Vor dem Luzerner Kantonalen: Gespräch mit dem Titelverteidiger Erich Fankhauser

Morgen Sonntag findet in Escholzmatt das 97. Luzerner Kantonale Schwingfest statt. Auf der eigens dafür gestalteten Homepage findet man viele Informationen und schöne Bilder.

2015 gewann Erich Fankhauser am 7. Juni das eigene Kantonalfest in Inwil und holte sich so seinen ersten Kranzfestsieg. Der heute 25-jährige Eidgenosse doppelte fünf Wochen später nach und siegte beim Südwestschweizerischen Teilverbandsfest in Genf. Nach einer verletzungsbedingten Absenz im Jahr 2014 kehrte der in Hasle LU wohnhafte Entlebucher erfolgreich auf die Schwingplätze zurück und absolvierte 2015 eine hervorragende Saison. Ein Gang von Erich blieb mir letztes Jahr in besonderer Erinnerung: Beim Brünig-Schwinget bodigte der starke Sennenschwinger den Nordwestschweizer Leader Bruno Gisler. Die dafür geschriebene Note Zehn brachte ihn auf den hervorragenden Rang 2d.

Mittlerweile darf Erich 23 Kränze sein eigen nennen. Vor gut drei Wochen holte er sich mit einer soliden Leistung den ersten Saisonkranz mit Rang 3h beim Schwyzer Kantonalen in Schindellegi. Letzte Saison sicherte sich der Akteur vom Schwingklub Entlebuch sieben Eichenlaub-Exemplare, darunter je zwei Berg- und Teilverbandskränze.

Erich ist von Beruf Maurer und macht derzeit eine berufsbegleitende Ausbildung zum Landwirt. Er übernimmt später einmal den elterlichen Betrieb. Der in Burgdorf zum Eidgenossen gekürte Schwinger gehört morgen zusammen mit Joel Wicki, Sven Schurtenberger, Philipp und Reto Gloggner sowie René und Werner Suppiger zur Luzerner Spitze.

Wie ich es bisher bei allen Kantonalfesten im ISV-Gebiet handhabte, suchte ich mir auch beim Luzerner Kantonalen einen Gesprächspartner. Meine Wahl fiel dabei relativ rasch auf Erich Fankhauser, welchen ich gestern Freitag am Telefon befragen durfte.

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Mit dem Schwyzer Kranz vervollständigte Erich die Kranzsammlung der Kantonalkränze in der Innerschweiz
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Wie geht es dir? Bist du fit und ohne Beschwerden?
Ich bin gesund und „zwäg“. Es stimmt alles und ich konnte während dem Winter gut trainieren. Ich bin zwar noch nicht in absoluter Topform, will aber morgen Sonntag alles geben.

Wie verlief dein Wintertraining? Ohne Probleme und Blessuren?
Das verlief zum Glück ohne Probleme. Ich war von Dezember bis Februar während neun Wochen im Rahmen der Sport-WK’s in Magglingen und konnte dort mit anderen Topschwingern trainieren.

Du hast das Luzerner Kantonale letztes Jahr gewonnen. Liegt die Titelverteidigung drin?
Das wird sicher schwierig. Ich gehöre zu den Favoriten und mit Joel Wicki habe ich einen starken Klubkollegen als Schützenhilfe zur Seite. Für einen Sieg muss ich über mich hinauswachen und es muss alles stimmen. Es wird von den Gästen her hart. Aber möglich ist es schon.

Wenn du nochmals das Luzerner Kantonale 2015 vor deinem inneren Auge Revue passieren lässt, was für Gedanken kommen dir dazu in den Sinn?
Es war für mich ein unvergesslicher Tag. Der Schlussgang war sehr streng, ein richtiger Abnützungskampf. Der erste Kranzfestsieg hat ein spezieller Stellenwert, erst recht beim eigenen Kantonalfest.
Für uns Luzerner hat das Kantonale eine spezielle Bedeutung, da wir bisher praktisch nur an diesem Fest den ersten Kranz gewinnen konnten. Das wird sich aber ab der Saison 2017 ändern, wenn jeder drei Kantonalfeste im ISV-Gebiet bestreiten darf. Übrigens: Ich gewann meinen ersten Kranz 2007 beim Innerschweizerischen in Stans. Das kommt doch eher selten vor.

Das Luzerner Kantonale von Escholzmatt steht vor der Tür. Ist der Schwinget in deiner näheren Heimat Entlebuch eher Motivation oder mit zusätzlichem Druck verbunden?
Es ist eher Motivation. Zudem hat der Schwingsport bei uns im Entlebuch einen grossen Stellenwert. Ich setze mich nicht unter Druck, denn ich gewann das Luzerner Kantonale ja schon einmal. Ich werde mich morgen zwischendurch auch zurückziehen, und nehme Gang um Gang.

erich fankhauser in action beim schwyzer kantonalen
Erich „in Action“ beim Schwyzer Kantonalen
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Was hast du dir für morgen vorgenommen? Hast du dich speziell darauf vorbereitet?
Ich habe mir vorgenommen, mein Bestes zu geben. Eine spezielle Vorbereitung habe ich nicht bestritten. Da ich letztes Jahr eine gute Saison hatte, veränderte ich in meiner Vorbereitung nichts. Speziell ist, dass wir Entlebucher Schwinger beim Aufbau des Festplatzes in Escholzmatt nicht mithelfen mussten. Denn wir verfügen im Entlebuch über so viele freiwillige Helfer, dass wir uns Schwinger dadurch aufs Schwingen konzentrieren können.

Wie wirst du den ersten Gang gegen Christian Schuler in Angriff nehmen?
Ich schwang länger nicht mehr gegen Christian. Er schwingt mit viel Kraft und Explosivität. Ich werde ihn noch genauer studieren und mich auf den Gang einstellen. Ich muss meine eigene Schwingart anwenden. Es wird sicher einen spannenden Gang geben.

Wird es in Escholzmatt auch dieses Jahr wieder einen Luzerner Sieger geben, oder könnte gar einer der starken Gäste den Sieg davon tragen?
Ich hoffe, dass einer von uns Luzernern gewinnen wird. Die Ausfälle, welche wir momentan zu beklagen haben, fallen sicher ins Gewicht. Wenn jeder seine Leistung bringt, liegt der Sieg sicher drin. Mein Bruder Marco ist verletzungsbedingt leider nicht dabei. Er ist nebst unseren Spitzenschwingern auch ein sicherer Wert. Wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben.

Die Luzerner Schwinger sind derzeit ziemlich stark aufgestellt. Besonders diejenigen vom Schwingklub Entlebuch. Was macht euch so stark?
Ich weiss es eigentlich auch nicht. Die Schwinger der jüngeren Garde um Joel Wicki sind alle gleich alt. Man spornt sich gegenseitig an und motiviert einander. Hat man Erfolg im Klub, stimmt es auch im Kopf. Wir verfügen zurzeit über 14 Kranzschwinger im Klub und können so gut trainieren.

Wie geht es deinem Bruder Marco, der sich kürzlich am Knie verletzte und bereits operiert wurde?
Marco konnte gestern das Spital verlassen. Er hat sich beim linken Knie das Innenband gerissen. Um das zu fixieren, wurden Anker reingeschraubt. Weiter erlitt er einen Knorpelschaden und riss sich eine Sehne an der Kniescheibe. Der Knorpelschaden zog einen grösseren Eingriff nach sich. Marco weiss, dass diese Saison gelaufen ist. Er wird als nächstes die Physiotherapie in Angriff nehmen. Wie ich aus eigener Erfahrung feststellte, hat der Schwinger fast weniger Probleme, dies zu akzeptieren, als das Umfeld.

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Nach der Knie-OP lachte Marco schon bald wieder in die Kamera
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Besten Dank, Erich für deine Zeit und das informative Gespräch! Ich wünsche Dir morgen alles Gute und viel Erfolg beim eigenen Kantonalen. Deinem Bruder Marco wünsche ich gute Genesung und viel Kraft und Geduld auf dem Weg zurück auf die Schwingplätze.

