Schwingen in der Romandie: Gespräch mit dem Westschweizer Medienschaffenden Jimmy Erard

Am letzten Montag traf ich mich in Murten mit Jimmy Erard, einem Westschweizer Medienschaffenden. Dies im Rahmen meiner Vorschauenserie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest von Ende August. Mir fiel auf der Socialmedia-Plattform Facebook auf, dass seit einiger Zeit ein welscher Schreiberling seine schwingerischen Spuren hinterlässt, auch auf deutsch.
Für den Juni-Beitrag lasse ich darum sozusagen einen Kollegen von mir zu Wort kommen. Wobei Jimmy natürlich ein echter Journalist ist, und ich „nur“ ein (feldwaldwiesen)blogger.
Bei unserem Gespräch sprachen wir über verschiedenste Aspekte rund um den Schwingsport in der Romandie. Natürlich vor allem aus der Sicht eines Journalisten, welcher stimmungsvolle Berichte über die Schwingfeste abfasst.

Jimmy Erard ist ausgebildeter Journalist und besuchte die Journalistenschulen in Lausanne und Paris. Er war einige Jahre Redaktor der Schweizerischen Eisenbahnerverbands-Zeitung.
Heute arbeitet der schwingbegeisterte Mann als freischaffender Journalist, ist Medienchef des Neuenburger Kantonalen Schwingerverbandes und unterhält zudem deren Homepage.
Wohnhaft ist der 55-jährige Journalist seit gut 20 Jahren in Chaumont im Kanton Neuenburg. Jimmy stammt vom Kanton Jura und ging dort auch zur Schule, verbrachte aber als Kind auch einige Jahre in Wilderswil BE. Später arbeitete der Romand zudem einige Jahre als Bahn-Gewerkschaftssekretär in Bern und war tätig als Dolmetscher. Er spricht deshalb auch sehr gut Deutsch.
Jimmy hat selber nie geschwungen. Er spielte früher Eishockey und betreibt auch heute noch den Schiess-Sport.

Der Jurassier wurde letztes Jahr von einem Mitglied des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV) angefragt, ob er für den Schwingsport berichten möchte. Seit Oktober verfasst Jimmy nun zu einem grossen Teil Texte über den Schwingsport, schreibt aber auch über die Sozial- und die Verkehrs-Politik.
Sein Ziel ist es, mehr Leben in die Beiträge zu pflanzen um dadurch den Schwingsport besser an die Leute bringen zu können. Er sucht dabei die Nähe zu den Leuten und erhofft sich so kreative und persönliche Artikel.
Er findet, dass die Berichterstattung im Kanton Bern einfacher sei. Ganz einfach, weil die Resultate stimmen.
Jimmy möchte beim Schwingsport ein neues Informations- und Pressekonzept für die gesamte Romandie einführen. Er stiess dabei beim SWSV auf offene Ohren und hofft auf deren Unterstützung.

Der welsche Medienschaffende freut es, dass beim diesjährigen Neuenburger Kantonalen mit Samuel Dind nach 29 Jahren endlich wieder einmal ein einheimeischer Neuenburger gewonnen hat. Für ihn ist Dind das Zugpferd der Neuenburger Schwinger.

Jimmy hofft, dass Estavayer2016 eine Signalwirkung für den Schwingsport in der Romandie bedeutet, und dadurch einiges bewirkt werden kann. Einer oder mehrere Kranzgewinne könnte dies zusätzlich noch befeuern. Sei es hinsichtlich Jungschwinger-Zahlen oder aber auch zum Gewinnen von Sponsoren.

jimmy erardJimmy Erard, Westschweizer Medienschaffender
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viele Schwingbeiträge hast du dieses Jahr bereits verfasst?
Ich habe dieses Jahr bisher etwa 18 Berichte über den Schwingsport geschrieben und an die Neuenburger Zeitungen L’Express und L’Impartial weitergeleitet sowie auf die Homepage der Neuenburger Schwinger gestellt.

Wie kommen die Schwing-Beiträge in der Romandie an?
Das hängt natürlich davon ab, was gerade geschieht. Der Sieg von Samuel Dind löste im Kanton Neuenburg eine kleine Euphorie aus, und wir versuchten das so in den Zeitungsbeiträgen zu verkaufen.
Der Kanton Freiburg bildet in der Romandie eine Ausnahme. Dort wird der Schwingsport als „richtiger“ Sport betrachtet und demzufolge auch ausführlich darüber berichtet. Das ist in den anderen Westschweizer Kantonen leider anders. Vielfach werden die Artikel von den Redaktionen vor dem Erscheinen ziemlich zusammen gekürzt.

