Gespräch mit dem Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof

Kürzlich traf ich mich mit dem Muotathaler Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof. Im Proberaum, wo sein Schlagzeug steht, befragte ich den 39-Jährigen zu seinem grossen Hobby, dem Schlagzeugspiel. Natürlich war auch der Einstieg bei der Hardcore-Band Vale Tudo ein Thema.
Angesprochen auf sein Alter meinte der bärtige Drummer, dass sein „Muotathaler Jahrgang“ weitherum der beste sei. Und zwar im Bezug auf die Anzahl „Luszapfen“. Dieses Thema haben wir in der Folge nicht weiter vertieft…
Heinz ist verheiratet und arbeitet als Autolackierer in einem 80 Prozent-Pensum zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder in einem Familienbetrieb. Des Weiteren unterrichtet er an den Musikschulen Muotathal/Illgau (11 Schüler) und Brunnen/Ingenbohl (14 Schüler). Als weitere Hobbys nannte mir Heinz Jassen, Sport, Lesen und gelegentliche Ausflüge.

heinz draussen
Spitzenschlagzeuger Heinz Imhof
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was bedeutet für dich das Schlagzeugspielen?
Einerseits ist es etwas Normales und etwas Schönes. Etwas, das ich sehr gerne mache. Andererseits schlägt man dabei nur auf Blech und Plastik ein. Mehr steckt eigentlich nicht dahinter. Es hat einen gewissen Stellenwert in meinem Leben, ist aber nicht lebensnotwendig. Dabei gäbe es genug anderes, was man auch machen könnte.

Wann hast du mit dem Schlagzeugspiel angefangen?
Begonnen habe ich im Herbst 1988 als Tambour bei den Muotathaler Fasnachts-Tambouren. Alois Betschart zeigte mir die ersten Sachen auf der grossen Trommel. Darauf übte ich rege und konnte in der Fasnacht 1989 zum ersten Mal mittun. Gut zwei Jahre später kam ich zum Musikverein Muotathal und spielte zuerst „die Tschinellen“.
1991 habe ich zum ersten Mal Schlagzeug gespielt. Ich sass hinter das Schlagzeug des damaligen Verwaint-Drummers Roger Schelbert und hatte keine Ahnung, wie so was ging. Verwaint-Gitarrist Erich Gwerder erklärte mir, was Roger hinter dem Drum jeweils macht. Mit diesen ersten Anweisungen begann ich am Schlagzeug zu üben. Ich durfte mich nun einmal pro Woche auf Roger’s Drum betätigen, denn ich hatte zu der Zeit noch kein Eigenes.

In welchen Bands hast du bisher gespielt?
Meine erste Band waren die bereits genannten Verwaint. Bei der Muotathaler „Natur Core“-Band spielte ich von 1992 bis zur Auflösung 1998. Weiter gab es noch diese und jene Formation, manchmal nur für eine CD-Aufnahme. Dann kam die Death Metal/Grindcore-Band Embalming Theatre. Bei ihnen trommle ich schon seit 17 Jahren und wir haben es immer noch sehr lustig miteinander. Wir proben jeweils nur vor Auftritten.
Von 2002 bis 2008 bediente ich die Drums bei Disparaged, einer in der Szene bekannte Death-Metal-Band aus Sisikon UR.

In welchen Bands oder Formationen spielst du derzeit?
Seit Februar dieses Jahr trommle ich bei Vale Tudo, einer schweizweit bekannten Hardcore-Band aus Zürich. Und natürlich weiterhin bei Embalming Theatre.