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Rückblick auf das Neuenburger Kantonale in Couvet: Ein kleines aber feines Fest (Teil 2)

Wie kürzlich schon beim Teil 1 erklärt, handelt es sich bei diesen beiden Einträgen um den Mai-Beitrag als Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac. Beim Teil 1 legte ich den Fokus auf das Comeback von Michael Nydegger. Heute folgt im Teil 2 eine Fotostrecke vom kleinen aber feinen Neuenburger Kantonalschwingfest, welches in Couvet, im Val de Travers, stattfand. Bildquelle aller Fotos: feldwaldwiesenblogger

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800 Zuschauer befanden sich am letzten Sonntag in Couvet beim 98. „Neuenburger“. Dabei traten 108 Schwinger an. Wegen dem gestellten Schlussgang, welcher zeitweise recht spektakulär verlief, konnte der Neuenburger Samuel Dind den Sieg erben.

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Den Schlussgang bestritten die beiden Freiburger Steven Moser und Marc Guisolan.

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Samuel Dind (links) zeigte eine hervorragende Leistung und wurde schliesslich verdient zum Sieger des 98. Neuenburger Kantonalen erkoren.
Der Siegerpreis war ein prächtiges Rind.

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Der Gabentempel wurde mit schönen und feinen Utensilien hergerichtet.

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Während dem ganzen Tag konnten interessante und sportlich hochstehende Zweikämpfe beobachtet werden. Von einigen Gängen konnte ich teilweise spektakuläre Fotos machen.

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Beobachtet wurden die Südwestschweizer Schwinger unter anderem vom Verbandspräsidenten Blaise Decrauzat und Manu Crausaz, welcher dem Trägerverein Estavayer 2016 vorsteht.

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Wie das Team Romandie fürs Eidgenössische in Estavayer aussehen wird, ist zurzeit noch nicht klar. Mit dem Neuenburger Kantonalen fand erst das zweite von insgesamt sieben Kranzfesten auf dem Gebiet der Südwestschweizer statt. Für eine definitive Qualifikation bleibt also noch genügend Zeit.

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Auch in Couvet durfte der Stand mit Utensilien, welche unmissverständlich den Saisonhöhepunkt in Estavayer ankündigen, nicht fehlen.

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Unter den Zuschauern fand sich auch ein Schwingerkönig: David Roschi, der Sieger des Eidgenössischen von 1972. Dieses fand damals auch in der Südwestschweiz statt, nämlich in La Chaux-de-Fonds. Der frühere Spitzenschwinger begleitete Sohn Ruedi und seine Kameraden vom Schwingklub Niedersimmental.

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Apropos Berner Oberländer Schwinger: Der zurzeit rekonvaleszente Oberländer Turnerschwinger Jonas Lengacher, welcher vor drei Wochen operiert wurde, war in Couvet auch zugegen. Den sechsten Gang von Marcel Wenger hielt er gleich mit seinem Smartphone fest. Zu Recht: Gewann doch der Bruder von Kilian Wenger als 17-Jähriger seinen ersten Kranz, und das erst noch als Gast.

Natürlich durfte die Folklore beim Neuenbuger Kantonalen im Val de Travers auch nicht fehlen. Ein symphatisches Schwyzerörgeli- und ein gestandenes Alphorn-Trio waren für die urchigen Klänge besorgt.

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Der Festakt gestaltete sich um einiges lockerer als in der Deutschschweiz. So wurde wohl eine schön Fahne zum Rednerpult getragen, bei der Aufstellung und dem Tenue nahm man es aber mit welschem Charme ziemlich gemütlich.

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Die „Rächäli-Buäbä“ waren zwei nicht mehr ganz junge „Monsieurs“. Sie verrichteten ihren Job den ganzen Tag über tadellos.

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Neben den vier Sägemehlringen kam so etwas wie Volksfestcharakter auf. Neben Essens- und Getränkeständen wurde sogar ein Riesen-Pirat als Hüpfburg für die Kleinsten aufgestellt.

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Der welsche Charme, wie bereits oben erwähnt, drückte dem Fest in Couvet seinen Stempel auf. Der Schwingplatz mit seinem Drumherum vermittelte einem den ganzen Tag einen familiären und fröhlichen Charakter. Der Schwingsport in der Romandie lebt. Er wird einfach von deutlich weniger Schwingern und Zuschauern als in der Deutschweiz besucht. Diejenigen aber, welchen unseren Nationalsport dort pflegen, leben ihn mit sehr viel Herzblut. Man darf sich deshalb heute schon auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer freuen. Die Romands verstehen es nämlich sehr wohl, einen sportlichen Anlass zu einem gemütlichen Volksfest werden zu lassen.
Ich für meinen Teil werde nebst dem Eidgenössischen ganz sicher irgendwann wieder einmal ein Kranzfest auf Südwestschweizer Boden besuchen.

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Rückblick auf das Neuenburger Kantonale in Couvet: Fünf Fragen an Michael Nydegger (Teil 1)

Für den Mai-Beitrag als Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac fuhr ich wieder einmal in die Südwestschweiz. Genauer gesagt nach Couvet, ans Neuenburger Kantonale. Couvet? Nun, ich kannte diese Ortschaft vor dem 22. Mai auch nicht. Wikipedia weiss dazu: „Seit dem 1. Januar 2009 gehört Couvet zusammen mit Boveresse, Buttes, Fleurier, Les Bayards, Môtiers, Noiraigue, Saint-Sulpice und Travers zur neuen Gemeinde Val-de-Travers.“ Und weiter: „Couvet liegt auf 735 Meter über Meer, 24 Kilometer westsüdwestlich der Kantonshauptstadt Neuenburg (Luftlinie). Die Industriegemeinde erstreckt sich im zentralen Val de Travers beidseits der Areuse und auf dem Schwemmkegel des Seitenbachs Sucre, im südwestlichen Neuenburger Jura.“ Die Einwohner-Zahl von Couvet beziffert die Internet-Wissensdatenbank mit gut 2800.

Frühmorgens fuhr ich bereits los und machte mich auf den Weg zu meinem ersten Kantonalen auf Südwestschweizer Boden. Das Neuenburger Kantonale ist 2016 das zweite von insgesamt fünf Kantonalschwingfesten in der Romandie. Am 8. Mai fand in Carouge bereits das Genfer Kantonale statt, welches Benjamin Gapany souverän gewann.

2015 wurde das Neuenburger Kantonale übrigens von keinem geringeren als dem Seeländer Gast Christian Stucki gewonnen. Dannzumal fand das Fest in Le Landeron statt, wo Stucki im Schlussgang die Südwestschweizer Nachwuchshoffnung Steve Duplan besiegte.
Das diesjährige „Neuenburger“ wurde dank einem gestellten Schlussgang zwischen Steven Moser und Marc Guisolan von Samuel Dind, einem Neuenburger, gewonnen. Dind, welcher dem Schwingklub Vignoble angehört, holte sich fünf Siege. Dem gegenüber steht ein verlorener Gang beim Anschwingen mit dem Berner Gast Beat Wampfler.

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Michael Nydegger kräftig am Fassen
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Auf Rang zwei folgt Michael Nydegger, der zurzeit einzige Südwestschweizer Eidgenosse. Sein Rückstand auf Samuel Dind betrug leidglich ein Viertelpunkt. Bei seinem Kranzfest-Comeback blieb Michael fünfmal siegreich und musste nur im zweiten Gang gegen Stéphane Haenni einen Gestellten hinnehmen. Wegen fehlender Maximalnoten konnte der in Oberschrot FR wohnhafte Sennenschwinger nach dem unentschiedenen Schlussgang nicht erben. Dennoch zeigte sich der mittlerweile 43-fache Kranzgewinner nach dem Schwingfest sehr zufrieden.
Im ersten Teil des Besuches beim Neuenburger Kantonalen widme ich mich deshalb dem 31-jährigen Freiburger, dessen Comeback als absolut geglückt bezeichnet werden darf. Gestern Morgen gab mir Michael zu fünf Fragen Auskunft.

