Vor dem Luzerner Kantonalen: Gespräch mit dem Titelverteidiger Erich Fankhauser

Morgen Sonntag findet in Escholzmatt das 97. Luzerner Kantonale Schwingfest statt. Auf der eigens dafür gestalteten Homepage findet man viele Informationen und schöne Bilder.

2015 gewann Erich Fankhauser am 7. Juni das eigene Kantonalfest in Inwil und holte sich so seinen ersten Kranzfestsieg. Der heute 25-jährige Eidgenosse doppelte fünf Wochen später nach und siegte beim Südwestschweizerischen Teilverbandsfest in Genf. Nach einer verletzungsbedingten Absenz im Jahr 2014 kehrte der in Hasle LU wohnhafte Entlebucher erfolgreich auf die Schwingplätze zurück und absolvierte 2015 eine hervorragende Saison. Ein Gang von Erich blieb mir letztes Jahr in besonderer Erinnerung: Beim Brünig-Schwinget bodigte der starke Sennenschwinger den Nordwestschweizer Leader Bruno Gisler. Die dafür geschriebene Note Zehn brachte ihn auf den hervorragenden Rang 2d.

Mittlerweile darf Erich 23 Kränze sein eigen nennen. Vor gut drei Wochen holte er sich mit einer soliden Leistung den ersten Saisonkranz mit Rang 3h beim Schwyzer Kantonalen in Schindellegi. Letzte Saison sicherte sich der Akteur vom Schwingklub Entlebuch sieben Eichenlaub-Exemplare, darunter je zwei Berg- und Teilverbandskränze.

Erich ist von Beruf Maurer und macht derzeit eine berufsbegleitende Ausbildung zum Landwirt. Er übernimmt später einmal den elterlichen Betrieb. Der in Burgdorf zum Eidgenossen gekürte Schwinger gehört morgen zusammen mit Joel Wicki, Sven Schurtenberger, Philipp und Reto Gloggner sowie René und Werner Suppiger zur Luzerner Spitze.

Wie ich es bisher bei allen Kantonalfesten im ISV-Gebiet handhabte, suchte ich mir auch beim Luzerner Kantonalen einen Gesprächspartner. Meine Wahl fiel dabei relativ rasch auf Erich Fankhauser, welchen ich gestern Freitag am Telefon befragen durfte.

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Mit dem Schwyzer Kranz vervollständigte Erich die Kranzsammlung der Kantonalkränze in der Innerschweiz
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Wie geht es dir? Bist du fit und ohne Beschwerden?
Ich bin gesund und „zwäg“. Es stimmt alles und ich konnte während dem Winter gut trainieren. Ich bin zwar noch nicht in absoluter Topform, will aber morgen Sonntag alles geben.

Wie verlief dein Wintertraining? Ohne Probleme und Blessuren?
Das verlief zum Glück ohne Probleme. Ich war von Dezember bis Februar während neun Wochen im Rahmen der Sport-WK’s in Magglingen und konnte dort mit anderen Topschwingern trainieren.

Du hast das Luzerner Kantonale letztes Jahr gewonnen. Liegt die Titelverteidigung drin?
Das wird sicher schwierig. Ich gehöre zu den Favoriten und mit Joel Wicki habe ich einen starken Klubkollegen als Schützenhilfe zur Seite. Für einen Sieg muss ich über mich hinauswachen und es muss alles stimmen. Es wird von den Gästen her hart. Aber möglich ist es schon.

Wenn du nochmals das Luzerner Kantonale 2015 vor deinem inneren Auge Revue passieren lässt, was für Gedanken kommen dir dazu in den Sinn?
Es war für mich ein unvergesslicher Tag. Der Schlussgang war sehr streng, ein richtiger Abnützungskampf. Der erste Kranzfestsieg hat ein spezieller Stellenwert, erst recht beim eigenen Kantonalfest.
Für uns Luzerner hat das Kantonale eine spezielle Bedeutung, da wir bisher praktisch nur an diesem Fest den ersten Kranz gewinnen konnten. Das wird sich aber ab der Saison 2017 ändern, wenn jeder drei Kantonalfeste im ISV-Gebiet bestreiten darf. Übrigens: Ich gewann meinen ersten Kranz 2007 beim Innerschweizerischen in Stans. Das kommt doch eher selten vor.