Technisch bist du ein sehr versierter Drummer. Wie sah dein Werdegang aus?
Ich habe immer versucht, es richtig klingen zu lassen. Die Vorstellung, wie etwas technisch gespielt werden muss, und die Umsetzung, bis ich es konnte. Ich spielte viel und schaute diverse Sachen an. Dazu kommt: Die erlernten Tambouren-Techniken sind nicht zu unterschätzen. Es ist etwas vom Besten für die Handtechnik. Weiter hörte ich vielen anderen Trommlern zu. Ich versuchte rauszuhören, was sie spielen und warum sie etwas so praktizieren. Das Nachspielen ist das eine, das andere ist, wie es gespielt wird. Dabei kann man von etlichen Drummern verschiedene Tricks abschauen. Auf die Details kommt es an.
Ich kaufte zudem Notenbücher und zwang mich, diese anzuschauen und dazu zu spielen. Auch wenn ich damals von Noten noch keine grosse Ahnung hatte. Internet gab es am Anfang meiner Schlagzeuger-Karriere noch nicht. Video-Kassetten zum Selbststudium waren zu jener Zeit angesagt. Heute ist es um einiges einfacher, man findet im Internet unglaublich viele Sachen.
Als ich das erste Mal in den Schlagzeugunterricht ging, war ich schon 20 Jahre Drummer. Vor einiger Zeit besuchte ich während zwei Jahren die Swiss Drum Academy in Oberglatt ZH und absolvierte den berufsbegleitenden Lehrgang zum Profischlagzeuger. Ich besitze nun ein Diplom, war aber kein guter Schüler. In dieser Schule wurden einem Dinge gezeigt, auf die man nie gekommen wäre. Wie zum Beispiel verfeinerte Bewegungsabläufe. Zusätzlich lernte ich von der Pike auf das Notenlesen. Ich spiele nun relativ viel nach Noten, weil es für mich die Sache leichter macht. Zudem kann ich mir die ganzen Details schlicht nicht merken. Für Vale Tudo beispielsweise habe ich meine eigene Notierung für ihre Lieder geschrieben. Damit habe ich die Basis, wie ein Song gespielt werden muss.

Welche Drummer sind deine Vorbilder? Warum?
Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Es gibt so viele verschiedene Musikrichtungen mit den dazugehörigen Spitzendrummern. Am meisten mag ich die Trommler, denen man die Freude beim Spielen anmerkt. Der Drum-Roadie von den Sex Pistols ist so ein Drummer, welchen ich bei einem Workshop in Deutschland spielen sah. Er ist nicht unbedingt ein guter Schlagzeuger. Aber das Imposanteste war für mich seine grosse Freude, welche er bei seinem Spiel an den Tag legte.
Orientiert habe ich mich an einigen Drummern. Virgil Donati ist dabei für mich die Nummer eins. In ganz jungen Jahren gab es drei Drummer: Dave Lombardo von Slayer, Charlie Benante von Anthrax und Nicko McBrain von Iron Maiden. Später kam Jeff Porcaro von Toto dazu. Dann liess ich die Heavy Metal-Geschichten ein wenig beiseite. Und es kam der angesprochene Donati dazu. Weiter Thomas Lang, welchen ich persönlich kenne. Zurzeit spielt er bei Gianna Nannini und Robbie Williams, früher bei Falco. Lang ist für mich ein sehr motivierender Trommler, auch seiner Geschichten wegen. Oder Dom Famularo, welchem ich mit meinen Schlagzeugschülern bei einem Workshop zusah. Seine Ausstrahlung war für alle unglaublich motivierend. Einer der mir auch sehr gut gefällt, ist der Drummer von Sting, Manu Katché. Er spielt so fein Schlagzeug, richtig angenehm zum Zuhören. Das ist einfach gezielt super, der spielt richtig Musik hinter seinem Drumkit.

heinz am drum
Heinz Imhof hinter seinem Schlagzeug
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viele Stunden probst du pro Woche? Was probst du genau?
Momentan probe ich für mich etwa zwei bis drei Stunden pro Woche. Dazu kommt noch eine gut einstündige Band-Probe mit Vale Tudo.
Ich übe für mich Sachen, die mir noch nicht so liegen. Oder Sachen, welche ich bei einer Musikformation können muss. Weiter für meine Musikschüler: Ich komponiere gelegentlich für einen Schüler ein Solo und will es natürlich auch spielen können. Ich versuche auch, aus Büchern heraus verschiedene Dinge nachzuspielen. Zudem probe ich an der Unabhängigkeit.

Woran arbeitest du „schlagzeugtechnisch“ zurzeit am intensivsten?
Technisch gesehen sind es gewisse Bewegungsabläufe an den Füssen und an den Händen, die mir noch nicht so passen. Zum Beispiel eine Figur mit dem rechten Fuss für mein Bassdrum-Spiel. Dabei gibt es auch noch etwas bei der linken Hand, was ich am Ausprobieren bin.
Musikalisch sind es derzeit die Songs von Vale Tudo, damit ich die sauber spielen kann.

