„D’Sunnämusig“: Vier Rentner spielen jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli

„Josef Inderbitzin (Handorgel), Werner Schelbert (Muulörgeli), Josef Ulrich (Gitarre) und Ernst Betschart (Klavier) gründeten im Jahr 2010 im Restaurant «Sonne» «d’Sunnämusig», daher der Name. Das Quartett spielt Musik von Kasi Geisser, der Kapelle Heirassa, Toni Bürgler, Franz Schmidig senior, Leo Schelbert und Muulorgeli-Tänz vom Schründler (Josef Heinzer).“
Obiger Auszug über „d’Sunnämusig“ stammt aus einem neuen Schwyzer Heft, welches am kommenden 17. April veröffentlicht wird.

„D‘Sunnämusig“ tritt praktisch jeden Dienstagnachmittag im Restaurant Alpenrösli in Muotathal SZ auf. Die Formation besteht aus vier Pensionierten. Man kann deshalb sagen: Pensionierte spielen für Pensionierte, natürlich auch für andere. In den Anfangstagen der Formation schrieben sie manchmal als Hinweis: „Drei Rentner und einer nicht.“ Werner Schelbert war nämlich damals zwar pensioniert, aber noch nicht im gesetzlichen AHV-Alter…

Anfänglich traten die vier Musikanten jeden Dienstag im Restaurant Sonne auf. Nachdem das Restaurant Sonne 2012 ihre Türen schloss, spielt die Formation nun im Restaurant Alpenrösli. Die Wirtsleute Franz und Yvonne Föhn willigten bei der Suche nach einem neuen Lokal sofort ein.
Wenn das Restaurant Alpenrösli wegen Betriebsferien geschlossen ist, gibt‘s natürlich an diesen Dienstagen keine Musik.

sunnämusig in gemütlicher hüttenatmosphäre
D’Sunnämusig in gemütlicher Hüttenatmosphäre
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Konzertbesuch am 1. März
Bei der Zirk-Redaktionssitzung von Mitte Februar kam mir die Ehre zuteil, einen Bericht über „d’Sunnämusig“ zu verfassen. Deshalb machte ich am Dienstag, 1. März früher Feierabend, und stattete den vier Musikanten einen Besuch ab. So durfte ich rund während einer halben Stunde lüpfige Musik geniessen. In dieser Zeit spielten sie unter anderem von Heiri Meier das Stück „Züri wackelt“ oder „Zürcher Strandbadleben“ von Sepp Stocker. Eines der letzten Tänzli war „ds Kartschä Wisis Prämie-Tanz“. „Dieses Stück spielen wir eigentlich immer ganz zum Schluss“, erklärte Ernst Betschart hinterher.

Anwesend waren am 1. März praktisch nur rüstige Rentner, viele davon Einheimische. Das Restaurant war gut gefüllt. Das Motto an diesem Nachmittag schien: Musik hören in gemütlicher und heimeliger Atmosphäre. Denn: Nebst schöner und urchiger Musik in angenehmer Lautstärke fand man eine Alphüttli-Dekoration mit altmodischer Wäsche an einer Leine vor.
Unter den Zuhörern finden sich gewöhnlich auch Auswärtige, dann und wann sogar über 90-jährige Zuhörer. Viele der Zuhörer sind treue Gäste und kommen praktisch jeden Dienstag und haben ihren Stammplatz. Die Musikanten der „Sunnämusig“ meinten, dass ihre Musik den Leuten, aber auch ihnen selber gut tue.

Natürlich ist es auch wetterabhängig, ob viele Zuhörer kommen. Bei schlechtem Wetter und im Winter sind die Dienstagnachmittage meist sehr gut besucht. Musik gemacht wird natürlich auch im Sommer.
An der Fasnacht spielen die vier ausnahmsweise an einem Montag: Am Güdelmontag-Nachmittag. Dann sei das Restaurant jeweils bis auf den letzten Platz besetzt. An diesem Anlass kramen die wackeren Herren jeweils auch „Lumpenliedli“ hervor um die Fasnächtler zu unterhalten.

„D’Sunnämusig“ beginnt an den obligaten Dienstagen jeweils um 14.00 Uhr und spielt während einer Stunde Tänzli um Tänzli, ohne grosse Unterbrüche dazwischen. Es folgt eine Pause, bevor sie einen zweiten Musikblock zum Besten geben. Dieser dauert gewöhnlich bis gegen 16.30 Uhr. Werner Schelbert erklärte dazu: „Die Reihenfolge sieht ungefähr so aus: Marsch – Schottisch – Ländler – Polka – Mazurka. Dann beginnt die Reihenfolge wieder von vorne. Dies auch um Abwechslung reinzubringen. Denn die Leute tanzen manchmal zu unserer Musik. Fox-Tänzli machen wir nicht so viele, nur an der Fasnacht.“
Hinterher sitzen die vier Musikanten noch zusammen und klopfen einen Jass. „Das gehört einfach dazu“ sagten sie unisono.