Spürt man wegen dem ESAF ein grösseres Interesse als sonst?
Das Interesse wurde spürbar grösser. Viele Leute sind bestrebt, am Anlass teilnehmen zu können. Ein Ticket in der Schwingerarena ist heiss begehrt. Unser Ziel ist es, nicht nur für die Schwingerzeitung zu schreiben, sondern auch den anderen Zeitungen etwas offerieren zu können. Wir versuchen deswegen auch wichtige Kontakte zu knüpfen.

Ich nehme an, dass in der Romandie dieses Jahr wegen dem ESAF mehr Zeitungsartikel über den Schwingsport gewünscht sind. Wie sieht der Vergleich mit anderen Jahren aus?
Ja, es sind mehr Artikel als in anderen Jahren erwünscht. Als Beispiel möchte ich das Neuenburger Kantonale in Couvet erwähnen, wo zwölf Medienstationen (Zeitungen, Regionalfernsehen und Lokalradio) vor Ort waren. So viele wie noch nie.

Was beinhalten deine Artikel über den Schwingsport?
Meine Beiträge beinhalten den eigentlichen Festverlauf, aufgepeppt mit speziellen Beschreibungen. Beispielsweise über den Festsieger. Ich versuche auch spezielle Fotos zu machen, und verwende diese für die Artikel. Ich beachte dabei, dass die Beiträge so kurz wie möglich sind, damit sie auch gelesen werden.

Besuchst du regelmässig Schwingfeste und schreibst darüber?
Ich besuche beinahe alle Schwingfeste in der Romandie. Dazu gehören auch die Jungschwingertage, bei welchen ich auch über Familien, welche ihre Söhne begleiten, berichte. Ich schreibe gerne über die verschiedenen Seiten des Schwingsportes und versuche mit Text und Bild die Ambiance einzufangen. Meine Artikel sind meist Stimmungsberichte.

Fährst du auch an Schwingfeste in der Deutschschweiz, und schreibst darüber?
Das werde ich in Zukunft auch machen. Ich bin der Meinung, dass wir Romands auch über Schwingfeste in der Deutschschweiz berichten sollten. Auch wenn keine welschen Schwinger am Start sind. Ich möchte gerne einmal im Kanton Graubünden ein Bündner-Glarner besuchen und einen Bericht darüber schreiben.

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Jimmy Erard spricht sehr gut deutsch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie lautet dein Fazit aus Sicht der Südwestschweizer Schwinger nach dem Schwarzsee-Schwinget?
Unsere Schwinger waren klar unterlegen. Ich habe bei ihnen keinen Siegerwillen gespürt. Gut ist, dass Marc Guisolan einen Kranz für den Südwestschweizer Schwingerverband gewann. In meinen Augen wäre mehr drin gelegen. Man darf verlieren, es kommt dabei immer darauf an, wie es geschieht. Die Schwinger traten leider schon mit einer Verlierer-Stimmung an. Es fehlen zudem in der Romandie die Zugpferde.

Wie beurteilst du die momentane schwingerische Situation in der Südwestschweiz, gut zwei Monate vor dem Eidgenössischen?
Es ist wie in der Deutschschweiz: Die Ansprüche sind hoch. Es gibt für keinen unserer Schwinger eine Garantie für einen Startplatz. Sie müssen sich alle qualifizieren, und sich beim Wettkampf und beim Training beweisen. Entscheidend sind dabei das Engagement und die Einstellung. Diese Schwinger müssen auch ein Vorbild für den Nachwuchs sein.
27 Schwinger von unserem Verband dürfen in Estavayer-le-Lac antreten. Wir wünschen uns, dass die Hälfte, also 14 Athleten, am Sonntag den fünften Gang bestreiten dürfen. Weiter erhoffen wir uns, dass die Hälfte dieser Schwinger, also sieben, am Sonntagnachmittag den siebten und achten Gang bestreiten dürfen. Und natürlich wünschen wir uns so viele Kränze wie möglich.