Das Luzerner Kantonale von Escholzmatt steht vor der Tür. Ist der Schwinget in deiner näheren Heimat Entlebuch eher Motivation oder mit zusätzlichem Druck verbunden?
Es ist eher Motivation. Zudem hat der Schwingsport bei uns im Entlebuch einen grossen Stellenwert. Ich setze mich nicht unter Druck, denn ich gewann das Luzerner Kantonale ja schon einmal. Ich werde mich morgen zwischendurch auch zurückziehen, und nehme Gang um Gang.

erich fankhauser in action beim schwyzer kantonalen
Erich „in Action“ beim Schwyzer Kantonalen
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Was hast du dir für morgen vorgenommen? Hast du dich speziell darauf vorbereitet?
Ich habe mir vorgenommen, mein Bestes zu geben. Eine spezielle Vorbereitung habe ich nicht bestritten. Da ich letztes Jahr eine gute Saison hatte, veränderte ich in meiner Vorbereitung nichts. Speziell ist, dass wir Entlebucher Schwinger beim Aufbau des Festplatzes in Escholzmatt nicht mithelfen mussten. Denn wir verfügen im Entlebuch über so viele freiwillige Helfer, dass wir uns Schwinger dadurch aufs Schwingen konzentrieren können.

Wie wirst du den ersten Gang gegen Christian Schuler in Angriff nehmen?
Ich schwang länger nicht mehr gegen Christian. Er schwingt mit viel Kraft und Explosivität. Ich werde ihn noch genauer studieren und mich auf den Gang einstellen. Ich muss meine eigene Schwingart anwenden. Es wird sicher einen spannenden Gang geben.

Wird es in Escholzmatt auch dieses Jahr wieder einen Luzerner Sieger geben, oder könnte gar einer der starken Gäste den Sieg davon tragen?
Ich hoffe, dass einer von uns Luzernern gewinnen wird. Die Ausfälle, welche wir momentan zu beklagen haben, fallen sicher ins Gewicht. Wenn jeder seine Leistung bringt, liegt der Sieg sicher drin. Mein Bruder Marco ist verletzungsbedingt leider nicht dabei. Er ist nebst unseren Spitzenschwingern auch ein sicherer Wert. Wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben.

Die Luzerner Schwinger sind derzeit ziemlich stark aufgestellt. Besonders diejenigen vom Schwingklub Entlebuch. Was macht euch so stark?
Ich weiss es eigentlich auch nicht. Die Schwinger der jüngeren Garde um Joel Wicki sind alle gleich alt. Man spornt sich gegenseitig an und motiviert einander. Hat man Erfolg im Klub, stimmt es auch im Kopf. Wir verfügen zurzeit über 14 Kranzschwinger im Klub und können so gut trainieren.

Wie geht es deinem Bruder Marco, der sich kürzlich am Knie verletzte und bereits operiert wurde?
Marco konnte gestern das Spital verlassen. Er hat sich beim linken Knie das Innenband gerissen. Um das zu fixieren, wurden Anker reingeschraubt. Weiter erlitt er einen Knorpelschaden und riss sich eine Sehne an der Kniescheibe. Der Knorpelschaden zog einen grösseren Eingriff nach sich. Marco weiss, dass diese Saison gelaufen ist. Er wird als nächstes die Physiotherapie in Angriff nehmen. Wie ich aus eigener Erfahrung feststellte, hat der Schwinger fast weniger Probleme, dies zu akzeptieren, als das Umfeld.

marco fankhauser
Nach der Knie-OP lachte Marco schon bald wieder in die Kamera
Bildquelle: Facebook-Seite der Gebrüder Fankhauser

Besten Dank, Erich für deine Zeit und das informative Gespräch! Ich wünsche Dir morgen alles Gute und viel Erfolg beim eigenen Kantonalen. Deinem Bruder Marco wünsche ich gute Genesung und viel Kraft und Geduld auf dem Weg zurück auf die Schwingplätze.

feldwaldwiesenblogger

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