Äste hinauslassen und eine Prognose erstellen. Ein Eidgenössisches geht über zwei Tage. Man muss topfit sein, ein bisschen Einteilungs- und Wettkampfglück haben. Dieses Glück kann man sich natürlich auch erarbeiten, indem man gut trainiert und sich gut vorbereitet.

Wann sieht man dich wieder an einem Wettkampf schwingen?
Ich werde sicher einige Frühlingsschwingfeste bestreiten, habe mir aber noch kein Datum gesetzt. Momentan gilt der Fokus dem Training. Ich verlasse mich auf mein Gefühl. Wenn der Zeitpunkt da ist, um den ersten Wettkampf zu bestreiten, spüre ich das.

Hast du deine Saisonplanung schon gemacht? Wie sieht die aus?
Nebst den erwähnten Frühlingsschwingfesten, die sehr wichtig sind, bestreite ich alle möglichen Kranzschwingfeste in unserem Verbandsgebiet. Dazu gehören auch der Schwarzseeschwinget und unser Teilverbandsfest. Ich weiss aber noch nicht, an welche Kranzfeste ich ausserhalb der Südwestschweiz an den Start gehen darf. Das wird demnächst von unserem TK-Chef festgelegt und uns mitgeteilt.

Zum Abschluss von Teil 1 des Gespräches mit Michael Nydegger gilt zu ergänzen, dass die Südwestschweizer Schwinger dieses Jahr bei den Bergkranzfesten auf der Rigi und auf dem Brünig startberechtigt sind.
Beim zweiten Teil sprach ich mit dem Eidgenossen unter anderem über seine Zusammenarbeit mit der Agentur „by the way communications AG“ und sein Zweitstudium der Sportwissenschaften an der Universität Freiburg. Weiter ganz allgemein um verschiedene Schwünge, was es bis zum Eidgenössischen noch zu tun gibt, und um Leader in seinem Verband.

feldwaldwiesenblogger

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