Daniel von Euw hat mir kürzlich in einem Interview gesagt, dass die Südwestschweizer Schwinger mehr Zeit im Schwingkeller statt im Kraftraum verbringen sollten. Was meinst du dazu?
Ich teile Daniel‘s Meinung nicht unbedingt. Es war vielleicht früher mal so. Heutzutage aber nicht mehr. Unsere Schwinger investieren viel Zeit ins Training. Man muss aber auch sehen, dass sie weniger Sponsoren und weniger finanzielle Unterstützung erfahren als Deutschschweizer Schwinger. Die Südwestschweizer Sägemehl-Athleten arbeiten vermutlich auch in grösseren Arbeitspensen. Natürlich: Wir Westschweizer haben eine lateinische Lebenseinstellung, unsere Schwinger trainieren trotzdem seriös. Marc Gottofrey führt beispielsweise ein spezielles Trainingsprogramm durch. Wir hoffen, dass dieses Programm Schule macht und allen Schwingern angeboten werden kann.

Wie gross ist in der Romandie bereits das „Fieber“ betreffs Estavayer2016?
Ich würde meinen, dass es an einigen Orten schon ziemlich erhöhte Temperatur aufweist. Im Kanton Freiburg ist das „Fieber“ schon sehr hoch. Sie machten im Vorfeld auch viel gute Werbung. In der Romandie wissen mittlerweile fast Zweidrittel der Leute, was Estavayer2016 bedeutet.

Was meinst du, erfreuen sich die jungen Leute in der Romandie einfach am ESAF oder werden auch vermehrt Jungschwinger deswegen hervorgehen?
Ich würde beides meinen. Wir haben gute Jungschwinger in der Romandie und hoffen, dass nach dem für uns sehr wichtigen Anlass die Jungschwinger-Zahlen weiter ansteigen werden.

Was wirst du während dem Eidgenössischen Schwingfest machen?
Wenn ich eine Akkreditierung erhalte, werde ich auf der Pressetribüne sein. Oder ich werde ausserhalb der Arena versuchen, die Ambiance einzufangen. Ich werde so oder so verschiedene Artikel schreiben und sie breit streuen.

Jimmy Erard lebt den Schwingsport, wie wenn er das schon seit Jahr und Tag gemacht hätte. Mit viel Engagement und Herzblut geht er an die Sache und brachte schon einige neue Ideen rein. Ihm wurden deswegen auch schon neue Aufgaben zuteil. So fungiert er 2017 bei der Delegiertenversammlung (DV) vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) als Generalsekretär. Vom 3. bis 5. März findet diese nämlich in Marin im Kanton Neuenburg statt.
Abschliessend lässt Jimmy wissen, dass für ihn die Freude am Schwingsport zugleich seine Motivation ist. Ich wünsche ihm deshalb, dass seine Ideen wie das Einführen eines neuen Informations- und Pressekonzeptes in Erfüllung gehen und er dem Schwingsport in der Romandie noch lange erhalten bleibt.

feldwaldwiesenblogger

Vor dem Stoos-Schwinget: Gespräch mit dem Schwing-Experten Daniel von Euw

Am 12. Juni beginnt die Bergkranzfest-Saison. Traditionell wird diese mit dem Stoos-Schwinget eingeläutet. Die Hälfte der diesjährigen Kranzfeste ist mittlerweile Geschichte. Bisher fanden Kantonal- und Gaufeste statt. Diese waren allesamt spannend und lieferten viele (neue) Erkenntnisse. Die Wachtablösung der Jungen hat begonnen, mit Armon Orlik, Samuel Giger und Remo Käser reihten sich gleich drei „junge Wilde“ unter die Kranzfestsieger. Eine Erkenntnis war aber auch: Mit der älteren Garde wie beispielsweise mit den Schwingerkönigen Matthias Sempach, Kilian Wenger oder Nöldi Forrer ist nach wie vor zu rechnen. Auch sie gewannen je ein Kranzfest.

Zeit also, vor dem Klassiker auf dem Stoos mit einem ausgewiesenen Experten ein Gespräch zu führen. Daniel von Euw ist gleich aus mehreren Gründen dafür bestens prädestiniert. Erstens gewann er selber zweimal den Stoos-Schwinget, zweitens war der vierfache Eidgenosse von 1981 bis 2002 ein erfolgreicher Spitzenschwinger und drittens kennt der Ingenbohler als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich hervorragend.
Am letzten Montag traf ich Daniel in seinem Büro in Schwyz. Der zweifache Familienvater ist Geschäftsführer bei der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz. Der 11-fache Kranzfestsieger studierte an der ETH in Zürich Agronomie und schrieb zudem eine Doktorarbeit.