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Michael Nydegger am Gewinnen
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Das erste Kranzfest nach gut zwei Jahren lief sehr gut. Wie hast du dich dabei gefühlt? Welche Gedanken gingen dir durch den Kopf?
Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Ich habe mich sehr gut gefühlt und konnte mit einem Sieg beim Anschwingen einen guten Start hinlegen. Das ist immer gut bei einem Kranzfest. Der zweite Gang endete leider gestellt. Der dritte Gang, welcher wieder siegreich verlief, gab mir einen Motivationsschub. Danach ist es mir immer besser gegangen. Nach den vielen Verletzungen, welche ich mir in der Vergangenheit zuzog, tut das Resultat in Couvet einfach gut. Ich bin glücklich, dass ich so nach zwei Jahren Abwesenheit zurückkehren konnte. Das Ziel war der Kranz, und dass mein Körper mitmacht.
Ich wusste, dass der Festsieg bei einem gestellten Schlussgang drin liegen könnte. Es fehlten mir jedoch die Maximalnoten. Dies spielt aber keine Rolle. Das Resultat und der Verlauf beim Neuenburger Kantonalen gibt mir Selbstvertrauen und Motivation für die nächsten Feste.

Du hast dir diesen Frühling eine kleine Verletzung zugezogen. Ist alles wieder im grünen Bereich?
Ich bestritt diese Saison bisher zwei Rangschwingfeste. Beim Anlass in Chables konnte ich alle sechs Gänge schwingen und landete auf Rang 8b. Beim Abendschwinget Brünisried musste ich wegen einer Verletzung aufgeben. Ich überdehnte mir dort das Innenband beim operierten Knie. Ich legte danach eine Pause ein. Es ist nun wieder alles bestens ausgeheilt. Ich sagte mir, dass ich keine Feste bestreiten werde, wenn ich nicht topfit bin. Es ist für mich selber und meinen Kopf wichtig, dass ich nur fit an den Start gehe.

Bist du mit deinem Formstand zufrieden? An was musst du in nächster Zeit noch arbeiten?
Mit meinem Formstand bin ich sehr zufrieden. Die Kraft, die Ausdauer und die Explosivität sind vorhanden. Schwingerisch gesehen bin ich ebenfalls zufrieden. Wenn das Selbstvertrauen zurückkehrt, kann ich die Schwünge ansetzen, die ich mir vorstelle. Ich werde nun möglichst viele Schwingfeste bestreiten um mein Selbstvertrauen zu stärken. Dabei möchte ich mir nicht zu viele Gedanken machen, und Gang um Gang nehmen.

Wie gross ist Estavayer momentan für dich ein Thema?
Im Hinterkopf ist das Eidgenössische schon ein Thema, aber das findet erst gegen Ende der Saison statt. Wichtig ist, dass ich richtig in die Saison finde und dabei in einen Lauf komme. Der Rest ergibt sich von alleine. Zudem habe ich meine Trainer, die mich unterstützen.

Wie geht es nun weiter? Welche Feste stehen als nächstes an?
Das nächste Kranzfest, das Waadtländer Kantonale, findet bereits am nächsten Sonntag statt. Am 19. Juni folgt der Schwarzsee Bergschwinget, am 26. Juni das Freiburger Kantonale und am 3. Juli bin ich zusammen mit Benjamin Gapany Gast beim Innerschweizerischen Teilverbandsfest in Einsiedeln.

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Michael Nydegger, glücklich nach dem gewonnenen sechsten Gang
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Beim zweiten Teil zum Neuenburger Kantonalen folgt demnächst eine „Fotostrecke“. Denn ich schoss in Couvet vom und rund um den schön hergerichteten Schwingplatz viele Fotos.

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Vor dem Urner Kantonalschwingfest: Interview mit dem Technischen Leiter Valentin Gisler

Am kommenden Sonntag, 22. Mai, findet in Schattdorf das 95. Urner Kantonale Schwingfest statt. Den Anlass 2015 gewann mit Benji von Ah ein Obwaldner Schwinger. Wie die Urner Schwinger, allen voran ihr momentan einziger aktiver Eidgenosse Andi Imhof, zurzeit aufgestellt sind, wollte ich vor Ort erfahren. Zu diesem Zweck fuhr ich nach Attinghausen UR, zur neu erbauten Schwinghalle.
Am Dienstag, 17. Mai war Kantonal-Training des Urner Schwingverbandes. Anwesend waren nebst den Schwingern auch der Technische Leiter Valentin Gisler, und der Medienchef David Zurfluh. David fädelte für mich vorgängig ein Interview mit Valentin ein.

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Schwinghalle Attinghausen mit einer Sägemehlfläche von 150 Quadratmeter
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit März 2015 sind die Urner Schwinger in diesem schönen zweistöckigen Bau am Trainieren, welcher zwischen dem 11. Oktober 2014 und dem 15. März 2015 dank viel Fronarbeit realisiert werden konnte. Auf dem Erdgeschoss befinden sich ein grosser Schwingraum mit einer Sägemehlfläche von 150 Quadratmeter und einer fest installierten Tribüne. Im Obergeschoss ist ein Gesellschaftsraum für maximal 170 Personen für interne oder externe Anlässe integriert, welcher auch vermietet wird.

Valentin Gisler ist genau genommen der Technische Leiter 1 der Aktiven vom Urner Kantonalen Schwingerverband. Nebst der Trainingsleitung ist der in Spiringen wohnhafte Urner verantwortlich für die dazugehörigen Schreibarbeiten. Valentin ist 44-jährig, Projektleiter bei der Firma Merck & Cie, verheiratet und hat drei Kinder. Zwei Buben von ihm betätigen sich bereits schon als Jungschwinger. Der Familienvater ist seit fünf Jahren Technischer Leiter, war in jungen Jahren ebenfalls Schwinger und gewann in seiner Aktivzeit sieben Kränze.

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Valentin Gisler, Technischer Leiter Aktive der Urner Schwinger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie steht es momentan um den Urner Kantonalen Schwingerverband? Wie viele Aktive und wie viele Jungschwinger zählt ihr momentan?
Wir zählen momentan 45 Aktive und etwa 100 Jungschwinger. Die Anzahl Jungschwinger blieb dabei die letzten Jahre ziemlich konstant, im Vergleich zu vor fünf oder sechs Jahren sind sie heute um einiges höher. Es wurde einiges in die Nachwuchsarbeit investiert. Die Zahl der Aktiven ist auch konstant, war jedoch letztes Jahr mit 49 Schwingern leicht höher.
Wir sind eine gut durchmischte Truppe mit ein paar älteren Routiniers zwischen 25 und 30 Jahren. Von unten her drücken Junge nach, von denen in den letzten Jahren einige Kränze gewinnen konnten. Es ist Potential vorhanden.

Im Urnerland gibt es sechs Schwingklubs. Welche sind das?
Das sind die Schwingklubs Bürglen, Schattdorf, Erstfeld, Attinghausen, Flüelen und Altdorf. Dazu gibt es zu sagen, dass Altdorf momentan keine Aktive stellt.
Seit wir hier die neue Halle haben, trainieren wir kantonal mehr zusammen. Von November bis März trainieren wir einmal pro Woche das Schulschwingen mit den 15- bis 18-Jährigen Urnern und den 19-Jährigen und Älteren in je einer Gruppe. Bei den Jüngeren habe ich technische Leiter, die sich um diese kümmern. Ab dem März nehmen wir die beiden Gruppen zusammen und die jüngeren können auch mit den älteren Schwingern zusammen wettkampfmässig trainieren. Von mir aus gesehen ist das der Schlüssel zum Erfolg. Denn dies war bisher für jene Klubs, welche nicht so eine grosse Gruppe stellen, eher ein Nachteil.

Welche Urner Region stellt derzeit die meisten Schwinger? Und: War das schon immer so?
Bei den Aktiven stellt der Schwingklub Bürglen am meisten Schwinger. Die Hälfte der Aktiven kommt von dort. Die Region Schächental ist dabei stark vertreten. Der Schwingklub Schattdorf stellt zehn Aktive, Attinghausen sieben, Flüelen fünf und Erstfeld vier Aktive. Früher war Attinghausen sehr stark, auch Schattdorf hatte sehr gute Jahre. Sogar Altdorf hatte früher während einer gewissen Zeit relativ viele Aktive. Die letzten 20 Jahre war eigentlich immer Bürglen der Klub mit der grössten Anzahl an Aktiven.
Bei den Jungschwingern sieht das etwas anders aus. Da weisen eigentlich alles Klubs gute Nachwuchszahlen auf. Der Schwingklub Bürglen zählt dabei etwa 30 und sogar Altdorf etwa 15 Jungschwinger.

