Sieben Fragen an Marcel Perren, den Schwing-Reporter vom BLICK

Dass mein Blogbeitrag „BLICK sichert sich „Online-Bewegtbildrechte“ an Schwingfesten – Was bedeutet dies zum Beispiel für den „Schlussgangfilmer“?“ in Schwingerkreisen ziemlich hohe Wellen schlagen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Darin kritisierte ich unter anderem auch Marcel Perren, den zuständigen Schwing-Reporter vom BLICK. Dieser meldete sich telefonisch noch gleichentags bei mir. Natürlich war Perren ob meiner Zeilen nicht erfreut. Am Schluss unseres Gespräches einigten wir uns darauf, dass ich ihm sieben Fragen zustellen werde, und er seine Sicht der Dinge darstellen darf. Im Sinne der Fairness, wie beim Schwingsport üblich.
Nachfolgend die Antworten von Marcel Perren, welcher beim BLICK nebst dem Schwingen auch für den Skisport zuständig ist.

marcel perren
Marcel Perren, Schwing-Reporter beim BLICK
Bildquelle: blick.ch

Wie erklären Sie sich, dass zahlreiche Schwingfans Ihre Berichte über den Schwingsport nicht seriös und fair finden?
Ihr Schwingerblog auf Facebook hat knapp 1000 Freunde. Aufgrund dieser geringen Anzahl von Schwingerfreunden auf ihrem Portal werden Sie kaum seriös beurteilen können, ob ein grosser Teil der Fans meine Berichte seriös und fair findet, oder eben nicht.
Fakt ist: Ich persönlich habe in den letzten Jahren deutlich mehr positive als negative Feedbacks für meine Berichterstattung am Sägemehlring erhalten. Und nach den jüngsten Angriffen auf ihrem Blog hat mir nicht zuletzt Schwingerkönig Matthias Sempach per SMS versichert, dass die meisten Schwinger hinter mir stehen. Ein ähnliches Feedback habe ich von den Gebrüdern Laimbacher, Nöldi Forrer und Christoph Bieri erhalten.

Sie haben beispielsweise über Kilian Wenger und Daniel Bösch ziemlich harte und in vielen Augen unfaire BLICK-Beiträge geschrieben. Haben Sie im Sinne der Fairness vorher mit diesen beiden Schwingern darüber gesprochen?
Diese Frage stellt mir ausgerechnet ein „Journalist“, der in seinem Blog Dinge über mich behauptete, ohne dass er zuvor mit mir auch nur ein einziges Wort gesprochen hat…
Aber ich kann ihre Frage mit Ja beantworten. Bevor ich im Sommer 2012 die Geschichte mit der Schlagzeile „Kilian Wenger ist der schlechteste Schwingerkönig seit 15 Jahren“ abgedruckt habe, wurde der Artikel von Kilian und seinem Manager Beni Knecht gegengelesen. Die Statistik hat diese Schlagzeile ja auch untermauert, Kilian hatte zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger Kranzfestsiege auf seinem Konto, als seine Vorgänger Jörg Abderhalden, Nöldi Forrer und Thomas Sutter in ihren ersten beiden Jahren als Kronenträger herausgeschwungen haben.
Zum Fall Bösch: Mir ist bewusst, dass er meine Berichterstattung als unfair taxiert. Nach seinem Sieg im letzten Sommer auf der Schwägalp hat er uns auch ein Interview verweigert. Das ist sein gutes Recht, unfair behandelt habe ich aber den Daniel nie. Aber Bösch ist böse auf mich, seit ich nach dem St. Galler-Kantonalen 2013 im BLICK die Tatsache thematisiert habe, dass mit dem Käsermeister Martin Kurmann ausgerechnet einer von Böschs damaligen Sponsoren Chef in der Einteilung war, und das dadurch ein latenter Interessenskonflikt da war. Natürlich hat Bösch auch keine Freude daran, dass ich in vielen von meinen Artikeln darauf hingewiesen habe, dass er abseits der Nordostschweiz seit seinem Unspunnen-Sieg 2011 keine grossen Stricke verreissen konnte. Aber auch dies entspricht ja der Wahrheit, Bösch hat seine 17 Kranzfestsiege ausschliesslich im NOS-Verband erkämpft. Ich möchte aber auch daran erinnern, dass ich Bösch nach dem von einigen Skandal-Urteilen geprägten letzten Nordwestschweizerischen im BLICK gemeinsam mit Philipp Laimbacher als moralischen Sieger gefeiert habe.