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Daniel von Euw in seinem Büro bei der OAK Schwyz
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie beurteilst du den bisherigen Verlauf der Kranzfest-Saison? Welche Schwinger sind dir dabei besonders aufgefallen?
Man spürt ganz klar, dass endlich die Ablösung kommt. Mich freuen die super Resultate der Nachwuchsleute. In der Nordostschweiz ist dies Armon Orlik, ein hervorragender Schwinger mit guten körperlichen Voraussetzungen. Weiter Samuel Giger, welcher als 18-Jähriger körperlich schon ziemlich auf der Höhe ist und schon mehrmals gestandene Schwinger besiegen konnte. Im Bernbiet ist es Remo Käser, welcher dieses Jahr den Durchbruch an die Spitze schaffte. In der Nordwestschweiz erwähne ich Nick Alpiger. Dieser verfügt über gute Voraussetzungen. Genau wie die grosse Zukunftshoffnung Michael Bächli, letztjähriger Brünig-Kranzer, welcher sich später leider verletzte. In der Innerschweiz erfreuen wir uns am starken Joel Wicki und an Pirmin Reichmuth, welcher erst von einer längeren Verletzungspause zurückgekehrt ist.
Ich hoffe, dass diese Ablösung in dem Sinne so weitergeht. Es tut sicher gut, wenn die Jungen je länger je mehr den Arrivierten ein Bein stellen können.

Mich überrascht aber auch Nöldi Forrer, der explosiv schwingt, rangeht und konditionell sowie körperlich parat ist. Da ist aber auch ein Dani Bösch, der keine grossen Fortschritte mehr gemacht hat, aber unglaublich gute körperliche Voraussetzungen mitbringen würde. Jetzt wo gute junge Nachwuchsleute kommen, ist er plötzlich im Hintertreffen.

Der erste Kranzfest-Auftritt von Matthias Sempach seit seiner Verletzungspause beeindruckte mich. Er war dabei extrem fokussiert. Wenn er so weiter macht, ist er für den Königstitel wieder ein sehr wichtiger Kandidat.
Ebenfalls sehr gute Feste bestritt Christian Schuler, welcher bisher sehr konstant war und dabei zeigte, was er alles kann. Es beweist mir, dass er bereit ist. Die Leistung von Philipp Laimbacher am Ob- und Nidwaldner Kantonalen war super. Man muss bei ihm einfach hoffen, dass sein Knie hält. Er ist körperlich parat und voll durchtrainiert. Auch Andi Ulrich ist gut drauf. Er kann technisch praktisch jedem ein Bein stellen. Seine Leistung im Schlussgang des Schwyzer Kantonalen war einfach gewaltig. Ich hoffe auch, dass Mike Müllestein noch mehr an die letztjährige Saison anknüpfen kann. Im Frühling sah es sehr gut aus, als er innerhalb von zwei Tagen gleich zwei Rangschwingfeste gewann. Im Kanton Schwyz haben wir einige junge Schwinger wie beispielsweise Ralf Schelbert, die nachdrücken.

Es freut mich, wenn die älteren und arrivierten Schwinger immer noch mithalten können. Sie sollen aber gefordert werden. Der Start in die Saison war genial und das macht den weiteren Saisonverlauf dadurch extrem spannend. Die Situation ist offen. Wenn die genannten Schwinger gesund bleiben, gehören sie in Estavayer zu den Topfavoriten auf den Königstitel.