Das Innerschweizerische Teilverbandsfest in Seedorf gewann letztes Jahr Andi Imhof, praktisch vor seiner eigenen Haustür. Wann gab es den letzten Sieg eines Urners an eurem Kantonalen? Wer war das?
Das war Andi Imhof. Er gewann 2011 in Flüelen das Urner Kantonale. Andi ist immer noch mit Abstand der beste Urner Schwinger. Er weist momentan auch eine sehr gute Form auf und ist um einiges besser drauf als letztes Jahr. Der Eidgenosse konnte 2015 fast den ganzen Winter zuvor nicht trainieren, da er sich einer Herzmuskel-Operation unterziehen musste und zudem auch noch eine Adduktoren-Verletzung erlitt. Andi legte zwar ein spitzenmässiges Innerschweizerisches hin, erlebte aber während der ganzen letzten Saison ein richtiges auf und ab.
Der Turnerschwinger bestritt vor dieser Saison eine Top-Vorbereitung und hat sehr viel trainiert. Im Monat März musste er einen kurzen Unterbruch wegen einer Netzhautablösung bei einem Auge in Kauf nehmen. Dieser Rückstand hat er aber aufgeholt und ist nun formmässig wieder voll im Soll.

Wann erlebten die Urner Schwinger ihre besten Zeiten? Mit wem?
Das war aus meiner Sicht in den 1980iger Jahren, zu den Zeiten der Gebrüder Wyrsch, Adalbert Gisler und Markus Imhof. Zuvor hatten sie auch in den Sechziger- und Siebzigern ein paar sehr gute Jahre, wo sie die Ob- und Nidwaldner dominiert hatten. Sie stellten dabei jeweils eine sehr gute Gruppe, welche sich gegenseitig anstachelte. Es ist immer gut, wenn man mit einer Gruppe Schwinger zusammen wachsen kann. Von den Jungschwingern bis zu den Aktiven. Dabei kann man riesige Fortschritte erzielen.

Welche Schwinger sind nebst Andi Imhof momentan eure Zugpferde?
Das sind Elias Kempf, Andi Murer, Matthias Herger, Markus Zurfluh und Stefan Arnold. Stefan wies dieses Jahr eine sehr gute Frühform auf. Er hatte aber wegen einer Fingerverletzung an der linken Hand vor dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen Pech und konnte in Lungern deswegen fast nicht greifen. Diese Verletzung behindert ihn mittlerweile aber nicht mehr.
Matthias Herger hatte eine stark aufsteigende Form, man konnte das beim Training beobachten. Matthias absolvierte kürzlich die Rekrutenschule in Thun und konnte während dieser Zeit zweimal pro Woche mit den Berner Oberländer Schwingern trainieren. Er wurde dabei sehr gefordert und war nun bereit. Es schmerzt mich schon, dass er sich beim Glarner-Bündner am Ellenbogen zwei Sehnen abgerissen hat, und nun ausfällt.

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Aufwärmtraining im Freien
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Von welchen Schwingern wird man in Zukunft vermehrt hören?
Der vorhin angesprochene Matthias Herger hat sicher ein Riesenpotential. Aber auch Marco Wyrsch, welcher grosse Fortschritte machte und von seinen Fähigkeiten her sich noch weiterentwickeln wird. Beim Zuger Kantonalen zeigte Marco eine gute Leistung, stellte aber im sechsten Gang gegen Adrian Steinauer und erreichte so den Kranz leider nicht. Weiter Fabian Herger, welcher letztes Jahr seinen ersten Kranz gewann. Er ist gross gewachsen und bringt gute Voraussetzungen mit. Erwähnen möchte ich auch Daniel Arnold, welcher dieses Jahr den ersten Kranz erkämpfte. Er ist eher ein Leichtgewicht aber technisch sehr stark. Die jüngeren Schwinger müssen sicher noch einen grossen Schritt tätigen, um nach vorne zu gelangen.

Wie steht’s um die Nachwuchsarbeit?
Um die Nachwuchsarbeit steht es gut. Im Vergleich mit früher, also vor etwa 10 bis 20 Jahren, sind wir jetzt sicher viel weiter. Wir haben einige Jungschwinger, welche bei den Schwingfesten innerschweizweit gesehen regelmässig vorne dabei sind und sich Festsiege holen. Bis diese auch bei den Aktiven mitmischen können, braucht es nun einfach seine Zeit.

Wie steht es um den Gesundheits- und den Trainingsstand eurer Aktiven?
Bis zum Pfingstmontag hätte ich „sehr gut“ gesagt. Wir hatten bis dahin abgesehen von kleineren Blessuren keine Verletzten zu beklagen. Wie bereits erwähnt, hatte sich Matthias Herger beim Bündner-Glarner Kantonalfest im Gang gegen Arnold Forrer verletzt. Leider zog sich zudem Michael Zurfluh, einer unserer besten Nichtkranzer, beim Baldegg-Schwinget einen Wadenbeinbruch zu.
Vom Trainingsstand her gesehen sind wir bereit und unsere Schwinger in Form. Beim Glarner-Bündner traten vier Urner Schwinger an, und zeigten eine gute Leistung. Andi Imhof gewann dabei mit einem guten Notenblatt souverän den Kranz. Raphael Arnold und Andreas Arnold schwangen beide um den Kranz. Beim Baldegg-Schwinget zeigten unsere Schwinger auch sehr gute Leistungen.

Welchem eurer Schwinger traut ihr am kommenden Sonntag am ehesten den Sieg zu?
Andi Imhof ist auf jeden Fall der Sieg zuzutrauen. Er hat mit Abstand die grössten Chancen. Vom Potential her würde ich dies auch Stefan Arnold zutrauen. Im Eidgenössischen Jahr hat aber der Kranzgewinn für ihn und die anderen Urner Schwinger die höchste Priorität.

Trügt mich das Gefühl, oder hat das Schwingen im Urnerland, im Vergleich zu den anderen Kantonalverbänden in der Innerschweiz, schon immer eine Art Mauerblümchendasein gefristet? Warum ist das so?
Es war, wie ich vorher erklärte, nicht immer so. Was genau falsch gemacht wurde, nachdem man in früheren Jahren eine extrem starke Gruppe beisammen hatte und nachher abrutschte, ist schwierig zu sagen. Es hängt sicher immer sehr viel mit der Nachwuchsarbeit zusammen und wie viel Zeit dafür investiert wird. Ich meine, wir sind ein kleiner Kanton mit etwa 30‘000 Einwohnern. Im Oberland, also ab Erstfeld aufwärts, wird nicht geschwungen. Aber im Vergleich mit der Anzahl Einwohnern haben wir nicht weniger Schwinger als andere Kantone in der Innerschweiz. Ich darf behaupten, dass wir momentan mit unserer Anzahl an Jungschwingern recht stark aufgestellt sind. In den vergangenen Jahren wurde auch mehr in die Nachwuchsarbeit investiert. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Jungschwinger den Übertritt zu den Aktiven schaffen und bleiben. Und bereit sind, die Leistungsbereitschaft zu erbringen, trotz Lehre und Ausbildung.

Ihr trainiert hier in Attinghausen in einer neuen Schwinghalle. Hat dies zu einem kleinen Boom beim Urner Schwingen geführt?
Ja, das kann man schon sagen. Sicher, so etwas ist schwierig zu messen. Die sechs Schwingklubs waren die ersten, die den Bau dieser Halle unterstützt haben. Erbaut wurde die Schwinghalle vom Schwingklub Attinghausen, nutzen können sie aber nun alle Urner Schwinger. In der Urner Bevölkerung wurde dieser Bau sehr positiv aufgenommen.