Haben Sie das Gefühl, dass die von Ihnen formulierten Kraftausdrücke wie beispielsweise dem „Atom-Kurz“ beim breiten Schwingerpublikum gut ankommen?
Es ist ja ganz klar, dass ich mit meinen Formulierungen, meiner Stimme und meinem äusseren Erscheinungsbild nicht jeden Geschmack treffen kann. Aber ich werde mich sicher von keinem Kritiker verbiegen lassen. Darum werde ich auch in Zukunft von einem „Atom-Kurz“ reden, wenn ein „Churz“ fast so viel Sägemehlstaub aufwirbelt wie eine Atombombe… Im Übrigen hat sich ja auch die Sprache der Schwinger der Zeit angepasst. So haben sich Mario und Guido Thürig beispielsweise auf ihrer Homepage nicht als „Gebrüder Thürig“ sondern als „Thürig-Brothers“ vorgestellt. Nach „Brothers“ sucht man im klassischen Duden der Eidgenossen wohl genauso vergeblich wie nach meinem Atom-Kurz, einverstanden?

Steckt in Ihrem Rücken eine Redaktion, die Sie dazu treibt, reisserische Artikel über den Schwingsport zu schreiben?
Ich habe die Regeln des Boulevards nicht erfunden, der BLICK packt seit 1959 jeden Tag erfolgreich die grossen Buchstaben und die unmissverständlichen Schlagzeilen aus. Wir stimmen in der Stunde eines Triumphes die überschwänglichsten Loblieder an, nach Niederlagen wird ein Champion von uns aber bissiger und kritischer bewertet als von den anderen Medien. Wenn ein Shaqiri oder ein Janka komplett versagt haben, bringen wir das auch in aller Deutlichkeit so zu Papier. Warum sollten wir die Schwingerkönige Sempach, Forrer oder Wenger anders anpacken als einen Fussball-Nationalspieler oder einen Ski-Helden?
Top-Schwinger bezeichnen sich heute ja selber als Leistungssportler und verdienen ja auch gutes Geld.

Viele Klubs und in mindestens drei Teilverbänden sind Probleme betreffs der Jungschwinger-Zahlen zu beobachten. Von einem Boom kann da überhaupt nicht gesprochen werden, höchstens bei den grössten Schwingfesten. Wieso schreiben Sie trotzdem in Ihren Beiträgen, dass der Schwingsport so dermassen boomt?
Es ist definitiv so, dass der Schwingsport heute in der Stadt viel mehr Interesse geniesst. Aber dass sich der Boom auf der Zuschauertribüne nicht unbedingt positiv auf die Zahl der Aktiven auswirken muss, belegt ja auch der Alpine Skisport. Zu den Weltcuprennen nach Adelboden und Wengen pilgern heute auch viel mehr Zuschauer als in den 80iger und 90iger Jahren – trotzdem gibt es in der Schweiz weniger Skifahrer als damals. Das ist meiner Meinung nach auf ein gesellschaftliches Problem zurück zu führen. Früher gab es für Kinder bei der Gestaltung ihrer Freizeit kaum Alternativen zum Sport. Doch seit jeder Haushalt mit einem Computer und Internetanschluss bestückt ist, kann ein Kind auch aus dem Lehnstuhl heraus sehr viel Spass haben.

Seit wann Sind Sie beim BLICK zuständig für den Schwingsport, und wie kam es dazu?
Ich bin seit dem Unspunnen-Schwinget 2006 regelmässig als Schwingreporter im Einsatz. Im Winter berichte ich für den BLICK über den Ski-Weltcup der Männer. Weil ich in St. Stephan im Obersimmental in einer Bauern- und Jodlerfamilie aufgewachsen bin, habe ich schon als kleines Kind Schwingfeste besucht. Mein Vater hat im Sommer unterhalb vom Rellerli eine Alp bewirtschaftet, darum habe ich in den 80iger Jahren regelmässig den Rellerli-Schwinget besucht. Und als Harry Knüsel 1986 in Sion Schwingerkönig wurde, habe ich bittere Tränen vergossen. Grund: Mein Idol war Titelverteidiger Ernst Schläpfer. Heute steht mir Knüsel wesentlich näher als der Schläpfer…

Was genau beinhaltet der Deal des BLICKS mit dem ESV betreffs der „Online-Bewegtbildrechte“ an Schwingfesten?
Die Blick-Gruppe unterstützt den Eidgenössischen Schwingerverband und hat sich für einen stolzen Betrag die Rechte für die Online-Berichterstattung gesichert. Wir sind also keine Trittbrettfahrer mehr, sondern haben eine klare Vereinbarung. Mit einem Verband, der richtigerweise gegen den aufkommenden medialen Wildwuchs auf den Schwingplätzen ankämpfen will. Mit dem Schlussgangfilmer wird es ganz sicher ein geordnetes „Nebeneinander“ geben. Entsprechende Kontakte fanden bereits statt. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass Jakob bei einigen Bergfesten für uns filmen wird.

Ich bedanke mich bei Marcel Perren für seine Antworten. Das war ich ihm nach meinem Blogbeitrag vom 24. März als fairer Sportsmann einfach schuldig.

feldwaldwiesenblogger

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