Wie beurteilst du die Stärkenverhältnisse der einzelnen Teilverbände?
Auch wenn die Berner unter anderem mit Christian Stucki, Matthias Sempach oder Kilian Wenger bisher gewichtige verletzungsbedingte Absenz verzeichneten, haben sie dennoch die breiteste Spitze. Nichtsdestotrotz haben die Innerschweizer einige arrivierte Schwinger, welche ergänzt mit Joel Wicki und Pirmin Reichmuth, den Bernern ein Bein stellen können. Auf dem dritten Platz folgen die Ostschweizer, bei welchen Armon Orlik und Samuel Giger die Arrivierten fordern. Es zeigte auch, wie ein Nöldi Forrer darauf reagiert hat. Auch ein Dani Bösch kann jeden gewinnen, wenn’s ihm läuft. Man erinnere sich nur an seinen Sieg beim letztjährigen Schwägalp-Schwinget. Die Nordostschweizer haben aber hinter ihrer Spitze schon noch ein paar Aufgaben zu lösen.
Nordwestschweiz: Wenn bei Christoph Bieri das Selbstvertrauen stimmt und sein Rücken in Ordnung ist, kann er gegen die besten mithalten. Ein Bruno Gisler darf man zwar nicht abschreiben, aber ganz nach vorne wird es ihm nicht mehr reichen. Gespannt bin ich, wie sich Nick Alpiger oder Michael Bächli entwickeln. Die Nordwestschweizer haben noch weitere Nachwuchshoffnungen, welche aber noch Lehrgeld bezahlen müssen.
Mehr Sorgen macht mir der Südwestschweizerische Teilverband. Sie versuchen zwar alles und ich hoffe für sie, dass sie in Estavayer einen Kranz machen können. Es wird aber schwierig. Einige ihrer Schwinger wie beispielweise Pascal Piemontesi oder Benjamin Gapany bringen sehr gute körperliche Voraussetzungen mit. Ich denke, es fehlt bei ihnen nicht an der Kraft sondern an der Technik. In meinen Augen sollten sie mehr Zeit im Schwingkeller statt im Kraftraum verbringen.
Besonders spannend wird es, wenn die Teilverbände in nächster Zeit aufeinander treffen.

Wann hast du den Stoos-Schwinget gewonnen? Wie viele Kränze hast du dir auf dem Stoos insgesamt erkämpft?
1992 und 1994 konnte ich den Stoos-Schwinget jeweils gewinnen. Insgesamt erkämpfte ich mir neun Stoos-Kränze. Wenn ich gesund fertig schwingen konnte, habe ich stets eine gute Rangierung erreicht. Es war mein Heimfest und deshalb für mich auch speziell schön vor dem eigenen Publikum antreten zu können.

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Daniel von Euw am Stoos-Schwinget 1994, welchen er gewann
Bildquelle: sportalbum.ch

Wer zählt für dich am kommenden Sonntag auf dem Stoos zu den Favoriten?
Von den Voraussetzungen her werden die Innerschweizer die Favoritenrolle tragen. Allen voran die Schwyzer Christian Schuler, Philipp Laimbacher und Andi Ulrich. Gut anstehen würde ein Stoos-Sieg natürlich Andi. Er war schon ein paar Mal nahe dran, konnte bisher aber noch nie gewinnen.
Weiter aus Urner Sicht Andi Imhof, welcher bei Bergfesten bisher noch keine grossen Stricke verriss. Die Ausnahme bleibt der Rigi-Sieg von 2014. Von den Ob- und Nidwaldnern gilt es Benji von Ah zu beachten. Er ist in meinen Augen wegen Verletzungen zwar nicht mehr ganz dort, wo ich ihn mal gesehen habe. Marcel Mathis ist eine Wundertüte. Wenn’s ihm läuft, kann er vorne mitschwingen. Bei den Luzernern bin ich gespannt auf Sven Schurtenberger und Philipp Gloggner, welche durchaus an der Spitze mitzuhalten vermögen.
Bei den Nordwestschweizern dürfen wir auf den Auftritt von Nick Alpiger gespannt sein. Bei den anderen wird das primäre Ziel der Kranzgewinn sein.

Könnte es Andreas Ulrich zum ersten Stoos-Sieg reichen?
Auf alle Fälle. Er hat bisher bewiesen, dass er „zwäg“ ist, und durchaus reüssieren kann. Das Publikum würde ihm den Sieg sicher sehr gönnen.

Betrachtet man den Verlauf des Baselstädtischen Schwingertages genauer, kann man davon ausgehen, dass die starken Innerschweizer die Nordwestschweizer im Griff haben werden, oder?
Für die Nordwestschweizer wird es relativ hart werden, da mit Mario Thürig und Bruno Gisler (Teilnahme am Sonntag beim Südwestschweizerischen) sowie Christoph Bieri (verzichtet auf einen Start, um sich für kommende Anlässe zu schonen) ihre Leistungsträger fehlen. Ich denke, die Innerschweizer werden die Nordwestschweizer in Schach halten können.