Mit welchen Problemen hat der Urner Kantonale Schwingerverband derzeit zu kämpfen?
Es sind die Probleme, die ich bereits schon ansprach. Sie beschäftigen aber nicht nur uns, wie ich beim Gespräch mit den Technischen Leitern von den anderen Kantonalverbänden in der Innerschweiz mitbekam. Es sind halt nicht alle Junge bereit, eine gewisse Leistungsbereitschaft zu zeigen und deshalb im Alter von 16 bis 18 Jahren mit Schwingen aufhören. In diesen Jahren kommt eine Berufsausbildung hinzu, aber auch der Ausgang und eine erste Freundin. Man muss vom Schwingsport angefressen sein, um dran zu bleiben. Es war sicher auch früher schon so, vielleicht nicht in dem Ausmass. Beim Schwingen muss man auch beissen können. Es ist kein leichter Sport, und zudem eine Einzelsportart, wo gleich eins zu eins gemessen wird, was du trainiert hast. Wenn einer den Schritt gemacht hat, und früh den ersten Kranz gewinnt, ist er auch bereit, mehr zu investieren. Die Kranzschwinger machen eigentlich ihren Weg. Ideal ist, wenn man eine Gruppe von Jugendlichen hat, welche einander motiviert und mitnehmen.

Was beschäftigt euch momentan am meisten?
Wir haben ein super Team, und ich gehe auch sehr gerne ins Training. Beschäftigen tut mich in dem Sinne nichts Spezielles. Natürlich, das Urner Kantonale steht vor der Tür. Und in einem Eidgenössischen Jahr befindet sich das ESAF im Fokus, das spürt man auch bei den Schwingern. Die Phase der Kantonalen Feste bedeutet für sie auch die Selektion fürs Eidgenössische.
Beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen, welches dieses Jahr sehr gut besetzt war, gewannen wir sechs Kränze. Weiter holten wir uns bei den Zuger, Schwyzer und Glarner-Bündner Kantonalfesten je einen Kranz.

Mit wie vielen Schwingern fahrt ihr ans Eidgenössische?
Wir fuhren 2013 mit acht Schwingern ans Eidgenössische in Burgdorf. Das war für uns, bezogen auf die Anzahl Kranzschwinger, eine grosse Zahl. Es ist realistisch, diese Zahl auch dieses Jahr wieder zu erreichen.

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Intensives Training der Bodenarbeit
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mein Dank geht an Valentin Gisler und seine ausführlichen und interessanten Ausführungen sowie an David Zurfluh, welcher den Termin organisierte. Das Urner Schwinggeschehen steht dieser Tage in der Innerschweiz im Zentrum des Geschehens. Beim Urner Kantonalen haben sich rund 190 Schwinger angemeldet. Laut Bericht im Bote der Urschweiz werden fünf Eidgenossen an den Start gehen. Nebst den Urnern und den Ob- und Nidwaldner Schwingern werden Sägemehl-Athleten aus Schwyz, Zug, Luzern sowie Tessin in Schattdorf erwartet. Als Gäste von ausserhalb des Innerschweizerischen Teilverbandes sind sechs Schwinger vom Kanton Graubünden eingeladen. Die bekanntesten Bündner Akteure sind dabei der Eidgenosse Beat Clopath und der Teilverbandskranzer Ursin Battaglia.
Ich wünsche allen teilnehmenden Schwingern viel Erfolg, sowie ein unfallfreier Wettkampf und den Zuschauern packende sowie spannende Zweikämpfe.

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„Die Muotathaler Volksmusik – von urchig bis konzertant“ – Teil 2 des Werdeganges für den Muotathaler „Zirk“

Am 30. März schaltete ich den Blogbeitrag „Die Veröffentlichung des neuen Schwyzer Heftes „Innerschwyzer Volksmusik“ erfolgt am 17. April“ online. Darin berichtete ich, dass ich für die Juli-Ausgabe des „Muotathaler Zirkes“ einen Beitrag über das Schwyzer Heft und das von mir verfasste Muotathaler-Kapitel schreiben darf. Im ersten Teil des „Werdeganges“ widmete ich mich der Vorgeschichte dieses Projektes, und berichtete über die ersten Interviews. Weiter über die viele Kleinarbeit, die dahinter steckt und einige ganz wichtige Bezugsquelle: balbuluz.blogspot.ch, den Blog von Lukas Stammler.

Im Teil 2 stellte ich eine Zusammenfassung des Textes zusammen und zitiere darin Auszüge des Muotathaler Teiles. Die volksmusikalische Reise führt uns dabei von den ersten Musikinstrumenten und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal bis zu der Ländlermusik in der heutigen Zeit.

bild innerschwyzer volksmusik
„Innerschwyzer Volksmusik“ ist nun erhältlich
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Erste Musikinstrumente und die Ursprünge der instrumentalen Volksmusik im Muotatal
In diversen Kapiteln versuchte ich unserer instrumentalen Volksmusik auf die Spur zu kommen. Dazu schrieb ich: „Wie unsere Vorfahren zur Volksmusik kamen, ist leider nicht überliefert. Allerdings entwickelte sich in dem abgeschiedenen Tal schon früh eine grosse Vielfalt an Melodien. Diese konnten sich durch das in der Bevölkerung ausgeprägte Festhalten am Überlieferten bis in die heutige Zeit halten.“ Bei archäologischen Grabungen sind in der Gemeinde Illgau Reste von Maultrommeln (Trümpi) zum Vorschein gekommen. Sie werden ins 12. bis 14. Jahrhundert datiert. Während Alphörner für das Muotatal bis heute untypisch blieben, lässt sicher der Büchel bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.
Bevor das Schwyzerörgeli die Volksmusik „eroberte“, wurden die überlieferten Melodien mit Streichinstrumenten (vor allem Geige, Bassgeige und Zither), mit Blasinstrumenten (Klarinette und Trompete) sowie mit Muulörgeli und Trümpi gespielt. Dabei wurde und wird im Muotathal sehr vielseitig musiziert. Nebst den bereits erwähnten Instrumenten werden das Klavier, Schwegelpfeife und Flöte, sowie Büchel und Chlefeli in unserer Volksmusik eingesetzt. Einige der genannten Instrumente werden heutzutage leider nur noch ganz selten gespielt.

Musikanten im Restaurant Schäfli
Musikanten im Restaurant „Schäfli“ um 1920
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Die ersten Schwyzerörgeli im Muotatal
Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Schwyzerörgeli ins Tal. Zu den Pionieren in unserer Gegend werden Alois Suter (Dr Lisäbethler), Melchior Anton Langenegger (Dr Egg-Basch) und Franz Betschart (Dr Liäneler) gezählt. Um 1920 kam auch im Muotatal die chromatische Handorgel auf. Zu den ganz wichtigen frühen Schwyzerörgeli- und Handorgel-Spielern zählt man Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Anton Betschart (Jakä), Fredy Zwimpfer, Josef Ehrler (Schinäler), Zeno Rickenbacher (Zenäli), Adolf Schelbert (Rösslis), Georg-Anton Langenegger (Egg-Baschä), Emil Schelbert (Jörätönuls), Bernhardin Schmidig (Lunnis), Willy Suter (Stützlers), Paul Betschart (Zinglä Gändler), Josef Ablondi (Blundis) und Stefan Suter (Stützlers).

Rees Gwerder, Bisisthaler und Hüritaler Musikanten
Einer der wichtigsten und bedeutensten Schwyzerörgler war Rees Gwerder (Eigälers). Er wurde 1911 in Muotathal geboren. Schon als fünf-Jähriger begann er, die ersten Stücke auf dem Schwyzerörgeli seines Vaters zu spielen. Als 15-Jähriger verfügte er bereits über einen Stock von 100 Melodien. Kurz bevor Rees in die Rekrutenschule einruckte, kaufte er sich zum damals hohen Preis von 430 Franken die erste Eichhorn-Schwyzerorgel. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zog Rees Gwerder von Muotathal nach Arth.
Einer der wohl bekanntesten Bisistaler Musikanten der alten Zeit war Paul Suter (Fruttlers), welcher öfters mit Rees Gwerder zusammenspielte. Weitere Bisisthaler Musikanten sind Theres Ulrich-Betschart (Wildä, Schwyzer Zither), ab der Windegg die beiden Brüder Oswald und Franz Föhn (Föhnä, Handorgel). Ebenfalls ab der Windegg stammte Alois Schmidig, ein bekannter und äusserst talentierter Klavierspieler. Griti Ulrich-Gwerder und ihr Mann Paul Ulrich gründeten Mitte der 1970er-Jahre die „Husmusig Famile Ulrich“. Sehr bekannt war ebenfalls das „Echo vom Pfannenstock“ vom Schwarzenbach im Bisistal.
Das Hürital war früher lange Zeit eine Musikantenhochburg: Anton Betschart (Jakä), Rees Gwerder (Eigälers), Josef Imhof (Predägers), Franz Anton Suter (Gross Schnäpf) und nicht zuletzt die Famile von „Gigers“ (Betschart) wohnten dort.