Kompositionen von Ernst Betschart und Josef Inderbitzin
Nebst den eingangs erwähnten Komponisten spielen die vier auch ein Stück von Mitmusiker Ernst Betschart: „Ds Marianne’s Tänzli“, ein Schottisch. „Das ist das erste Stück, welches ich komponiert habe“, ergänzte Ernst Betschart. Auch von Josef Inderbitzin werden jeweils zwei oder drei Eigenkompositionen gespielt. Werner Schelbert spielt zudem mit seinem Muulörgeli ein Tänzli von Josef Schelbert (ds Meitschä Sebul) vor.

Dann und wann nehmen die vier rüstigen Musikanten neue Stücke in ihr Repertoire auf. Ernst Betschart erklärte: „Derjenige, welcher vorspielt, bringt hin und wieder ein neues Stück. Heute haben wir ein paar Lieder aufgeführt, welche wir schon lange nicht mehr gespielt haben. Manchmal haben die Leute Wünsche. Diese versuchen wir so gut wie möglich zu erfüllen.“
Auf die Frage, ob sie auch proben, meinte Josef Inderbitzin: „Der Auftritt im Alpenrösli ist zugleich unsere Probe.“

Die Handorgel und das Muulörgeli sind bei den Tänzli meist zusammen für die Melodie besorgt. Einige Stückli spielt auch Ernst Betschart am Klavier vor, so zum Beispiel Singlieder von Cäcilia Schmidig oder alte Schlager wie „Marina“. Dabei wird zusammen mit den Zuhörern gesungen.

Showeinlagen im Programm
Angesprochen auf Showeinlagen, sagte Ernst Betschart: „Josef Ulrich macht zwischendurch „den Königsjodler“ von Fredl Fesl. Zudem zitiert unser Gitarrist, ein ehemalige Spieler vom Muotathaler Theater, die komplette Werbung der inzwischen landesweit bekannten Fischer Bettwaren AG. Eine weitere Showeinlage von Ulrich ist „die Bless, mei Kuah“. Dies ist ein Schmankerl von „Kasermandl“, einem österreichischen Volksmusikanten-Duo aus Tirol.“

Nebst den wöchentlichen Auftritten im Alpenrösli treten die vier Muotathaler manchmal im Altersheim Muotathal und im Altersheim in Ibach auf. Zudem etwa einmal im Jahr an einer Stubete. Nächstes Jahr haben sie im Frühling einen Auftritt beim Brunner Ländlertreffen in Aussicht. „In den Altersheimen können uns die Leute nicht davonlaufen“ meinte Josef Inderbitzin lachend.

Manchmal kommt es vor, dass andere Musiker mitspielen. Josef Ulrich erläuterte dazu: „Wenn einer von uns fehlt, schauen wir um Ersatz für einen Auftritt. Letztes Jahr musizierte Dölf Rogenmoser einmal mit uns. Der Wirt Franz Föhn hat auch schon mitgespielt. Oder Edy von Euw, als Werner Schelbert in den Ferien weilte.“

Sunnämusig_Bild für Zirk
D’Sunnämusig in „Action“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Die Gründung der „Sunnämusig“ erfolgte 2010
Josef Inderbitzin hatte die Idee zur Gründung, welche Mitte 2010 erfolgte. Werner Schelbert meinte: „Er hat mich verführt“. Ernst Betschart fügte hinzu: „Wir suchten lange nach einem Namen für die Formation“. Als sie für den Muotathaler Ländlersunntig von 2012 engagiert wurden, brauchte die Formation dringend einen Namen. Sie einigten sich schliesslich auf „d’Sunnämusig“. „Wir sind alle so sonnige Typen, wohnen aber im Schattenhalb des Tales“, ergänzte Werner Schelbert. Josef Ulrich gab zu bedenken: „Schattä-Musig würde viel blöder klingen.“ Ernst Betschart erklärte abschliessend: „Inzwischen kennen wir uns sehr gut, und wissen gegenseitig um unsere Macken.“

Die vier Musikanten haben früher schon manchmal miteinander Musik gemacht. Werner Schelbert und Ernst Betschart musizierten zusammen in der Zehnermusik der Musikgesellschaft Muotathal. Ernst Betschart führte weiter aus: „Ich habe früher ab und zu mit Josef Inderbitzin im Restaurant Sonne gespielt. Mit von der Partie war damals zudem Beat Suter (Fruttlers).“

Die instrumentelle Zusammensetzung der „Sunnämusig“ ist in dieser Form einzigartig und speziell. Es sitzen deshalb öfters namhafte Musikanten unter dem Publikum. „Wir hoffen, dass wir noch viele Jahre miteinander musizieren können“, meinte Ernst Betschart. Josef Ulrich orakelte dazu: „Nochmals zu heiraten haben wir nicht mehr im Sinn.“ Zwei Musikanten sind nämlich bereits mehr als 50 Jahre verheiratet, der dritte folgt ihnen demnächst…

feldwaldwiesenblogger

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