Hat der Stoos-Schwinget für dich auch heute noch einen besonderen Stellenwert?
Ja sicher. Für mich ist es das Fest, welches mein Klub, der Schwingerverband am Mythen, organisiert. Ich durchlief alle möglichen Chargen, angefangen vom Täfeli-Buäb, dann als aktiver Schwinger. Ich erlebte dabei beides, vom Sieg bis zu verletzungsbedingter Aufgabe. Weiter amtete ich als Vizepräsident im Organisationskomitee. Dadurch hat der Stoos-Schwinget für mich einen besonderen Stellenwert. Es ist zudem ein traditionelles Bergfest in unserer Region. Da gehe ich natürlich immer noch sehr gerne hin: Heutzutage als Radio-Kommentator.

Stichwort Radio-Kommentator: Seit wann bist du eigentlich Schwingfest-Kommentator bei Radio Central?
Das hat mit einer schweren Verletzung angefangen, welche meine aktive Karriere beendete. Beim Schwyzer Kantonalen 2002 in Muotathal gewann ich wohl das Fest, verletzte mich aber leider im Schlussgang am Knie. Ich war im selben Jahr mit Krücken beim Stoos-Schwinget anwesend und schaute neben der Pressetribüne zu. Vor dem Schlussgang kam Alfons Spirig auf mich zu und fragte, ob ich mit ihm den Schlussgang am Radio kommentieren möchte. Ich sagte zu, denn so konnte ich sitzen und hatte meine Ruhe.
Ich kommentierte 2002 noch das eine oder andere Fest am Radio. Meine Absicht war aber, nochmals ins Sägemehl zurückzukehren. Diese Hoffnung zerschlug sich aber. 2004 gab ich den definitiven Rücktritt. Seither kommentiere ich regelmässig für Radio Central.

Wie viele Schwingfeste kommentierst du diese Saison für Radio Central? Auch beim Eidgenössischen?
Dieses Jahr sind 12 Schwingfeste geplant. Auch beim Eidgenössischen sind wir von Radio Central während zwei Tagen voll dran.

Wie bereitest du dich jeweils auf den Einsatz als Kommentator vor?
Ich bereite mich nicht speziell darauf vor. Als Kommentator bin ich fürs technische zuständig. Da ich regelmässig an die Schwingfeste gehe, kenne ich die Schwinger. Ich verfolge die Resultate und habe viele vergangene Gänge noch im Kopf, vor allem wichtige Begegnungen zwischen Spitzenschwingern. Im Internet findet man zudem auf den entsprechenden Seiten viele Informationen zu den einzelnen Schwingern.
Beim Schwingfest nehme ich ein Blatt Papier und notiere für mich die Favoriten in einer logischen Reihenfolge. Auf die Rückseite schreibe ich die Gäste auf, ebenfalls in einer „Favoriten“-Reihenfolge. Dazu schreibe ich die Resultate, Gegner und mit einem Stichwort wie der Gang gewonnen oder verloren ging.
Alfons Spirig erzählt vom Drumherum und für den schwingerischen Verlauf gibt er mir das Wort.

dani von euw als kommentator (quelle feldwaldwiesenblog)Daniel von Euw als Radiokommentator
Bildquelle: feldwaldwiesenblog.ch

Ich bedanke mich bei Daniel von Euw für seine Zeit und die interessanten und ausführlichen Antworten. Nicht nur der 81-fache Kranzgewinner freut sich auf den Stoos-Schwinget. Auch ich fiebere dem Anlass entgegen und bin gespannt, was am Sonntag auf dem Schwyzer Hausberg abgeht. Bergkranzfeste haben immer seine eigenen Gesetze, Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Dennoch steht am Ende des Tages mit grosser Wahrscheinlichkeit einer der Favoriten zu Oberst. Denn bei diesen Festen trennt sich bekanntlich die Spreu vom Weizen: Jeder Gang wird hart und es gibt keine Schonung. Eine Ausgangslage für einen absoluten Top-Schwinger.

feldwaldwiesenblogger

Christian Schuler’s Weg nach Estavayer: Zwischenbilanz der laufenden Kranzfestsaison (Teil 3)

Der mittlerweile 11-fache Kranzfestsieger bestritt diesen Frühling der Reihe nach folgende Kranzfeste: Das Zuger Kantonale, den Baselstädtischen Schwingertag, das Schwyzer Kantonale und das Luzerner Kantonale. Christian Schuler’s Agenda beinhaltet acht Kranzfeste vor dem Saisonhöhepunkt, dem Eidgenössischen, welches das neunte Kranzfest für den Sennenschwinger bedeutet. Laut seinem Schwingkalender folgt am 12. Juni der Stoos-Schwinget, am 3. Juli das Innerschweizerische, am 16. Juli der Weissenstein- und am 31. Juli der Brünig-Schwinget. Es ist also Halbzeit, Zeit für eine Zwischenbilanz.