Seit wann bist du bei Vale Tudo. Erzähl doch etwas über die Band, und wie es zum Einstieg kam?
Am Februar dieses Jahr habe ich das erste Mal mit ihnen geprobt.
Vale Tudo ist eine Zürcher Band und besteht neben mir aus zwei Sängern, zwei Gitarristen und einem Bassisten. Vor der Gründung von Vale Tudo spielten drei Bandmitglieder bei PX-Pain, einer bekannten Trash Metal-Band aus Zürich. Vale Tudo wurden übrigens 2006 gegründet.
Meine Frau sah auf Facebook, dass die Jungs einen Drummer suchen. Sie meinte, ich soll doch mal bei ihnen vorspielen. Nach einigem Überlegen meldete ich mich bei ihnen und durfte dann auch vorspielen. Erschwerend kam hinzu: Ich hatte zu dieser Zeit, Mitte Januar, eine lädierte Schulter und konnte meinen rechten Arm nicht richtig heben. Vier Songs musste ich vorgängig einüben. Beim „Casting“ spielte ich die vier Songs mit ihnen, respektive ich wurde nur von einem Gitarristen und dem Bassisten begleitet. Die beiden Sänger und der zweite Gitarrist haben zugehört und das Ganze auch auf Band aufgenommen. Anschliessend wurden die Songs noch mit den Sängern zusammen gespielt. Zum Schluss gab es noch eine kleine Unterredung, welche bald einmal abgeschlossen wurde, da noch ein anderer Drummer zum Vorspiel eingeladen wurde. Einen Tag später bekam ich schon die Zusage. Ich teilte ihnen aber mit, dass ich noch etwas Bedenkzeit benötige. Einige Tage später sagte ich zu.

Wie sieht die nahe Zukunft bei Vale Tudo aus? Was ist alles geplant? Wo kann man euch live sehen?
In nächster Zeit, das heisst bis nach den Sommerferien, sind 14 Konzerte geplant. Vor gut drei Wochen spielte ich die ersten beiden Konzerte mit Vale Tudo. Einige Konzerte sind wirklich sehr interessant. Einerseits spielen wir zusammen mit bekannten amerikanischen Bands, zum Teil im Vorprogramm. Andererseits werden wir an so tollen Orten wie beim Obenuse Fest in Zürich (7. Mai) oder beim Greenfield Festival (8. bis 11. Juni) auftreten. Bis auf ein Konzert, welches in Deutschland über die Bühne gehen wird, sind alle hier in der Schweiz geplant. Ein Gig wird in der Westschweiz sein. Der grosse Rest ist verteilt über die halbe Deutschschweiz. Da beide Sänger bei zwei verschiedenen Konzertveranstaltern arbeiten, haben sie so beste Verbindungen in die Szene. Diese Tatsache führte schon zu einigen Auftrittsanfragen. Die zwei sind auch verantwortlich für jegliche Organisationsarbeiten rund um unsere Band.
Von Vale Tudo ist vor einigen Tagen eine neue CD erschienen. Der Tonträger hört auf den Namen „Still Anything Goes“, und wurde kürzlich in der Sendung „Rock Special“ bei SRF3 vorgestellt. Da während den Aufnahmen der bisherige Trommler die Band verliess, wurden bei den Songs die Drumparts mit einem ausgeklügelten PC-Programm eingespielt.

Bringst du alle deine Tätigkeiten wie Beruf, Schlagzeugunterricht und Drummer bei Vale Tudo gut unter einen Hut?
Wenn ich nicht das Gefühl hätte, das es funktioniert, würde ich es nicht machen. Dabei setze ich ganz klare Prioritäten und liess wegen meiner Berufstätigkeit auch schon Band-Proben aus. Dies natürlich alles in Absprache mit meinen Bandkollegen.

Was versuchst du deinen Schülern beim Erlernen des Schlagzeugspiels mit auf den Weg zu geben?
Zuerst, dass sie Freude am Instrument haben. Das Technische ist dabei zweitrangig. Das Hauptziel ist, dass die Schüler ihr Gehör und ihr Können soweit entwickeln. Damit sie, wenn sie nicht mehr im Unterricht sind, mit Gleichaltrigen zusammen musizieren können. Und aus ihrem Erlernten etwas machen können.

Wie sehen deine Pläne und Ziele als Schlagzeuger aus?
Ich habe diesbezüglich weder Pläne noch Ziele. Ich spiele einfach aus Freude Schlagzeug und möchte dies so lange wie möglich tun.

Heinz, besten Dank für deine Zeit und die wertvollen Informationen rund um dein Schlagzeugspiel! Ich wünsche dem motivierten Muotathaler dabei alles Gute, Erfolg und in erster Linie viel Freude bei seinem grossen Hobby.

feldwaldwiesenblogger

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