Die ersten Ländlerkapellen und der Muotathaler Ländlermusik-Stil
Die 1960 gegründete „Kapelle Zwimpfer-Suter“ war gewissermassen die erste Ländlerkapelle im Muotatal. Ihr folgte 1962 die „Tanzkapelle“ Suter-Föhn“. Später kamen mit „Schmidig-Gisler“, „Schmidig-Valotti“, das „Echo vom Klingenstock“ und der „Kapelle Kari Suter“ weitere Ländlerkapellen hinzu.
Den Muotathaler Stil als solches gibt es nicht, er ist ein Teil des Innerschweizer Stils. Trotzdem kann die Art des Musizierens unserer Vorfahren als sehr lebhaft bezeichnet werden. Sie kombinierten oft alte Tänze mit eigenen „Teili“ oder ersetzten sie und schon entstand gewissermassen fast ein neues Stück. Statt komponiert ist früher vielfach kombiniert worden. Das ist heutzutage ein wenig anders. Da viele Tänze geschrieben und auf Tonträger verewigt sind, kann dies zu Kritik führen, wenn ein Stück nicht so gespielt wird, wie es sich der Komponist erdacht hat.

kapelle zwimpfer-suter
Kapelle „Zwimpfer-Suter“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Komponisten und Kompositionen
Die bekanntesten Muotataler Komponisten sind Leo Schelbert (Tönis), Franz Schmidig senior (Lunnis), Fredy Zwimpfer, Josef Heinzer (Schründler) und Anton Betschart (Jakä). Sie schrieben Kompositionen, welche überlebt haben. Franz Schmidig junior (Lunnis) und Kari Suter (Länzä) zählen zur jüngeren Generation der Muotathaler Komponisten. Beide sind heute noch aktiv.
Die bekannteste Muotathaler Komposition ist auch eine sogenannte „Kombination“. Xaver Schmidig (Lunniwisels), von Beruf Küfer, war Klarinettist und spielte seinerzeit in der Feldmusik eine Melodie, deren Ursprung ein Bayrischer Fanfarenmarsch war. Man nannte dieses Tänzli in der Folge „ds Chüäfers Tanz“ oder später „dr Chüäfer“, bis Fredy Zwimpfer daraus „dr urchig Muotithaler“ machte und mit ihm grosse Erfolge feiern durfte.

Wichtige Muotathaler Volksmusikanten von heute und aktuell aktive Formationen
Zu den heute wichtigsten Volksmusikanten zählt man die Handorgelspieler Franz Schmidig junior (Lunnis), Robert Suter (Nüschälis), Franz Föhn (Föhnä), Friedel Herger, Roman Schmidig, Urs Zehnder, den Klarinettisten Kari Suter (Länzä) und den Muulörgler Werner Schelbert (Seppälers). Diese Musikanten spielen ihre teilweise selber komponierten Tänze mit viel Können sowie einer sauberen Spielweise und hauchen auch den alten Kompositionen neues Leben ein.
Zu den aktiven Formationen gehören das seit rund fünf Jahrzehnten bestehende „Schwyzerörgeli-Duo Schelbert-Marty“. Weiter „ds’Jakä Buäbä“, die „Familienkapelle Schmidig“ vom Ried-Muotathal, die „Kapelle Domini Steiner“, das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Schattenhalb“, das „Handorgel-Duo Schmidig-Zehnder, „d’Sunnämusig“, das „Handorgel-Duo Bürgler Herger“, das „Ländlertrio Ablondi-Gwerder“, das „Handorgel-Duo Franz Schmidig (junior)-Robert Suter“, das „Handorgel-Duo Suter Föhn“, das „Handorgel-Duo Patrick Suter-Urs Zehnder“, das „Handorgel-Duo Markus Betschart-Robert Suter“, und das „Schwyzerörgeli-Duo Büchel-Stammler“.
Das „Schwyzerörgeli-Duo Echo vom Hüribachtobel“ ist eine Jungformation und spielt hauptsächlich urtümliche Tänzli.

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Zwei mal zwei Generationen und vier mal Franz
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Wichtige Anlässe von früher und heute
Die Anlässe haben sich verändert, ebenso das Tanzen und die Tanzbräuche. Wegen den wenigen bewilligungspflichtigen Tanztagen fanden früher sogenannte „Schloffätänz“ im privaten Bereich statt. Tanzveranstaltungen in den Wirtshäusern hatten später eine ganz bestimmte Ordnung einzuhalten. Bis gegen Ende der 1940er-Jahre war das Tanzschenkerwesen mit dem „Räschtlitanz“ üblich. In den 1970er-Jahren gab es eine Lockerung mit zusätzlichen Tanztagen und ab anfangs der 1980er-Jahre wurden die „Schloffätänz“ hinfällig als die offiziellen Tanztage ganz wegfielen.
Von 1969 bis 1976 führte Fredy Zwimpfer jährlich ein Ländlertreffen im Restaurant „Sternen“ durch, bei welchen Formationen aus der ganzen Schweiz auftraten. Von 1976 bis 1979 fanden im Restaurant „Sonne“ vier Muotataler Ländlertreffen statt. Daran nahmen ausschliesslich einheimische Volksmusikanten teil. Im Jahre 2007 wurde zum Gedenken an die sieben bekanntesten Muotathaler Komponisten Leo Schelbert, Anton Betschart, Fredy Zwimpfer, Franz Schmidig senior, Cäcilia Schmidig-Schmidig, Josef Heinzer und Kari Suter beim Restaurant „Sonne“ die Muotathaler Musikanten-Stubete durchgeführt.
2008 wurde vom Verein „Giigäbank“ der „Muotitaler Ländlersunnig“ ins Leben gerufen. Der Grossanlass findet jeweils am letzten Sonntag im Jahr in verschiedenen Gaststätten statt. Die beiden Viehmärkte, die Hinterthaler Chilbi und der Bisisthaler Schafmärcht sind bis heute für die Volksmusik wichtig geblieben. Weiter erklingt von November bis Mai jeden Samstagabend im Restaurant „Fluhhof“ Ländlermusik, zudem ist dort am dritten Sonntag im Monat „Stubätä“ angesagt. Regelmässige volkstümliche Anlässe gibt es auch im Restaurant „Alpenrösli“. Über die Sommermonate ist im Alprestaurant „Roggäloch“ jeden Sonntagnachmittag Ländlermusik zu hören. Schliesslich gibt es auch im Restaurant „Sternen“ einige volkstümliche Anlässe und „Stubätä“.
Der Verein „Giigäbank“ führt zudem regelmässig Anlässe unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei wird einheimischen Komponisten und Musikanten gedacht.