Das Zuger Kantonale scheint dem Marketing-Fachmann wie angegossen zu liegen. Gewann er doch am 24. April in Hünenberg See dieses Fest bereits zum vierten Mal hintereinander. Beim Baselstädtischen Schwingertag und beim Schwyzer Kantonalen stand Christian beide Male im Schlussgang. Beide Male musste er leider als Verlierer den Platz verlassen. Es fehlte aber sowohl in Basel wie auch in Schindellegi wenig, und der Sieger hätte auch Christian Schuler geheissen. Beim Luzerner Kantonalen lief es ebenfalls sehr gut und der Marketingfachmann belegte in der Endabrechnung den sehr guten zweiten Rang. Auch dieses Kantonalfest prägte der dreifache Eidgenosse mit und verpasste den Schlussgang nur knapp.

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Christian Schuler mit Lebendpreis nach dem Luzerner Kantonalen
Bildquelle: Rolf Eicher

Kurzer Rückblick: Am 26. Februar startete ich eine vierteilige Serie mit Christian Schuler: Christian Schuler’s Weg nach Estavayer: Einblick ins Wintertraining (Teil 1). Dabei gewährte mir der dreifache Eidgenosse Einblick in sein hartes Wintertraining. Kurz vor Beginn der Kranzfeste kontaktierte ich Christian Schuler wieder. Im Teil 2 meiner Serie hielt ich mit ihm Rückblick auf die Frühjahrsfeste, aber auch Vorschau auf die Kranzfestsaison.

Zur Erinnerung: Als Vorbereitung bestritt der Rothenthurmer zwei Vorbereitungsfeste, nämlich den Hallenschwinget Sarnen und den Frühjahrsschwinget in Pfäffikon SZ. In Sarnen belegte der dreifache Eidgenosse den sehr guten Rang 2a. Den Frühjahrsschwinget in Pfäffikon SZ gewann Christian in überzeugender Manier.

Vor einigen Tagen stellte ich Christian am Telefon zehn Fragen, welche in erster Linie seine hervorragende Zwischenbilanz betrafen. Dabei interessierten mich auch die Schlussgänge beim Basel Städtischen und dem Schwyzer Kantonalen. Und natürlich auch die nahe Zukunft, der Beginn der Bergkranz- und Teilverbandsfeste. Mit dem Stoos-Schwinget läutet der Familienvater nämlich den zweiten Teil seiner Kranzfestsaison ein.

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Christian packte bei den vier Kantonalen meist kräftig zu
Bildquelle: Rolf Eicher

Die Zwischenbilanz sieht sehr gut aus und kann sich absolut sehen lassen. Bist du völlig zufrieden mit dem Verlauf der bisherigen vier Kranzfeste?
Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen. Schön, dass ich dabei fünf Eidgenossen besiegen konnte, und drei Schlussgänge erreichte. Daraus resultierte ein Kranzfestsieg, aber auch zwei Schlussgangniederlagen. Der fünfte Gang beim Luzerner Kantonalen brachte mich um den vierten Schlussgang. Dies muss ich einfach akzeptieren.

Welches waren bisher deine Highlights?
Ein Highlight war in dem Sinne jedes einzelne Kantonalfest. Ich konnte jedes der vier Kranzfeste mitprägen und hatte bei jedem Fest ein paar schöne Gänge. Zudem konnte ich gegen gute Gegner gewinnen.

Was würdest du deiner Meinung nach bei den Schlussgängen vom Baselstädtischen und dem Schwyzer Kantonalen heute anders machen?
Beim Baselstädtischen Schwingertag habe ich im Schlussgang alles richtig gemacht. Kilian Wenger hat mit seiner Klasse einfach gut auf einen Angriff von mir reagiert.
Andreas Ulrich und ich kennen einander sehr gut. Ich hatte meine Chancen im Schlussgang des Schwyzer Kantonalen und suchte die Entscheidung. Gegen Ende des Ganges schwang ich plötzlich zu offen, was Andreas perfekt auszunutzen vermochte.

Wie beurteilst du heute den fünften Gang beim Luzerner Kantonalen gegen Sven Schurtenberger? Wurdest du von ihm überrascht?
Ich wusste um die Stärke von Sven Schurtenberger, dennoch sah ich meine Chance gegen ihn. 2014 und 2015 konnte ich Sven jeweils besiegen. Ich ging etwas gar früh und zudem ziemlich frech in einen Angriffsschwung rein. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass mir ein gestellter Gang für den Schlussgang gereicht hätte. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meine Defensive nicht so entblösst.

Welche Gegner waren bisher deine schwierigsten?
Ich hatte viele schwierige Gegner, darunter mehrere Eidgenossen. Dabei hatte es einige Knacknüsse. Es stimmt mich positiv, dass ich mit sehr vielen gut schwingen konnte.

Es fällt auf, dass du die meisten deiner bisher gewonnenen Gänge in den ersten Minuten gewonnen hast. Zufall oder bewusste Absicht?
Ich versuche von Anfang an meine Stärken einzusetzen und konsequent in einen Gang zu gehen. Diese Taktik hatte ich schon als junger Schwinger inne. Bei den vier Kantonalfesten lief es gut, und ich konnte jeweils früh die Gänge für mich entscheiden. Es gab aber auch gewonnene Gänge, die länger dauerten.

Bisher bestrittest du vier Kantonalfeste. Nun beginnen die Berg- und die Teilverbandsfeste. Diese werden noch härter werden. Bist du bereit dafür?
Auf die bevorstehenden Anlässe freue ich mich sehr. Berg- und Teilverbandsfeste sind immer eine spezielle Herausforderung.

Was meinst du, kannst du bei den kommenden Kranzfesten gar noch zulegen? Oder anders gefragt: Bist du schon in Topform?
Die bisherigen Anlässe verliefen soweit gut. Aber natürlich probiere ich aus meinen begangenen Fehlern zu lernen und versuche stetig besser zu werden.

Welche Chancen rechnest du dir aus, den einen oder anderen der vier kommenden Anlässe zu gewinnen?
Es wäre sehr schön einen solchen Anlass gewinnen zu können, und die Chancen dazu sind intakt. Neben einer guten Tagesform braucht man auch immer das nötige Wettkampfglück. Das Innerschweizerische Schwingfest wird von unserem Schwingklub im Klosterdorf Einsiedeln durchgeführt und ich freue mich sehr auf diesen Anlass. Wie es in der Endabrechnung kommt lasse ich auf mich zukommen. Ich will einfach attraktiven Schwingsport zeigen.

Belastet dich das Fehlen von Martin Grab? Wie geht es ihm eigentlich?
Martin fehlt mir vor allem beim Training. Es tut mir sehr leid für ihn, dass er zurzeit nicht schwingen kann. Wir stehen miteinander in Kontakt. Es geht ihm soweit gut. Ich hoffe, dass er möglichst rasch zurückkehrt.

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Christian blickt gespannt in die Zukunft
Bildquelle: Rolf Eicher

„… die Chancen sind intakt.“ und „Neben einer guten Tagesform braucht man auch immer das nötige Wettkampfglück.“: Diese Aussagen von Christian Schuler enthalten genau meine Sicht der Dinge. So wie ich nämlich die bisherige Saisonleistung des 76-fachen Kranzschwingers beurteile, liegt ein Sieg an einem der drei Bergkranzfeste oder beim Innerschweizerischen absolut im Bereich des Möglichen. Natürlich, es muss dabei immer alles stimmen. Angefangen bei der Gesundheit bis hin zum angesprochenen Glück. Bei den kommenden Schwingfesten warten in jedem Gang harte Gegner, Schonung wird es keine geben. Christian freut sich auf die bevorstehenden Aufgaben. Dies denke ich ist auch der Schlüssel zum Erfolg: Zuoberst sollte immer die Freude am Schwingsport stehen.
In diesem Sinne wünsche ich dem Rothenthurmer viel Freude, Erfolg, Glück und Gesundheit. Irgendwann nach dem Abschluss der vier Feste und noch vor dem Eidgenössischen treffe ich Christian nochmals. Für den vierten und letzten Teil der Serie „Christian Schuler’s Weg nach Estavayer“.

feldwaldwiesenblogger