Die Ländlermusik in der heutigen Zeit
Die Ländlermusik hat heute im Muotatal sicher nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. Angesichts des Überangebots an allen möglichen Aktivitäten spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch gibt es junge Leute, vor allem aus bäuerlichen Kreisen, welche nach wie vor an der Volksmusik interessiert sind. Sie führen heute ihre eigenen Feste durch. Als Beispiel kann das „Tännfäscht“ aufgeführt werden, organisiert von der Landjugend Muotathal-Illgau.
Es ist ein Glücksfall, dass Einheimische von der Wichtigkeit des musikalischen Kulturguts überzeugt sind und sich für dessen Erhaltung stark machen. Mit diesem Grundgedanken ist im Jahr 2009 der Verein „Giigäbank“ zur Förderung der Volkskultur in den Gemeinden Muotathal und Illgau gegründet worden.
Die Zukunft der Muotathaler Volksmusik steht auf gesunden Beinen. Der Verein „Giigäbank“ sammelt und bewahrt das Ländlermusik-Gut. Die 1990 gegründete Musikschule Muotathal-Illgau, an welcher unter anderem Schwyzerörgeli, Handorgel, Klarinette und Schwyzer Zither erlernt werden kann, fördert dieses Gut. Und die zahlreichen Musikanten spielen die Ländlermusik.
Das Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“ ist bei der Kantonalen Kulturförderung (Tel. 041 819 20 88 oder Mail pius.ruhstaller@sz.ch) und im Buchhandel zum Preis von Fr. 25.- erhältlich.

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Jungformation: „Echo vom Hüribachtobel“ mit Willi und Silvan Betschart
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger, aus dem Schwyzer Heft „Innerschwyzer Volksmusik“

Mit diesen beiden Teilen versuche ich in einem zweiseitigen Beitrag im Muotathaler Zirk, „Innerschwyzer Volksmusik“ den Lesern näher zu bringen. Den Fokus richte ich dabei klar auf die Muotathaler Volksmusik. Wer weiss, vielleicht werden diese Zeilen den einen oder anderen Interessenten zu einem Kauf animieren.
Übrigens: Pius Ruhstaller teilte mir am 13. Mai mit, dass die erste Auflage von „Innerschwyzer Volksmusik“ mit 900 Exemplaren bereits ausverkauft sei. So wie es aber aussieht, soll es eine zweite Auflage geben. Aus meiner Sicht wäre dies nur wünschenswert, scheint doch das Interesse nach diesem Zeitdokument über unsere Volksmusik riesig zu sein.

feldwaldwiesenblogger

Zehn Fragen an Dario Gwerder, den zweifachen Saisonkranzer aus Ried-Muotathal SZ

Andreas Ulrich ging nach einem hochstehenden Schlussgang als Sieger des 93. Schwyzer Kantonalen Schwing- und Älplerfestes vom Platz. Den ersten Platz musste er sich allerdings mit dem punktgleichen Adrian Steinauer teilen, welcher ebenfalls einen hervorragenden Wettkampf zeigte. Vor 4400 Zuschauern und bei bestem Wetter wurden nach harten Kämpfen 33 Kränze verteilt. Zu den Kranzgewinnern gehörte auch Dario Gwerder, welcher in der Endabrechnung auf Rang 4c kam. Der 18-Jährige Sennenschwinger aus Ried-Muotathal sicherte sich dabei bereits den zweiten Saisonkranz. Der 188 Zentimeter grosse und 105 Kilogramm schwere Athlet zeigt seit Beginn der Saison ausnahmslos hervorragende Ergebnisse. Gwerder ist einer der jungen wilden Muotathaler Schwinger, wie Werner Schönbächler kürzlich im Bote der Urschweiz nach dem Küssnachter Abendschwinget schrieb. Vor gut zwei Wochen wurde Dario nach dem Zuger Kantonalen von der Fachzeitung SCHLUSSGANG zum „Neukranzer des Tages“ gekürt. Grund genug, dem jungen Mann, welcher derzeit die Lehre als Netzelektriker absolviert, ein paar Fragen zu stellen.

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Dario Gwerder gewinnt als Neukranzer (Rang 3b) gleich einen Lebendpreis!
Bildquelle: Dario Gwerder

Herzliche Gratulation zum zweiten Saisonkranz! Welcher Kranzgewinn war schwieriger: Der erste in Hünenberg See oder der zweite in Schindellegi?
Den ersten Kranz zu gewinnen war sicher schwer. Ich erreichte dies mit einem guten Notenblatt in Hünenberg See. Es war aber auch schwierig, das zu bestätigen und den zweiten Kranz gleich beim zweiten Kantonalen zu gewinnen. Und das in einem eidgenössischen Jahr.

Welcher Gang war vorgestern der schwierigste? Warum?
Der Gang gegen Pirmin Reichmuth. Ich schwang gegen ihn schon beim Muotathaler Schwinget und wusste eigentlich, was er macht. Es ist aber auch schwierig, sich gegen ihn einzustellen, da er ein grosser Athlet ist.

Gab es in Schindellegi nach der Startniederlage gegen Pirmin Egli einen kleinen Dämpfer? Wie hast du dich nachher wieder aufgerafft?
Ich kannte Pirmin Egli nicht genau, und habe ihn wohl auch unterschätzt. Zudem war ich am Morgen noch nicht richtig spritzig. Deshalb sagte ich mir, dass ich nach einem verlorenen Gang nichts mehr zu verlieren habe und nur noch gewinnen kann. Im zweiten Gang ging ich voll drauf.

Du hast in Hünenberg See am Mittag mit 30 Punkten alleine die Rangliste angeführt. Was ging dir dabei durch den Kopf?
Ich wusste um meinen guten Saisonstart und die guten Leistungen. Die Voraussetzungen für den ersten Kranz waren vorhanden. Ich musste dies in Hünenberg See am Nachmittag nur noch umsetzen. Im vierten Gang sah ich gegen Jonas Lengacher eher meine Chancen als gegen Christian Schuler. Es war sehr schade, dass sich Jonas in diesem Gang verletzte. Als Schwinger muss man mit Verletzungen rechnen, es ist dennoch unschön, wenn es passiert. Ich ging nach dem Unterbruch in die Kabine. Als ich ausgerufen wurde, marschierte ich voll motiviert auf den Platz.

Du bist hervorragend in die Saison gestartet. Hast du eine Erklärung dafür?
Gegen Ende letzter Saison war ich schon gut in Form. Im Winter konnte ich ohne Beschwerden und ohne Verletzungen gut trainieren und hoffte, dass es mir in dieser Saison zum ersten Kranz reicht.

Welche Ziele hast du dir anfangs Saison gesteckt?
Ein Ziel lautete, angriffig zu schwingen und den Zuschauern gute Resultate zu zeigen. Weiter nahm ich mir vor, positiv zu denken. Das heisst, dass ich nicht schon vor einem Gang denke, gegen diesen Gegner habe ich bereits verloren. Sondern, dass ich gegen jeden gewinnen kann.

Du scheinst mit deinen 18 Jahren schon ein ziemlich kompletter Schwinger zu sein. An was musst du deiner Meinung nach noch arbeiten?
An der Vielseitigkeit muss ich noch arbeiten. Krafttraining mache ich zurzeit nur einmal pro Woche, in eingeschränktem Masse. Ich trainiere zwar jetzt schon vier bis fünf Mal pro Woche. Aber meine Lehre als Netzelektriker steht für mich momentan im Fokus, und ich plane zum Lernen genügend Zeit ein.

Hast du auch schwingerische Vorbilder? Welche und warum?
Heinz Suter und Philipp Laimbacher. Heinz, weil er vielseitig geschwungen hat, einen starken Wyberhaken zeigte und eine gute Einstellung an den Tag legte. Als Jungschwinger war ich Fan von Philipp. Mir gefällt seine Schwingweise und ich mache ähnliche Schwünge, wie beispielsweise der Innere Haken oder der Kurz. Zudem imponiert mir, wie Philipp wegen Rückenproblemen seine Bodenarbeit intensiviert hat.

Die „jungen wilden“ Muotathaler Schwinger haben beim Zuger und beim Schwyzer Kantonalen jeweils vier Kränze gewonnen. Was macht euch derzeit so stark?
Es ist der Teamzusammenhalt, der uns stark macht. Wir feuern uns gegenseitig an, geben uns gegenseitig Tipps und muntern einander nach einer Niederlage wieder auf. Weiter schauen wir beim nächsten Training an, was bei einem Schwingfest nicht so gut lief. Unser guter Teamgeist fällt den Zuschauern auf und wir wurden auch schon darauf angesprochen, dass wir ein gutes Team bilden.

Welches sind deine nächsten Kranzfeste?
Definitiv feststehen die Teilnahme beim Urner Kantonalen (zusammen mit Ralf Schelbert und Daniel Betschart) sowie beim Innerschweizerischen. Es ist gut möglich, dass noch das eine oder andere Kranzfest hinzukommt. Das ist aber noch in Abklärung.

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Dario Gwerder beim Zusammengreifen mit Christian Schuler
Bildquelle: Dario Gwerder

Ich bedanke mich bei Dario Gwerder für das Beantworten meiner Fragen. Der mittlerweile zweifache Kranzer sorgte diese Saison schon für einige überzeugende und sehenswerte Duelle auf dem Schwingplatz. Ich bin überzeugt, dass er uns noch sehr viel Freude rings um die Sägemehlringe bereiten wird. Für den weiteren Saisonverlauf wünsche ich ihm viel Erfolg, in erster Linie aber dass er gesund und von Verletzungen verschont bleibt.

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Martin Rohrer, dem Technischen Leiter Aktive des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbandes

Das 112. Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest fand gestern bei prächtigem Frühlingswetter am Verschiebedatum in Lungern OW statt. Der glückliche Sieger heisst Philipp Laimbacher. Die Besetzung mit 185 teilgenommenen Schwingern, darunter neun Eidgenossen, durfte sich ohne Zweifel sehen lassen. Denn es ist 2016 insgesamt gesehen das bestbesetzte Kantonale im ISV-Gebiet.
Total wurden 29 Kränze abgegeben, darunter ein Goldkranz. Matthias Glarner erschwang sich den hundertsten Kranz seiner Karriere.
Der gastgebende Ob- und Nidwaldner Schwingerverband konnte sich dabei 13 Kränze sichern. Ist die Ausbeute zufriedenstellend und im üblichen Rahmen? Diese und andere Fragen stellte ich heute Martin Rohrer, dem Technischen Leiter Aktive des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbandes.

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Martin Rohrer, Technischer Leiter Aktive
Bildquelle: Martin Rohrer

Bist du zufrieden mit der Anzahl erkämpfter Kränze eures Kantonalverbandes (13 Kränze, darunter zwei Neukranzer)?
Ich bin im Grossen und Ganzen zufrieden, in Anbetracht des gut besetzten Teilnehmerfeldes mit den starken Gästeschwingern. Wir haben leider auch einige Verletzte zu beklagen, beispielsweise Sepp Odermatt. Der eine oder andere konnte gestern seine Leistung nicht abrufen. Mehr als zufrieden bin ich mit den beiden Neukranzern Martin Amgarten und Florian Hess.

Wie sieht die Kranzausbeute im Vergleich mit anderen Jahren aus?
In anderen Jahren holten wir uns zusätzlich den einen oder anderen Kranz. Vielleicht war uns das Wettkampfglück auch schon holder beschieden. Zudem spielte, wie schon erwähnt, das Teilnehmerfeld eine Rolle.

Was für eine Bilanz ziehst du vom gestern gezeigten Schwingsport?
Den Zuschauern wurden attraktive und interessante Gänge geboten. Dabei fielen viele Entscheidungen. Mit Philipp Laimbacher hat der richtige Schwinger gewonnen. Er war gestern der Stärkste in Lungern und hat dabei die Besten auf die Seite geräumt.

Haben die Schwinger eures Verbandes dabei mehrheitlich ihre Leistung abrufen können?
Nein. Gewisse Schwinger konnten ihre Leistung abrufen. Beispielsweise Fabian Gassmann und Marco Rohrer. Die beiden haben ihre Hausaufgaben gemacht und konnten über sich hinaus wachsen. Von anderen Schwingern hätte ich mehr erwartet. Einige brachten ihre Leistung noch nicht wie gewohnt.

Welche Schwinger haben gestern besonders guten Schwingsport gezeigt?
Nebst dem Sieger Philipp Laimbacher und dem „Goldkranzer“ Matthias Glarner ist dies Joel Wicki, welcher am Abend ein starkes Notenblatt aufwies. Weiter auch Andi Imhof und Andreas Ulrich. Bei Ulrich besteht allerdings noch Luft nach oben. Wie man ihn kennt, wird er sich aber von Fest zu Fest steigern. Aus unserer Sicht kann ich die beiden Schwinger Fabian Gassmann und Marco Rohrer, welche schon bei der vorherigen Frage Erwähnung fanden, hervorheben.

Welches sind eure Aufsteiger, die dereinst für Furore sorgen werden?
Der eine ist Stefan Ettlin, welcher letztes Jahr den ersten Kranz machte, zurzeit aber verletzt ist. Die beiden Neukranzer Martin Amgarten und Florian Hess haben sicher Potential. Weiter auch Ueli Rohrer, ein junger Schwinger vom Team Aarburg. Also ein Jungschwinger, welcher letztes Jahr beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag in Aarburg einen starken Auftritt zeigte. Nennen möchte ich auch Christian Odermatt und Lukas Bernhard. Letzterer wurde gestern unter seinem Wert geschlagen.

Welchem eurer Schwinger traust du den Eidgenössischen Kranz in Estavayer-le-Lac zu?
In erster Linie unseren drei Eidgenossen Benji von Ah, Peter Imfeld und Marcel Mathis. Es ist aber schwierig, weitere Namen zu nennen. Ich möchte dabei auch keinen unter Druck setzen. Wenn’s gut läuft, kann es den einen oder anderen Neueidgenossen geben.

Was lief am Kantonalen in Lungern aus der Sicht eures Verbandes weniger gut?
Wie schon erwähnt, konnten die einen nicht ihre Leistung abrufen. Nach dem Fest haderten einige unserer Schwinger mit sich. Denn es geht um die Qualifikation für Estavayer. Dabei strauchelte der eine oder andere gegen schlechter dotierte Schwinger.

Ziehst du bereits einige Lehren aus dem gestrigen Anlass in Lungern, hinsichtlich der laufenden Saison?
Wichtig ist, dass sich unsere Schwinger nicht verrückt machen lassen, und dass wir den Kontakt mit ihnen suchen. Bis zum Brünig-Schwinget besteht die Chance, sich für das Eidgenössische zu qualifizieren. Zudem, dass weiterhing gut trainiert wird. Die Grundlagen holt man sich zwar im Winter, jetzt geht es um Feinjustierungen.

Kürzlich konnte man in der Neuen Luzerner Zeitung lesen, dass die Obwaldner, gemessen an den Einwohnerzahlen, am meisten Aktivschwinger pro 1000 Einwohner haben. Bist du mit der schwingerischen Entwicklung in Obwalden also voll und ganz zufrieden? Wie sieht das mit dem Nachbar und Partner Nidwalden aus?
Wenn ich voll und ganz zufrieden wäre, könnte ich mich gleich in den Liegestuhl legen. Nein, Spass beiseite. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Unsere Jungschwingerbetreuer machen zudem einen guten Job. Es ist aber auch klar, dass geburtenschwache Jahrgänge auf uns zukommen werden.
Es ist schön, dass wir relativ viele Obwaldner Schwinger haben. Wenn man Ob- und Nidwalden aber zusammen nimmt, kommen wir hinter Appenzell zu liegen. Man muss diese Statistik deshalb relativieren, da wir ein relativ kleines Einzugsgebiet haben. Der Allweg trennt die beiden Halbkantone. Wir möchten aber den „Kantönligeist“ ein wenig in den Hintergrund drängen. Als „Unterwaldner“ wollen wir gut dastehen, als ein gemeinsamer Kantonalverband. Wir versuchen gemeinsam das Beste daraus zu machen.

Wie siehst du euren Verband im Vergleich mit den anderen Kantonalverbänden in der Innerschweiz?
Die Luzerner sind kräftig im Vormarsch und die Schwyzer sind nach wie vor stark. Wir kommen an dritter Stelle. Wichtig ist, dass wir gegenüber den kleinen Kantonalverbänden nicht abfallen, und mit denen gut mithalten können.

Ich bedanke mich bei Martin Rohrer für seine aufschlussreichen Auskünfte nach dem Ob- und Nidwaldner Kantonalen und wünsche ihm und seinen Schwingern alles Gute. Zudem viel Erfolg und natürlich fitte und gesunde Schwinger.

feldwaldwiesenblogger